6.Der Freigelassene

 

Erst als sich die Tür meiner Wohnung hinter Cornelius Crassus' und Rufas Rücken geschlossen hatte, begann ich zu erfassen, was mit mir geschehen war und wie mein Leben sich verändert hatte. Und ich hatte Angst.

Den ganzen Weg zum Quirinal hatte ich schweigend zurückgelegt und Cornelius Crassus' Anwesenheit hartnäckig ignoriert. Sollte der letzte Akt im Haus seiner Schwester ihn in irgendeiner Weise irritiert haben, so ließ der Quästor es sich nicht anmerken. Ich schritt energisch aus, Rubia im Arm, das Kinn entschlossen vorgestreckt, meinen Blick auf den Horizont geheftet, so wie ich das Militärlager in Moesia - und den einzigen Mann, den ich je geliebt habe, - hinter mir gelassen hatte.

Cornelius Crassus hatte vier Männer mitgebracht, um meine Habseligkeiten zu transportieren, vermutlich waren es Sklaven aus dem Haushalt seines Bruders. Die allgegenwärtigen Prätorianer umgaben uns gleich einer schwarzen, lebendigen und furchteinflößenden Mauer. Als wir bei dem Gebäude ankamen, stellte ich erschrocken fest, daß ich zwar den Beleg über die bezahlte Miete aus dem Büro des Bankiers mitgenommen, aber vergessen hatte, nach dem Schlüssel zu fragen. Da ich nicht wußte, was ich tun sollte, gab ich vor, in meinem Beutel danach zu suchen, während mein Verstand fieberhaft arbeitete, um einen Ausweg aus dieser Misere zu finden und vor allem, um das hämische Grinsen der mich begleitenden Männer zu vermeiden. Wortlos zauberte Cornelius Crassus den Schlüssel aus seinem Brustpanzer hervor, steckte ihn ins Schloß und öffnete die Tür. Dann trat er beiseite, um mich zuerst eintreten zu lassen. Ich errötete peinlich berührt, weigerte mich jedoch weiterhin, ihn und seine Hilfe zur Kenntnis zu nehmen.

Sobald ich die Schwelle überschritt, bemerkte ich, daß jemand in der Wohnung Staub gewischt und den Boden gekehrt hatte. Auch fand ich ein halbes Dutzend aufgefüllter Öllampen bereitstehend vor, eine Flasche mit Öl, einen Feuerstein, um die Lampen zu entzünden, und sogar eine Schale mit frischem Obst auf dem Tisch. Mein erster Gedanke war, daß Aemilius Flaccus zusätzliche Vorkehrungen getroffen hatte, um sich des kaiserlichen Wohlwollens zu versichern. Aber die Tatsache, daß Cornelius Crassus den Schlüssel, nach welchem zu fragen ich vergessen hatte, mitgenommen und offenbar den gestrigen Tag über bei sich behalten hatte, ließ eine peinliche Vermutung in mir aufsteigen. Ich sah ihn kurz an und er erwiderte meinen Blick mit einem höchstzufriedenen seinerseits. Ich schürzte die Lippen und ging auf die Terrasse, überließ es den Sklaven, meine Truhen abzustellen, wo es ihnen beliebte, und Rufa, sich um die Katze zu kümmern, während die Prätorianer wartend im Korridor verharrten.

Die Terrasse war klein aber hübsch und ebenfalls sorgfältig gekehrt worden. Sie öffnete sich zu einem wunderschönen Innenhof, der trotz der herbstlichen Jahreszeit von üppig blühenden Pflanzen in sorgfältig in Ordnung gehaltenen Beten geschmückt wurde. Auch die Bäume schienen regelmäßig gepflegt zu werden, außerdem gab es einen Marmorbrunnen und einen kleinen Teich mit einer spiegelnden Oberfläche, in dem große goldene Fische hin und her schossen. Aber es war der Springbrunnen, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog, denn statt der üblichen Nymphe oder des Satyrs, die gewöhnlich römische Brunnen zieren, thronte auf seiner Spitze ein marmornes Schiff. Gegen die Morgensonne blinzelnd betrachtete ich es aufmerksam und bewunderte die Details der Skulptur, die unter dem gurgelnden Wasser hervorschimmerte, welches sich anmutig über sie ergoß. Es war ganz offensichtlich, daß, wer auch immer in der Wohnung, die zu diesem Innenhof gehörte, lebte, sehr wohlhabend sein mußte. Die Gebühren für den Anschluß an die nächstgelegene Wasserleitung mußten ebenso hoch sein wie jene, die in den Häusern der Senatoren gezahlt wurden.

Cornelius Crassus betrat leise die Terrasse und stellte sich neben mich, dicht an die Brüstung, dicht genug, daß ich seine Gegenwart spürte aber nicht so dicht, daß er mich berührt hätte. Er schwieg einen langen Augenblick lang, dann sagte er mit seiner ruhigen, kultivierten Stimme: "Die Träger haben bereits das gesamte Gepäck in Deine Wohnung gebracht, Herrin. Ich werde jetzt Deine kleine Dienerin in den kaiserlichen Haushalt begleiten ..."

Ich wandte mich um und sah ihn an. Ich wollte Nein sagen, sagen, daß ich Rufa noch einige Tage bei mir behalten wolle, um mir zu helfen, meine Wohnung einzurichten, daß ich Zeit benötigte, um sie dazu zu bewegen, die Veränderung so zu akzeptieren, daß sie ihrer neuen Herrschaft keine Schwierigkeiten bereitete. Ich war zu jeder lahmen Ausrede bereit, um sie nicht gehen lassen zu müssen ... Aber ich sagte nichts. Es war nicht nötig. Er las dies alles und noch viel mehr, das zuzugeben ich niemals bereit gewesen wäre - daß ich Angst hatte, daß ich nicht allein gelassen werden wollte - , er las es in meinen Augen. Und ich las in den seinen, daß, wenn ich ihm sagte, ich habe meine Meinung geändert und wolle Rufa als Sklavin behalten, es leicht hätte arrangiert werden können, da Markus Aurelius bereits entsprechende Anordnungen für den Fall, daß ich darum bitten sollte, getroffen hatte. Aber ich schürzte meine Lippen und weigerte mich zu sprechen. Weigerte mich zu bitten. Ich hatte mir geschworen, nie wieder irgend jemand um irgend etwas zu bitten, und ich war gewillt, dieses Versprechen, das ich mir selbst gegeben hatte, zu halten, selbst dann, wenn es mich Rufas Gesellschaft kosten sollte.

Cornelius Crassus blickte mich freundlich an und sagte: "Es ist besser so." Ich nickte und flüsterte dann: "Ich brauche einen Augenblick allein mit ihr." Es war an ihm zu nicken, und er verließ die Terrasse, um Rufa zu suchen.

Ich fand sie im Vorzimmer. Die kleine Numidierin hatte die Katze auf eine alte, mottenzerfressene Lesecouch gesetzt und streichelte sie abwesend. Rufa spürte, daß unser Abschied unmittelbar bevorstand, und ihre erst kürzlich gewonnene Selbstsicherheit drohte, sie bereits wieder zu verlassen. Auch für mich schien der Gedanke, auf ihre stille Gesellschaft verzichten zu müssen, plötzlich beunruhigender, als ich es erwartet hatte. Mein kurzer Abschied von Eugenia war nicht so schwer gewesen, obwohl mein vages Versprechen, mit ihr in Kontakt zu bleiben, selbst in meinen eigenen Ohren falsch geklungen und der Blick ihrer herrlichen smaragdgrünen Augen mir gesagt hatte, daß sie sehr wohl wußte, ich würde für immer aus ihrem Leben verschwinden.

"Rufa", sprach ich sie leise an.

Sie hob den Kopf und sah mich mit weitgeöffneten Augen, die denen eines jungen Hundes glichen und verdächtig glänzten, an, und ich mußte alle Kraft zusammennehmen, um nicht auch meinen eigenen Blick von Tränen trüben zu lassen.

"Rufa", begann ich, "wie haben hierüber bereits gesprochen, und Du weißt, es ist nötig, daß Du zu der Dame Lucilla und dem jungen Herrn Lucius gehst, und warum ... Der Kaiser tut seine Pflicht für Rom und seine Bürger, und er erwartet, daß auch wir unsere Pflicht tun ... "

Das numidische Mädchen schniefte vernehmbar, nickte aber energisch. Ich faßte in meinen Geldbeutel und fand die zarte Goldkette mit dem emaillierten Käfer, die mir der Sohn des Senators geschenkt hatte, und legte sie ihr um den Hals, während ich fortfuhr, in, wie ich hoffte, beruhigendem Ton auf sie einzureden. Trotzdem fürchtete ich, daß sie die aufsteigende Hysterie, die sich in meine Stimme einzuschleichen begann, bemerken könnte.

"Der Imperator ist sehr großzügig gewesen. Du wirst ein Mitglied seines Haushaltes und in angemessener Zeit wirst Du eine kaiserliche Freigelassene sein. Kaiserliche Freigelassene genießen in Rom ein hohes Ansehen, und Du wirst noch über den meisten anderen stehen, denn Du wirst diejenige sein, die für den jungen Herrn Lucius gesorgt haben wird, und eines Tages wird er vielleicht selbst einmal Kaiser werden ... Ich bin so stolz auf Dich ..."

Es gelang mir, meine zitternden Hände lange genug zu kontrollieren, um den Haken der Kette zu schließen.

"Dies hier kommt aus Ägypten", fuhr ich fort, "und die Götter dort sind sehr viel mächtiger als die römischen. Sie beschützen wirklich jene, die an sie glauben, und kümmern sich um sie , sogar noch in jenen anderen Leben ..."

Rufa lächelte schwach. Als reinblütige Afrikanerin konnten ihr die römischen Götter nur als ein ziemlich lächerlicher Haufen exzentrischer, selbstsüchtiger Wesen erscheinen, deren Würde manchmal ebenso zweifelhaft war wie jene der Aristokraten des Imperiums.

"Das ist das Symbol ihres Sonnengottes", erzählte ich ihr weiter. "Man sagt, in Ägypten scheine die Sonne so hell, daß man keinen Zweifel daran habe könne, es sei sein auserwähltes Land ..."

Nun fing ich an zu stammeln, suchte nach einer Möglichkeit, den Augenblick zu verlängern, den Abschied von dem letzten Glied, daß mich mit der einzigen Welt, die ich je gekannt hatte, verband, hinauszuzögern, während ich gleichzeitig darum kämpfte, meine Würde zu bewahren.

Ein diskretes Hüsteln ließ uns beide zusammenzucken. Cornelius Crassus stand  an der Tür. Ich kniete mich hin und nahm Rufas Gesicht in beide Hände. Meine helle Haut sah aus wie Elfenbein vor dem Hintergrund ihrer ebenholschwarzen Züge.

"Rufa!" sagte ich mit leiser Stimme drängend zu ihr. "Denk an Dein Versprechen! Kümmere Dich um den jungen Herrn Lucius und diene der Herrin Lucilla so treu, wie Du mir gedient hast! Und vergiß nicht die geheime Botschaft!"

Rufa nickte feierlich. Cornelius Crassus blieb an der Türschwelle stehen, weit genug entfernt, um unser Gespräch nicht mit anhören zu können. "Erinnerst Du Dich an die Botschaft, Rufa?" fragte ich sie leise. Sie nickte abermals und flüsterte in ihrem kehligen, mit schwerem Akzent gesprochenen Latein: "Jemand wird kommen mit Botschaft. Junger Herr schulden ihm etwas, Großvater hat versprochen zu bezahlen ..." Plötzlich runzelte Rufa die Stirn. "Wirst Du sein, Herrin Julia?"

Sie war noch ein Mädchen. Das Geheimnisvolle dieser Angelegenheit hatte sie von neuem in seinen Bann gezogen, war mächtiger als ihr Schmerz, und all die neuen Eindrücke des kaiserlichen Palastes würden, so hoffte ich wenigstens, auch stärker als ihre Angst sein. Ich lächelte und nickte. Ihre Gesicht hellte sich auf. "Du kommen zum Palast, Herrin Julia?"

"Ja, Rufa, eines Tages werde ich zum Palast kommen, und Du wirst mir von Deinem wundervollen Leben dort erzählen", antwortete ich ihr, und bevor sie mir noch weitere Fragen stellen konnte, umarmte ich sie, küßte sie auf beide Wangen und erhob mich wieder. "Geh, Rufa. Laß den Quästor nicht warten!"

Tapfer ging Rufa auf ihn zu, und Cornelius Crassus legte seine rechte Hand auf die Schulter des Mädchens, führte sie sanft zum Ausgang. Dann drehte er sich nochmals um, verbeugte sich höflich und ging.

Die Tür schloß sich mit der Endgültigkeit eines Deckels, der krachend auf einen emaillierten ägyptischen Sarkophag fällt.

Plötzlich kam mir der Gedanke, daß, sollten die einbalsamierten ägyptischen Leichname, perfekt für die Ewigkeit vorbereitet, auch weiterhin ihrer Sinne mächtig sein und dieses Geräusch hören können, sie sich sicherlich ebenso verloren und einsam fühlen müßten wie ich in diesem Augenblick.

Ich schlief auf der mottenzerfressenen Lesecouch. Meine Reisetruhe enthielt Laken und Decken. Am nächsten Morgen zwang ich mich, Pläne für mein neues Zuhause zu machen. Da ich nie eine im Haushalt beschäftigte Sklavin gewesen war, hatte ich auch niemals häusliche Pflichten gehabt, aber ich hatte immer in sauberen, ordentlichen Räumen gelebt und sogar einem Haushalt vorgestanden, also hatte ich eine vage Vorstellung davon, was getan werden mußte. Ich ging die vor mir liegende Aufgabe mit wilder Entschlossenheit an. Es gelang mir nicht nur, mir einige Blasen zuzuziehen bei dem Versuch, Feuer im Küchenherd zu entzünden, und drei Fingernägel abzubrechen, als ich die Möbel verrückte, sondern auch, so etwas wie ein Gefühl von Häuslichkeit herzustellen. Während der ersten drei Tage weigerte ich mich, meine Wohnung zu verlassen, und erst, als kein Obst mehr in der Schale übrig war, blieb mir nichts weiter übrig, als hinaus auf die Straße zu gehen. Ich wusch mich so gut ich konnte, nahm einen Korb, meine Ölflasche und mein Schabeisen*1, kleidete mich in eine unauffällige blaue Tunika und einen passenden Mantel, und verließ das Haus.

Der Quirinal war eine ruhige Nachbarschaft, sauber und mit frischer Luft. Die Häuser waren solide aus Stein gebaut, ihre Fenster öffneten sich zu Innenhöfen. Die Außentüren blieben verschlossen und wurden von Pförtnern überwacht, welche die schweren eisernen Schlösser öffneten, um Sklaven mit Körben, angemeldete Besucher, Männer und Frauen in Tragstühlen und Sänften herein- und hinauszulassen. An einigen Ecken gab es kleine, saubere Stände, die größtenteils Obst und Brot verkauften. Ich nahm allen Mut zusammen und ging zu der Frau, die an einem dieser Stände bediente, und während ich etwas Brot kaufte, fragte ich sie nach dem nächstgelegenen Badehaus. Sie zeigte mir den Weg zu einem kleinen, ruhigen Bad, dort zahlte ich den Eintrittspreis, man wies mir einen Platz zu, an dem ich meine Kleider und meinen Korb ablegen konnte und ich überließ mich den fähigen Händen der Helfer.

Ich stellte überrascht fest, daß es mir peinlich war, mich auszuziehen. Nacktheit war ein wichtiger Teil meines früheren Lebens gewesen, und ich hatte die Bäder in Cassius' Villa und im Lager in Moesia mit einem Dutzend anderer Frauen geteilt, ganz zu schweigen von den Mädchen und den sich um uns kümmernden Sklaven. Aber irgendwie war sich vor Fremden auszuziehen unangenehmer als ich erwartet hatte. Vermutlich dachten die Sklaven, die mich mit duftendem Öl einrieben und meine Haut mit einem Striegel abschabten, ich sei ein wenig seltsam oder vielleicht noch nicht an die Gebräuche der großen Stadt gewöhnt. Aber sie waren gut ausgebildet, und allmählich entspannte ich mich unter ihren kundigen Händen. Als ich das Dampfbad verließ, fühlte ich mich sehr viel wohler und erlaubte ihnen, mir das Haar zu waschen, bevor ich das tepidarium*2 betrat. Wie immer mied ich das frigidarium, denn ich hatte noch nie verstehen können, welches Vergnügen man darin finden sollte, sich in kaltes Wasser zu tauchen.

Als ich die Bäder verließ - sauber, gepflegt und duftend nur zu meinem eigenen Vergnügen und nicht zu dem des nächsten auf mich wartenden Mannes - fühlte ich mich sehr viel selbstsicherer. Auf dem Heimweg blieb ich an einem anderen Stand stehen und kaufte etwas Obst, und einen Straßenzug weiter entdeckte ich einen Händler, dessen vitellina fricta *3 herrlich dufteten. Einer plötzlichen Eingebung folgend kaufte ich eine Portion und zuckte zusammen, als der Mann hinter der Theke sie in eine alte Schriftrolle einwickelte, auf die offenbar ein Gedicht geschrieben war ... Ich eilte heim und hoffte, wenigstens einen Teil des Textes retten zu können. Einen Moment lang geriet ich in Panik, als ich glaubte, mich verlaufen zu haben, und nicht einmal den Namen der Straße und die Nummer des Hauses wußte, wo ich nun lebte ... aber ich bewahrte genug Ruhe, um zu meinem Haus zurückzufinden. Als ich das Päckchen auf einen Teller legte, war die Umhüllung bereits von Fett durchtränkt, und der Papyrus war unmöglich mehr zu retten. Aber plötzlich spielte das keine Rolle mehr: ich stellte fest, daß ich beinahe am verhungern war. Das gebratene Kalbfleisch war köstlich.

Der erste Besucher klopfte zwei Tage später an meine Tür. Ich war nicht überrascht, Cornelius Crassus an der Türschwelle vorzufinden, denn außer dem Bankier war er der einzige, der wußte, wo ich wohnte.
Wir sahen einander schweigend an. Dann lächelte er vorsichtig.

"Guten Tag, Herrin. Darf ich eintreten?"

"Guten Tag, Quästor. Bitte, komm herein."

Sollte Cornelius Crassus überrascht gewesen sein, mich in eine schlichte sandfarbene Tunika gekleidet vorzufinden, mit einem Stück Tuch um die Taille gebunden, das als Schürze herhalten mußte, so ließ er es sich nicht anmerken. Ebensowenig gab er zu erkennen, ob die Tatsache, daß ich gegen seinen Rat mein hüftlanges Haar immer noch offen trug, ihn überraschte oder beunruhigte.

"Herrin, ich bin gekommen, um Dir Deinen Siegelring zu bringen. Er erlaubt es Dir, Rechnungen zu begleichen und andere geschäftliche Transaktionen vorzunehmen. Bewahre ihn an einem sicheren Ort auf." Er händigte mir einen kleinen  Beutel aus, welcher sehr viel schlichter war als jener, den mir der Kaiser gegeben hatte, um seinen eigenen Siegelring darin zu verwahren. Meiner war nicht so groß wie der eines Mannes und sehr viel leichter, aber er sah immer noch beeindruckend genug aus. Als ich den Ring drehte, um mir die Gravur anzuschauen, die ich von nun an in Siegelwachs drücken würde, mußte ich lachen, denn die Gestalt, die zukünftig die Echtheit meiner Briefe bezeugen sollte, war eine Eule.

Die Eule ist das Symbol der Göttin Minerva, eines fast vergessenen Kultes unter jenen der zwölf Hauptgottheiten, die Rom von Griechenland übernommen hatte. Es war nicht erstaunlich, daß ihre Altäre in der großen Stadt Rom selten und meist vernachlässigt , ihre Anhänger wenig und ihre Priester noch weniger waren, denn was soll Rom mit einer jungfräulichen Kriegerin anfangen, die zugleich Schützerin von Weisheit und Krieg ist? Wie sollten die tapferen römischen Soldaten ein helmtragendes Mädchen um Schutz bitten, bevor sie in die Schlacht zogen? Und wie sollten die mächtigen Männer, die von ihren Marmorsitzen im Senat aus über die Zukunft von Millionen entschieden, sich so weit herablassen, eine kalte Schönheit, die einen Brustpanzer über ihrer fraulichen Tunika trägt, um Rat zu bitten? Wie sollten ihre frommen Ehegattinnen und Töchter an einem rachsüchtigen Weib interessiert sein, das die Krähe von makellosem Weiß in Pechschwarz verwandelt und eine schöne Sterbliche, die es gewagt hatte, ihre Stickkünste in Zweifel zu ziehen, in eine widerliche Spinne verwandelt hatte? Wie sollten sie sich für eine Göttin interessieren, die im Kampf Mann (oder in diesem Falle: Frau) gegen Mann jene lüsternen Unsterblichen überwunden hatte, die sie zu vergewaltigen versucht hatten, und die nicht einmal von einer anderen Göttin geboren worden, sondern aus dem Kopf ihres Vaters hervorgegangen war? Nein, die Römer lieben ihren mächtigen Jupiter, ihren prophetischen Apoll, den wütenden Mars und auch den wilden Bacchus, den Gott des Weines und göttlicher Tollheit. Und was die weiblichen Gottheiten betrifft, so haben sie ihre sinnliche Venus und die keusche Vesta. Sie akzeptieren die jungfräuliche Diana, weil sie die Schutzherrin der Jagd ist,  - und alles, was mit Vergießen von Blut zu tun hat, erfährt sofort römische Zustimmung ... und sollten sie einer vorbildlichen Ehefrau bedürfen, dann wenden sie sich an Juno, die Jupiters Seitensprünge erduldete und ihm legitime Kinder gebar, gleich wie man es von den ehrbaren römischen Matronen erwartete.

Nein, anders als bei den alten Griechen, die ihre Pallas Athena zur Schutzherrin ihrer Hauptstadt machten und sie lediglich deren allmächtigen Vater Zeus nachordneten, ist ihre römische Variante nichts als eine Kuriosität, die nur das Interesse von Leuten wie mir erregen kann - einer Sklavin, die eine Hure gewesen war, die sich jedoch nichts sehnlicher wünschte, als lesen und schreiben zu lernen - ,also von Leuten, die selbst eine Kuriosität sind. Einen Moment lang fragte ich mich, welche Gottheiten Maximus wohl verehrte, denn ich war mir sicher, daß er, im Gegensatz zu mir, ein gläubiger Mann war. Da er Soldat war, hatte sicherlich Mars einen Platz auf seinem privaten Altar. Aber er war auch ein Bauer, und daher gehörten bestimmt ebenso Ceres, der Göttin der Ernten, ein Teil seiner Gebete und Opfer.

"Und hier ist das Dokument, das Deine Freilassung beglaubigt", sagte Cornelius Crassus und brachte mich aus meinen Grübeleien zurück in die Gegenwart. "Ich habe Dich bereits als Freigelassene in das öffentliche Register eingeschrieben. Da Du im Besitz eines Mannes warst, der des Verrates angeklagt war und dessen Güter konfisziert worden sind, war Dein letzter Besitzer rechtlich gesehen der Imperator, und Du wirst als eine kaiserliche Freigelassene betrachtet. So jedenfalls sagt es das Dokument, und ich schlage vor, Du bewahrst es in Deinem Bankfach auf. In bestimmten Fällen wird man von Dir erwarten, daß Du es vorlegst, zum Beispiel wenn Du Grundbesitz erwerben willst oder  ... bevor Dein Ehevertrag unterzeichnet wird ... "

Bevor ich ihm abermals versichern konnte, daß ich nicht zu heiraten vorhätte, sprach er weiter.

"Da Du mir nicht gesagt hast, bei welchem Namen Du als Freigelassene genannt werden willst, nahm ich mir die Freiheit und wählte ihn für Dich aus. Ich hoffe, daß Du nicht enttäuscht sein wirst."

Ich öffnete die Schriftrolle, die er mir entgegenhielt, und überflog sie kurz:  obwohl ich kaum lesen konnte, war es mir doch möglich, meinen eigenen Namen auszumachen, und dahinter den Vatersnamen, den der Quästor für mich ausgewählt hatte. Ich mußte lächeln,  als ich ihn entzifferte. Nein, ich war nicht enttäuscht. Nur belustigt.

Cornelius Crassus betrachtete mich aufmerksam. Es gelang mir, ihm ein Lächeln zu schenken.

"Danke, Quästor", sagte ich leise.

"Es ... es gibt noch einen anderen Grund, warum ich Dich besuchen kam, Herrin. Ich verlasse Rom. Befehle des Kaisers. Einige Angelegenheiten in Britannien erfordern, daß ich mich dort hinbegebe ... "

Wie bereits in jener Nacht in meinem Zelt, während des Sturmes, wirkte Cornelius Crassus nun wieder verletzlich, einsam und jung. Vage fragte ich mich, ob der Marschbefehl nur ein weiterer Beweis dafür war, wie leicht Marcus Aurelius in den Herzen von Männern und Frauen lesen konnte, und falls der Kaiser wußte, daß der junge Quästor sich für seinen "persönlichen Schützling" mehr interessierte als gut für ihn war, dann hatte der Imperator ihm Zeit genug gelassen, seine Pflicht zu tun, bevor er ihn aus der Stadt entfernte, um zu vermeiden, daß er sich völlig zum Narren machte.

"Ich hatte erwartet, länger in Rom zu bleiben", sagte er, als ob er auf eine unausgesprochene Frage antwortete. "Aber ich breche morgen nach Ostia auf, und in einigen Tagen werde ich mich nach Britannien einschiffen. Ich weiß nicht, wie lange ich dort bleiben werde ..."

Ich sagte nichts und Cornelius Crassus holte tief Luft.

"Wie Du weißt, Herrin, bin ich ein treuer Diener des Imperators, und als Du geholfen hast, das Imperium zu retten, hast Du auch geholfen, sein Leben zu retten. Dafür bin ich Dir dankbar. Ich habe gehofft, Zeit genug zu haben, um Dir meine Dankbarkeit und Treue zu beweisen, aber ich bin ein Diener Roms und man verlangt einmal mehr von mir, meine Pflicht zu tun."

"Ich hoffte, zum Beweis meiner Dankbarkeit Dir ein Geschenk mitbringen zu können, aber es wird noch etwas dauern, bis es hier sein wird, und wenn es ankommt, werde ich nicht mehr da sein. Aber ich habe die notwendigen Vorkehrungen getroffen, und Du wirst es erhalten, sobald es in Rom ankommt ... "

Ich war bestürzt. Ein Geschenk? Ich wollte protestieren, aber er brachte mich mit einer Handbewegung zum Schweigen.

"Es ist mir gelungen, für Dich ein Geschenk zu besorgen, das so viel wert ist wie das Lösegeld für einen König, das Dich aber in keinster Weise kompromittieren wird. Ich bin sicher, Du wirst den bestmöglichen Gebrauch davon machen."

Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, und Cornelius Crassus war sichtlich darum bemüht, sich nichts anmerken zu lassen. "Danke, Quästor", murmelte ich nur, um das peinliche Schweigen zu brechen. Er nickte, wandte sich dann um und ging zur Tür. Ich folgte ihm, und er wartete, daß ich das Schloß öffnete. Er trat über die Schwelle und blickte mich dann noch ein letztes mal an.

"Leb wohl, Herrin. Mögen die Götter Dich beschützen."

"Leb wohl, Quästor. Mögen sie auch Dich beschützen und Dir Glück schenken."

Er verneigte sich, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand aus meinem Leben.

Eine Woche später war ich noch immer damit beschäftigt, die große, leere Wohnung in so etwas wie ein Heim zu verwandeln. An dem Morgen, als ich nach dem besten Weg suchte, um die alte Lesecouch aus dem Vorzimmer in mein Schlafzimmer zu transportieren, wurde ich durch ein Klopfen an meiner Tür aufgeschreckt. Rubia, die mich von ihrem Platz auf dem Tisch aus beobachtet hatte, zuckte mit den Ohren.

Ich runzelte die Stirn. Wer mochte das sein? Cornelius Crassus? Nein, er war auf dem Weg nach Britannien, und der Ausdruck seiner Augen hatte mir verraten, daß er beschlossen hatte, niemals zu mir zurückzukommen. Eine der Frauen? Das war nicht wahrscheinlich. Sie waren zu beschäftigt oder zu geblendet von ihrem eigenen neuen Leben, um genügend Zeit und Kraft für einen Besuch bei mir zu haben und sollte dies dennoch der Fall sein, wüßten sie nicht, wo ich zu finden war ...

Wer immer es war, er klopfte erneut und nötigte mich, zur Tür zu gehen. Meine Tritte hallten in den fast leeren Räumen wider, und der Besucher klopfte zum drittenmal, bevor ich die Tür erreichte und sie aufriß.

Es war ein Mann. Ich hatte ihn niemals zuvor gesehen. Er war hochgewachsen und Anfang Vierzig, mit dichtem, welligem, wunderschönem weißem Haar. Seine Haut war leicht gebräunt, die Augen haselnußbraun, die Gesichtszüge angenehm ohne schmeichlerisch zu wirken, die Art von Gesicht, die von Intelligenz und Sensibilität zeugt. Er war glatt rasiert, in eine vornehme, makellose Toga gekleidet und strahlte eine natürliche Eleganz aus.

Er sah mich einen Moment lang an und lächelte dann. Sein Lächeln war einfach ansteckend und man konnte nicht umhin, es zu erwidern, selbst wenn man sich gar nicht bewußt war, daß man zurücklächelte. Es war ein Lächeln, das Vertrauen einflößte und Trost spendete. Dann begann der Mann zu sprechen, und seine Stimme war, wie man es erwartet hatte: sanft, gebildet, beruhigend und mit einer unterschwelligen Andeutung von Humor.

"Er hatte also recht", sagte er, und sein Lächeln wurde breiter. "Du siehst genau so aus, wie wir uns immer die Sirenen vorgestellt hatten."

Der Mann, der Cornelius Crassus' Lehrer gewesen war, verneigte sich und sagte in seiner angenehmen, kultivierten Stimme: "Verzeih mir, Herrin, ich wollte nicht respektlos sein. Es ist nur so, daß ich immer ein Faible für die Sirenen gehabt habe, aber ich hatte nie die Gelegenheit, persönlich einer zu begegnen."

Ich starrte ihn entgeistert an. Nicht wegen des Kompliments - obwohl es maßlos übertrieben war - sondern weil Cornelius Crassus' Abschiedsworte nun einen Sinn ergaben. Der Quästor hätte versuchen können, mich mit Juwelen und Seide zu ködern, seine Geliebte zu werden, statt dessen hatte er es vorgezogen, mir zu helfen, meinen eigenen Weg zu finden, indem er mir das versprochene Geschenk machte, welches das Lösegeld eines Königs wert war, mich jedoch nicht kompromittieren würde. Und sein Geschenk war hier, stand geduldig an meiner Türschwelle und lächelte mich freundlich an.

"Darf ich hereinkommen, Herrin?" fragte der Mann. "Ich denke, wir sollten miteinander reden."

Eine Entschuldigung murmelnd öffnete ich die Tür weiter, um ihn hereinzulassen, während ich etwas Unzusammenhängendes stotterte, daß ich nicht auf Besucher vorbereitet sei. Apollinarius tat meine Entschuldigung mit einer eleganten Handbewegung ab und blickte sich um.

"Ich bin Apollinarius, Herrin. Aber ich bin sicher, daß Du das bereits weißt, wie Du sicherlich ebenfalls weißt, daß ich Cornelius Crassus' Lehrer gewesen bin. Der Quästor dachte sich, Du würdest mich gern kennenlernen."

"Was hat Cornelius Crassus Dir über mich erzählt?" fragte ich und bemerkte dabei zerstreut, daß ich zum erstenmal seinen Namen ausgesprochen hatte.

"Daß Du ebenso klug wie schön bist, und daß Du daran interessiert sein könntest, Deine Bildung zu vervollkommnen. Wenn Du an mir als Lehrer interessiert sein solltest, Herrin, so wäre ich im Moment frei und würde Dich mit Vergnügen unterrichten. Aber Du mußt wissen, daß ich nie eine Dame oder einen Erwachsenen unterrichtet habe ..."

Ich spielte nervös mit meinen Fingern. Wir standen mitten in einem beinahe kahlen Raum, und unsere Stimmen hallten in der Leere des Zimmers wider. Die Sonne fiel durch einen offenen Fensterladen und beleuchtete das schöne Profil des Mannes, der ganz entspannt zu sein schien - trotz jeglichen Mangels an Behaglichkeit, der den Raum beherrschte, und trotz der Unbeholfenheit der Frau, die vor ihm stand. Mein Unbehagen verwandelte sich plötzlich in Ärger.

"Du weißt, was ich meine!"

Er blickte mich weiter auf seine sanfte, freundliche Art an und sagte: "Herrin, es gibt nichts, über was Du Dir Gedanken machen müßtest ..."

"Mach Dich nicht über mich lustig!" fuhr ich ihn an.

Der weißhaarige Mann sah mich einen langen Moment an, dann ging er zum Tisch hinüber und langte mit seiner manikürten Hand nach Rubia. Die Katze akzeptierte sein Streicheln dankbar, was wiederum weiter zu meiner Verwirrung beitrug: Rubia hatte immer jeden außer mir und Rufa abgelehnt. Ich sah die Katze böse an, aber sie schnurrte laut, während der Mann sie mit erfahrener Hand hinter den Ohren kraulte. Er ging zu meiner Lesecouch und setzte sich hin. Die Katze immer noch im Arm haltend schien er ganz in Gedanken versunken zu sein. Als er wieder aufblickte, war sein Gesicht nicht länger eine schöne Maske sondern ein offenes Buch. Er wußte, daß ich wußte, was er war. Ein Mann, der keine Frauen liebte. Ein ehemaliger Sklave wie ich selbst. Jemand, der Schmerz und Demütigung und Einsamkeit kannte. Ein Überlebender. Jemand, der Bücher und Worte, Schönheit und Katzen liebte. Jemand, der mich verstehen konnte ... also jemand, dem nahe zu sein ich begierig war - und es gleichzeitig fürchtete. Er war jemand, den ich brauchte, aber er war auch gefährlich.

 

"Ich wurde in Griechenland geboren, aber als ich sechs Jahre alt war, nahm man mich meiner Mutter weg und sandte mich auf einem Schiff nach Alexandria", begann er. "Ich war nicht allein. Da waren noch mehr Jungen und Mädchen in meinem Alter, wir alle fürchteten uns entsetzlich aber uns war viel zu übel, als daß wir hätten weinen können. In Alexandria durften wir uns erholen, man gab uns zu essen, badete und pflegte uns. Aber man gab uns keine Kleider. Wir waren nackt, als man uns zum Verkauf auf den Block stellte. Unsere potentiellen Käufer betatschten und begutachteten uns, und offensichtlich waren sie mit dem, was sie sahen, zufrieden, denn in Kürze waren wir alle verkauft. Zusammen mit anderen Jungen war ich von dunkelhaarigen, dunkeläugigen Männern, die exotische Kleidung trugen, gekauft worden. Schon bald war ich wieder auf einem Schiff, diesmal auf dem Weg nach Syrien. Lange bevor wir in Antiochia ankamen, wußte ich, was mir bevorstand. Sobald wir auf  See waren, vergewaltigten unsere neuen Herren uns - einen nach dem anderen ..."

Er machte eine Pause. Ich ging leise hinüber zur Couch und setzte mich neben ihn, fasziniert von seiner Stimme, beschämt durch die Tragödie seines Lebens und die Würde, die er sich zu erhalten vermocht hatte.

"Ich wurde in ein Bordell mit männlichen Huren verkauft, ein luxuriöses Haus, das von den Reichen mit dieser Neigung und selbst von hohen römischen Beamten bevorzugt wurde. Am Anfang lehnte ich mich auf ... und man bestrafte mich hart. Ich lernte meine Lektion und von da an bekam ich gut zu essen, wurde gepflegt, geradezu verhätschelt, man lehrte mich die Feinheiten meines Berufes ... und ich wurde gezwungen, meinen Herren reichlich zu erstatten,, was sie für mich bezahlt hatten. Ich litt. Ich überlebte. Ich wuchs heran. Aber als ich sechzehn war, wurde ich ruhelos. Ich wollte mehr. Ich wollte Luft atmen, die frei war von dem widerlichen Geruch des parfümierten Öls, das Tag und Nacht in den Lampen des Bordells brannte und das man mir in die Haut einmassierte. Ich wollte lernen. Reisen. Fragen stellen und Antworten erhalten. Ich wollte frei sein ..."

Der griechische Freigelassene machte wieder eine Pause, und ohne ein Wort hob ich meine rechte Hand und legte sie auf die seine, während er fortfuhr, die Katze zu streicheln, die überglücklich zu sein schien. Er hob den Kopf und lächelte mich an, ein schwaches Lächeln, das mir das Herz schmerzlich weit werden ließ, denn es war so süß und jungenhaft, daß es mich an Maximus' Lächeln erinnerte.

"In der Nacht, als er das Bordell besuchte, fragte er nicht nach mir. Wir hatten uns nie zuvor gesehen. Der einzige Grund, daß wir uns kennenlernten, war, daß ich in meiner Frustration und meiner Wut beinahe einen besonders widerlichen Kunden getötet hätte. Er sah mich, als ich von den Wachen des Bordells aus dem Zimmer gezerrt wurde, man mich brutal schlug und trat, während der Kunde schrie, daß ich gekreuzigt werden sollte, und mein Herr geneigt schien, seiner Forderung nachzukommen. Aber er trat hinaus in den Gang und befahl den Schlägern einzuhalten. Er besaß eine gebieterische Stimme, eine Stimme, die daran gewöhnt war, daß man ihr gehorchte. Als ich aufblickte, sah ich einen hochgewachsenen Mann von Anfang Fünfzig. Obwohl er legere Kleidung trug, war es doch ersichtlich, daß es sich um einen hochrangigen römischen Beamten handelte. Die Haltung meines Herren wandelte sich in Unterwürfigkeit, und der frustrierte Kunde verstummte plötzlich. Der edle Herr befahl den Wachen, mich aufzurichten, und er benutzte sein eigenes Taschentuch, um mein blutiges Gesicht zu reinigen.

'Wie heißt Du, schöner Knabe?' fragte er, und ich nannte ihm meinen Namen, denn seine Augen waren sanft, so sanft wie seine Stimme. 'Wie alt bist Du?' fragte er weiter, und ich antwortete ohne zu zögern. Er lächelte. 'Ich gebe Dir zehntausend Sesterzen für ihn', sagte er zu meinem Herrn, ohne ihn auch nur anzusehen. Geld wechselte den Besitzer, und man brachte mich in sein Haus ..."

Und wieder machte der weißhaarige Mann eine Pause. Es war nur zu ersichtlich, daß seine Erzählung einen Punkt erreicht hatte, der ihm besonders teuer war - oder der ihn besonders schmerzte.

"Er war ein ehemaliger römischer Konsul, sein Name ist nicht von Bedeutung. Als ich mich genügend erholt hatte, reisten wir zu seinen Gütern in Griechenland. Er hatte den größten Teil seines Lebens in den Provinzen verbracht, zuerst als Soldat, dann als Beamter, und nun zog er es vor, das ruhige Leben eines Gelehrten weit weg von Rom zu führen. Wir unterhielten uns stundenlang, und als er entdeckte, daß ich mich danach sehnte zu lernen, nahm er meine Erziehung selbst in die Hand. Er lehrte mich alles, was er wußte, und als das nicht ausreichte, meinen Wissensdurst zu stillen, stellte er Lehrer ein und war stolz auf meine Fortschritte. Er nahm mich mit in die Bibliotheken, das Theater, zu öffentlichen Lesungen. Er machte mich zu seinem Reisegefährten. Er gab ohne Ende und ohne eine Gegenleistung zu fordern. Und als ich in sein Bett ging, da tat ich dies nicht aus Pflicht sondern aus Liebe. Wir genossen zehn Jahre seligen Glücks, und Apollinarius, der Geliebte, ersetzte Apollinarius, die Hure."

Er sprach seinen eigenen Namen in einem liebenswerten singenden Tonfall aus, der einzige, kaum merkliche Akzent in seinem sonst makellosen Latein.

"Von Zeit zu Zeit kamen wir nach Rom. Wir waren hier, als er plötzlich krank wurde, und bald mußten wir, daß unsere gemeinsamen Tage gezählt waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mir bereits die Freiheit geschenkt und für meine Zukunft Vorsorge getroffen. In seinem Testament hinterließ er mir ein beträchtliches Erbe, aber nachdem er gestorben war, weigerte sich sein ältester Sohn, der als Testamentsvollstrecker fungierte, den letzten Willen seines Vaters zu ehren. Aber ich war nicht mittellos, denn ich besaß einen kleinen Hof in der Campania und Geld auf der Bank. Ich war damals untröstlich und nicht an Geld interessiert, mein Schmerz hatte mich so überwältigt, daß ich nicht daran dachte, einen jungen, aufstrebenden Senator wegen des Testamentes seines eigenen Vaters vor Gericht zu ziehen. Ich nahm meine Bücher und begab mich auf mein kleines Gut. Ich wollte mir das Leben nehmen, aber ich hatte ihm auf dem Totenbett versprechen müssen, es nicht zu tun. Ich war dazu verdammt zu leben. Dazu verdammt, allein zu sein ..."

Die Augen des Freigelassenen schwammen in Tränen, aber er fuhr fort mit seiner Erzählung.

"Es verging fast ein Jahr, und eines Tages stand ein Mann vor meiner Tür. Er war ein alter Freund meines geliebten Herrn gewesen, auch ein hochrangiger römischer Beamter, der dessen Liebe zu Büchern, Geschichte und Kunst geteilt hatte. Er hatte schon immer meine Kenntnisse gerühmt und mich scherzhaft den perfekten griechischen Lehrer genannt. Der besorgte Ausdruck in seinen Augen sagte mir, daß ich miserabel aussehen mußte, und ich fühlte mich seltsam beschämt. Wir tranken Wein zusammen, und der Mann erklärte mir, daß er mich seit Monaten gesucht habe. Der plötzliche Tod seiner verwitweten Tochter hatte ihn mit zwei Enkelsöhnen zurückgelassen, die es aufzuziehen und auszubilden galt. Er wollte, daß ich ihr Lehrer würde. Ich wollte nein sagen, auf meinem Hof bleiben, weit weg von Rom und meinen Erinnerungen. Aber gleichzeitig machte mir dieser Besucher aus der Vergangenheit deutlich, daß ich dringend einer Veränderung bedurfte. Ich ging mit ihm nach Rom. Ich lernte seine Enkelsöhne kennen und begann, sie zu unterrichten. Und ich entdeckte, was für eine dankbare Aufgabe das Lehren sein kann, der Stolz und die Freude, einem jungen, hungrigen Geist Nahrung zu bieten. Als die Jungen in die Armee eintraten, sandte mich ihr Großvater zu der Familie der Cornelier ... "

Apollinarius' Lächeln spiegelte nun deutlich seine Zuneigung wider.

"Der Quästor war immer mein Lieblingsschüler gewesen. Er war klüger als sein Bruder, aber er war sowohl von seinem Vater als auch von seinem früheren Lehrer, diesem Idioten, übel benachteiligt worden. Der junge Crassus war eine Herausforderung, und das ist nicht jedermanns Sache ... "

Sein Lächeln wurde noch breiter. "Ich hatte mich vor zwei Jahren zur Ruhe gesetzt, aber als der Quästor mich in der Campania aufsuchte, sagte er, daß mich in Rom eine Herausforderung erwarte, der ich nicht würde widerstehen können, eine Frau, klug und mutig, und sie sähe genau so aus, wie wir uns immer die Sirenen erträumt hätten.

"Und was denkst Du?" unterbrach ich ihn schnippisch - ich konnte mich einfach nicht zurückhalten.

Er grinste. "Ich denke, daß es mir ein Vergnügen wäre, Dich zu unterrichten!"

Ich grinste zurück. "Wann willst Du anfangen?"

Der griechische Freigelassene runzelte die Stirn: "Wie wäre es mit sofort?"

Meine Augen weiteten sich vor Erstaunen. "Sofort?" entfuhr es mir, und ich stellte peinlich berührt fest, daß meine Stimme vor Aufregung eher einem Quieken glich.

"Hast Du etwas Besseres vor?" konterte er scharf.

"N...nein", antwortete ich. Er grinste. Ich erwiderte sein Grinsen. Wir schauten einander einen Moment lang an und dann, wie auf ein geheimes Signal, lachten wir gemeinsam.

Ich sah Cornelius Crassus nur noch einmal. Es war drei Jahre später im Theater. Ich war in Begleitung meines Mannes dort und er mit seiner Frau. Sie saßen einige Reihen vor uns, und ich entdeckte sie, als er sich zufällig zu mir umwandte. Er trug die makellose Toga mit dem Purpurstreifen und war also inzwischen wie erwartet ein Mitglied des Senats geworden. Die Frau an seiner Seite war auf eine weiche und angenehme Weise schön, während meine Schönheit mehr der einer Statue glich, kalte Schönheit, welche die Männer dazu veranlaßte, sich nach mir umzuschauen und sich nach meinem Namen zu erkundigen. Die Seide ihres Gewandes hatte den so vertrauten meergrünen Farbton, während ich in mitternächtliches Blau gekleidet war. Ihr Haar war kunstvoll hochgesteckt, und sie trug eine teure und dennoch geschmackvolle etruskische Tiara und den passenden Halsschmuck. Meine Saphire waren ebenso geschmackvoll und ebenso teuer und meine Frisur so kunstvoll  wie die ihre.

Meine und Cornelius Crassus' Blicke trafen sich für einen Moment, und ich sah, wie seine Augen aufblitzten, zuerst ein Wiedererkennen, dann offene Bewunderung. Als er den eleganten Herrn mit dem silbergrauen Haar an meiner Seite sah, riß er sich zusammen und nickte kurz. Ich nickte ebenfalls, und zweifellos hatte mein Gemahl unseren kurzen Austausch bemerkt. Nichts entging seiner Aufmerksamkeit, obwohl er es meistens vorzog, dies niemand wissen zu lassen. Cornelius Crassus' Gemahlin legte eine Hand auf seinen Arm, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, und wandte mir ihr elegantes Profil zu. Der ehemalige Quästor hatte alten Adel und gutes Geld geheiratet. Ich hoffe, daß er auch das Glück geheiratet hatte, denn er war ein guter Mann.

Die Dame hatte rotgoldenes Haar.
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*1 Schabeisen  strigilis;  Striegel aus Metall oder Horn, beim Baden zum Abstreifen des Öls vom Salben der Haut gebraucht

*2 tepidarium    In den Thermen (Bädern) angekommen, ging der Besucher zunächst zum apodyterium (Umkleideraum), wo er seine Kleider zurückließ. ... es gab nach vorne hin offene,     schrankähnliche Einrichtungen, ... ein Äquivalent unserer heutigen Schließfächer. Statt eines Schlosses wurde ein Bediensteter oder Sklave dafür bezahlt, auf die Kleidung aufzupassen. Der Besucher konnte sich (normalerweise mit parfümiertem Öl) einreiben. Dann besuchte er in der Regel das caldarium (einen Raum mit heißen Bädern). Nachdem er eine Weile im Dampf gesessen hatte und in die Heißwasserbäder eingetaucht war, kratzte er sich das Öl zusammen mit dem Schmutz und abgestoßenen Hautpartikeln mit einem metallischen Schaber ab (unter Umständen wurde das von einem Bediensteten übernommen). Dann ging er durch das tepidarium (Raum mit lauwarmen Bädern, Übergangsraum) zum frigidarium (einem Raum mit kalten Tauchbädern).

*3 vitellina fricta  gebratenes Kalbfleisch


7. Hochzeit - 175 A.D.

Wenn ich auf jene ersten Monate zurückblicke, die ich mit Apollinarius gemeinsam verbracht habe, dann muß ich lächeln. Ich blicke zurück und sehe ein blauäugiges, rotblondes Mädchen, das ihre Aufregung kaum im Zaum halten konnte, während sie auf den täglichen Besuch ihres neuen Lehrers wartete. Eine ehemalige Sklavin und Hure, die sich den Kopf über einen Papyrus zerbrach, während sie gedankenverloren am Stiel ihres Schreibrohres kaute. Eine Freigelassene, die nur zu leicht das Essen vergaß, während sie hungrig eine Schriftrolle nach der anderen verschlang, ihren Geist und ihre Seele nährte, ihren Körper jedoch vernachlässigte. Apollinarius entsprach exakt der Beschreibung, die Cornelius Crassus mir von ihm gegeben hatte: ein Gelehrter, der das Wissen liebte, aber mit beiden Beinen im Leben stand, ein geborener Lehrer, ein kluger, sensibler Mann, der keines Klassenzimmers bedurfte, um seine Lektionen zu erteilen, denn seine Schule war das Leben selbst.

Er nahm sich eine Wohnung auf dem Quirinal, dicht an der Stadtgrenze, und kam jeden Morgen zu mir, um mir Unterricht zu erteilen. Hauptsächlich Lesen und Schreiben. Dann fügte er allmählich Rechnen, Geschichte, Geographie, Kunst, Philosophie und Griechisch hinzu. Um die Wahrheit zu sagen: er versuchte, Schritt für Schritt allmählich fortzuschreiten, aber ich drängte ihn mit solcher Ungeduld, daß er lachen mußte. Er erlaubte mir, meinen eigenen Rhythmus zu finden, und als ich entdeckte, daß Mathematik nicht so leicht war, wie ich es mir vorgestellt hatte, bedachte er micht nicht mit dem "Ich-habe-es-Dir-gleich-gesagt"-Blick, sondern wiederholte geduldig meine Lektionen, und wenn ich am Rande der Verzweiflung war, lehrte er mich meine ersten Vorstellungen über Geometrie, und ich entdeckte, daß mir dies sehr viel leichter zugänglich war. So fanden wir gemeinsam den Weg, mit Zahlen umzugehen.

Als ich mich beschwerte, daß ich nicht schnell genug lernte, daß es so viel zu lesen gab und ich es nie alles würde bewältigen können, da behandelte er mich nie gönnerhaft oder machte sich über mich lustig. Statt dessen zählte er all das auf, was ich bereits bewältigt hatte, bevor ich ihn traf: mein makelloses Latein, wie man es in der römischen Oberschicht sprach, meine Umgangsformen, meinen guten Geschmack und mein angeborenes Talent zu organisieren und mit den Dingen auf methodische Weise umzugehen. "Ganz zu schweigen von Deinem gesunden Menschenverstand, Julia", fügte er von der anderen Seite des Tisches aus hinzu. "Und gesunden Menschenverstand kann man weder lernen noch auf dem Trajansmarkt kaufen. Du kannst ihn nicht erben, noch kann man ihn Dir mitgeben zusammen mit einem Namen und einer Bulla: Du hast ihn oder Du hast ihn nicht." Obwohl mich das nur wenig über meine Schwierigkeiten mit griechischer Deklination hinwegtröstete, konnte ich nicht umhin zuzugeben, daß er recht hatte: Silvia Cornelias Latein war nicht besser als das meine und ihre Manieren und ihr Geschmack waren entschieden schlechter ... ganz davon zu schweigen, wie sie ihre nachlässigen, schlecht ausgebildeten Hausangestellten beaufsichtigte - oder auch nicht beaufsichtigte. Und von gesundem Menschenverstand konnte bei ihr keine Rede sein.

Apollinarius beschränkte seinen Unterricht nicht auf Bücher. Er nahm mich mit auf die Straßen, die Märkte, in die Bibliotheken, das Forum, die Theater. Er führte mich in saubere, respektable Gasthäuser, und während wir aßen, erzählte er mir Geschichten von seinen Reisen. Sein Rat war immer liebenswürdig und seine Vorschläge feinfühlig und klug. Ein Wort hier und dort half mir zu entdecken, wie ich meine Wohnung einrichten, wie ich mich für eine abendliche Einladung kleiden und wie ich mein Leben in Allgemeinen gestalten wollte. Er ermutigte mich, es zu wagen, die Dinge zu tun, die ich schon immer tun wollte, und er hielt mich davon ab, dem Weg zu folgen, auf den mich Haß und Abneigung zu drängen drohten. Je mehr sich meine Bildung unter seiner Anleitung vertiefte, desto eher schien es möglich, daß ich meine Vergangenheit würde hinter mir lassen können.

Als er eines Tages in meine Wohnung kam, fand er mich vor, wie ich mit finsterer Miene den Inhalt eines Koffers betrachtete, in den ich die Juwelen geworfen hatte, mit denen man die Vergnügungssklavinnen herausgeputzt hatte, und auch jene, die ich persönlich von einigen der Männer erhalten hatte, denen ich zu Diensten gewesen war. In meiner Eile, mich in meinem neuen Zuhause einzurichten, und später während meiner Studien, die mich ganz gefangen nahmen, hatte ich vergessen, die nächstgelegene Kloake aufzusuchen und sie auf den Abfall zu werfen, zu dem sie - gemeinsam mit meiner befleckten Vergangenheit - gehörten.

An jenem Morgen erteilte er mir nicht wie gewöhnlich meine Unterrichtsstunde. Statt dessen setzte er sich hin und hörte mir zu, wie ich ihm von Cassius und meiner Kindheit in der Villa erzählte, über die Sklavinnen, die eine besondere Aufgabe zu erfüllen hatten, über den Senator und über meine Dienstjahre in Cassius' privatem Bordell. Ich erzählte ihm von meiner Reise nach Moesia, wie mir der Imperator die Freiheit geschenkt hatte und warum ... aber nicht von Maximus oder wie ich mich in ihn verliebt hatte. Ich würde Apollinarius niemals sagen, daß die Stunden, die ich täglich mit ihm verbrachte, die einzigen waren, in denen Maximus nicht gegenwärtig war. Daß, wenn er sich abends von mir verabschiedete und nach Hause zurückkehrte, ich noch lange aufblieb und das nicht nur, um zu lesen und zu studieren, sondern vielmehr, weil ich im Geist immer wieder die Tage durchlebte, die ich mit Maximus in jenem Lager in Moesia verbracht hatte. Sollte Apollinarius vermutet haben, daß hinter meiner Erzählung noch mehr steckte, so fragte er nicht, und ich war dankbar dafür. Es war das erste von vielen Malen, daß ich ihm für seine Diskretion dankbar war, und ich begann, ihn immer mehr in mein Herz zu schließen.

Als ich meine Erzählung beendet hatte, nahm er den Koffer, den ich noch immer in meinen verkrampften Händen hielt, und sagte: "Überlaß das mir, Julia." Ich widersprach ihm nicht, denn ich fühlte mich plötzlich zu erschöpft, um mit ihm zu streiten. Er nahm ihn mit, und als er am nächsten Tag wiederkam, verloren wir kein Wort darüber. Aber drei Tage später kam er zu mir, gefolgt von zwei Trägern, die zwei Kisten voller wertvoller Manuskripte in meine Wohnung schleppten. "W-was ist das, Apollinarius?" fragte ich, nachdem ich meine Stimme wiedergefunden hatte. "Deine eigene Bibliothek, meine Liebe", sagte er, gab den Männern ein Trinkgeld und entließ sie. "Marcus Antonius schenkte Kleopatra zweihunderttausend Bücher aus der Bibliothek von Pergamon, um sie über den Verlust jener von Alexandria hinwegzutrösten ... ich kann einen solchen Mann nicht überbieten, aber ich kann Dir behilflich sein, Dir Deine eigene Bibliothek aufzubauen."

Tränen stiegen mir in die Augen. Ich biß mir auf die Unterlippe. "D-das hättest Du nicht tun sollen", gelang es mir hervorzubringen. "I-ich werde dich bezahlen ..." "Das ist nicht nötig", sagte er in seinem üblichen sanften Ton. "Ich habe einen guten Freund, einen Juwelier, und dieser war nur allzu glücklich, Deinen Koffer in die Finger zu bekommen ...." Er lächelte und wie immer konnte ich nicht umhin, sein Lächeln zu erwidern. "Und nun - ab zum Unterricht mit Dir! Wußtest Du, daß Königin Kleopatra dreizehn Sprachen beherrschte? Dreizehn Sprachen, meine Dame! Ich bin sicher, daß sie sich nie darüber beschwerte, es sei schwierig, Griechisch zu lernen!" Meine Lippen zitterten, während ich zwischen Weinen und Lachen schwankte. Das war unser übliches Spiel. "Natürlich tat sie das nicht!" sagte ich bissig, "sie lernte es bereits in der Wiege*1!" "Kluges Mädchen!" antwortete Apollinarius, während er sich wieder der griechischen Grammatik zuwandte.

Und nach einer angemessenen Zeitspanne beherrschte auch ich Kleopatras Muttersprache.

Es war Apollinarius, der mich mit Nicia bekannt machte. Er bestand darauf, daß ich ein Dienstmädchen bräuchte, das sich um die Wohnung, das Essen und meine Kleidung kümmerte. Wir stritten uns. Ich weigerte mich, eine Sklavin zu kaufen, eine Komplizin jenes Systems zu werden, das ein zwölfjähriges Mädchen zu einer Hure gemacht hatte. Er stimmte mir von ganzem Herzen zu und sagte mir, wie sehr er jene Freigelassenen verachte, die sich für ihre Vergangenheit entschädigten, indem sie ihren Haushalt mit menschlicher Ware anfüllten. Aber er bestand darauf, daß ich ein Dienstmädchen haben müsse. Ich entgegnete scharf, ich wolle nicht, daß jemand zusammen mit mir in dem Heiligtum meines Zuhauses lebe, in meine Privatsphäre eindringe und mein Leben ausspioniere. Als er auch darauf nur mit einem breiten Grinsen antwortete, wußte ich, daß er mich in die Enge getrieben hatte. Ich wußte, daß er eine diskrete Frau gefunden hatte, die nicht bei mir zu wohnen brauchte und dennoch ihre Pflichten erfüllen konnte.

"Wer ist sie?" fragte ich kurz über den Tisch hinweg, den wir für unsere Unterrichtsstunden benutzten. "Die Frau des Verwalters Deines Nachbarn", antwortete Apollinarius, während er die Falten seiner eleganten Toga richtete. Ich runzelte die Stirn. "Nachbar?"

Mein Lehrer seufzte. "Nachbar: Person, die neben jemandem lebt. Im allgemeinen tauscht man Grüße und Freundlichkeiten mit solcher Art Leuten aus. Diese Art von Austausch bezeichnet man gewöhnlich als 'gute Manieren'!" Er seufzte abermals. "Aber im Ernst, Julia, Du mußt dich entspannen, anfangen, Leute zu treffen, auch mit anderen außer nur mit mir und den Menschen, mit denen ich Dich bekannt mache, zu sprechen!"

"Ich kann nicht verstehen, wie ein Dienstmädchen mir dabei helfen sollte, mich zu 'entspannen'", antwortete ich ungeduldig. Ich wollte kein Dienstmädchen. Ich wollte zu meiner Unterrichtsstunde zurückkehren.

"Nicia ist ein Juwel", fuhr Apollinarius fort. "Sie ist anständig, sauber und tüchtig. Und sie lebt nur eine Treppe unter Dir! Sie kann die Hausarbeit erledigen und nachts wieder nach unten gehen - nachdem sie Dein Abendessen vorbereitet hat! - ohne in Dein Leben einzudringen ..."

Ich verzog das Gesicht. "Ist sie Griechin?" fragte ich, und Apollinarius lachte. "Natürlich ist sie das!" sagte er. Sie und ihr Gemahl sind in Mizena geboren. Er war einer der Vorarbeiter Deines Nachbarn, aber er wurde auf der Werft verletzt, und sein Herr entschädigte ihn, indem er ihn zum Verwalter seiner Wohnung in Rom machte. Da ihr Herr die meiste Zeit nicht daheim ist, haben sie nicht viel zu tun ..."

"Wie kommt es, daß Du so viel über meinen Nachbarn weißt?" fragte ich. Ich hatte schon immer den Garten der Wohnung im Parterre mit seinem ungewöhnlichen Brunnen bewundert, aber erst jetzt fiel mir auf, daß die Wohnung  - bis auf das Verwalterehepaar  - unbewohnt war.

"Weil ich nicht mit einem Blatt Papyrus vor der Nase herumlaufe", antwortete er. "Ich unterhalte mich mit den Menschen, denen ich regelmäßig begegne. Nicia hörte, wie ich eine alte griechische Weise vor mich hin summte, und schon waren wir mitten in einer Unterhaltung. Sie langweilt sich. Ihre sechs Söhne sind bereits verheiratet, und da ihr Herr für mehr als ein Jahr abwesend ist, braucht auch ihr Mann nicht viel Hilfe. Sie dachte, Du würdest sie vielleicht gern als Dienstmädchen einstellen. Übrigens hat sie festgestellt, daß Du kein Dienstmädchen hast und ..."

"Und Du und sie, Ihr habt bereits entschieden, daß ich eines haben sollte!"

"Julia, sei doch nicht so stur! Du kannst doch nicht weiter für den Haushalt sorgen, einkaufen gehen, Deine Kleidung zum Waschen bringen, kaum etwas essen oder das Essen ganz vergessen und Dich gleichzeitig um Deine Studien kümmern!"

"Ich brauche kein Dienstmädchen!" betonte ich nochmals nachdrücklich.

"Sieh es doch mal so: Wenn Du Nicia einstellst, dann wirst Du mehr Zeit für Deine Studien haben ... und Du könntest einiges unternehmen, bei dem Du unbedingt weibliche Begleitung brauchst. Zum Beispiel reisen!"

"Reisen? Ich habe nicht vor, irgendwohin zu reisen!"

"O." Apollinarius verstummte und biß sich auf die Unterlippe wie ein gekränktes Kind. Dann sagte er: "Ich dachte, Du würdest gern meinen Bauernhof in der Campania besuchen ..."

Ich war sprachlos. "Deinen Bauernhof? Du lädst mich auf Deinen Bauernhof ein?"

"Das hatte ich vor ... aber ich fürchte, ich werde wohl allein hinfahren müssen ..."

Das Herz wurde mir schwer. "Kehrst Du zurück in die Campania?" fragte ich ängstlich.

"Ich verbringe meinen Geburtstag immer auf meinem Hof."

Jetzt war ich sprachlos. Geburtstag? Er wurde als Sklave geboren und Sklaven haben weder eine Kindheit noch Spielzeug und natürlich keinen Geburtstag. Niemand zeichnet das Datum oder die Umstände unseres Eintritts in diese Welt auf. Sie zählen uns lediglich und führen Buch über uns als männlich oder weiblich gemeinsam mit dem Vieh in den jährlichen Bilanzen unserer Herren. Aber Apollinarius beanspruchte für sich, seinen Geburtstag zu feiern ....

"Als sie mich meiner Mutter wegnahmen, rannte sie mir nach und schloß mich ein letztesmal in die Arme", sagte Apollinarius mit leiser Stimme. "Bevor sie sie wegzerrten, flüsterte sie mir ins Ohr. 'Vergiß nie den Tag, an dem Du geboren wurdest! Den 13.November!' Ich kann mich nicht an das Gesicht meiner Mutter erinnern, Julia, nur an ihre Worte ... Seit mich der ehemalige Konsul aus dem Bordell gerettet hat, habe ich immer meinen Geburtstag gefeiert. In zwei Wochen werde ich zweiundvierzig."

Wir schwiegen lange. Plötzlich fragte ich mich, wann wohl Maximus' Geburtstag sein mochte. Ich wußte es nicht, und nun gab es auch keine Möglichkeit mehr, es herauszufinden, eine weitere Lücke in den wenigen Informationen, die ich schon über den Mann hatte, den ich  verzweifelt liebte und nach dem ich mich so sehnte. Ich räusperte mich. "Möchtest Du, daß ich Dich zu Deinem Geburtstag in die Campania begleite?"

"Es gibt niemand, den ich an diesem Tag lieber an meiner Seite hätte ... aber Du kannst nicht mit mir unter demselben Dach wohnen, wenn Du nicht eine eigene Dienerin bei Dir hast ..."

"Wenn ich diese Nicia mitnehme, darf ich dann mit Dir in die Campania kommen?"

Apollinarius hob den Kopf und grinste. "Natürlich kannst Du das!"

"In Ordnung! Stell sie ein! Können wir jetzt weiter lesen?"

Apollinarius lachte vor sich hin. "Ich geh hinunter und hole Nicia! Aber Du, meine Liebe, Du wirst sie einstellen!" Ich wollte protestieren, aber er unterbrach mich. "Du wirst sie einstellen, junge Dame! Betrachte es als eine andere Form von Unterricht!"

Nicia erwies sich als das Juwel, als welches Apollinarius sie gepriesen hatte. Nach einem ungelenken Beginn meinerseits - ich hatte niemals einen Diener eingestellt oder einer frei geborenen Person Befehle erteilt - und nachdem sie erst einmal ihren Hang, mich zu bemuttern, unter Kontrolle gebracht hatte, schlossen wir Frieden und alles lief glatt. Wie Apollinarius es vorausgesagt hatte, konnte ich, da die tüchtige Frau sich um alles kümmerte, viel mehr Zeit meinen Studien widmen.

Wir reisten zu dritt in die Campania und die Reise war trotz des bevorstehenden Winters interessant. Wir blieben eine Woche auf dem Bauernhof, genossen den Frieden, lange Spaziergänge in der Natur und eine nette Feier, um den Geburtstag meines Lehrers zu begehen. Noch bevor es richtig kalt wurde, kehrten wir nach Rom zurück. Als wir in dem Haus, in welchem ich wohnte, ankamen, entdeckten wir eine Gruppe von Trägern, die Gepäck hineinschleppten. Es war ein beeindruckender Zug, und Nicias Mann stand im Eingang und dirigierte die Männer zu der Wohnung im Erdgeschoß.


Mein geheimnisvoller Nachbar war zurückgekehrt.

Sein Name war Marius Servilius Tibullus, und ich traf ihn einige Tage später, als ich mit Nicia zum Markt ging. Er betrat eben das Haus, gefolgt von zwei Männern, die, wie ich später erfuhr, seine Sekretäre waren, ein hochgewachsener Mann Anfang Fünfzig, sauber rasiert, perfekt frisiert und elegant gekleidet. Er war auf eine altmodische Weise gutaussehend, das silbergraue Haar in die Stirn gekämmt und die Haut leicht gebräunt. Nicia machte uns mit einander bekannt, und wir tauschten Höflichkeiten aus. Dann sprach er noch ein wenig mit Nicia, doch er ließ mich keinen Moment aus den Augen. Aber sein Blick war nicht lüstern. Er war vielmehr, hart, abschätzend, prüfend. Irgendwie beunruhigte er mich jedoch nicht. Das war kein Mann, der von seiner Lust getrieben wurde, sondern einer, der von dem getrieben wurde, was er in seinem Kopf hatte. Ich konnte einen Mann wie ihn verstehen. Ich konnte mit einem Mann wie ihm umgehen. Er bemerkte, daß ich seiner Prüfung standhielt und schien es amüsant zu finden, denn ein leichtes Lächeln spielte um seine schmalen Lippen.

Aber das Lächeln erreichte nie seine silbergrauen Augen.

Marius Servilius Tibullus' Rückkehr beeinflußte indirekt mein Verhältnis zu Nicia. Es begann sofort nach unserem ersten Zusammentreffen, als mir mein Dienstmädchen sagte, er habe sie nach mir ausgefragt. Er war kurz angebunden gewesen wie immer aber auch gründlich mit seinen Fragen. Ich tat die Bemerkung ab, aber Nicia war zu aufgeregt, und da ich Apollinarius nicht vor einer halben Stunde erwartete, hörte ich ihr zu, während sie mit ihrer Beschreibung des Mannes fortfuhr: obwohl Marius Servilius Tibullus einen einfachen Lebensstil bevorzugte, war er doch enorm wohlhabend. Er war ein Schiffsbauer und Handelsherr, der jede einzelne Minute und seine gesamte Kraft in sein Geschäft investierte. Ein kinderloser Witwer und ein harter aber gerechter Herr. Über eine Familie war nichts bekannt, und Nicia zufolge hatte er, soweit ihnen bekannt war, niemals an irgendeiner Frau Interesse gezeigt. Und sie kannten ihn bereits seit über zwanzig Jahren.

Ich zollte Nicias Worten nicht mehr Aufmerksamkeit als dem Klatsch, den man in den Bädern oder auf den Märkten hörte, aber als die erste Amphore mit Caecuber Wein an meinem Tisch erschien, hob ich doch fragend die Augenbrauen. Ihr folgte ein Sack voll der besten Datteln, die man für Geld kaufen kann, und später eine Schachtel mit exotischen Süßigkeiten. Nicia sagte mir, daß die meisten Luxuswaren, die man in Rom finden konnte, von Marius Servilius Tibullus eingeführt wurden. Seine Geschenke waren jedoch niemals kompromittierend.

Drei Monate und noch einige Amphoren und Schachteln voller Süßigkeiten später brachte ein Diener eine kleine Papyrusrolle. Sie enthielt nur eine Zeile, geschrieben in klarer, scharfer Handschrift: "Ich werde Dich kurz vor Einbruch der Dunkelheit besuchen." Er hatte den Brief mit der gleichen Schärfe und Effizienz gesiegelt, die aus seiner Handschrift sprach. Sein Siegel zeigte zwei ineinander verschlungene Anker. Marius Servilius Tibullus fragte nicht um Erlaubnis und vermied es so, abgewiesen zu werden. Es war entweder ein Zeichen von Kühnheit oder von Arroganz. Oder beidem. Wie auch immer, sein Besuch versprach, ein höchst ungewöhnlicher zu werden.

 "Ich bin sicher, daß Nicia Dir genug über mich erzählt hat, um uns weitere Zeitverschwendung zu ersparen ... "

Wir saßen in meinem Speisezimmer, denn dies erschien mir der geeignete Raum, um einen Mann zu empfangen, der praktisch ein völlig Fremder war. Marius Servilius Tibullus hatte einen Becher seines eigenen Weins entgegengenommen und war direkt auf den Punkt gekommen, hatte mir so die Artigkeiten und Höflichkeitsfloskeln erspart, die gute Umgangsformen in der Regel gebieten. Ich war ihm dafür dankbar.

"Ich hasse es, Zeit zu verschwenden, Herrin. Ich bin Geschäftsmann und gehe die Dinge gern direkt an: ich möchte, daß Du meine Frau wirst. Ich bin reich genug, um Dir ein Leben zu bieten, um das Dich mancher Aristokrat beneiden würde. Ich möchte so bald wie möglich heiraten, denn ich muß zu meinen Werften zurückkehren, die ich während der vergangenen drei Monate vernachlässigt habe. Die meiste Zeit werde ich in meiner Villa in Ostia leben."

Ich wußte, daß er mir auf seine schroffe, geschäftsmäßige Weise den Hof gemacht hatte und ich hatte vermutet, daß sein Besuch persönlicher Natur sein würde. Ich hatte angenommen, daß er sich meine Gunst hatte erkaufen wollen und war bereit, ihn auf eine Weise abzuweisen, die keine Zweifel offen ließ. Aber nichts hatte mich auf einen Heiratsantrag vorbereitet. Insbesondere nicht auf einen derart forschen und direkten. Es gelang mir, die Fassung zu bewahren.

"Danke, Herr. Dein Angebot ehrt mich, aber ich möchte Dich nicht heiraten ... "

"Herrin, ich bin seit meinem sechzehnten Lebensjahr Geschäftsmann. Ein sehr guter Geschäftsmann und ich habe mehr Geld verdient, als ich mich selbst erinnern kann. Der Grund, warum ich so gut bin, ist, daß ich die Dinge direkt angehe und kein Nein als Antwort akzeptiere ... "

Sein Ton war vollkommen ruhig. Ein Mann, der daran gewöhnt war, Verträge auszuhandeln.

"Aber für alles gibt es ein erstesmal. Ich möchte nicht Deine Frau sein. Das ist nicht persönlich gemeint. Ich möchte einfach nur nicht heiraten. Nun, wenn Du gesagt hast, was zu sagen ist, dann wollen wir nicht weiter unser beider Zeit verschwenden. Ich wünsche Dir einen guten Tag, Herr."

Ich stand auf, um meinen Worten Nachdruck zu verleihen. Er rührte sich nicht.

"Man sagte mir, Du seiest nicht nur außergewöhnlich schön sondern auch klug. Ich bin bereit zu verhandeln, Herrin."

Ich stand, während er saß, was einen klaren Nachteil für mich bedeutete. Würde ich mich jedoch wieder hinsetzen, dann gestände ich ein, daß er die Oberhand behalten hätte. Also blieb ich stehen.

"Du magst bereit sein zu handeln, ich aber nicht, Herr. Da es wirklich so aussieht, als ob Du zu heiraten wünschst, hoffe ich, daß Dich die Götter zu der richtigen Frau führen mögen ... "

Ich wandte mich um und wollte den Raum verlassen, aber als ich seine nächsten Worte vernahm, blieb ich wie angewurzelt stehen.

"Du glaubst nicht mehr an die Götter als ich, Herrin. Wie Du siehst, haben wir etwas gemeinsam. Und ich will keine andere Frau als Dich."

"Nein, Herr, Du willst mich nicht zur Frau: ich wurde als Sklavin geboren. Ich bin erst vor einem Jahr freigelassen worden. Wenn Du mich nun entschuldigen willst ..."

Er rührte sich immer noch nicht, zuckte bloß die Achseln.

"Wenn Du mich abschrecken willst, dann mußt Du Dir etwas Besseres einfallen lassen. Mein Großvater war ein Freigelassener. Er gründete das Geschäft, das ich besitze. Ich suche keine Frau mit dem richtigen Stammbaum, Herrin. Das überlasse ich den Pferdezüchtern. Würde es Dir etwas ausmachen, mich jetzt wissen zu lassen, was Du von mir erwartest, um den Hochzeitstermin zu vereinbaren?"

Das lief nicht so wie es sollte. Ich mußte dem ein Ende setzen. Ich ging wieder zu meinem Stuhl, setzte mich und blickte direkt in seine silbergrauen Augen.

"Herr, Du willst mich nicht heiraten: Ich war eine Sklavin und eine Hure. Seit meinem zwölften Lebensjahr und während der folgenden sechs Jahre kannte ich nichts anderes, als meine Pflicht für meinen Herrn zu tun ... wessen Bett auch immer er dazu bestimmte."

Sein Gesicht verriet keine Gefühlsregung, aber ich gewahrte einen Funken in seinen Augen. Ich wollte ihn abschrecken, ihm das Interesse an mir nehmen. Statt dessen war es mir gelungen, seinen Respekt zu wecken.

"Dumme Geschäftsmänner halten sich ans Betrügen aber gute wissen Ehrlichkeit zu schätzen. Ich schätze die Deine aufrichtig, Herrin. Aber das ändert nichts an meiner Einstellung: Im Gegensatz zu vielen Männern meines Alters lege ich keinen gesteigerten Wert auf Jungfräulichkeit. Hätte ich eine Jungfrau haben wollen, würde mein Geld ausgereicht haben, um mir hundert zu kaufen. Aber ich möchte kein unberührtes Mädchen. Ich möchte eine kluge, schöne, unabhängige Frau. Ich will Dich."

"Herr, du machst es unnötig schwer ... Ich will weder Dich noch irgendeinen anderen Mann heiraten. Ich will nicht ... mit Dir schlafen ... oder mit irgendeinem anderen Mann ... Du würdest Erben haben wollen und das ist Dein gutes Recht, aber ich möchte nicht diejenige sein, die Dir Kinder schenkt. Entschuldige, Herr, aber ich bin nicht die Frau, die Du brauchst ..."

Marius Servilius Tibullus lehnte sich in seinem Sessel zurück und studierte mich mit seinen klaren, harten Augen. Zum erstenmal gab sein undurchdringliches, schönes Gesicht eine Gefühlsregung preis. Mitleid. Und aus irgendeinem Grunde verletzte es mich nicht.

"Herrin, ich bin zweiundfünfzig Jahre alt. Meine Jugend liegt längst hinter mir. Ich war bereits einmal verheiratet. Meine Frau starb während der Geburt unseres Sohnes. Sie verblutete, und man schnitt sie auf, um das Kind zu retten, aber es war zu spät. Auch er starb. Ich wollte niemals wieder Kinder haben ..."

Die Unterhaltung bekam einen persönlichen Zug, was mir gar nicht gefiel. Ich versuchte, ihn zu unterbrechen, aber er gebot mir mit einem Wink seiner Hand Einhalt.

"Herrin, ganz gleich wie gesund ich auf Dich wirken mag, ich bin krank. Schwer krank. Eine Schwäche in meinem Inneren. Die Ärzte können mir nicht helfen, mir nicht einmal sagen, wieviel Zeit mir noch bleibt. Mit jedem Tag werde ich schwächer. Ich kann meine Kraft nicht im Bett mit einer Frau verschwenden. Ich brauche meine Zeit, - wieviel auch immer noch davon übrig sein mag - um wichtigere Dinge zu erreichen als körperliche Befriedigung ... "

Er hielt einen Moment inne, und ich betrachtete ihn aufmerksam. Unter seiner Bräune war eine kränkliche Blässe auszumachen, und er hatte Schatten unter den Augen. Seine Hände waren zu dünn.

"Zu den Dingen, die ich vor meinem Tod noch erreichen möchte, gehört auch, bestimmte Aspekte meines Lebens zu genießen, die ich vernachlässigt habe, weil ich zu beschäftigt war mit meinen Schiffen. Ich möchte ein Haus, das nicht leer ist, eine weibliche Hand spüren. Ich möchte meine Villa für Besucher öffnen und die Gärten genießen, die zu gestalten ich niemals Zeit hatte. Ich möchte Musik hören, ins Theater gehen und Speisen essen, die nicht von meinem Verwalter ausgewählt wurden. Herrin, was ich Dir anbiete, ist eine Stellung. Und keine einfache. Es wird von Dir erwartet, einem großen Haushalt vorzustehen, Gäste zu empfangen, ganze Flügel meiner Villa einzurichten, die Gärten neu zu gestalten, mich zu Abendgesellschaften und ins Theater zu begleiten und mich, wenn nötig, zu pflegen. Bis jetzt bereitet mir meine Krankheit weitgehend kein Unwohlsein, aber die Ärzte haben mir gesagt, worauf ich mich einstellen muß. Ich bin nicht leicht zufriedenzustellen, und es wird harte Arbeit für Dich bedeuten. Als Gegenleistung wirst du jeden Luxus erhalten, den Du Dir wünschst oder den Du brauchst. Du wirst Geld, Juwelen und Kleidung haben wie es Deiner neuen Stellung zukommt. Und wenn ich sterbe, wird Dir mein Geschäft gehören. Mein ganzes Geschäft."

Ich war völlig entgeistert. Nicht nur über das Angebot, mich zu seiner Erbin zu machen, sondern über die kühle Sachlichkeit, mit der er über diese Dinge sprach. Wie konnte er so kaltblütig über seinen eigenen Tod sprechen?

"Herr", versuchte ich es noch einmal. "Es tut mir leid, daß Du so krank bist, aber ich denke, daß Du Dich noch immer irrst, was mich betrifft ... Du solltest einen männlichen Erben adoptieren, jemand, der Dein Angebot zu schätzen weiß und Dir helfen wird, Deine Last zu tragen."

Zum erstenmal lachte Marius Servilius Tibullus, und sein Lachen war so scharf wie seine Handschrift. Und wie sein Lächeln erreichte es nicht seine Augen.

"Einen Erben? Was für eine Art Erben schlägst Du vor, Herrin? Einen Jüngling, der mein Geld beim Wagenrennen verschleudert? Oder einen Mann, der es kaum erwarten kann, bis der Tod mich holt und der meinem Ableben ein wenig nachhilft? Nein Danke, Herrin. Ich ziehe eine Frau wie Dich vor, die, wenn sie sich der Sache einmal verschrieben hat, den Handel auch einhalten wird ... "

Ich stand wieder auf und wanderte im Zimmer auf und ab, wie es Rubia zu tun pflegte, wenn sie unruhig war.

"Herr, Du bist ein stolzer Mann, und ich habe als Hure die höchsten Kreise bedient. Was glaubst Du, wie du Dich fühlen würdest, wenn einer Deiner männlichen Geschäftspartner mich wiedererkennt?"

Marius Serviulus Tibullus lachte erneut, und sein Lachen war nur noch schärfer.

"Herrin, ich pflege keinen Umgang mit Aristokraten. Sie halten sich für etwas besseres als uns Handelsleute, und das einzige, was mich an ihnen interessiert, ist die Höhe ihrer Schulden. Der einzige, den ich achte, ist Julius Caesar, denn er brachte meine Vorfahren als Kriegsgefangene aus Gallien nach Rom. Hätte er dies nicht getan, wäre ich in einer Lehmhütte geboren statt in einem sauberen römischen Haus."

Sein nüchterner Kommentar über Sklaverei bot mir ein unerwartetes Schlupfloch.

"Du hast Sklaven?" fragte ich scharf.

"Viele. In meiner Villa und meinen Werften."

"Ich werde niemals an einem Ort leben, wo man Sklaven hält!"

"Ich bin ein gerechter Herr, und jedes Jahr lasse ich jene frei, die klug, treu und harte Arbeiter sind. Ich halte nichts von Brutalität und Mißhandlung. Meine Sklaven wissen, daß, wenn sie hart arbeiten, sie ihre Freiheit erlangen können, also übertreffen sie sich selbst, um auf die jährliche Liste zu kommen. Und die meisten von ihnen bleiben in meinen Diensten auch nach ihrer Freilassung ... "

Ich schwieg und starrte ihn an. Er zuckte die Schultern. "In Ordnung", sagte er, "ich werde alle Sklaven in der Villa freilassen - als Hochzeitsgeschenk für Dich. Aber ich behalte jene in den Werften. Ich werde Dir keine Vorschriften über die Leitung des Haushaltes machen, und Du wirst mir nicht sagen, wie ich die Werften zu führen habe. Können wir uns nun auf das Datum einigen?"

Ich wandte ihm den Rücken zu, während ich die Arme nervös vor meiner Brust verschränkte.

"Herr, es ist zwecklos! Meine Freiheit ist noch so neu für mich. Ich sehne mich nur nach Bildung ... "

"Nein Herrin. Du sehnst Dich nach etwas anderem. Du sehnst Dich nach Rache."

Ich zuckte zusammen, drehte mich aber nicht zu ihm um. Er sprach weiter: "Ist es nicht Rache, nach der sich jeder Mann und jede Frau, denen Unrecht zugefügt wurde, sehnen, Herrin?"

"Julia, eines Tages wirst Du jemand finden. Jemand ganz Besonderen."

Maximus' Worte hallten in meinem Gedächtnis wider. Er hatte recht gehabt. Und hier war jemand Besonderer und bat mich darum, seine Frau zu werden - aus guten Gründen, nur nicht aus den üblichen.

Rache.

Ich hörte wieder das ekelerregende Geräusch, das der Dolch machte, als ich ihn in Cassius' Nacken stieß. Das widerliche Vibrieren lief abermals über meinen Arm. Ich fühlte wie das warme, klebrige Blut aus der Wunde rann und sich über meine Hand ergoß. Ich hörte, wie Cassius' Kopf mit einem dumpfen Schlag auf die Tischplatte fiel.

Rache.

Rache an Cassius. An Marcellus. An dem Senator. An jedem der unzähligen Männer, an deren Gesichter ich mich nicht mehr erinnern konnte, die mich jedoch noch immer heimsuchten. An den unzähligen Männern, die mich befleckt, benutzt, verletzt und erniedrigt hatten.

Rache für mein Leben in Sklaverei, Prostitution, Hoffnungslosigkeit und Zurückweisung.

"Daran ist nichts Unrechtes, Herrin", fuhr er fort. "Heirate mich und Du wirst Deine Rache haben. Ich mache Dich zu einer einflußreichen Frau, so mächtig, daß, solltest du jemals einem dieser Männer wieder begegnen, er sich hüten würde, Dich wiederzuerkennen, geschweige denn, sich über Dich zu mokieren. Du sehnst Dich nach Bildung, dann betrachte unsere Ehe als eine andere Art von Bildung ... Du wirst lernen, Macht zu gebrauchen. Nach meinem Tode wirst Du frei sein und wirst mit Deinem Leben und Deinem Erbe machen können, was immer Du willst. Du wirst frei sein für Deine Rache."

Ich schauderte.

"Du bist jung und klug und schön, Herrin. Du verdienst es, daß man Dich bewundert. Sich um Dich sorgt. Dich verwöhnt", sagte er mit leiser, verführerischer Stimme. "Du verdienst es, glücklich zu sein. Geliebt zu werden, auch wenn ich nicht derjenige bin, der dazu erwählt ist, Dich zu lieben und glücklich zu machen. Aber vor allem verdienst Du es gerächt zu werden ..."

Ich mußte mich nicht umdrehen um zu sehen, daß er lächelte. Er hatte mich und er wußte es.

"Nur der Imperator kann Dir mehr bieten, Herrin. Aber er kann Dich nicht heiraten ... " Er prahlte nicht, denn Prahlen ist unter der Würde eines so selbstsicheren Mannes.

"Nimm mich zum Mann, Julia, und hab Deine Rache ... "

Ich wandte mich um und mein Blick bohrten sich in seine kalten, undurchschaubaren Augen. Langsam kehrte ich zurück zu meinem Stuhl und setzte mich wieder.

Wie beiläufig fuhr er fort:

"Wir werden die meiste Zeit in Ostia leben. Ich glaube, Du wirst die Villa als genügend bequem empfinden, aber es steht Dir frei, Veränderungen vorzunehmen, die Dir notwendig erscheinen. Wir werden getrennte Wohn- und Schlafzimmer haben, und ich werde anordnen, daß Du Deine Türen mit eisernen Riegeln verschließen kannst. Das wird nicht nötig sein, aber Dir vielleicht ein größeres Gefühl von Sicherheit vermitteln. Du kannst Deine Studien beliebig fortführen soweit sie Dich nicht von Deinen Pflichten mir gegenüber abhalten werden. Dein griechischer Lehrer ist in der Villa willkommen, sollte er in Ostia leben wollen, und Du kannst jeden anderen Lehrer einstellen, den Du haben möchtest. Du wirst alles bekommen, was Du willst oder brauchst. Meine Schiffe bringen jegliche Arten von Waren nach Italien, und ich suche mir das Beste von allem aus - ein Privileg, das Dir in gleicher Weise zustehen wird. Du wirst ebenfalls freien Zugang zu meinen Bankiers haben und die Mittel für den Haushalt verwalten. Ich werde um deinetwillen allen Haussklaven die Freiheit schenken, somit werden sie Dir auch in Zukunft treu dienen."

Während er fortfuhr, die Punkte aufzulisten, die unsere persönliche Übereinkunft bilden sollten, hatte ich das Gefühl, daß die Zeit zu existieren aufhörte. Ohne ein Wort zu sagen, hatte ich eingewilligt, mich an einen Wildfremden zu binden. Ich hatte eingewilligt, jemanden zu heiraten. Ich hatte eingewilligt, daß mein Leben sich nochmals ändern sollte.

Für immer ändern sollte.

"Ich akzeptiere Deine Feststellung, daß Du im Moment nicht an irgendeinem Mann interessiert bist, aber Du bist jung, und früher oder später wirst Du Deine Meinung ändern. Ich habe keine Einwände, vorausgesetzt, daß Du Deinen Liebhaber nicht aus dem Kreis meiner Geschäftspartner wählen und daß Du diskret sein wirst. Solltest Du schwanger werden, werde ich das Kind als meines anerkennen."

Einen Liebhaber? Es gab nur einen Mann, dessen Bett zu teilen ich bereit war. Aber in seinem Bett war kein Platz für mich. Und auch dafür wollte ich Rache.

"Der Ehevertrag wird Dir morgen zugestellt werden, damit Du Deine Einwilligung erklärst ..."

Ich stand auf. Plötzlich mußte ich dringend das Zimmer verlassen. Mußte allein sein. Ich nickte dem Mann, den ich bald meinen "Ehemann" nennen sollte, zu und wandte mich zum Gehen um.

"Noch eins, Herrin."

Marius Servilius' Stimme ließ mich auf der Türschwelle innehalten.

"Welchen Namen soll das Dokument tragen? Ich kenne Deinen Namen aber nicht den Vatersnamen, den Du führst."

Ich drehte mich langsam um.

"Julia Antonina, Herr", sagte ich leise. "Nach dem Kaiser."

Wir heirateten einen Monat später. Da wir beide erwachsen waren und keine Familie hatten, war es nur eine schlichte Hochzeit. Die Zeremonie wurde in Marius Servilius' Wohnräumen in Gegenwart der vorgeschriebenen Zeugen und seines Haushaltes vorgenommen. Natürlich war Apollinarius anwesend. Die Neuigkeit hatte ihn tief getroffen.

"Ich kann nicht glauben, daß Du das wirklich tun willst, Julia!" sagte er. "Warum? Warum - im Namen aller Götter - willst Du diesen Mann heiraten, den Du nicht einmal kennst? Nicht wegen des Geldes, da bin ich sicher. Warum dann? WARUM?"

"Weil ich müde bin, Apollinarius. Weil ich plötzlich entdeckt habe, daß ich so müde bin, und ich möchte wissen, ob ich irgendwohin gehören kann ... "

"Da muß noch etwas anderes sein, Julia! Es muß noch ... "

Er hielt mitten im Satz inne und sah mich zuerst mit erstaunten, dann mit traurigen Augen an. Er wußte es. Er hatte es immer gewußt.

"Es ist mein Fehler", flüsterte er. Ich ging zu ihm, versuchte, sein Gesicht in meine Hände zu nehmen. Er wich mir aus.

"Apollinarius, nein ... "

"Es ist mein Fehler!" wiederholte er mit erstickter Stimme. "Wenn ich darauf bestanden hätte, daß Du mehr unter Leute gegangen wärest, mehr gesellschaftlichen Kontakt gepflegt hättest statt Dich egoistisch für mich allein zu beanspruchen, dann hättest Du einen Mann gefunden, der Dich so lieben würde, wie Du es verdienst, geliebt zu werden ..."

"Nein!" Ich wollte nichts darüber hören, zu lieben und geliebt zu werden. Ich konnte es nicht. Nicht jetzt.

"Wenn ich ein richtiger Mann gewesen wäre und nicht das, was ich bin .... "

 

"NEIN!"

Ich packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn heftig. "Nein!" wiederholte ich. "Es ist nicht Dein Fehler, daß ich als Sklavin geboren und zu einer Hure gemacht wurde! Es ist nicht Dein Fehler, daß Du mich nicht so lieben kannst, wie ein Mann eine Frau liebt! Es ist nicht Dein Fehler, daß ich verletzt bin und verbittert und es immer sein werde! Ich habe gelernt, es zu akzeptieren, Apollinarius! Ich habe gelernt zu akzeptieren, daß ich tief in meinem Inneren immer diesen Schmerz tragen werde, die Bitterkeit, die Einsamkeit und Trauer! Er hat es mir vor Augen geführt und ihn zu heiraten, ist meine Art, damit umzugehen!"

Apollinarius neigte sich vor, bis seine Stirn die meine berührte. Wir verharrten so einen langen Augenblick. "Ich werde Dich mehr denn je brauchen. Wirst Du mit nach Ostia kommen und mich weiter unterrichten?" flüsterte ich. Er lächelte ein schwaches, trauriges Lächeln.

"Natürlich werde ich kommen. Ich werde Dich nicht aus den Augen lassen", sagte er. Nun war es an mir zu lächeln. Dann legte ich meine Arme um seinen Hals und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Er schlang seine Arme um meine Taille und preßte mich gegen seinen hageren Körper. Ich schloß die Augen und seufzte. Jeden Tag und jede Nacht seit jener Zeit in Moesia hatte ich mich gesehnt nach Maximus' starken, muskulösen Armen. Ich hatte mich nach seiner leidenschaftlichen Umarmung gesehnt. Nach der Hitze und Kraft seines gottgleichen Körpers. Aber genau in diesem Augenblick, wollte ich, daß allein Apollinarius mich umarmte - auf seine liebevolle aber leidenschaftslose Art.

Ich kleidete mich für die Hochzeitszeremonie in meiner eigenen Wohnung an, dem ersten wirklichen Zuhause, das ich je besessen hatte und das ich nun bald verlassen sollte. Nicia hatte eine Frau für mich ausfindig gemacht, die in der Kunst des Frisierens erfahren war. Diese Frau bürstete mein taillenlanges Haar und steckte es dann kunstvoll hoch, wie es sich für eine verheiratete Frau, die ich bald sein würde, ziemte. Sie pries meine Haarpracht und versuchte, eine Unterhaltung zu beginnen, aber ich antwortete nur einsilbig, während ich meine Augen auf die polierte Metallplatte, die mir als Spiegel diente, geheftet hielt, und schon bald verstummte sie. Die Frau wollte mich schminken, aber ich weigerte mich. Nicia half mir, das gelbe seidene Brautgewand anzulegen, die safranfarbenen Hochzeitsschuhe und die Garnitur von Juwelen, die Marius Servilius mir gestern geschickt hatte. Als ich fertig war, befestigte sie, zusammen mit der Haarkünstlerin, auf meinem Kopf den safranfarbenen seidenen Brautschleier.

Begleitet von meiner Dienerin, die für diese Gelegenheit ihre beste Kleidung angelegt hatte, schritt ich die Treppe hinab. Ein Diener wartete an Marius Servilius' Tür und öffnete sie, um uns einzulassen. Nachdem ich eingetreten war, wurde ich von Athenodorus, Nicias Gemahl und Marius Servilius' Verwalter, empfangen und in den Garten im Innenhof geführt, während er mit tönender Stimme verkündete: "Die Braut! Die Braut!"

Die im Garten versammelten Gäste wandten sich um und blickten mich an; sie sahen eine hochgewachsene, geheimnisvolle Frau, die keiner von ihnen kannte, verborgen hinter einem schweren safrangelben Schleier. Es waren Marius Servilius' Geschäftspartner und ihre Ehefrauen. Auch die Dienerschaft war anwesend, alle für diese besondere Gelegenheit gekleidet und  mit duftenden Kränzen von Eisenkraut auf ihren Köpfen. Ich sah auch einen Priester und seinen Gehilfen, so wie ein mit Blumen bekränztes Schwein, das vorgeschriebene Opfer an die Götter. Marius Servilius stand neben dem Priester, eine schlanke, elegante Gestalt, gekleidet in eine makellose Toga, die eines Konsuls würdig gewesen wäre.

Die Gäste sahen mich einen langen Augenblick schweigend an. Dann begann irgend jemand, den alten Hochzeitshymnus zu singen: "Io, hymen*2, hymenaeus ..."

Apollinarius löste sich aus der Gruppe und kam zu mir. Er nahm meine Hand und drückte sie beruhigend. Dann führte er mich in seiner Funktion als Brautvater Marius Servilius zu. Das war höchst ungewöhnlich, aber an dieser Hochzeit war nichts gewöhnlich: die Hochzeit einer Braut, die als Hure geboren war und deren Bräutigam eine Mitgift als überflüssig betrachtete.

Der Priester stimmte die Gebete an und nahm von seinem Gehilfen das Messer entgegen. Er war geschickt, und glücklicherweise war das Opfer schnell vorbei. Er vergrub seine Hände in den dampfenden Eingeweiden des Schweins und verkündete, daß die Vorzeichen günstig seien. Marius Servilius warf mir einen skeptischen Blick und ein ironisches Lächeln zu. Dann wandte er sich dem Priester zu und begann seine Gelübde zu sprechen:

"Ego ubi Gaius. (*) Wo ich Herr bin, da sollst Du Herrin sein ..."

Er sprach mit klarer, ruhiger Stimme. Dann war ich an der Reihe, und meine Stimme war ebenso klar und ruhig:

"Ego ubi Gaia. (*) Wo Du Herr bist, da werde ich Herrin sein ... "

Es war bald vorüber. Marius Servilius zog die Eheringe hervor und steckte einen davon auf den Mittelfinger meiner rechten Hand. Es war ein schwerer, fein gearbeiteter Goldring. Ich ließ das Gegenstück auf seinen schlanken, blassen Finger gleiten. Plötzlich sah ich vor meinem inneren Auge eine andere Hand und einen anderen Ring. Eine große, starke, gebräunte, schwielige Hand, geschmückt mit einem einfachen Silberring.  Ein Ring, der verkündete, daß der stattliche römische General mit den blauen Augen, den ich liebte, einer anderen Frau gehörte ...

Irgend jemand hob meinen Schleier. Nicia, welche die Rolle der Mutter vertrat, die ich nie gekannt und nach der ich mich immer so gesehnt hatte; eine weitere Unregelmäßigkeit bei dieser Hochzeit, die aus guten Gründen, jedoch nicht aus den üblichen, vermuteten, normalen stattfand. Der safrangelbe Nebelschleier, der mich umgeben und vor den Augen der anderen verborgen hatte, fiel im Licht der hellen Frühlingssonne. Ich hörte ein kollektives Murmeln, als die Gäste mein Gesicht erblickten, das Gesicht eines schönen neunzehnjährigen Mädchens, das keine Kindheit gehabt und sich immer nach einer Puppe gesehnt hatte. Das Gesicht einer einsamen, traurigen Hure, die sich nach der Unschuld sehnte, die man ihr geraubt hatte. Das Gesicht einer verzweifelt liebenden Frau, die sich nach dem Mann sehnte, der sie zurückgewiesen hatte. Das Gesicht einer Frau, die einen anderen geheiratet hatte, um sich für all das rächen zu können.

Ich schaute die Gäste einen nach dem anderen an und sah in ihren Gesichtern, was ich immer in den Gesichtern anderer Menschen sah. Ich wußte bereits, was ich dort finden würde. Offene Bewunderung und kaum verborgene Lust in den Gesichtern der Männer. Mißtrauen und kaum verborgene Eifersucht in denen der Frauen. Bestimmte Dinge ändern sich nie. Nicht mal mit der Ehe.

Marius Servilius beugte sich zu mir herab und küßte mich förmlich auf beide Wangen. Irgend jemand begann wieder zu singen. "Io, hymen, hymenaeus ... "

Wir waren Mann und Frau.

Nach der Zeremonie folgte das obligatorische Bankett. Es war formell und gesittet, nicht eines jener lärmenden Ereignisse, in die Hochzeitsgesellschaften so oft auszuarten pflegen. Es gab exquisites Essen und ebenso exquisite Weine, aufgetragen von tüchtigen, schweigsamen Dienern, diskrete Musik, dargeboten von genauso kultivierten und fähigen Musikern. Die Gespräche drehten sich hauptsächlich um Geschäfte und Politik, die üblichen neckenden oder auch rüden Späße waren nicht zu hören. Ich saß neben Marius Servilius und nahm die guten Wünsche der Gäste entgegen, welche einer nach dem anderen herantraten, um sich mir vorzustellen. Ich aß wenig und trank noch weniger, wobei ich sorgsam darauf bedacht war, Marius Servilius' prüfendem und Apollinarius' besorgtem Blick auszuweichen.

Die Diener zündeten die Lampen an, bevor das Dessert gereicht wurde, und schon bald danach bereiteten sich die Gäste zum Aufbruch vor. Da wir im Heim des Bräutigams geheiratet hatten, erübrigte sich die sonst übliche Brautprozession, aber man überschüttete uns mit Weizenkörnern und Rosinen, um uns des Segens der Götter und der Fruchtbarkeit unserer Verbindung zu versichern. Ich nahm die guten Wünsche und Abschiedsgrüße mit ausdrucksloser Miene entgegen und küßte Apollinarius still mit kalten Lippen und wie betäubt auf die weiche Wange.

Nicia berührte mich sanft am Arm und führte mich dann in mein Schlafzimmer.

Es war ein großer Raum, der sich zum inneren Hof mit seinem Garten hin öffnete, eingerichtet mit teuren Möbelstücken und orientalischen Teppichen und reich mit Blumen geschmückt. Duftende Hölzer glimmten in dem Kohlebecken, das helfen sollte, die nächtliche Kühle  zu vertreiben. Ein hauchdünnes Nachthemd und ein seidener Morgenmantel lagen auf der Couch bereit, die aufgeschlagenen Bettdecken waren mit Blättern von Rosenblüten übersät. Auch das versprochene eiserne Schloß war angebracht worden.

Nicia half mir dabei, mein Hochzeitsgewand und die Juwelen abzulegen, dann kleidete sie mich für die Nacht an. Mit geschickten Händen löste sie mein Haar und bürstete es aus, rieb ein wenig von meinem Lieblingsparfum - Myrrhe - auf meinen Hals und meine Arme, raffte anschließend die Haarnadeln und Kämme, mein Hochzeitsgewand und den Schleier zusammen, wünschte mir eine gute Nacht und verließ den Raum.

 

Nach und nach wurde es still in der großen Wohnung. Die Fackeln im Hof brannten herunter. Ich blieb auf dem Stuhl, wo Nicia mich zurückgelassen hatte, sitzen, die Hände steif im Schoß gefaltet, genauso wie ich in Cassius’ Zelt gesessen hatte, als Maximus mich dort mit drei toten Männern alleingelassen hatte. Es schien eine Ewigkeit her zu sein. Damals hatte ich lange, lange in das tote Gesicht meines Herrn und Peinigers gestarrt. Nun waren meine Augen auf den eisernen Riegel an der Tür geheftet, aber ich stand nicht auf, um die Tür zu verschließen. Das war nicht notwendig. Ich wußte, daß Marius Servilius sein Versprechen halten würde. Und ich wußte auch, daß, sollte er mich begehren, kein Riegel im ganzen Imperium stark genug wäre, um ihn abzuhalten.

Ich hatte einen Mann geheiratet, der mich weder liebte noch begehrte. Ich war das Spielzeug vieler Männer gewesen, welche die Lust zu mir getrieben hatte, die mich benutzt und ohne einen weiteren Gedanken weggeworfen hatten. Ich hatte mich in einen Mann verliebt, der sich um mich gesorgt, mich begehrt, sich sogar verliebt hatte ... in mich, der mich dann jedoch zurückgewiesen hatte. Ich hatte Marius Servilius geheiratet, um mich an ihnen allen zu rächen. Ein perfekter Kreis. Ein eiserner Kreis.

Ein Kreis, der sich plötzlich so kalt und leer anfühlte wie meine eigene Hochzeitsnacht.

Schaudernd schloß ich die Augen und schlang die Arme fest um meinen Körper. Mit einer auf langer Übung beruhenden Leichtigkeit versenkte ich mich tiefer und tiefer in mein Inneres. Als ich ein Mädchen war und in Cassius' Villa heranwuchs, wurde die Einsamkeit manchmal unerträglich. Dann schloß ich die Augen, schlang meine Arme fest um mich und zog mich in mein Inneres zurück. Ich wanderte zu einem Ort, wo ich nicht allein war. Wo ich weder traurig noch ängstlich war. Wo ich eine liebevolle, lächelnde Mutter besaß, die für mich sorgte, mit mir spielte, mich tröstete und mich an ihren duftenden Busen drückte. An diesem Ort war ich keine Sklavin, sondern ein behütetes, verwöhntes und geliebtes Kind.

Als ich heranwuchs und die Widerwärtigkeit meines Daseins als Hure zu viel für mich wurde, schloß ich die Augen, schlang die Arme fest um mich und wanderte noch tiefer in mein Innerstes. Ich ging zu einem Ort, an dem Männer mich nicht berühren, nicht benutzen und wegwerfen konnten. Einem Ort, wo ich frei war. Wo man mich respektierte. Wo ich stolz, mächtig und unberührbar war. Einem Ort, an dem ich die Frau war, zu welcher ich in dem Augenblick wurde, als ich Marius Servilius heiratete.

In jener Nacht nach meiner Eheschließung tauchte ich noch tiefer hinab. Ich begab mich an einen Ort, wo ich weder Kälte noch Einsamkeit fühlte. Nach und nach wurde die Dunkelheit von Licht erfüllt und Kälte wich der Wärme. Ich befand mich in einer Bettkammer. Nicht in einer luxuriösen wie jener, die man mir in diesem Hause zur Verfügung gestellt hatte, sondern in einer wohnlichen, ländlichen, farbenfrohen. Die Einrichtung war bequem, solide und einfach, von der Art, wie man sie in Villen auf dem Land und wohlhabenden Gutshöfen fand. Die Steinwände waren weiß getüncht und nicht mit kostbaren Fresken bemalt. Der Fußboden bestand aus gewachsten Holzdielen und war bedeckt mit Teppichen, die kein Luxusgegenstand waren, sondern gewebt, um Wärme zu spenden. Die Lampen badeten die Kammer in gedämpftem, goldenem Licht. Es gab keine Kohlebecken, denn die spanische Frühlingsnacht war mild, und statt der Rosenblätter lagen Jasminblüten auf der Decke des mächtigen Ehebettes.

Ich hörte ein leises Klicken als sich die Tür hinter meinem Rücken öffnete. Langsam drehte ich mich um, bereit, den Mann, welchen ich vor wenigen Stunde geheiratet hatte, vor mir stehen zu sehen. Den Mann, von dem ich es nicht erwarten konnte, daß er mich zu seinem Weib machte.

Da stand er, gekleidet in ein weinrotes Gewand aus feiner Wolle, und sah mich schweigend an. Ohne ein Wort öffnete ich mein eigenes Gewand und ließ es fallen. Die weiße Seide raschelte und streichelte zärtlich meine nackte Haut, während sie zu Boden glitt. Ich hörte, wie ihm beim Anblick meines entblößten Körpers der Atem stockte, und  - als blickte ich in einen Spiegel - sah ich, wie er jeder meiner Bewegungen folgte, ebenfalls sein Gewand löste und es fallen ließ ... Nun war es an mir, bei dem herrlichen Anblick seiner nackten, männlichen Schönheit den Atem anzuhalten. Meine Augen verschlangen seine breiten, starken Schultern, die sonnengebräunte mächtige Brust, bedeckt mit einem zarten Flaum, dessen Farbe ein wenig heller war als die seines Bartes. Ich genoß das Bild, welches seine muskulösen Arme und Beine mir boten, und die Vorfreude, die mich beim Anblick seiner stolzen, erregten Männlichkeit erfaßte, ließ mich erschaudern.

Wir näherten uns im völligen Gleichklang der Bewegungen. In diesem Gleichklang fielen wir einander in die Arme. Und in demselben Gleichklang stöhnten wir auf, als unsere nackten Körper sich zum erstenmal berührten. Es gab kein Zögern, nur Hunger und Verlangen. Unsere Münder verschmolzen, während wir uns aneinander preßten, unsere Leiber sich einander entgegenwölbten, bis jeder Hohlraum, jede Erhebung perfekt zueinander paßten und wir einander so nahe waren, wie ein Mann und eine Frau sich ohne endgültige Vereinigung nahe sein können. Wir stöhnten in den Mund des anderen, unsere Zungen verschlungen in heißem, sinnlichem Tanz. Wir bebten. Wir brannten. Bald schon waren Berührungen und Zärtlichkeiten nicht mehr genug. Wir fielen auf das Bett, zerdrückten die Jasminblätter unter uns, und die Hitze unserer Körper intensivierte ihren süßen, sinnlichen Duft. Maximus' Bart kitzelte meine fiebrige, überempfindliche Haut, während er seine Lippen und seine Zunge an mir erprobte und ich ungeniert aufstöhnte. Und als er seine Finger benutzte, um zu prüfen, ob ich für ihn bereit war, da wußte ich, daß ich noch unberührt war. Rein. Eine Jungfrau. Keine Sklavin. Keine Hure. Man hatte mir meine Jungfräulichkeit nicht gestohlen, so daß ich sie meinem Ehemann schenken konnte. Eine Frau, die seiner wert war. Eine Frau, die ihm Söhne und Töchter gebären würde, um seinen stolzen Namen fortzuführen. Eine Frau, die keinen Mann außer ihm erkannt hatte. Eine Univira (***), wie eine ehrbare römische Frau es zu sein hatte.

Ich fühlte das Pulsieren seiner Männlichkeit gegen meinen Leib, sein Atem ging schwer, sein Verlangen so wild wie das meine, aber er zögerte, wollte mich nicht überwältigen, um seinen eigenen Hunger zu stillen. Seine blau-grünen Augen brannten vor Leidenschaft und Verlangen, die Linie seines schönen, so süßen und sinnlichen Mundes hatte sich verhärtet in dem Bemühen, seinen Körper zu kontrollieren.

"Julia ... ". sagte er, und beim Klang seiner tiefen, vibrierenden Stimme überzog Gänsehaut meinen Körper, seiner Stimme, die mein Ohr liebkoste und deren Schwingungen ich in seiner Brust spürte. Ich streichelte sein anziehendes, gebräuntes, bärtiges Gesicht. Ließ meine Hände durch sein kurzes, dunkles Harr gleiten.

"Ja, Ehemann!" hauchte ich, während mein Körper sich ihm entgegenwölbte. "O ja ... "

Ehemann.

Er machte mich zu der seinen. Ich schrie auf, als der kurze Schmerz meinen Körper durchzuckte, und er verschlang meine Schreie wie ein Verhungernder die ihm gebotene Speise, während sein Körper den männlichen Rhythmus vorgab und ich mich instinktiv bewegte, um ihm zu helfen, tiefer in mich einzudringen. Mir selbst zu helfen, ihn tiefer aufzunehmen. Uns beiden zu helfen, eins zu werden ...

Ich riß die Augen auf. Die Laute, die sich meinem Mund entrangen, waren nicht die vor Seligkeit schluchzenden Seufzer der Frau, die unter Maximus' Körper lag, sondern das trockene, gequälte Schluchzen der einsamen Frau, die ich in Wirklichkeit war. Sie wurden nicht von seinem heißen, fordernden Mund erstickt, sondern von den kalten, klammen Händen, die ich auf den meinen preßte. Mein stoßweise gehender Atem war nicht das Ergebnis der leidenschaftlichen Vereinigung mit dem einzigen Mann, den ich je geliebt hatte, sondern meiner verzweifelten Bemühungen, wieder die Kontrolle über mich zu erlangen.

Endlich gelang es mir. Und als es so weit war, verbarg ich das Gesicht in meinen Händen, wie ich es getan hatte, als Maximus mich allein in dem Alkoven zurückgelassen hatte, nachdem er mir gezeigt hatte, was Leidenschaft, echte Leidenschaft bedeutet. Aber im Unterschied zu jener Nacht in Moesia, weinte ich diesmal nicht. Ich blieb einfach liegen. Regungslos. Kalt. Leer. Allein.

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(*) "Ich bin Gaius." (**) "Ich bin Gaia." (***) Eine Frau, die ihr Leben lang nur mit einem Mann Verkehr gehabt hat.
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*1 ... in der Wiege   Griechisch war zur Zeit Kleopatras die Sprache der herrschenden Schicht. Kleopatra stammte aus der Dynastie der Ptolemäer, die griechischen Ursprungs war.

*2 Hymen   Gott der Ehe, Hochzeitsgott, Sohn Apollos und einer Muse, dargestellt als reifer, geflügelter Knabe, Brautfackel und  Schleier in der Rechten

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