Kapitel 21 - Die Wahrheit

Am nächste Tag - die Strahlen der Sonne fielen bereits schräg durch die Bäume - versammelte sich die Legion abermals, um die Kaiser zu begrüßen.

Als Zenturio war es Maximus nun gestattet, an den Einsatzbesprechungen mit den beiden großen Männern teilzunehmen ... eine Ehre, die er nur zu gern akzeptierte. Im großen Zelt des Prätoriums drängten sich die diensthabenden Offiziere jeden Ranges. Auch Commodus war anwesend, aber er vermied finster jeden Blickkontakt mit Maximus, obwohl der ruhig neben dem Eingang stehende Zenturio ihn wortlos mit einem mörderischen Funkeln seiner blauen Augen herausforderte. Markus Aurelius aber sah den jungen Soldaten und ein Wiedererkennen dämmerte auf seinem Gesicht in Gestalt eines leisen Lächelns und leichten Kopfnickens. Erstaunt erwiderte Maximus das Lächeln des Kaisers, zuerst  unsicher, dann jedoch mit einem breiten Grinsen, das er mit einem Kopfneigen zu verbergen suchte. Markus Aurelius lachte leise. Er mochte diesen jungen Mann wirklich.

Der Kaiser leitete die Besprechung, welche auch die letzten Neuigkeiten aus Rom über den Stand der Seuche umfaßte, die endlich nachzulassen schien, nachdem sie Tausende von Einwohnern in einem schnellen und gnadenlosen Tod hinweggerafft hatte. Wie so oft dachte Maximus an seinen jungen Freund Lucius und fragte sich, wie es ihm ergangen sei. Maximus erfuhr auch, daß der gegenwärtige Friede nur ein äußerst unsicherer war. Die Front im Osten war sicher, aber nun versetzte Unzufriedenheit den Norden in Unruhe, und alle Legionen entlang der Donau hatten sich vermehrt auf einen Krieg vorzubereiten. Der junge Zenturio fühlte, wie sich sein Magen in einer Mischung aus Erregung und Furcht zusammenzog. War er bereit für die Aufgabe, seine Männer in einen wirklichen Krieg zu führen? Seine Gedanken wurden durch Lucius Verus unterbrochen, der verkündete, daß in einigen Tagen die beiden Kaiser mit einer ausgewählten Gruppe von Männern eine blitzschnelle Strafaktion gegen den germanischen Stamm auf der anderen Seite des Flusses durchzuführen gedächten. Da er selbst erst vor kurzem zum Offizier ernannt worden war, erwartete der junge Zenturio nicht, in diese ausgewählte Truppe aufgenommen zu werden.

Nach der Besprechung mischten sich die beiden Kaiser ungezwungen unter die Offiziere und Markus Aurelius legte Wert darauf, Maximus ausfindig zu machen, der sich nicht von seinem Platz neben dem Eingang weggerührt hatte. "Ich dachte mir schon, daß Du es bist, Maximus. Das letztemal, als ich Dich sah, warst Du noch ein Junge, und nun bist Du ein Zenturio, in Deinem Alter ... das hat es bisher noch nie gegeben. Meine herzlichsten Glückwünsche." Markus klopfte dem jungen Mann auf die Schulter und erhob sein Glas zum Gruß.

"Danke, Herr." Während er sich verneigte, sah er, daß Commodus ihn anstarrte, seine jungen Züge entstellt durch ein blasses, verkrampftes Aussehen angesichts des vertrauten Umganges zwischen dem Zenturio und seinem Vater.

"Habe ich recht verstanden, daß Du morgen an dem Schaukampf teilnehmen wirst?" fragte Markus.

"Ja, Herr."

"Nun, Du wirst Dich kaum weiter beweisen müssen, nach Deinem jünsten Abenteuer, aber ich freue mich darauf, Dich in Aktion zu sehen."

"Danke, Herr."

Markus Aurelius tätschelte Maximus' Schulter, dann wandte er sich dem nächsten Offizier zu und Maximus stand zum erstenmal Lucius Verus gegenüber. Er war ungefähr zehn Jahre jünger als Markus Aurelius, dachte Maximus, und schätzte ihn auf höchstens Mitte dreißig. Da er sowohl Kaiser als auch Kommandeur war, trug er meist die volle Rüstung, was ihn äußerst beeindruckend erscheinen ließ. Ein kleiner, stämmiger Mann mit frühzeitig ergrautem Haar, sein Kopf reichte gerade bis zu Maximus' Nase, aber niemand missdeutete seinen Mangel an Statur als einen Mangel an Tapferkeit. Gemeinsam mit General Cassius hatte er den Angriff gegen die östlichen Aufständischen mit großem Erfolg geführt. Da er unverheiratet war, begleiteten ihn im Lager seine ältliche Mutter und die jüngere Schwester, die ungefähr dreißig war, aber Maximus konnte sich nicht erinnern, eine der Frauen während ihres Aufenthaltes hier gesehen zu haben. Auch die Familien der Senatoren waren unter sich geblieben.

"Maximus, nicht wahr?"

"Ja, Herr." Maximus verneigte sich.

"Was für ein glücklicher Zufall, daß Du gerade außerhalb des Lagers warst, als die Barbaren angriffen."

"Sie haben nicht direkt angegriffen, Herr ... "

"Nur weil Du sie daran gehindert hast, Soldat. Ah, Rom kann sich glücklich schätzen, Männer wie Dich zu haben, Maximus. Es sind genau solche Männer wie Du, die dafür sorgen, daß das Reich stark und ungeteilt bleibt."

"Danke, Herr." Der junge Zenturio war geradezu überwältigt von der Aufmerksamkeit der beiden mächtigsten Männer des Reiches.

"Und ich schulde Dir einen persönlichen Dank, daß Du Dein Leben riskiert hast, um die Menschen innerhalb des Lagers zu schützen, insbesondere meine Familie ... und meine Verlobte."

"Deine Verlobte, Herr?" fragte Maximus höflich

"Ja", lachte Lucius Verus leise. "Lucilla. Wir werden in Kürze heiraten. Bin ich nicht ein glücklicher Mann?"

Ein plötzlicher Schmerz durchbohrte Maximus' Körper vom Kopf bis zu den Füßen, griff nach dem Herzen in seiner Brust und schnürte ihm die Luft zum Atmen ab. Er konnte nur schwach nicken, als er nach Luft rang, die Hand an seiner Kehle.

"Geht es Dir gut, Soldat? Du siehst aus, als ob Du jeden Augenblick ohnmächtig würdest." Lucius Verus schaute besorgt in Maximus' Gesicht, ernsthaft beunruhigt.

"Es geht mir gut", flüsterte Maximus. "Entschuldige mich, Herr, ich brauche etwas Luft." Ohne darauf zu warten, entlassen zu werden, stolperte er dem Ausgang entgegen, achtete nicht auf die neugierigen Blicke seiner Offizierskameraden und der beiden Kaiser, und er sah auch nicht das verhaltene Siegerlächeln aufbrechen in den dunklen Zügen des vierzehnjährigen Erben des Reiches.

Draußen angelangt, krümmte sich Maximus und sog die kühle Luft in tiefen, keuchenden Zügen in seine brennenden Lungen. Er fühlte eine Hand seinen Rücken berühren und jemand rief seinen Namen, aber er riß sich los und rannte, bis er das hintere Tor des Lagers erreichte, stürzte vorbei an den Wachen und lief hinaus in die Dunkelheit der Nacht. Er hielt in seinem Lauf nicht inne, bis er das Ufer des Flusses erreichte, wo er noch vor wenigen Tagen so vertraute Momente mit Lucilla verbracht hatte. Lucilla, die während der ganzen Zeit wußte, daß sie einen Kaiser heiraten würde. Sie hatte ihn von Anfang an getäuscht - mit ihm gespielt - und er war vor Liebe zu blind gewesen, um es zu bemerken.

Der Schmerz in seiner Brust zwang ihn auf die Knie und er krümmte sich zusammen bis seine Stirn den kühlen, feuchten Sand berührte. Sein Schmerz glich einer geschmolzenen Kugel von brennendem Pech, verzehrte sein Herz und verbrannte es zu Asche. Maximus rollte auf seinen Rücken, trockenes Schluchzen schüttelte seinen Körper, bis seine Wut in einem Schmerzensschrei explodierte, der die Stille um ihn herum erschütterte. Eine Eule floh mit  furchterfülltem Schrei von ihrem Ruheplatz hoch über ihm und ihre Rufe mischten sich in die nächtliche Luft.

 

Kapitel 22 - Vorführung

Maximus saß still wie eine Statue auf seinem wundervollen braunen Hengst, die Männer seiner Zenturie um ihn versammelt ziemlich am Ende der großen freien Fläche zwischen den Schanzanlagen. Die Schafe hatte man weggescheucht und hölzerne, üppig mit Seidenstoffen verhängte Tribünen errichtet, um den Kaisern, den Senatoren und ihren Familien Platz zu bieten.

Maximus schaute nicht mal in ihre Richtung.

Lucilla saß auf der Tribüne zwischen ihrem Vater und ihrem Verlobten, ihre Haltung war still und starr, wie die jenes Mannes auf dem Pferd, der ihren Blick wie in einem Schraubstock gefangen hielt. Ihre Augen folgten ihm überall ... während er seine Männer an den Tribünen vorbei paradieren ließ, dann von seinem Pferd abstieg, Schwert und Schild ergriff und zur Mitte der grasbewachsenen Fläche schritt. Von der gegenüberliegenden Seite näherte sich ein anderer Soldat.

"Quintus", grüßte ihn Maximus.

"Maximus, ich habe Dich lange nicht gesehen. Glückwunsch zu Deiner Beförderung", antwortete Quintus ernst. "Keiner verdient es mehr als Du." Quintus war schon lange zu der Einsicht gekommen, daß er seinen Freund in keinem Bereich würde überflügeln können, aber er hatte sich geschworen, alles zu versuchen, um wenigstens mit ihm Schritt halten zu können.

Maximus' Beförderung zum Zenturio hatte den jüngeren Mann allerdings einen gewaltigen Schritt nach vorn gebracht.

Maximus gelang ein angespanntes Lächeln. "Danke, mein Freund. Es war zu lange."

"Wie wäre es mit einem Becher Wein, nachdem wir die Kaiser unterhalten haben? Wir könnten einige Dinge nachholen."

Maximus nickte zustimmend, dann reichten sich die Männer die Hände, bevor sie sich trennten und einige Schritte voneinander entfernten, um sich darauf vorzubereiten, den versammelten Würdenträgern ihre Fähigkeiten mit Schwert und Schild zu demonstrieren.

Obwohl Maximus ganz entspannt schien, war da etwas in seinem Ausdruck, das Quintus beunruhigte ... eine Härte in seinen Augen, die er nie zuvor gesehen hatte. Es war beunruhigend.

Das Startsignal erweckte Maximus schlagartig zum Leben. Quintus hatte kaum Gelegenheit, den Schild hochzureißen, bevor Maximus sein Schwert mit einem brutalen Hieb niedersausen ließ, der die Zuschauer vor Überraschung die Luft anhalten ließ. Quintus stolperte unter dem Schlag, konnte sich aber rechtzeitig sammeln, um einen weiteren unbarmherzigen Stoß abzuwehren, der ihn in die Knie zwang. Entsetzen mischte sich mit Erregung, als Quintus bewußt wurde, daß dies kein gewöhnliches Kräftemessen war, und er hob sein Schwert eben rechtzeitig, um den nächsten Hieb zu parieren und abzuwehren. Funken sprühten, als Stahl auf Stahl traf und die Menge jubelte, besonders die Männer der 6.Zenturie, in vollkommenem Respekt vor ihrem jungen Kommandeur.

Die Kombattanten trieben einander vor und zurück quer über das Feld mit die Arme ermattenden Schlägen und furchterregenden Schreien. Auf der Tribüne war Commodus auf seinen Beinen, seine Hände verkrampft vor Erregung, seine Augen auf Maximus geheftet. Und der Mann war wirklich sehenswert in seiner blitzenden Rüstung, die glänzenden Muskeln spielten auf seinen bloßen Armen und Beinen unter der schlichten Tunika, während er zuhieb und abwehrte, angreifend und umhertänzelnd. Nun, da dieser Mann nicht länger ein Anwärter auf die Zuneigung seiner Schwester war, konnte Commodus wieder den Krieger in ihm bewundern.

Die Menge hatte nicht mit einer derartigen Brutalität in diesem Kampf gerechnet und immer noch ließ Maximus nicht ab. An der Seitenlinie begann Darius zunehmend besorgt zu werden. Maximus hatte, wie es schien, jedes Maß verloren und schien entschlossen, auf Leben und Tod zu kämpfen. Wut nährte seine Energie. Quintus hielt sich erstaunlich gut aber ermüdete zusehends unter den Angriffen. Darius bewegte sich auf den Kampfplatz zu und ignorierte die Rufe, aus dem Weg zugehen. "Maximus", rief er. "Maximus, es reicht! Es reicht! Beruhige Dich!"

Maximus hörte ihn entweder nicht oder er wollte ihn nicht hören und ließ einen weiteren wütenden Hieb auf Quintus' Schild niedersausen. Jedem war inzwischen klar, daß Quintus in Schwierigkeiten war.

Auf der Tribüne rang Lucilla ihre Hände, denn sie wußte nur zu gut, warum Maximus kämpfte wie ein Dämon. Vor ihr sprang Commodus vor lauter Freude auf und ab. Neben Commodus saß ihre Mutter und betrachtete Maximus in einer Weise, die Lucillas Magen sich zusammenziehen ließ. Zitternd machte sie einen tiefen Atemzug und versuchte zu verstehen, wie dieser Krieger dort unten auf dem Feld derselbe zärtliche Mann sein konnte, der sie in seinen Armen gehalten und so zart geküßt hatte.

Plötzlich sprangen alle auf der Tribüne wie ein Mann auf die Füße und nahmen ihr den Blick auf das Kampfgeschehen. Trotz ihrer Angst erhob sie sich rechtzeitig, um zu sehen, daß Maximus sein Schwert auf den Boden fallen ließ und zu Quintus lief, der sich auf dem Boden wand und die Hände auf sein Gesicht presste.

"Hast Du das gesehen? Hast Du das gesehen, Mutter? Maximus hat ihn mitten ins Gesicht getroffen. Er hat ihn bestimmt getötet." Annia strahlte nur.

Darius erreichte Quintus vor Maximus und zog ihm die Hände vom Gesicht. Das Blut spritzte aus einem gezackten, tiefen Schnitt zwischen den Augen hervor. Darius riß ein Stück Tuch von seiner Tunika und presste es fest auf die Wunde, dann schaute er auf zu Maximus, der stumm und blass dastand. "Es ist nicht so schlimm wie es aussieht. Kopfwunden bluten stark." Aber dann wurde sein Ton ärgerlich. "Du hast ihm keine Chance gelassen, Maximus. Du hättest ihn töten können. Ist es das, was Du wolltest?"

Maximus schüttelte stumm den Kopf.

Vom Boden aus sagte Quintus:"Ich bin in Ordnung, Maximus. Hilfst Du mir aufzustehen, bitte?"

Maximus ließ sich auf ein Knie fallen und legte sich einen von Quintus' Armen um die Schulter, während Darius den anderen nahm. Langsam verließen sie das Feld unter den Jubelrufen von Maximus' Männern. Er war jedoch zu beschämt, um diese richtig wahrzunehmen. "Quintus, es tut mir so leid", flüsterte er.

"Ach was, die Narbe wird mich nur noch schöner machen als ich schon bin. Diese jungen Dinger aus dem Dorf werden nun mich wollen statt Dich."

Als die drei Männer vom Feld zurückkamen, wandte sich Markus Aurelius an eine Ordonnanz und befahl:"Sag Maximus, daß er nach den Spielen zu mir kommen soll. Ich habe einige Dinge mit ihm zu besprechen."

Für einen Augenblick betrachtete er seine Tochter, die still und blass da saß und auf die drei Männer in der Ferne blickte, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem nächsten Wettkämpferpaar zu, das bereits das Feld betreten hatte.

Später am Abend suchte Maximus Markus Aurelius im Zelt des Kaisers auf. Markus begrüßte ihn warm und sagte:"Seit ich hier angekommen bin, Maximus, habe ich nichts anderes gehört als Deinen Namen: der General, die Senatoren, mein Sohn, meine Tochter... alle sprechen von Dir. Es scheint, daß Du auf viele Leute einen ziemlichen Eindruck gemacht hast. Und mit Sicherheit hast Du heute Nachmittag bei mir einen Eindruck hinterlassen."

Maximus fühlte sich unbehaglich und trat von einem Bein auf das andere. "Ich muß mich dafür entschuldigen, Herr."

"Mir ... mir ist der Kampf aus den Händen geglitten. Er war nur als ein Schaukampf geplant und niemand sollte dabei verletzt werden."

"Das Blut gerät während der Schlacht schnell in Wallung, Maximus, auch wenn diese Schlacht nicht echt ist. Du hast mir so eine Vorstellung von dem gegeben, was den Germanen in jener Nacht widerfahren ist." Der Kaiser lachte. "Sie tun mir beinahe leid."

Maximus weigerte sich, dieses Lob allzu schnell anzunehmen. "Quintus ist mein Freund, Herr, und ich habe ihn unnötigerweise verletzt."

"Komm, setz Dich zu mir, Maximus." Markus wies mit seiner Hand auf einen Lederstuhl und der junge Soldat setzte sich dankbar.

"In Dir ist echter Kampfesgeist, Sohn. Das ist sehr viel seltener als Du denkst und für einen Soldaten Roms eine kostbare Gabe." Markus lächelte. "Du bist noch sehr jung für derartige Fähigkeiten. Du mußt nur lernen, sie zu kontrollieren und Dein Unbehagen auf die richtige Person zu lenken, in der richtigen Weise. Offensichtlich war Quintus nicht das Objekt Deines Zorns, aber praktischerweise lief er Deinem Schwert gerade zur rechten Zeit über den Weg."

Maximus nickte, die Augen auf den Boden geheftet.

"Wenn mir widerfahren wäre, was Du in den vergangenen Tagen durchgemacht hast, dann wäre auch ich bereit gewesen, jeden Mann, der mir über den Weg lief, einen Kopf kürzer zu machen."

Maximus blickte auf, eine Frage stand in seinen Augen.

"Meine Tochter hat mich aufgesucht, kaum daß ich hier angelangt war. Sie war sehr verzweifelt und hat mir gestanden, daß sie sich in Dich verliebt hat ... ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sie wirklich den Unterschied kennt zwischen Liebe und Vernarrtheit. Sie hat mir auch von Deinem Hund berichtet und einigen anderen Dingen." Markus seufzte tief. "Ich kann nur zu gut verstehen, warum Du ihr so wichtig bist, Maximus. Unter anderen Umständen würde ich Eure Liebe in jeder Weise unterstützen und wäre glücklich, Dich zum Sohn zu bekommen. Nichts hätte mich glücklicher gemacht, das versichere ich Dir. Aber Lucilla ist die Tochter eines Kaiseres, und sie muß ihre Pflicht tun für Rom, so wie Du. Ihre Pflicht ist es, zu heiraten und einen künftigen Kaiser zu gebären, der das Blut zweier Kaiser in sich vereint, und zu diesem Zweck wurde sie vor zwei Jahren mit dem Kaiser Lucius Verus verlobt. Sie bat mich, sie nicht vor ihrem achtzehnten Lebensjahr zu verheiraten und ich habe ihr das zugestanden, aber nun ist sie achtzehn und die Hochzeit wird in Kürze stattfinden. Wahrscheinlicher noch hier in Germanien als in Rom, da wir noch einige Zeit nicht dorthin zurückkehren können. Kaiser Lucius legt Wert darauf, es endlich öffentlich zu machen.

Markus lehnte sich in seinem Sessel vor und schaute Maximus direkt ins Gesicht. "Sie hat mir gestanden, daß sie zu Dir von ihrer Liebe gesprochen hat, ohne ihre Verlobung zu erwähnen und Dich so hat glauben lassen, daß es für euch eine gemeinsame Zukunft geben könnte. Ich glaube nicht, daß sie Deine Gefühle manipulieren wollte, Maximus. Sie hat wirklich gehofft, daß ich nachgeben und ihr erlauben würde, den Mann ihrer Wahl zu heiraten, aber das ist unmöglich. Verstehst Du das?"

"Ja, Herr. Ich verstehe."

"Wenn dem auch so ist, Dein Herz versteht nicht, was Dein Verstand vielleicht erfaßt. Ah, ich erinnere mich, wie ich in Deinem Alter war, Maximus. Ich erinnere mich an die Heftigkeit der Liebe ... und des Herzschmerzes. Wir alle leiden daran. Aber ich bin bestürzt, daß gerade meine Tochter das Herz eines jungen Mannnes brechen mußte, den ich  bewundere und an dem mir so viel gelegen ist."

Maximus schluckte vernehmlich. "Danke, Herr", flüsterte er.

"Lucilla hat recht, weißt Du. Du könntest ein gutes Vorbild für Commodus sein. Ganz sicher braucht er den Einfluß eines klugen, ehrenhaften und tapferen Mannes wie Du es bist. Aber das ist wiederum meine Sache." Markus stand aus seinem Sessel auf und begann hin und her zu laufen. "Ich habe das Gefühl, daß meine Familie Dir in einer Reihe von Dingen Unrecht zugefügt hat, und ich werde tun, was ich kann, um es wieder gut zu machen. Als erstes werden mein Sohn, meine Tochter und meine Frau morgen abreisen und bei einer anderen Legion bleiben, die nicht allzu weit von hier stationiert ist. Lucius Verus wird sie begleiten und dann allein hierher zurückkehren."

Maximus fühlte Bitterkeit in sich aufsteigen und er schluckte abermals hart.

"Zweitens erteile ich Dir die Erlaubnis zu heiraten, Maximus, wenn Du eine geeignete Frau finden wirst, die Du liebst ... und Du wirst wieder lieben, auch wenn Du daran jetzt nicht glauben kannst. Du bist einer der ganz wenigen Männer in der gesamten römischen Armee, die dieses Privileg besitzen. Zuletzt und als wichtigstes hat sich ein Senator gefunden, der um die Erlaubnis gebeten hat, Dich als seinen Sohn adoptieren zu dürfen, und ich habe die Papiere unterzeichnet und Dich damit zu einem vollwertigen Mitglied der Senatoren-Klasse gemacht, dem alle Privilegien derselben zustehen."

Alles geschah so schnell, daß Maximus kaum die Bedeutung all dessen erfassen konnte. "Wie ist sein Name, Herr?"

"Marcus Licinius Marcellus, aber man hat mir bereits gesagt, daß Du Deinen eigenen Namen beizubehalten wünscht und so soll es sein. Du wirst ihn noch später heute Abend treffen, aber Du mußt keinerlei weitere Beziehung mit ihm oder seiner Familie unterhalten, wenn Du das nicht wünschst. Die Adoption ist eine reine Formalität."

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Herr."

Markus stand vor ihm und Maximus erhob sich. Das Lächeln des älteren Mannes war so freundlich und voll Anteilnahme, daß Maximus seine Fingernägel in die Handflächen bohrte, um die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. Markus faßte beide Schultern des jungen Soldaten und sagte freundlich: "Es ist am besten, wenn Du meine Tochter nicht mehr wiedersiehst, Maximus. Sie hat in ihrem Zimmer zu bleiben, bis sie morgen abreisen wird. Vergiß sie, Sohn."

Maximus nickte unglücklich.

"Wenn Kaiser Lucius Verus in einigen Tagen zurückkehrt, werden wir eine Strafexpedition nach jenseits des Flusses durchführen, um den Barbaren klar zu machen, daß Ungehorsam nicht toleriert wird. Ich möchte, daß Du an dieser Expedition teilnimmst, Maximus."

Der Zenturio öffnet erstaunt den Mund. "Es wird mir eine Ehre sein, Herr."

Markus lachte. "Ich möchte die Energie und das Können, derer ich heute ansichtig wurde, gegen die germanischen Aufständischen gerichtet sehen." Maximus antwortete mit einem Lächeln. "Gut, wir wollen nun Deinen Adoptivvater treffen und dann kannst Du etwas Schlaf gebrauchen. Wir beide können das."

Als Maximus an diesem Abend endlich das Zelt des Kaisers verließ, schaute er auf seinem Weg zum Tor des Prätoriums weder nach rechts noch nach links. Dank Markus Aurelius sah er seine Zukunft nun klarer, wußte, wozu er in der Lage sein würde und was er erreichen wollte. Nichts würde ihm im Wege stehen ... und niemand.

Tränenerfüllte grüne Augen sahen seinen gerade aufgerichteten Rücken und seine starken Schultern durch das Tor verschwinden. Lucilla hatte sich den ganzen Abend am Eingang ihres Gemaches herumgedrückt, in der Hoffnung, einen Blick auf Maximus erhaschen zu können und ein Zeichen, daß er ihr vergeben hätte, aber sie wußte jetzt, daß es nicht so war. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte bitterlich bei dem Gedanken, was aus ihrem Leben nun werden würde ... und was aus ihm hätte werden können.

Kapitel 23 - Der Angriff

Maximus fröstelte, als der kalte Frühjahrsregen auf seinen Kopf trommelte und das Ufer in knöcheltiefen schwarzen Morast verwandelte. Sein Hengst warf den Kopf hin und her, missmutig, in voller Kriegsausrüstung im Platzregen ausharren zu müssen, während Maximus ihm mitfühlend den Hals klopfte. Die Bewegung gab seinen eigenen Nacken dem Sturm preis, und eiskalte Bäche rannen unter seinen Harnisch. Sie durchnässten sein Unterzeug und ließen es juckend an seinem Körper kleben.

Maximus war einer von hundert ausgewählten Männern, die beim ersten Tageslicht die Donau überqueren und eine überraschende Strafaktion gegen die Armee der Barbaren am gegenüberliegenden Ufer durchführen sollten. Die Römer waren zahlenmäßig weit unterlegen, aber ihre Blitzattacke würde nötigenfalls von einem Angriff großen Stils der gesamten Legion unterstützt werden. Die anderen Felix-Legionen waren in höchster Alarmbereitschaft, falls Verstärkung von Nöten wäre. Es war noch dunkel - vielleicht fünf Uhr morgens - und die Morgendämmerung würde wegen des trüben Wetters auf sich warten lassen, aber eben dieses Wetter war bestimmt, ihr Leben zu schützen. Der kühle Nordwind garantierte, daß kein Geräusch von der römischen Seite über den Fluß getragen würde. Die tiefhängenden grauen Wolken und der vom Wasser aufsteigende Nebel würden sie vor am andern Ufer postierten Spähern verbergen.

Darius saß Maximus zur Linken und Quintus zur Rechten. Vor ihnen waren Kaiser Lucius Verus und General Patroclus. Hinter ihnen befanden sich an die neunzig weitere Legionäre, alle speziell ausgewählt wegen ihrer hervorragenden Kampferfahrung. Alle diese Männer waren ebenso missmutig und nervös wie er selbst, aber kein Laut war zu hören bis auf das ungeduldige Schnaufen und Stampfen der Pferde.

Maximus schaute nach Osten und sah, daß der Himmel langsam heller wurde. Bald würde das Signal kommen, die schweren Flöße aus ihrem Versteck im Wald in das Wasser zu ziehen. Im Geist überprüfte er nochmals seine Waffen - die Schwerter und den Schild, die sicher an seiner Seite befestigt waren. Mehr als die Hälfte der Männer waren Bogenschützen, die den Angriff zu Fuß führen, so viele Germanen als möglich töten und so das Lager des Feindes in Verwirrung versetzen würden, bevor die Kavallerie angriff.

Spione hatten ganze Arbeit geleistet und die Römer besaßen genaueste Kenntnisse sowohl über die Anordnung des Lagers als auch über die Anzahl der Feinde. Die Befehle waren eindeutig: angreifen, töten und zurückkehren in die Sicherheit des Flusses, wo Bogenschützen unter dem Kommando von Markus Aurelius warteten, um hunderte von Pfeilen über das Wasser zu senden und mögliche überlebende Germanen von einer Verfolgung abzuhalten.

Jetzt war es bereits nicht mehr schwierig für Maximus, Wasser und Land zu unterscheiden und er wartete auf das Kommando zum Vormarsch. Es kam nach wenigen Minuten. Die schweren Flöße wurden zu Wasser gelassen und Lucius Verus und General Patroclus bestiegen das erste, während ihre Pferde ins Wasser tauchten, um hinter ihnen her zu schwimmen. Maximus, Quintus und Darius folgten gemeinsam mit vier anderen Soldaten auf dem zweiten Floß. Maximus schauderte, als das kalte Wasser in seine Stiefel eindrang. Er griff augenblicklich nach einem Ruder und bewegte das Floß hinaus auf den breiten Fluß. Quintus ruderte ebenfalls und Darius hielt die Zügel ihrer hinterdreinschwimmenden Pferde, ihre platschenden Laute wurden vom niederprasselnden Regen übertönt.

Sie landeten flußaufwärts des Lagers der Barbaren und sammelten sich für den Angriff. Alle Männer froren furchtbar und zitterten, gleichermaßen wegen der Nervenanspannung und der eisigen Fahrt über den Fluß. Maximus atmete tief ein und aus, um ruhiger zu werden, und schaute auf Darius und Quintus, die ganz in der Nähe auf ihren Pferden saßen."Ehre und Stärke", sagte er mit ruhiger Überzeugung und beide blickten ihn überrascht an.

Darius lächelte. "Ehre und Stärke, Maximus." Er beugte sie vor, um die Hand des Freundes zu ergreifen. "Ja. Ehre und Stärke", antwortete auch Quintus sehr ernst und tat dasselbe.

Alle Augen blickten auf Lucius Verus und erwarteten sein Signal. Rauch von den morgendlichen Lagerfeuern schwebte über den Bäumen ... unter normalen Umständen ein einladender Duft, aber jetzt ein Hinweis, daß die Bewohner des Lagers bereits auf den Beinen waren. Lucius Verus erhob einen Arm in die Luft. Als er ihn sinken ließ, stürmten fünfzig Bogenschützen zu Fuß in den Wald in Richtung des Lagers. Sie waren schnell aus dem Blickfeld der Kavallerie verschwunden, aber die überraschten Rufe gefolgt von den Schreien noch schlaftrunkener Männer zeigten an, daß die Mission der Bogenschützen erfolgreich verlaufen war. Lucius Verus hob abermals seinen Arm und Maximus spürte, wie seine Muskeln sich anspannten. Das Schwert fiel nieder und General Patroclus stürmte mit der Kavallerie in den dunklen Wald gegen das Lager zu, die gezogenen Schwerter hoch erhoben.

Maximus brach unmittelbar hinter dem General aus dem Wald hervor. Sein Schwert sauste in einer brutal schwungvollen Kreisbewegung nieder und wirbelte den Kopf eines unglücklichen Germanen buchstäblich durch die Luft, bevor er auf dem Boden aufschlug und in den Matsch rollte. Er riß sein Schwert wieder hoch und versprengte die Blutstropfen des getöteten Mannes über Harnisch und Gesicht. Schnell entledigte sich Maximus zweier weiterer Männer, die in Panik davonrannten. Maximus empfand es irgendwie als zermürbend, mit seinem Schwert auf einen Mann einzuschlagen, der nichts anderes zu seiner Verteidigung hatte als seine erhobenen Hände. Sein kraftvoller Arm und das scharfe Schwert durchtrennten den Hals eines Mannes so mühelos wie ein Messer einen Laib Brot.

Der junge Zenturio war beinahe erleichtert, als er sah, daß die Männer des Stammes sich endlich bewaffneten und versuchten, einen Gegenangriff zu organisieren. Maximus jagte sein Pferd in ihre Richtung, unmittelbar hinter seinem General. Mit einem lauten Schrei tötete der General zwei der Männer mit einem mächtigen Hieb seines Schwertes. Maximus tat es ihm gleich, Schlag um Schlag, und die beiden römischen Krieger trieben die Germanen zurück, die in panischer Eile die Deckung der Bäume zu erreichen suchten.

"Maximus", schrie der General und wies mit dem Schwert hinter den jungen Soldaten.

Maximus riss sein Pferd gerade rechtzeitig herum, um einem Angriff aus den Wäldern zu begegnen und er hieb sich seinen Weg durch die anstürmenden Germanen. Der Regen strömte unentwegt nieder und der Boden verwandelte sich schnell in einen Morast aus Matsch und Blut. Die Pferde begannen auszugleiten und auch die Fußsoldaten fielen in der zähen Masse hin. Maximus rieb sich mit dem Unterarm die Tropfen von den Augen und blickte schnell um sich, um die Lage einzuschätzen. Überall lagen tote Körper umher, die meisten waren langhaarige Männer des germanischen Stammes aber auch mindestens ein Dutzend Römer waren gefallen. Maximus konnte nicht erkennen, wer sie waren. 

Der Kampfeslärm erstarb langsam und in der Ferne hörte Maximus, daß Lucius Verus den Befehl gab, sich an das Ufer zurückzuziehen. Er selbst und der General waren am weitesten vom Sammelpunkt entfernt und Maximus wandte sich im Sattel um, um nachzuschauen, ob Patroclus den Befehl ebenfalls gehört hatte. Was er sah, traf ihn wie ein Schlag. Der General lag am Boden, eingeklemmt unter seinem Pferd, das im Morast ausgeglitten war. Den römischen Feldherrn auf dem Boden liegen sehend, krochen einige der Männer aus dem Lager, die in die Wälder entkommen waren, zurück in seine Richtung. Als das Pferd versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, durchbohrte ein Pfeil seinen Hals, und sein Kopf fiel schwer in den Morast. Maximus drängte seinen Hengst verzweifelt zwischen seinen gefangenen General und die germanischen Angreifer. Er gebrauchte seinen Schild um den Aufprall von mindestens einem halben Dutzend Pfeilen abzuwehren. Er schrie nach Verstärkung, konnte aber niemand sehen. Und der undurchdringliche Regenschleier verschlang seine Worte.

Kapitel 24 - Der Angriff (Fortsetzung)

Mit einem kurzen Seitenblick versuchte Maxiumus auszumachen, mit wie vielen Männern er es zu tun hatte. Mindestens ein Dutzend, dachte er bei sich ... viel zu viele, um einen Angriff auch nur in Erwägung zu ziehen. Er mußte also nur dafür sorgen, am Leben zu bleiben und seinen General so gut es eben ging zu schützen, bis irgendjemand in der Legion feststellte, daß sie fehlten.

Ein hohes singendes Geräusch veranlaßte Maximus, den Kopf hochzureißen kurz bevor ein Pfeil mit einem mächtigen Aufschlag von seinem Harnisch abprallte, ihn selbst zurücktaumeln  und seinen Hengst sich schreckerfüllt aufbäumen ließ. Er versuchte, sich am Hinterteil des Pferdes festzuhalten, aber seine Hände glitten an dem regendurchnässten Haar ab, und er stolperte rückwärts in den Morast, sein Schwert und den Schild fest mit seiner Faust umklammernd. Er überschlug sich, als er im Schmutz landete und war eben wieder auf den Beinen, als ein weiterer Hagel von Pfeilen auf ihn niederging. Sie schlugen ohne irgendwelchen Schaden anzurichten in seinen hochgezogenen Schild ein. Als die germanischen Krieger sich anschickten, eine weitere Salve von Pfeilen abzuschießen, tappte Maximus rückwärts, stolperte über das tote Pferd des Generals und fiel mitten auf den eingeklemmt daliegenden Mann während die Pfeile in seinen Schild einschlugen. Der Gedanke schoß durch Maximus' Kopf, wie viele Pfeile der Schild noch verkraften könnte.

"Bist Du verletzt, Herr?" fragte er besorgt.

"Am meisten ist mein Stolz verletzt, Maximus", presste Patroclus hervor, das Gesicht zu einer Grimasse verzogen, "aber ich fühle mein Bein nicht und ich kann es auch nicht unter dem Pferd hervorziehen."

"Wo ist Dein Schild, Herr?"

"Unter dem Pferd. Ich weiß nicht, wo mein Schwert geblieben ist. Ich muß es bei meinem Sturz verloren haben." Die Stimme des Generals klang angestrengt.

Maximus glitt tiefer in den Schlamm und benutzte den Körper des toten Pferdes, um den Aufprall der Pfeile abzufangen, aber er wußte, daß die Germanen bald einen weiteren Annäherungsversuch unternehmen würden. Patroclus war bis an die Hüften unter dem toten Tier begraben und so tief in den Schlamm gepresst, daß Maximus ihn unmöglich ohne Hilfe befreien konnte. Er drehte sich herum und lag nun mit dem Rücken gegen das Pferd. Seine Füße traten auf etwas Hartes. Es war das schmutzverkrustete Schwert des Generals. Maximus ergriff es und rieb so viel Dreck als möglich ab bevor er es leicht in die Höhe hielt, um dem Regen die restliche Arbeit zu überlassen. Während er dies tat, bemerkte er germanische Krieger mit groben Waffen,die von einem Baum zum andern liefen. Pfeile auf der einen Seite und auf der anderen Männer mit Schwertern. Wie, im Namen der Götter, sollte er damit fertig werden?

Maximus deckte den General mit seinem eigenen Schild. Er ignorierte dessen Warnung über die Dummheit eines solchen Verhaltens. "Maximus, mir ist nicht mehr zu helfen. Aber Du hast noch eine Chance. Nutze sie."

"Nein, Herr."

"Maximus, noch gebe ich die Befehle."

"Natürlich, Herr. Aber Du bist nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Bitte, vertrau mir, daß ich jetzt das Richtige tue."

Patroclus warf einen Blick auf den entschiedenen Ausdruck im Gesicht des jungen Soldaten - einen in der Tat erschreckenden Ausdruck. Sein Mund bildete eine harte entschlossene Linie und seine stahlblauen Augen waren gefährlich eng. Der General nickte nur. In seiner verzweifelten Situation konnte er sich keinen anderen Soldaten denken, den er lieber bei sich hätte als Maximus.

Der junge Zenturio wußte, daß Patroclus im selben Augenblick angegriffen würde, sobald er ihn verließ. Daher wartete er auf den Angriff der Männer mit den Schwertern und fragte sich, wieviele Pfeile jene hinter seinem Rücken noch übrig haben mochten. Er hatte keinen Schild und seinen Helm hatte er schon lange irgendwo im Matsch verloren, was ihn äußerst verwundbar machte, aber auch die Bogenschützen hatten Probleme, ihr Ziel im niederströmenden Regen auszumachen. Die nächste Ladung Pfeile grub sich in den Leib des toten Pferdes, flog aber auch in Richtung der Bäume und senkte sich tief in den Morast auf beiden Seiten. Wegen der Ungenauigkeit ihrer Schüsse wußte Maximus, daß sie einhalten würden, solbald die Krieger mit den Schwertern angriffen, aus Angst, ihre eigenen Leute zu verletzen. Es war nur eine Frage der Zeit.

Ein primitiver, schriller Schrei aus dem Wald ließ Maximus' Nackenhaare sich sträuben und er sprang auf die Füße, das Schwert in beiden Händen haltend. Sechs germanische Krieger brachen aus dem Unterholz hervor und griffen ihn an. Als einer von ihnen, das Gesicht nach unten, in den Matsch viel, fühlte Maximus einen heftigen Schlag an der Hinterseite seines linken Oberschenkels, der ihn fast zu Boden warf. Als er nach unten blickte, sah er die Spitze eines Pfeiles vorn aus seinem Bein heraustreten und er wunderte sich für einen Augenblick, warum er keinen Schmerz verspürte. Er schaute eben noch rechtzeitig auf, um das Schwert über seinem Kopf zu erblicken, welches auf seinen Nacken zielend niedersauste. Er schwang seinen linken Arm mit Wucht nach oben, die beiden Waffen klirrten aneinander und die Klinge des Germanen flog in hohem Bogen in den Morast. Mit einem brutalen Stich seines rechten Armes erledigte er den nun unbewaffneten Mann, stieß seinen Körper nach hinten und kollidierte dabei mit einem weiteren Angreifer so heftig, daß sie beide zu Boden gingen. Mit einem schnellen Satz sprang er auf den noch atmenden Mann und schlug ihm mit einem sauberen Schlag den Kopf ab.

Sein Bein begann zu schmerzen, aber Maximus hatte keine Zeit für Selbstmitleid, da die noch verbliebenen vier Germanen sich in einem Bogen um ihn verteilten. Ein hohes, zischendes Geräusch von hinten ließ Maximus sich ducken, und der für ihn bestimmte Pfeil bohrte sich mitten in das Herz des ihm am nächsten stehenden Mannes. Dieser fiel wie ein Stein zu Boden und Maximus befand sich nun drei sehr wachsamen Männern gegenüber. Einer rief den Bogenschützen einen Befehl zu, einen Befehl, der - so hoffte Maximus - dem Niederprasseln der Pfeile ein Ende bereiten würde.

Seine schnellen Augen sprangen von einem Mann zum andern, während seine Feinde offenbar versuchten herauszufinden, wie sie seiner habhaft werden konnten - dieses schmutz-verkrusteten, aus einer häßlichen Beinwunde blutenden römischen Dämons. Maximus verzog die Lippen und knurrte, dann schleuderte er ihnen eine Ansammlung ordinärer Ausdrücke entgegen. Es war ihm klar, daß sie seine Worte wohl kaum verstanden, aber mit Sicherheit würden sie die Drohung in seiner tiefen, grollenden Stimme wahrnehmen. Er sah, was er erhoffte hatte - einen Anflug von Unsicherheit in den Augen des Mannes zu seiner Linken. Mit blitzartiger Geschwindigkeit riß er seinen rechten Arm zurück und schwang sein Schwert durch die Luft. Einen Augenblick später durchbohrte es den Nackn seines Feindes und der Mann stürzte zu Boden, die Augen weit aufgerissen.

Maximus packte das verbliebene Schwert mit seiner Rechten, als eine Welle von Schwindel über ihn hereinbrach. Ein kurzer Blick nach unten zeigte ihm, daß sein Bein von Blut gerötet war. Auch der hämmernde Schmerz breitete sich aus, vom Oberschenkel hinunter in die Wade und nach  oben der Hüfte entgegen. Die beiden übrig gebliebenen Germanen betrachteten ihn zufrieden und stellten fest, daß sie nur zu warten brauchten, bis der Römer zu Boden fiele, was mit Sicherheit bald geschähe, dann würden sie näher kommen und ihn und den Mann unter dem Pferd töten.

"Maximus, Maximus, halte durch", drängte Patroclus vom Boden her mit sehr schwacher Stimme.

"Ja, Herr", antwortete Maximus, und auch seine Stimme war nun nicht mehr stark.

Maximus tat einen Schritt vorwärts und taumelte, als ein brennender Schmerz seinen gesamten Körper durchzuckte. Schwach hörte er das Gelächter der beiden noch verbliebenen germanischen Krieger und presste ein neuerliches Knurren hervor, während er sie  anstarrte. Verwundert sah er, wie sich ihr selbstgefälliges Grinsen in blankes Entsetzen wandelte, während sie langsam zurückwichen, dann herumwirbelten und zurück in den Wald liefen. Schwindel zwang Maximus auf die Knie und er sank zu Boden, Dutzende von Pfeilen fällten die beiden Germanen inmitten ihrer Laufes. Verwirrt drehte Maximus sich um sich selbst und starrte in Darius' bleiches Gesicht. "Warum habt ihr so lange gebraucht?" fragte der erschöpfte Zenturio, während er langsam in den Schmutz und in eine gnädige Bewußtlosigkeit sank.

 

Kapitel 25 - Auszeichnungen

"Maximus, trink das", befahl Darius, während er die Schultern des verletzten Mannes stützte.

Dankbar schüttete Maximus den Wein hinunter, dann nahm er ein weiteres Glas und leerte es ebenfalls. Sein verschwommener Blick sagte ihm, daß er in seinem Zelt war, aber er hatte keine Idee, wie er dorthin gelangt sein könnte. "Wie ...?"

"Du sollst nicht sprechen", kommandierte Darius. "Der Arzt wird in einer Minute hier sein -  sobald Du betrunken genug bist, daß der Pfeil entfernt werden kann."

"General ..."

"Ich sagte, nicht sprechen"" Darius versuchte, ärgerlich zu klingen, aber ohne Erfolg. "Ein zerquetschtes Bein und die Hüfte gebrochen. Er wird zur Behandlung nach Rom zurückgeschickt werden." Nachdenklich sah Darius Maximus an. "Er hat uns berichtet, was Du getan hast. Sehr eindrucksvoll, mein junger Freund. Sehr eindrucksvoll."

"Wo waren ...?"

"Wo waren wir?" unterbrach Darius. "Hier. Trink noch ein Glas. Wir waren bereits auf halbem Wege zurück über die Donau, unsere Bogenschützen kümmerten sich um die verbliebenen Männer aus dem germanischen Lager, da bemerkten wir, daß ihr beide auf keinem der Flöße wart. Dein Pferd stieß auf dem Rückmarsch zu uns, Du aber nicht. Der General und sein Pferd waren nirgendwo zu sehen. Wir brauchten eine Weile, um dem Pfeilregen Einhalt zu gebieten und die Flöße zu wenden, um herausfinden zu können, was mit euch geschehen war." Darius' bemühte sich, seine Stimme recht schroff klingen zu lassen. "Ich wußte, daß Du am Leben warst. Du bist verdammt noch mal viel zu stur, um einfach zu sterben. Trink noch was."

Maximus schüttete das vierte Glas der süßen, roten Flüssigkeit in sich hinein und war dankbar, als das schmerzhafte Pochen in seinem Unterkörper spürbar nachließ.

"Du hast viel Blut verloren, mein Freund. Wenn dieser Pfeil Dich nur ein wenig weiter rechts getroffen hätte ... nun. Du wirst Dich eine Weile ausruhen müssen, nachdem man Dich versorgt haben wird." Darius' Stimme entschwand , als Maximus' Kopf an der Schulter des älteren Zenturio zur Seite rollte. Darius legte ihn sanft zurück auf das Bett und gab den Ärzten ein Zeichen, einzutreten. Sie trugen eine furchterregende Auswahl von Instrumenten bei sich, und Darius wußte, daß das Entfernen des Pfeiles für ihn schlimmer würde als für den schlafenden Mann selbst.

Langsam kam Maximus wieder zu Bewußtsein. Sein Körper sandte augenblicklich Signale an das Gehirn und vermeldete die Rückkehr des hämmernden Schmerzes. Wenigstens konzentrierte sich dieser nun in seinem Bein und quälte nicht den gesamten Körper. Er mußte etwas Unverständliches gemurmelt haben, denn Darius war im selben Augenblick an seiner Seite und legte eine kühle Hand auf seine Stirn.

"Versuch nicht, Dich zu bewegen, Maximus. Der Pfeil ist entfernt und die Wunde gereinigt worden, aber es hat die Ärzte einige Zeit gekostet. Der Pfeil war in Deinem Bein zerbrochen und mit Schmutz bedeckt. Du hast Fieber, aber die Ärzte sind sicher, daß es bald vorübergehen wird. Sie haben völlige Ruhe verordnet und keine anderen Besucher außer mir. Nicht mal die Kaiser dürfen herein kommen und sie sind begierig darauf, mit Dir zu sprechen."

Maximus zeigte durch ein schwaches Kopfnicken an, daß er verstanden hatte und schloß die Augen, um wieder in die Bewußtlosigkeit zurückzusinken. Er wachte spät am nächsten Tag auf, durstig und hungrig, ein gutes Zeichen nach Ansicht der Ärzte. Einen Tag später setzte er sich bereits auf und begann, sich über Langeweile zu beklagen. Für eine Weile lenkte Darius ihn mit Brettspielen ab,  aber Maximus war nicht an Untätigkeit gewöhnt und das Eingesperrtsein machte ihn griesgrämig. Endlich schnauzte Darius ihn an: "Du siehst aus wie ein Stück Sch...e, weißt Du das." Er verzog die Nase dramatisch. "Und Du riechst wie eines."

"Danke, Darius. Ich möchte baden."

"Du darfst Dein Bein nicht nass werden lassen."

"Gut, aber der Rest von mir, der darf nass werden."

"Du darfst dieses Zelt nicht verlassen."

"Dann bring mir ein Bad hierher. Und heiß, bitte, wenn Du nichts dagegen hast." Maximus schaute Darius mit hochgezogenen Augenbrauen an. Als Darius sich nicht bewegte, stieß Maximus ihn mit dem Ellbogen an.

"Du wirst langsam unausstehlich, weißt Du das!" Darius milderte seine Worte, indem er Maximus freundschaftlich das Haar zerzauste. Mit gespieltem Abscheu zog er seine Hand zurück. "Pfui!" sagte er. "Du hast ja immer noch getrockneten Matsch im Haar und wer weiß was noch. Ich kümmere mich um Dein Bad."

Stunden später verließ Maximus frisch gebadet und in sauberer Kleidung sein Zelt, eine Krücke unter dem Arm und Darius an seiner Seite. Er hinkte stark, als er sich seinen Weg durch das Lager bahnte ... das Vorankommen war in der Tat mühevoll, da jeder ihn anhielt, um ihm zu gratulieren, besonders die Männer seiner Zenturie, die ihren jungen Anführer mehr denn je verehrten.

Endlich erreichten sie die Stallungen und er fand sein Pferd zufrieden an einer Portion Heu kauend vor.

"Verräter", sagte er und rieb die Nase des Tieres zärtlich. "Du hattest wohl beschlossen, den Komfort deines Stalles vorzuziehen statt mir da 'raus zu helfen, hmm?" Der braune Hengst antwortete, indem er vorsichtig Maximus' Hand beschnupperte.

"Herr?"

Maximus schaute sich um nach dem jungen Soldaten hinter ihm ... einem Jungen nicht älter als er es war, als er in die Legion eintrat.

"Ja, Flavius?"

"Die Kaiser wünschen, daß Du zu ihnen in ihr Zelt kommst, Herr."

Maximus blickte über das Lager hin zu dem hohen Zelt. "Jetzt gleich?"

"Ja, Herr."

"Sag ihnen, daß ich auf dem Weg bin, daß es aber eine Weile dauern kann."

Flavius grinste und huschte davon.

"Komm herein, komm herein, Maximus", winkte Markus Aurelius aus dem Inneren des komfortablen Gemaches, das er mit Lucius Verus teilte. Er beobachtete das starke Hinken des jungen Mannes und lächelte ihm ermutigend zu, ein Lächeln, das sich leicht auf dem Antlitz des Kaisers einstellte, wenn er dieses jungen Mannes ansichtig wurde, der sein Liebling geworden war. "Nein, nein, versuch nicht mal, Dich zu verbeugen. Wir sind es, die sich vor Dir verbeugen sollten. Setz Dich. Setz Dich gleich hier her, dann können wir uns unterhalten."

Maximus ließ sich in einem weichen Stuhl nieder und erwiderte scheu das Lächeln des Kaisers. "Danke, Herr."

Lucius Verus trat aus dem Schatten hervor und an den Stuhl des jungen Zenturio heran. Maximus versuchte abermals, sich zu erheben, wurde aber durch eine Hand auf seiner Schulter daran gehindert.

"Maximus, bleib bitte sitzen. Ich muß mich bei Dir entschuldigen."

"Entschuldigen?"

Lucius fuhr fort. "Sieh mal, mir hätte auffallen müssen, daß Patroclus nicht bei uns war, aber

statt dessen hast Du es bemerkt, und Du bist geblieben, um sein Leben zu verteidigen, obwohl Du den Angreifern zahlenmäßig weit unterlegen und ebenfalls verwundet warst. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie wunderbar selbstlos diese Handlung war."

"Jeder hätte das getan, Herr. Ich war eben gerade am nächsten 'dran."

"Nein, Maximus. Das stimmt nicht. Weil Du nicht zögerst, so tapfer zu handeln, nimmst Du an, daß jeder sich so verhalten würde, aber das stimmt nicht. Ich habe Armeen im gesamte Reich geführt und meinen Anteil an mutigen Männern zu Gesicht bekommen. Ich habe nie einen wie Dich gesehen ... einen noch so jungen Mann, der Mut und Intelligenz in sich vereinigt. Du bist erst zwanzig, nicht wahr?"

"Ja, Herr. Aber ich werde bald einunzwanzig."

Lucius Verus lächelte. "Ganze zwanzig Jahre. Nun, Maximus, Du hast das Leben eines meiner bedeutendsten Generäle gerettet und diese Tat soll nicht unbelohnt bleiben."

Maximus wußte nicht, was er sagen sollte. Er schaute auf Markus Aurelius, der die Lobrede aufnahm. "Du verkörperst alle Eigenschaften, die ich am meißten an einem Soldaten bewundere: Disziplin, Ausdauer, einen ungeheueren Sinn für Verantwortung, die Fähigkeit, körperlichen und seelischen Schmerz zu ertragen ... Selbstlosigkeit ... bei Dir ist all das so natürlich."

"Maximus." Der junge Soldat wandte seine Aufmerksamkeit wieder Lucius Verus zu. " Für einen Mann Deines Alters ist es ungewöhnlich, so schnell befördert zu werden, aber Marcus und ich sehen keinen Sinn darin, Dich über Jahre hinweg warten zu lassen, bis Du Dich von einem Grad innerhalb des Zenturio-Ranges zum nächsten hinaufarbeitest. Hiermit befördern wir Dich auf die oberste Stufe dieses Ranges und auch Dein Sold wird entsprechend angehoben werden. Dein nächster Schritt wird Dich bereits in den Rang eines Tribunen erheben. Wir haben jedoch noch nie einen Tribun gehabt, der jünger als zweiundzwanzig Jahre war - ich glaube nicht -  so wirst Du wohl noch ein oder zwei Jahre warten müssen ... aber ich bezweifle, daß es noch länger dauern wird."

Maximus war fassungslos. Er schaute von einem Kaiser zum andern, mit offenem Mund, aber in seinem Gehirn wollten sich keine Worte formen.

Marcus warf den Kopf zurück und lachte. "Du brauchst nicht 'Danke' zu sagen, Maximus. Du verdienst diese Ehre. Es ist kein Geschenk ... Du hast es Dir verdient. Der Legat wird vorübergehend zum General ernannt werden, bis Patroclus seinen Posten wird wieder einnehmen können ... wenn er das jemals wird können." Marcus lehnte sich näher zu Maximus und senkte die Stimme. "Wie Du weißt, bedeutet Legat zu sein nicht automatisch, daß der Mann ein begnadeter Kämpfer ist, so wie Du es bist. Die Hauptaufgabe eines Legaten besteht, wie auch immer, darin, die Autorität Roms in der Armee zu wahren. Marcus warf einen Blick hinüber zu Lucius und schaute dann wieder zurück zu Maximus. "Wir werden uns weitgehend darauf verlassen, daß Du den neuen General berätst, und er wird angewiesen werden, auf Dich zu hören."

Maximus starrte seinen Mentor nur an und versuchte, die Bedeutung der Worte in sich aufzunehmen. Sein Bein schmerzte unerträglich.

"Du siehst sehr müde aus", sagte Lucius. "Ich bin sicher, daß Dir Deine Wunde einige Schmerzen verursacht und so wollen wir Dich heute Nacht nicht länger beanspruchen. Aber bevor Du gehst, möchte Dich General Patroclus sehen. Wir werden morgen eine gut bewaffnete Truppe nach Rom senden und der General wird dorthin zurückkehren, um sich zu erholen. Meine Frau, meine Mutter und Schwester werden ihn begleiten, ebenso Marcus' Frau und Sohn."

"Deine Frau?" Maximus bereute die Worte, sobald sie seinen Mund verlassen hatten.

"Ja. Erinnerst Du Dich daran, daß ich Dir sagte, ich werde Lucilla heiraten? Nun, ich habe dies in aller Stille getan, als ich sie zu Felix III begleitete. Nicht gerade die Hochzeit, die ich mir erhofft hatte, aber Marcus meinte, es sei besser, nicht länger zu warten."

Plötzlich fühlte Maximus sich wirklich sehr müde. "Ich gratuliere, Herr."

"Danke, Maximus. Ich hoffe, daß auch Du eines Tages eine so zärtliche und charmante Frau finden wirst."

Maximus starrte zu Boden und antwortete nicht.

Lucius streckte dem verwundeten Mann seine Hand entgegen und nach kurzem Zögern gestattete er, sich auf die Füsse helfen zu lassen. Auch Marcus erhob sich und klopfte dem jungen Mann auf die Schulter.

Mit Sympathie, zweifellos, dachte Maximus.

Lucius fuhr fort zu sprechen, während sie gingen. "Ich werde bei Felix III bleiben, um sie auf die Invasion des Nordufers vorzubereiten. Ich hatte beabsichtigt, dies hier mit Felix VII durchzuführen, aber mit einem neuen General und seinem besten Mann verwundet, denke ich, daß es klüger ist, Euch noch etwas Zeit zu geben."

Maximus war sich bewußt, daß Marcus Aurelius direkt hinter ihm war, seine Hand ruhte noch immer auf seiner Schulter. Er humpelte in die Bettkammer des Generalsquartiers, wo ein mit starken Medikamenten ruhiggestellter Patroclus auf dem Rücken in seinem Bett lag, sein zertrümmertes Bein bandagiert vom Oberschenkel bis zum Fuß und auf Kissen gestützt. Er öffnete die Augen, als Maximus herantrat und griff nach seiner Hand. Sein Griff war schwach und er drückte Maximus' Finger, ohne ein Wort zu sagen.

"Es war mir eine Ehre, Herr", antwortete Maximus auf die unausgesprochenen Dankesworte eines Mannes, den er zutiefst bewunderte. Der General schloß die Augen und Marcus Aurelius bedeutete dem Zenturio, ihm nach draußen zu folgen.

"Geh nun und ruh Dich etwas aus", sagte Marcus. "Wir brauchen Dich so bald wie möglich wieder bei vollen Kräften."

Als Maximus zur Tür humpelte, fragte er sich, was die Götter wohl als nächstes mit ihm vor hätten .

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