Kapitel 31 - Hercules Zwei

Olivia schlenderte gemächlich den schmalen Weg entlang, der zur Rückseite des Hauses führte. Auf dem Weg erklärte sie, wie das Gut geführt wurde. "Dort drüben halten wir die Hengste und dort die Stuten. Stuten mit Fohlen bleiben im Stall ebenso wie die Stuten während der frühen Phase ihrer Trächtigkeit. Möchtest Du sie sehen?"

Auf Maximus' Nicken hin öffnete Olivia die schwere Tür und nahm die Laterne, die hinter dem Eingang hing. Vorsichtig entzündete sie drei weitere Laternen und setzte sie auf Steinplatten möglichst weit entfernt vom Stroh. "Feuer ist unser größter Feind", erklärte sie. Das Innere war immer noch ziemlich dunkel, aber Maximus' Augen gewöhnten sich schnell daran und er folgte dem Schnauben und leisen Wiehern zu den Boxen, in denen sich wundervolle Stuten mit ihren schläfrigen Fohlen befanden. Zärtlich kraulte Maximus eines der Tiere hinter den Ohren, während er das junge Fohlen bewunderte, das auf wackeligen Beinchen neben seiner Mutter stand.

"Er ist erst ein paar Tage alt. Sein Vater ist Argento, also wird er eines Tages eine Schönheit werden." Das weiche Licht der Laterne beschien Maximus' Gesicht, während er die Pferde bewunderte und Olivia war gerührt von der Zärtlichkeit in seinen Augen und seinen sanften Berührungen. Sie gingen weiter in den Stall hinein, bis sie zu der letzten Box kamen. "Magst Du Hunde?" fragte Olivia.

"Ich liebe Hunde. Ich hatte jahrelang einen im Lager. Eigentlich gehörte er dem General, aber in Wirklichkeit war er mein Hund."

"Was geschah mit ihm?"

Maximus zögerte. "Er starb."

"Das tut mir leid", sagte sie, dann erschien auf ihrem Gesicht ein breites Grinsen. "Auch ich liebe Hunde. Schau mal hier her." Sie öffnte die Tür der Box und ein schläfriger Welpe purzelte mit einem überraschten Winseln auf den Steinboden. Das reichte, um alle seine Geschwister aufzuwecken und in kürzester Zeit war der Stall angefüllt mit herumwuselnden grauen und schwarzen Hundebabies.

Maximus lachte und bückte sich, um das erste Hündchen hochzuheben. "Darf ich?" fragte er und zeigte auf das Innere der Box.

"Natürlich. Sie lieben es, wenn man sie streichelt."

Er trat auf das Stroh und setzte sich, vorsichtig, damit sich nicht etwa einer der kleinen Hunde unter ihm befände. Augenblicklich war er von Welpen belagert, sie kauten an seinen Lederschnallen, bissen mit nadelscharfen Zähnchen in seine Stiefel und zerkratzten seine Armen, als sie versuchten, zu seinem Gesicht hinaufzuklettern. Zwei von ihnen schafften es, und er fühlte wie warme Zungen seine Ohren und seinen Nacken leckten. Er lachte vor Vergnügen.

Olivia zündte eine weitere Laterne an und hielt sie hoch, so daß Maximus die Tierchen besser sehen konnte. Nun konnte er auch die Mutter ausmachen, die, unbesorgt um seine Anwesenheit, ruhig weiterschlief. Sie war rein schwarz und man konnte sie im Schatten nur schwer erkennen. Plötzlich schrie Maximus auf und griff nach einem der kleinen Hunde, der sein Ohrläppchen gefunden und kräftig hineingebissen hatte. Er hielt das zappelnde Bündel hoch, um es besser betrachten zu können. "Es sieht aus wie ein Wolfsjunges!"

"Seine Mutter verschwand eine Woche, und als sie zurück kam, war sie trächtig. Ich denke, daß sein Vater wirklich ein Wolf ist, denn manchmal höre ich ihn nachts nach ihr heulen und sie antwortet ihm. Es ist so traurig, daß sie nicht zusammen sein können." Olivia hockte sich neben Maximus und schaute auf den grauen Welpen, den er aufmerksam betrachtete. "Dieser hier sieht seinem Vater besonders ähnlich."

"Er wird prachtvoll werden."

"Dürfen Tribune Hunde besitzen?"

"Oh ja, ...", setzte Maximus an, bevor ihm klar wurde, was sie damit andeutete.

"Nun ... würdest Du ihn gerne haben?"

"Bist Du sicher?"

"Natürlich. Wir können unmöglich alle diese Hunde auf dem Hof behalten und nur wenige Menschen möchten einen Hund, dessen Vater ein Wolf ist."

Maximus drückte das Hundebaby zärtlich an seinen Hals.  "Danke." Er lächelte Olivia an. "Wann werden sie alt genug sein, ihre Mutter zu verlassen?"

"In ungefähr einer Woche ... noch viel Zeit, um Dir einen Namen für ihn auszudenken."

"Hercules. Sein Name ist Hercules."

Olivia brauchte nicht erst zu fragen -sie wußte sofort, daß auch sein erster Hund Hercules hieß. Sie saß dicht neben ihm und schweigend streichelten sie die Hündchen, bis sie wieder einschliefen. Dann legten sie sie neben ihre Mutter, um sie warm zu halten und verließen den Stall.

Als Olivia zur Tür ging, fühlte sie ein leichtes Zupfen hinten an ihrem Haar. Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um, sie zitterte leicht, als Maximus' Lippen ihr Ohr berührten.

"Da ist etwas Stroh in Deinem Haar", flüsterte er, als er zärtlich durch die dicke Masse ihres Haares strich. Olivia schloß die Augen und kostete das Gefühl seiner Berührung aus, als seine Fingerspitzen ihr über Rücken, Arme und Schultern strichen. "Hier", sagte er - seine tiefe Stimme beinahe nur ein Flüstern. "Ich glaube, nun habe ich alles." Da Olivia sich immer noch nicht bewegte, schlang Maximus seine Arme um ihre Taille und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar an ihrer Schulter während er tief ihren Rosenduft einsog. Sie drückte sich mit dem Rücken an ihn und spürte ein ungewohntes Kribbeln in ihren Brüsten. Konnte er ihr Herz klopfen hören? Sie fühlte seine Lippen auf ihrem Nacken und mit einem Ruf des Bedauerns riß sie sich los und wirbelte herum.

"Es tut mir leid", flüsterte er. "Ich hatte kein Recht, das zu tun."

Olivia atmete ungleichmäßig. "Wir sollten besser gehen", sagte sie und langte nach der Laterne neben der Tür, um sie zu löschen.

Als sie dies tat, fiel Maximus' Blick auf etwas, das auf der Fensterbank stand. "Warte." Er hielt ihre Hand fest.

"Was ist das?"

"Schnitzereien. Überwiegend Pferde und Hunde."

Maximus nahm eine und drehte sie in seiner Hand. "Das ist wunderschön. Die Proportionen des Pferdes sind perfekt. Wer hat sie gemacht?"

"Ich habe sie gemacht."

"Du hast die alle gemacht?" Er war beeindruckt. "Wann findest Du die Zeit, um solche Sachen zu machen?"

"Manchmal arbeite ich an einem Stück monatelang. Manchmal stelle ich es jedoch auch in wenigen Tagen fertig. Das hängt davon ab, wie viel wir gerade mit den Pferden zu tun haben. Ich schnitze sie meistens drüben bei Dir."

"Bei mir?"

"Ja. Dein Hof ist für mich immer eine Zuflucht gewesen, um diesem überfüllten Ort zu entkommen. Ein Ort zum Alleinsein. Es ist still dort und ich kann nachdenken."

Maximus lehnte sich mit einer Schulter gegen die Fensterbank und ließ sie weitersprechen; ihr Gesicht war sanft vom Mondlicht beschienen.

"Als ich Dich zum erstenmal dort sah, war ich ziemlich beunruhigt. Ich vermutete bereits, wer Du warst, aber ich lehnte Dein Eindringen in meine Welt ab - oder besser in das, was ich als meine Welt betrachtete."

"Diese Kletterrose über der Tür - hast Du sie gepflanzt?"

Sie nickte. "Das Feuer hatte sie fast vollständig getötet, aber sie versuchte, wieder zu wachsen, und so entfernte ich das Unkraut und sorgte für Wasser. Jahrelang habe ich die Blüten benutzt, um die Seife zu parfümieren, die ich verwende."

"Ich kann die Rosen in Deinem Haar riechen." Maximus streckte vorsichtig einen Finger aus und streichelte ihre Wange. "Es ist immer noch Dein Platz und Du kannst kommen, wann immer Du magst. Ich hoffe es macht Dir nichts aus, ihn mit mir zu teilen."

Sie studierte sein Gesicht. "Wie siehst Du aus unter all diesem Gestrüpp?"

Maximus lachte "Ziemlich durchschnittlich."

"Das bezweifle ich." Spielerisch zupfte sie an seinem Bart. "Das nächstemal, wenn ich komme, bringe ich Schere und Rasiermesser mit. Ich schneide auch allen meinen Brüdern das Haar."

"Wann wird das sein?"

"Wann möchtest Du denn gern?"

"Morgen."

"In Ordnung."

"Dein Vater hat nichts dagegen, daß Du mit mir allein bist?"

"Sollte er?"

Einen langen Augenblick schwieg Maximus. "Ich weiß nicht."

"Ich glaube, er vertraut Dir, Soldat. Und ich glaube, er mag Dich ... er mag Dich sogar sehr." Plötzlich lachte Olivia. "Während des Abendessens hat er Dich abgeschätzt wie einen Hengst, den er für die Zucht benutzen möchte."

"Oh, wirklich. Und denkst Du, daß ich seinen Ansprüchen genüge?"

"Laß es mich so ausdrücken: wenn Du ein Hengst wärest, dann hättest Du hier ziemlich viel zu tun." Kühn trat sie sehr dicht an Maximus heran, so daß ihre Brüste seinen Lederharnisch berührten. "Aber diese Stute wäre nicht eben glücklich, wenn Du auch noch anderen zu Diensten wärest."

Maximus zog sie in seine Arme und seine Lippen berührten leicht die ihren. Er vertiefte den Kuss und sie antwortete seiner Leidenschaft,  während ihre Zungen sich berührten und miteinander spielten.

Olivia trennte sich von ihm eben noch rechtzeitig, bevor Persius durch die Tür gestürmt kam.

"Ich wußte es. Ihr habt die ganze Zeit hier verbracht. Ich wußte, daß Du ihm nicht den Zuchtstall zeigen würdest! Komm mit mir, Maximus. Ich werde Dich herumführen."

Maximus grinste und winkte, bevor er durch die Tür verschwand und sich bemühte, ihren Bruder einzuholen.

Olivia lehnte ihre Stirn gegen die kühle Glasscheibe und schaute ihm nach, wie er im Dunkel der Nacht verschwand. Sie wußte nun ohne jeden Zweifel, daß dies der Mann war, den sie heiraten würde.

Wußte er es auch?

 

Kapitel 32 - Wiederaufbau

Am nächsten Morgen saß Maximus auf der Steinmauer dessen, was einmal sein Zuhause gewesen war, während Olivia sein Haar und seinen Bart mit einem Rasiermesser bearbeitete. Persius hatte Maximus' sperrige metallene Rüstung angelegt, schwang dessen Schwert und köpfte jeden Busch und Strauch, dessen er habhaft wurde.

"Kann ihm mit diesem Ding auch nichts passieren?" fragte Olivia.

"Wahrscheinlich nicht", antwortete Maximus. Er war so enttäuscht gewesen, als er sah, daß Persius neben Olivia einher trottete, als sie an diesem Morgen seinen Besitz betrat.

Olivia hatte nur die Schultern gezuckt und gesagt: "Vater hat darauf bestanden."

"Kluger Mann", hatte Maximus vor sich hin gemurmelt.

"Hast Du etwas gesagt?" fragte Olivia.

Maximus griff hinter sich und faßte ihre Hand, um sie an seine Lippen zu ziehen. "Können wir ihn nicht irgendwie los werden?"

"Was schlägst Du vor?"

"Ich weiß nicht." Maximus klang niedergeschlagen. Er ließ ihre Hand wieder los.

"Heute Morgen hielt mir Vater einen Vortrag über eine Stute, die ihre Zeit hat, und über einen feurigen Hengst", sagte Olivia lachend.

"Auch wenn es nach der letzten Nacht nicht so aussieht, aber ich würde Dich niemals ausnutzen."

Olivia setzte ihre Arbeit eine Weile schweigend fort, dann kam sie nach vorn, und ihre Brust befand sich genau in Maximus' Augenhöhe. Er stöhnte. Vielleicht war es doch gar nicht so schlecht, daß Persius mitgekommen war.

"Wann mußt Du wieder zurück, Maximus?"

"Ich weiß nicht. Ich hoffte, den ganzen Sommer über bleiben zu können, aber es kann sein, daß man mich früher zurück ruft."

"Ein Soldat hat nicht wirklich ein Leben außerhalb der Armee, nicht wahr?"

"Viele Soldaten haben Frau und Kinder. Die Legionen ziehen nicht ständig umher, so daß sie die Möglichkeit haben, eine Verbindung mit einer Frau aus der Umgebung einzugehen und mit ihr Kinder zu haben."

"Aber sie sind nicht verheiratet. Soldaten ist es nicht erlaubt zu heiraten. Ich finde, das ist eine lächerliche Vorschrift."

"Sie hat ihren Sinn, denke ich."

"Und welcher soll das sein?"

"Die Aufmerksamkeit eines Mannes auf den Kampf gerichtet zu halten. Wenn er aus dem Dienst ausscheidet, wird die Verbindung legalisiert und auch die Kinder werden legitim, aber nicht vorher."

"Willst Du damit sagen, daß nicht ein einziger Soldat im ganzen Römischen Imperium verheiratet ist?" Maximus konnte spüren, daß Olivia ärgerlich war, denn ihr Griff in seinem Haar wurde fester.

"Einige sind es. Manchmal erhält ein Soldat aus dem einen oder anderen Grund die besondere Erlaubnis zu heiraten", sagte Maximus langsam. Er überlegte, ob er fortfahren sollte, entschied sich dann aber, ihr die Wahrheit zu sagen.

"Marcus Aurelius hat mir diese Erlaubnis gegeben."

Ihre Hände erstarrten. "Was? Du darfst heiraten? Warum?"

"Ich werde es Dir eines Tages erzählen."

Olivia warf das Rasiermesser gegen die Wand und ergriff sein Gesicht mit beiden Händen. "Sag es mir jetzt."

"Setz' Dich hin."

"Nein. Sag' es mir."

Maximus seufzte. "Vor vielen Jahren hatte ich mich in Marcus Aurelius' Tochter verliebt." Er hielt inne.

Olivia versuchte, diese Information zu verdauen. "Liebte sie Dich auch?"

"Ja. Zu dieser Zeit war sie bereits mit dem Kaiser Lucius Verus verlobt, aber ich wußte es nicht. Sie hatte es mir nicht gesagt. Als ich ihre Lüge entdeckte, war ich sehr bestürzt, und zum Ausgleich gab mir Marcus Aurelius die Erlaubnis, eine Frau meiner Wahl zu heiraten. Ich habe es schriftlich."

"Wie war ihr Name?"

"Ist das von Bedeutung?"

Olivia schaute hinüber zu ihrem Bruder, der noch immer Soldat spielte, dann setzte sie sich auf Maximus' Knie. "Nein, aber Du kannst es mir trotzdem sagen."

"Lucilla."

"War sie schön?"

"Ja. Aber nicht schöner als Du."

"Liebst Du sie noch?"

"Nein. Nein, ich bin schon seit einiger Zeit über sie hinweg. Es ist nicht mehr Lucilla, die ich jetzt liebe."

Olivia drückte ihre Lippen auf Maximus' Stirn und schloß ihre Augen. "Du liebst jemand -  jetzt?"

"Ja. Eine schöne junge Frau mit fließendem schwarzen Haar, die mich bis in meine Träume verfolgt."

"Ist das nicht seltsam. Es ist ein Soldat, der mich in meine Träume verfolgt."

Maximus schlang seine Arme um sie und drückte sie fest an sich. "Olivia, ich kann Dir nur wenig bieten, nicht mal ein Zuhause."

"Du bietest mir alles, Liebster."

"Du bist an so viel Luxus gewöhnt. Ich bin ein recht wohlhabender Mann, aber ich habe kein Heim, was diesen Namen verdient, kann Dir keine Sicherheit bieten, keine Garantie, daß ich da bin, wenn Du mich brauchst."

"Viele Männer haben mir all das geboten, aber ich wollte sie nicht."

"Ich lebe in einer Hütte."

Olivia lachte unter den Tränen, die in ihren Augen glitzerten. Sie wandte sich um und schaute auf den hölzernen Verschlag. "Das tust Du wirklich, Liebster, aber sie scheint groß genug für zwei zu sein."

"Ich würde nie auch nur daran denken, Deinen Vater um Erlaubnis zu bitten, Dich heiraten zu dürfen, ohne Dir ein ordentliches Zuhause bieten zu können", flüsterte Maximus.

Ihr trautes Beisammensein wurde von Persius unterbrochen, dem es gelungen war, ein Kaninchen zu erlegen, das er stolz hochhielt, um es ihnen zu zeigen, während das frische Blut seinen Arm herabtropfte. "Schaut, was ..."

"Geh weg!" riefen die beiden Liebenden wie mit einer Stimme, und ein erschreckter Persius entfloh in Richtung des Flusses.

"Maximus, hör' mir zu." Olivia ließ sich auf ihre Knie nieder und nahm seine Hände in die ihren. "Ich würde lieber mit Dir in dieser Holzhütte leben als einen Tag länger in der Villa meines Vaters ohne Dich. Ich liebe Dich, verstehst Du? Wie oft hat eine Frau die Möglichkeit einen Mann zu heiraten, den sie wirklich liebt?"

"Ich liebe Dich auch."

"Dann ..."

"Nein. Nicht bevor ich nicht wenigstens ein einigermaßen ordentliches Haus besitze. Es muß nicht groß sein aber solide."

"Du sturer Kerl." Olivia stand auf und stemmte die Hände in die Hüften. "Du läßt mir keine Wahl, ich seh' schon." Sie drehte sich um und rief nach ihrem Bruder. "Persius! Komm her! Wir gehn nach Hause!"

"Du gehst jetzt?" fragte Maximus, aber sie gab ihm keine Antwort.

Zögernd streifte ihr Bruder die viel zu große Rüstung ab und trabte neben seiner Schwester her, als sie den Feldweg hinunter ging. "Tschüs, Maximus!" rief Persius.

Verwundert winkte Maximus ihm nach, dann ließ er die Hände sinken und schaute den beiden hinterher.

Am nächsten Morgen wurde Maximus aus dem Schlaf gerissen vom Lärm einer Armee, die über sein Grundstück marschierte. Nein ... nicht wirklich eine Armee ... aber mit Sicherheit ziemlich viele Männer. Er trat hinaus, blinzelte in das Sonnenlicht und fuhr sich durch das Haar. Er hatte ganz vergessen, daß es inzwischen beträchtlich kürzer war als noch vor wenigen Tagen. Überrascht rieb er sich die Augen. Hunderte von Landarbeitern und Sklaven von Olivias Gutshof waren da und sie alle trugen Werkzeuge bei sich. Auch ihre Brüder waren gekommen, ebenso ihr Vater ... alle auf wundervollen Hengsten. Hinter den Männern kam ungefähr ein Dutzend Frauen unter der Führung von Olivia. Sie brachten genug Essen mit, um sie alle für den Tag durchzufüttern.

Titus rief einem verdutzten Maximus zu: "Wo sollen wir anfangen?"

Maximus Verstand war noch immer vom Schlaf benommen  und er fragte: "Womit anfangen?"

"Dein Haus wieder aufzubauen natürlich. Olivia sagte, daß Du dringend ein neues Haus brauchst, also sind wir hier um zu helfen."

Maximus schaute Olivia an, aber sie wandte sich ab und machte sich an einigen Körben zu schaffen.

"Ähm, ich möchte  ... ich möchte erstmal nur das kleine Haus wieder aufgebaut haben. Ich werde es später vergrößern."

"Sonst noch etwas? Wir haben jede Menge Arbeitskraft hier."

"Nun, der Garten müßte in Ordnung gebracht werden ... "

"Ist schon erledigt. Setz' Dich hin, Soldat, und entspanne Dich."

Den ganzen Tag über arbeiteten die Männer unter der Aufsicht von Titus, der von Zeit zu Zeit Maximus fragte, wie er etwas getan zu haben wünschte. Als der Abend hereinbrach, stand sein Haus wieder - beinahe genauso wie es vor dem Brand gewesen war. Auch das Land war gereinigt und zur Aussaat vorbereitet. Maximus hatte nicht die geringste Ahnung, wie er all diese Freundlichkeit je vergelten könnte.

Als Olivia sich anschickte, den Heimweg anzutreten, sagte sie zu ihm: "Ich erwarte Dich morgen bei uns zu Hause, Soldat."

Maximus grinste. "Ich werde da sein."

 

Kapitel 33 - Die Hochzeit

Eine Woche später wurden Maximus und Olivia getraut.

Die Braut trug eine traditionelle Tunika aus weißer Wolle, ein Kranz aus Wildblumen war in ihr Haar geflochten, das, geteilt in 6 dicke Locken, über ihren Rücken fiel. Ein durchscheinender feuerfarbener Schleier war anmutig über den Blütenkranz arrangiert und wehte leicht, wenn sie sich bewegte. An ihren Füßen hatte sie safrangelbe Schuhe und in der Hand einen kleinen Strauß wilder Blumen.

Maximus trug seine beste Uniform bestehend aus einer weinroten Tunika und Hosen, Stiefel, den Leder-Brustpanzer und einen langen Umhang.

Augusta führte Braut und Bräutigam zusammen in den Hof der Villa, der angefüllt war mit duftenden Blumen, und legte ihre Hände zusammen. Beide gelobten, einander zu lieben und sich treu zu bleiben, dann tauschten sie die Ringe aus, die sie jeweils auf dem Mittelfinger der linken Hand trugen. Gebete wurden an die Götter und Göttinnen des Ehestandes gerichtet, dann unterzeichneten Marcus und Maximus den Ehevertrag, der von Titus und Eusebius bezeugt wurde.

"Das wäre also alles, mein Junge", lachte Marcus. "Du bist nun ein Teil dieser Familie!" Der Patriarch hatte den jungen Mann immer mehr lieb gewonnen und war sehr froh, daß seine einzige Tochter einen Mann heiratete, den sie wirklich liebte ... etwas sehr Seltenes. Es konnte auch nicht schaden, daß Marcus nun einen hochrangigen Offizier zum Schwiegersohn hatte, welcher unmittelbaren Zugang zu Marcus Aurelius besaß. Was für ein freudiger Tag dies doch war.

Maximus bewunderte den Ring, den Oivia auf seinen Finger gestreift hatte. Er war aus Silber und trug eingraviert den römischen Adler. "Ich habe ihn extra für Dich arbeiten lassen", sagte sie. "Ich dachte, der Adler sei irgendwie passend."

Ihr Ring bestand aus einem masssiven Goldreif, in dessen Mitte ein ansehnlicher Smaragd eingelassen war. Maximus war nach Emerita Augusta gereist, um zu finden, was er suchte, und hatte bei dieser Gelegenheit auch einige Möbelstücke erworben. Sein Haus war immer noch sehr einfach und schlicht aber doch recht präsentabel für seine junge Braut. Es besaß nun ein großes, bequemes Bett mit einem geschnitzten Kopfteil und vier Säulen, um daran Vorhänge zu befestigen, die Wärme und ungestörtes Beisammensein garantierten. Seine Neuerwerbungen beinhalteten auch  eine Auswahl von Stühlen und Tischen, Teppichen und Küchenutensilien. Maximus traf eine Vereinbarung über den Anbau einer Erweiterung an seinem Haus für die Woche nach seiner Hochzeit. Das gegenwärtige Gebäude würde als Küche dienen, und ein Atrium, ein Speisezimmer, Schlafzimmer und Toilette sollten hinzugefügt werden. Sein Haus würde nie so elegant sein wie die Villa, in der seine Frau aufgewachsen war, aber Maximus wußte, daß sie nicht enttäuscht sein würde.

Die Neuvermählte und alle Gäste ließen sich nieder zu einem Hochzeitsmahl, das alles überstieg, was Maximus sich je hatte erträumen können. Ein ganzes Schaf und ein Schwein waren gebraten worden und der Tisch ächzte unter dem Gewicht der Platten voll von Gemüse und Eingemachtem. Frischer Fisch war von der Küste eingeführt worden - ein beinahe unerhörter Luxus - und Wein floß in Strömen.

Später am Abend, nachdem die Feierlichkeiten in der Villa beendet waren, ging Maximus zu seinem Hengst, um nach Hause zurückzukehren und die Ankunft seiner Braut zu erwarten. Aber statt Argos stand Argento bereits gesattelt an dessen Platz. Maximus hielt inne und starrte.

"Er gehört Dir, Sohn", sagte Marcus, als er sich zu Maximus auf den Weg gesellte. "Ich kann mir keinen besseren Besitzer für das beste Pferd im ganzen Reich vorstellen. Wir werden für Dich gut auf Argos achtgeben. Schau, er ist dort auf der Weide und genießt seinen Ruhestand. Vielleicht werde ich noch ein oder zwei junge Pferdedamen für ihn finden, mit denen er Freundschaft schließen kann."

"Ich bin überwältigt, Herr. Dieses Geschenk ist einfach zu groß. Ihr habt bereits so viel für mich getan."

"Unsinn. Du sollst meine Tochter glücklich machen, Maximus, das ist alles, was ich von Dir verlange."

"Danke, Herr."

"Marcus."

"Marcus. Danke."

Maximus näherte sich Argento langsam und sprach die ganze Zeit ruhig zu ihm. Er streichelte die Nase und Stirn des Tieres, kraulte es hinter den Ohren und wurde belohnt, indem das Pferd zart an ihm knabberte. Als er nach dem Sattel griff, um sich auf den Hengst zu schwingen, nahmen seine Ohren ein schwaches Jaulen wahr und er hielt inne. Es kam aus dem mit Löchern versehenen Lederbeutel, der sorgfältig am Sattel befestigt war. Der Beutel bewegte sich und es erschien ein felliger grauer Kopf mit großen Ohren und einer schwarzen Nase, gefolgt von einer riesigen Pfote. Maximus lachte und zog Hercules ganz heraus, während dieser sein Gesicht freudig abschleckte.

"Ich weiß nicht, Maximus, warum Du dich ausgerechnet in dieser Nacht mit diesem Hund abgeben mußt, aber Olivia hat darauf bestanden."

Maximus lächelte und übergab das sich windende Bündel an Marcus, während er Argento bestieg, dann klemmte er sich das Hündchen unter den Arm und machte sich in leichtem Trab auf den Heimweg. Kurze Zeit später kam Olivia in einer mit Blumen geschmückten Sänfte, getragen von ihren Brüdern. Sie war umgeben von Gratulanten, die Fackeln trugen und Hochzeitslieder sangen, begleitet von Flötenspielern in farbenfrohen Kostümen. Sie stieg anmutig aus der Sänfte und hängte die Blumengirlanden, die sie trug, an die Pfosten neben der Tür, bevor Maximus sie über die Schwelle trug und mit einem Fußtritt die Tür hinter ihnen schloß - ein deutliches Zeichen für die Menge, daß das Fest vorüber sei. Mit wissendem Lächeln begannen sie sich zu zersteuen.

Maximus setzte Olivias Füße auf dem Steinboden ab, aber sie hing weiter an seinem Hals, bis er sie küsste. Er legte seine Hände auf ihre Hüften und schob sie von sich weg, so daß er ihr eine kleine brennende Lampe reichen konnte und eine Schüssel mit Wasser zum Zeichen dafür, daß sie nun die Herrin dieses Hauses sei. Sie blickte auf seine Gaben, legte sie aber schnell beiseite. Es gab nur eine einzige Gabe, an der sie eben jetzt wirklich interessiert war. Als Maximus sich umwandte, um die Lampe zu löschen, warf sie sich ihm entgegen. Er drehte sich gerade rechtzeitig, um sie an seiner Brust aufzufangen, aber der Schwung warf sie beide in einen Stuhl, der langsam umkippte, und sie landete vor Lachen quietschend auf dem gewebten Teppich, sein Körper unter ihrem, und nur der lederne Brustpanzer dämpfte ihren Fall.

Wieder fanden sich ihre Lippen und sie öffnete ihren Mund, um ihn ganz willkommen zu heißen, während ihre Hände sich an den Schnallen seines Brustpanzers zu schaffen machten. Endlich versetzte sie ihm frustriert einen Schlag auf die Hüfte und sagte: "Wie bekommst Du dieses Ding aus?"

Lachend antwortete er: "Zuerst den Umhang", dann rollte er herum, bis sie unter ihm lag. Er erhob sich auf die Knie und zog den Umhang über den Kopf, dann öffnete er schnell die Lederschlaufen und ließ den Panzer neben sich auf den Boden fallen. "Besser?"

"Oh, ja, aber Du wirst doch hier nicht schlußmachen, mein Gemahl."

Er lächelte auf sie herab, öffnete auch den Gürtel und ließ ihn oben auf den Brustpanzer fallen, während sie nach dem Saum seiner Tunika griff und sie hochzog, bis seine Hände durch die ihren ersetzt wurden, und auch dieses Kleidungsstück über seinen Kopf gezogen wurde.

Olivia faßte das Band, das seine Hose in der Taille zusammenhielt und zog sich daran hoch, bis sie ihre Arme um seinen Rücken schlingen konnte. Sehr langsam und bewußt verteilte sie sanfte Küsse über seinen Oberkörper, dann wanderte ihre Zunge über seine Haut und hinterließ eine feuchte Spur. Maximus faßte mit seinen Händen in ihr Haar und entfernte Schleier und Blumenkranz,  bog  ihren Kopf zurück und ergriff abermals von ihrem Mund Besitz. Ohne seine Lippen von den ihren zu lösen, erhob er sich auf die Füße und zog sie mit sich empor. Mit flinken Fingern fand er ihren gewebten Gürtel und auch dieser landete schnell auf dem Boden, wo er augenblicklich zu einem Spielzeug für Hercules wurde, der ihn in seinem Maul durch den Raum schleifte, knurrend und wild den Kopf hin und her werfend. Olivias weiße Tunika gesellte sich zu Maximus' roter auf dem Boden. Nackt bis auf leichtes leinenes Unterzeug preßte sie ihren Körper gegen den seinen und fühlte deutlich sein Verlangen nach ihr, aber Maximus schob sie wiederum von sich weg und bald folgte auch ihr Unterzeug der Tunika auf den Boden.

Maximus' Hände und Augen schweiften über ihre Rundungen und berührten jede Erhebung, jedes Tal. "Du bist so schön", seufzte er. Plötzlich abgelenkt schaute er zu seinem Fuß herab und entdeckte Hercules, der an den Schnüren seiner Stiefel kaute, offenbar war er seines anderen Spielzeugs überdrüssig geworden. Maximus kicherte, als er sich nierderbeugte und die Kiefer des kleinen Hundes öffnete, um seinen Fuß frei zu bekommen, dann erhob er sich und nahm Olivia so schnell auf seine Arme, daß es ihr beinahe den Atem nahm. "Im Bett wird es sehr viel bequemer sein", flüsterte er. Außerdem brauchen wir uns dann keine Gedanken darüber zu machen, womit Hercules als nächstes zu spielen gedenkt."

Olivia lachte, während Maximus sie in das Schlafzimmer trug, und sie schloß mit einer Hand die Tür hinter ihnen.

Plötzlich stellte Hercules fest, daß er allein war. Er setzte sich hin und starrte auf die Schlafzimmertür. Er winselte. Die Tür öffnete sich nicht. Er jaulte. Die Tür öffnete sich immer noch nicht. Dann versuchte er es mit seinem hohen Hundebaby-Bellen. Auch das brachte ihn nicht weiter. Endlich gab er es auf und rollte sich oben auf dem Umhang seines Herrn zusammen. Er beschloß zu schlafen, bis seine Spielkameraden zurück kämen.

Am nächsten Morgen stellten Augusta und Flora einen Korb mit Essen und Wein auf die Türstufen der Neuvermählten.

Am folgenden Morgen taten sie das gleiche nur um festzustellen, daß der erste noch  immer unberührt dastand. Kichernd ersetzten sie ihn durch den neuen.

Wieder einen Tag später war der zweite Korb verschwunden und ein unglücklicher kleiner grauer Hund war draußen vor der Tür angebunden.

Kapitel 34 - General Maximus

Maximus hatte seinen Arm um seine Frau gelegt, ihr sanft gerundeter Bauch und ihre vollen Brüste ließen sie in seinen Augen schöner denn je erscheinen. In den vier Monaten seit ihrer Hochzeit war ihr Haus fertiggestellt und das Getreide ausgesät worden. Maximus wußte, daß diese Frau, dieses Zuhause und ihr gemeinsames Kind alles waren, was er sich im Leben wirklich wünschte. Er war ein sehr zufriedener Mann.

Maximus weigerte sich, Sklaven zu kaufen, denn er war überzeugt, daß oftmals gute Männer, nur weil sie in der Schlacht auf der Verliererseite standen, in die Sklaverei verkauft wurden. Stattdessen stellte er Männer von den Höfen der Umgebung ein, um die Felder zu bearbeiten, und Frauen aus der Stadt, um das Haus in Ordnung zu halten. Sie hatten einen fest angestellten Koch. Maximus wollte, daß Olivia nicht einen Finger zu rühren brauchte, wenn sie dies nicht wollte. Selbstsüchtig wünschte er sich, daß sie all ihre Zeit und Kraft auf ihn verwandte.

Jeden Morgen, wenn er das Haus verließ, hockte er sich hin, nahm eine Hand voll Erde, verrieb sie zwischen den Handflächen und zog ihren Duft ein, um sich daran zu erinnern, was im Leben wirklich von Bedeutung sei. Sein Heim war groß, wenn auch einfach, mit genügend Platz für die vielen Kinder, die er und Olivia zu bekommen hofften.

Hercules saß neben dem Paar, ganz Beine und Ohren. Er war aufgeschossen wie Unkraut und immer noch längst nicht ausgewachsen. Es war ganz offensichtlich, daß das Tier riesig werden würde, und schon jetzt war er Maximus völlig ergeben. Jeden Tag trottete er hinter Argento her, wenn Maximus den Hengst trainierte, und es wunderte ihn, daß der Hund noch nicht zertrampelt oder wenigstens getreten worden war.

Der einzige dunkle Punkt in seinem Leben war ein nagendes Gefühl  von Schuld, daß ihn manchmal heimsuchte, wenn sein Geist nicht gerade auf andere Weise beschäftigt war. Es war nun schon Monate her, daß er die Armee verlassen hatte, viel länger, als er eigentlich beabsichtigt hatte. Obwohl er kein Verlangen hatte zurückzukehren, überfielen ihn von Zeit zu Zeit Schuldgefühle, und er fragte sich , ob er in Germanien wohl gebraucht würde, und was Marcus Aurelius von seiner langen Abwesenheit halten mochte. Er müßte eigentlich an zwei verschiedenen Orten sein, aber er wollte nur an einem einzigen sein ... eben hier bei seiner Frau. Da er Olivia keinen Kummer bereiten wollte, behielt er seine Zweifel für sich. Bis zu jenem Tag, der sein ganzes zukünftiges Leben abermals verändern sollte.

Olivia war in einem der oberen Räume gewesen und hatte die Prätorianer vom Fenster aus gesehen.

"Maximus!" schrie sie und ihre Stimme hallte von den Hügeln wider.

Er rannte so schnell ihn seine Füße trugen zum Haus zurück und Olivia warf sich noch an der Tür in seine Arme, während sie mit zitternder Hand auf den Weg deutete. Maximus fühlte kaltes Grauen in seinem Herzen, als er den Zug von zwei Dutzend Prätorianern in voller Uniform hinter dem goldenen römischen Adler her auf sich zu reiten sah.

Er ließ seine Frau los und ging hinaus, um sie zu begrüßen.

"General", sagte der Zenturio indem er sein Haupt leicht vor Maximus neigte.

Maximus blickte ihn verdutzt an. "Ich denke, Du hast hier den falschen Mann."

"Bist Du nicht Maximus Decimus Meridius?"

"Ja, der bin ich."

"Dann bist Du in der Tat der Richtige." Der Prätorianer stieg ab und übergab Maximus ein kleines Paket. "Ein Brief des Kaisers, General."

Maximus riß den Umschlag mit dem kaiserlichen Siegel auf und las, währed er langsam zu Olivia zurück ging. Schon aus der Entfenung konnte sie sehen, wie das Blut aus seinem Gesicht wich, und als er auf die Knie in den Staub sank, rannte sie ihm entgegen.

"Was ist los? Maximus, was ist los?" rief Olivia in Panik.

Maximus blickte zu ihr auf. "Lucius Verus ist tot. Der Kaiser ist tot."

Obwohl es Olivia leid tat, dies zu hören, verstand sie nicht, warum diese Neuigkeit einen solchen Eindruck auf ihren Mann machte. Sie hockte sich neben ihn, ihren Arm um seine Schulter, schirmte sie ihn mit ihrem Körper vor den Blicken der Prätorianer ab. "Was noch?" drängte sie.

Eine Welle von Schwindel schwappte über Olivia zusammen und sie klammerte sich an Maximus, um nicht hinzufallen. Er erhob sich, seine Frau in den Armen, trug sie zurück zum Haus, weg aus der Sonne und setzte sie auf einen Stuhl. Er hockte sich vor sie hin. "Da gibt es noch etwas", sagte er. "Wegen des Todes des Kaisers hat Marcus Aurelius mich zum Kommandeur aller Armeen des Nordens ernannt."

Mit Tränen in der Stimme fragte Olivia:"Kannst Du ablehnen?"

"Nein." Er zog Olivia an sich und barg sein Gesicht in ihrem Haar. "Es tut mir leid", flüsterte er. "Es tut mir so leid."

Olivia strich ihm über das Haar und versuchte, unter Tränen zu lächeln. "Nun, ich bin in der Tat mit einem sehr wichtigen Mann verheiratet." Ein Geräusch an der Tür veranlaßte sie aufzublicken. Der Prätorianer-Zenturio stand dort mit einem großen Paket vor sich auf dem Boden. "Was soll das?" fragte sie so scharf, daß Maximus den Kopf hob.

"Verzeih mir, General, aber dieses Paket ist ebenfalls vom Kaiser."

Maximus fragte ihn:"Wo ist die Legion Felix III jetzt genau stationiert?"

"In Vindobona, General, wartet man auf Dich."

Maximus schauderte. Er hatte gehofft, diesen Ort niemals wieder sehen zu müssen. Er ging zur Tür und zog das Paket herein. "Ich habe meine Manieren vergessen, Zenturio. Bringt Eure Pferde zu den Ställen, und man wird für sie sorgen, dann wird ein Mahl für Deine Männer zubereitet werden. Wir werden sie auf dem Nachbargut unterbringen müssen. Ich fürchte, ich habe hier nicht genug Raum."

Der Prätorianer sah Maximus ohne jede Regung an. "Ich glaube, Dein Befehl lautete, auf der Stelle zurück zu kehren, General."

Maximus starrte den Prätorianer mit einem Blick an, der Olivias Blut gefrieren ließ."Ich brauche drei Tage", sagte er mit gefährlich tiefer Stimme, während er sich dem Mann bedrohlich langsam näherte. "Wir werden in drei Tagen aufbrechen. Ist das klar?"

Der Prätorianer hielt Maximus stand, wagte jedoch nicht, dem General in die Augen zu blicken. "Ja, General. Drei Tage."

"Nun tu, was ich Dir befohlen habe und bringt die Pferde in den Stall. Ich werde für Deine Männer sorgen."

"Ja, Herr." Der Prätorianer drehte sich auf dem Absatz um, der Umhang schwang um seine Schultern, und er war froh, Maximus' eisigem Blick zu entrinnen.

Olivia starrte nur verwundert, als Maximus Befehle an seine Leute bellte. "Cassius, reite 'rüber zur Familie meiner Frau und sage ihnen, daß ich zwei Dutzend Männer für drei Tage unterbringen muß, und daß ich ihre Unterstützung brauche. Sage Marcus und Titus auch, daß ich augenblicklich mit ihnen sprechen muß."

Cassius nickte nur mit großen Augen und eilte davon, die Wünsche seines Herrn auszuführen.

Maximus wandte nun seine Aufmerksamkeit wieder dem Paket zu. Er hob es ächzend hoch, da es sehr schwer war und trug es in das Atrium, Olivia unmittelbar hinter sich. Er starrte es eine Weile an, und es schien, als ob er es nur ungern öffnen wollte. Dann drückte Olivia ihm ein Messer in die Hand und sagte neugierig:"Ich frage mich, was wohl da drin ist?"

Schnell durchtrennte Maximus die Schnüre und entfernte die Umhüllung. Er trat zurück, als ein Schild und ein Schwert hinausrollten, gefolgt von einem Brustpanzer mit reichen Verzierungen aus Messing und zwei üppigen Wolfspelzen. Hercules ließ sein bedrohlichstes Knurren hören, als er ihrer ansichtig wurde, und das Fell in seinem Nacken sträubte sich.

"Ruhig, Hercules", befahl Maximus, und der Hund legte sich hin, den Kopf auf den riesigen Pfoten,seine braunen Augen weiterhin fest auf die Wolfspelze gerichtet.

Obwohl alle ihre Gefühle in Aufruhr waren, konnte Olivia nicht umhin, den prächtigen Inhalt des Paketes zu bewundern. Sie versuchte, die Stimmung etwas aufzuheitern. "Nun, Du wirst zweifelsohne der attraktivste General der gesamten Armee sein." Aber es gelang ihr nicht, diesen leichten Ton lange beizubehalten, und Tränen schossen in ihre Augen. Maximus fing sie gerade rechtzeitig auf, bevor sie weinend zusammenbrach, überwältigt von ihrem abgrundtiefen Schmerz.

Maximus erklärte in dieser Nacht Marcus und Titus die Situation. Obwohl sie darüber bestürzt waren, daß er sie verlassen mußte, waren die beiden Männer doch zutiefst beeindruckt, daß der Kommandeur aller Armeen des Nordens ein Mitglied ihrer Familie war. Sie starrten ehrfürchtig auf die Rüstung, die auf dem Boden liegen geblieben war, immer noch bewacht von Hercules.

Marcus versuchte zu beruhigen. "Du mußt Dir um nichts Sorgen machen, Maximus. Wir werden dafür sorgen, daß alles hier so weiter läuft wie es soll und daß Olivia gut versorgt ist. Augusta und Flora werden bei ihr sein in der Stunde ihrer Niederkunft."

"Ich habe vor, zu diesem Ereignis zurück zu sein", sagte Maximus mit Nachdruck, und Marcus hob zweifelnd die Brauen. "Nichts auf dieser Welt wird mich davon abhalten, hörst Du? Ich werde zur Geburt meines Kindes zurück sein."

"Ich glaube es, daß Du zurück sein wirst, Maximus. Ich glaube es", sagte Titus, der die Entschiedenheit in der Stimme seines Freundes wohl bemerkte. "Ich kann mir in der Tat keine Armee der Welt vorstellen, die Dich daran hindern könnte." Titus grinste, aber Maximus' Gesicht blieb ernst.

Er sagte:"Ich habe in den nächsten Tagen viel zu erledigen und ich werde Eure Hilfe brauchen."

"Alles, was Du brauchst", murmelten die beiden Männer. "Wir sind hier um zu helfen."

Olivia war zu mitgenommen, um sich weiter von ihrem Schlafzimmer zu entfernen. Sie konnte es nicht ertragen mit anzusehen, wie Maximus den Hof für die Zeit seiner Abwesenheit vorbereitete, auch wenn sie wußte, daß er es für sie tat. Er hatte ihr versprochen, daß er zur Geburt ihres Babys zurück sein werde, aber sie wußte, daß es ihm vielleicht nicht möglich sein würde, dieses Versprechen zu halten. Schon empfand sie ihre Welt öder und leerer, denn die Persönlichkeit ihres Mannes veränderte sich unmerklich. Er lächelte seltener und gab mehr Befehle. Er verbrachte Stunden damit, am Abend in die Flammen des Feuers zu starren, verloren in seinen Gedanken. Die Furchen der Anspannung, die in seinem Gesicht gewesen waren, als sie ihn zum erstenmal gesehen hatte, waren zurückgekehrt, und des nachts warf er sich im Schlaf hin und her. Sie tröstete ihn so gut sie konnte, aber sie war zu niedergedrückt von der Last ihres eigenen furchtbaren Verlustes, um ihm wirklich helfen zu können.

Endlich war der Tag, den sie so fürchtete, da.

Die Prätorianer sammelten sich auf dem Weg vor dem Haus, darauf bedacht, bald aufzubrechen, und Olivia stand auf den Stufen vor ihrem Haus und beobachtete sie. Sie hörte Maximus' Schritte hinter sich, und als sie sich umwandte, sah sie einen Mann, den sie kaum erkannte. Er war in die volle Uniform seines neuen Ranges gekleidet ... nur die weinrote Tunika war ihr noch vertraut. Sein neuer Brustharnisch trug in der Mitte einen aufwändig aus Metall getriebenen Wolfskopf. Ein langer Umhang lag um seine Schultern und war vorn befestigt. Auf jeder Schulter ruhte einer der Wolfspelze und fiel auf dem Rücken bis zu den Kniekehlen herab, vorn zusammengehalten durch eine Kette. Sein Haar war sehr kurz geschnitten und der Bart ordentlich gestutzt. Unter dem Arm trug er den attischen Helm mit dem eleganten Helmbusch.

Er sah fantastisch aus.

Maximus ergriff ihre Hand und zog sie ins Haus, während er ein strahlendes Lächeln zustande brachte. "Ich werde Dir schreiben ... mindestens zweimal die Woche. Ich verspreche es. Warte auf meine Briefe. Und mach Dir keine Sorgen um mich. Ich bin gut beschützt." Er zeigte nach draußen. "Schau Dir die Eskorte an, die ich habe. Mir kann nichts geschehen."

Olivia nickte. Sie war entschlossen, daß das Bild, welches er von ihr mit sich nehmen sollte, nicht das einer weinenden und jammernden Frau sein sollte, aber sie fühlte den Kloß im Hals, der ihr das Sprechen schwer machte. Ohne ein Wort zu sagen, drückte sie ihm einen kleinen Lederbeutel in die Hand.

"Was ist das?"

Sie schaute ihn an und ihre Augen schwammen in den Tränen, die sie so gern zurückgehalten hätte. "Vergiß mich nicht", flüsterte sie. Maximus zog an der Schnur, die den Beutel verschloß, und entnahm ihm die kleine geschnitzte Figur einer Frau mit einem leicht gerundeten Leib. Einen Arm streckte sie ihm entgegen. "Das hast Du für mich gemacht?"

Olivia nickte, während die Tränen aus ihren Augen strömten und ihre Wangen hinab liefen. Auch Maximus' Augen füllten sich mit Tränen.

"Ich werde sie wie einen Schatz hüten", sagte er mit schwankender Stimme. Seine Lippen berührten leicht die ihren, dann trat er an ihr vorbei hinaus in das Sonnenlicht, um Fassung kämpfend wie es angemessen war für einen General. Seine Augen glitten über die Hügel seiner Heimat und er trat in den Staub der Straße. Er hockte sich hin, nahm eine Hand voll Erde, verrieb sie zwischen seinen Handflächen und hob sie dann an seine Nase. Er wollte niemals vergessen, wer er wirklich war. Dann ging er mit entschlossenem Schritt hinüber zu Argento und war überrascht, ein nahezu identisches Tier hinter ihm angebunden zu finden. Marcus stand neben den Pferden und strahlte ihn an. "Das ist Scarto, Argentos Bruder. Jeder General braucht zwei Pferde, falls eines einmal lahmen sollte. Es wäre mir eine Ehre, wenn Du ihn annehmen würdest, General Maximus, Kommandeur der Armeen des Nordens." Marcus verbeugte sich mit großem Ernst.

Maximus legte seine Hände auf die Hüften und wartete, bis sein Schwiegervater sich wieder aufgerichtet hatte. "Es wäre mir lieb, Marcus, wenn Du Dich nie wieder vor mir verbeugen würdest - und mein Name ist einfach Maximus." Er grinste. "Ich danke Dir für das Geschenk. Er ist unglaublich." Die beiden Männer umarmten sich kurz und Maximus flüsterte in das Ohr seines Schwiegervaters: "Kümmere Dich um sie, Marcus."

"Das werde ich, Sohn. Hab keine Furcht."

Maximus bestieg Argento und schaute nach unten, um sicher zu sein, daß Hercules bei ihm war. Er lenkte das Pferd an die Spitze der Prätorianer, dann streichelte er den kleinen Lederbeutel, der an seinem Gürtel hing, und winkte den Dutzenden von Leuten zu, die sich zu seinem Abschied versammelt hatten. Seine Augen trafen die seiner Frau; er zwinkerte ihr zu und lächelte.

Sie antwortete ihm mit einem strahlenden Lächeln ihrerseits, dann stand sie still da und schaute ihrem Mann nach, wie er zusammen mit den schwarz gewandeten Prätorianern hinter dem Hügel ihrem Blick entschwand. Sie stand immer noch da, selbst als die Staubwolke, von den Pferden aufgewirbelt, schon   längst nicht mehr zu sehen war. Sie streichelte ihren Leib und versicherte dem Kind darin."Er wird zurück kommen, Kindchen. Dein Papa wird zurück kommen."

 

Kapitel 35 - Felix III

Der Kaiser wußte, daß Maximus endlich angekommen war, als er die Hochrufe der Soldaten von Felix III hörte. Es fing sehr schwach an - irgendwo in der Ferne - und Marcus konnte mit den Ohren verfolgen, wie sein neuer General näher kam. Es war einfach am Ort und Ausmaß des ihn umgebenden Lärms zu erkennen. Er lächelte mit Genugtuung. Er wußte, daß er die richtige Wahl getroffen hatte.

Die Patrouille machte ihren neuen General bereits aus, als er noch Meilen vom Lager entfernt war, und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, daß Maximus wirklich zurück in Germanien war. Als er durch das Tor ritt, umringten Soldaten sein Pferd und ließen Argento scheuen und nervös tänzeln. Einige starrten ihn nur an, andere griffen nach ihm, viele jubelten ihm zu und riefen seinen Namen. Soldaten erhoben ihr Schwert zum Gruß und er lächelte und hob ebenfalls seine Waffe, um den Gruß zu erwidern.

Maximus suchte die Menge nach vertrauten Gesichtern ab und fühlte sich seltsam deplaziert. Aber dann erhaschten seine scharfen blauen Augen einen Blick von jemand, den er nur zu gut kannte und sein Lächeln weitete sich zu einem breiten Grinsen. "Quintus!" rief er laut. "Was machst Du hier?"

"General!" Quintus bahnte sich mit den Ellbogen einen Weg durch die Menge und griff nach Argentos Zaum, ein Lächeln des Willkommens auf seinem Gesicht.  "Der Kaiser hatte das Gefühl, daß Du hier wenigstens eine Person brauchst, die Du kennst, so wurde ich von Felix VII hierher versetzt und zum Legaten befördert. Ich bin jetzt Dein Stellvertreter."

Maximus beugte sich vor und ergriff die Hand seines langjährigen Freundes. "Ich hoffe, es macht Dir nichts aus, Quintus. Ich weiß es wirklich zu schätzen, daß Du hier bist." Er senkte die Stimme und flüsterte seinem Freund ins Ohr:"Ich werde jede Hilfe brauchen, die ich bekommen kann."

"Das bezweifle ich ernsthaft, Maximus, aber ich werde tun, was ich kann." Quintus deutete auf den Eingang zum Prätorium. "Der Kaiser wartet auf Dich."

Maximus bahnte Argento mit Qunintus' Hilfe einen Weg durch die Menge. Endlich langte er bei Marcus Aurelius an. Maximus stieg ab und ließ sich vor seinem Kaiser auf ein Knie sinken, während die Soldaten hinter ihm nun ganz still waren. Mit einem liebevollen Lächeln bedeutete Marcus ihm, sich zu erheben und schloß ihn fest in die Arme, bevor er einen Schritt zurück trat, um seinen Lieblingssoldaten zu betrachten. Er nickte und zwinkerte Maximus zu. "Ich wußte, daß Du in diesen Wolfspelzen gut aussehen würdest."

Maximus betrachtete seinen Mentor mit gewisser Sorge. Marcus war, seit er ihn das letztemal gesehen hatte, gealtert, er hatte graue Strähnen im Haar und die Furchen in seinem Gesicht waren tiefer geworden. Er konnte gar nicht glauben, daß es erst einige Monate her war. "Es tut mir so leid, Herr, daß Lucius Verus gestorben ist. Es war ein Schock."

"Das war es für uns alle. Im einen Augenblick ging es ihm noch gut und im nächsten Moment lag er tot auf dem Boden. Die Ärzte denken, daß ihn der Schlag getroffen hat. Er hat nicht gelitten."

Maximus zögerte und sagte dann langsam."Ist es geziemend, Herr, wenn ich sage, daß ich Dich vermißt habe?"

"Es ist nicht nur geziemend sondern es würde mich sehr freuen. Ich habe Dich auch vermißt, Maximus." Marcus schaute auf die Menge der Soldaten, die sie aufmerksam beobachteten. "Sie haben Dich wie einen Helden willkommen geheißen."

"Ich habe nichts getan, um dies zu verdienen, Herr."

"Oh, ich denke, das hast Du, ich denke, das hast Du." Marcus deutete auf Argento. "Das ist ein feines Pferd ... angemessen für einen General."

"Er ist ein Geschenk meines Schwiegervaters."

Das Gesicht des Kaisers hellte sich auf, wie Sonnenschein durch die Wolken bricht. "Du bist verheiratet?"

"Ja, Herr. Ich habe meine ... Abwesenheit ... genutzt, um eine Frau zu finden." Maximus war offensichtlich immer noch unsicher über Marcus' Haltung zu seiner nicht genehmigten Abwesenheit.

"Nun, ich könnte nicht glücklicher sein. Das meine ich wirklich. Typisch für Dich, Deinen Urlaub so klug zu nutzen. Nun komm aber herein mit mir. Es gibt viel zu besprechen." Jetzt wußte Maximus, daß sein übereiltes Verlassen der Armee nie wieder zur Sprache kommen würde.

Maximus folgte dem Kaiser in sein Zelt, obwohl Zelt kaum der treffende Ausdruck für diese Gemächer war. Es war prächtig und sehr komfortabel ausgestattet mit Sesseln, Ruhesofas, Tischen, Statuen, Büsten, Rüstungen, Vorhängen, Teppichen und Marcus' großem Tisch mit der riesigen Karte des gesamten Reiches dahinter, alles sanft erleuchtet von Dutzenden von Lampen.

Marcus bedeutete Maximus sich zu setzen und langte selbst nach einem Sessel. Dann befahl der Kaiser, Speisen und Getränke für sie beide zu bringen, bevor sie mit der Arbeit beginnen wollten. Er beschrieb die Ereignisse, die sich in den letzten Monaten zugetragen hatten: den Verlust des Generals der Legion Felix III; die verheerende Wirkung des Todes von Lucius Verus auf die gesamte Armee; das Erstarken der Stämme jenseits des Flusses von Felix III ... und überall entlang von Donau und Rhein.

"Durch wen wurde General Claudius ersetzt, Herr?"

"Durch einen anderen Tribun der Legion, Fabius. Du kennst ihn sicherlich." Maximus nickte.

"Glaubst Du, daß er eine starke Führungspersönlichkeit ist?" Maximus schüttelte den Kopf. "Das ist leider auch mein Eindruck. Wir scheinen im Moment einen Mangel an guten Führern zu haben, Maximus, deshalb ist auch Deine Funktion wichtiger denn je. Du bist so zu sagen der General der Generäle, Maximus. Obwohl Deine Basis hier bei dieser Legion sein wird, wirst Du viel reisen - von einer zur anderen - um sicher zu stellen, daß alles in Ordnung ist und Du wirst Schlachten dort anführen, wo es nötig ist. Ich vertraue Dir vollkommen. Ich vertraue vollkommen in Deine Fähigkeiten, und das ist ein großer Trost für mich alten Kaiser."

"Danke, Herr. Ich hoffe, daß ich Dich nicht enttäuschen werde."

"Nun, das hast Du bisher nie getan. Niemals seit Du ein Junge warst." Marcus lächelte warm. "Du mußt sehr müde sein."

"Ich fange gerade an zu spüren, wie müde ich bin."

"Komm, ich will Dir Deine Gemächer zeigen. Sie liegen ganz nah bei den meinen. Ich denke, Du wirst sie bequem finden."

Marcus ging durch das Prätorium voran und öffnete den Eingang eines anderen großen Zeltes, mit der Hand andeutend, daß Maximus voran gehen sollte. "Maximus, ich möchte Dich mit Cicero, Deinem persönlichen Diener, bekannt machen. Er ist Soldat, wurde jedoch schwer verwundet und zieht es daher vor, der Armee zu dienen indem er ihrem General dient." Ciceros Verwundungen waren deutlich zu erkennen an den Narben, die sein Gesicht zeichneten.

"Cicero", Maximus streckte die Hand aus, und sein Diener ergriff sie mit festem Druck.

"Es ist mir eine Ehre, Herr", antwortete er mit einem leicht singenden Akzent.

"Du wirst mir helfen müssen zu verstehen, was Deine Pflichten sind, Cicero. Ich habe niemals zuvor in der Armee einen Diener gehabt. Ich habe immer die meisten Dinge selbst erledigt", lächelte Maximus.

"Du wirst Dich um nichts zu kümmern haben, außer dafür zu sorgen, daß die Legion funktioniert, Herrr. Ich werde mich um alle Deine Alltagsangelegenheiten kümmern. Ich glaube, ich habe den einfacheren Job." Sie lachten gemeinsam.

"Ich verlasse Dich nun, damit Du Dich einrichten kannst, Maximus. Wir werden uns morgen als erstes wieder treffen."

Maximus nickte. Marcus wandte sich um, hielt dann jedoch inne. "Oh ... und Maximus"

"Ja, Herr?"

"Ich werde sehr viel besser schlafen, nun, da Du hier bist."

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