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Kapitel 71 - Sie sehen sich wieder "Maximus. Maximus, es ist schon zu lange her!" sagte Marcus Aurelius und ergriff die rechte Hand des jüngeren Mannes fest mit seinen beiden eigenen. "Es tut so gut, Dich wiederzusehen." "Und Dich auch, Caesar. Du siehst wohl aus." Es war eine Lüge. Der Kaiser war stark gealtert, seit Maximus ihn das letztemal gesehen hatte. Die Furchen in seinem Gesicht waren tiefer, und sein Haar fast völlig weiß geworden. Es umgab sein Gesicht in dünnen Strähnen. Er erschien irgendwie kleiner - leicht zusammengekrümmt - und er bewegte sich unsicherer. Der Imperator wurde alt, und es brach Maximus das Herz, dies zu sehen. "Es tut mir leid, daß wir uns unter diesen Umständen wiedersehen müssen, Hoheit." "Setz Dich, Maximus, setz Dich. Ich war mit meiner Tochter in Gallien, als ich von dem Überfall erfuhr. Ich wollte Lucilla nach Hause schicken, aber Du weißt, wie störrisch sie sein kann. Sie weigerte sich, mich allein zu lassen und ist nun mit hier in diesem Lager. Meine Tochter bemuttert mich seit dem Tod meiner Frau wie ein Kindermädchen." "Es tut mir leid vom Tod der Kaiserin zu hören, Hoheit." "Ja, ja, aber sie war sehr krank, und es ist besser, daß sie nicht leiden mußte." Maximus nickte. "Und wie geht es Roms größtem General?" "Ah ... mir ... geht es gut, Hoheit, aber es würde mir noch viel besser gehen, wenn diese schreckliche Sache nicht passiert wäre." Maximus empfand derartige Anspielungen auf seine "Größe" immer noch als unangenehm. Marcus nickte, während ein Diener den beiden Männern Wein einschenkte. Maximus nahm einen Schluck aus dem verzierten goldenen Kelch und schaute unterdessen in die dunklen Ecken des weitläufigen Zeltes. Sie war nicht da. "Ich bin sicher, Du bist hungrig. Wir essen bald zu Abend und werden uns dann zur Ruhe begeben, die wir beide nur allzu nötig haben. Morgen werden wir uns auf den Weg nach Colonia machen. Wie lange werden wir für die Reise brauchen?" "Ungefähr zwei Tage, Caesar." Maximus zögerte. "Es wäre nicht klug, Eure Tochter dorthin mitzunehmen, Hoheit. Der Gestank ist unerträglich, und es besteht die Gefahr von Seuchen." "Mach Dir darüber keine Gedanken, sie wird nicht mit uns kommen." Marcus lächelte. "Ich kann mich immer noch durchsetzen, wenn es sein muß. Sogar bei ihr." Maximus lächelte kurz, nicht sicher, ob er darüber erleichtert oder enttäuscht sein sollte. "Nun, berichte mir über die unglückseligen Ereignisse in Colonia." Maximus legte dar, was er selbst gesehen und was Licinius ihm berichtet hatte. "Ich vermute, daß General Solinus' Zelt absichtlich in Brand gesteckt worden ist, um die Wachen abzulenken und die Soldaten aus ihren Quartieren zu locken." Marcus machte ein finsteres Gesicht: "Absichtlich?" "Ja, ich ..." "Vater?" Die Köpfe der beiden Männer wandten sich in einer simultanen Bewegung dem Eingang des Zeltes zu. "Komm rein, meine Liebe. Maximus ist hier. Ich weiß, daß Du es kaum erwarten kannst, ihn wiederzusehen." Maximus erhob sich und wandte sich dem Eingang zu, den Kopf geneigt. Er wollte ihren Augen nicht früher, als unbedingt nötig, begegnen. "Es besteht kein Grund für so ein förmliches Verhalten, Maximus. Oder sollte ich Dich jetzt General Maximus nennen?" fragte Lucilla, während sie kurz im Eingang innehielt. "Herrin, Du magst mich anreden, wie es Dir beliebt." Maximus richtete sich endlich auf. Oh ... sie war schön. Er hatte vergessen, wie schön sie war. Braune Locken fielen über ihre Schultern und ihren Rücken hinab; zusammengehalten durch goldene, mit kleinen Edelsteinen besetzte Bänder, umrahmten sie ihr Gesicht ohne es zu verdecken. Ihre milchweiße Haut war makellos, ihre glänzenden Augen tiefgrün, und ihre Lippen hatten die zarte Farbe von rosa Rosen. Sie war so schlank wie damals, und ihre sanften Rundungen wurden durch die blauen Seidenbänder betont, die sich um ihren Körper wanden und die Falten der feinen, wollenen Stola sicherten. "Nun, Du bist wirklich jeder Zoll ein General, aber ich ziehe es vor, mich Deiner als eines Freundes zu erinnern, Maximus." "Das bin ich wirklich, Herrin." Marcus strahlte, als er die beiden an den entgegen gesetzten Seiten des Zeltes stehen sah, die Blicke aufeinander geheftet. Maximus sah in seiner Rüstung, dem Umhang und den beiden Wolfspelzen in der Tat großartig aus. Lucilla konnte ihn sich gut vorstellen, wie er Tausende Männer in die Schlacht führte, ebenso wie sie sich so oft ausgemalt hatte, daß er sie sanft in seinen starken Armen hielt. "Ich hatte nie die Gelegenheit, Dir persönlich zu danken, daß Du so schnell und wirkungsvoll auf meine Bitte reagiert hast, Rom vor Cassius' Verschwörung gegen meinen Vater zu retten. Es beruhigt mich ungemein zu wissen, daß wir uns auf einen Mann wie Dich verlassen können." "Es war mir eine Ehre, so wie es meine Pflicht war, Herrin." Maximus verbeugte sich abermals und hielt seinen Kopf geneigt, während er dem Kaiser einen bedeutungsvollen Blick zuwarf. Marcus verstand die Andeutung und griff ein. "Maximus gab mir eben eine Beschreibung des Überfalls auf Colonia und seiner Vermutungen bezüglich der Ereignisse, die diesen Überfall begleiteten." "Darf ich bleiben, Vater?" "Wenn Du möchtest. Setz Dich hier zu mir, meine Liebe. Maximus, nimm wieder Platz und fahre fort, bitte." "Ja, Caesar." Maximus konnte sie unmöglich nicht anschauen. Sie saß direkt neben ihrem Vater, und er konnte sie deutlich sehen, wenn er den Kaiser anschaute. Er bemühte sich, seine Augen auf Marcus gerichtet zu halten, aber sie verirrten sich immer wieder hin zu seiner Tochter, welche im goldenen Lampenlicht glitzerte und funkelte. Maximus konnte sich nicht mehr erinnern, worüber er gesprochen hatte. Marcus lächelte liebevoll über seinen aus dem Konzept gebrachten General und half ihm auf die Sprünge: "Du glaubst also, daß jemand Solinus' Zelt in Brand gesteckt hat? Warum?" Maximus räusperte sich. "Es wäre ein zu großer Zufall, daß General Solinus' Zelt gerade in dem Augenblick Feuer fing, als die Germanen nur darauf warteten, die Mauern zu erklettern. Sie brauchten eine Ablenkung, und das Feuer sorgte für Ablenkung." Marcus nickte. "Fahr fort!" "Es wäre möglich, daß einer der Angreifer einen brennenden Pfeil von einem Baum aus über die Mauer schoß, aber das ist während der Nachtstunden sehr unwahrscheinlich. Ich denke, daß einer unserer eigenen Soldaten das Feuer gelegt hat. Es kann sein, daß General Solinus zu diesem Zeitpunkt bereits ermordet war." "Ein Verräter?" fragte Lucilla, aufrichtig erschrocken. Maximus blickte ihr voll ins Gesicht. "Ja." "Aber was sollte ein Soldat für einen Nutzen aus einer derartig grausigen Tat ziehen?" setzte sie hinzu. "Einen beträchtlichen Anteil an der Beute; einen Ehrenplatz unter den Germanen, den er in der Armee nicht einnehmen konnte." Maximus zuckte die Achseln. "Wer weiß das schon?! In jeder der nordischen Legionen gibt es Soldaten, die die germanischen Sprachen sprechen und solche, die als Kundschafter Dienst tun. Einer von diesen mag aus Gründen, die ihm allein bekannt sind, zum Verräter geworden sein. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Germanen ihn am Leben gelassen haben. Er ist vermutlich zusammen mit den anderen hingemetzelt worden." Lucilla betrachtete Maximus, während dieser seine Gedanken darlegte. Er war jetzt ein reifer Mann und sehr viel ernster, als vor zehn Jahren. So lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Sie sehnte sich danach, sein so herausforderndes Grinsen wieder zu sehen, sein tiefes Lachen zu hören und zu sehen, wie seine blauen Augen vor Fröhlichkeit sprühten; ihn so zu sehen, wie er war, bevor das Schicksal sie in entgegen gesetzte Richtungen auseinander gezwungen hatte und jeder auf ganz unterschiedliche Weise seine Pflicht für das Imperium auf sich genommen hatte. Sie sehnte sich danach, ihn so zu sehen wie er war, als sie einander ihre junge Liebe gestanden hatten. Sie hatte geglaubt, daß ihre Träume von Maximus in dem Augenblick ersterben würden, wenn sie den wirklichen Mann wieder vor sich sah, daß er niemals den unmöglichen Ansprüchen ihrer Träume gerecht werden könnte. Aber das schnelle Schlagen ihres Herzens, als sie ihn beobachtete, während er mit ihrem Vater sprach und seine Worte mit Gesten seiner großen, ausdrucksstarken Hände untermalte, machte ihr eindeutig klar, daß sie ihn immer noch liebte. Er war sogar beeindruckender denn je, nun, da die Verantwortung für den nördlichen Teil des Imperiums auf seinen breiten Schultern ruhte. Seine Präsenz war überwältigend. Sie füllte buchstäblich den Raum. Lucilla warf einen Blick hinüber zu ihrem Vater. Auch er vergötterte Maximus. Sie konnte es in seinen Augen lesen, wenn er seinen General betrachtete. Nie, niemals schaute er Commodus mit solcher Liebe an. Lucilla wurde unsanft aus ihren Betrachtungen gerissen, als plötzlich das Wort "bestrafen" an ihr Bewußtsein drang. "Was?" fragte sie verwirrt. "Bist Du müde, meine Liebe?" fragte ihr besorgter Vater. "Nein, nein. Was hast Du zu Maximus gesagt?" "Daß die Germanen hart bestraft werden müssen für das, was sie getan haben. Maximus hat zugestimmt, eine Strafexpedition in das feindliche Gebiet zu führen, um ihnen eine angemessene Vergeltung zuteil werden zu lassen." Lucilla fühlte sich, als ob ihr jemand brutal auf den Rücken geschlagen hätte und alle Luft schmerzlich aus ihren Lungen entwich. Feindliches Gebiet? "Hältst Du das für vernünftig, Vater?" Sie richtete ihre Frage an Marcus, aber ihre Augen waren auf Maximus geheftet. "Das klingt äußerst gefährlich." Sie wandte den besorgten Blick ihrem Vater zu. "Ich hoffe, Du beabsichtigst nicht, ihn zu begleiten!" Marcus lachte. "Meine Liebe, ganz offensichtlich bist Du unserer Unterhaltung nur halb gefolgt. Maximus hat keinerlei Zweifel daran gelassen, daß er während der Expedition nicht für meinen alten Körper verantwortlich sein will. Ich werde hier im Lager bleiben." Das war nur die Hälfte von dem, was Lucilla hören wollte. "Vater, hältst Du es für klug, das Leben von Roms kostbarstem General zu riskieren? Ist diese Strafexpedition derart wichtig?" "Sie ist sehr wichtig, und Maximus ist der einzige, der sie führen kann. Ende der Diskussion. Lucilla, bitte geh und sieh nach, ob unser Essen fertig ist." Sie wandte ihren niedergeschlagenen Blick Maximus zu, der sie neugierig betrachtete. Konnte er ihre Gedanken lesen? Wußte er, was sie für ihn empfand? Sie erhob sich schnell und verließ das Zelt in einem Wirbel von Seide, Wolle und Gold, bevor er weiter in ihrem Inneren lesen konnte. Die beiden Männer verharrten einen Moment lang in Schweigen, jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Maximus starrte in die rote Flüssigkeit in seinem Becher und drehte das Gefäß zwischen den Fingern hin und her. Marcus beobachtete das unruhige Spiel seiner Hände. "Sie empfindet immer noch sehr viel für Dich, weiß Du das?" wagte er schließlich zu sagen. "Und ... ich mag mich irren ..., aber es kommt mir vor, als ob auch Du noch ähnliche Gefühle für sie hegst." Jede Bewegung erstarrte, als Maximus Marcus in die Augen blickte. "Hoheit ... ich bin verheiratet." Marcus wedelte irritiert mit der Hand. "Ja, ja. Das weiß ich. Aber seit wann bedeutet die Ehe für einen Mann, daß jeder Gedanke an eine andere Frau aus seinem Kopf verbannt ist? Insbesondere an eine Frau, die er einmal geliebt hat ... und vielleicht immer noch liebt?" Maximus schwieg trotzig, die Augen wieder auf den Wein geheftet, einen harten, angespannten Zug um den Mund. Marcus seufzte, während er den jungen Mann betrachtete, den er sich, mehr als jeden anderen, zum Schwiegersohn wünschte. Es war nicht das erstemal, daß er es bereute, Maximus vor all den Jahren die Erlaubnis zur Heirat gegeben zu haben. "Ist Deine Ehe immer noch glücklich?" "Ja, Hoheit." Maximus verspürte keinerlei Neigung bezüglich seiner Frau, seines Sohnes ... und seiner verstorbenen Tochter weiter ins Detail zu gehen. Marcus erhob sich und lächelte, dann streckte er die Hand aus und legte sie dem jüngeren Mann auf die Schulter, als dieser ebenfalls aufstand. "Schon gut, schon gut. Ich will Dich nicht noch mehr verärgern, indem ich diesen Gedanken weiter verfolge. Komm, wir wollen essen, uns entspannen und für eine Weile über andere Dinge reden."
Das Abendessen war alles andere als entspannt verlaufen, da Maximus so dicht neben Lucilla plaziert worden war, daß sich ihre Arme, während sie aßen, manchmal berührten. Er entschuldigte sich bei der erstbesten Gelegenheit, Müdigkeit vorschützend, und durchquerte das Prätorium auf dem Weg zu seinem Zelt. "Maximus?" flüsterte eine Stimme aus dem Dunkel hinter ihm. Er tat so, als ob er es nicht gehört hätte, und setzte seinen Weg fort. "Maximus!" Lucilla sprach so laut, daß er sie mit Sicherheit hören mußte. Er hielt inne, wandte sich jedoch nicht um. "Bitte, komm her!" "Mußte er ihr gehorchen? Sie war die Tochter des Imperators von Rom, aber bedeutete dies, daß er ihr gehorchen mußte? Er rührte sich nicht. "Wie ich sehe, bist Du immer noch genau so stur wie früher", sagte Lucilla, als sie aus dem Schatten trat und ihm nun von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, so daß ihrer beider Körper sich beinahe berührten. "Ich wollte mich nur bei Dir bedanken, daß Du meinen Vater davon abgehalten hast, Dich auf dieser Strafexpedition zu begleiten." "Er ist dazu nicht mehr in der Lage, Herrin. Wir reiten nachts und nehmen nur das Allernötigste mit. Es ist schwierig und gefährlich." "Aber es muß getan werden? Du mußt Dein Leben für Roms Ehre aufs Spiel setzen?" "Ja." Seine tiefe Stimme sandte Schauer über ihren Rücken. Lucilla griff nach seiner rechten Hand. Er wollte sie wegziehen, aber sie packte ihn am Handgelenk und zog sie zu sich hin, öffnete sie gewaltsam, als seine Finger sich zu einer Faust schlossen. Ihr Daumen streichelte seine Handfläche, während ihre Fingerspitzen über seine Knöchel strichen. Sie freute sich, als sie spürte, daß seine Hand sich entspannte und sie ihn einen unsicheren Atemzug machen hörte. "Du bist sehr nachtragend, Maximus." "Ich bin nicht nachtragend, Herrin." "Nenn mich Lucilla, wie Du es damals tatest." Er versuchte, ihr seine Hand zu entziehen, aber sie umklammerte sein Handgelenk wie mit einem Schraubstock, hielt sie fest und fuhr fort, ihn zu streicheln, bis seine Finger sich um ihren Daumen schlossen und Lucilla zwangen stillzuhalten. Sie lachte leise: "Maximus, nenn mich Lucilla." Er weigerte sich. "Bitte." Er blieb stumm. Irritation machte sie leichtsinnig. "Ich befehle es!" O, das lief nicht, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie trat noch näher an ihn heran, aber er machte einen Schritt zurück und mit einem kräftigen Ruck entriß er ihr seine Hand, sich aus ihrem Griff befreiend. "Lucilla", zischte er und wandte sich ab. "Maximus, wenn Du nicht jetzt und hier mit mir sprechen willst, dann kann ich Dich von meinen Prätorianern aus Deinem Zelt zu einer Audienz mit mir schleifen lassen. Ich kann es, und Du weißt, ich werde es. Ich werde Dich in Ketten legen lassen, wenn es sein muß." Er zweifelte nicht eine Minute daran. Er richtete sich gerade auf, und zwang sich ruhig und höflich zu sprechen, als er ihr wieder ins Gesicht blickte. "Was mußt Du so dringend mit mir besprechen, Herrin?" Er beobachtete, wie drei von Lucillas Dienerinnen versuchten, ihr Kichern zu verbergen, während sie sich wieder hinter den Vorhang im Eingang von Lucillas Zelt zurückzogen. Er hoffte, daß sie ihren Spaß hatten. "Ich ... ich wollte Dir danken für Dein schnelles Reagieren auf meinen Brief wegen Cassius' ..." Maximus streckte das Kinn vor und würzte seine Worte mit einer guten Prise Sarkasmus. "Du hast mir dafür bereits gedankt." Sie ignorierte ihn. "Ich möchte mit Dir auch über meinen Bruder sprechen. "Commodus? Was führt dein Bruder jetzt schon wieder im Schilde?" Lucilla rieb sich die Arme unter ihrem Umhang. "Maximus, es ist kalt hier draußen. Willst Du nicht mit reinkommen?" versuchte sie ihn zu überreden. "Nein", flüsterte er mit Nachdruck und unterstrich seine Worte mit einem Kopfschütteln. "Der Tod meiner Mutter hat Commodus mehr aus dem Gleichgewicht gebracht als irgend jemand auch nur vermuten konnte. Er verbringt seine Tage schmollend oder läßt seinen Zorn an den Sklaven aus. Ich ... ich fürchte, er wird langsam verrückt, Maximus. Er ist sehr labil, aber mein Vater ist zu beschäftigt mit Lesen und Schreiben, und er weigert sich schlicht, das Offensichtliche zur Kenntnis zu nehmen. Ein Grund, warum ich hier bin, ist, ... daß ich einige Zeit von meinem Bruder wegkommen mußte. Er ... er ...", sie schluckte krampfartig. Ihr niedergeschlagener Ton drückte sehr viel mehr aus, als ihre Worte es vermochten, und trotz seiner Bemühungen, teilnahmslos zu bleiben, empfand Maximus Mitleid mit ihr. "Hast Du darüber mit Deinem Vater gesprochen?" fragte er sanft. "Ja, aber es scheint ihn nicht zu beunruhigen. Er tut meine Befürchtungen als unbegründet und frivol ab." "Was kann ich in dieser Angelegenheit machen?" "Mein Vater hört auf Dich. Wenn Du ihm sagst, was ich Dir berichtet habe, dann wird er zuhören." "Er wird aber auch wissen, daß ich Commodus in letzter Zeit nicht gesehen habe, und daß meine Informationen nicht auf persönlicher Anschauung beruhen." Lucilla trat abermals dicht an ihn heran und umfaßte seine Arme unmittelbar unterhalb der Schulterstücke seines Brustpanzers. "Dann komm mit nach Rom und sieh selbst." Maximus lächelte sie zum erstenmal seit seiner Ankunft bei der Rapax Legion an, aber es war ein ironisches Lächeln, nicht das zärtliche, nach dem sie sich so sehnte. "Ich habe zu viele Verpflichtungen hier, Lucilla, um Rom besuchen zu können." "Laß jemand anderen die Strafexpedition führen und kehre mit mir nach Rom zurück." Er fühlte, wie ihre Daumen in einer aufreizenden Bewegung über die Muskeln seiner Oberarme strichen. Das war es also. Alles nur eine List, um ihn nach Rom zu locken. "Woher weiß ich, daß das, was Du sagst, überhaupt wahr ist?" Ihre Finger schlossen sich um seine Arme, und ihre Nägel kratzten über sein Fleisch. "Du wirst mir niemals wieder trauen, nicht wahr?" Blaue Augen starrten in grüne. "Nein." Anstatt sich zurückzuziehen, wie er es erwartet hatte, näherte Lucilla sich ihm noch mehr und flüsterte in seinen Mund: "Ich tat, was ich tun mußte." Als ihre Lippen die seinen berührten, wandte er abrupt den Kopf ab, und ihr Kuß verlor sich in seinem weichen Bart. Lucilla ließ sich von seinem Verhalten nicht entmutigen, preßte ihre Brüste gegen seinen harten Brustpanzer und kitzelte ihm Wange und Ohr mit ihrer Zunge, während sie die ganze Zeit über seine Arme in festem Griff hielt und ihre scharfen Nägel jede Bewegung verhinderten. Sie war sich der Stärke in diesen Armen wohl bewußt, daß er sich leicht befreien könnte, wenn er nur wollte, aber er schien von ihrer beider erhitzten Gefühlen, ebenso gebannt zu sein wie sie. Langsam wandte er ihr sein Gesicht wieder zu und fand ihre Lippen mit den seinen. Er griff mit einer Hand in ihr Haar, zuerst schmerzhaft, dann zärtlich, während seine Fingerspitzen über ihre Locken strichen, und endlich vergrub er seine Finger tief in denselben, bis sie ihre Kopfhaut berührten. Sein Kuß spiegelte die Bewegungen seiner Hand wider: energisch, dann zärtlich, während seine Zunge ihre Lippen liebkoste, schließlich drängend, als sie tief in ihren geöffneten Mund stieß, besitzergreifend und forschend. Sein anderer Arm griff unter ihren Umhang, preßte ihre Hüften fest gegen die seinen und zeigte ihr so deutlich, wie sehr er sie begehrte. Lucilla wimmerte, als Jahre des Verlangens ihren Unterleib durchfluteten und ihre Knie weich wurden. Ihre Hand faßte nach seinem Haar, glitt dann über seinen Nacken, nur um frustriert festzustellen, daß sein Rücken von der Rüstung bedeckt war. Sie griff so tief sie konnte in den Halsausschnitt derselben, während ihre andere Hand unter seinem Umhang suchte, bis sie das nackte, erhitzte Fleisch an seiner Taille fand. Maximus manövrierte sie mit seinem Körper in das schattige Dunkel und drängte sie rückwärts gegen einen kräftigen Pfahl. "Ist es das, was Du von mir möchtest?" fragte er ärgerlich. "Ist das der wahre Grund, warum Du mich in Rom haben möchtest?" Seine Hand griff nach ihrer Brust, und er begann, eine ihrer harten Brustwarzen zu reizen, er knetete sie durch den dünnen Stoff hindurch , während sein Mund zärtlich ihren Nacken berührte. Lucilla keuchte und verstand kaum seine Worte. "Nein ... ja ..." Sein Mund fand wieder den ihren und er umfaßte mit beiden Händen ihre Pobacken. Er spreizte ihre Beine auseinander und preßte sich beinahe schmerzhaft gegen sie. "Du hast dieses Angebot schon einmal gemacht, erinnerst Du Dich?" Sie fingerte mit den seitlichen Schnallen seines Brustpanzers, sehnte sich verzweifelt danach, seinen Körper ganz an ihren gepreßt zu spüren. Er drückte sie fest gegen den Pfahl. "Erinnerst Du Dich?" fragte er fordernd. "Nein ... Nein ..." Sie hatte die Schnallen gerade genug gelöst, um eine Hand unter den Harnisch schieben zu können, und sie spreizte ihre Finger auf seiner Brust oberhalb seines wild klopfenden Herzens, als sie von vier Prätorianern aufgeschreckt wurden. Sie gingen nicht weiter als fünfzehn Fuß entfernt an ihnen vorbei, unterhielten sich laut und bemerkten das leidenschaftliche Paar nicht, weil ihre Augen sich nur für Lucillas attraktive Dienerinnen interessierten. Maximus zerrte ihre Hände von seinem Körper und packte ihre Handgelenke mit einer Faust, zog sie über ihren Kopf und drückte sie gegen den Pfahl. "Du kannst jeden anderen, den Du möchtest, zum Liebhaber nehmen. Ich stehe nicht zur Verfügung." Maximus knurrte vor sich hin und ließ ihre Hände so plötzlich los, daß sie beinahe zu Boden fiel. Sie klammerte sich haltsuchend an den Pfosten und sah, wie er herumwirbelte und verschwand. Sein Umhang breitete sich aus wie die Flügel einer Fledermaus und wickelte sich dann um seinen Körper, bevor er wieder ruhig seinen gewohnten Platz auf Maximus' Rücken einnahm. "Aber ich will nur Dich", flüsterte sie, während ihre Dienerinnen sich um sie scharten, sehr zur Verwunderung der Prätorianer, die zuerst auf die Frauen und dann zu dem sich schnell entfernenden General blickten. Früh am nächsten Morgen stand Lucilla niedergeschlagen im kalten Nieselregen, dankbar, daß die Tropfen ihre Tränen verbargen, während Maximus und ihr Vater aufrecht auf ihren Pferden saßen, bereit für den Aufbruch nach Colonia. Trompeten verkündeten den Beginn der Reise, und die schweren Tore des Lagers öffneten sich. Sie blickte den goldenen Adlerstandarten nach, wie sie langsam verschwanden, gefolgt von den purpurnen und goldenen Bannern des Kaisers. Sie sah die schwarz gekleideten Prätorianer, die ihren Vater umgaben, als er sich im Sattel umwandte und ihr zum Abschied zuwinkte. Und sie sah Maximus, als er sein Pferd antrieb und ihr einen kurzen Blick zuwarf, Bedauern in den Augen, dann aber wieder mit finsterem Gesicht geradeaus schaute. Sie sah ihn, wie er durch das Tor und wieder einmal aus ihrem Leben ritt. Sie würde in Kürze nach Rom aufbrechen, und es blieben ihr nur die Träume von dem General auf dem schwarzen Hengst, um ihr ein wenig Wärme während der langen Heimreise zu spenden. |
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Kapitel 72 - Die Höhle Maximus hockte im dichten, verschlungenen Unterholz und umklammerte den Griff seines Schwertes. Er trug eine leichte Rüstung ohne jeglichen Hinweis auf seinen Rang als General. Die zweihundert Männer hinter ihm hatten jedoch keinerlei Zweifel, wer hier die Befehlsgewalt innehatte. Es war Mitte Januar und wieder sehr kalt. Der Boden war gefroren, es hatte aber nur wenig geschneit, und somit waren die Bedingungen für diese Expedition ideal. Sie würden keinerlei Fußspuren hinterlassen. Sie waren nun schon drei Tage auf der feindlichen Seite des Flusses, schliefen während des Tages in Höhlen und bewegten sich nur nachts vorwärts. Sie hatten Dorf für Dorf umgangen und nur nach jenen Ausschau gehalten, die den markomannischen Kriegern gehörten, waren jedoch nicht daran interessiert, unschuldigen Menschen Schaden zuzufügen. Der General hatte seinen Standpunkt in dieser Sache absolut klar gemacht, noch bevor sie den Fluß überschritten. Sie beabsichtigten, Rache an jenen zu üben, die ihre Männer getötet hatten, jedoch nicht an deren Familien oder an anderen Stämmen. Maximus wußte, daß, wie immer bei derartigen Operationen, einige Unschuldige sterben würden, aber er hatte streng verboten, willkürliches Töten und Vergewaltigen als Mittel zur Rache einzusetzen, obwohl dies eine lange Tradition hatte. Die Strafe für jeden Mann, der diesem Befehl zuwiderhandelte, würde schnell und hart sein. Maximus teilte das Unterholz vorsichtig und spähte auf das Dorf hinab, das unter ihnen im Flußtal lag. Alles schien ganz normal zu sein: die Menschen bewegten sich zwischen den abendlichen Feuern im Lager und gingen ihrer alltäglichen Beschäftigung nach. Kinder, gekleidet in Schichten struppiger Felle, jagten einander zwischen den hölzernen Gebäuden hin und her, während ihre Mütter mit ihnen schimpften. "Was denkst Du, wie viele da unten sind?" fragte Maximus Julius, den Legaten der Legion Primigenia XV. "Hmm ... vielleicht höchstens drei- oder vierhundert. Schwer zu sagen, wie viele sich innerhalb der Gebäude aufhalten. Ich sehe nur wenige Männer." Maximus nickte zustimmend. "Diejenigen, die ich sehe, sind schon älter. Die Krieger sind im Moment ganz offensichtlich anderswo. Wir müssen also Geduld haben, bis sie zurückkommen." "Bist Du sicher, daß das der richtige Ort ist, Herr?" Maximus nickte abermals. "Schau, über der Tür des Versammlungshauses am nördlichen Ende des Dorfes." Julius schnappte nach Luft. "Die Adlerstandarte von Germanica II!" "Richtig. Eine nette Trophäe gut sichtbar für alle ausgestellt. Das ist der richtige Ort." Er blickte hinter sich, zu der offenbar menschenleeren Seite des Hügels. "Sag den Männern, daß sie in kleinen Gruppen zur Höhle zurückkehren sollen und dann schick mir Jonivus." Nach wenigen Minuten war der Sohn des Ingenieurs an seiner Seite, begeistert davon, seinem General zu Diensten sein zu können. "Jonivus, Du mußt etwas für mich erledigen. Ich werde mit der Mehrzahl der Männer zurück zur Höhle gehen. Ich möchte, daß Du und drei weitere Kundschafter näher an das Dorf heranschleichen und mir Bescheid gebt, wenn die Krieger zurückkehren. Es kann eine Weile dauern, und Ihr müßt Geduld haben ... und sehr, sehr vorsichtig sein. Ihr dürft unter gar keinen Umständen von ihnen entdeckt werden. Solltet Ihr gefangen genommen werden, können wir Euch möglicherweise nicht retten." "Ja, Herr. Ich verstehe." "Hier, nimm meinen Umhang." Maximus schlüpfte aus seinem schwarzen Pelz und legte ihn dem jungen Mann um die Schultern. "Den brauche ich nicht, Herr." "Doch, den brauchst Du. Es wird ziemlich kalt werden, wenn Du eine Weile hier draußen bist. Du brauchst ihn mehr als ich. Ich werde es mir vor einem netten Feuer in der Höhle gemütlich machen." Maximus wuschelte dem jungen Mann freundschaftlich durch das widerspenstige, rötliche Haar und verschwand dann geräuschlos in der Dunkelheit. Die Unterhaltung in der Höhle war spärlich. Alle Männer waren wegen ihrer besonderen Fähigkeiten aus verschiedenen Legionen für dieses Unternehmen speziell ausgewählt worden, aber Maximus kannte nur wenige von ihnen persönlich. Er würde ihnen nochmals kurz vor Beginn der Aktion Anweisungen geben, aber bis dahin schliefen die meisten, und ihr Schnarchen und Seufzen wurde durch den hohlen Raum unheimlich verstärkt. Maximus starrte in das niedrige Feuer und beobachtete die Funken, wie sie aufwirbelten, verglühten, und andere ihnen folgten. Er rutschte ein wenig hin und her, um auf dem harten Boden bequemer liegen zu können, gab dies jedoch bald auf und fand sich damit ab, von dem feuchten Steinboden der Höhle einen steifen Rücken zu bekommen. Er lag auf der Seite, den Kopf auf den Unterarm gestützt, und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Die Verführung in Gestalt eines Wesens mit braunen Locken und grünen Augen drang in seine Gedanken ein und ihre verschwommene, durchsichtige Erscheinung tanzte lockend vor seinen Augen. Maximus blinzelte schnell und hoffte, die Vision bannen zu können, doch Lucilla suchte ihn weiter heim. Er war sich selbst zuwider, wenn er daran dachte, wie er sie in jener Nacht, die nun schon Wochen zurück lag, behandelt hatte. Sie hatte mit der Verführung begonnen, das ist wahr, aber er hatte nicht wirklich versucht, sie daran zu hindern und, da er dies nicht tat, hatte er sie nur noch weiter ermutigt. Er konnte sich nichts vormachen und mußte zugeben, daß er nur allzu willig gewesen war, an ihrem Spiel teilzunehmen. Er war bereit gewesen, die Nacht mit ihr zu verbringen, trotz seiner Verärgerung über ihren Versuch, ihn nach Rom zu locken. Vor zehn Jahren hatte sie verzweifelt versucht, ihn zu überreden, der Prätorianergarde beizutreten und ihr heimlicher Geliebter zu werden. Sie schien immer noch sehr daran interessiert zu sein, trotz seiner hohen Position in der Armee ... und trotz seiner Ehe. Maximus setzte sich auf, stocherte mit einem Stock im Feuer und sandte einen weiteren Regen tanzender Funken in die Dunkelheit. Wie weit wäre es gekommen, wenn diese Prätorianer nicht zufällig vorbeigekommen wären? Hätte er Lucilla gleich dort genommen - im Prätorium gegen den Pfosten gepresst - so wie sein Körper ihn gedrängt hatte, oder wäre er klug genug gewesen, sich zurückzuhalten? Er konnte diese Fragen nicht beantworten und das beunruhigte ihn. Lucilla schien als einziger Mensch auf der Welt fähig zu sein, seine moralischen Schranken zu durchbrechen und ihn an einen Ort zu locken, wohin er nicht gehen wollte. Maximus zog die Knie hoch und umschlang sie mit seinen Armen, um die Körperwärme besser in sich zu halten, während er immer noch wie gebannt in die Flammen starrte. Sollte er ihr schreiben und sie um Verzeihung bitten, für das, was er getan - oder nicht getan hatte? Sollte er ihr sagen, daß er beinahe sein Pferd gewendet hätte, in ihre Arme zurück galoppiert wäre und ihren Vater hätte allein nach Colonia reisen lassen? Sollte er bekennen, daß er sich jede Nacht, seit ihrer Begegnung, auf seinem Lager hin und her geworfen und von ihr geträumt hatte, geplagt von intensiver und grausamer sexueller Frustration? Vielleicht sollte er nach Rom reisen, wenn die Kämpfe für diesmal beendet wären. Er hatte Rom noch nie gesehen, und es schien ihm angemessen für einen General der römischen Armee. Und sie wäre dort ... würde auf ihn warten ... War es überhaupt möglich, eine Frau zu lieben und dennoch eine andere so sehr zu begehren? Und schlimmer, wäre es möglich, daß Marcus recht hatte und daß das, was er für Lucilla empfand, über rein körperliches Verlangen hinausging? Trotz seiner Liebe für Olivia fragte Maximus sich manchmal, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er das Angebot, das Lucilla ihm vor zehn Jahren gemacht hatte, angenommen. Wäre er glücklich in Rom? Wäre sie seiner überdrüssig geworden oder er ihrer? Er konnte sich nicht vorstellen, daß das Leben in einer Stadt - selbst das Leben in Rom - ihn erfüllt hätte, aber er wußte es nicht sicher, denn er hatte es niemals versucht. Warum begann er, die Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen hatte, in Zweifel zu ziehen? Maximus starrte in die Dunkelheit über dem Feuer und er hatte sich wahrscheinlich niemals zuvor in seinem Leben so einsam gefühlt. Es kam ihm vor, als sei er das einzige lebendige Wesen auf der Welt, dazu verdammt, auf ewig in Dunkelheit und Einsamkeit zu leben, und er kämpfte gegen eine tief verwurzelte Unzufriedenheit mit jedem Aspekt seines Lebens an. Er war General. Na und? Bereitete ihm das wirklich irgendwelche Freude? Er war verheiratet ... aber seine Familie war so weit weg ... kaum jemals da, wenn er sie am meisten brauchte. Marcus Aurelius liebte ihn wie einen Sohn, aber er hatte keinen leiblichen Vater mehr. Er war für viele ein Freund, aber nur wenige vertrauten sich ihm wirklich an. Seine Stellung als General hielt ihn von den anderen fern. Es lag in der Natur der Entscheidungen, die er zu treffen hatte ... Entscheidungen über Leben und Tod. Viele bewunderten ihn, aber er war sich nicht sicher, ob er verstand, warum sie es taten. Er kam sich vor wie ein Betrüger. Er war nichts anderes, als ein niedrig geborener Bauer aus der Provinz ... Maximus erhob sich eilig und ertastete sich seinen Weg zum Ausgang entlang der feuchten, kalten Wände der Höhle. Die Unzufriedenheit führte seine Gedanken auf gefährliches Gebiet, und er mußte wieder einen klaren Kopf bekommen. Draußen lehnte er sich gegen den rauhen Fels und atmete tief durch, um wieder Herr seiner Gefühle zu werden. Sein warmer Atem bildete in der kalten Luft eine kleine Wolke, die sich schnell auflöste und ebenso schnell von einer anderen ersetzt wurde. Er blickte hinauf zum Neumond und fragte sich, ob Olivia denselben Mond betrachtete ... oder Lucilla. Er fragte sich, ob auch die Männer und Frauen im Dorf denselben Mond betrachteten. Männer und Frauen, deren Leben er zerstören würde. Er brauchte unbedingt Zeit, die er weit weg von diesem Ort verbringen konnte. Vielleicht in Rom ... "Herr! Sie sind zurück, Herr." Erschrocken wirbelte Maximus herum und blickte in Jonivus' Gesicht; der verzweifelte Ausdruck in seinen Zügen verwirrte den jungen Mann. Maximus ersetzte ihn schnell durch ein Lächeln, das sich jedoch nicht in seinen Augen widerspiegelte. "Gut gemacht! Was glaubst Du, wie viele es sind?" "Viele. Vielleicht fünfhundert." Jonivus blickte ihn fragend an. "Geht es dir gut, Herr?" "Mir geht es gut. Sind sie alle bewaffnet?" "Schwer bewaffnet. Sie haben alle römische Schwerter und Schilde." Maximus klopfte Jonivus auf die Schulter. "Gut gemacht." Er mochte diesen Jungen ... nun, er war kaum mehr ein Junge. Er mußte um die zwanzig sein. "Geh und schlaf ein bißchen, während ich die Männer informiere." Ich würde gerne mit Dir kommen, Herr." Maximus schüttelte den Kopf. "Du hast noch nicht genug Erfahrung für eine Mission wie diese. Außerdem bist Du als Kundschafter für mich viel zu wertvoll. Ruh Dich aus." Maximus stand allein da und starrte in die Dunkelheit. Er lauschte auf den kalten Wind, der durch die kahlen Zweige wehte ... das einzige Geräusch dieser Winternacht. Ein trostloses Geräusch, welches das Blutvergießen, das in wenigen Stunden beginnen würde, anzukündigen schien. |
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Kapitel 73 - Nachwehen Maximus starrte auf das Blut, das von seinem Arm tropfte. Er beobachtete, wie es in kleinen Bächen aus den Schnitten auf seinem Unterarm rann, über seine Hände und von den Fingerspitzen, wie die Tropfen mit einem sanften "Plopp" auf dem leblosen Gesicht des Mannes landeten, der zu seinen Füßen lag, sich mit dessen Blut vermischten und ihrer beider Blut den Erdboden tränkte, ihn purpurrot färbte. Maximus war taub für die Schreie von inner- und außerhalb des niedrigen Holzhauses; er stand nur still da und konzentrierte sich auf die Kraft, die ihm nach dem Kampf mit dem Führer der Markomannen, den er im Schlaf überrascht hatte, noch geblieben war. Obwohl kleiner als sein Gegner, hatte Maximus den Vorteil der Überraschung, der Schnelligkeit und der Geschicklichkeit auf seiner Seite. Der Mann hatte nach einer unter seiner Strohmatratze verborgenen Axt gegriffen und sie mit aller Macht gegen Maximus' Kopf geschwungen, während seine Frau heulte und um Hilfe schrie. Aber die anderen Markomannen kämpften jeweils um ihr eigenes Leben und konnten ihrem Anführer nicht zu Hilfe kommen. Die Brutalität des Kampfes spiegelte sich wider in den mit Blut bespritzten Wänden und der Kleidung der beiden Anführer, die ebenfalls mit Blut getränkt war. Die Schultern des Mannes, der nun allein noch dastand, hoben und senkten sich heftig von der Anstrengung des Kampfes. Die Frau des Getöteten schrie hysterisch, während sie in einer Ecke kauerte und ihre beiden Kinder hinter ihrem Rücken vor Maximus zu schützen versuchte. Sie schluchzte und verbarg ihr Gesicht in den Händen, dann blickte sie wieder auf, streckte eine Hand dem römischen Krieger zitternd entgegen und flehte ihn um das Leben ihrer Kinder an. Maximus hob beide Hände, um anzudeuten, daß er nichts weiter zu unternehmen gedenke. Er blickte nochmals in die leblosen Augen zu seinen Füßen und trat dann über den Körper hinweg, wobei er sich wohl bewußt war, daß auch er selbst es sein könnte, der dort auf dem Boden lag. Mit einem letzten Blick auf die Frau des Toten, öffnete Maximus die Tür und trat hinaus in die Nacht. Der Boden war mit toten Markomannen bedeckt. Römische Soldaten wanderten durch das Lager, stießen gegen die Leiber, um diejenigen ausfindig zu machen, die nur vortäuschten, tot zu sein, und gaben den tödlich Verwundeten den Rest. Das Schluchzen von Frauen und Kindern drang aus dem Versammlungshaus, das von zwei Soldaten bewacht wurde, die vor der von außen verschlossenen Tür standen. Kleine Feuer unter vielen der hölzernen Gebäude gewannen, angefacht durch den kalten Wind, schnell an Kraft. Der einsetzende Schneefall würde sie nicht löschen können. Maximus rief dem nächststehenden Soldaten zu: "Löscht die Feuer!" "Herr? Ich dachte, wir würden das Dorf niederbrennen." "Nein. Die Frauen, Kinder und alten Leute brauchen ein Dach über dem Kopf und Nahrung. Wir lassen das Dorf stehen." "Aber General, sie haben unser Lager zerstört!" "In unserem Lager waren keine Frauen und Kinder, Soldat. Nun tu, was ich Dir befohlen habe." Eine Anzahl Soldaten starrte sich gegenseitig ungläubig an und begann dann widerstrebend, mit den Füßen Erde in die Flammen zu treten. Julius näherte sich Maximus. "Sie mögen diese Entscheidung nicht, Herr", sagte er ruhig. "Das ist mir egal, Julius. Sie würden bestimmt anders darüber denken, wenn das da drinnen in dem Versammlungshaus ihre Familien wären. Wie es aussieht, werden diese Leute es schwer genug haben, diese Zeit des Jahres ohne ihre Männer zu überleben." Julius nickte zustimmend, während er auf das Gemetzel blickte. "Wir haben ganze Arbeit geleistet." "Das haben wir. Wie viele Markomannen sind tot?" "Wir haben fünfhundertneununddreißig gezählt, Herr." "Und von unseren Männern?" "Bisher sechsundvierzig ... also kaum der Rede wert." "Was meinst Du mit 'bisher'?" "Drei Männer fehlen noch, Herr." "Sind viele schwer verwundet?" "Einige wenige. Sieht so aus, als ob Du auch etwas medizinische Betreuung gebrauchen könntest, General." "Das meiste von diesem Blut ist nicht von mir. Wie viele Zivilisten wurden getötet?" "Ungefähr zwei Dutzend. Einige alte Männer, die geglaubt hatten, den Ihrigen helfen zu können, elf Frauen, die zu den Waffen gegriffen hatten, vier kleine Jungen und ein Mädchen." Maximus rieb sich mit dem Handrücken über die Augen und verschmierte das Blut in seinem Gesicht nur noch mehr. "Ich muß mich ein wenig umschauen, Julius, während Du sicherstellst, daß die Feuer wirklich gelöscht werden. Dann sammle die Männer. Ich möchte nicht auf dieser Seite des Flusses erwischt werden, wenn sich die Nachricht von diesem Gemetzel verbreitet." "Ja, General." Maximus konnte von seinem Standpunkt aus beinahe den gesamten Dorfplatz übersehen, daher ging er hinter die Hütten, um nachzusehen, ob irgendeiner ihrer eigenen Männer verletzt und übersehen worden war. Er weigerte sich abzuziehen, bevor nicht jeder ausfindig gemacht worden war - tot oder lebendig. Noch immer das Schwert in den Händen, stocherte er in Haufen von Müll und Blättern, zog einige Scheite aus Holzstapeln und scheuchte verschreckte Schafe und Ziegen auf, als er über den Hof schlenderte. Er hatte die Hälfte des Lagers durchquert, als er die drei vermißten Soldaten vor sich sah. Sie waren so beschäftigt, daß sie ihn nicht bemerkten. Sie hatten ein flachsblondes Mädchen von ungefähr zwölf Jahren auf dem Boden ausgestreckt, Ihre Arme und Beine wurden von zwei Männern auseinandergehalten, während der dritte sie brutal vergewaltigte, auf rohe Weise von seinen beiden Komplizen angefeuert. Das entsetzte Kind hatte es schon lange aufgegeben, sich zu widersetzen und lag da, die Augen vor Schmerz fest zusammengepreßt, den Mund zu einem stummen Schrei geöffnet. Sie sah nicht, wie das Schwert des römischen Generals in einem brutalen Hieb auf den Nacken des Mannes zu ihrer Linken niedersauste; sie sah nicht, wie sein Kopf absprang und davon rollte, während sein Körper nach hinten fiel und Blut aus seiner klaffenden Halswunde schoß. Sie sah nicht, wie der Mann zu ihrer Rechten die Hände vor sein Gesicht hielt, nur, um sie zusammen mit seinem Kopf unter einem weiteren wütenden Schwerthieb seines Generals zu verlieren. Sie sah nicht, wie ihr Vergewaltiger sich auf die Knie erhob, und alles Blut ebenso schnell aus seinem Penis wie aus seinem Gesicht wich, während er in stummem Flehen zu seinem Henker aufblickte. Sie öffnete ihre Augen erst, als sie den Mann schreien hörte, der Schrei jedoch abrupt abriß, als ein scharfer Stoß des Schwertes sein Rückgrat mit einem widerlichen Knirschen durchtrennte, und er leblos zurückfiel, die Hosen noch immer um seine Fußgelenke. Maximus warf sein blutiges Schwert zur Seite, fiel auf die Knie und nahm das in Panik erstarrte Kind in seine Arme, umfaßte es schützend, während er zärtliche Worte flüsterte. Er wußte, daß sie ihn nicht verstehen konnte, hoffte jedoch, daß sie dem Ton seiner Worte entnehmen würde, jetzt in Sicherheit zu sein. Er bedeckte ihre dünnen, nackten Beine so gut er konnte, erhob sich dann und preßte sie fest gegen seine Brust. Er machte einen Schritt auf das Versammlungshaus zu, hielt jedoch abrupt inne. Julius stand neben der Hütte, das Gesicht kalkweiß, während er von Maximus zu den leblosen Leibern auf dem Boden blickte. Maximus blieb stumm. Er weigerte sich trotzig, sein Handeln vor irgend jemandem zu rechtfertigen. "Ah ... wir ... haben alle unsere Toten und Verwundeten eingesammelt. Die Männer wollten sie nicht zurücklassen, damit sie nicht von den Frauen des Stammes geschändet und verstümmelt würden." Maximus nickte. Zutiefst erschrocken über die Exekution, deren Zeuge er soeben geworden war, schaute Julius abermals auf die Leichen am Boden. "Laß sie liegen", knurrte Maximus "Aber ... " "Die Frauen können mit diesen Körpern anstellen was sie wollen. Sie verdienen nicht, Römer genannt zu werden." "Ja, General." Das kleine Mädchen wimmerte, und Maximus drückte sie fester an sich. "Bring eine der Frauen zu mir her. Schnell!" Julius stolperte beinahe in seiner Eile, diesen Ort des Grauens zu verlassen, aber schon wenige Augenblicke später kam er wieder zurück mit einer der Frauen des Stammes, die von zwei Soldaten begleitet wurde. Ihre Panik, als sie die enthaupteten Körper entdeckte, wurde von Verwirrung über die Tatsache ersetzt, daß es sich bei den Männern um Römer handelte. Dann blickte sie auf Maximus und das Kind in seinen Armen. Er hielt ihr das Mädchen entgegen und war erleichtert, als er Verstehen in ihren Augen aufblitzen sah. Sie öffnete ihre Arme, um das Kind in Empfang zu nehmen, nickte Maximus einmal kurz zu und eilte davon, während das lange blonde Haar des Mädchens hinter ihr herwehte. Maximus stand lange Minuten nur stumm da und starrte auf den leeren, schwarzen Raum, wo sie verschwunden waren, und der nun hinter einem Schleier aus immer dichter fallendem Schnee verborgen wurde. "Herr?" fragte der Legat endlich. "Julius, führe die Männer nach Süden und überquert den Fluß an der nächstmöglichen Stelle." "Und was hast Du vor?" "Ich werde direkt hinter Euch sein. Geh." Julius zögerte, ihn allein zurückzulassen. "Herr ..." "Geh", wiederholte Maximus leise. Als er endlich allein war, griff Maximus in seine Tunika und zog zwei kleine Figuren hervor, die immer ganz nah an seinem Herzen ruhten. Er fühlte das dringende Bedürfnis, sie jetzt in den Händen zu halten. Er hob zuerst eine, dann die andere an seine Lippen und küßte sie. Maximus wartete, bis der letzte Römer das Dorf verlassen hatte, dann stieg er die beiden Stufen zur Tür des Versammlungshauses empor. Auf den Zehenspitzen stehend, riß er die Standarte der Legion Germanica II von ihrem Platz der Schande herunter. Das graue Holz splitterte, und er hielt das goldene Ehrenzeichen in seinen Händen. Dann entriegelte er die Tür, wandte sich um und ging langsam auf den Ausgang des Dorfes zu; das Schwert hing an seiner Hüfte und die Standarte hielt er fest mit der rechten Hand umklammert. Seine Linke umschloß zärtlich die kleinen Figürchen. Die Tür öffnete sich knarrend und Frauen spähten hinaus. Der Schnee fiel in dichten Flocken und ließ die hereinbrechende Morgendämmerung kaum erkennen. Sie blickten auf die sich entfernende Person und tauschten eilige Worte. Einige Frauen begannen, die Stufen hinabzusteigen und alles aufzulesen, was als Waffe geeignet schien. Sie schrieen dem einsamen Römer Drohungen und Beschimpfungen hinterher. Aber eine der Frauen drängte sich nach vorn und starrte dem römischen General mit einem Ausdruck des Wiedererkennens in den Augen nach. Sie breitete die Arme vor der zornigen Menge aus und sprach einige scharfe Worte, um Zeit zu gewinnen. Leise drängte sie Maximus, schneller zu gehen, aber er beschleunigte seinen gemessenen Schritt nicht. Statt dessen hielt er inne, wandte sich um und seine durchdringend blauen Augen hefteten sich auf das einzige bekannte Gesicht in der Gruppe. Er nickte leicht, und sie erwiderte den Gruß. Dann hob er den goldenen Adler gerade nach oben über seinen Kopf, drehte sich um und verschwand wie ein Geist im wirbelnden, weißen Schnee. |
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Kapitel 74 - Vindobona Maximus ritt unter den herzlichen Willkommensgrüßen seiner Männer durch das Tor von Vindobona. "Gut, daß Du wieder da bist, General!" rief einer der Männer. "Du warst monatelang weg, Herr." "Es ist wirklich gut, wieder hier zu sein, Soldat", antwortete Maximus aufrichtig. Er überblickte die vertrauten, freundlichen Gesichter und fragte sich, wie er ihnen sagen sollte, daß er sie schon bald wieder verlassen würde. Er war nur hier, um seine Post abzuholen und für einige Nächte in seinem eigenen Bett zu schlafen, bevor er sich wieder zu anderen Lagern aufmachen und andere Männer in weitere Schlachten führen würde. Und wenn die Kämpfe endlich nachließen, wollte er nach Spanien zurückkehren. Er mußte seine Frau und seinen Sohn wiedersehen. Er beugte sich von seinem Pferd herab und ergriff die Hände, die ihm entgegengestreckt wurden. Die Neuigkeiten von seinen bedeutenden Siegen während der Schlachten im westlichen Germanien, die durch die römische Strafexpedition gegen das germanische Dorf ausgelöst worden waren, hatten Vindobona erreicht, und seine Männer waren stolz auf ihn. Er mochte wohl Kommandeur aller Legionen des Nordens sein, aber er war ihr General. Er stieg vom Pferd, warf die Zügel einem wartenden Soldaten zu und verlor keine Zeit, sich direkt zu seinem Haus zu begeben, während Hercules hinter ihm hertrottete. Im Gehen betrachtete er das Lager und war erfreut, alles in so vorbildlicher Ordnung zu finden. Quintus hatte gute Arbeit geleistet. Maximus verlangsamte seine Schritte, als er in der Entfernung ein Kind sah. Ein kleiner Junge, wie es schien, der mit einigen Soldaten Ball spielte. Das war äußerst ungewöhnlich. Ein Militärlager war kein sicherer Ort für Kinder, und es war den Soldaten nicht erlaubt, ihre Kinder hierher mitzubringen. Maximus hoffte, das Quintus in dieser Sache nicht weich geworden war. Er entschied, sich mit dieser Angelegenheit später zu befassen und ging weiter auf sein Haus zu. Hercules blieb jedoch stehen, starrte auf das Kind und spitzte neugierig die Ohren. "Komm, alter Junge. Ich bin sicher, Du würdest gern mit ihm spielen, aber vermutlich wirst Du ihn nur erschrecken." Nach einem weiteren Augenblick des Zögerns folgte der große Hund seinem Herrn, wurde aber schon bald wieder abgelenkt; diesmal durch den Ingenieur Jonivus, der unmittelbar vor dem Prätorium stand. Er klopfte sich auf die Knie, während er den Hund zu sich rief. Maximus grinste Jonivus zu, während er an ihm vorbeiging. "Seit wann seid Ihr - Du und Hercules - so gute Freunde?" "Ich habe das Hündchen immer schon gemocht, Herr." Jonivus griff nach dem Halsband des Tieres, um ihn davon abzuhalten, Maximus zu folgen. "Es ist gut, Dich wieder hier zu haben, Herr, und danke, daß Du Dich um meinen Jungen gekümmert hast." Maximus winkte nur zur Antwort, während er weiterging. Er warf die Pelze auf das Bett und zerrte an den Bändern seines Umhanges, während er auf die Bettstatt schaute, nach der er sich so sehnte ... zur Abwechslung einmal sein eigenes Bett. Irgend etwas war mit seinem Zimmer anders, und seine Hände hielten mitten in ihrer zerrenden Bewegung inne. Es war ein seltsamer Geruch. Er schnupperte und schaute dann auf. Hastig entzündete er zwei Lampen, um das Licht der einen, die bereits brannte, zu verstärken. Er starrte für einen Augenblick auf die Wand hinter seinem Bett, und berührte dann vorsichtig die farbigen Gestalten mit den Spitzen seiner Finger. Sein Heim. Er blickte auf sein Heim in Spanien, so, wie man es von der Straße aus sah; sein auf einem Hügel thronendes Haus, umgeben von Obstbäumen mit reifen Früchten und Feldern, die zur Ernte bereit waren. Ponys spielten auf einem entlegenen Hügel. Eine Steinmauer umgab den Besitz und große Pappeln säumten die Straße zum Haus. Eine riesige Pappel stand stolz neben dem Tor, zarte Wiesenblumen umgaben ihren Stamm, die Stelle, wo seine Tochter begraben war. Der Himmel war azurblau mit strahlend weißen Wolken, und die ganze Szene war in goldenes Sonnenlicht getaucht. Das Gemälde bedeckte die gesamte Wand. Wie konnte das sein? Wie konnte der junge Polybius um das Aussehen seines Zuhauses wissen, ohne Maximus' Sachen durchsucht und Olivia's Zeichnungen gesehen zu haben? Hätte er es gewagt, so etwas zu tun? Verwirrt und irritiert wandte Maximus sich um und ging zur Tür, blieb jedoch wie angewurzelt stehen und starrte auf die Wand zu seiner Linken. Sie war bedeckt von einem lebensgroßen, halb fertiggestellten Portrait, das ihn selbst auf einem seiner schwarzen Hengste zeigte. Die Details seiner Uniform waren genau ausgeführt - der Brustpanzer, der sich blähende Umhang, die Pelze ... alles perfekt - von unheimlicher Ähnlichkeit. Seine Haltung war stolz und hoheitsvoll, aber ein leichtes Lächeln um den Mund und in den Augen zeigte den wirklichen Mann unter dem Äußeren des Generals. Hinter seiner Person waren die blaue Donau, die purpurnen Bergspitzen und die grünen Wälder Germaniens dargestellt. "Ich dachte, die eine Wand sollte zeigen, wo Du bist, und die andere, wo Du sein solltest," kam eine Stimme vom Eingang her. Maximus' Atem stockte, und alles Blut wich aus seinen Gliedern. Er begann zu zittern, und Tränen trübten seinen Blick, ließen sein gemaltes Ebenbild vor seinen Augen verschwimmen. "Maximus?" Olivia eilte ihm entgegen und er schloß sie zitternd in die Arme, barg sein Gesicht in ihrem Haar und weinte hemmungslos. Seine Frau flüsterte Worte der Liebe und küßte ihm Wange, Ohr und Hals; auch ihre Augen schimmerten von Tränen. Maximus' Stimme war nur ein heiseres Flüstern. "Woher wußtest Du, daß ich Dich so sehr brauche?" "Ich wußte es, weil ich Dich ebenso sehr brauche. Oh Maximus, ich habe Dich so vermißt." Keiner von ihnen bemerkte Ciceros Lächeln, als er leise die Tür des Schlafzimmers schloß, oder hörte Hercules winseln, weil man ihn davon abhielt, auf Olivia zuzuspringen.. "Wann ...", setzte Maximus an. "Ich bin bereits seit sechsunddreißig Tagen hier und krank vor Sorge um Dich, während Du da draußen gekämpft hast." Olivia nahm sein Gesicht in ihre Hände und küßte seine Tränen weg. "Und wage ja nicht zu sagen, ich hätte nicht kommen sollen." "Das hättest Du nicht, aber ich werde es nicht sagen." Maximus drückte sie fest an sich und versuchte, das Zittern unter Kontrolle zu bringen, das durch seine völlige Erschöpfung und den Schock ausgelöst wurde, seine Frau in Germanien vorzufinden. "Die Götter haben meine Gebete erhört." Maximus betrachtete ihr Gesicht. "Du siehst so schön aus." "Du siehst furchtbar aus und riechst wie ein Pferd", neckte Olivia ihn. "Ich werde ein Bad für Dich vorbereiten." Aber sie machte keinerlei Anstalten, seine Arme zu verlassen. "Dann muß das Marcus gewesen sein, den ich mit den Soldaten habe spielen sehen. Ich habe ihn nicht erkannt, er ist so gewachsen." "Er wird an seinem nächsten Geburtstag fünf, weißt Du. Er ist kein Baby mehr." "Nein, das ist er nicht. Ich habe diesen Abschnitt seines Lebens versäumt, nicht wahr?" "Du kannst es wieder gutmachen. Er kann es kaum erwarten, Dich wiederzusehen." "Wird er mich diesmal erkennen?" "Maximus, als ich dein Portrait an die Wand gemalt habe, hat er mich korrigiert, wenn ich nur den kleinsten Fehler beging. Er erinnert sich gut an Dich." "Wer paßt auf ihn auf?" "Sein Onkel Persius. Ich habe meinen kleinen Bruder gebeten, mich auf der Reise zu begleiten, trotz seiner Bedenken. Er wußte, ich hätte mich allein auf den Weg gemacht, wenn er sich geweigert hätte. Maximus nickte nur; seine Wange ruhte auf ihrem Haar und seine Augen waren geschlossen. Er seufzte tief. "Tust Du mir einen Gefallen?" "Jeden." "Würdest Du Dich und Marcus in das Gemälde von unserem Hof mit hineinmalen, wie ihr beide bei der großen Pappel steht?" "Natürlich", flüsterte Olivia und streichelte seine Wange. "Gefallen sie Dir?" "Mehr als ich sagen kann. Sie sind erstaunlich." Maximus drückte sie so fest an sich, daß sie kaum noch Luft bekam. Als Olivia wieder zu Atem kam, sagte sie:" Es war eine schwere Zeit für Dich, nicht wahr?" Ihr Ehemann schniefte und flüsterte dann: "Ja. Manchmal habe ich das Gefühl, daß man von mir erwartet, ich müßte vielmehr ein Gott als ein Mann sein." "Ein gottgleicher Mann?" fragte Olivia. "Ich bin nur ein Mann, der sich verzweifelt nach seiner Familie sehnt. Nichts mehr." "Nun, Deine Familie ist für Dich da, Liebster, und wir werden hier bleiben, solange Du uns brauchst." "Nein, so lange könnte Ihr nicht bleiben." Olivia war überrascht. "Wie lange dann?" "Für immer." Ihr Lachen wurde von seinem Kuß erstickt, einem Kuß, der kein Ende zu nehmen schien ... Maximus legte den Finger auf seine Lippen, als er durch die Ball spielende Gruppe ging, und deutete so an, daß er seinen Sohn für einen Augenblick unbemerkt beobachten wollte. Sein Kind war so sehr gewachsen - es war nicht länger das Kleinkind, das er von seinem letzten Besuch in Erinnerung hatte, sondern ein kräftiger kleiner Junge, der mit Grazie und Kraft laufen, springen und treten konnte. Er grinste seine Männer an, die ihre üblichen Kraftausdrücke, wenn sie den Ball verfehlten, aus Ehrerbietung für den kleinen Sohn des Generals und seine schöne schwarzhaarige Frau unterdrückten; beide hatten bereits jeden Soldaten im Lager um den Finger gewickelt, während sie ungeduldig auf Maximus' Rückkehr warteten. Persius schoß den Ball zu Marcus, zielte aber absichtlich an dem Jungen vorbei, und der Ball rollte zu Maximus, der ihn mit einem seiner in Stiefeln steckenden Füße stoppte. Seine Augen auf den Ball geheftet, wandte Marcus sich um, und wollte verhindern, daß der andere Mann den Ball zurückschoß, war jedoch erstaunt, daß dieser Mann einfach nur dastand. Langsam blickte er an dem Körper, der zu dem Fuß gehörte, empor - an dem langen Umhang mit den Pelzen, dem reich verzierten Brustpanzer, der weinroten Tunika. Der Mann kniete sich hin, und sein bärtiges Gesicht kam in das Blickfeld des Jungen. "Papa?" fragte Marcus, nicht sicher, ob er wirklich seinen Vater vor sich sah oder nur eine Personifizierung seiner Wünsche und Träume. Maximus nickte und lächelte. Er öffnete die Arme, um seinen Sohn an sich zu drücken, der ohne zu zögern auf ihn zugerannt kam. Mehr als nur ein paar Männer mußten sich plötzlich umwenden und ihre Nasen putzen, als ihr General seinen Sohn an sein Herz drückte und der Kopf des Jungen beinahe unter der großen Hand des Vaters verschwand. Nach einigen Augenblicken stiller Zärtlichkeit wischte sich Maximus mit den Fingern über die Augen und hob seinen Sohn auf die Schultern, bevor er seinem Schwager die Hand entgegenstreckte. "Persius." Erleichterung spiegelte sich auf dem Gesicht des jüngeren Mannes. "Schön, Dich wiederzusehen, Maximus. Und schön, daß Du nicht ärgerlich bist." "Ich sollte es sein. Das war für meine Frau und meinen Sohn eine sehr gefährliche Reise, aber ich bin glücklich, daß sie hier sind. Viel glücklicher als Du Dir vorstellen kannst. Ich danke Dir, daß Du sie begleitet hast." "Nun, hätte ich es nicht gemacht, wäre Olivia allein aufgebrochen. Das weißt Du doch." "Ich weiß." Sie wußten beide nur zu gut um die Entschlossenheit, zu der diese Frau fähig war. "Wie es nun mal war, wußten Titus und der Rest der Familie nichts von unserem Unternehmen. Ich habe ihnen, sobald wir hier waren, einen Brief geschickt, und habe eine sehr, ähem ... ärgerliche Antwort erhalten." "Ich werde Titus schreiben und ihm erklären, daß alles in Ordnung ist." "Danke." Persius stemmte die Hände in die Hüften und blickte sich im Lager um. "Das ist ein nettes Plätzchen, das Du Dir hier ausgesucht hast. Jeder behandelt uns ausgesprochen zuvorkommend. Es ist von Vorteil, mit dem General verwandt zu sein, nehme ich an." Maximus lachte. "Das nehme ich auch an." Es tat so gut, wieder einmal zu lachen. Er blickte zu seinem Sohn auf, Marcus legte das Kinn auf die Stirn seines Vaters und grinste zu ihm hinunter. Soldaten, die die Szene beobachteten, konnten nicht umhin die Ähnlichkeit des Jungen mit seinem Vater festzustellen, wenn er lächelte, obwohl er sonst mehr nach seiner Mutter kam. "Komm, Marcus. Wir wollen mal sehen, wo Mama ist." Maximus faßte seinen Sohn fest um die Fußgelenke und machte sich auf den Weg zum Prätorium, wo Olivia auf sie wartete. "Wo ist dein Pferd?" fragte der Junge. "Der Hengst ist im Stall." "Darf ich ihn sehen?" "Jetzt?" Marcus nickte. "Er hat eine lange, anstrengende Reise hinter sich und ist sehr müde." "Mama hat ihn auf die Wand gemalt." "Das habe ich gesehen." "Sie hat Dich gemalt, wie Du auf ihm reitest." "Das habe ich auch gesehen. Mama kann sehr gut malen, nicht wahr?" Marcus nickte und fuhr fort, sich mit seinem Vater zu unterhalten, während Maximus mit langen, festen Schritten auf den Stall zuging. Cicero stand neben Olivia im Eingang des Prätoriums. "Siehst Du", sagte er zu ihr. "Ich habe Dir doch gesagt, daß Du Dir keine Sorgen zu machen brauchst." Olivia blickte den Diener lächelnd an. "Es hätte Maximus umgebracht, wenn Marcus wieder gezögert hätte, zu ihm zu gehen." Sie seufzte erleichtert. "Laß uns das Bad für ihn fertigmachen, Cicero. Ich habe keine Lust, heute Nacht mit einem Mann zu schlafen, der wie ein Pferd riecht." |
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Kapitel 75 - Das Bad Marcus mühte sich ab, Papas federgeschmückten Helm auf seinem Kopf zu balancieren, gab es aber endlich auf, als sich das Gewicht desselben als viel zu schwer für den kleinen Jungen erwies, und der Helm mit einem ohrenbetäubenden Krach auf dem Mosaikboden landete. "Marcus, was machst Du da?" rief seine Mutter aus dem Bad. "Nichts", kam die wenig überzeugende Antwort. Olivia und Maximus blickten einander an, und Olivia verdrehte die Augen, bevor sie sich von dem Platz neben ihrem Mann erhob, der sich in seinem Bad entspannte. Sie trocknete sich die Hände an ihrer Stola ab und ging in das Schlafzimmer, um nachzusehen, was ihr Sohn schon wieder angestellt hatte. Maximus nahm einen Schluck Wein und lächelte zufrieden, als das Lachen seiner Frau an sein Ohr drang. Kurz danach kam sie zurück, gefolgt von ihrem Sohn, der mit Maximus' Umhang und seinen schweren grauen Wolfspelzen "bekleidet" war. Der lange, weinrote Umhang schleifte wie eine Schleppe auf dem Boden, und die Pelze zog er hinter sich her über die nassen Fliesen . Marcus wurde dicht gefolgt von Hercules, der ständig auf den Umhang trat und diesen jedesmal beinahe von den schmalen Schultern des Kindes riß. "Der Boden ist naß. Sei vorsichtig damit", ermahnte ihn Olivia. "Ist schon in Ordnung. Die Sachen vertragen schon etwas, schließlich trage ich sie bei jedem Wetter und auch in der Schlacht. Manchmal schlafe ich sogar in ihnen; kommt auf die Umstände an. Da kann nichts passieren." Maximus grinste seinen Sohn an, der mit hocherhobenem Kopf und die Beine in die Luft werfend um die Badewanne herum marschierte, ganz so, wie er sich vorstellte, daß ein General es täte. "Wo ist Dein Schwert, Papa?" "Mein Schwert? Mein Schwert ist nichts zum Spielen, Sohn. Es ist sehr gefährlich." "Aber wenn ich ein General bin, dann brauche ich ein Schwert." Maximus betrachtete das Kind mit tiefer Zuneigung, während Olivia Schultern und Nacken ihres Mannes kraftvoll massierte. Er seufzte tief und schloß die Augen. "Ich sag' Dir was, Marcus. Morgen werde ich sehen, was ich tun kann, damit wir für Dich eine Uniform bekommen." "Versprochen?" fragte das Kind begeistert. "Versprochen!" Maximus seufzte abermals, als seine Frau die Verspannungen in seiner Muskulatur entdeckte und begann, diese gründlich durchzukneten. Auch konnte er ein leises Stöhnen nicht unterdrücken, jedesmal wenn sie eine besonders empfindliche Stelle bearbeitete. "Tut es weh?" fragte sie besorgt. "Nein ... es tut so gut." Olivia küßte die Wange ihres Mannes und berührte sein Ohr zärtlich mit ihrer Zunge. "Ich kann nicht allzu viele neue Narben entdecken, seit ich Dich das letztemal gesehen habe." "Ich fürchte, meine Narben sind dort, wo man sie nicht sehen kann." Olivia rätselte noch über seine Bemerkung, als Marcus sich bereits wieder zu Wort meldete. "Papa, schau. Schau mich an!" Der Junge hatte ein Kissen gefunden und es zwischen die Knie geklemmt, als ob er auf einem Pferd ritte. Er versuchte, im Bad herumzugaloppieren und kämpfte gleichzeitig mit Kissen, Umhang und Pelzen. Wenigstens versuchte er nicht, auf Hercules zu steigen ... bis jetzt. "Würdest Du morgen gern mit mir ausreiten, Marcus?" fragte Maximus "Ja! Ja!" Wir werden mit Scarto einen Ritt durchs Lager unternehmen. Wie klingt das?" "Hurra!" schrie Marcus und galoppierte zurück ins Schlafzimmer . "Er ist so stolz auf Dich", sagte Olivia, während sie Seife in Maximus' Haar verrieb und seine Kopfhaut massierte. "Jedesmal, wenn wir während unserer Reise hierher einen Soldaten sahen, verkündete er jedermann in Hörweite, daß sein Papa ein General sei. Er möchte genau so sein wie Du." "Mein Leben muß ihm sehr romantisch und aufregend erscheinen." Maximus griff mit einer Hand nach hinten, um das lange, seidige Haar seiner Frau zu streicheln. "So ist es." "Das ist es aber nicht. Es ist hart und schrecklich und einsam. Ich möchte ihn nicht ermutigen, auch Soldat zu werden." "Maximus, bitte zerstöre nicht die Illusionen, die er sich von Dir macht. Er wird noch viel Zeit haben, um herauszufinden, wie Dein Leben hier wirklich ist." "Er würde sich vor Angst verkriechen, wenn er es wirklich wüßte. Und Du auch." "Maximus, laß ihn seine Träume noch ein paar Jahre genießen. Er träumt des Nachts von einem Mann in prächtiger Uniform, der auf einem großen, schwarzen Hengst reitet und Tausende von Soldaten in schimmernder Rüstung in den Kampf führt." "Ich möchte für ihn Realität sein, Olivia. Nicht ein Fleisch und Blut gewordenes Traumbild." "Du bist real für ihn. Daheim zeige ich ihm die ganz gewöhnlichen Bäume, die Du gepflanzt hast, die gewöhnlichen Wagen, die du gebaut hast, das ganz normale Bett, in dem Du schläfst, die alltäglichen Kleider, die Du trägst. Er kennt jene Seite von Dir. Aber er versteht diese Seite nicht." Olivia zeigte auf die Wände des Badezimmers und deutete damit auf das Lager draußen. "Er hat keine Vorstellung von seinem Papa, dem General. Also erfindet er Sicherheit und Geborgenheit spendende Fantasien über dieses Leben, um seine Angst zu besiegen, wenn Du für so lange Zeit weg bist. Verstehst Du das?" Maximus nickte langsam. "Laß ihm diese Fantasien. Sonst ... wird er jede Nacht in seinem Bett zittern und weinen." Maximus drehte sich um und schaute seiner Frau ins Gesicht; er sah den Aufruhr der Gefühle in ihren Augen. "So wie Du?" "Ja, so wie ich. Ich kann nicht behaupten, daß ich auch nur ansatzweise verstehe, was es bedeutet, ein General zu sein, in blutigen Schlachten gegen Barbaren zu kämpfen ... Menschen zu töten und die eigenen Männer in den sicheren Tod zu führen. Aber ich bete jede Nacht, daß Du all das überlebst, und eines Tages für immer nach Hause kommst, körperlich unversehrt, mit unverletzter Seele und bereit für ein Leben mit Deiner Familie." "Ich bin schon jetzt dafür bereit. Aber es ist nicht möglich." Maximus küßte die Hände seiner Frau. "Olivia, es tut mir so leid, Dir all das zuzumuten." "Ich wußte, wer und was Du warst, als ich Dich heiratete, Maximus. Mir war klar, auf was ich mich einließ, und ich habe es als Bedingung akzeptiert, Dich lieben zu dürfen. Es ist schwer, aber ich komme damit zurecht. Du bist jede Minute all der Qualen wert, die ich durchlitten habe. Jetzt schließ die Augen, damit ich die Seife ausspülen kann. Mit nun blitzsauberem Haar und Körper lehnte Maximus sich in der Wanne zurück, und Olivia schlang ihre Arme um seine Schultern, dann steckte sie die Hände unter seine starken Arme. Sie biß zärtlich in seinen Nacken und murmelte: "Das Wasser wird kalt." Maximus schloß die Augen und genoß das Gefühl der weichen, gegen seinen Rücken gepreßten Brüste. "Das macht nichts. Es ist besser, als in einem kalten Bach zu baden." Sie drückte ihre Wange an die seine. "Weißt Du, was mir am meisten Angst macht?" "Was?" "Daß Du Dich so an das hektische Tempo und die überwältigende Verantwortung des Lebens eines Generals gewöhnt hast, daß Du das Leben eines Bauern als langweilig und öde empfinden wirst." Maximus wollte protestieren, aber sie fiel ihm ins Wort. "Ich weiß, daß Du dich nach daheim sehnst, Maximus. Aber wie viele Jahre würde es dauern und Du würdest ruhelos? Du bist ein Mann, der daran gewöhnt ist, Entscheidungen über Leben und Tod zu fällen und nicht lediglich zu bestimmen, wann welches Getreide zu ernten ist oder wann die Oliven reif sind. Du bist ein Mann, der von Tausenden, vielleicht Millionen bewundert wird - nicht nur von seiner Familie. Du bist ein Mann, der mit Kaisern und hohen Beamten verkehrt und nicht mit den Händlern und Bauern der Umgebung. Du hast Dich an einen bestimmten Grad von Spannung und Aufregung in Deinem Leben gewöhnt, und ich fürchte, daß sie für Dich unentbehrlich geworden sind, ob Dir das nun bewußt ist oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob Du ohne sie wirklich ganz zufrieden sein könntest. Hier und jetzt erscheint Dir Spanien wie das ersehnte Paradies, aber wie wirst Du empfinden, wenn es nichts anderes mehr gibt?" Maximus schwieg einige Zeit, bevor er antwortete: "Ich habe eine kluge Frau geheiratet. Wenn ich hier bin, dann sehne ich mich nach Spanien. Aber wenn ich in Spanien bin, dann fange ich nach einer Weile an, das Lager und meine Soldaten zu vermissen. Ist es mein Schicksal, nie wirklich ganz zufrieden zu sein mit dem, was ich habe und wo ich bin?" Olivia drehte seinen Kopf zur Seite und küßte ihn zärtlich. "Wir werden eben einfach so viele Kinder haben müssen, daß Du immer beschäftigt und zufrieden bist." "Ich sehne mich danach", flüsterte Maximus. "Wo schläft Marcus übrigens diese Nacht?" "Im anderen Schlafzimmer bei Persius. Ich habe in Deinem Bett und Marcus hat zusammen mit Persius geschlafen. Ich wollte, daß er sich an diese Regelung gewöhnt, bevor Du zurückkämst. Wir werden also heute nacht ganz allein sein." Sie nahm seine Unterlippe zwischen ihre Lippen und knabberte daran. "Und Hercules kann auch bei ihnen schlafen." Maximus erwiderte den Kuß. "Kluge Frau. Da wir gerade von Marcus sprechen ... es ist so seltsam still drüben im Schlafzimmer, findest Du nicht auch?" Olivia sprang auf und rannte davon wie der Blitz. Maximus hievte sich aus der Wanne und summte zufrieden vor sich hin, während er ein Handtuch um seine Hüften schlang und ein weiteres benutze, um sein Haar trockenzureiben. Er lachte leise, als er die Stimme seiner Frau aus dem anderen Zimmer hörte. "Marcus, was hast Du schon wieder angestellt? Du weißt doch, daß Du Papas Sachen nicht anfassen sollst ... " Maximus lachte laut, während er zuerst einen und dann den anderen Fuß abtrocknete und endlich zu seiner Frau und seinem Schlingel von Sohn barfuß ins Schlafzimmer tapste. |