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Kapitel 96 - Vertrauen Klopf, klopf, klopf. Maximus brummelte und drehte sich auf die Seite, seine Hüfte und Schulter waren wund und mit blauen Flecken übersät, nachdem er die Nacht auf dem harten Fußboden zugebracht hatte. Er wickelte sich fest in seinen Umhang in dem Bemühen, so die Kälte fernzuhalten; das Gesicht vergrub er in den Wolfspelzen und versuchte, den lästigen Lärm zu dämpfen. Klopf, klopf, klopf. "Lucius, kannst Du damit bitte aufhören!" knurrte Maximus vor sich hin, während er den Kopf hob und hinüber zum Bett schaute. "Huh, was ist los?" schniefte Lucius schlaftrunken. "Womit aufhören?" Klopf, klopf, klopf. "Damit." Lucius fuhr hoch, die wenigen Haare, die er noch hatte, standen zu Berge. "Das war ich nicht", schluckte er. Maximus war augenblicklich auf den Beinen. "Schhh." Er streckte den Arm aus, die Handfläche nach unten und bedeutete Lucius, sich nicht zu rühren. Das war Lucius gerade recht; er zog die Knie bis zur Brust hoch und umschlang sie fest mit den Armen . Langsam und kaum merklich schlich Maximus durch das dunkle Zimmer, das Schwert in der Hand, und lauschte. Als er die Tür erreichte, drehte er leise den Türgriff herum und riß sie mit einem Ruck auf, bereit, den unbekannten Eindringling zu stellen. Der Eingang war leer. Er streckte den Hals und blickte sich um. Niemand war da. Klopf, klopf, klopf. "Maximus!" zischte Lucius. "Es kommt von dort." Er deutete auf einen großen, verzierten, hölzernen Schrank an der entgegengesetzten Steinwand des Generalsquartiers. Mit einem verwunderten Stirnrunzeln näherte Maximus sich dem Schrank und ließ die Hände über die Vorderfront und die Seitenwände gleiten. Er wirkte stabil, und Maximus konnte keine Vibration oder Bewegung spüren. Er hielt den Atem an und öffnete vorsichtig die Tür ... das Schwert zum Schlag erhoben. Der Schrank war leer. KLOPF, KLOPF, KLOPF. Maximus drückte mit den Händen gegen die Rückwand des Schrankes, die ebenfalls stabil zu sein schien, dann klopfte er dreimal gegen das massive Holz. Er erhielt die erwartete Antwort. "Lucius, zünde bitte eine Laterne an. Ich kann kaum etwas sehen." Maximus untersuchte die Ränder der rückwärtigen Schrankwand, drückte mit den Fingern, und endlich gelang es ihm, die Wand ein wenig zu verrücken. Dann glitt sie wie durch ein Wunder mit einem knirschenden Ächzen seitwärts, und ein feuchter, muffiger Geruch drang an seine Nase. "Nun, das wurde aber auch Zeit!" Freyda kam aus der Dunkelheit hinter dem Schrank hervor, eine kleine Laterne baumelte in ihrer Hand, und sie trat den beiden verwirrt dreinschauenden Männern entgegen. Maximus schob sie augenblicklich zur Seite und näherte sich der gähnenden Höhle, balancierte auf den Fußballen, das Schwert drohend in der Hand. Freyda stand hinter ihm und betrachtete ihn mit einiger Belustigung. "Ich bin allein", versicherte sie ihm. "Warum sollte ich Dir das glauben?" fragte Maximus, und verharrte weiter in seiner kampfbereiten Stellung. "Ich bin hier, um Euch zu helfen", erklärte sie. "Warum solltest du das tun?" Maximus reagierte mißtrauisch, da aber keine weiteren Eindringlinge in Sicht kamen, konnte er sich genügend entspannen, um sich umzuwenden und sie anzuschauen. Sie zuckte wie beiläufig mit den Schultern. "Ich denke, das bin ich Dir schuldig." "Du schuldest mir gar nichts. Was du Deinem eigenen Volk schuldest, das wirst du niemals wieder gutmachen können." Maximus steckte endlich sein Schwert wieder in die Scheide und schaute der Chatti-Frau direkt ins Gesicht, dann deutete er mit einem Zucken des Kopfes in Richtung der schwarzen Öffnung. "Wohin führt das hier?" "Der Weg gabelt sich. Die eine Richtung führt nach Süden in die Wälder, und die andere nach Nordosten." "Und woher kennst Du diesen Gang?" "Derjenige, der nach Nordosten führt, endet bei der Hütte, von der ich Dir erzählt habe." "Und so hat sich General Pollienus also mit Dir getroffen." "Ja", sagte sie ohne eine Spur von Verlegenheit. "Ursprünglich gab es nur den südlichen Ausgang, so daß Soldaten, falls nötig, den Außenposten auf diesem Wege verlassen konnten. Der General ließ die andere Abzweigung für seine persönlichen Zwecke bauen." Blaue Augen bohrten sich in blau-grüne, aber Freyda hielt Maximus' Blick stand und wandte ihre Augen nicht ab. "Wie kann ich sicher sein, daß Du uns nicht in einen Hinterhalt führst?" fragte er, und sein Zweifel war immer noch deutlich herauszuhören. "Das kannst Du nicht. Du mußt mir vertrauen. Außerdem ... Du hast keine große Wahl, und viel Zeit hast du auch nicht ... also wird Deine Kavallerie hierbleiben und sich selbst durchschlagen müssen." Maximus brachte Lucius mit einem Blick zum Schweigen. Freyda fuhr in ihrer offenen Art fort: "Die Häuptlinge haben vor, dich hinzurichten, danach werden sie einen organisierten Angriff auf circa ein Dutzend römischer Grenzsiedlungen unternehmen. Ich habe ein Treffen zwischen meinem Vater und anderen bereits eingetroffenen Stammesführern belauscht." Lucius erbleichte, sein Gesicht verkrampfte sich vor Entsetzen. "Wie viel Zeit habe ich noch?" fragte Maximus so ruhig, als würde er über das Wetter sprechen. "Vielleicht noch einen Tag, höchstens. Es kommen immer noch mehr Krieger und jeder Häuptling will ein Wörtchen mitreden, wie man dich am besten foltert, bevor man Dich tötet." Falls Freyda beabsichtigte, Maximus aus der Fassung zu bringen, erzielte sie nicht den gewünschten Erfolg. Er schlenderte dicht an sie heran, verschränkte die Arme vor der Brust und neigte den Kopf ein wenig zur Seite, während er sie genau beobachtete. "Warum erzählst du mir das? Was genau springt dabei für Dich heraus?" Sie hob das Kinn, es hatte sie offenbar getroffen, daß er ihre Beweggründe in Zweifel zog. Doch trotz ihres verletzten Egos sagte sie: "Ich gehe mit Dir. Ich will nach Rom." "Ich gehe nicht nach Rom." "Dann kannst du mich wenigstens in römisches Gebiet mitnehmen. Von da an kann ich für mich selbst sorgen. Ich bin ziemlich unternehmungslustig und unabhängig." Maximus konnte ein ironisches Grinsen nicht unterdrücken. "Das habe ich bereits festgestellt." Er betrachtete die junge Frau vor ihm mit prüfendem Blick: das honigfarbene Haar war zu einem einzigen langen Zopf geflochten, der auf ihrem Rücken herabhing, eine Vielzahl von Schnüren mit bunten Tonperlen hingen um ihren Hals und sie trug Männerkleidung. Sie steckte in diversen Schichten brauner wollener Tuniken und in Hosen, die mit Lederriemen befestigt waren. Maximus warf noch einen Blick in den schlecht beleuchteten Gang. "Nun, ich denke, wir haben keine Wahl, aber ich warne dich, ... sollte dies eine Falle sein, dann schneide ich Dir Deine schöne Kehle durch, bevor Deine Leute mich zu fassen bekommen." Der Gang war sehr eng, an einigen Stellen nicht mal so weit wie Maximus' breite Schultern, als er Freyda durch den kalten, feuchten Tunnel folgte. Auch veränderte sich die Höhe ständig dramatisch, so daß der General sich mehr als einmal den Kopf an der felsigen Decke stieß, was wiederum eine beträchtliche Anzahl von Flüchen nach sich zog. Lucius folgte ihm. Er klammerte sich hilfesuchend an Maximus' Umhang, da dieser das Licht der Laterne in Freydas Hand gänzlich verdeckte. Der gefrorene Boden des Tunnels verbarg Stellen schwarzen Eises, auf denen Lucius dreimal ausrutschte und hart hinfiel, wobei er Maximus fast mit zu Boden riß. Ganz offensichtlich war Freyda mit der Umgebung bestens vertraut, denn sie stürmte ohne zu zögern vorwärts und drängte die Männer, sich zu beeilen. Nach einiger Zeit, die ihnen wie eine Ewigkeit erschien, erreichten sie eine massive hölzerne Tür. Maximus drängte sich an Freyda vorbei und warf sich mit der Schulter gegen das Holz, das protestierend ächzte, während sich die Tür langsam öffnete. Als Maximus die kalte frische Luft auf seinem Gesicht spürte, griff er nach dem Arm der jungen Frau und zog sie mit einem Schwung vor sich, preßte ihr sein Schwert an die Kehle und bahnte sich einen Weg durch die Büsche, die den Ausgang verbargen. Der einzige Laut, den man in dem schattigen Wald vernehmen konnte, waren ihre eigenen schweren Atemzüge. Der sanft fallende Schnee verriet keinerlei Fußtritte, während er im Licht ihrer Laterne funkelte. "Siehst Du", sagte Freyda bockig. "Ich sagte doch, daß Du mir trauen kannst." Sie machte sich mit einem Ruck aus seiner Umklammerung los und rieb ihren Arm, wo seine Finger ihre Male hinterlassen hatten. Maximus blieb angespannt und mißtrauisch. "Wo sind wir?" Freyda machte eine Bewegung mit dem Kopf. "Der Außenposten liegt dort, direkt hinter den Bäumen." "In welcher Richtung befindet sich die Straße?" fragte Maximus und versuchte, sich zu orientieren. "In dieser Richtung", sagte sie und zeigte in die Dunkelheit. "Nicht weit." "In Ordnung. Ihr zwei macht Euch auf den Weg zur Straße. Wartet nicht auf mich." Lucius war verwirrt. "Wohin willst Du?" "Ich gehe nicht ohne mein Pferd." Die Augen des kleineren Mannes weiteten sich ungläubig. "Bist du total verrückt geworden? Hat Marcus Aurelius einen Irren zum General ernannt?" "Das wäre ziemlich blöd, General", fügte Freyda ganz offen hinzu. "Sieh zu, daß Du hier wegkommst, solange Du noch kannst." Lucius und Freyda standen Schulter an Schulter und bildeten eine vereinte Opposition gegen das unvernünftige Vorhaben des Generals. "Ich muß ...", setzte Maximus an, wurde aber augenblicklich von Lucius unterbrochen. "Ich sehe schon Deine Grabinschrift vor mir: "Er starb bei dem Versuch, sein Pferd zu retten". Maximus war nicht geneigt, seine Entscheidungen weiter in Frage stellen zu lassen. "Wenn Ihr auf römische Soldaten stoßt, die in diese Richtung reiten, dann sagt ihnen, wo ich bin. Und nun geht." Sein Ton ließ keinerlei weitere Einwände zu. Freyda ergriff Lucius' Arm und immer noch zögernd machten sie sich auf in Richtung der Straße. Beide waren überzeugt, daß Maximus innerhalb weniger Stunden tot sein würde ... und das alles um eines Pferdes willen. Lucius schaute zurück und sah, daß Maximus sie aufmerksam beobachtete. "Ehre und Stärke", sagte der General ruhig. Lucius nickte nur und setzte seinen Weg fort. Er schob die knirschenden, schneebedeckten Zweige zur Seite. Als er das nächste mal zurückblickte, war Maximus verschwunden. |
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Kapitel 97 -Scarto
Maximus trat durch die Tür, schaute dann zurück und befahl seinen nicht
vorhandenen Soldaten laut und mit fester Stimme, drinnen zu bleiben, wo es
warm war. Diese Stimme brach sich an den Wänden eines Dutzends leerer Räume
und kehrte dann zu ihm zurück, ein schwaches und hohles Zerrbild des
Originals. Er zog die Tür hinter sich zu, stellte jedoch sicher, daß sie
nicht ins Schloß fiel, und marschierte dann entschlossen zum Stall, wobei er
sich seiner Isolation in diesem verlassenen Außenposten wieder schmerzhaft
bewußt wurde. Nur in mehrere übereinander gezogene Tuniken und Hosen sowie
in Stiefel gekleidet, schaute Maximus unverwandt geradeaus. Er widerstand
dem beinahe überwältigenden Bedürfnis, die kleine Schar germanischer Krieger
aufzuziehen, die oben auf der Mauer standen, welche die Gebäude des
Außenpostens umgab. Sie reagierten auf seine zur Schau getragene
Entschlossenheit, indem sie sich gegenseitig mit den Ellbogen anstießen und
mit den Fingern auf den gefangenen General zeigten. Sie waren sich so sicher
in ihrem Bewußtsein, daß er nirgendwohin gehen konnte, bis sie bereit waren,
hineinzugehen und ihn zu holen. Für sie glich Maximus einem grimmigen Wolf,
gefangen in einem Käfig: gefährlich und majestätisch, aber dennoch gefangen
- und hilflos. Er war vollkommen ihrer Gnade ausgeliefert - und Gnade
kannten sie nicht. "Ich habe ihn heute morgen gefüttert, Herr." Maximus sprang entsetzt zurück, sein Fuß verfing sich in einem herumliegenden Zaumzeug und er fiel mit dem Rücken hart auf den hölzernen Boden. Er rollte herum und war in einem Augenblick wieder auf den Füßen, bereit, sich ... einem Jungen zu stellen. Der General blickte das Jüngelchen grimmig an, während er Stroh von seiner Tunika wischte. "Was machst Du hier?" Der Junge schreckte zurück, und Maximus stellte fest, daß sein Ton schärfer als beabsichtigt gewesen war. "Ich ... ich kümmere mich um die Pferde ..., Herr." Der blonde Knabe war in die einfache Tunika eines römischen Soldaten gekleidet und versuchte, eine Habachtstellung einzunehmen, was ihm jedoch nicht gelingen wollte, da er zu sehr zitterte. Maximus schaute hinüber zu den drei braunen Pferden, die den Stall mit seinem schwarzen Hengst teilten. Man hatte ganz offensichtlich gut für sie gesorgt. Er lehnte sich mit dem Ellbogen auf die Boxentür und lächelte dem Jungen, der nicht älter als zwölf zu sein schien, väterlich zu. "Weißt Du, wer ich bin?" fragte er vorsichtig. Der Junge war von Maximus' einfacher Kleidung irritiert, aber er mutmaßte: "Ein Offizier, Herr?" "Ich bin General Maximus." Die Augen des Jungen weiteten sich. "Der Außenposten wurde evakuiert, mein Sohn. Warum bist Du nicht zusammen mit den anderen abgezogen?" "Jemand mußte sich um die Pferde kümmern, General. Ich wollte nicht, daß sie Hunger leiden müßten ... besonders jener", sagte er und wies auf Maximus' Pferd, das den Kopf hochwarf und die Aufmerksamkeit genoß. "Wie heißt er?" fragte der Junge. "Scarto." Der Junge blickte den Hengst beinahe ehrfurchtsvoll an. "Er ist das schönste Pferd, das ich jemals gesehen habe." Maximus nickte zustimmend, aber seine Neugier bezüglich des Knaben war ebenfalls geweckt. "Wo sind Deine Eltern?" "Tot. Sie starben schon vor langer Zeit. Ich bin jetzt Soldat." Maximus tätschelte die Stirn seines Hengstes, und das Tier knabberte an der Brust des Generals, dann packte es Maximus' Tunika mit seinen flachen Vorderzähnen und zog spielerisch an dem Kleidungsstück. Maximus lächelte und streichelte den muskulösen Hals des Pferdes. Er betrachtete den Jungen, welcher ihn scheu anschaute. "Und wie heißt Du?" "Asellio, Herr." "Nun, Asellio, ich weiß es zu schätzen, daß Du mein Pferd gefüttert hast. Er ist sehr wichtig für mich." "Er ist klug." "Das ist er wirklich. Während der Schlacht scheint er genau zu spüren, was er zu tun hat, und ich bin noch nie von ihm enttäuscht worden. Und auch ich kann ihn nicht im Stich lassen." Er streichelte die samtene Nase des Hengstes mit der Rückseite seiner Finger. "Asellio, wir sind hier in einer schwierigen Situation und ich brauche Deine Hilfe." Der Junge nahm augenblicklich eine Habtachtstellung ein und nickte heftig. "Schaffe jede Menge Heu und Wasser in die Boxen der drei braunen Pferde." Er lächelte dem Jungen aufmunternd zu. "Wir zwei und Scarto verschwinden von hier." "Wir?" Asellio schaute unsicher zu den braunen Hengsten. "Und was ist mit denen?" "Da mach Dir keine Gedanken, die Germanen werden sie gut behandeln. Sie besitzen nicht so edle Pferde wie diese." Der Junge war ganz offensichtlich daran gewöhnt, Befehle auszuführen; er nickte und machte sich ohne ein weiteres Wort an die Arbeit. Von Zeit zu Zeit sah er verstohlen zu Maximus hinüber, der leise vor sich hin pfiff, während er seine Aufgabe erledigte. Der Knabe hatte nie einen General wie diesen gesehen. Maximus war stärker und besaß mehr Autorität als jeder andere, den er bisher gesehen hatte, aber in seinen Augen war auch etwas Freundliches, und die Art, wie er mit den Tieren umging, konnte man beinahe als zärtlich bezeichnen. Maximus legte Scarto Zaumzeug an. Auch die anderen drei Pferde zäumte er auf, jedoch nur eines wurde auch gesattelt. "Kannst Du reiten, mein Sohn?" fragte Maximus, während er den Sattelgurt des braunen Hengstes festzurrte. "Ja, Herr!" antwortete Asellio; er war stolz darauf, diese Frage mit Ja beantworten zu können. "Gut. Wir fangen damit an, daß wir die Pferde im Hof bewegen. Du mußt mir nun aufmerksam zuhören ..." Maximus fuhr fort, dem Jungen, der die Augen immer noch weit aufgerissen hatte, leise Anweisungen zu geben, während sie in das blasse Licht der Wintersonne hinaustraten. Maximus führte Scarto um die Gebäude herum, um jede Versteifung, die das lange Stehen in dem kalten Stall verursacht haben mochte, zu lockern. Die Zügel eines zweiten Pferdes hielt er locker in der anderen Hand. Asellio ging dicht neben ihm und führte die beiden übrigen Tiere. Die Germanen auf dem Dach beobachteten sie aufmerksam, aber Maximus wußte, daß es den Wachen mit der Zeit langweilig werden und ihre Aufmerksamkeit nachlassen würde. Maximus hob Asellio auf den Rücken des gesattelten Pferdes, dann führte er Scarto unmittelbar neben jenes Tier und warf sich, flach auf den Bauch gepreßt, quer über den breiten Rücken des Pferdes, schwang ein Bein über den Hengst und richtete sich auf. Scarto tänzelte ein wenig unruhig, da er es nicht gewohnt war, ohne Sattel geritten zu werden. Beide, Mann und Knabe, führten die anderen Hengste am Zügel. Sie begannen im Schritt und verfielen dann in einen leichten Trab, bewegten sich immer und immer wieder um den geschlossenen Hof des Außenpostens in großen, sich wiederholenden Kreisbewegungen. Den Kriegern auf der Mauer erschien es, als ob Maximus ganz in seine Tätigkeit versunken sei, aber dieser beobachtete sie aufmerksam und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, um zu handeln. Und der kam schneller, als er erwartet hatte. Eine Stimme von jenseits der Mauer grüßte die Krieger, und alle Männer schauten gleichzeitig hinab. In einer Bewegung, die zu glatt und schnell verlief, um Aufmerksamkeit zu erregen, lehnte Maximus sich zur Seite, schlang einen Arm um den Jungen, zog ihn zu sich hinüber auf Scarto und plazierte Asellio zwischen seinen Beinen. Sie ließen die Zügel der anderen Pferde fahren, und die gut trainierten Tiere trabten in der eingespielten Kreisbewegung weiter. Maximus brachte Scarto mit einer sanften Bewegung zum Stehen und lenkte den Hengst einige Stufen hoch zum Eingang des Generalsquartiers, den er offen gelassen hatte. Und mit einem Tritt seines Stiefels waren sie auch schon drinnen. Mit einem Satz war Maximus auch schon von seinem Hengst herunter und verfiel in wilde Aktivität. Mit Asellios Hilfe zerrte, schob, packte und zog er die schweren Einrichtungsgegenstände, die er neben der Tür gestapelt hatte, vor den Eingang, um ihn von innen her zu versperren. Er nutze alles, was er finden konnte und was nur einiges Gewicht hatte und zu bewegen war. Als er nach Scartos Zaumzeug griff, hörte er von draußen den Alarmruf und wußte, daß die Germanen in wenigen Minuten an der Tür sein würden. Er versuchte, seine Stimme frei von Anspannung zu halten, lockte das große Pferd durch das Gebäude und in das Generalsquartier, wo er und Asellio wiederum die Tür verbarrikadierten. Das Hämmern gegen die Außentür klang wie Donnerschläge durch das verlassene Gebäude und verstärkte das Bewußtsein der Flüchtlinge, sich beeilen zu müssen. Trotz der Enge war Maximus überzeugt, daß er das ungesattelte Pferd durch den Tunnel bringen konnte, und zog Scarto in Richtung der Öffnung. Aber das Tier weigerte sich, über die Schwelle der dunklen Höhlung zu treten, und trotz allen guten Zuredens gelang es Maximus nicht, das Pferd zum Eintreten zu bewegen. Maximus gab dem Hengst einen Moment, um sich zu beruhigen; während dessen warf er sich den Brustpanzer um, ohne ihn jedoch festzuschnallen, und schwang den Umhang und die Pelze über seine Schultern. Er sprach in gedämpftem Ton zu seinem Pferd, das weiter vor der Tür zurückscheute. "Bitte, nur das jetzt nicht, Scarto. Das ist der einzige Weg nach draußen, Junge." "Hier, Herr, nimm das." Asellio warf ihm eine Decke zu und Maximus legte sie Scarto über Kopf und Hals, was das Pferd dazu veranlaßte, den Kopf heftig hin und her zu werfen, aber es konnte die Decke nicht abschütteln. Maximus spürte, wie der Körper des Tieres sich langsam entspannte, und er zog den Hengst entschlossen durch die Türöffnung, während er dessen Kopf nach unten geneigt hielt. "Asellio, schnapp dir die Laterne dort und rein in den Tunnel. Ich bin direkt hinter Dir. Sieh zu, daß Du mir nicht zu weit voraus bist, und halte dich immer rechts." Maximus gab dem Tier, dessen Augen bedeckt waren, Zeit, um sicheren Tritt zu finden - trotz der unheilverkündenden Geräusche von der Vordertür, die mit Äxten in Stücke geschlagen wurde, und von Möbelstücken, welche man zur Seite schleuderte. Aber sobald Scarto vollständig im Tunnel verschwunden war, kroch Maximus unter dem Bauch des Pferdes hindurch und schloß die Türen des Schrankes, bevor er auch die Rückwand wieder an ihren Platz zurückschob. Abermals kroch er unter dem Pferd hindurch und richtete sich vor dessen Kopf wieder auf. Seine Hände fanden die Nase des Tieres und er flüsterte ihm sanft und aufmunternd zu, während er den Hengst vorwärtsdrängte. Mit einer Hand an der feuchten Tunnelwand und der anderen Scartos Kopf niederhaltend, damit sich das Tier nicht an der niedrigen Decke stieß, bewegte Maximus sich tiefer in den Tunnel hinein, immer Asellios auf und ab tanzender Laterne nach. Scarto ächzte und zögerte, als die Wände des Tunnels seine Flanken streiften, aber auf Maximus' Drängen hin setzte er sich wieder in Bewegung. Das einzige Geräusch im Tunnel war das Klappern der Pferdehufe, sein gelegentliches Schnauben und die Fußtritte der beiden Soldaten. Wie Maximus gehofft hatte, waren die Germanen durch Maximus' Verschwinden im Schlafzimmer verwirrt, aber er wußte, daß es nicht lange dauern würde, bis sie das Geheimnis des Schrankes entdeckten. Maximus vermutete, daß sie die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, als Asellio aufschrie. Seine Füße waren unerwartet auf Eis gestoßen und er fiel hart hin; auch die Laterne ging zu Boden und zerbrach. Die beiden Männer waren von völliger Finsternis umgeben. Maximus tastete nach dem Jungen und zog ihn an der Tunika hoch. "Ist schon gut, Junge. Halte dich mit den Händen an den Wänden und geh etwas langsamer." "Es tut mir leid, General", sagte Asellio mit tränenerstickter Stimme. Maximus klopfte ihm zur Beruhigung auf die Schulter - obwohl Ruhe das Letzte war, was er im Moment selbst empfand. "Schon gut, Soldat. Die Dunkelheit hat immerhin den Vorteil, daß die Germanen uns auch nicht sehen können. Halte Dich immer rechts und heb die Füße, damit Du auf dem unebenen Boden nicht stolperst. Und flüstere weiter mit mir, damit ich weiß, wo Du gerade bist." Maximus zog dem Pferd die nun überflüssige Decke vom Kopf, und Scarto schüttelte seine dichte Mähne. "Ich fürchte ..." "Hier, ich werde mich an dem einen Ende der Decke festhalten, und Du kannst ..." Maximus Worte gingen in dem Krachen splitternden Holzes unter, das durch den gesamten Tunnel hallte. Die Germanen hatten sie entdeckt. "Vorwärts! Vorwärts!" zischte er Asellio zu. "Halte Dich rechts und bleib nicht stehen, bis Du die Tür erreicht hast." Rufe schallten durch den Tunnel; in ihrer Hast, den Verfolgern zu entkommen, stießen sich die beiden Flüchtenden an den scharfkantigen Felswänden und glitten auf dem rutschigen Boden aus. Ihre Herzen schlugen so heftig, daß sie beinahe nicht mehr atmen konnten. Scarto wieherte jedesmal protestierend, wenn der harte Stein wieder einmal an seinen schon wunden Flanken scheuerte. Maximus hatte keine Vorstellung, wie viele Männer sich inzwischen in dem Tunnel befanden. Das einzige, was sie tun konnten, war, ihre Verfolger abzuschütteln. Licht flutete hinter ihnen durch den Schacht und ihre eigenen seltsam verzerrten Schatten rannten plötzlich vor ihnen her. Aus Sorge, den Jungen vor sich zu verletzen, zögerte Maximus, sein Schwert zu ziehen, aber er wußte, daß er schon bald keine andere Wahl mehr haben würde. Die Chatti-Krieger riefen ihnen nach, ihre gutturalen Laute waren unverständlich, und dennoch war die Bedeutung derselben absolut klar - man forderte sie unzweideutig auf stehenzubleiben. "Lauf weiter", keuchte Maximus. "Wir müssen fast da sein." Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, als Asellio auch schon gegen die dicke Holztür stieß und wie betäubt rückwärts in Maximus' Arme stolperte. Aber dank des Lichtes hatten die German sie bereits eingeholt. "Zurück!" befahl Maximus Scarto, während er gegen die Schultern des Tieres drückte. Das Pferd erkannte Maximus' Tonfall, den es von der Schlacht her gewohnt war; Scarto gehorchte augenblicklich und preßte den ersten Germanen gegen die Tunnelwand. Der Atem des Mannes entwich zischend aus seinen zerquetschten Lungen. Maximus hielt das Pferd in dieser Position, bis der Mann aufhörte zu atmen. Sein Gefährte war dumm genug zu versuchen, auf den Rücken des Pferdes zu rutschen, um zu Maximus auf die andere Seite zu gelangen. Scarto duldete nichts dergleichen, scheute heftig, und der Krieger landete unter den scharfen Hufen des Tieres. Das Pferd zertrampelte den Körper unter ihm erbarmungslos. Da der Weg zu seiner Beute durch den Leib des großen Tieres versperrt war, versuchte ein weiterer Mann, das Hinterteil des Pferdes zur Seite zu schieben. Nun hatte Scarto genug. Er spannte eben jenes kraftvolle Hinterteil an und schlug mit den Hinterfüßen aus, so daß er den Chatti-Krieger an der Brust traf und gegen den Stein schleuderte. Dieser schrie auf und streckte die Hände in dem vergeblichen Versuch von sich, weitere Tritte abzuwehren; aber Scartos Blut kochte, und er fuhr fort auszutreten, bis der Mann leblos zu Boden glitt. Schwer atmend brachte Maximus das Pferd zur Ruhe und lauschte auf die Laute weiterer Männer, aber alles, was er hören konnte, war das furchterfüllte Schluchzen des Jungen, der sich gegen die Tür preßte. Er konnte ihn hören, sah ihn jedoch nicht, da es im Tunnel wieder vollkommen finster war. "Asellio ... Asellio, jetzt ist alles gut. Sie sind tot. Wir sind in Sicherheit." Maximus tastete nach dem Jungen und bekam dessen Arm zu fassen. Er zog das Kind sanft an seine Seite und nahm es in den Arm, während er sagte: "Laß mich das hier nur noch öffnen, und wir sind in Sicherheit." Nach zwei kräftigen Stößen, öffnete sich die Tür knarrend und sanftes Sonnenlicht schien auf den Busch, der den Eingang des Tunnels verbarg. Maximus fiel auf seine Hände und Knie nieder und zerteilte die Zweige. Er blinzelte in das Sonnenlicht, während er vorsichtig nach draußen starrte. Niemand war zu sehen. Grinsend raufte er dem Jungen das Haar und half ihm nach draußen, dann führte er auch Scarto, der widerstandslos folgte, durch das Buschwerk. Maximus wünschte sich nichts mehr, als sein Gesicht der Sonne zuzuwenden und zu warten, bis sein Herzschlag sich beruhigte, aber er fürchtete, daß weitere germanische Krieger ihnen durch den Tunnel folgen würden. Die übrigen, so vermutete er, würden den Wald nach ihnen absuchen. Also ergriff er Scartos Mähne, schwang sich auf den breiten Rücken des Pferdes und hob Asellio hinter sich auf den Hengst. Er wandte das Pferd in die Richtung, die Lucius und Freyda eingeschlagen hatten, und trieb es zur Eile an. Nach einigem Suchen zwischen den dicken Bäumen fand Maximus die unbefestigte Straße und lenkte das Pferd nach Süden. Asellio lehnte erschöpft gegen Maximus' Rücken, sein Körper hing schlaff auf dem Pferd, während er döste; der General schlang sich die Arme des Jungen um die Taille und hielt sie mit einer Hand fest, um zu verhindern, daß das Kind herabglitt. Aber Maximus war hell wach. Der Außenposten lag noch nicht allzuweit hinter ihnen und sie waren noch lange nicht in Sicherheit. Scarto spürte es bereits vor Maximus. Das Pferd legte die Ohren zurück und schnaubte. Maximus blickte über seine Schulter zurück; da er nichts sehen konnte, brachte er das Pferd zum Stehen und wendete es in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Die Straße war leer, bis auf die Singvögel, die zwischen den Baumkronen hin und her schossen und die Stille unterbrachen. Maximus streichelte den Hals des Pferdes. "Was hörst Du, alter Junge?" Scarto tänzelte und schnaubte abermals, während Maximus ein entschieden ungutes Gefühl den Rücken hinaufkriechen spürte. "Asellio, wach auf. Es scheint Ärger zu geben." Der Junge rührte sich schläfrig. "Halt Dich so fest an mir wie du kannst. Verstehst Du?" Asellio nickte gegen Maximus' Rücken, zu ängstlich, auch nur ein Wort zu sagen. Maximus Hand glitt zu dem Schwert an seiner Hüfte, aber er ließ es in seiner Scheide stecken. Plötzlich erhob sich aus den Büschen zu ihrer Rechten ein Schwarm Amseln kreischend in die Luft, ihre heiseren Schreie mischten sich in die Kriegsrufe der furchterregenden Chatti-Krieger, die aus den dicken immergrünen Bäumen zu beiden Seiten der Straße hervorbrachen, mit gezogenen Waffen stürmten sie auf die beiden Flüchtlinge los. Sie ergossen sich aus dem Wald wie die Stromschnellen eines reißenden Flusses und schwangen drohend ihre Schwerter, Speere und Bogen. Maximus riß Scarto herum, trat ihm in die Flanken und trieb ihn zu vollem Galopp an. Speere zischten an ihnen vorbei und Pfeile bohrten sich um sie herum in den Boden. Maximus bereute zutiefst, den Jungen hinter sich gesetzt zu haben, aber es war keine Zeit, jetzt die Plätze zu wechseln. "Halt Dich fest!" schrie er noch einmal. Der starke Hengst vergrößerte schnell den Abstand zwischen ihnen und ihren Verfolgern, aber Maximus wußte, daß das Pferd mit dem zusätzlichen Gewicht des Jungen schnell ermüden würde. Er merkte auch, daß Scarto blutete und das bereits seit einiger Zeit; das warme Blut seiner von den Tunnelwänden zerschundenen Flanken durchtränkte Maximus' Hosenbeine. Außerdem wurde die Straße hügelig, die sanften Erhebungen waren steilen Abhängen und tief eingeschnittenen Tälern gewichen. "Lauf! Lauf!" drängte Maximus sein Reittier, aber das Pferd hatte bereits Schaum vor dem Maul, und seine Flanken hoben und senkten sich wild. Maximus sah keine andere Möglichkeit, als zu versuchen, schneller als ihre Verfolger zu sein. Wenn er die Straße verließe, um sich in den Büschen zu verbergen, würde man sie mit Sicherheit finden. Die Hufe des Hengstes bohrten sich in den Boden, aber Maximus spürte, daß er leicht wankte ... einmal, dann noch einmal. Verzweifelt versuchte der General, einen alternativen Fluchtplan für den Fall zu erstellen, daß das Pferd zusammenbrechen sollte. Scarto kämpfte sich tapfer den steilen Abhang hinauf, sein großes Herz weigerte sich aufzugeben. Maximus sah, daß das Pferd abermals die Ohren spitzte, aber diesmal bewegten sie sich vorwärts. Irgend etwas befand sich auf der anderen Seite des Hügels. Dann hörte es Maximus auch. Das Stampfen von Füßen. Und als er den Gipfel des Hügels erreichte, sah er es: der wundervollste Anblick, der sich ihm je geboten hatte. Der goldene römische Adler glänzte in der Sonne und purpurne Standarten wehten im kühlen Wind vor einem schier unendlichen Strom römischer Soldaten, in voller Rüstung und bereit für den Kampf. Die Signale von Hörnern schallten durch die Luft, als die Legion ihren General wie einen Verrückten auf sich zustürmen sah. Hinter ihm kamen die germanischen Krieger schliddernd zum Stehen, unfähig zu begreifen, was sie vor sich sahen. Ihre Beute war entkommen und nun sicher umgeben von fünftausend Soldaten der Legion Felix III, die augenblicklich in der Mitte der Straße ihre Kampfposition bezog, bereit, bis zum Tod zu kämpfen, um ihren General zu schützen. Und ... in ihrer Mitte ... saß würdig und hoch aufgerichtet auf seinem weißen Hengst ... der göttliche Imperator Marcus Aurelius Antoninus Augustus selbst; sein dünnes, weißes Haar wehte in der steifen Brise, der purpurne Umhang blähte sich über seinem glänzenden kaiserlichen, mit Purpur und Gold verzierten, Brustharnisch. Diese Operation wurde vom Imperator persönlich befehligt. Die Germanen hatten keine Chance. |
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Kapitel 98 Sommer A.D. 179 Während der folgenden achtzehn Monate schlugen Kaiser und General eine Schlacht nach der anderen. Der Grund hierfür lag in Marcus Aurelius' verhängnisvoller Entscheidung, seinen geschätzten General in Feindesland zu schicken, um ein Problem zu lösen, das als relativ geringfügige Streitigkeit in einem unbedeutenden römischen Außenposten begonnen hatte. Der Zwischenfall hatte wie ein Katalysator gewirkt und in den nördlichen Territorien eine Kettenreaktion brutaler Schlachten um Land und kulturelle Unterschiede entfesselt. Maximus hatte es nach seiner Flucht aus dem Außenposten gar nicht erst geschafft, das Basislager in Bonna (Bonn) zu erreichen. Nachdem die ihn verfolgenden Chatti-Krieger gründlich geschlagen worden waren, stand er mit gesenktem Haupt und niedergeschlagenen Augen da, während er von Marcus Aurelius öffentlich getadelt wurde, daß er sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, um sein Pferd zu retten. Als Maximus demütig des Kaisers Vergebung erbat, schloß dieser ihn in eine innige Umarmung; Marcus drückte sein feuchtes Gesicht gegen das seines Generals, der zerbrechliche Körper des alten Mannes zitterte, seine knotigen Knöchel traten weiß hervor, während er Arm und Hals des jüngeren Mannes umklammerte und seinerseits seinen General dafür um Verzeihung bat, ihn in eine solch unsichere und gefährliche Situation geschickt zu haben. Die Männer der Legion Felix III erinnerten sich alle daran, von ihren Vätern im Zorn gescholten worden zu sein, der von Angst geschürt war und von der Erleichterung nach der Rettung vom Rande des Verderbens. Es gab keinen Zweifel an der gegenseitigen Liebe und dem Respekt dieser beiden Männer für einander. Maximus blieb an der Front und führte Schlacht auf Schlacht in den dichten Kiefernwäldern, während der Kaiser zum Basislager zurückkehrte und vergeblich versuchte, einen Frieden mit den Stämmen der vereinigten Chatti, Markomannen und Quaden auszuhandeln. Gerade als es schien, die letzte Schlacht sei gewonnen, entstanden an anderer Stelle neue Konflikte, und der General zog die jeweils vor Ort befindlichen Legionen in jener Gegend zusammen, unterstützt von den allzeit gegenwärtigen und niemals müden Männern der Legion Felix III. Erst im Sommer des Jahres 179 gelang es Maximus, einen so entscheidenden Sieg zu erringen, daß die Germanen sich zurückzogen, um ihre Wunden zu lecken und sich neu zu organisieren, was dem General eine kurze Gnadenfrist in Bonna gewährte. Er war begierig, Lucius und Asellio wiederzusehen und zu erfahren, was aus Freyda geworden war. Auch konnte er es kaum mehr erwarten, die Briefe seiner Frau in Händen zu halten, die sich während seiner Abwesenheit angesammelt hatten, und er wußte, daß sie vor Sorge fast verrückt werden mußte, weil sie keine Antwort von ihm erhielt. Seine Männer bedurften ebenfalls einer Kampfpause, wie kurz sie auch sein mochte; und so kehrten die erschöpften Männer der Legion Felix III an einem schwülen Julinachmittag nach Bonna zurück. Sie waren reif für eine zwar kurze aber ausgiebige Erholungspause. Einige seiner Männer zogen sich zu ihren Familien zurück, während andere es vorzogen, ihre Nächte mit Zechgelagen und Huren zu verbringen. Maximus war es gleich, auf welche Art sie sich erholten, solange sie von einem Augenblick auf den anderen kampfbereit waren. Maximus saß allein in seinem Zelt, das Licht der Öllampe hatte er so weit heruntergedreht, daß es nur sein Gesicht, die Hände und den Schreibtisch beleuchtete. Er ignorierte selbst die summenden Moskitos, die vom Licht der Lampe und den ungeschützten Teilen seines Körpers angelockt wurden. Er zog es so vor, wenn er die Briefe von Olivia las, weil das abgedunkelte Zelt ihm half, Germanien aus seinen Gedanken zu verbannen, und sich - wenigstens für kurze Zeit - vorzustellen, er sei zu Hause in Spanien; morgen würde er ein Feld bestellen, mit seinem Sohn spielen und seine Frau in die Arme schließen. Wieviel lieber würde er dies tun, als wieder über Schmerz und Tod nachdenken zu müssen. Er sehnte sich danach, etwas aufzubauen und nicht zu zerstören. Er wollte Leben bewahren und nicht den Tod gebären. Olivias Briefe halfen ihm, diesen Traum von Spanien lebendig werden zu lassen, und er genoß jedes einzelne Wort, las ihre Zeilen immer und immer wieder, bis er sie beinahe auswendig wußte. Er sehnte sich so sehr nach einen weiteren Kind, daß er den Schmerz in jeder Faser seines Körpers spürte. Er hatte gehofft, die Nachricht von einer neuen Schwangerschaft zu erhalten, nachdem Olivia so viele Monate mit ihm in Germanien verbracht hatte, aber es hatte keine Nachricht gegeben und auch keine freudige Feier der Geburt eines dritten Kindes. Er hatte das Thema in keinem seiner Briefe angeschnitten, weil er wußte, daß Olivia eben so enttäuscht war wie er selbst. Er hatte sich gefragt, als vor zwei Jahren plötzlich keine Briefe mehr von ihr kamen, ob sie möglicherweise eine Fehlgeburt hatte, aber sie hatte ihm versichert, daß dies nicht der Fall gewesen sei. Maximus wußte, daß die Erlebnisse in Germanien für Olivia ein schlimmer Schock gewesen waren, und er vermutete, daß sie beunruhigende Einzelheiten ihres Lebens für sich behielt, um nicht noch mehr zu seiner Belastung beizutragen - ebenso wie er es bei ihr tat. Aber gerade dies veranlaßte ihn, zwischen den Zeilen nach dem zu suchen, was ungesagt blieb, auch wenn der Ton ihrer Briefe positiv und aufbauend gehalten war. Sie fügte Zeichnungen ihres Sohnes bei, der mit erstaunlicher Schnelligkeit heranwuchs. Sie sagte, daß er gesund und glücklich sei, seinen Vater jedoch sehr vermisse. Olivia hatte sogar einige kindliche Werke von Marcus mitgeschickt . Eines stellte Maximus dar, und er lachte schallend, als er sich selbst mit den Augen seines Sohnes sah: ganz Umhang, Pelze, Bart und Augen, ein breites, dümmliches Grinsen und Arme, aufgebläht mit Muskeln. Einer seiner Hengste stand neben ihm - eher ein Strichmännchen - und beträchtlich kleiner als der bedeutende Vater. Nachdem er jedes noch so kleine Detail der Zeichnungen studiert hatte, verstaute Maximus sie sicher in einem Paket, das er in seine "Schatztruhe" legen wollte, sobald er nach Vindobona zurückkehren würde. Der einzige Schatten, der die Freude am Lesen von Olivias Briefen trübte, war deren beständiges Bohren nach Informationen über Maximus' Heimkehr. Er versuchte zu betonen, daß es noch eine Weile dauern würde ... vielleicht nicht vor der Erntezeit ..., doch er wußte, daß auch dies unmöglich wäre. Es war schon zwei und ein halbes Jahr her, seit er seine Familie das letztemal gesehen hatte, und er wollte seiner Frau ein wenig Hoffnung lassen, daß er bald wieder bei ihnen sein würde. Er sehnte sich nach Hause ..., sehnte sich nach seiner Frau und seinem Sohn ..., und der Schmerz wurde noch tiefer, wenn er Lucius und dessen Familie besuchte. Lucius hatte sich mit Erika und den vier Kindern ihrer Familie in dem Dorf Bonna niedergelassen. Und in dieser Familie hatte es noch einen Neuzugang gegeben. Asellio war nun ihr ältester Sohn, und er blühte in der liebevollen Atmosphäre des überfüllten kleinen Hauses regelrecht auf. Maximus hatte es arrangiert, daß Lucius in die reguläre Armee übernommen wurde; all seine Jahre bei der Hilfstruppe hatten ihm eine Beförderung eingebracht, und durch die damit verbundene Erhöhung seines Soldes konnte er seiner Familie einen einfachen aber angenehmen Lebensstil ermöglichen. Er war als offizieller Übersetzer tätig, sowohl für die Offiziere der Armee als auch für die Würdenträger, die Bonn besuchten und seiner Dienste bedurften. Anders als Maximus hatte er seine Familie nie für einen längeren Zeitraum als ein paar Wochen verlassen. Was Freyda betrifft: sie hatte keine Zeit vergeudet und sich einer Gruppe von Kaufleuten angeschlossen, die nach Süden zogen. Wahrscheinlich war sie inzwischen bereits in der Nähe von Rom ... immer einfallsreich und immer auf der Suche. Eines abends saßen Maximus und Quintus mit Asellio, Lucius und Erika beim Essen, deren jüngste Tochter auf den Knien ihrer Mutter balancierte. Die drei älteren Kinder waren bereits satt und spielten nun lärmend nebenan. Maximus war vollkommen entspannt; er badete in den glücklichen Kinderstimmen, auch wenn dies seinem Herzen einen weiteren Stich versetzte und die Sehnsucht wachsen ließ. Er schaute das Baby auf Erikas Schoß an. Das Kind mit den rosigen Wangen und blauen Augen hatte auf seinem Köpfchen eine zarte Wolke feinen, buttergelben Haares, welches sein pausbäckiges Gesicht umrahmte. Das kleine Mädchen saß da mit großen Augen, zwei Finger in den Mund gesteckt, und beobachtete den ihr am nächsten sitzenden Tischgenossen, Quintus. Das Baby hatte vorsichtig eine kleine Hand nach dem Legaten ausgestreckt, aber der war vor den klebrigen Fingerchen ein wenig zurückgewichen, und so starrte sie ihn nun mit geteilten Gefühlen an, die sich auf ihrem süßen Gesicht spiegelten. Sie war sich nicht sicher, ob sie diesen unzugänglichen Mann fürchten sollte oder nicht, aber offenbar beschloß sie, so lange sicher zu sein, wie sie das Knie ihrer Mutter unter ihrem Popo und deren Brüste an ihrem Rücken spürte. Alles war friedlich und heiter, bis Erika beschloß, noch mehr Wein aus dem Keller zu holen. Die Frau blickte auf den leeren Stuhl ihres Mannes; dieser war jedoch immer noch damit beschäftigt, zwei der Kinder zu trennen, deren freundschaftliches Spiel plötzlich zu einer regelrechten Schlacht ausgeartet war. Also nahm sie das Baby und setzte es auf den nächstgelegenen Schoß - Quintus' Schoß - bevor sie davonhastete, um ihrer hausfraulichen Pflicht nachzukommen. Verwirrt durch den plötzliche Wechsel seines Aufenthaltsortes, blinzelte das Kind aufgeregt, und seine Augen weiteten sich. Wie der Ausdruck im Gesicht des Kindes, so änderte sich auch jener auf Maximus' Zügen: ein Grinsen begann, sich über sein Gesicht auszubreiten, während er beobachtete, wie Quintus das Baby steif unter den Armen hielt und es auf der äußersten Kante seiner Knie balancierte, so weit weg von seinem Körper, wie nur eben möglich. Quintus konnte die Explosion nicht kommen sehen - aber Maximus konnte es. Das Baby öffnete plötzlich den Mund und schrie, das Gesicht des kleinen Mädchens färbte sich zuerst rot, dann purpur. Quintus wußte nicht mehr ein noch aus, er wippte heftig mit den Knien und hoffte, so das Kind zu beruhigen; statt dessen wurde die Kleine so durchgeschüttelt, als säße sie auf einem wilden, bockenden Hengst. Sie mäßigte ihr Schreien nur, um tief Luft zu holen und neue Kraft für weiteren, lautstarken Protest zu sammeln. Der Farbton von Quintus' eigenem Gesicht war dem des Babys inzwischen verdächtig ähnlich geworden. "Gib sie mir", sagte Maximus und streckte seine Arme aus. Quintus vergeudete keine Zeit, sich des schreienden Bündels zu entledigen, welches sich vor Unbehagen so versteift hatte wie er selbst. Inzwischen waren Erika und Lucius zum Tisch zurückgeeilt. "Ich nehme sie, Maximus", sagte Erika und langte nach dem Baby. Aber Maximus hatte das verängstigte Kind bereits in seine Armbeuge gelegt, schmiegte sie fest an seine Brust und schickte Erika mit einem Handzeichen weg. "Ich komm schon zurecht", lächelte er. "Ich wünschte, man könnte alle Probleme so leicht lösen." Maximus trug eine schlichte weiße Tunika und hatte die Stiefel gegen luftigere Sandalen getauscht; das Baby kuschelte sich zwischen den weichen Stoff und Maximus' nackten Arm. "Wie heißt sie?" fragte er und wiegte sie sanft, seine großen Hände liebkosten die seidigen Locken des Kinderköpfchens, welches unter diesen großen Händen fast ganz verschwand. Die Kleine war bereits ruhiger geworden, ihre Schreie hatten sich in ein leises Wimmern verwandelt, das nur gelegentlich von einem Schluckkauf unterbrochen wurde. "Isolde", sagte Lucius, der Maximus nachdenklich beobachtete. "Sie scheint Dich zu mögen." "Ich mag sie", antwortete Maximus zärtlich, und er war sich wohl bewußt, daß seine tiefe Stimme in seinem Brustkorb vibrierte - und auch in Isoldes Ohr. Sie schien dieses Vibrieren beruhigend zu finden, schmiegte sich noch enger an Maximus, steckte einen Daumen in ihren Mund und war endlich zufrieden. Der General zog die Schulter hoch und hielt das Baby näher an sein Gesicht; er vergrub die Nase im Haar des kleinen Mädchens und atmete tief ein. Erika lächelte wissend, doch Quintus blieb distanziert. "Mmmm, sie riecht so wunderbar", murmelte Maximus. "Babys haben so einen unglaublichen ... Babygeruch." Quintus rümpfte die Nase. "Nein", sagte Maximus ärgerlich. "Nicht diesen Geruch. Ich meine ...", er suchte nach den passenden Worten, "... einen Babygeruch." Er beobachtete Quintus, der seinerseits die Öllampe auf dem Tisch fasziniert betrachtete. "Quintus, ist nicht Deine Clara im gleichen Alter? Du solltest Isolde halten. Du brauchst offensichtlich etwas Übung." Maximus verlieh seinen Worten absichtlich einen leicht neckenden Unterton, aber Quintus Züge verhärteten sich. Maximus und Lucius tauschten einen Blick aus. Das Wiedersehen der drei Jugendfreunde war - gelinde gesagt - angespannt verlaufen und dies trotz der warmen Atmosphäre, die Lucius' zwanglose Gastfreundschaft verbreitete. Den ganzen Abend war Maximus bemüht gewesen, sich Quintus' distanzierte Haltung zu erklären, und er fragte sich, ob jener - die einzig hochgeborene Person in ihrem Kreis - auch der am wenigsten Zufriedene von ihnen dreien sein mochte. Lucius hatte in seiner Militärlaufbahn nicht viel erreicht, aber dies wurde mehr als genug durch die Hingabe an seine große Familie wieder gutgemacht. Maximus dagegen hatte sogar beides, eine erfolgreiche militärische Laufbahn und eine liebevolle Familie. Quintus hatte dagegen weder die angestrebte Position innerhalb der Armee erreicht, noch hatte er eine Familie - seine junge Frau war tot und sein Kind, ein Mädchen, im fernen Rom hatte er nie gesehen. Maximus kam zu dem Schluß, daß Quintus an einer tiefen Unzufriedenheit litt, die sich auf alle Bereiche seines Lebens erstreckte. Doch Maximus wußte nicht, was er dagegen tun könnte, oder ob er überhaupt etwas tun könnte. Quintus sah Maximus und das Baby an, dessen Köpfchen im Schlaf auf seine Brust gesunken war. Den ganzen Abend über hatte der Junge, Asellio, Maximus auf eine Art still beobachtet, die man beinahe als Anbetung bezeichnen könnte. Lucius hatte einige Male den Kopf mit dem General zusammengesteckt, um persönliche Worte mit ihm zu wechseln. Erika hatte viel Aufhebens darum gemacht, daß Maximus sich wohl fühlte, sich um sein Essen und Trinken gesorgt, als ob sein Wohlergehen das Wichtigste in ihrem Leben sei. Und nun hatte er auch noch ein schreiendes Baby bezaubert - ein Baby, das ruhig und zufrieden gewesen war, bis er, Quintus, es in den Arm genommen hatte. Dieser erhob sich jäh. "Ich bin müde. Wenn Ihr mich entschuldigen wollt, ich werde zurück ins Lager gehen." Maximus erhob sich halb und drückte Isolde gegen seine Brust. "Quintus ... bleib. Die Nacht ist noch jung." "Bleib", sagte auch Lucius. "Bitte. Wir haben noch so viel nachzuholen." Aber Quintus war bereits auf dem Weg zur Tür. "Ich sagte bereits, daß ich müde bin." Er brachte ein freudloses Lächeln zustande. "Lucius, ... ich bin sicher, ich sehe Dich noch, bevor wir aufbrechen. Herrin", er verneigte sich leicht vor Erika, "ich danke Dir vielmals, daß Du mich in Deinem Hause willkommen geheißen hast." Und schon war er mit einer raschen Bewegung zur Tür hinaus, und jeder weitere Überredungsversuch war zwecklos. "O weh", sagte Erika und sank auf ihren Platz zurück. Sie wandte sich Maximus zu. "Haben wir ihn irgendwie beleidigt?" Lucius schenkte Maximus Wein nach, und Erika entzündete noch ein paar zusätzliche Lampen, da das graue Abendlicht in dem kleinen Hof der Dunkelheit gewichen war. Danach ging sie, um die jüngeren Kinder ins Bett zu scheuchen. Asellio blieb mit den beiden Männern am Tisch sitzen, immer noch still, immer noch überwältigt von dem Mann neben ihm. Der Junge war überrascht, wie viel jünger der General aussah, wie er da im milden Abendlicht in ziviler Kleidung saß und ein Baby im Arm hielt. Er war jung und stark und gutaussehend und entspannt und ... zugänglich. Nicht weich, entschied Asellio ... auf keinen Fall weich. Aber doch ganz entschieden zugänglich. Als Maximus den Becher an seine Lippen hob, sagte Lucius: "Quintus' seelisches Wohlergehen liegt nicht in Deiner Verantwortung, Maximus. Er ist nie glücklich gewesen und wahrscheinlich wird er es auch nie sein. Er wird immer nach etwas verlangen, was außerhalb seiner Reichweite liegt." "Ich fühle mich nicht verantwortlich für sein seelisches Wohlergehen." "Doch, das tust Du." "Nun, falls ich es tue, dann deshalb, weil er in meiner Legion eine wichtige Position einnimmt, und er trifft Entscheidungen über Leben und Tod, wenn ich dazu nicht in der Lage bin. Ein Mann, der mit seinem Schicksal hadert, ist nicht ein Mann, der in schwierigen Situationen das beste Urteilsvermögen besitzt." "Dann ist er ein gefährlicher Mann, wenn er so viel Macht besitzt." "Lucius, so einfach ist das nicht." "Sag mir eins, Maximus. Wenn du wüßtest, daß Du morgen sterben würdest, und du hättest die Möglichkeit, Deinen Nachfolger zu wählen ... würde er es sein?" Maximus wandte seinen Blick ab, und seine Gedanken kehrten zu einer Zeit zurück, in der er Quintus nicht voll vertraute. "Nein", sagte er schlicht. "Würde nicht genau das passieren ... Quintus würde Dein Nachfolger werden?? "Er nähme meinen Platz vorübergehend ein, bis mein Nachfolger durch den Kaiser ernannt würde. Marcus Aurelius kann den Charakter eines Menschen hervorragend beurteilen, Lucius. Er würde die richtige Entscheidung treffen." "Hat Marcus Aurelius dich zum General ernannt, Herr?" Asellio hatte endlich entschieden, an der Unterhaltung teilzunehmen. Maximus drehte sich um und lächelte den Jungen an, seine Augenwinkel zogen sich ein wenig nach unten, und wie immer, wenn er lächelte, zeigten sich kleine Fältchen um dieselben. "Das hat er." "Das beweist mir, daß Du mit Deiner Bemerkung über das gute Urteilsvermögen des Kaisers recht hast." Asellio lächelte scheu. Maximus zauste dem Jungen das Haar, dann versetzte er ihm einen spielerischen Stoß. "Das tut es, nicht wahr?" Asellio grinste nur. Aber Lucius war nicht so leicht zufriedenzustellen. "Was, wenn Dir und dem Kaiser gleichzeitig etwas passieren sollte? Ihr könntet beide in der selben Schlacht getötet werden." "Was, wenn. Was, wenn", neckte Maximus Lucius. "Was, wenn die Berge schmelzen würden? Was, wenn es mitten im Juli schneien würde? Was, wenn das Wasser der Donau sich in Wein verwandeln würde?" Lucius rümpfte die Nase, verärgert, daß der Freund seine Befürchtungen nicht ernst nahm. Maximus bemühte sich, Lucius zu beruhigen. "Ich habe Quintus auf die Probe gestellt, indem ich ihm für lange Zeitabschnitte die Verantwortung für die Legion übertrug, während ich abwesend war. Er hat sich wacker geschlagen." "Er wußte genau, daß Du - trotz Deiner Abwesenheit - immer noch der Chef warst. Er wußte, daß er sich vor Dir verantworten müßte, falls er etwas ganz Dummes anstellte." Lucius hing nachlässig in seinem Stuhl, streckte die Beine aus und kreuzte die Fußgelenke. Er blickte Maximus von der Seite an. "Willst Du mir sagen, daß Du ihm vollständig vertraust?" "Nein, aber es gibt nur wenige Männer, denen ich vollständig vertraue." "Bin ich einer von denen?" "Ja ... sonst würden wir nicht dieses Gespräch führen." Maximus wandte sich an Asellio. "Du verstehst doch, daß alles, was wir hier besprechen, innerhalb dieser vier Wände bleiben muß, mein Sohn?" "Ja, Herr", nickte Asellio heftig; es lag ihm mehr als alles andere daran, einen guten Eindruck auf diesen Mann zu machen. Erika kam zurück und trat an Maximus' Seite, um das Kind aus seinem Arm zu nehmen. "Es ist schon längst Zeit für sie schlafen zu gehen, Maximus." "Aber sie schläft doch", protestierte er und gab das süße, warme Baby nur äußerst widerstrebend her. Erika hob vielsagend eine Augenbraue und stemmte die Hände in ihre üppigen Hüften. Maximus küßte zärtlich Isoldes Locken, nahm sie dann sanft in seine großen Hände und übergab sie ihrer Mutter - ein langer silberner Speichelfaden aus dem Mund des Kindes blieb an seiner Hand hängen. Maximus wischte ihn einfach an seiner Tunika ab; seine Augen hingen immer noch an dem schlafenden Kind, während Erika es hinaustrug. "Du mußt nach Hause gehen." "Hmmm?" fragte Maximus abwesend. "Du mußt nach Hause gehen", wiederholte Lucius, "... Deine Frau wiedersehen und Deinen Sohn. Und mehr Babies haben. Wie lange ist es schon her?" "Zwei und ein halbes Jahr ... dreißig Monate ... einhundertdreißig Wochen ... eine lange Zeit, ganz gleich, wie Du sie zählst." "Weißt du, wie viele Tage und Stunden?" lächelte Lucius. "Ja." Und in Maximus' Antwort lag kein Humor. Die Stunden waren so unauslöschlich in sein Gedächtnis eingeschrieben, als hätte man sie in eine Steinmauer geritzt. "Das ist zu lange, Maximus." Aus dem Schlafzimmer drang Erikas Stimme zu ihnen, zärtlich und doch fest: "Asellio, es ist Zeit zum Schlafengehen." Der Junge schnitt eine Grimasse, sagte jedoch gute Nacht und erhielt das Versprechen, daß er Maximus bald wiedersehen würde. Als sich die Tür hinter dem Jungen geschlossen hatte, lehnte Maximus sich in seinem Stuhl vor und sagte mit leiser Stimme: "Wenn dieser Krieg einmal vorüber ist, dann, glaube ich, wird der Norden dauerhaft befriedet sein. Ich beabsichtige, den Kaiser zu bitten, mich zu entlassen, damit ich nach Hause zurückkehren kann ... endgültig. Ich möchte meinen Abschied von der Armee nehmen. Ich habe so viel Töten erlebt, daß es für viele Leben ausreichen würde." Lucius legte seine Hand auf Maximus' viel größere, die auf der Armlehne des Stuhles ruhte. "Du verdienst es. Kein Soldat hat je mehr für die Armee gegeben als Du. Ich bin sicher, daß er Dich gehen lassen wird." Maximus nickte, aber seine Augen wanderten durch den Raum und sein Blick heftete sich auf die Wand, bis die grauen Steine zu undeutlichen Schatten verschwammen. Würde der Kaiser ihm den Abschied gewähren? Würde Rom ihn jemals aus ihrem eisernen Griff entlassen? |
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Kapitel 99 - Später November A.D. 179 Maximus saß in seinem gut ausgestatteten Zelt im Basislager ungefähr eine Meile von der Frontlinie entfernt, die jetzt nur noch wenige Stunden nördlich von Vindobona verlief. Er hielt einen Brief seines Kaisers in Händen und ein irritiertes Stirnrunzeln zeichnete die so typische Furche auf seine Stirn. Obwohl der Krieg in seine letzte Phase eintrat, hatte Marcus es vorgezogen, ohne eine Erklärung in Vindobona zu bleiben. Er versicherte Maximus, daß er volles Vertrauen in dessen Fähigkeiten hätte, Operationen selbstständig zu leiten, daß er jedoch um keinen Preis die Entscheidungsschlacht versäumen werde. Er wollte persönlich die Schlacht beobachten, die endlich dem Reich Frieden bringen sollte. Marcus' Briefe waren voll des Lobes und der Ermutigung für seinen General, aber sie ließen Maximus eher verstört und unzufrieden zurück, als daß er sich durch dieselben bestärkt fühlte. "Ist irgend etwas nicht in Ordnung, Herr?" fragte Cicero. Der Dampf, der von der Platte, die er in den Händen trug, aufstieg, bildete in der kalten Luft eine kleine Wolke um seinen Kopf. Er stellte Maximus' Abendessen vor ihn auf den Tisch, da er wußte, daß der General es vorzog, an den Abenden vor einer Schlacht allein zu speisen, um seine Gedanken sammeln zu können. Cicero wandte sich ab, um Maximus etwas Wein einzuschenken, unsicher, ob er eine Antwort auf seine Frage erhalten würde und auch völlig unbesorgt, ob er sie erhielt oder nicht. Er würde nicht drängen. Er wollte Maximus nur wissen lassen, daß er sich der Gefühle seines Generals immer bewußt war, und daß er gern bereit wäre, sie mit ihm zu teilen, falls Maximus danach zumute wäre. Maximus ließ die Hand, welche immer noch den Brief umklammert hielt, in den Schoß sinken, die andere legte er auf den Kopf des großen grauen Hundes, dessen Kinn auf dem Knie seines Herren ruhte, denn auch er spürte Maximus' Unruhe und versuchte, ihn zu trösten. Hercules' Nase zuckte, als das Essen über seinen Kopf gereicht wurde, und die lange rosa Zunge schoß aus seinem Maul, um den Speichel aufzufangen, der sich ungebeten auf seinen schwarzen Lefzen sammelte. Er machte jedoch keine weitere Bewegung und war es zufrieden, darauf zu warten, daß Maximus seine Malzeit mit ihm teilte - er wußte, daß sein Herr dies tun würde. In der Zwischenzeit wollte er es genießen, hinter den Ohren gekrault zu werden und das kräftige Bein seines Herrn unter seinem Kopf und an seiner Brust zu spüren. Maximus schaute seinen Freund an und seufzte. "Ich weiß nicht, Cicero. Es sieht dem Kaiser gar nicht ähnlich, die Schlacht zu meiden. Als er noch ein junger Mann war, führte er das Kommando persönlich vom Rücken seines Hengstes, und nun sitzt er in Vindobona und vertraut alles mir an. Ich fürchte, daß er irgend etwas vor mir verheimlicht." "Er ist alt, Herr, und vielleicht müde." Cicero war sich nicht sicher, ob diese Worte so beruhigend klangen wie er es beabsichtigte. Maximus legte den Brief zur Seite und nahm die Gabel in die Hand; abwesend schob er das Essen auf dem Teller hin und her, sein Magen war zu aufgeregt, um Hunger zu verspüren. "Ja ... aber wir haben in der letzten Zeit eine Anzahl bedeutender Siege errungen und in ein paar Wochen könnten wir das erreichen, wonach Marcus zwanzig Jahre lang gestrebt hat - Frieden im Reich. Man kann es sich nur schwer vorstellen, Cicero, nicht wahr? Friede. Kein Töten mehr. Der Caesar sollte hier sein, um das Ende dieses Krieges mitzuerleben. Ich kann nicht glauben, daß er das verpassen will." "Er weiß, daß du es ohne ihn schaffen wirst." Cicero setzte sich nahe neben Maximus auf einen Stuhl, denn er spürte dessen Bedürfnis zu reden. "Ich ... ich brauche ihn hier. Ich brauche seinen Rat. Es reicht nicht aus, nur über Briefe zu kommunizieren. Ich habe ihn nun schon seit dem letzten Frühjahr nicht mehr gesehen." Maximus starrte wieder auf den Papyrus. "Ich brauche seine Gesellschaft", sagte er, und seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. "Ich nehme an, daß ich ihn einfach nur vermisse." Er lächelte verächtlich. "Vielleicht möchte ich ihm mein Geschenk des Friedens auch persönlich überreichen ... möchte hören, wieviel es ihm bedeutet." "Du liebst ihn sehr, nicht wahr?" Maximus antwortete nicht. Das mußte er auch nicht. Er verschränkte einfach die Hände unter dem Kinn und starrte auf die Kerzen neben seinem Teller, das Licht flackerte auf den Speisen, die bald ihren Weg zu Hercules finden würden. Der Hund stupste ihn ans Knie - nur zur Erinnerung. Cicero beobachtete seinen General aufmerksam ... die gerunzelte Stirn, die unter den Lidern fast verborgenen Augen, die nach vorn gesunkenen Schultern. Vorsichtig machte er einen Vorschlag. "Vielleicht wünscht sich der Kaiser nur, daß Du ihm das sagst. Ihm sagst, daß Du ihn brauchst. Manchmal wirkst Du so stark, daß die Leute glauben, Du brauchtest niemanden." Maximus blickte Cicero überrascht an, die Frage stand in seinen Augen. "Sehen mich die Leute wirklich so?" Cicero nickte. "Du auch?" fragte ihn der General. "Du bist stark, aber ich sehe auch eine andere Seite von Dir ... eine Seite, die den meisten verborgen bleibt. Ich habe Dich mit Deinem kleinen Jungen spielen sehen, habe Dich schwierige Briefe Deiner Frau lesen und beantworten sehen, habe gesehen, wie Du Dich mit Schlachtplänen abgequält, wie Du getrauert hast über den Verlust Deiner gefallenen Männer. Hier ...", Cicero schob den Teller näher zu Maximus hin. "Iß Dein Abendbrot, bevor es ganz kalt wird ..., dann schreib an den Kaiser und sag ihm, was Du empfindest, und daß Du ihn hier brauchst. " Cicero faßte Maximus am Arm und schaute ernst in die sorgenvollen blauen Augen. "Für Dich wird er kommen, ganz gleich, was für Schwierigkeiten er hat." Januar, A.D. 180 Maximus Decimus Meridius stand auf dem abgebrannten Feld tief im Kiefernwald nördlich von Vindobona. Schwarze Stümpfe ragten aus der kahlen Landschaft, wo sich majestätische grüne Bäume noch vor wenigen Tagen im stürmischen Wind gewiegt hatten. Schneeflocken wirbelten, vermischt mit weißer Asche, durch die Luft, und es war schwer, das Neue und Frische vom Alten und Toten an diesem eisigen Januarmorgen in dem noch jungen Jahr 180 zu unterscheiden. Er sollte sich in Hochstimmung befinden, dachte er, aber statt dessen empfand er nur Furcht vor dem, was die kommenden Wochen bringen würden. Er und seine Männer waren in den letzten Monaten über Germanien siegreich hinweggestürmt, ihre Kraft und Energie wurden angefeuert durch das Bewußtsein, daß es fast vorüber war, daß nur noch wenige Widerstandsnester verblieben waren, und die letzte Schlacht unmittelbar bevor stand. Heute könnte der Tag sein, der dem Reich endgültig Frieden bringen würde. Er sollte sich in Hochstimmung befinden. Aber er tat es nicht. Auf einem Hügel oberhalb des Schlachtfeldes, auf dem seine Männer ihre Positionen bezogen und auf die Befehle ihres Generals warteten, saß Marcus Aurelius aufrecht auf seinem weißen Hengst, seine schmale Gestalt war gegen den beißenden Wind in einen schweren Umhang gehüllt. Maximus war entsetzt, als er seinen Kaiser vor einer Woche zum erstenmal seit fast zehn Monaten wiedergesehen hatte. Wie zerbrechlich er war! Wie kränklich. Sein unbesiegbarer Kaiser war ganz offensichtlich nicht länger unbesiegbar. Als Maximus ihn umarmte, fürchtete er, die spröden Knochen des alten Mannes könnten brechen. Es war klar, daß er sterben, daß sein Tod dem Reich eine schreckliche neue Herrschaft bescheren und in Maximus' Herz eine klaffende Wunde hinterlassen würde, die mit nichts zu vergleichen war, was er jemals zuvor durchlitten hatte. Selbst jetzt fühlte er, wie seine Brust sich schmerzhaft zusammenzog, wenn er an den Verlust jenes Mannes dachte, den er wie einen Vater liebte. Und wenn dies geschähe, dann hätte Commodus unumschränkte Macht - würde er ein verantwortungsloser, boshafter, gefährlicher Kaiser - und Maximus wußte bereits, daß er einem solchen Mann niemals dienen könnte, selbst wenn er die Chance haben sollte, die Situation zu ändern. Dies wäre mit Sicherheit nur auf eine Art möglich, die er niemals akzeptieren könnte. Er würde Marcus um seinen Abschied bitten und zu seiner Familie nach Spanien zurückkehren - würde vor dem unausweichlichen Tod seines geliebten Kaisers davonlaufen. Er hatte sich niemals als Feigling gesehen, aber der Gedanke, mit ansehen zu müssen, wie Marcus langsam dahinschwand und starb, gleich einem Eichenblatt im Frost des Herbstes, war mehr als er ertragen konnte. Maximus hatte schon einen Vater verloren; den Tod eines weiteren mit anzusehen, ging über seine Kräfte. Er würde nach Hause zurückkehren, wo er hingehörte, in die tröstenden Arme seiner liebenden Frau und zu seinem Sohn, würde sein unterbrochenes Leben als Bauer wieder aufnehmen. Er würde weitere Kinder zeugen, zusehen, wie sie glücklich, stark und gesund heranwüchsen, sich an seinen Enkelkindern erfreuen und - wenn es der Wille der Götter sein sollte - auch an seinen Urenkeln. Maximus betrachtete die verbrannte Erde zu seinen Füßen, und mit der Spitze seines abgetragenen staubigen Stiefels scharrte er ein wenig von dem Schmutz und der Asche beiseite, auf der Suche nach einem Lebenszeichen an diesem verfluchten Ort. Ein zarter grüner Schößling war alles, was er zu finden hoffte. Nur ein Zeichen, daß noch etwas in dieser toten und verwüsteten Erde lebendig war ... sie wieder zum Leben erwecken würde ... daß auch sein Leben sich erneuern, wieder jung werden würde. Er fand keinen Schößling. Statt dessen drang beißender Rauch an seine Nase, seine Kehle brannte, der Qualm reizte seine Augen und sie tränten. Er versuchte sich einzureden, daß der Rauch die Ursache für die unvergossenen Tränen war, die alles vor seinem Blick verschwimmen ließen. Er blinzelte, um den Schmerz in den Augen zu lindern und schluckte heftig. Seine Männer, das wußte er, waren bereit für die letzte Schlacht, und auch für sie war die Heimat greifbar nahe. Sie waren bereit, jedem Wink ihres tapferen Generals zu folgen, jeden Befehl augenblicklich auszuführen - dieser Mann hatte sie Schlacht auf Schlacht sicher geführt. Sie glaubten daran, daß er diesen endlosen Krieg beenden und sie alle nach Hause bringen würde. Aber all das lag in der Zukunft, wie nah oder fern diese auch immer sein mochte, und nun mußten sie sich auf die Aufgabe konzentrieren, die unmittelbar vor ihnen lag, die letzte entscheidende Schlacht - und auch Maximus tat dies. Er straffte die Schultern und spürte das beruhigende Gewicht der Abzeichen seines Ranges - seinen reichverzierten Brustpanzer, den Umhang, die Pelze. Langsam hob er den Kopf und konzentrierte seine Gedanken auf die bevorstehende Schlacht. Er tat einen tiefen, beruhigenden Atemzug, dann wandte er sich ab, hielt jedoch inne, denn ein winziger Farbtupfer hatte in der grauen, öden Landschaft seine Aufmerksamkeit erregt. Es war ein Rotkehlchen, ein sehr kleines, an einem Ort, wo es noch viel zu früh im Jahr für Rotkehlchen war. Es hockte auf einem kahlen Ast und schaukelte im kalten Wind leicht auf und ab. Offenbar bemerkte es die Verwüstung nicht, die ihre verheerenden Spuren hinterlassen hatte, ebenso wenig schien es sich der Gewalt bewußt zu sein, die in Kürze hier losbrechen sollte. Ein Lächeln spielte um Maximus' Mundwinkel, als er diesen Hauch von Schönheit und Leben zwischen den Trümmern entdeckte. Während er das Tierchen noch beobachtete, schlug es mit seinen kleinen Flügeln und flog zur rechten Seite davon. Ein gutes Zeichen, dachte Maximus, lächelte und schaute ihm nach, bis der bleierne Winterhimmel den kleinen Körper verschluckte. Ein gutes Zeichen, stellte er nochmals fest und schob alle Gedanken beiseite - bis auf jenen an die vor ihm liegende Aufgabe: die bevorstehende Schlacht zu gewinnen. Seine Züge verhärteten sich zu der undurchdringlichen Maske, die der Feind so fürchtete. Gefühllos und undurchdringlich signalisierte sie der Welt, daß er bereit war, sich jedem Hindernis zu stellen und es zu vernichten, wenn es zwischen ihn und das Ziel trat, das er erreichen wollte. Er wandte sich so schwungvoll um, daß sein langer Umhang um seine Knie wirbelte, und ging über das triste Feld zurück zu seinen Männern, die seine Befehle erwarteten ... und zu dem Kaiser, den er so innig liebte. Für ihn würde Maximus mit Freuden das eigene Leben auf dem Schlachtfeld opfern, um dem sterbenden Mann den letzten Wunsch zu erfüllen - Frieden und Sicherheit für das römische Imperium.
Finis |
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