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Zweiter Teil Es ist kein großer Kreis, der sich an Maximus’ Tisch labt, dennoch müssen die Diener reichlich nachlegen, um dem Appetit der Geladenen Genüge zu tun. Gebratene Wachteln in feiner Feigensauce scheinen ihnen besonders zu munden, und der Wein, den er regelmäßig vom Fuße des Vesuvs kommen lässt, erntet großen Zuspruch. Maximus schenkt der Gallierin, die sich unter den Frauen befindet, die mit der Bewirtung der Gäste betraut ist, ein freundliches Lächeln, das die Frau mit unbeweglicher Miene quittiert. Man hatte ihr eine saubere Tunika gegeben und sie trägt ihr Haar locker, und mit einem Band im Nacken zusammengehalten. Er nimmt sich vor, mit den beiden Neuzugängen seines Haushalts zu sprechen und ihre Stellung je nach Fähigkeit zu bestimmen. Über ihre Freilassung wollte er später entscheiden, sobald er sich wieder einfacheren Dingen zuwenden konnte, als der Politik. Erst einmal war ihr schmachvolle Prostitution erspart geblieben und ihrem Bruder die Salzminen oder das kurzlebige Dasein eines Gladiators, auch wenn der Mann es sicher weit gebracht hätte, als mordender Unterhalter des Pöbels. Solange es noch möglich ist, dass die Senatoren den bedeutsamen Eröffnungen ihres Konsuls folgen können, und der reichlich fließende Wein ihre Köpfe nicht zur Gänze vernebelt, legt Maximus ohne großartige Einleitungen seine Pläne dar. Nach anfänglichem Erschrecken, echt oder auch nicht, scheint sich der Aufruhr überraschend schnell zu legen. Maximus’ bevorstehender Abgang eröffnet dem einen oder anderen gewinnbringende Aussichten auf die Stellung eines Konsuls. Es betrübt den General zu wissen, dass sie versuchen würden, sich gegenseitig zu bespitzeln und auszutrumpfen, aber Roms Politik war nun einmal kein Kinderspielplatz, sondern ein gefürchtetes Schlachtfeld. Und die Waffen die man handhabte, um zu gewinnen, waren schärfer als jedes Schwert und spitzer als jeder Pfeil. Lügen, Intrigen und manchmal auch Mord, standen an der Tagesordnung des Spiels um die Macht in Rom. „Pertinax ist ein Schwächling!“ vernimmt er die Stimme des jungen, ehrgeizigen Didius Salvius Julianus. Sein hübsches Gesicht verzerrt sich unschön und die ihm angeborenen großen Augen treten unnatürlich weit hervor. Er ähnelt einem Frosch, der dabei ist, sich aufzublasen. Er scheint ein bestimmtes Ziel zu verfolgen und zwar nicht erst seit diesem Abend. Sollte er, Maximus, sich in dem Mann getäuscht haben? Wie oft hatte er dieses schmähliche Wort in letzter Zeit bereits gehört? Es war leicht, andere der Schwachheit zu bezichtigen, wenn man selbst keine Verantwortung zu tragen hatte. Maximus kneift die Augen zusammen und fixiert den jungen Senator. Er ist einer jener, den die Größe, der Einfluss seiner Familie noch oben katapultiert hatte. Ehrgeiz war gut, aber auch gefährlich. Er hält ihn für klug, aber auch für zu ungestüm und egoistisch. „Der Kaiser braucht starke Männer um sich“, versucht er Pertinax zu verteidigen. Pertinax ist nicht mehr der Jüngste, doch als von Markus Aurelius geehrter Feldherr, verdient er seine Hochachtung. Clodius Albinus nickt dazu. Der beinahe kahlköpfige Mann mit der hohen Denkerstirn erinnert Maximus immer wieder an die Büsten des großen Julius Cäsar. Doch er bezweifelt, dass Clodius auch nur ein Zehntel des Denkvermögens des ersten Cäsaren besaß. „Und kluge!“ fügt Clodius hinzu. „Stärke ist nichts, wenn sie nicht gepaart wird mit Klugheit!“ Maximus kann die bedeutsamen Blicke des Mannes auf sich spüren. Er weiß, dass besonders Clodius ihm gewogen ist. Er weiß auch, dass der Mann lieber ihn als Pertinax auf dem Thron gesehen hätte. Er hatte sich in der Vergangenheit oft lange und ausführlich mit ihm darüber unterhalten, doch Clodius schien immer noch davon überzeugt zu sein, dass Maximus die Nachfolge von Commodus antreten hätte sollen. Er bedeutet einem Diener, die Becher nachzufüllen. Schließlich meldet sich auch Pescennius Niger zu Wort: „Syrien, der Osten Roms, wartet nur auf den richtigen Moment, Pertinax zu vernichten. Die finanziellen Maßnahmen des Kaisers sind eine Zumutung nicht nur für Rom, sondern das gesamte römische Imperium! Ich pflichte Didius Salvius bei: der römische Kaiser ist ein Schwächling und eine Schande für Rom!“ Die Verachtung die aus diesen Worten spricht, lässt Maximus argwöhnisch aufhorchen. Die kalten Augen des Senators verraten ihm mehr als sein Ausspruch. Er ist so gut wie sicher, dass Pescennius den Aufruhr im Osten zu seinen eigenen Gunsten schürte. „Syrien braucht einen Statthalter“, erinnert er den Senator und dessen süffisantes Lächeln zeigt ihm, dass dieser Mann längst seine Fäden in die von ihm angedeutete Richtung gesponnen hatte. „Ich werde dafür Sorge tragen, dass man im Osten seinen Unmut Rom gegenüber bezähmt“, bemerkt Pescennius herablassend. „Nichts liegt mir ferner, als die feindlichen Gefühle der Syrier dem Kaiser gegenüber noch weiter auflodern zu lassen.“ Maximus nickt, ist jedoch keineswegs überzeugt von der Aufrichtigkeit Pescennius. Er muss erkennen, dass selbst die Männer, für die er seine Hand ins Feuer gelegt hätte, vorerst an ihr eigenes Wohl dachten, an die eigene Machtausübung. Bis auf Clodius vielleicht. Dieser erhebt erneut seine Stimme: „Man munkelt, dass Lucius Severus sich zum Kaiser des nördlichen Reiches ausrufen lassen will. Meine Quellen sind zuverlässig. Wenn der Norden an Severus geht, dann hat Pertinax auch die Unterstützung der Truppen dort verloren, was man hier in Rom nur zu gerne ausnützen wird. Ein Handstreich nur, und Rom wird einen neuen Kaiser brauchen. Die Prätorianer Pertinax’ werden zu seinen schlimmsten Feinden, sagt man! Einen wie Dich braucht Rom, Maximus! Einen, dem die Truppen gehorchen, einen, dem Soldaten, Pöbel und der Senat gleichermaßen vertrauen!“ Es ehrt Maximus, die Worte aus dem Munde des Senators zu hören, den er eben noch in den gleichen Sack der Emporkömmlinge steckte, wie den Rest seiner kleinen Gesellschaft, die er um sich herum versammelt hatte. Lucius, Lucillas Sohn, war für die ehrgeizige Frau eine ebensolche Enttäuschung wie er selbst gewesen. Ihre Bemühungen, den jungen Mann zu Machthunger zu erziehen, erzielten genau das Gegenteil. Lucius Severus wandte sich im Laufe der Jahre immer mehr von Politik und Regierungsgeschäften ab, und hat es vorgezogen in seine, Maximus’ Fußstapfen zu treten und sein Leben den militärischen Aufgaben des Imperiums zu widmen. Trotz seiner Jugend ist er bereits ein erfahrener und viel geachteter Feldherr. Was an den Gerüchten wirklich stimmte, das kann Maximus beim besten Willen nicht durchschauen. Sollte Lucius seine Gesinnung wirklich so sehr gewandelt haben? Erinnerungen ziehen wie Nebelschwaden vor seinem geistigen Auge auf. Der eisige Norden, hungrige Wölfe, endlose Schlachten, barbarische Krieger, vergossenes Blut und das nicht enden wollende Geschrei der Verletzten.... Er fährt sich fahrig über die Augen, fasst sich jedoch rasch wieder, um keine Gemütsregung zu zeigen und seine hellen, wachsamen Augen richten sich fest in jene Clodius’. „Ich verstehe zu wenig von Politik“, sagt er einfach und lehnt sich dabei lässig an die bunt bemalte Freskenwand in seinem Rücken. „Ich bin Konsul, und selbst diese Bürde ist schwer zu tragen. Ich liebe das offene Spiel und nicht jenes, das man mit versteckten Karten handhabt! Ich vermute, dass es kaum noch vertrauenswürdige Männer in Rom gibt!“ Sein Blick schweift nun von einem zum anderen. „Ich werde den Staatsgeschäften den Rücken zukehren, liebe Freunde!“ Ein Raunen geht durch die Runde. Die Mienen der Senatoren drücken Bestürzung aus. Maximus lässt sich davon nicht beirren und fährt fort: „Den Zeitpunkt dafür, teile ich Euch noch mit, wenn es so weit ist! Jene, die ich heute nicht um mich geladen habe, werden frohlocken. Deshalb liegt es an Euch, Rom den Halt zu geben, den es braucht. Rom ist schwach! Räumt auf in Euren Reihen! Prüft, wem ihr vertrauen könnt und jagt die Verräter aus dem Senat! Das ist alles, was ich Euch raten kann!“ Er wendet sich direkt an Pescennius: „Dir, Pescennius Niger, rate ich, den Osten zu festigen. Ich denke, Du bist der richtige Mann dafür!“ Ein wohlwollendes Nicken seitens des Angesprochenen ist die erhoffte Antwort. „Und Du, Didius Salvius, solltest die Stellung vor allem hier, im Zentrum Roms halten, während Clodius Albinus, den ich als großen Feldherrn sehr schätze“, sein Auge fällt auf den hageren Mann, der wie er selbst, die offenen Kriege auf dem Schlachtfeld dem Wortgemetzel im Senat vorzog, „solltest Dein Augenmerk auf Gallien richten. Wie wir alle wissen, darf man dem momentanen Frieden, der dort zu herrschen scheint, nicht lange trauen! Verschiedene Sippschaften finden sich selbst nach so langer Zeit mit der Herrschaft Roms nicht ab. Mögen die Götter mit Euch sein!“ Die Senatoren können zufrieden sein. Für sie gilt das Wort Maximus’ weitaus mehr, als jenes des amtierenden schwachen Kaisers. Dass die Tage des alten Mannes gezählt waren, ist ein offenes Geheimnis. Niemand nimmt Pertinax mehr ernst. Auch seine Truppen nicht. „Was gedenkst Du zu tun, Maximus?“ spricht Clodius aus, was alle denken. „Ich ziehe mich aufs Land zurück. Es wird Zeit, dass ich mich auf meine Wurzeln besinne! Die Erde, die Landwirtschaft. Bauer war ich und Bauer werde ich wieder sein. Auch so kann ich zum Wohle Roms beitragen. Es gibt viele hungrige Mäuler in diesem Reich zu stopfen!“ Der Anflug eines Lächelns umspielt seinen schön geschwungenen Mund. Die Senatoren geben ein paar Floskeln des Bedauerns von sich. Die Schlacht war noch nicht gewonnen, das wissen sie nur zu genau. Selbst wenn sie sich an die Ratschläge ihres Konsuls hielten, war Rom immer noch in den Händen des alten Pertinax und seiner Prätorianer. Bevor die Gäste sich verabschieden, bemerkt Clodius: „Du wirst vereinsamen, Maximus! Die Tage, als Du nur Dein Land bestelltest und sonst nichts, liegen zu weit hinter Dir! Du brauchst Männer um Dich, Leben und Aktion! Ich befürchte, Du wirst da draußen nicht das Glück finden, dass Du Dir erhoffst!“ „Glück?“ fragt Maximus ungläubig. „Mein Glück ist unwiederbringlich, Clodius, und Du weißt das ebenso gut wie ich!“ Dabei spielt er auf seine ermordete Familie an, aber auch an seine zerrüttete Ehe mit Lucilla. „Alles was ich mir erhoffe, Clodius, ist Frieden! Ich bin müde, Freund!“ Zum ersten Male bemerkt Clodius, dass Maximus nicht mehr der entschlossene Feldherr zu sein scheint, der er einst war. Getrieben von Kaisertreue und dem Verlangen nach Sieg. Er ist auch nicht mehr der rachsüchtige Gott des Kolosseums, der Commodus mit Hass und dem Schrei nach Vergeltung vernichtet hat. Maximus ist dabei, wahrhaftig einen friedlichen Neuanfang, der gleichzeitig seinen Lebensabend einleiten sollte, anzustreben. Schade um den Mann! Clodius empfindet große Sympathien für Maximus, den Rom verehrt. Ihm ist nur zu bewusst, dass Maximus kein Schwächling ist, sondern die größte Charakterstärke besitzt, die er jemals bei einem Manne Roms, außer vielleicht Markus Aurelius, gefunden hatte. Wahrscheinlich hatte er zu viel Blut gesehen, war ausgebrannt von Rachegefühlen und Schmerz. Wie viel davon konnte ein Mann, selbst einer der mit Maximus’ Stärke ausgezeichnet war, eigentlich ertragen? „Tue nichts, was Du später bereuen müsstest, mein Freund!“ Mit diesen Worten verabschiedet sich der Konsul auch von Didius Salvius, der genau weiß, worauf der Ältere damit anspielt. Die Prätorianer sind bereit. Didius brauchte nur ein Zeichen zu geben und Rom würde einen neuen Kaiser ausrufen. Ein letzter Blick ins Auge des Konsuls zeigt ihm, dass dieser längst davon unterrichtet ist. „Zum Wohle Roms“, flüstert auch Pescennius, bevor er sich abwendet. Maximus zeigt keine Regung. Das war nicht mehr seine Welt. Als er allein beim Flackern der Öllichter über dieses Zusammentreffen nachgrübelt, sind seine Leute bereits damit beschäftigt, die Spuren des Mahls zu entfernen, und die Abfälle zu entsorgen. Es würde für ein willkommenes Fressen der Hunde reichen. Er bedeutet der rotblonden Frau, sich zu ihm zu gesellen. Zögernden Schrittes kommt sie näher und sieht stumm auf ihn hinunter. Er fordert sie freundlich auf, sich ihm gegenüber zu setzen, was sie fast unwillig tut. Ihr Blick ist abwartend und misstrauisch. Er weiß, was sie befürchtet, und ihre so offensichtlichen Gedanken, dass sie ihm nun zu Willen sein müsse, entlocken ihm ein amüsiertes Lächeln. „Wäre das denn so schlimm?“ fragt er leise und sieht das unruhige Flackern in ihren ungewöhnlichen Augen. „Bin ich wirklich so abstoßend?“ Sie antwortet nicht, aus Angst, die falsche Antwort zu geben. „Ich bin sicher, Du hast schlimmeres erlebt, und das tut mir leid“. Das echte Bedauern in seiner Stimme zaubert den Anflug von Überraschung auf ihre Züge. Er kann sie endlich intensiver betrachten und ist gebannt von der Anmut, die er in diesem feinen Gesicht entdeckt, und die am Morgen noch teilweise unter Staub und Schmutz verborgen lag. Nur ihre Augen hatten geglüht, wie auch jetzt, wenn auch ein wenig anders und nicht in diesem maßlosem Zorn! Ihre Lippen sind voll und von einem rosafarbenen Schimmer, den er bisher nur an Mädchen mit rötlichem Haar bemerken konnte. Ihre makellose, helle Haut verrät ihre Herkunft aus einem nördlichen Gebiet des Imperiums. Über ihren wohlgeformten Körper können auch nicht die ein wenig hervorstehenden Knochen ihrer Schultern und Arme hinwegtäuschen, denn ihr Busen ist voll und fest, und auch die Hüften unter dem Band, das die Toga um ihre Mitte festhält, geben Zeugnis ab, dass es sich wahrhaftig um eine anmutig schöne Frauensperson bei diesem weiblichen Wesen handelte. Kaum zu glauben, dass sie einem Barbarenvolk angehörte! In seinem Haus würden Ihre Gliedmasse sich bald formen wie früher und sie ihre natürlichen, weiblichen Rundungen wiedererlangen. Es reizt ihn ganz plötzlich, ihre Geschichte, ihre Herkunft zu erfahren, und auch, wie sie am Sklavenmarkt landen konnte. Doch er ist keineswegs sicher, dass sie sich als mitteilsam erweisen würde. Er bietet ihr Wein an, doch sie schüttelt den Kopf und gleich ist es wieder da, dieses Misstrauen, ihre abweisende Miene! „Weißt Du, wer ich bin?“ fragt er sie und sie nickt. „Ja, natürlich weißt Du es! Die Leute sind geschwätzig, nicht wahr?“ Ihre Züge werden weicher und er kann in ihnen lesen, dass die Redereien und Tratschereien über ihn alles andere als schlecht gewesen sein konnten. „Du weißt, dass ich meine Leute gut behandle?“ Sie nickt erneut, scheint sich nach und nach zu entspannen und ihre zuvor nervös verkrampften Hände, liegen schließlich ruhig in ihrem Schoss. „Ich habe fast nur freie Bedienstete!“ fährt er in ruhigem Tonfall fort. „Bis auf ein paar ehemalige Gauner und Diebe, die es nicht anders verdienen und denen es sicher bei mir weitaus besser geht, als in den Steinbrüchen, in die sie ursprünglich verdammt wurden! Ich werde auch Dir die Freiheit geben, Dir und Deinem Bruder, aber ich habe dringliche Dinge zu erledigen, die keinen Aufschub dulden. Und ich wünsche, dass ihr beide eine Weile für mich arbeitet, danach könnt ihr davon gehen, wohin auch immer es euch zieht. Doch Du musst verstehen, dass ich einen hohen Preis bezahlt habe und den muss ich irgendwie einbringen!“ Die Überraschung in ihrem Blick ist ihm fast peinlich. Es liegt ganz plötzlich ein unbeschreibliches Gefühl zwischen ihnen, dass sich zu einer atemberaubenden Spannung entwickelt. Ihr Unglauben und ihre Dankbarkeit mischen sich mit seiner Noblesse, seiner Bewunderung, die er für sie hegt und plötzlich kann Maximus fühlen, als wäre es ein Blick in verbotene Gefilde, dass diese Frau nicht einfach aus seinen Gedanken verschwinden würde, wie er es zuvor angenommen hatte. Er räuspert sich, denn sie sagt kein Wort, saugt die seinen in sich auf und sieht gebannt in seine Augen, dessen seltsam kristallenen Glanz sie zum ersten Male wahrnimmt. Ihre Rechte legt sich unbewusst und ergriffen in die Vertiefung zwischen ihren Brüsten, als er weiter spricht: „Ihr braucht Euch nicht freizukaufen, ich will kein Geld von Euch. Nur etwas von Deiner Gesellschaft, in allen Ehren, und die Kraft Deines Bruders bei allfälligen schwierigen Arbeiten auf meinem Landgut! Angesichts seiner physischen Ausstrahlung dürfte es für ihn nicht schwierig sein, mir manche Dienste zu leisten, für die man im Allgemeinen mehrere starke Männer benötigt!“ Er holt tief Luft und seine Stimme klingt rau, als er hinzufügt: „Ihr könnt nach dem Zeitpunkt, den ich noch festlegen werde, gehen, aber natürlich auch bleiben, als entlohnte Mitglieder meines Haushalts. Vertrauenswürdige Leute sind mir immer willkommen! Menschen, auf die ich mich blind verlassen kann, es gibt sie so selten!“ Seine Rede sollte an ihrer Ehre rühren und sie verfehlen keineswegs ihre Wirkung, denn nun endlich beginnt sie zu sprechen und er sieht gebannt auf ihren Mund, in ihre Augen, die ihm so offen und klar erscheinen, als handelte es sich dabei um funkelnde Gestirne. „Ich bin Mailin“, antwortet sie bescheiden und klar. Ihre Stimme klingt wohltönend an sein Ohr. „Mein Bruder ist Irvin, Sohn des Borvo. Unsere Sippe lebt in Gallia-Celtica, weit oben, im Norden Roms, an den westlichen Ufern des Reiches.“ Sie bestätigt seine Vermutungen über ihre Abstammung. Trotzdem ist er mehr als nur überrascht. „Ich verstehe nicht ganz, wie Du in die Sklaverei geraten konntest? Die gallischen Völker sind uns nunmehr friedlich gestimmt, oder täusche ich mich?“ Das Flackern in ihren Augen bekommt einen wehmütigen Widerschein. Ein wenig brüchig klingt ihre leise Stimme, als sie von ihrem Schicksal zu erzählen beginnt. „Wir waren mit einem Schiff unterwegs, mein Bruder und ich. Männer unseres Stammes der Veneter, haben uns begleitet. Starke, zuverlässige Männer, die keine Furcht kannten. Unser Imbolc-Fest stand bevor, und wir waren auf dem Weg in den Süden. Irvin dachte, zu Schiff wäre es der kürzeste Weg für uns. Wir wollten zu den Feierlichkeiten mit anderen, benachbarten Sippen zusammentreffen, um den Göttinnen zu huldigen.“ Maximus kann sich auf den Rest ihrer Geschichte seinen eigenen Reim machen. Das gallische Schiff wurde von Piraten angegriffen, von Sklavenhändlern, die die Meeresstrassen unsicher machten, Dörfer angriffen und mit Menschen jeder Rasse reiche Beute machten. Aber dass sie sich getrauten, auch an der gallischen Küste ihr Unwesen zu treiben, war ihm neu. Die erfahrenen und Hochgewachsenen Krieger, die für die Römer immer noch als Barbaren galten, waren gefürchtete Gegner. Doch die große Überzahl der Angreifer war die ausschlaggebende Entscheidung des gewagten Kampfes auf See gewesen. Die meisten der Gallier hatten ihr Leben gelassen, wie er erfährt, um Mailin und Irvin zu schützen, die Kinder ihres Stammesfürsten, der es, seines hohen Alters wegen unterlassen hatte, die anstrengende Schiffsfahrt mitzumachen. „Dein Vater glaubt Euch tot?“ Mailin senkt sie Augen. „So ist es wohl“, murmelt sie. „Ich werde ihm eine Botschaft zukommen lassen“, verspricht Maximus mitfühlend. „Er soll sich nicht weiter um Euch grämen.“ Die junge Frau sinkt vor dem Konsul auf die Knie, bevor er sie noch bitten kann, dies zu unterlassen, und fasst nach seiner Hand, um sie ergriffen zu küssen. „Ich danke Dir“, flüstert sie überwältigt. Er spürt den warmen Hauch ihres Kusses auf seinem Handrücken, die Berührung ihrer schlanken, kühlen Finger, und er sucht nach Fassung, die er zu verlieren droht. „Ich bitte Dich Mailin, steh’ auf! Du bist die Tochter eines Fürsten, und als solche respektiere ich Dich! Es ist Deiner unwürdig, vor mir niederzusinken. Ich bin nur ein einfacher Mensch. Dein Schicksal war schlimm genug. Eine Frau Deines Standes wird keinesfalls die Tätigkeiten einer Dienerin für mich ausüben, ebenso wenig, wie Dein Bruder Sklavenarbeit verrichten soll! Vergiss was ich deswegen gesagt habe!“ Sie hat sich zurück auf ihre Fersen sinken lassen und sieht ihn ungläubig an, demutsvoll, und doch mit dieser offensichtlichen Würde, als wäre er eine ihrer nordischen Gottheiten. Ihr Blick fasziniert ihn und bereitet ihm doch ein wenig Unbehagen. Er erhebt sich abrupt und ergreift ihre Hände um sie mit sich hochzuziehen. Sie ist fast so groß wie er selbst und er spürt, wie stark ihre Anziehungskraft auf ihn ist. Er räuspert sich, verärgert und irritiert, dass er sich ihrem magischen Bann so schwer entziehen kann. „Mailin“, ihr Name zergeht auf seiner Zunge wie warmer Honig. „Ich werde Euch beide auf mein Landgut mitnehmen. Ich habe vor, Rom zu verlassen. Ich kann Dich nur bitten, mich zu begleiten. Mir ein Weilchen Deine Gesellschaft zu schenken, und vielleicht kannst Du mich in die Gebräuche und Geheimnisse Deines Volkes einweihen. Wir wissen so wenig über die Gallier, außer, dass sie ein tapferes, sehr stolzes Volk sind, das sich seit Jahrhunderten vehement gegen Rom gewehrt hat. Betrachte Dich als mein Gast in meinem Haus, ebens,o wie Dein Bruder es ist. Vielleicht lässt es Dich die Schmach und Angst vergessen, die Du in dieser letzten Zeit hast ausstehen müssen!“ Stolz und peinigende Erinnerung an das Erlebte prägt erneut ihr Gesicht wie ein dunkler Schatten, der darüber huscht, und sie antwortet mit klarer Stimme: „Ich nehme Deine Einladung mit Freuden an. Niemals werde ich Dir genug dafür danken können! Die Götter mögen Dich belohnen für Deine Großmut. Ich habe selten einen Mann Deiner Art getroffen.“ Er blickt sie an, gebannt, unfähig sich zu rühren, und zwischen ihnen bahnt sich eine Vertraulichkeit an, die ihn benommen macht. Als dieser Moment des sich Gegenüberstehens ihnen beiden den Atem zu nehmen droht, flieht sie aus seiner Nähe und aus dem Atrium ins Haus und er blickt ihr sinnend nach, berauscht von den magischen Gefühlen einer nie gekannten Sinnlichkeit der ganz besonderen Art.
***** „Du wirst es nicht wagen!“ zischelt Lucilla und fixiert ihren Mann mit hasserfülltem Blick. „Du lässt mir keine andere Wahl, Lucilla!“ entgegnet Maximus ruhig und lehnt sich mit dem Rücken an den Stamm eines Olivenbaumes. Er hatte den richtigen Zeitpunkt abgewartet, Lucilla allein in den Gärten anzutreffen, um ihr von seinen Scheidungsabsichten Mitteilung zu machen. „Ich habe Dir ein Auseinandergehen ohne großes Aufheben angeboten. Eine Sache, die wir nur unter uns beiden austragen sollten. Wenn Du Dich dagegen stellst, werde ich Deine Untreue öffentlich anprangern, wie es das römische Gesetz vorschreibt. Davor kann auch Deine Herkunft Dich nicht schützen! Du bist eine Ehebrecherin und ich mache mich nicht länger zum Gespött Roms! Unsere schmutzige Wäsche wird dann vor den Gaffern der Stadt ausgetragen werden. Denkst Du, dass ein solches Ende Markus Aurelius Tochter würdig wäre? Oder hast Du gedacht, ich ließe Deine Schmähungen noch ewige Zeiten über mich ergehen?“ Der Gedanke an den Kaiser verursacht Maximus einen stechenden Schmerz in der Brust. Möge der Kaiser, sein spiritueller Vater ihm verzeihen, was er eben gesagt hatte. Sie misst ihn verachtend und ein hämisches Grinsen stillt sich um ihre Mundwinkel. „Deine gallische Hure hat also längst meinen Platz eingenommen“, bemerkt sie sarkastisch. Maximus bleibt ruhig und gelassen. „Ich spreche nicht mit Dir über Mailin. Sie ist eine Fürstin und mein Gast. Weiter nichts! Egal was man Dir zugeflüstert hat, egal welch unmoralische Vorstellungen Du Dich nur zu gerne hingibst, es ist wahr!“ „Eine Fürstin vom Sklavenmarkt!“ lacht sie laut auf. „Deine Vorlieben für Frauen gehen seltsame Wege, Maximus!“ „Ich will diese Farce nicht mehr mitmachen, Lucilla“, geht er nicht weiter auf ihre spitzen Bemerkungen ein. „Ich gebe Dir nicht allein die Schuld an dem Misslingen unserer Ehe. Wir waren einfach nicht füreinander geschaffen. Du empfindest heute nicht mehr für mich als Verachtung. Du kannst meine Denkweise nicht verstehen und auch das daraus resultierende Handeln nicht. Du versuchst es erst gar nicht. Lass es nicht zum Äußersten kommen, der guten Zeiten willen, die wir miteinander verbracht haben!“ „Haben wir das?“ spöttelt sie höhnisch. „Hätte ich auch nur einen Augenblick lang geglaubt, dass Du unfähig bist, Roms Zügel in die Hände zu nehmen, wie mein Vater es gewollt hatte, so hätte ich Dich im Sand des Kolosseums verrecken lassen, wie es meinem Bruder geschah!“ Ihre brutalen Worte sind schlimmer als ein Schwerthieb es sein könnte. Maximus beherrscht seine Gesichtsregungen, zeigt sich abweisend und gelassen, unberührt von ihrer Herzlosigkeit. „Ich habe Dich geliebt Lucilla!“ sagt er ruhig. „Mit jeder Faser meines Herzens! Selbst nach dem Verrat, als Du Verus’ Frau wurdest! Selbst, als ich meine Frau in den Armen hielt, warst Du zugegen! Möge sie mir verzeihen, aber die Liebe meines Lebens, bist stets nur Du gewesen! Doch Du bist zu weit gegangen.“ Ihre Augen bekommen einen flehenden Ausdruck. Es war vielleicht ihre letzte Chance, Maximus soweit zu beeinflussen, dass er ihretwillen doch noch zum Machthaber des Imperiums werden wollte. „Maximus“, die Art, wie sie seinen Namen ausspricht, lässt immer noch sein Herz höher schlagen! „Ach, Maximus!“ Ihre zarten Hände streichen über sein Kinn mit dem sorgfältig gestutzten Bärtchen. Weg mit den Erinnerungen an ferne Tage, weg mit der Hoffnung, dass sie ihn noch liebte! „Lass uns von vorne beginnen! Lass uns gemeinsam Rom anführen! Das Imperium ist noch nicht bereit, als Republik bestehen zu können. Es will geführt werden, regiert, und zwar von einem einzigen Mann, den es liebt und verehrt. Von Dir, Maximus! Sie würden Dich bejubeln wie keinen Cäsar je zuvor! Als wüsstest Du das nicht selbst!“ Wie einfach wäre es jetzt, Lucillas Verführung nachzugeben. Sie einfach in die Arme zu schließen, ihr zu verzeihen und den Lauf Roms in die Richtung zu lenken, die sie erträumte... „Das wäre Verrat an Deinem Vater, Lucilla! Ich kann das nicht!“ „Aber Rom hat doch bereits einen Kaiser, wenn auch einen unfähigen! Diesen alten, grässlichen Mann, auf dessen Rücken bereits die Dolchspitzen seiner eigenen Männer zeigen! Maximus! Ist Dir das Geschick Roms wirklich einerlei? Kannst Du nicht begreifen, was passieren wird, wenn sich die Schwerter der Aufständischen in den Rücken dieses alten Mannes bohren werden? Wenn Du Dich nicht dazu berufen fühlst, Rom zu retten und zu führen, so mache Deinen Einfluss, den Du unbestreitbar auf Lucius, meinen Sohn hast, geltend, damit er zur Einsicht kommt, und den Platz einnimmt, der ihm von Rechts wegen zusteht!“ Ihre Augen sind dunkel geworden vor leidenschaftlicher Überzeugung. Er hält ihre kleine Hand fest, die seiner Wange geschmeichelt hat. „Lucius Absicht ist es nicht, Imperator zu werden. Der Senat wird für Ordnung sorgen“, entgegnet er überzeugt. „Ich habe meine Vorkehrungen getroffen, dass Rom nicht aus den Fugen gerät! Doch ich mache mich nicht zum Verräter am letzten Willen Deines Vaters, Weib! Auch nicht um Deiner Liebe willen!“ Die spöttische Betonung, die auf dem Wort „Liebe“ lag, war ihr keineswegs entgangen. Sie zieht energisch ihre Hand aus der seinen und macht einen Schritt nach rückwärts. Ihre Stimme klingt seltsam unbeteiligt und kalt, als sie ihm tonlos antwortet: „So sei es Maximus! Du spielst ein gefährliches Spiel, Konsul von Rom! Ich hielt Dich für klüger, das war mein Fehler. Der Senat wird sich streiten um die Macht Roms! Sie werden sich gegenseitig aus dem Weg schaffen wollen, denn alles was diese so genannten „Republikaner“ interessiert, ist der Titel Cäsar! Du bist nicht nur dumm, Maximus, Du bist auch blind! Ein Narr, geschlagen mit Blindheit und Stupidität! Und schließlich ist es besser so! Einen unschlüssigen Zögerer auf dem Thron von Rom, ist das letzte, was dieses Reich brauchen könnte! Ich bereue, Dir je begegnet zu sein, Maximus! Ich bin einverstanden, unserer Ehe ein Ende zu setzen! Du warst meiner Liebe nicht würdig!“ Hoch erhobenen Hauptes macht sie kehrt und verschwindet zwischen den blühenden Oleandersträuchern. Maximus steht noch lange da und stiert in den dunkelblauen Himmel, versucht sich zu sammeln. ‚Die Schwalben fliegen hoch, das bedeutet, dass der heiße Vorfrühling des Südens ohne die kühle Unterbrechung eines Gewitters anhalten wird’, denkt er und versucht so, die eisigen Worte seiner Frau nicht in sein Bewusstsein eindringen zu lassen. Jedes gesprochene Wort schmerzt ihn wie heißes Wachs in einer offenen Wunde, und auch ihre versteckte Drohung nimmt er keineswegs auf die leichte Schulter... ***** Viele Wochen später. Die Worte des Boten bergen keine Überraschung für ihn. Didius Salvius hatte den Reiter zu ihm gesandt und er liest zum zweiten Mal die Botschaft, nachdem er sie erst einmal nur überflogen hatte. Der Senator ließ ihn wissen, dass Pertinax dem Anschlag der Prätorianer zum Opfer gefallen war. Zu drastisch waren die Sparmassnahmen gewesen, die der alte Mann, der wie er selbst, aus einfachen Verhältnissen stammte, unvorhergesehen durchsetzen wollte. Anfangs beliebt bei Volk und im Senat, wurde Pertinax von Patriziern und Plebejern gleichermaßen zum Staatsfeind Nummer eins erklärt und ist von jenen, die ihn erst vor kürzester Zeit auf den Thron des Cäsaren geschoben hatten, ermordet worden. Didius Salvius hatte ganze Arbeit geleistet. So gelangte er ohne große Anstrengung auf den viel begehrten Thron und verlangte nunmehr die Treue des Konsuls! Er schickt den Reiter in die Küche, wo er bewirtet werden sollte. Die Befürchtungen Clodius, er würde das Landleben nicht lange ertragen, hatten sich noch nicht bewahrheitet. Im Gegenteil! Seit langer Zeit konnte er wieder ruhig schlafen, seine Gedanken finden Frieden, jetzt, wo auch der Kampf mit Lucilla beendet war, und er den Ränkespielen der Politik entfliehen konnte. Sich sammeln, Schlüsse ziehen, nachdenken. Wo konnte er das besser als hier, in der Abgeschiedenheit seines riesigen Besitzes? Er blinzelt gegen die Sonne und kneift seine lichtempfindlichen Augen zusammen. Er widmete sich vor allem der Pferdezucht. Schnelle, kräftige Pferde. Eine Mischung aus schlanken, feurigen Arabern und ausdauernden, kräftigen Pferde des Nordens zu züchten, hatte er sich zum Ziel gesetzt. Die Verwaltung des Anwesens nahm einen großen Teil des Tages in Anspruch. Er hatte Mängel aufgedeckt, Unterschlagungen, aber auch Misshandlungen an freien Bürgern, die einst als Sklaven zu ihm gekommen waren und ihm gedient hatten. Immer noch gab es Aufseher, die sich nicht mit dem neuen Status der Bediensteten Abfinden wollten. Er war hart vorgegangen, hatte strenge Strafen verhängt und so manchen der Männer zum Teufel gejagt. Seine Verhaltensweise trug ihm Hochachtung und Zutrauen seitens der Arbeiter ein. Doch die Gesinnung, die ihn zu der menschenfreundlichen, ja barmherzigen Handlungsweise veranlasste, lag im eigenen Erleben, in seiner schmählichen Vergangenheit, in den lebendigen Erinnerungen seines selbst erduldeten Sklaventums. Er genießt die Tage, an denen Mailin ihm Gesellschaft leistet, und sie tut es gern und oft. Er lauscht dann ihren Erzählungen und Legenden, bis die Welt der Gallier, ihre Welt, so lebhaft vor seinem geistigen Auge steht, als hätte er selbst mit ihnen gelebt, gekämpft und ihre Riten und Feste gefeiert. Immer noch steht diese erotische Spannung zwischen ihnen und er genießt ihre Anziehungskraft, erliegt ihrer tugendhaften, würdevollen Ausstrahlung mehr und mehr, ohne sich ihr zu nähern oder ihr ungeziemte Angebote zu machen. Keinesfalls wollte er sie brüskieren oder ihre Achtung verlieren. Lieber darben und sich weiter nach ihr verzehren, als sie zu enttäuschen. Ohne sich dessen bewusst zu werden, wird die gallische Fürstentochter zur Sonne jedes einzelnen Tages, dem er mit Ungeduld und atemlos entgegen sieht. Der stolze Irvin hatte ihn darum gebeten, von dannen ziehen zu dürfen. Er wollte rasch möglichst zu seiner Sippe zurückkehren und Maximus bedauerte dies. Er versprach, seine Reise vorbereiten zu lassen und ihm den Schutz erfahrener Soldaten mitzugeben. Irvin wäre genau der Mann gewesen, den er an seiner Seite gebraucht hätte. Vor allem jetzt! Zuverlässig, mit einer angeborenen Kämpfernatur, die ihn im Laufe der Jahre und des andauernden Körpertrainings, wie auch das harte Dasein eines Waldbewohners gestählt und schier unverwundbar gemacht hatte.
Maximus rollt die Botschaft ein und beschreitet mit gesenktem Haupt die gepflasterten Wege des gepflegten Hofes. Im Schatten der Pinien lässt er sich auf einer steinernen Bank nieder und legt seinen Kopf in die Hände seiner aufgestützten Arme. Es hatte also begonnen! Der Ausverkauf Roms! Aus zuverlässigen Quellen hatte er erfahren, dass der ehrgeizige Didius Julianus 6250 Drachmen für die Macht Roms geboten hatte und so einen weiteren Konkurrenten überbieten konnte! Er fühlt sich ein wenig schuldig an den Geschehnissen, die er keineswegs in diesem Ausmaße hat voraus sehen können. War das die Zukunft, die Markus Aurelius für Rom ins Auge gefasst hatte? Ganz sicher nicht! Er zweifelt an der Richtigkeit seines Entschlusses, den Thron Roms außer Acht gelassen zu haben! War es das, was Clodius Albinus ihm versteckt hat mitteilen wollen? Wollte er deswegen seine Gesinnung, Rom den Rücken zuzukehren, mit einer versteckten Andeutung ändern? Hatte seine sonst so ausgeprägte Menschenkenntnis ihn nun jämmerlich und vollkommen im Stich gelassen? Clodius befand sich in Gallien. So wie Maximus es gewollt hatte. Und so war Rom den lächerlichen Machtkämpfen seiner Emporkömmlinge ausgeliefert.... Er musste mit Lucius Severus sprechen. Er konnte nicht hier sitzen und zusehen, wie sein Korn gedieh und eingebracht wurde, während Rom mit Sicherheit unaufhaltsam dem Untergang entgegen schlitterte... Er würde aufbrechen nach Carnuntum. Es galt zu handeln. Er war es Markus Aurelius schuldig, und sich selbst. Er blickt Mailin entgegen, die den Kiesbestreuten Weg geradewegs auf ihn zukommt. Mit der Sonne im Rücken wirkt sie wie eine leuchtende Erscheinung auf ihn und ihr Haar glänzt wie gesponnenes Gold. Sie scheint geradewegs einem göttlichen Pantheon zu entsteigen, und sein Herz wird schwer, wenn er daran denkt, dass er ihre Gegenwart nicht länger mehr genießen darf. Er sollte sie gemeinsam mit ihrem Bruder zurückschicken in ihre Heimat. Allein dieser Gedanke ist ihm jedoch unerträglich. Und doch, bald schon wird sie ihn verlassen. Der Ruf ihrer Wälder, ihres Blutes war sicher stärker als jener ihres Herzens, auch wenn er fühlte, dass sie ihm eine gewisse Art von Liebe entgegen brachte, geboren aus Dankbarkeit und Hochachtung. „Dein Gesicht ist sorgenvoll, Maximus“, erkennt sie klug, als sie vor ihm steht. Er blickt hoch zu ihr, verliert sich in dem Strahlen ihres Antlitzes und bittet sie, sich neben ihn zu setzen. „Rom ist in Gefahr“, erklärt er knapp. „Ich muss handeln und kann nicht länger hier bleiben und mich der Illusion hingeben, dass es andere dafür gibt, die das für mich erledigen könnten.“ Sie bleibt stumm, wartet, dass er weiter spricht. Er reicht ihr die Nachricht, die man ihm überbracht hatte und sie entrollt das Schriftstück, um es aufmerksam zu studieren. „Ich verstehe zwar nichts von Roms Politik“, sagt sie ernst, als sie es ihm zurückgibt, „aber ich verstehe Deine Sorge und Deine Entscheidung. Immerhin bist Du noch Konsul, Maximus! Ich weiß, Du tust das Richtige, doch Deine Abreise, denn ich sehe in Deinen Augen, dass Du bereits unterwegs bist, um die Geschicke Roms in die richtigen Bahnen zu lenken, betrübt mich zutiefst.“ Ihre Aufrichtigkeit rührt ihn an und er ringt sich ein wehmütiges Lächeln ab. „Ein Mann muss tun, was er tun muss“, bestätigt er ihre Ahnungen. „Ich muss mich auf den Weg machen, bevor es zu spät ist!“ Sein Herz wird schwer, bevor er die Worte ausspricht, die dennoch gesagt werden müssen. „Dein Bruder wird in den nächsten Tag die Heimreise nach Gallien antreten. Du solltest nicht zögern und ihn begleiten!“ Sie sucht sprachlos in seinen Augen nach seinen Gefühlen, seiner Regung, die der ihr unterbreitete Vorschlag in ihm auslösen, und muss überrascht erkennen, dass er nur ihretwillen so sprach, weil ihm nichts an ihrem Fortgehen lag. „Ich werde lange Zeit fort sein“, fügt er hinzu, versucht seiner Stimme einen belanglosen Klang zu verleihen, was ihm kläglich misslingt, weil der Knoten in seiner Kehle beim Sprechen schier anzuschwellen scheint und ihm die Luft abzudrücken versucht. Er ist ärgerlich auf sich selbst, weil er gegen diese Aufwallung seiner Gefühle nicht Herr wird. Er ist doch mit anderen, weitaus heikleren Situationen fertig geworden! Warum fühlt er sich so hilflos ihr gegenüber, so verletzlich? „Wenn es Dein Wunsch ist, dann werde ich gehen“, erwidert sie leise. „Ja“, setzt er eindringlich nach, „Du solltest gehen Mailin! Kehre heim zu den Deinen. Dort bist Du in Sicherheit. Sollte ich nicht zurückkommen, wird Dich hier nichts und niemand beschützen können, und ich weiß nicht, was mit meinen Gütern und Leuten geschehen wird. Es wird für diejenigen, die sich darum streiten werden, keinen Unterschied machen, ob Du nur eine Sklavin bist, oder eine freie Fürstentochter. Der Gedanke, dass man Dich verletzen, unterjochen oder Dir gar Gewalt antun könnte, ist mir unerträglich! Begleite Deinen Bruder, Mailin! Kehre heim! Ich beschwöre Dich!“ Die Angst, die er ihretwegen hegt, die Besorgnis, dass sie einem ungewissen Schicksal entgegen sah, springt ein wenig auf sie selbst über. Doch ihre Gestalt strafft sich erneut, als sie mit bestimmtem Ton versichert: „Du wirst zurückkehren, Maximus“, Sie nimmt seine harten Hände in die ihren, feingliedrigen. „Ich weiß es!“ Sie sagt es so bestimmt, dass er annehmen muss, sie habe eine Erleuchtung, eine Botschaft der Götter erhalten und er lächelt ob ihrer Naivität. „Das wissen die Sterne!“ versucht er kläglich zu scherzen. „Und ich!“ setzt sie hinzu und er lässt den Zauber ihrer Schönheit, ihrer magischen Macht über ihn erneut auf ihn einwirken, bis die Sonne hinter den Hügeln am Horizont rot und gewaltig untergeht, und so den Schlusspunkt unter ihr gemeinsames dramatisches Empfinden setzt...
Als sie ihn schließlich verließ, hatte er noch lange so dagesessen und in die Dunkelheit gestarrt. Sie hatte seine Stirn geküsst und ihre Lippen brannten noch immer auf seiner Haut. Was er für sie empfand, war stärker als alles andere je zuvor. Stärker als die beschützende Liebe, die er seiner Frau entgegen brachte und stärker als die leidenschaftlichen Gefühle, die er mit Lucilla geteilt hatte. Doch es war ihm versagt, sie in den Armen zu halten, versagt, ein Teil ihres Lebens zu werden. Das Schicksal hatte für jeden von ihnen einen ganz bestimmten Weg ausgewählt, der sich nur dieses eine Mal, ganz flüchtig gekreuzt hatte. Eine Laune der Natur, weiter nichts! Und doch war sie seine Kraft und seine Inspiration geworden, wie ein von Jupiter gesandtes Wesen, halb Gott, halb Mensch. Er gibt sich einen Ruck und macht sich daran, seine Männer zu informieren. Er will keine Zeit verlieren und im Morgengrauen aufbrechen. Der weite Ritt würde ihm einiges abverlangen. Er war es nicht mehr gewöhnt, tagelang im Sattel zu sitzen, bei Wind und Wetter, Hitze und Regen. Ausgelaugt von den quälenden Gedanken und Strategien, die er immer wieder ersonnen hatte und die sich in seinem Kopf zu fixen Plänen zusammen fügten, sinkt er auf sein Lager nieder, um die Stunden des Schlafes, die ihm noch vor dem Aufbruch verblieben, best möglichst zu nützen. Sein Soldatendasein hatte ihn gelehrt, jede Minute für Ruhe und Schlaf nützen zu können. Es fällt ihm nicht schwer, seinen Kopf zu leeren und sich dem regenerierenden, wohltuenden Schlaf zu überlassen, auch, wenn seine wachsamen Sinne selbst dann rezeptiv bleiben, um etwaige Gefahren in Sekundenschnelle zu erkennen und schlagartig wach und aktiv zu werden. Nicht nur einmal hatte ihm diese Gabe das Leben gerettet! Doch das leise Huschen nackter Sohlen unweit seines Lagers ruft in die Wirklichkeit zurück. Bevor er noch die Augen öffnet, kann er sie riechen. Seit sie hier war, umgab sie sich gerne mit den südlichen Düften von Eisenkraut und Zitronenblüten. Sein Herz beginnt wild zu pochen und ihre erregende Nähe betört ihn auf eindeutige Art. Er unterdrückt ein sehnsüchtiges Seufzen. Er kann sie hinter seinem Rücken spüren, ihre Blicke, die über seine nackte Gestalt gleiten und er wagt kaum zu atmen. Das leise Geräusch von zu Boden gleitendem Gewand dringt an sein Ohr. Er stellt sich vor, wie sie da steht. Nackt, vollkommen, ihn sehnsüchtig begehrend! Und dann kann er plötzlich spüren, wie sie an seine Seite gleitet, wie kühle Haut sich an die seine, erhitzte schmiegt und er atmet tief seufzend aus. Er spürt ihre festen Brüste, die sie an seinen Rücken presst, ihre Hände, die sich kosend um seine Mitte schlingen, und er lauscht verzückt ihren geflüsterten Worten, als ihr warmer Atem an sein Ohr dringt: „Maximus. Ich kann Dich nicht so gehen lassen. Ich will bei Dir sein, diese Nacht. Sie soll uns gehören.“ Ihre verheißungsvollen Lippen küssen seinen Nacken und er stöhnt verhalten auf, dreht sich zu ihr herum, um sich davon zu überzeugen, dass er keiner Wahnvorstellung, oder einem verführerischen Traum zum Opfer fällt. Er blickt geradewegs in ihre feucht glänzenden Augen, in welchen sehnsüchtige Leidenschaft geschrieben steht. Sie war gekommen, um mit ihm das Lager zu teilen! Seine Arme umfassen sie hungrig. Er küsst ihre Lider, ihr Gesicht und Wangen, dann diesen verlockenden Mund, den er so selten hat lachen sehen. Sie öffnet weich und lockend ihre Lippen und erwidert seinen Kuss mit inbrünstiger Hingabe. Ihre Arme schlingen sich um seinen Hals, diese weißen, wohlgeformten Arme, die in den Wochen an seiner Seite wieder ihre natürlich weibliche Form zurück gewonnen haben, ebenso wie ihre Schultern, ihre Hüften, die sich seinen verlangenden Händen sehnsüchtig darbieten. „Du bist gekommen“, flüstert er benommen, von Erregung und Freude darüber, dass sie wirklich in seinen Armen lag. „Du musst das nicht tun, Mailin! Du schuldest mir nichts, gar nichts!“ „Ich will es seit langem schon“, gesteht sie atemlos zwischen seinen zärtlichen Küssen, mit denen er ihr Gesicht erneut bedeckt. „Ich glaube ganz fest, diese Nacht ist eine gute Nacht für uns beide“. Sie hat eines ihrer langen Beine um seine Hüften gelegt, um ihn besser spüren zu können. Sie fühlt entzückt die feinen Härchen seiner Beine und Arme, seiner starken, muskulösen Brust auf ihrer zarten Haut und unterdrückt nicht länger ein leises Gurren ihres Wohlbehagens. Ihre Finger gleiten über seinen Körper, ertasten Narben und längst verheilte Verletzungen, streichen zärtlich über seine feste Haut, entfachen tausend Feuer in ihm, bis seine Begierde nach ihr in seinen Lenden pocht und er jede ihrer Berührungen mit Wonne erwidert. Mühsam nur, zügelt er den Drang, sie rasch und begierig zu nehmen. Die lange Enthaltsamkeit war nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. In ihren Armen fühlt er sich frei, geborgen, feurig und stark. Seine Hände erkunden berauscht ihre Rundungen und die verborgenen Quellen ihrer Lust, verweilen zärtlich auf ihrem biegsamen Rücken, ihren festen Schenkeln. Er kann sich nicht satt sehen an ihrer makellosen Schönheit, die im Flackern des Öllichts anmutige Schatten an die Wände und auf den gefliesten Kachelboden wirft. Ihr kehlige Laute der Lust zu entlocken, steigert seine sinnliche Freude bis an die Grenzen des Erträglichen. Sie schiebt sich näher an ihn heran, lodernd darauf wartend, dass er sie vollends nimmt, doch er verharrt ganz plötzlich still und sie öffnet die Augen, um den Grund seines Zögerns zu erfahren. Seine leuchtenden Augen tragen diesen Schimmer von grübelnder Überlegung in sich, den sie so gerne auslöschen wollte. „Wir haben mit Sicherheit keine Zukunft, Mailin!“ murmelt er ernüchtert durch diese niederschmetternde Tatsache, und seine Stimme klingt traurig und belegt. „Keine gemeinsame Zukunft.“ „Du solltest Dich nicht damit quälen“, antwortet sie leise und schmiegt ihr Gesicht an das seine, angespannte. „Was zählt, ist diese Nacht. Alles andere werden die Götter für uns richten!“ Ihr Glauben scheint unerschütterlich zu sein, doch ihre Worte verfehlen nicht ihre Wirkung und auch ihre Berührungen nicht, die sie nun gewagt und gezielt auf das Zentrum seiner Lust abzielt. Ihre natürliche Sinnlichkeit ist mehr als er ertragen kann. Es dürstet ihn nach ihrer Leidenschaft, nach ihrer Liebe und diesen sakralen Moment, an den er nie zu denken gewagt hatte. Sein Begehren überflutet ihn wie die wogenden, gewaltigen Wellen des Meeres, sodass er nicht an sich halten kann und seine Hüften zwischen ihre bebend einladenden Gliedmasse drängt, um sich ihrem Wunsch entsprechend mit ihr zu vereinen. Er vergräbt sein glühendes Gesicht in ihrem Haar und atmet ihren Blütenduft begierig ein, der seine Sinne betört und verzaubert. Als sie eins miteinander werden, wird aus dem denkenden, besorgten Maximus, Krieger und Getreuer Roms ein leidenschaftlicher Liebender, der das Geschenk Mailins mit Dankbarkeit annimmt. Aber auch mit der überraschenden Gewissheit, niemals zuvor dieses Feuer in seinen Adern gespürt zu haben, diese beinahe unerträgliche Lust, die sie ihm bereitet, und dann diese befreiende Erlösung, als er mehr als nur seine Sinne an ihr befriedigt. Das verzückte, ungezügelte Stöhnen ihrer Münder verebbt nur langsam, als sie besänftigt und erschöpft zur Ruhe kommen. Als er sich mit ihr im Arm und schwer atmend auf den Rücken dreht, hat er das Empfinden, nicht nur seinen Samen an sie abgegeben zu haben, sondern einen Teil seiner selbst. Er fühlt sich verändert, berauscht, ruhig und erlöst. Der Gedanke, dass ihnen beiden nur diese eine Nacht vergönnt war und er sein Leben, wann und wie immer es auch enden mochte, ohne sie auszufechten hatte, ist ihm schier unerträglich, doch er schweigt. Er ist sicher, dass sie es ebenso fühlt wie er selbst. Er lässt das unvergleichliche Erlebnis ihrer Hingabe, ihres gemeinsamen Höhenflugs in diese elysischen Gefilde purer Lust in sich nachklingen. Er lauscht ihren ruhigen Atemzügen und küsst die Schweißperlen von ihrer Stirn. Nirgends lebte das Licht mehr, als in der Nähe dieser Frau, die ihren Zauber ganz unerwartet über ihn gegossen hatte, aus dem reichen Füllhorn ihrer Magie. Als er erwacht, ist er allein. Die Einsamkeit umspielt ihn, und er genießt sie bedächtig und bewusst, um sich zu sammeln und in seinem Kopf Platz zu schaffen für die Aufgaben, die auf ihn warteten.
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Mit einer kleinen Truppe von Männern, die früher schon unter seinem Kommando standen, macht er sich auf den Weg gen Nordosten. Natürlich würde der neu ausgerufene Kaiser Didius Salvius Julianus Wind von seinem raschen Aufbruch bekommen. Aber auch, wenn er sich aus Rom zurückgezogen hatte, Maximus trug immerhin noch den Titel des Konsuls. Er hatte ihn längst zurücklegen wollen, doch heute erscheint es ihm wie eine Vorsehung, damit gezögert zu haben. Nicht, weil er fürchtete, Lucilla hätte einen Mörder auf seine Spur gesetzt, und dennoch war er froh, endlich aktiv werden zu können. Noch immer nannten seine Männer ihn „Tribun“. Es störte ihn nicht. Er würde es immer bleiben, ihr General. Er hat die rot verbrämte Toga gegen Brustpanzer und Rüstung eingetauscht. Und auf diesem weiten Ritt in den nördlichsten Winkel des Reiches kehrt das erloschen geglaubte Feuer des Kriegers in ihn zurück. Er kann den heißen Strom der Entschlossenheit, der Abenteuerlust und auch der Sorge um das Imperium brennend durch seine Adern fließen spüren. Die Muskeln seines Körpers stählern sich erneut durch die Anstrengung des Ritts, die schmerzenden Narben sind vergessen, und er lauscht hingerissen dem dumpfen Pochen der galoppierenden Pferdehufe, das seine Reise begleitet. Die Jahre scheinen spurlos an ihm vorüber gegangen zu sein. Er war erneut der imposante, kräftige Soldat auf dem breiten Rücken seines schnellen Pferdes, das ihn scheinbar mühelos über die Weiten des römischen Reiches trug. Maximus lässt sein Gesicht von den Strahlen der Sonne kosen und reinwaschen vom warmen Frühlingsregen des Südens, bis der raue Wind der Alpen seine Wangen kühlt und er sich in den warmen Wolfspelz hüllt, der ein weiteres Glied seiner Erinnerungskette darstellt. |