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Kapitel 36 - Reformen Die nächsten Tage bei der Legion Felix III waren für Maximus angefüllt mit Aktivitäten. Er besichtigte die Truppen, traf sich mit seinen Tribunen und Zenturios, um sie so gut wie möglich kennen zu lernen. Marcus wollte Maximus nicht drängen, irgendwelche größeren Entscheidungen überstürzt zu treffen und ermutigte ihn statt dessen, die anderen Legionen unter seinem Kommando zu besuchen. So verbrachte der General die nächsten beiden Monate damit, die Donau und den Rhein entlang zu reisen, die Führer der Legionen zu treffen, militärische Strategien zu besprechen und seine Autorität zu begründen. Maximus war ebenso verantwortlich für die Moral der annähernd 75.000 Mann der fünfzehn nördlichen Legionen, und er stellte sicher, daß ihre militärischen Pflichten in einem gesunden Gleichgewicht mit sozialen Aktivitäten standen. Er errichtete Bibliotheken in den Lagern um das Lesen zu fördern und setzte Tutoren ein für jene, die nicht lesen konnten, es aber lernen wollten. Öffentliche Bäder wurden schnell außerhalb der Lager errichtet, die noch keine besaßen, und die Soldaten hatten reichlich freie Zeit, um diese zu besuchen oder sich einfach zu erholen. Organisierte Sportveranstaltungen wurden gefördert, sowohl zum Vergnügen als auch um die Männer in guter Kondition zu erhalten. Maximus stellte sicher, daß Kleidung und Bettzeug regelmäßig gereinigt wurden und das die Nahrung reichhaltig und von guter Qualität war. Er übersah geflissentlich die Prostituierten, die die Lager aufsuchten, aber er sorgte dafür, daß die Männer über mögliche ansteckende Krankheiten aufgeklärt wurden, und auch die medizinische Versorgung im Allgemeinen wurde verbessert. Freie Zeit gab es reichlich und er ermutigte die Männer, häufig ihre Familien zu besuchen. Abgenutzte Waffen wurden ersetzt, und das Training war gründlicher mit täglichem Drill und Manövern. Maximus überwachte persönlich diese Manöver und schrieb einen Bericht an den General der jeweiligen Legion. Er brachte den Offizieren bei, sich fair zu verhalten, die Ordnung aufrecht zu erhalten und sich Respekt zu verschaffen ohne zu drohen, und er beendete, so gut er eben konnte, die Praxis, bestimmte Gefallen durch Bestechung zu erhalten. Er führte ein System ein, das auf Anerkennung für gut erledigte Aufgaben beruhte und vergab Ehrungen, wo sie verdient waren. Maximus nahm weitere kleine Verbesserungen an dem vor, was gut war in der Armee und änderte, was nicht gut war. Wenn er es wieder verließ, war jedes Lager besser, als vor seiner Ankunft. Er stellte klar, daß er absoluten Gehorsam und Loyalität von seinen Soldaten erwartete, und er bekam sie ... zusammen mit ihrem vollkommenen Respekt und ihrer Bewunderung. Besonders genoß er seine Rückkehr zur Legion Felix VII, wo ihm der Empfang eines Helden zuteil wurde, und verbrachte einige Zeit mit alten Freunden. Als er endlich nach Felix III zurückkehrte, beschwerte sich Marcus gutmütig, daß Maximus das Imperium ein Vermögen koste und daß er erwarte, daß diese Investition sich reichlich auszahle. Maximus versicherte ihm, daß dies der Fall sein würde. Der neue General ruhte sich am folgenden Tag aus und setzte den Briefwechsel mit seiner Frau fort. Trotz seiner Reisen hatte er es nicht versäumt, ihr zu schreiben, und seine Briefe waren lang und voller Details über seine neuen Aufgaben. Sie antwortete ihm mit Briefen, in denen sie ihrem Mann versicherte, daß sie wohl auf sei und daß auf dem Hof alles gut ginge. Sie sehnten sich verzweifelt nach einander. Als nur wenige Tage später die kurze Phase des Friedens endete, waren Maximus und die Legionen mehr als bereit. Die Unruhen brachen zuerst in Lauriacum westlich von Vindobona aus, und er ritt augenblicklich dort hin. Jede Legion bestand aus 5500 Mann, aber ein germanischer Stamm konnte fünfmal so stark sein mit einem anscheinand unerschöpflichen Potenzial an Nachschub. Die Stammeskrieger waren nicht gut ausgerüstet, ausgebildet und ernährt, so waren die Gefechte oftmals kurz mit geringen Verlusten an Legionären. Aber sowohl Marcus als auch Maximus wußten, daß man durch fortlaufende kleine Kämpfe nichts erreichen und die Grenze niemals sicher sein würde. Letztendlich würde ein Krieg in großem Umfang unvermeidlich sein. Maximus bemerkte den Wandel der Jahreszeiten zuerst durch seinen sensiblen Sinn für Gerüche. Es war der süßliche Geruch des Verfalls ... der Geruch von sterbenden Blättern, sterbenden, fallenden ... . Das Grün von Gras und Blättern wurde durch Braun, Gelb, Gold und Purpurrot ersetzt. Bald würden die Äste kahl sein und das Wetter kalt und schneeig werden. Das würde den hier geborenen Germanen einen entscheidenden Vorteil über die römischen Soldaten verschaffen, von denen viele im Süden aufgewachsen waren so wie er selbst. Maximus änderte die Technik des Trainings, um es an die geographischen Gegebenheiten des Nordens anzupassen, und er sorgte dafür, daß kein römischer Soldat während des langen dunklen Winters würde frieren müssen. Die verfließende Zeit erinnerte Maximus beständig an die Geburt seines Kindes, die irgendwann früh im neuen Jahr erfolgen sollte ... mitten in der toten Winterzeit. Maximus war entschlossen, nach Spanien zurückzukehren, und er wußte, daß er bald würde aufbrechen müssen, bevor die Straßen unpassierbar wurden. Auch hatte er Marcus bis jetzt noch nichts davon gesagt, daß er vorhatte, die Armee abermals für einige Zeit zu verlassen. "Maximus, komm herein, komm herein. Du wolltest mich sprechen? Hier ... setz Dich", sagte Marcus. "Ich hoffe, es ist keine Bitte um weitere Geldmittel." Der Kaiser lächelte. "Nein, Herr, dies ist persönlich. Caesar, meine Frau wird bald unser Kind zur Welt bringen, und ich habe ihr versprochen, nach Hause zurückzukommen, bevor es soweit ist. Wenn erstmal tiefer Schnee liegt, wird dies nicht mehr möglich sein. Ich frage mich, ob ..." "Ob ich Dir die Erlaubnis gebe, nach Spanien zurückzukehren?" "Ja, Herr." "Glaubst Du, daß Du es verdienst?" Maximus war völlig überrascht. "Nun ... ja, Herr." "Sag mir warum." Maximus schaute auf seine Hände und fragte sich, was der Kaiser hören wollte. "Ich denke, daß die Armeen einige Zeit ohne mich funktionieren können, selbst wenn es zu einem großen Kampf kommen sollte, was zu dieser Jahreszeit unwahrscheinlich ist." "Warum können sie ohne Dich funktionieren?" "Weil sie gut trainiert sind ... " "Wer hat sie trainiert?" "Das war ich, Herr." Worauf wollte der Kaiser hinaus? "Ja, das warst Du. Seit ich Dir die Verantwortung übertragen habe, Maximus, sind die Armeen des Nordens nie stärker gewesen ... und nie zufriedener. Das hast Du erreicht. Ich bin nicht sicher, ob Dir Deine Bedeutung für Rom ganz bewußt ist, Maximus, oder wie gut Du Rom dienst. Rom kann auf Dich nicht verzichten." Maximus sank das Herz in der Brust. Marcus war nicht bereit, ihn gehen zu lassen. Er studierte den Teppich unter seinen Füßen. "Ich verstehe, Herr." "Nein, ich denke, das tust Du nicht. Du hast so gute Arbeit geleistet, daß Du sehr wohl entbehrlich bist ... für kurze Zeit. Geh nach Hause zu Deiner Frau und komm nicht zurück, bevor Du nicht Dein Kind in Deinen Armen gehalten hast." Maximus sprang so schnell auf, daß er seinen Weinkelch umwarf. "Danke, Herr." "Nimm sechs Prätorianer zu Deinem Schutz mit ... nein, ich bestehe darauf", sagte Marcus, als Maximus zu einem Protest ansetzte. "Rom kann es sich nicht leisten, Dich zu verlieren. Nun geh und bereite Dich auf die Reise vor. Ich nehme an, daß Du noch diese Woche aufbrechen willst." "Ja, Herr. Danke." "Ich werde Dich vermissen, mein Junge." "Ich werde Dich auch vermissen, Caesar." "Marcus." "Entschuldigung?" "Marcus. Maximus, nenn' mich einfach nur Marcus." "Marcus. Danke ... Marcus." Die Männer umarmten sich und dann war Maximus verschwunden..
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Kapitel 37 - Der Sturm Drei Tage später war Maximus auf dem Weg, begleitet von sechs Prätorianern. Zu einer anderen Jahreszeit hätte er möglicherweise versucht, die Alpen zu überqueren, aber er zog es vor, sie am Rande zu umgehen und sich an den Ausläufern des Gebirges zu halten ... eine längere aber auch einfachere Strecke. Noch viele Gebirgszüge mußten passiert werden, bevor er zu Hause wäre, und er nahm an, daß die Reise einen Monat dauern könnte. Er hatte einen Kurier auf den Weg geschickt, sobald Marcus ihm die Erlaubnis zur Reise gegeben hatte, so daß Olivia ungefähr eine Woche im Voraus von seiner bevorstehenden Ankunft unterrichtet wäre. Cicero half Maximus, sich auf die Reise vorzubereiten, indem er sicherstellte, daß genügend Nahrungsmittel eingepackt wurden und daß sein Herr eine große Menge sehr warmer Kleidung hatte, einschließlich wollener Tuniken und Hosen, schwerer mit Kaputzen versehener Umhänge, Pelze, um sich in der Nacht darin einzurollen, und wollener Socken, die er in die Stiefel stecken konnte. Immer wieder machte er klar, daß er es als seine Aufgabe ansah, seinen Herrn auf der Reise zu begleiten, aber Maximus wollte davon nichts hören. Warum mehr Männer als unbedingt nötig abziehen? Auch Argento wurde mit dicken Decken versehen, um ihn warm zu halten. Hercules würde dem Pferd wie gewöhnlich folgen, aber Maximus hatte einen besonderen Lederbeutel vorbereitet, den er auf den Schultern tragen und auf Argentos Hinterteil abstützen konnte für den Fall, daß Hercules müde würde und ein Stück des Weges mit ihm reiten müßte. Der Morgen, an dem sie aufbrachen, war grau von tief hängenden Wolken und gelegentlichem Schneegestöber. Sie kamen an diesem Tag gut voran und konnten diese Nacht und auch die folgende in Miltärlagern verbringen, aber sobald sie sich weiter von der Grenze entfernten, verschwanden auch die Militärlager. Während der nächsten Woche war die Reise angenehm, die Luft war kalt aber belebend. Jeden Morgen war der Boden von starkem Frost gefroren und ständig bestand die Gefahr auszugleiten. Dadurch verlangsamte sich die Reise, aber sie fanden in den kleinen Dörfern Gasthäuser, in denen sie übernachten konnten. Maximus mußte nie frieren, wenn er schlief, denn Hercules bestand darauf, mit ihm gemeinsam zu schlafen, meist eingerollt zu seinen Füßen, aber manchmal kuschelte er sich auch direkt an seinen Bauch. Wenn Maximus auf dem Rücken schlief, legte Hercules seinen großen Kopf auf die Brust seines Herrn und blies ihm seinen Hunde-Atem direkt ins Gesicht. Maximus genoß die Gesellschaft des Hundes, mußte ihn jedoch gelegentlich sanft schütteln, wenn sein Schnarchen zu laut wurde. Während der nächsten beiden Tage erstiegen sie eine Bergkette und in der zweiten Nacht machten sie Rast in einer hoch gelegenen Jagdhütte. Bald nachdem sie zur Ruhe gegangen waren, begann es zu regnen und hörte die ganze Nacht nicht wieder auf. Sie hatten das Gefühl, sich im Innern einer Trommel zu befinden. Maximus schlief nur wenig und erwachte früh am nächsten Morgen. Schnell kleidete er sich an, denn die Luft war sehr, sehr kalt. Als er die Tür öffnete und aus der Hütte in die Dunkelheit hinaus trat, rutschten die Füße unter ihm weg, und er fiel schwer zu Boden. Er glitt ein gutes Stück abwärts, bevor es ihm gelang, einige niedrige Äste zu ergreifen und ein Weitergleiten zu verhindern. Er duckte den Kopf, als etwas Hartes, Scharfes an ihm vorbei fiel. Er hörte Hercules in seine Richtung rutschen, winselnd vor Furcht, streckte eine Hand aus und bekam den Hund an einem Hinterbein zu packen, bevor er an ihm vorbei glitt. Vorsichtig versuchte Maximus, wieder auf die Beine zu kommen, aber er rutschte aus und fiel abermals hin. Er zog seine Handschuhe aus und befühlte den Boden. Er war hart wie ein Fels. Hart wie ...Eis. "General?" Der Anführer der Prätorianer, Licinius, stand an der Tür. "Komm nicht hier 'raus! Wir müssen letzte Nacht einen Eissturm gehabt haben und es ist unmöglich, zu laufen." "Bist Du in Ordnung?" "Das bin ich, so lange ich mich an diesem Ast festhalten kann. Ich kann nicht genau sagen, wo ich bin, weil es zu dunkel ist. Also werde ich einfach hier warten." "Ich habe den Hund gehört ..." "Ich hab ihn aufgefangen. Es geht ihm gut." Eine weitere Stimme gesellte sich zu der ersten an der Tür. "Was ist los?" "Alles ist mit Eis bedeckt", antwortete Licinius. "Eis? Ich dachte, es hätte so heftig geregnet letzte Nacht. Es muß Eis gewesen sein." Maximus rief abermals: "Kommt auf keinen Fall hier heraus. Ich könnte mich am Rande eines Abhanges befinden, so weit ich das beurteilen kann. Ich werde mich nicht rühren, bis ich sehen kann, wo ich mich befinde." So saß er die nächste halbe Stunde still und streichelte Hercules, während er lauschte, wie die Äste über ihm unter der Last des Eises ächzten und knackten. Seine Gedanken wanderten zu Argento und den anderen Pferden, die hinter der Hütte angebunden waren. Sein Pferd war von den Ohren bis zum Schwanz in schwere Decken gehüllt, aber der Sturm war heftig gewesen. Maximus zog den Kopf ein, als sich der Wind abermals erhob und einen Eisregen krachend um ihn herum zu Boden sandte. Die ersten rosigen Sonnenstrahlen enthüllten einen Anblick, den Maximus nie zuvor gesehen und nicht für möglich gehalten hatte. Jedes Zweiglein eines jeden Astes, jeder Busch und jeder Grashalm, jeder Fels und die gesamte Hütte waren dick mit Eis bedeckt und die Welt schien in ein Schmuckkästchen voll funkelnder Diamanten verwandelt. Maximus saß mit dem Rücken an einem Baumstamm und starrte voller Schrecken auf das, was sich seinem Blick darbot. Immergrüne Zweige waren angebrochen unter dem Gewicht und viele Äste waren gänzlich abgebrochen und heruntergefallen. "Genaral, wir werden jetzt ein Seil zu Dir hinunter werfen." Maximus nickte und band sich das Seil um die Taille. Er hielt Hercules fest umklammert, während die Prätorianer ihn den Abhang hinauf zogen. Er war nicht wirklich in Gefahr gewesen, da dichtes Buschwerk seinen Fall gestoppt hätte, aber ohne ihre Hilfe hätte er große Schwierigkeiten gehabt, wieder zur Hütte zurück zu gelangen. Nachdem er erst einmal wieder sicher drinnen angekommen war, galt sein erster Gedanke den Pferden, die an der Rückseite der Hütte angebunden waren. Wie sollten sie dorthin gelangen? Der Anführer der Prätorianer, Licinius, hackte mit seiner Axt auf das Eis vor der Tür ein, und es gelang ihm, genug herauszubrechen, um nach draußen treten zu können. Dann hackte er weiter und bewegte sich etwas weiter vorwärts. In diesem Tempo würde es Stunden dauern, bis sie zu den Pferden kamen, da das Eis wenigstens fünf Zentimeter dick war und die schwachen Sonnenstrahlen nicht ausreichten, es zu schmelzen. Maximus entschied, daß er und Licinius auf Händen und Füßen kriechen sollten, Dolche in jeder Hand als Eispickel gebrauchend. Hinter ihnen sollten die übrigen fünf Prätorianer, mit viel geringerem Tempo arbeitend, das Eis mit ihren Äxten zerhacken. Sie kamen nur langsam vorwärts, da ein Dolch immer im Eis stecken mußte, um zu verhindern, daß sie den Grat von der Hütte hinab glitten. Einmal rutschten Licinius beide Füße weg, er fiel flach auf das Eis und rutschte gut zehn Fuß weit, bevor er mit seinem Dolch wieder Halt fand. Maximus erreichte die Pferde zuerst. Die Tiere schmiegten sich so dicht an die Hütte wie sie nur irgend konnten und hatten so das Schlimmste des Eisregens vermeiden können, waren aber noch immer mit Eis bedeckt. Ein Paar auf der Außenseite zitterte vor Kälte. Ihre Körper hatten verhindert, daß das Eis den Boden bedeckte, so daß Maximus unmittelbar neben ihnen stehen konnte. Er hob die eisverkrustete Decke von dem als nächstes stehenden Tier, der Stoff so steif, daß er die Form des Pferdes beibehielt, bevor er knackte und sprang, als Maximus ihn in seinen Händen zusammenpresste. Er schüttelte die Eiskristalle ab und legte sie dann auf das Tier zurück. Nun langte auch Licinius bei ihm an und Maximus erteilte Anweisungen. "Nimm alle Decken ab und schüttle das Eis heraus, dann decke die Pferde vorerst wieder zu. Sie müssen alle abgerieben werden, um den Kreislauf wieder in Gang zu bringen, dann müssen sie gefüttert werden." Er schaute auf die überhängenden Zweige der immergrünen Bäume, die, wie sie feststellten, einen Schutz für die Pferde böten. "Wenn das Eis hier herum erst einmal aufgehackt ist, müssen wir die Pferde von hier weg bringen und das Eis von den Bäumen schlagen, bevor es herabfällt und sie verletzt." Die beiden Männer sprachen, während sie arbeiteten, in ruhigem Ton zu den verschreckten Tieren, und es dauerte nicht lange, da waren auch die anderen Soldaten bei ihnen. Argento hatte am dichtesten an der Hütte gestanden, und es ging ihm relativ gut, aber sein Schweif war von Eis durchzogen und auch seine Ohren waren von Frost bedeckt. Maximus verbrachte eine gute Weile mit dem jungen Hengst, beruhigte und untersuchte ihn nach Verletzungen. Als die Pferde endlich versorgt waren, war es bereits früher Nachmittag, und die Männer starben beinahe vor Hunger. Sie gingen vorsichtig zurück zur Hütte und stürzten sich auf ihre Rationen. "Laßt es langsam gehen", wies Maximus sie an. "Die Luft ist noch kälter geworden ... könnt ihr es spüren? Wer weiß, wie lange es noch dauern wird, bevor das Eis so weit schmilzt, daß wir aufbrechen können." Er saß im Eingang, starrte auf die kalte Pracht und fragte sich, wie viele Tage ihre Reise sich noch verzögern würde. |
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Kapitel 38 - Zu Hause Nachdem er eine ganze Woche in der engen Hütte zusammen mit sechs anderen Männern verbracht hatte, entschied Maximus, daß es Zeit sei zu handeln. An den Umständen hatte sich nichts geändert und er vermutete, daß sie noch bis zum Frühling hier festsitzen könnten. Jeden Tag saß er im Eingang der Hütte, streichelte Hercules, und prägte sich die Landschaft um ihn herum ein, sich so auf seine "Flucht" vor den Prätorianern vorbereitend. Vom Kaiser war ihnen befohlen, für seine Sicherheit zu sorgen, daher wußte Maximus, daß nichts, was er auch immer sagen würde, sie davon abbrächte, eben das zu tun ... wenn nötig mit Gewalt ... also mußte er sie los werden. Er vermutete, daß er vier Tage benötigte, um den Berg hinabzusteigen, und er hoffte, daß je weiter er hinabstieg je mehr das Eis verschwinden würde. Vier Tage. Das würde ihn volle zwei Wochen später zu Hause ankommen lassen. Olivia würde außer sich sein. An diesem Nachmittag, während die Prätorianer ihre Pferde versorgten, packte er gerade soviele Vorräte in seine Tasche, daß sie für fünf Tage ausreichten, wenn er wenig äße. Mit Wärme konnte er nicht knausern, und so steckte er seine gesamte zusätzliche Kleidung ein. Am frühen Abend versteckte er das Gepäck - zusammen mit Proviant für Argento und Hercules - hinter der Hütte und behielt nur das bei sich, was er für die Nacht brauchte. An jedem Tag der vergangenen Woche hatte Maximus unter der Hütte, dort, wo es nicht gefroren war, Erde ausgegraben. Eine beträchtliche Menge dieser steinigen Mischung lagerte nun - verpackt in behelfsmäßigen Stofftaschen - verborgen in der Aushöhlung, die durch sein Graben entstanden war. In dieser Nacht wartete er, bis er die gleichmäßigen Atemzüge aller sechs Männer hören konnte, dann rollte er seine Pelze ein und schlich auf Zehenspitzen zur Tür, Hercules dicht auf seinen Versen. Er schreckte zusammen, als der Hund sich schüttelte, um den Schlaf aus den Gliedern loszuwerden, während sein Halsband klimperte und die Ohren laut klatschten. "General?" Es war Licinius. "Geh wieder schlafen", flüsterte Maximus. "Dieser nervtötende Hund hier muß nur mal 'raus. Ich bin gleich zurück." Die Tür knarrte leicht, als er sie aufdrückte und dann fest hinter sich schloß. Die Nacht war pechschwarz und Hercules blieb dicht bei ihm, als er zur Hinterseite der Hütte hastete, die Vorräte hervorholte und sie auf dem überraschten Pferd festband. Einen der Säcke mit dem Schotter befestigte er an seiner eigenen Hüfte. Er stopfte den protestierenden Hercules in seinen Lederbeutel und befestigte auch diesen an dem Pferd. Dann wendete er Argento mit Hilfe seines Zügels und starrte in die pechschwarze Finsternis. War er verrückt geworden, so etwas zu tun? Wäre es nicht besser, selbst viel zu spät zu Hause anzukommen, als Gefahr zu laufen, über einen Abhang zu stürzen und nie anzukommen? Der Gedanke an die Aussicht, noch einen einzigen weiteren Tag in dieser elenden Hütte zubringen zu müssen, machte ihm die Entscheidung leicht. Er brach auf. Maximus ging um die Hütte herum, und als er merkte, daß der Boden rutschig wurde, steckte er die Hand in den Sack an seiner Hüfte und verteilte den Schotter mit einer weiten, schwungvollen Bewegung vor sich auf dem Boden. Dann prüfte er das Eis mit seinem Fuß und stellte fest, daß der Schotter es ziemlich sicher machte. Langsam suchte er sich einen Weg den Hang hinab, jeden Schritt mit Vorsicht setzend, dann brachte er auch Argento dazu, ihm zu folgen. Auch wenn er nicht mehr sehen konnte als die undeutlichen Umrisse von Felsen und Pflanzen, wußte er doch genau, wohin der Weg führte und die Lage eines jeden Busches und Baumes in Sichtweite der Hütte. Er hielt sich dicht an die eisbedeckten Büsche, die - im äußersten Notfall - den Sturz des Pferdes aufhalten konnten. Er war viel mehr um Argento als um sich selbst besorgt, denn es gehörte nicht viel dazu, das Vorderbein eines Pferdes zu brechen. Maximus zwang sich dazu, geduldig zu sein und es kostete ihn zwei Stunden, bis er weit genug von der Hütte entfernt war, um sich etwas entspannen zu können. Er war aber immer noch nahe genug um zu hören, wie die Tür sich knarrend öffnete, und Licinius rief: "General? General, wo bist Du? Ist alles in Ordnung, Herr?" Stille. Jetzt war da ein Anflug von Panik in seiner Stimme. "General?" brüllte er. "Brauchst Du Hilfe, Herr?" Hercules jaulte, und Maximus griff nach seiner Schnauze, um ihn zum Schweigen zu bringen. Ein unbestimmtes Durcheinander anderer Stimmen drang an Maximus' Ohr. "Was ist los?" "Der General ist weg." "Was heißt hier 'weg'?" "Ich denke, er ist ohne uns aufgebrochen." "Warum im Namen aller Götter sollte er das tun?" "Wenn ihm irgendetwas zustoßen sollte, wird uns der Kaiser einen Kopf kürzer machen." "Er kann noch nicht weit gekommen sein." "Was willst Du damit andeuten? Daß wir ihm folgen sollten? Ich kann da draußen die Hand vor Augen nicht sehen." "Wir werden mit dem ersten Licht aufbrechen." "Auf dem Eis?" "Nun, er hat es auch geschafft. Bete, daß wir seinen Körper nicht am Fuße irgend eines Felsens finden ." Die Tür schloß sich knarrend. Maximus wartete eine Minute, um sicher zu gehen, daß sie ihn nicht überlisten wollten, seinen Aufenthalt zu verraten, dann machte er sich ganz langsam wieder an den Abstieg den glatten Abhang hinunter. Es war eine ermüdende Aufgabe, die äußerste Präzision erforderte. Als er das erste Morgenlicht im Osten sah, war er weit genug südlich von der Hütte um zu spüren, wie ein Teil der Anspannung aus seinen Schultern wich, und er setzte seinen Weg fort, den Schotter vor sich streuend und vorsichtig einen Fuß vor den anderen auf den glatten gefrorenen Grund setzend. In dieser Nacht rollte er sich zusammen in seinen Pelzen gemeinsam mit Hercules. Sein Schlaf wurde immer wieder unterbrochen; er lauschte auf das Heulen der Wölfe in der Ferne und beruhigte den Hund jedesmal, wenn er zu einer jaulenden Antwort ansetzte. Der nächste Tag verlief genau wie der erste und er machte gute Fortschritte bei seinem Abstieg den Berg hinab. Am dritten Tag brachen seine Füße durch die Eiskruste und seine Schritte wurden sehr viel sicherer. Am vierten Tag war der Boden nur noch im Schatten der Büsche vereist, und er konnte sich schneller bewegen. Gegen Mittag saß er bereits auf Argento und lenkte das Pferd das letzte Stück den Abhang hinunter, als er die ersten Wiesen vor sich sah. Ein wundervolles Gefühl der Freiheit erfüllte sein Herz. Er war auf dem Weg zu Olivia.
Olivia saß auf einer Bank und überblickte den kleinen Weg und die Straße weiter unten. Jeden Tag hatte sie in den letzten zwei Wochen dort verbracht und den ganzen Tag sehnsuchtsvoll nach ihrem Mann Ausschau gehalten. Die Diener brachten ihr Essen, weil sie sich weigerte, zu diesem Zweck ins Haus zu kommen. Ihre Schwägerinnen lasen ihr Geschichten vor in der Hoffnung, sie von der drückenden Sorge um Maximus' Sicherheit abzulenken. Olivias Hände streichelten unablässig ihren stark gerundeten Leib, wie um das Kind darin zu trösten. Die kräftigen Tritte waren beruhigend und das Kind hatte sich bereits tief nach unten gelagert, ein sicheres Zeichen dafür, daß die Geburt unmittelbar bevor stand, wie Flora und Augusta ihr versicherten. Titus war jeden Augenblick bereit, die Hebamme zu holen, wenn es so weit wäre. Olivia rutschte unruhig hin und her, um den Schmerz in ihrem Kreuz zu erleichtern, ohne jedoch den Blick von der Straße zu wenden. Der kühle Wind strich um ihre Knöchel und sie zog den dicken wollenen Schal fester um ihre Schultern. Plötzlich richtete Olivia sich gerade auf, der Schmerz in ihrem Rücken war vergessen. Sie konnte in der Ferne eine kleine Staubwolke erkennen. Flora folgte ihrem Blick. "Olivia, mach Dir keine falschen Hoffnungen. Das kann irgendein einsamer Reiter sein und ich bezweifle, daß Maximus ganz ohne Begleitung käme." Olivia dachte an die Prätorianerabteilung, die ihn abgeholt hatte, und ihre Hoffnungen sanken. Dennoch hielt sie den Blick unverwandt auf den Horizont gerichtet. Wie Flora es vorausgesagt hatte, war schon bald ein einsamer Reiter auf der Kuppe des Hügels zu sehen, noch zu weit entfernt, um sehen zu können, wer es war. Als der Reiter näher kam, konnte Olivia die dunkle Gestalt eines Pferdes und eines Reiters mit wehendem Mantel ausmachen, dann sah sie den blitzenen Brustharnisch. Sie stand auf, und der Schal glitt von ihren Schultern. Eine kleinere Gestalt rannte hinter dem Pferd her. Olivia schrie auf. "Maximus! Es ist Maximus!" Trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft, sprang sie mit einem Satz die Stufen hinab und hinaus auf den Weg. Maximus passierte das Tor in vollem Galopp, brachte dann aber Argento so plötzlich zum Stehen, daß das Pferd sich überrascht auf den Hinterbeinen aufrichtete. Maximus rutschte rückwärts über Argentos Hinterteil hinunter, was das Tier noch mehr verwirrte. Sobald seine Füße den Boden berührten, lag Olivia auch schon in seinen Armen, drückte sich an ihn so fest sie konnte und flüsterte seinen Namen wieder und wieder. Lange standen sie so, eng umschlungen, und tauschten Küsse und Worte der Liebe aus, während Maximus sanft mit seiner Hand über den stark gerundeten Leib seiner Frau strich und fühlte, wie das Baby in ihr trat. Endlich gelang es Olivia unter Tränen zu lachen."Maximus, Du siehst furchtbar aus. Schau Dich nur an! Die Reise muß schrecklich gewesen sein." "Das war sie. Im Gebirge hat es einen Eissturm gegeben und Regen und Matsch in den tiefer gelegenen Gebieten. Ich bin erschöpft, hungrig ... und schmutzig. Ich habe Dich überall mit Matsch beschmiert. Ich hatte solche Angst, nicht rechtzeitig hier zu sein." Abermals lachte Olivia unter Tränen. "Gerade richtig, denke ich. Unser Baby wird bald zur Welt kommen. Komm rein, Liebling, und wir werden ein warmes Bad für Dich vorbereiten." Olivia schaute sich um. "Du bist allein?" "Ich war es nicht, als ich los ritt. Sechs ziemlich ärgerliche Prätorianer werden hier früher oder später aufkreuzen. Sie können bei Deinem Vater bleiben und uns hier in Ruhe lassen." Maximus küßte die Stirn seiner Frau und schnupperte an ihrem Hals, während seine Hände von ihrer umfangreichen Taille glitten und ihre Arme entlang wanderten. "Du bist kalt. Laß uns hinein gehen." Und schon bald lag Maximus entspannt in dem Marmorbad ihres Hauses und seine Frau kniete auf Polstern an seiner Seite und massierte Seife in sein Haar. "Schaut Euch diesen Bart an", sagte sie. "Er ist noch struppiger als an dem Tag als ich Dich zum erstenmal sah." "Hmmm", war das einzige, das Maximus hervorbringen konnte, als Olivias Finger zuerst seine Kopfhaut massierten, dann seinen Nacken und die Schultern bearbeiteten. Plötzlich erstarrten ihre Hände und Maximus schreckte aus seinem Dösen auf. Er schaute in ihre verwunderten Augen und folgte dann ihrem Blick auf den Boden unter ihre Kniee zu der sich schnell ausbreitenden Lache. "Entspann' Dich, Maximus, es wird alles gut gehen", sagte Titus. "Du hast gut reden", brummte Maximus, während er im Atrium seines Hauses auf und ab lief. Er zuckte jedesmal zusammen, wenn Olivia aufstöhnte oder einen Schrei ausstieß. "Es ist nicht in Ordnung, daß eine Frau so leiden muß." "Nein, ich denke, das ist es nicht, aber es ist nun mal der Lauf der Dinge und kein Mensch kann das ändern." Olivia schrie abermals. "Vielleicht kann ich sie etwas trösten", sagte Maximus und eilte auf ihr Schlafzimmer zu. Titus trat ihm in den Weg und ergriff seinen Arm. "Du würdest nur der Hebamme im Weg stehen. Es sind schon genug Frauen mit ihr dort drin, mein Freund. Komm, laß uns eine Partie Dame spielen." Maximus schaute ihn an, als ob er nicht ganz normal sei und begann wieder, auf und ab zu laufen. Er lief und lief. Stunden vergingen. "Wie lange dauert so etwas, Titus?" wollte Maximus ärgerlich wissen. "Es dauert doch noch gar nicht so lange und es kann noch eine ganze Weile länger dauern, fürchte ich." "Es dauert schon Stunden." "Es braucht Stunden." Beide Männer wandten sich um, als Olivias Vater durch die Vordertür trat. "Gibt es schon etwas?" fragte er. Maximus schüttelte unglücklich den Kopf und setzte sich auf einen Stuhl, die Stirn in den Händen vergraben. Marcus neckte ihn. "Man merkt, daß es Dein Erstes ist, mein Junge. Ich sage Dir, es wird jedesmal einfacher." "Für wen?" fragte Maximus herausfordernd. Er wollte eben ansetzen, und seinen Schwiegervater für dessen Bemerkung tadeln, als ein markerschütternder Schrei sein Herz vor Schreck aufspringen ließ. Er lauschte. Alles war still. Maximus' Hände begannen zu zittern, und er starrte auf die Schlafzimmertür. Niemals in seinem Leben hatte er solche Angst empfunden. Keine Seele im ganzen Haus rührte sich, während jedes Ohr auf das nächste Geräusch lauschte. Plötzlich drang ein schwacher, hoher Schrei an sein Ohr. Der Schrei wurde stärker und zu einem Weinen. Maximus rannte durch das Atrium und platzte in das Schlafzimmer, was ihm einen bösen Blick der Hebamme einbrachte. "Wir sind noch nicht bereit für Dich", sagte sie. "Olivia?" "Es geht mir gut, Maximus." Ihre Stimme war schwach. "Wir haben einen Sohn." Erst jetzt wandte er seinen Kopf in Richtung des weinenden Bündels, und die Hebamme warf ihm das schreiende Kind in die Arme. Er starrte in das schrumpelige kleine Gesicht und den Wust dicken, schwarzen Haares, und er hob das Baby hoch in die Luft, das Kind so als das seine anerkennend. Dann drückte er das kleine Bündel an sich und näherte sich seiner Frau - Tränen in den Augen. "Danke, Liebstes. Danke" Maximus legte ihr den Jungen in die Arme und sie sah zum erstenmal das Gesicht ihres Kindes. "Er sieht aus wie Du", sagte sie. "Nein, er sieht aus wie Du. Schau seine wundervollen schwarzen Augen an. Genau wie die seiner Mutter." In der Tür erschienen zwei Gesichter. "Nun?" fragte Titus. Maximus nahm das Kindchen in die Arme und ging stolz auf Marcus zu. "Du hast einen weiteren Enkel, Marcus." Marcus spitzte die Lippen und machte gurrende Laute für das Baby. "Weißt Du, wer Dein Papa ist, Kleines? Er ist ein berühmter General, Du glücklicher Junge." Maximus sagte: "Sein Name ist Marcus. Marcus Decimus Meridius." Marcus runzelte die Stirn. "Er muß Deinen Namen tragen, Maximus." "Olivia und ich haben anders entschieden. Er soll nach zwei Männern genannt werden, die sehr wichtig für mich sind." Das Baby hörte auf zu schreien und langte nach Maximus' Finger, beruhigt durch die tiefe Stimme seines Vaters. Die Hebamme kam geschäftig herbei und nahm ihm das Kind aus den Armen. "Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns. Raus nun und stört uns nicht weiter." Als er keine Anstalten machte zu gehen, warf sie ihm einen finsteren Blick zu. Er ging zu Olivia, küßte sie auf den Mund und drückte beruhigend ihre Hand, dann schloß er sich widerstrebend Titus und Marcus an und trat mit ihnen vor die Tür. Schnell wurde diese ihnen vor der Nase zugeschlagen, und die Frauen kümmerten sich weiter um Mutter und Kind. |
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Kapitel 39 - Baby Marcus Olivia erwachte langsam und fand ihren Mann - bereits mit einer schlichten Tunika bekleidet - neben ihr sitzend vor. Er lächelte mild, als er sie und ihr Baby betrachtete. Marcus lag eingekuschelt in ihren Armen und begann eben, sich zu regen. Maximus grinste, als er sah, wie das Kind seine Händchen zu kleinen Fäusten ballte, und sein Gesicht sich rot zu färben begann - bereit loszuschreien und Nahrung zu fordern, noch bevor er gänzlich erwacht war. Olivia legte sich das Kind an die Brust, und es griff schnell danach, um hungrig zu saugen. Maximus kitzelte eine der kleinen Fäuste mit seinem kleinen Finger und wurde damit belohnt, daß die zarten Fingerchen seinen größeren umschlossen. Während er die kleine Hand mit seinem Daumen streichelte, lehnte er sich hinüber und küßte Olivias Haar, dann ihre Stirn, die Nase und den Mund. "Guten Morgen", sagte er. Sie lächelte zur Antwort und ihr Gesicht strahlte. Mit seiner freien Hand griff Maximus neben sich auf den Boden und tastete nach dem Päckchen, daß er dort abgelegt hatte. Es war klein und quadratisch und in hübsches Papier gewickelt. "Für Dich", sagte er, als er das Kästchen Olivia übergab. Olivia balancierte das Kind in der Armbeuge und öffnete langsam das Kästchen in dem Wunsch, die Zeit auszudehnen und jeden gemeinsam mit ihrem Ehemann verbrachten Tag wie zehn erscheinen zu lassen. Sie schnappte nach Luft, als sie den Deckel öffnete. In dem Behältnis lag ein breites goldenes Armband und passende Ohrringe. "Oh, Maximus. Wie schön die sind!" Sie befestigte das Armband an ihrem Handgelenk und hielt ihren Arm hoch ins Licht, so daß die Sonne auf dem kostbaren Metall spielte. "Du verdienst noch so viel mehr, aber ich habe nicht die Zeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ich möchte Dich in Gold und Diamanten, Rubine und Smaragde kleiden und..." Olivia gebot ihm mit einem Lachen Einhalt. "Ich will all diese Dinge gar nicht. Nur Dich und unser Kind. Das ist alles, was ich will." Maximus' Gesicht verdunkelte sich. "Wann mußt Du uns wieder verlassen?" fragte sie. Er wandte sich um und schaute aus dem Fenster zu den Hügeln in der Ferne. "Morgen. Die Prätorianer sind gestern angekommen und verlangen, daß wir zurückkehren." "Mit Deinem Rang stehst Du doch über ihnen?" Maximus lachte. "Um einiges, aber Marcus Aurelius befahl ihnen, für meine Sicherheit zu sorgen, und ich habe sie bereits einmal in den Bergen ausgetrickst. Sie sind nicht in wirklich guter Stimmung, fürchte ich." Er wurde ernst. "Zu dieser Jahreszeit wird es mindestens einen Monat dauern, bis wir wieder an der Front im Norden sein werden, wenn wir so schnell wie irgend möglich reiten und das Wetter mitspielt. Ich kann es unmöglich verantworten noch länger weg zu sein." Olivia setze ihr tapferstes Lächeln auf. "Ich versteh. Du bist ein sehr wichtiger Mann und ich muß Dich mit Rom teilen. Ich wußte das, als ich Dich heiratete, Maximus." "Nichts auf der Welt würde ich lieber tun, als hier bei Dir und Marcus zu bleiben. Ihn heranwachsen zu sehen. Bitte glaube mir das." "Ich glaube es Dir. Es tut mir für mich selbst leid, daß Du gehen mußt, aber am meisten tut es mir für Dich leid." Marcus begann unruhig zu werden und sie legte ihn an ihre andere Brust. "Wir haben noch eine Nacht zusammen." "Ja, aber ich muß jetzt noch Vorkehrungen für die Farm treffen. Ich werde am frühen Abend zurück sein." Maximus küßte abermals seine Frau und streichelte den Kopf seines Kindes, bevor er ging. Kalte Furcht befiel Olivia. Keiner von ihnen schlief viel in dieser Nacht. Sie hielten einander in den Armen, das Baby zwischen ihnen, und Maximus versuchte, sich sein Kind einzuprägen ... seinen kleinen Körper, seinen Baby-Geruch, seine glucksenden, gurgelnden Laute und sogar sein Schreien. Seine Haut war, verglichen mit Maximus' vom Kampf schwieligen Händen, so zart. Die Stärke der Liebe, die er in seinem Herzen für seine Frau und sein Kind empfand, erstaunten ihn und sie machten ihm Angst. Wie sollte er ohne sie leben? Er dachte kurz daran, sie mit sich zu nehmen, verwarf diesen Gedanken aber als selbstsüchtig sofort wieder. Es war beinahe, als ob Olivia seine Gedanken gelesen hätte. "Wie ist es so in Germanien?" Sie wollte Maximus reden hören, sich verlieren in seiner tiefen, beruhigenden Stimme. Wenn er nicht hier war, hatte sie festgestellt, daß sie sich wohl sein Gesicht vorstellen konnte, aber es war so schwierig, sich an diese volle, tiefe Stimme zu erinnern. "Es ist ... dunkel. Besonders zu dieser Zeit des Jahres. Die Tage sind sehr kurz und die Nächte lang und kalt und dunkel. Die Lager funktionieren gut und in ihrer unmittelbaren Umgebung sind kleine Dörfer entstanden, so daß die ansässigen Bauern und Handwerker ihre Erzeugnisse an die Soldaten verkaufen können. Die Menschen leben in ...Löchern. Man kann sie unmöglich anders bezeichnen. Die Kinder sind schmutzig. Sie tragen Lumpen. Sie besitzen so wenig. Der Gestank kann furchtbar sein. Die Tiere sind halb verhungert. Und so ist es auf unserer Seite. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es erst auf der anderen Seite des Flusses aussieht." "Haben die Soldaten dort Familien?" Maximus überlegte sich die Antwort genau. "Viele haben eine, aber es sind Frauen aus den Dörfern ... Frauen, die schon immer dort gelebt haben und daran gewöhnt sind. Jene, die versuchen ihren Ehemännern aus dem Süden zu folgen, halten es nicht lange aus und sind unglücklich, so lange sie dort sind." Maximus stützte seinen Kopf in die Hand und betrachtete das Profil seiner Frau im sanften Licht der Nacht. "Es ist ein hartes, hartes Leben für eine Frau und es ist gefährlich, da die Barbaren sich direkt auf der anderen Seite des Flusses befinden." Maximus schwieg ein Weile. "Es ist furchtbar, was siegreiche Armeen Frauen und Kindern antun. Wenn wir je auch nur eine größere Schlacht verlören ... " Seine Stimme erstarb. "Olivia, ich könnte nicht funktionieren ... ich könnte meine Aufgabe nicht ordentlich erfüllen, wenn ich mich um die Sicherheit meiner Familie sorgen müßte. Es ist so wichtig für mich zu wissen, daß Du hier bei Menschen bist, die Du liebst, Menschen, die sich um Dich kümmern, während ich weg bin." Olivia wandte ihm ihr Gesicht zu. "Wie auch immer, ich würde mit Dir gehen, wenn Du es wolltest. Ich möchte nur, daß Du das weißt." "Das tue ich, aber ich brauche Dich hier in Spanien, wo Marcus aufwachsen kann, stark und gesund und sicher. Wo er mit seinen Cousins spielen kann, und wo er lernt zu reiten und das Land zu bestellen. Und hoffentlich wird er bald auch Brüder und Schwestern zum Spielen haben." "Wir werden immer hier sein, Maximus, und auf Dich warten. Wann immer Du zu uns kommen kannst." Olivia lächelte. "Und Du solltest lieber bald nach Hause kommen, wenn wir Marcus Brüder und Schwestern schenken wollen." "Das werde ich. Ich werde bald zurück sein." Maximus hatte keine Ahnung, als wie falsch sich diese Behauptung erweisen sollte. Am nächsten Morgen stand Olivia auf den Stufen ihres Hauses, das Kind im Arm, und sie sah zu, wie ihr Mann davonritt, begleitet von sechs schwerbewaffneten Prätorianern. Sie trug den Armreif und die Ohrringe, die er ihr geschenkt hatte, und sie hielt ihren Kopf hoch, die Augen waren trocken, und ihre Kehle schmerzte. Maximus hatte an diesem Morgen geweint, als er sein Kind in den Armen hielt, und sie wollte nicht, daß sein endgültiger Abschied für ihn noch schwerer würde als er es eh schon war. Sie schaute den Männern nach, wie sie zuerst den Weg hinunter ritten und dann in die Straße einbogen. Sie ließ ihre Augen nicht von ihnen, als sie immer kleiner wurden und endlich hinter der Kuppe des Hügels verschwanden. Dann drehte sie sich um und ging ins Haus, die zurückgehaltenen Tränen rannen endlich ihre Wangen hinab. Diesmal führte Maximus die Prätorianer durch die Täler und mied sogar die Ausläufer der Berge. Aus ihrem Benehmen war klar, daß sie noch immer gekränkt waren, aber er genoss die Stille, da er selbst für eine beiläufige Unterhaltung nicht in der Stimmung war. Er sprach nur mit ihnen, um Anweisungen oder Befehle zu geben. Das Wetter hielt sich und sie kamen gut voran. Maximus trieb sie an bis an den Rand ihrer Kräfte. Jede Nacht viel er wie tot auf seine Pelze, ausgelaugt und bar aller Kräfte und Emotionen ... die einzige Möglichkeit für ihn, überhaupt etwas schlafen zu können. Nach zwei Wochen auf der Straße kamen sie in ein Dorf und fanden eine Scheune, in der sie die Pferde für die Nacht unterbringen konnten. Die Scheune sah sauberer aus als das Gasthaus, und so blieben auch die Soldaten dort und wickelten sich im Stall in ihre Pelze. Maximus begab sich zur Nachtruhe mit Hercules an seiner Seite. Zum erstenmal seit seiner Abreise aus Spanien kramte er in seinem Gepäck nach dem kleinen Lederbeutel und der geschnitzten Figur, die Olivia nach ihrer Hochzeit für ihn gemacht hatte. In die Pelze geschmiegt öffnete er den Beutel und zog das Figürchen von Olivia heraus. Aber seine Finger berührten noch etwas anderes. Er zog eine weitere - kleinere - Figur hervor und hielt sie in den Strahl des Mondlichtes, der durch das Fenster weit oben in der Steinmauer fiel. Es war ein Kind. Ein kleiner Junge. Maximus schluckte und rollte schnell auf die Seite, um sein Gesicht in Hercules' Fell zu vergraben und so das Schluchzen zu dämpfen, das ihn übermannte. |
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Kapitel 40 - Befestigungen Als Maximus zur Legion Felix III zurückkehrte, war Marcus Aurelius bereits abgereist. Cicero erklärte Maximus, daß Barbarenstämme in Italien eingefallen seien, während der Kaiser im Norden beschäftigt war, und daß auch die Grenzen im Osten wieder unsicher seien und Caesar deshalb hätte abreisen müssen. Cicero fügte hinzu:"Er trug mir auf, Dir zu sagen, er fühle, daß die nördlichen Legionen in äußerst fähigen Händen seien und daß er deshalb abreisen könne. Hier, Herr, ... hier ist ein Brief vom Kaiser." Der Brief führte nochmals schlicht aus, was Cicero ihm bereits gesagt hatte, und betonte den Glauben des Kaisers an ihn als Kommandeur. Maximus schrieb sofort eine Antwort und teilte Marcus mit, daß er seinen Sohn nach ihm benannt hatte. Auch an die anderen Legionen schickte er Nachricht über seine Rückkehr und kündigte seine baldige Visitation an. Noch an diesem Nachmittag machten sich Kuriere mit den Briefen auf den Weg. Maximus hatte nun tatsächlich den Befehl übernommen. Entscheidungen über Leben und Tod ruhten in seinen Händen und zwar allein in seinen Händen. Das Gebiet, für das Maximus verantwortlich war, schloß auch die beiden Flüsse Donau und Rhein ein ... insgesamt eine Strecke von 2.500 Meilen. Ein System primitiver Straßen war bereits vor Jahren entlang dieser Strecke angelegt worden, aber Maximus stellte Soldaten an, das Wegesystem zu verbessern, um Truppenbewegungen - und auch seine eigenen Reisen - beträchtlich zu erleichtern. An einigen Stellen waren robuste hölzerne Zäune errichtet worden und hölzerne Wachtürme und Kastelle hatte man angelegt. Die Germanen liebten es, nachts die Flüsse zu überqueren und die hölzernen Konstruktionen bis auf den Grund niederzubrennen. Daher ließ Maximus sie abreißen und durch steinerne Wachtürme und Kastelle ersetzen. Auch wurden zusätzliche Anlagen in regelmäßigen Abständen entlang der Strecke errichtet. Maximus hatte den Eindruck, daß er sich ununterbrochen unterwegs befand, und er begann, beide Pferde auf den Reisen zu nutzen, um jedem eine angemessene Ruhezeit gönnen zu können. Seine Reisen führten ihn auch nach Gallien und sogar nach jenseits des Wassers, nach Britannien, wo er die Legionen in Londinium inspizierte, und er reiste zum nördlichsten Punkt des Reiches, nach Trimontium, wo es zwei Wochen lang ohne Unterbrechung regnete. Er empfand Britannien als naß und nebelig und war oftmals durchgefroren bis auf die Knochen. Er sehnte sich nach der Sonne seiner Heimat und war unendlich dankbar, seine Frau und seinen Sohn dort warm und sicher zu wissen. Wie in Germanien war er auch hier über die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung entsetzt. Ihr Leben schien nur wenig Freude zu bieten, da sie jede Minute des Tages damit beschäftigt waren, ihren kargen Lebensunterhalt in jeder nur möglichen Form aufzubessern. Die ganze Zeit über versuchten Huren, sich an ihn heranzumachen, die angezogen wurden durch die deutlichen Anzeichen seines Wohlstandes und seiner Macht, welche in seinen Pferden und in seiner Kleidung deutlich zu Tage traten. Bettler folgten ihm und auch kleine Kinder in Lumpen, die ihn um Nahrung und Münzen anbettelten. Maximus machte jedem Soldaten deutlich, daß diese Menschen Teil des Imperiums und fair zu behandeln seien, indem man ihnen Nahrung und Unterkunft in angemessener Weise zur Verfügung stellte.
Er verließ Britannien in Clausentum und landete in Galiien in Coriallum, dann ritt er die Küste entlang, bis er wieder zum Rhein kam. Auf seinem Weg zurück nach Vindobona hielt er nochmals in jedem Kastell und jedem Lager an, beobachtete Übungen und Manöver und inspizierte alle Baumaßnahmen an Straßen und Wachtürmen. Die ganze Reise nahm fast ein Jahr in Anspruch, aber er war nun überzeugt, daß die nördliche Grenze so sicher wie nur irgend möglich war. Wieder stand der Winter vor der Tür, und es war an der Zeit, für das Frühjahr Aktionen im Feindesland zu planen, um Aufstände gegen das Imperium niederzuschlagen und die Stämme an Rhein und Donau so lang als irgend möglich ruhig zu halten. Im Januar rief Maximus die Generäle aller Legionen im Norden an einem zentral zwischen Rhein und Donau gelegenen Ort zusammen, der weit genug entfernt von der Grenze lag, um die Sicherheit der Führer zu garantieren. Zwei Wochen lang planten die Männer Strategien, diskutierten die politische Situation und lernten einander auch bei geselligem Zusammensein kennen , während sie gemeinsam aßen oder Schach spielten. Trotz der Tatsache, daß viele der Führer älter waren als er selbst, war sich jeder der anwesenden Männer bewußt, daß Maximus vom Kaiser persönlich ausgewählt worden war und respektierte ihn daher. Als das Treffen vorüber war, respektierten sie ihn um seiner selbst willen, und sie verstanden, warum Marcus Aurelius ihn auserwählt hatte. Maximus war intelligent, klug und kannte sich gründlich in Strategie aus. Auch war er höflich, rücksichtsvoll und aufmerksam ihren Ideen gegenüber. Aber zu keinem Zeitpunkt kamen bei irgendjemand Zweifel darüber auf, wer das Kommando innehatte, und das hatte nichts mit der Gunst des Kaisers zu tun. Maximus war ein Mann, der Aufmerksamkeit auf sich zog, ohne sich bewußt darum zu bemühen: er besaß eine enorme Präsenz und eine ruhige aber zwingende Autorität. Wenn er sprach, hörte man ihm zu. Er war äußerst liebenswert, aber die Generäle wußten, daß er tödlich sein konnte, wenn man ihm in die Quere kam - sein Ruf als Kämpfer war bereits eine Legende. Alles in allem war er einfach sehr sehr gut in seinem Job. Maximus war kein aus Rom geschickter Lakai der Oberschicht. Dieser Mann war in der Armee groß geworden und wußte genau, wie sie funktionierte. Er verstand Leben und Mentalität des Soldaten. Er war einer von ihnen. Es gab nur ein einziges Thema, bei dem Maximus nicht mit den anderen Generälen übereinstimmte, und das war die Frage der Sklaverei. Viele von ihnen plädierten dafür, in Germanien Angriffe mit dem alleinigen Ziel durchzuführen, so viele Angehörige der einheimischen Bevölkerung wie nur möglich einzufangen und als Sklaven nach Rom zu verschiffen. Rom brauche eben, so argumentierten sie, einen ständigen Nachschub an Sklaven um zu funktionieren, und es war am besten, wenn es sich bei diesen Sklaven um starke, gesunde Krieger handelte. Das gesamte Konzept, besiegte Soldaten zu Sklaven zu machen, machte Maximus sehr zu schaffen. Waren diese Männer in irgendeiner Weise anders als römische Soldaten? Auch sie kämpften nur, um ihre Art zu leben zu erhalten und um ihre Familien zu beschützen. Wenn sie eine Schlacht verloren, verdienten sie es deshalb versklavt zu werden? Wenn dem so wäre, verdiente nicht auch jeder Legionär es, Sklave der Barbaren zu werden, wenn er das Unglück hätte, in der Schlacht gefangen genommen zu werden? Die Generäle hatten für einen solchen Gedanken nur Spott übrig. Die Vorstellung, daß ein römischer Soldat Sklave eines Barbaren würde ... undenkbar! Obwohl Maximus ihrem Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Soldaten nicht widersprechen konnte, bestand er doch darauf, daß keine Angriffe allein zu dem Zweck, Sklaven zu machen, durchgeführt werden sollten. Er mußte jedoch zubilligen, daß während der Schlacht gefangene Krieger als Sklaven nach Rom verschifft würden, obwohl die Vorstellung ihm gänzlich zuwider war. Aber so funktionierte das Imperium nun mal. Maximus versuchte sich vorzustellen, wie es sein mußte, seine Freiheit in einem einzigen Augenblick vollständig zu verlieren. Keinen eigenen Willen mehr zu haben, keine Verfügungsgewalt über das eigene Handeln, den eigenen Körper. Seine Familie zu verlieren, sein Erbe, seine Identität. Jemand anderem zu gehören, der einen nach seinem Belieben benutzen, verkaufen oder, wenn es ihm gefiel, auch töten konnte. Es überstieg seine Vorstellungskraft. Aber es konnte jedem von ihnen geschehen, wenn das Glück sich gegen ihn wandte. Auch ihm. |