Gerechtigkeit/justice
by MsMAC
demin-blues figments

Übersetzung Barbara Müller

Kapitel 1

Stens sagte immer, ich wüsste nicht, wie man Spaß hat. „Betrink Dich, Kleiner,“ sagte er immer. „Find eine Schnalle für Dich. Versuch, etwas Spaß zu haben.“

Als ich vom Streifendienst hier hoch kam, dachte ich zuerst, dass, wer immer mich als Partner kriegen würde, nichts sehr glücklich darüber sein dürfte. Aber Stens schien es nichts auszumachen. Außer, dass er von Anfang an sagte, ich sei zu ernst. 
Und er mochte meinen Namen nicht.

„Wendell,“ sagte er immer. „Wendell! Was, zur Hölle, ist Wendell für eine Name für einen Cop? ...Wendell...“ Er schüttelte den Kopf. „Die bösen Jungs werden über uns lachen, Kleiner.“

Und so war ich für etwa ein Jahr der „Kleine“.

„Eine Schnalle finden“ war einfacher gesagt als getan. Die Kellnerin im Keystone, wo ich zu Mittag aß, war verheiratet. Die Verkäuferin im Lebensmittelladen war nur etwa 1, 20 m groß (ich dachte kurzzeitig trotzdem darüber nach, sie auszuführen), und die Mädchen, die im Formosa rumhingen, waren zu teuer. Andere Frauen kannte ich nicht.

Stensland hatte nie Schwierigkeiten damit, Frauen zu finden; es war immer eine zur Stelle, wenn er eine wollte. Ich bin nie hinter sein Geheimnis gekommen, in der ganzen Zeit, in der wir Partner waren. Ich fragte ihn einmal, wie er das anstellen würde; er lachte nur und sagte: „ Das kann ich Dir nicht beibringen, Kleiner.“

Er brachte mir so ziemlich alles andere bei.

Und er war es auch, der mich mit Rhonda bekannt machte. Genauer gesagt ging er mit einer kleinen Blonden, ich glaube, ihr Name war Louise. Rhonda war ihre Stiefschwester und gerade her gezogen. Louise wollte, dass Stensland Rhonda mit jemanden verkuppelte. So was wie ein doppeltes Date.

„Komm schon, Kleiner, ab und zu musst Du auch mal was anderes machen als nur böse Jungs verhaften.“

„Lass mich in Ruhe, Stens.“

„Hast Du was besseres vor?“

Ich sah ihn nur an.

„Du wirst noch vergessen, wie man es macht, Kleiner.“

„Was, böse Jungs verhaften?“

Er lachte und schlug mir auf den Rücken. „Hilf mir, wenn Louise Babysitten muss, komme ich nicht zum Zuge.“

Und so kam es, dass ich mitging. Stens fuhr, und wir gingen in die Stadt zum Essen. Wir hätten auch in das Cafè in der Straße von Stens Apartment gehen können, aber Louise wollte in die Stadt.

Rhonda und ich saßen auf der Rückbank. Sie war nicht jemand, der die Blicke auf sich zog, sie war irgendwie unscheinbar, aber OK.

Rhonda sagte, sie wäre gerade von Napa her gezogen. Ich fragte sie, wie es ihr hier gefiele. Ich erzählte ihr, ich sei ein Cop, sie erzählte mir, sie würde in Kürze auf die Sekretärinnenschule gehen, ich sagte, das sei gut. Danach gab es nicht mehr viel zu sagen. Ich konnte sehen, dass Stens uns im Rückspiegel beobachtete.

Nach einer Minute oder so lehnte sie sich vor und sagte, „ Er redet wohl nicht viel, wie?“ Stens lachte nur in sich hinein. „Du redest wohl nicht viel, was?“ sagte sie zu mir.

„Schätze nicht.“

Ich wusste nicht, was sie von mir hören wollte. Als sie ihre Hand auf meinen Oberschenkel legte und anfing, ihn leicht zu reiben, dachte ich mir, dass sie wohl doch keine Unterhaltung brauchen würde. Nachdem sie also anscheinend beschlossen hatte heraus zu finden, was ich in meinen Hosen hatte, fielen mir ein paar Dinge ein, die ich hätte sagen können. Aber ich wollte nicht, dass Stens was davon hörte. Die ganze Zeit über blickte sie gerade nach vorne, so als würde sie nichts machen.

Sie fühlte, und rieb, und fühlte noch etwas mehr, aber als ich Anstalten machte, meinen Arm um sie zu legen, wich sie auf ihre Seite der Sitzbank zurück. Wenn ich still saß, fing sie wieder an; jedes Mal, wenn ich mich auch nur etwas bewegte, war sie wieder zurück auf ihrer Seite.

Man hat schon öfter mal Spielchen mit mir gespielt, aber das hier war etwas anderes. Ich schätze, ich hätte ihr sagen können, sie solle aufhören, aber das wollte ich nicht wirklich.

Sogar im Cafè, nachdem die Kellnerin unsere Bestellungen aufgenommen hatte, fing sie unterm Tisch wieder an, mich zu reiben.

Stens beobachtete uns. Er wusste, dass etwas los war, er wusste nur nicht, was. Wenn sie so weiter machte, das wusste ich, würde es sehr bald sehr peinlich werden.

„OK----„ ich packte ihre Hand, schlüpfte aus der Sitzecke und zog sie hinter mir her. „Wir müssen reden.“

„Hey!“ sagte sie. „Was denkst Du, was Du da tust?“ Ich ignorierte das. Wir gingen durch die Küche und zur Hintertür raus, auf die Gasse. Sie wehrte sich, aber nicht sehr. Nicht so sehr, als wollte sie tatsächlich nicht mit gehen.

Ich stieß sie gegen die Backsteinwand, trat dann einen Schritt zurück und steckte die Hände in meine Hosentaschen.

„Hör mal – nachdem Du mich so begrabscht hast, weiß ich, dass Du weißt, was ich zu bieten habe. Worüber ich nicht im Klaren bin ist, ob Du es haben willst... oder nicht.“

Sie lief rot an und sah hinunter auf ihre weißen, spitz zulaufenden Schuhe mit den Schleifen oben drauf. Ich kann mich nicht an das Kleid erinnern, das sie trug, aber aus irgendeinem Grund erinnere ich mich an diese Schuhe.
Sie sagte nichts.

„Wenn Du es nicht willst, solltest Du vielleicht damit aufhören.“

Sie sagte immer noch nichts.

„Wenn Du nicht damit aufhörst, mach ich mir bei unserem nächsten Gespräch darüber nicht die Mühe, mit Dir auf die Gasse zu gehen, dann klären wir das einfach bei Tisch.“

Nichts. Sie sah auf ihre Schuhe, fummelte am Henkel ihrer Handtasche rum.

„Fein. Lass uns wieder reingehen. Ich habe Hunger.“

Sie bewegte sich nicht. „Was, wenn ich es doch will?“ sagte sie, ganz leise. Ich hörte sie beinahe nicht. Das hatte ich todsicher nicht erwartet.

Sie sah zu mir hoch, und ich schwöre, ihr Gesicht wurde sanfter und süßer, ihre Augen größer und dunkler. Sie war hübsch. Sie war immer hübscher, wenn sie an Sex dachte.

„Du kannst es haben,“ sagte ich. „Du willst es, ich werd’s Dir geben. Nur nicht, wenn uns Stens von der anderen Seite des Tisches aus beobachtet.“

Sie legte ihre Hände auf meine Schultern, stellte sich auf die Zehenspitzen, in diesen spitzen Schuhen mit den Schleifen, und küsste mich, wirklich süß. Dann küsste sie mich noch mal, nicht mehr ganz so süß.
Ich nahm die Hände aus meinen Taschen.

Eine Weile später keuchte sie in mein Ohr, „Jetzt, wie wäre es mit jetzt?“

Jetzt war OK.

Jetzt war verdammt gut.

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Wir verstanden uns ziemlich gut, Rhonda und ich. Wir waren nicht verliebt oder so was. Sie war immer ehrlich mit mir, oder so dachte ich. Sie sagte mir, sie würde in Zukunft auch mit anderen Männern ausgehen, und das tat sie.

Einmal, als ich sie anrief, war ich mir ziemlich sicher, dass sie mit jemand anderem im Bett war, aber ich fragte sie nie. Ging mich nichts an.

Der Sex mit Rhonda war gut; und ich mochte sie. Ich dachte, sie würde für mich genauso empfinden. Vielleicht nicht verliebt, aber ich schätze ich dachte, wir wären wenigstens Freunde.

Es war Stens, der herausfand, dass sie verheiratet war. Er sah zufällig die Vermisstenanzeige, die ihr Ehemann nach ihr aufgegeben hatte.

Ihr Name war nicht Rhonda. Er erzählte mir, wie er lautete, aber irgendwie kann ich mich nicht daran erinnern.

Er meldete sie nicht; das musste er nicht. Ein paar von den anderen Jungs auf dem Revier hatten mich mit ihr gesehen. Ein paar von ihnen fingen an, mich deswegen aufzuziehen, aber Stens knallte sie das ein oder andere Mal gegen die Wand, und so hörten sie auf.

„Wenn Du sie sehen willst, bevor sie sie abholen, solltest Du Dich auf den Weg machen, Kleiner.“ Ich weiß nicht, vielleicht dachte er, da wäre eine große Romanze zwischen uns. Ich ging trotzdem.

Sie hatte ihren Bademantel an, als sie die Tür aufmachte. Ihr Haar war nass. Sie sah gut aus.

„Es wäre nett gewesen, wenn Du mir gesagt hättest, dass Du verheiratet bist,“ sagte ich, an den Türrahmen gelehnt. „Ich bin gekommen, um auf Wiedersehen zu sagen. Ich nehme nicht an, dass Dein Ehemann es gut heißt, wenn wir miteinander schlafen, nachdem er her kommt, um Dich zu holen. In diesem Moment werden sie ihm wohl gerade Deine Adresse geben.“

Ich ging rein, öffnete den Gürtel ihres Bademantels und zog sie an mich. Ich küsste sie hart, so wie sie es mochte.

Ich muss die Tür wohl nicht ganz geschlossen haben, denn kurze Zeit später hörte ich sie quietschen, als sie wieder auf ging.

An dem Ausdruck auf seinem Gesicht konnte ich erkennen, dass der Penner in der Tür ihr Ehemann sein musste. Ein durchschnittlich aussehender Typ, nichts besonderes, außer natürlich, dass er sehr, sehr angepisst war.

Ich zog Rhondas Bademantel zu und drehte mich zu ihm um. „Ich gehe, OK?“ Ich bewegte mich weg, versuchte, um ihn herum zur Tür zu kommen. „Wir sehen uns, Baby. Ruf mich an, wenn Du irgendwas brauchst.“ Ich sah sie direkt an. „Du weißt, was ich zu bieten habe.“

Ich hätte das nicht sagen sollen, nehme ich an, aber ich war immer noch verärgert darüber, dass sie mir nichts gesagt hatte.

Ich schenkte dem verängstigten Ausdruck in ihrem Gesicht keine Beachtung. Und ich schätze, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, dem Penner eins auszuwischen, dessen Ehefrau mich in ihrem Bett bevorzugte, anstatt ihn.

Bescheuert.

Und dann drehte ich ihm den Rücken zu, als ich bei der Tür war. Ja, ich weiß, hat ja nie jemand behauptet, ich sei ein Genie.

Ich weiß nicht, womit er mich niedergeschlagen hat. Ich war eine ganze Weile weg; ich denke, es waren die Sirenen der Streifenwagen, die mich wieder aufweckten. Oder es kann auch das Schreien gewesen sein. Oder es war sein Stiefel, der mich im Gesicht traf, als er zur Tür raus rannte... nein, als das passierte, war ich schon wach.

Ich setzte mich auf. Blut lief meinen Nacken hinunter, aber nicht sehr viel, also nahm ich an, dass ich leben würde. Mein Kopf tat saumäßig weh.

Das Geschrei und Weinen kam aus dem Schlafzimmer. Ich taumelte zur Tür... und musste einen Moment innehalten.

Überall war Blut verschmiert, auf den Wänden, auf dem ganzen Bett. Rhonda lag jammernd auf dem Rücken auf dem Fußboden und bedeckte mit den Händen ihr Gesicht.

Ich konnte sie nicht halten, konnte sie nicht in dir Arme nehmen; er hatte sie überall zerschnitten, Arme, Beine... ihre hübschen kleinen Brüste waren verstümmelt. Nicht tief, nicht schlimm genug, um sie zu töten. Nur genug, damit es schlimm aussah und entsetzlich weh tat, wenn man sie berührte. Und sie wollte die Hände nicht vom Gesicht weg nehmen. Ich bin nicht sicher, ob sie wusste, dass ich da war.

Stens kam etwa zur gleichen Zeit wie die Sanitäter durch die Tür. Er hatte die Meldung über Funk gehört und die Adresse erkannt. Er keuchte ziemlich stark; Treppen sind hart, wenn man so dick wie Stensland ist.

„Verdammt, Kumpel, ich dachte, sie würden kommen, um Dich zu holen.“ Er starrte Rhonda an, als sie auf die Bahre gehoben wurde. Er packte mein Jackett und zog mich weg. „Hey, komm her, komm zurück, lass die sich um sie kümmern. Du kannst sie besuchen, nachdem sie sie zusammen geflickt haben. Du siehst selber nicht besonders gut aus.“ 

„Ich muss ihn kriegen...“

Ich wollte zur Tür; Stens fing mich auf, bevor ich auf die Nase fiel.

„OK, Partner, wir werden ihn finden, aber Du musst warten, bis Du Dich etwas besser fühlst. Du willst Doch in der Lage sein, ihn richtig zusammenzuschlagen, wenn Du ihn findest, nicht wahr?“

Ja. Ja, das war es, was ich wollte.

Kapitel 2

Sie steckten mich ins Krankenhaus und behielten mich zwei Tage dort. Der Doc sagte, ich wäre tot, wenn ich nicht so einen harten Kopf hätte. Auch so hatte ich eine mächtige Delle in meinem Schädel. Man kann die Narbe auf meinem Hinterkopf sehen.

Rhonda war ein Stockwerk höher. Sie schlief fast die ganzen beiden Tage lang, genau wie ich. Wenn ich nicht schlief, dachte ich darüber nach, was ich anders hätte machen können. Aber ich kam nicht drauf, wie ich hätte wissen können, dass der Penner gewalttätig sein würde. Ich dachte mir, ich könnte sie vielleicht mit zu mir nehmen, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen würde, wenigstens so lange, bis wir ihn fanden. Vielleicht würde sie auch länger als das bleiben wollen. Es wäre nett, sie da zu haben. Es wäre nett, wenn sie da wäre, wenn ich von meiner Schicht nach Hause käme; oder wenn sie neben mir liegen würde, wenn ich morgens aufwachen würde. Nichts ernstes, ich wusste, das würde sie nicht wollen. Es wäre nur... nett gewesen... wisst Ihr?

Ich ging sie besuchen, als ich entlassen wurde. Es war ein Schock, sie an all diesen Schläuchen und  anderem Kram hängen zu sehen; und als sie den Kopf wandte, um zu sehen, wer zur Tür rein kam, konnte ich den ersten Blick auf all die Nähte werfen, die sie im ganzen Gesicht hatte. Stens hatte mir gesagt, es sei nicht allzu schlimm, aber er hatte gelogen. Die Blutergüsse würden irgendwann verschwinden, aber die Narben von den Schnitten würden es nicht. Da war ein Verband über einem Auge. Davon hatte mir Stens gar nichts erzählt. Das andere Auge sah seltsam aus, nicht nur rot von den Blutergüssen; richtig blau, richtig hell.

Ich ging zum Bett und lehnte mich zu ihr runter, um sie zu küssen. Sie drehte ihr Gesicht weg. Ich berührte ihre Hand, wo sie auf dem Laken lag, aber sie zog sie weg.

„Rhonda... es tu-„

„Wage es nicht, mir zu sagen, es täte Dir leid. Wozu soll das gut sein? Was soll das jetzt bringen?“

Ihre Finger fummelten am Laken rum und ballten sich dann zu Fäusten. „Wozu, dachtest Du, wollte ich Dich um mich haben, Du blöder Riesentrottel? Und dann, als er auftauchte, warst Du nutzlos.“

Ich muss wohl verwirrt ausgesehen haben. „Was, hast Du das immer noch nicht kapiert? Warum, denkst Du, habe ich mich wohl beim ersten Mal mit Louise und Stens so an Dich rangemacht? Weil Du so zuvorkommend und fröhlich warst?“

„Nein.“

„Nein, sondern weil Du ein Cop bist. Ich wollte Dich weiter um mich haben, weil ich dachte, dass jemand wie Du vielleicht Roy vertreiben könnte, wenn er mich gefunden hat. Oder mich beschützen. Was für ein Witz.“

Sie wartete, als würde sie von mir erwarten, dass ich etwas sage. Was gab es da zu sagen?

„Alleine wäre ich besser dran gewesen. Wenigstens hätte ich nicht die Tür aufgelassen, so dass er einfach rein spazieren konnte.“

„Wahrscheinlich nicht.“

„Ich nehme an Du dachtest, wir würden heiraten oder so was, nur weil ich mag, was Du in Deiner Hose hast.“

Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte das Gefühl, ich müsste was mit meinen Händen machen, aber ich wusste nicht, was; also steckte ich sie in meine Hosentaschen.

„Ich habe mich auf Dich verlassen – ich dachte, Du wärst vielleicht nicht so blöd, wie Du aussiehst. Aber letzten Endes bist Du doch nur ein großer, dummer, Doughnut essender Cop.“

Sie schloss das Auge, das ich sehen konnte, und ließ ihren Kopf zurück auf das Kissen fallen. „Oh Gott, Wendell, sieh Dir mein Gesicht an.“

Danach sagte sie für eine Weile nichts mehr. Und für mich gab es nichts zu sagen. Sie hatte so ziemlich alles schon gesagt. Schließlich räusperte ich mich und fragte, „Denkst Du, er ist wieder zurück gegangen nach Napa, oder denkst Du, er ist immer noch hier?“

Rhonda (ich kann mich nicht an ihren richtigen Namen erinnern) lachte. „Du kapierst es immer noch nicht, oder? Ich war noch nie in Napa. Ich habe dort nie gelebt. Ich lebe hier. Roy lebt hier. Und Du wirst versuchen, ihn zu finden? Denkst Du, Du schaffst das? Und was dann?“

„Gibt es einen bestimmten Ort, an dem er gern seine Zeit verbringt?“

„Ja, es gibt da eine Bar, die er mag.“ Sie sagte mir den Namen und die Straße. „Ich nehme an, Du wirst da hingehen und rumsitzen, bis er auftaucht. Und was, wenn er niemals auftaucht, hä? Was dann? Was wirst Du dann nutzloses tun? Wenn ich hier raus komme, wird er mich umbringen. Wenn ich Glück habe.“

„Ich regle das.“ Ich drehte mich zur Tür um.

„Wendell, warte.“ Sie sah sehr müde aus. „Hör mal, ich hätte das alles nicht sagen sollen… Weißt Du, es ist nur--- „

„Ich regle das.“ Und ich ging.

„Wendell, warte, Wendell-„ Die Tür schnitt ab, was immer sie sagen wollte.

Ein großer, dummer, Doughnut essender Cop. Einfach so blöd, wie er aussieht.

Genau. 

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Mein Auto stand immer noch vor Rhondas Apartment. Ich fragte Stens, ob er mich dort absetzen könne.

„Klar….Bist Du sicher, dass Du fahren kannst? Du siehst immer noch ziemlich übel aus.“

„Ja, mir geht’s gut.“

„Wann wird Rhonda entlassen? Weiß sie es schon?“

„Keine Ahnung.“

Als er hinter meinem Wagen hielt, sagte er, „Bist Du in Ordnung?“

„Klar.“ Ich stieg nicht gleich aus. Stens wartete einfach. Ich fand, er verdiente, es zu erfahren, aber ich wusste nicht, wie viel ich würde sagen können. Schließlich sagte ich, „Ich werde…ich werde mein Zeug aus Rhondas Apartment holen.“

„Sie hat mir Dir Schluss gemacht? Scheiße, Mann, das ist schlimm.“

„Ist keine große Sache. Mach keine riesen Liebesaffäre draus, denn das war es nicht. Es war nur…wir waren Freunde, das ist alles.“

Stens sah nicht überzeugt aus, sagte aber, „Mein Fehler.“ Und dann: „Bist Du sicher, dass ich Dich nicht nach Hause fahren soll?“

Ich schüttelte den Kopf und stieg aus.

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Jemand war da gewesen und hatte das Blut weg gewischt. Wahrscheinlich Louise. Ich brachte mich dazu, durch das Schlafzimmer ins Badezimmer zu gehen, um meinen Rasierer und mein Aftershave zu holen. Ich hatte nur eine Garnitur Klamotten zum Wechseln hier, und so war es nicht schwer, mein Zeug zusammen zu sammeln. Ich hatte ein paar Sachen in einer der Schubladen. Ich wickelte alles in das Hemd, bis auf das Foto.

Ich lachte, als sie mir das Foto gab. „Wozu brauche ich ein Foto, wenn ich doch das Original genau hier in meinen Armen habe?“

„Das wirst Du vielleicht nicht immer, Du großer Trampel.“

„Nicht?“ Sie zog sie nahe heran und tat etwas, von dem ich wusste, dass sie es mochte.

„Mmmmmm…oh… .“

Sie war so hübsch. Ich liebte es, ihr Gesicht zu beobachten, wenn es wirklich gut war, wenn ich alles genau richtig machte; ihre Augen schlossen sich dann immer langsam, ihr Kopf sank zurück, und sie atmete scharf aus. Und dann drückte sie mich immer so fest---

„Immer, Baby, immer.“

Ihr wisst, wie es ist. Manchmal, beim Liebe machen, sagt man Sachen. Eine Weile fragte ich mich, ob sie es gehört hatte; schließlich entschied ich, dass es nicht so war.

Und als wir das letzte Mal hier in ihrem Schlafzimmer Liebe machten, sagte ich noch etwas. Ich nehme an, ich sollte mich glücklich schätzen, dass sie das nicht gehört hat.

Vielleicht hat sie es auch nur ignoriert.

Ich schob das Foto in meine Tasche.

Verdammt.

Die Schachtel mit der Halskette, die ich gekauft hatte, war immer noch da in meiner Tasche. Ich wusste nicht, was ich jetzt damit machen sollte. Wir hatten sie in einem Schaufenster gesehen, und sie hatte ihr so gut gefallen; also ging ich am Zahltag noch mal hin und kaufte sie ihr. Als ich damit zu ihr kam, vergaß ich sie ihr zu geben, weil wir mehr oder weniger sofort im Bett landeten.

Keine große Sache. Es war ja kein Ring oder so was. Aber jetzt würde sie sie nicht mehr wollen. Und ich wollte sie ganz bestimmt auch nicht. Auf dem Weg nach draußen schmiss ich sie in den Abfalleimer.

Am nächsten Tag hinterlegte ich den Schlüssel zu ihrem Apartment bei der Schwester. Sie sagte, sie würde ihn ihr geben.

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Stens bot sich an, mir beim Auskundschaften der Bar zu helfen, von der mir Rhonda erzählt hatte. Ich war krank geschrieben wegen der Kopfverletzung, aber Stens was das nicht. Er sagte, ich solle mir keine Gedanken darüber machen.

Ich hörte ihm zu, wie er mit der Funkzentrale sprach und sie glauben machte, er sei irgendwo anders und würde wer weiß was machen.

„Du hast das schon öfter getan.“ sagte ich.

„Ja, und ich werde es wahrscheinlich wieder tun.“ Er grinste.

Stens war derjenige, der Essen und Alkohol besorgte (letzteres in der Hauptsache für sich selbst). Er war es, der daran dachte, den leeren Krug mitzubringen. Er war es, der ihn aus dem Autofenster leerte.

Er war es, der mir zeigte, wie man observiert, ohne dabei einzuschlafen. Er leistete mir Gesellschaft und wich nicht von meiner Seite, obwohl es eigentlich nicht sein Problem war.

Ich weiß, was die Leute über ihn sagten. Ich weiß, was er war. Man kann nicht vier Jahre lang der Partner von jemandem sein, und ihn nicht kennen. Er war faul und er trank zu viel. Er war bigott und ein Lügner und ein Betrüger. Er war so was wie der große Bruder, den ich nie hatte, den man nachts betrunken nach Hause schleppen muss und der einem ins Auto kotzt. Und den man dennoch beim nächsten Mal wieder holen geht, weil man weiß, dass er es andersherum genauso machen würde.

Die Bar, die wir beobachteten, war eine Spelunke am Rande der Stadt, mit Schuppen, die an drei Seiten an sie angebaut waren. Es gab einen regen Kundenstrom, und ich war mir ziemlich sicher, dass die nicht alle nur zum Trinken kamen. Ich wettete, dass in den Schuppen Frauen waren, die 24 Stunden am Tag ihrem „Geschäft“ nachgingen. Manche waren wahrscheinlich gegen ihren Willen dort. Nachdem wir den Penner geschnappt hatten, den wir suchten, würde ich wohl noch mal wieder kommen müssen.

Erst am Abend des dritten Tages sahen wir den Kerl, den wir wollten. Ich erkannte ihn sofort. Der aufgeblasene Bastard blickte nicht mal in unsere Richtung; er schien überhaupt nicht besorgt zu sein, dass jemand auf ihn warten könnte. Ich stieß Stens an und zeigte auf ihn. Der Penner ging nicht rein, sondern zur anderen Seite des Gebäudes. Ich glitt aus dem Wagen und schloss vorsichtig die Tür.

Es war nicht schwer, ihn zu finden. Er stand mit ein paar anderen Blödmännern im Mondlicht und machte irgendeinen Deal. Nachdem sie gingen, kam er zurück in meine Richtung. Ich trat aus dem Schatten und sagte, „LAPD – runter auf den Boden.“ Und er tat es, einfach so. Ich hatte nicht mal eine Entschuldigung, ihm eine zu verpassen.

Stens kam langsam näher, er war etwa auf halber Strecke zwischen uns und dem Auto. Ich denke, er wollte warten und sehen, was ich mit dem Hurensohn vor hatte.

„Werden Sie mich verhaften, Officer?“ sagte der Penner. Und dann lachte er. „Vielleicht sollten Sie auf dem Revier anrufen, bevor Sie das tun. Ich bin heute schon einmal verhaftet worden. Ich bin auf Bewährung draußen. Wäre eine Menge Aufwand, mich jetzt mitzunehmen, nur um mich dann wieder laufen zu lassen.“

„Ach ja?“

„Rufen Sie besser erst an. Ich hab’ jetzt einen Anwalt. Er wird dafür sorgen, dass Ihr Cops mir nichts tun könnt.“ Ich legte ihm Handschellen an und zog ihn hoch. Er grinste. Ich denke, er war high von irgendwas. „Ihr könnt mir nichts anhaben.“

„Warum hältst Du nicht die Klappe?“

„Selbst wenn ich in den Knast gehe, werde ich in einem oder anderthalb Jahren wieder raus sein. Teufel noch mal, ein Jahr kriege ich im Kopfstand rum.“

Er sah mich mit zusammen gekniffenen Augen im Mondlicht an. „Hey, bist Du nicht der Bastard, den ich letzte Woche umgehauen habe? Du bist ein Cop? Sieh mal einer an – Teufel, hätte ich gewusst, dass ein Cop meine Alte vögelt, hätte ich etwas härter zugeschlagen.“ Und er lachte wieder.

Er redete weiter, aber ich hörte nicht, was er sagte. Ich sah nur Rhonda, wie sie auf dem Boden lag und schrie. Wie sie mich im Krankenhaus angesehen hatte. All die Dinge, die wegen ihm ruiniert waren. Und der Hurensohn hatte recht – er würde nicht für lange ins Gefängnis gehen. Er konnte sich wieder an Rhonda vergreifen, wenn er raus kam – oder er konnte es morgen tun. Das nächste Mal würde er vielleicht anstatt eines Messers ein Radkreuz nehmen. Das nächst Mal würde er sie vielleicht umbringen.

Ich kann mich nicht erinnern, wie ich meine Waffe zog. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich den Hahn spannte. Aber ich erinnere mich an die tiefe Befriedigung, die mich beim Anblick seines überraschten Gesichts überkam, als die Kugel seine Stirn traf.

Er war nicht der erste Mann, den ich erschoss --- aber er war der erste, den ich kaltblütig ermordete.    

Kapitel 3

Stens fing an zu rennen, als er den Schuss hörte. Als er bei mir ankam, keuchte er so sehr, dass er kaum sprechen konnte. Ich stand neben der Leiche. Ich hatte meine Waffe nicht weg gesteckt; sie war immer noch in meiner Hand.

„Wendell... was zum Teufel hast Du da gerade gemacht?“ Stens fing an, zwischen seinen Atemzügen zu fluchen, eine lange Reihe Worte, die nichts bestimmtes bedeuteten. Er drehte die Leiche um und sah dann zu mir hoch. Da war etwas in seinem Gesichtsausdruck, was ich noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. „Er hat Handschellen an,“ sagte er.

„Ja.“ Ich ließ meinen Revolver fallen und setzte mich auf den Boden. Meine Beine zitterten plötzlich.

Stens schwieg einen Moment lang. Dann richtete er sich auf, steckte seine Hand in seine Tasche und zog seinen Handschellenschlüssel raus. „Hey, Partner, wach auf. Du musst wieder zu Dir kommen.“ Er warf mir die Handschellen zu. Ich fing sie aus dem Reflex heraus. „Steck sie weg und gib mir Deine zweite Waffe.“

„Ich hab’ keine.“

„Du trägst keine zweite Waffe bei Dir?“ Er schüttelte den Kopf. „Du hat Glück, dass ich hier bin, Kumpel.“ Er zog einen kleinen Revolver unter seinem Mantel hervor und überprüfte, ob er geladen war. „Und da wir zu zweit sind, können wir das richtig gut aussehen lassen. Vertraust Du mir, Kumpel?“ Ich nickte; ich hatte keine Ahnung, was er tat, und es war mir auch ziemlich egal. Ich überlegte mir, dass ich wohl in Quentin landen würde, und ich wusste, dort würde ich es nicht lange schaffen. Dennoch war ich saufroh, es getan zu haben. Ich würde es wieder tun, wenn ich die Chance hätte.

„Halt still,“ sagte er. Er trat etwas zurück, zielte mit dem Revolver auf mich, und drückte den Abzug. Ich fühlte die Wucht der Kugel, als sie durch meinen Bizeps schlug und mich teilweise herumriss.

Es riss mich auch aus meiner Trance. „Was zum Teufel war das?“

„Das, Kumpel, war verdammt gutes Schießen. Ab jetzt wird es außer Frage stehen, dass Du ihn in Notwehr getötet hast.“

„Abgesehen von der Tatsache, dass ich nur etwa einen halben Meter von ihm entfernt stand. Und dass ein Teil seines Kopfes weggeblasen ist.“

Er zuckte mit den Schultern. „Das ist egal. Komm schon, Kumpel, wir müssen es nur gut aussehen lassen. Und selbst, wenn sie glauben, dass Du ihn ermordet hast - werden sie einen Aufstand machen, wo Du doch gerade außer Dienst verwundet wurdest, während Du einem Beamten im Dienst geholfen hast?“ Er grinste und rückte die Waffe in der Hand des toten Mannes zurecht. „Ich denke nicht.“

Ich stand auf und hielt mir den Arm. „Du hast so was schon mal getan.“

Sein Grinsen verblasste. „Ja. Und ich werde es wahrscheinlich wieder tun.“

Ein paar Leute kamen aus der Eingangstür der Bar, um zu sehen, was der Krach sollte, aber als wir uns umdrehten und sie ansahen, gingen sie wieder zurück und schlugen die Tür zu.

„Du hast mein Jackett ruiniert.“

Stensland schnaubte verächtlich. „Tja, so ein Pech. Du wirst Dir vielleicht ein anderes kaufen müssen. Weißt Du, die meisten Leute haben mehr als eins.“

Auf dem Weg zum Wagen fing mein Arm an wehzutun. Ich fluchte. „Du hättest mich töten können.“

„Nee, bestimmt nicht. Du bist der beste Partner, den ich je hatte, ich muss Dich noch ein bisschen behalten.“

„Ja? Wie kommt’s?“

„Du meckerst nicht dauernd an mir rum. Das bedeutet einiges. Du schuldest mir aber eine Pistole. Und Du musst Dir auch eine zweite zulegen. Du kannst nie wissen, wann Du sie mal brauchen wirst.“ Er legte seine Hand auf meinen Nacken und schüttelte mich ein wenig. Ich bin nicht klein, aber Stens könnte mich quer durch den Raum schmeißen, wenn er es wollte.

„Au. Pass auf.“

„Du musst immer noch viel lernen. Aber ich schätze, ich kann Dich nicht länger ‚Kleiner’ nennen, richtig?“ Er überlegte eine Minute. „Wendell kann ich Dich auch nicht nennen…geht einfach nicht. Ich werd’ mir was überlegen.“ Dann nahm er das Funkgerät und machte die Meldung.

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Es dauerte nicht sehr lang, meinen Arm zusammenzuflicken. Stens fragte mich, ob ich Rhonda besuchen wolle, während ich im Krankenhaus war. Ich sagte beinahe nein, dachte dann aber, dass ich sie wegen dem guten alten „Roy“ beruhigen sollte. Es war spät, aber die Schwester sagte, sie sei noch wach.

Ich klopfte an ihre Tür und öffnete sie dann nur weit genug, dass ich mich hineinlehnen konnte. Ich war überrascht, wie weh es tat, sie zu sehen.

„Wendell.“ Sie sah besser aus als beim letzten Mal. „Ich hatte gehofft, Du würdest…“

Ich unterbrach sie. „Ich bin nur gekommen, um Dir zu sagen, dass Du Dir wegen Roy keine Sorgen mehr machen musst. Ich habe das geregelt.“ Ich wollte wieder gehen.

„Warte – was meinst Du damit? Was hast Du getan?“

Ich konnte nicht gleich antworten. Ich musste weg, aber dann beschloss ich, dass ich doch etwas sagen wollte.

„Weißt Du, wenn Du mir von ihm erzählt hättest, hätte ich vielleicht was machen können, bevor einer von uns verletzt worden wäre. Ich mag doof sein, aber es gibt ein paar Dinge, die ich tun kann.“

„Warte, Wendell, was ist mit Deinem A--…“

Ich ließ die Tür zufallen. Irgendjemand anderes würde es ihr erzählen.

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Stens hatte Recht, als er mir sagte, ich solle mir keine Sorgen machen. Niemand stellte seine Geschichte in Frage, außer vielleicht dem Leichenbeschauer. Er sah uns über seine Brille hinweg an und schüttelte den Kopf. Ich denke, er wusste es und schrieb es wahrscheinlich auch in seinen Bericht, aber ich schätze, niemand las ihn. Oder es kümmerte sie nicht. Stens reizte es bis zum Letzten aus. Ich glaube, es machte ihm Spaß, allen zu erzählen, wie ich sein Leben gerettet habe, was für ein Held ich sei; dann sah er immer zu mir rüber und zwinkerte mir zu.

Es stand auch für ein oder zwei Tage in der Zeitung. Ein paar Tage später rief mich Rhonda zu Hause an.

„Ich habe in der Zeitung gelesen, was passiert ist, Wendell. Ich…ich wollte Dir danken…“

„Bitteschön.“

„In der Zeitung schreiben sie, Du wärst ein Held und hättest Stens das Leben gerettet.“

„Das stimmt nicht. Sieh mal, ich muss los.“

„Da steht, Du wärst angeschossen worden. Ich wusste nicht, dass Roy ein Waffe hatte – er hätte uns beide erschießen können, wir könnten jetzt beide tot sein…“

„Er hatte keine Waffe.“

Schweigen. Ich hätte ihr das vielleicht nicht erzählen sollen, aber, hey, was kann man schon von einem dummen, Doughnut essenden Cop erwarten?

„Erklär mir das,“ sagte sie schließlich.

„Er hatte keine Waffe. Ich legte ihm Handschellen an und schoss ihm dann in den Kopf. Das ist ziemlich leicht zu verstehen.“

„Du hast ihn ermordet?“ Ihre Stimme klang sehr klein und weit weg.

„Ja.“

Schweigen. Ich wollte schon auflegen, als sie sagte, „Ich will Dich wieder sehen, Wendell. Ich werde morgen entlassen. Kannst Du kommen und mich abholen?“

Ich dachte darüber nach. Pathetisch, nicht wahr? Ich zog es wirklich eine Minute lang in Betracht. Ich stellte mir vor, wie ich sie nach Hause bringen, ihr die Treppen rauf helfen würde, und wie sie ihre Arme um meinen Hals legen, mir danken und sagen würde, wie sehr sie mich die ganze Woche vermisst hätte. Dann würden wir im Bett landen und sie würde mir sagen, dass es niemals jemand anderen geben würde…

Ja, ich dachte darüber nach. Und es hätte wirklich so kommen können. Aber der Grund…wenn es so gekommen wäre, wäre der Grund dafür gewesen, dass ich noch etwas für sie tun sollte. Jetzt, da sie wusste, wie weit ich gehen würde.

„Was ist los,  jetzt bin ich plötzlich unentbehrlich? Warum rufst Du nicht einen Deiner anderen Freunde an?“

„Wendell…was ich da alles zu Dir gesagt hab, ich hab’s nicht so gemeint…“

„Oh, wirklich? Sieh mal, ich muss los. Wenn Du morgen einen Mann brauchst, warum rufst Du dann nicht Stens an? Ich wette, er kann Dir helfen, was immer es ist.“

Und ich legte auf.

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Stens war noch drei Jahre lang mein Partner. Er versuchte nie wieder, mich mit jemandem zu verkuppeln. Als ich zurück wollte und die Hütten rund um die Bar, wo ich Roy getötet hatte, säubern wollte, nörgelte er zwar rum, ging aber mit mir. Und er schüttelte den Kopf, als ich anfing, gewalttätige Ehemänner aufs Korn zu nehmen, aber er diskutierte nie mit mir deswegen. Er half mir noch ein oder zweimal aus der Klemme, und ich log ein oder zweimal für ihn, wenn er es brauchte.

Er fing an, mich Bud zu nennen; jeder auf dem Revier, der mich Wendell nannte, bekam eine Kopfnuss, und so riefen mich bald alle Bud. Nach einer Weile gewöhnte ich mich auch dran und fing an, den Namen selber zu gebrauchen. Ich schätze, er ist besser als Wendell.

Jetzt ist er tot. Und ich komm einfach nicht drüber weg, es nagt an mir – irgendetwas stimmt nicht an der ganzen Sache, egal, was Exley sagt.

Scheiß auf Exley. Man kann über Stensland sagen, was man will, aber er war gut zu mir und verdient Gerechtigkeit.

Und ich bin nur ein großer, dummer, Doughnut essender Cop; nicht klug genug, um heraus zu kriegen, was mich an der Night Owl Sache stört, wer ihn wirklich getötet hat.

Und Ihr kennt den Rest der Geschichte…

ENDE