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Ich stürmte ins Haus, nachdem ich am Rande des Pinienwaldes nur kurz Halt gemacht hatte, um meine Sandalen anzuziehen, überhörte jedoch geflissentlich Apollinarius' Vorschlag, doch besser auch meine Tunika anzulegen. Statt dessen war ich die Treppe hinaufgestürmt, hatte aber nicht mehr als zwei oder drei Stufen zurückgelegt, als mich eine große schwielige Hand fest am Oberam packte und zwang stehenzubleiben. Ich biß mir auf meine zitternden Lippen, um mich nicht umzudrehen, um nicht meinen Blick zu heben und in Maximus' Augen zu schauen, während er mich hastig in das Tuch wickelte, das er vom Strand zurückgebracht hatte. Hätte ich es getan, dann hätte mich der Anblick von Schmerz und Demütigung, die ich unweigerlich dort finden würde, vernichtet. Der Schmerz und die Demütigung, die ich ihm aufgezwungen hatte. Als er mich erst einmal sicher von den Schultern bis zu den Fußknöcheln verhüllt hatte, trat Maximus zurück, und ich marschierte energisch weiter, nahm im Gehen die Kämme aus meinem hochgesteckten Haar und schüttelte wild meine Mähne, wobei ich mir der Wut, die aus dieser Geste nur zu deutlich sprach, wohl bewußt war ... und ebenso ihrer völligen Vergeblichkeit. Als ich die Stufen, die zum Haupteingang des Hauses führten, hinaufstieg, war es mir gelungen, mein Gesicht in eine harte, undurchdringliche Maske zu verwandeln, auch wenn in meinen Augen eine Mischung aus Wut, Schmerz und Verzweiflung brannte. Meine Diener empfingen mich mit einem Chor aus Lauten des Erstaunens und zahllosen Augen, so weit wie Untertassen. Unter anderen Umständen hätte dies komisch sein können. Aber es bedurfte nur eines wütenden Blickes, und sie senkten ihre Köpfe und verstummten in ehrerbietigem, erwartungsvollem Schweigen. Ohne ein Wort drückte Apollinarius den Picknick-Korb Athenodorus in die Hände, als dieser zusammen mit Nicia gerade zur rechten Zeit aus dem Atrium trat - eine Eigenschaft, die guten Dienern ihren unschätzbaren Wert verleiht. Als ich die Treppe, die zu meinen Wohnräumen führt, erreichte, hörte ich, wie das griechischen Paar die Dienerschaft schalt und zurück zu ihren Pflichten scheuchte. Ich schoß in mein Schlafzimmer und schlug hinter mir die Tür so laut zu, daß Rubia von dem Platz, auf dem sie zusammengerollt in der Mitte meines Bettes geschlafen hatte, aufsprang. Die riesige, dreifarbige, grünäugige Katze blickte mich aus schrägen, mißtrauischen Augen an, als ich hastig das Tuch und die nassen Kleidungsstücke fallen ließ - alle Katzen haben einen sechsten Sinn für die Gemütsverfassungen ihrer menschlichen Gefährten, und Rubia war eine besonders scharfsichtige Vertreterin ihrer Gattung. Eine schlichte aquamarinblaue Tunika lag auf meiner Lesecouch bereit. Vermutlich hatte Nicia sie dorthin gelegt, damit ich sie nach meiner Rückkehr vom Strand tragen könnte. Ich legte sie an, zog rasch den Gürtel fest und hielt einen Moment vor meinem Toilettentisch inne, um eilig mein zerzaustes Haar zu bürsten. Dabei vermied ich es, einen Blick auf mein eigenes Spiegelbild in der polierten Metallplatte zu werfen, denn ich war mir sehr wohl bewußt, was ich dort sehen würde ... und ich fürchtete mich davor. Ich fürchtete mich, in mein Gesicht zu blicken und die Mischung aus Wut und Schmerz zu sehen, die mir mit Sicherheit aus demselben entgegenstarren würde. Es hatte keinen Sinn, das Unvermeidliche weiter hinauszuschieben. Ich warf die Bürste so heftig auf die Platte meines Toilettentisches, daß die Parfümfläschchen klirrten und der Knall Rubia zum zweitenmal davonspringen ließ, dann öffnete ich die Tür und trat gerade rechtzeitig hinaus in mein Wohnzimmer, um Maximus aus seinem Schlafzimmer kommen zu sehen. Er hatte seine nasse Tunika gegen die sandfarbene getauscht, die er in der Nacht zuvor getragen hatte, und seine Miene war undurchdringlich. So undurchdringlich, daß es beängstigend war. Ich machte einen Schritt auf ihn zu, aber Maximus vermied es bewußt, mich anzusehen, und sprach mit Apollinarius, als sei ich nicht vorhanden. "Wo ist Dein Schlafzimmer?" Apollinarius schluckte. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Maximus' Miene war noch immer wie versteinert.
Mein ehemaliger Lehrer schaute mich mit großen Augen an, flehte stumm um Hilfe. Ich richtete mich gerade auf und machte einen weiteren Schritt auf sie zu. "Maximus ..." begann ich und hoffte, daß meine Stimme einfach nur sachlich klang. Er ignorierte mich. "Wo ist Dein Schlafzimmer?" wiederholte er. "Maximus ..." versuchte ich es noch einmal. Er ignorierte mich weiter. "Du hast doch ein Schlafzimmer, nicht wahr?" Trotz seiner undurchdringlichen Miene war da in Maximus' tiefer, wohlklingender Stimme eine gewisse Schärfe, die nicht zu überhören war. Bevor ich einen weiteren Versuch unternehmen konnte, fand Apollinarius seine Sprache wieder. "G-general ... es tut mir leid ... I-ich habe nie geglaubt, daß ich Dich in eine so ... unerfreuliche Situation ... bringen würde. Ich ..." "Die Zeit für Worte ist vorbei. Ob es uns gefällt oder nicht, diese ... unerfreuliche Sache betrifft uns alle zusammen." Apollinarius errötete sichtlich und preßte die Lippen zusammen, es war geradezu schmerzlich mit anzusehen, wie peinlich ihm das alles war. Ich war nicht in der Verfassung, ihn zu bemitleiden, angesichts der Tortur, die Maximus bevorstand. Ich machte zwei weitere Schritte auf ihn zu, so daß Maximus mir nicht mehr ausweichen konnte. "Maximus, bitte ... " Mit harter Miene hob er das Kinn und sah Apollinarius direkt in die Augen. Er ignorierte mich noch immer, trotzig und entschlossen - selbst angesichts einer Demütigung, wie sie schlimmer nicht hätte sein können. "Du hast gut daran getan, Julia aus dieser Sache herauszuhalten. Dafür bin ich Dir dankbar. Ich möchte nicht, daß sie da mit hineingezogen oder auch nur irgendwie mit mir in Verbindung gebracht wird. Es ist zu gefährlich für sie." Apollinarius preßte die Lippen noch fester aufeinander, nickte dann stumm, und bevor ich noch etwas sagen, bevor ich schreien konnte: "Verfluche mich, Maximus! Schlage mich, wenn Du willst, aber wage nicht, mich zu ignorieren!", griff mein ehemaliger Lehrer nach den Ketten und den eisernen Fesseln, die man um Maximus' Handgelenke geschlossen hatte und die nun wieder auf dem Tisch lagen. "Hier lang, General." Er wandte sich zur Tür, und Maximus folgte ihm. Zu betäubt durch die Ereignisse der letzten Stunden, durch Maximus' überraschende Enthüllungen und durch das plötzliche Zerbrechen jener kleinen süßen Illusion, der ich mich am Strand hingegeben hatte, brauchte ich einen Augenblick um zu reagieren. Als es mir endlich gelang, meine Beine wieder in Bewegung zu setzen und ich ihnen eilig folgte, hatten sie bereits die Tür meiner Wohnräume erreicht und waren im Begriff, diese zu verlassen. Ich eilte ihnen nach, wurde aber von Maximus aufgehalten. Er drehte sich um, als er meine Schritte hörte, und versperrte mir mit seinem kräftigen Oberkörper und den breiten Schultern den Weg. Du bleibst hier, Julia", sagte er, und diesmal war keine Schärfe mehr in seiner Stimme, sondern sie war einfach nur leer und ohne jedes Gefühl. So ohne jedes Gefühl wie die undurchdringliche Maske, hinter der seine Züge gänzlich verborgen lagen. Ich ignorierte ihn, versuchte, ihn zur Seite zu schieben und die Tür zu erreichen. Er rührte sich nicht. Noch bevor ich ihn mit mehr Nachdruck beiseite schieben konnte, packte Maximus wieder meinen Oberarm, und seine Finger gruben sich schmerzhaft in mein Fleisch. Der Gedanke schoß mir durch den Kopf, daß seine Finger blaue Flecke auf meiner milchweißen Haut hinterlassen würden. Und ich erinnerte mich an jene anderen blauen Flecke, welche die Finger eines jungen, ehrgeizigen Tribuns vor sechs Jahren auf eben demselben Arm hinterlassen hatten. Sein Name war Martius gewesen, und er hatte mich in Maximus' Gegenwart "Hure" genannt. "Du hast mich gehört, Julia", knurrte Maximus. "Ich will nicht, daß Du da hinein verwickelt wirst ... " Ich richtete mich gerade auf und blickte ihm fest in die Augen. Maximus' Gesicht mag eine undurchdringliche Maske gewesen sein, aber seine Augen glichen feurigen Aquamarinen, und die Flammen in ihnen waren Flammen der Wut und der Frustration und von noch etwas anderem, tieferem, dunklerem und sehr viel beunruhigenderem. Ich zwang mich dazu, nicht klein beizugeben. ... und mir diesmal auch nicht auf die Lippen zu beißen. "Ich erlaube mir zu widersprechen, General ... Ich bin schon da hinein verwickelt." Bevor ich wieder versuchen konnte, mich an ihm vorbeizudrängen, packte er mich an beiden Armen und schüttelte mich. Die Bewegung brachte mich ihm so nah, daß meine Brüste seinen breiten Brustkorb streiften, und die glühende Hitze seines Körpers mich durchströmte. "Ich sagte, Du sollst hier bleiben!" Seine Stimme glich dem Grollen des Donners während eines Seesturmes, grün-blaue Blitze zuckten in der Tiefe seiner Augen mit der gleichen Intensität, wie sie es zwei Nächte zuvor getan hatten, als Maximus in eben diesem Wohnzimmer voller Wut an seinen Ketten gezerrt hatte. In jener Nacht war seine Wut wie in einer Explosion aus ihm herausgebrochen. Jetzt war er dagegen vollkommen ruhig - bis auf die Vene, die in der Beuge seines kräftigen gebräunten Halses heftig pulsierte. Er war vollkommen ruhig, aber diese Ruhe war weit beunruhigender und erschreckender, da es die Ruhe war, die dem tödlichen Schlag vorausging ... Tödliche Ruhe wie schäumende Wut machten Maximus schön - schön wie einen Löwen, der zum Sprung ansetzt. Die Wut machte Maximus schön - so wie es die Leidenschaft tat. Ich sah mich derselben tödlichen Ruhe, derselben tödlichen Glut gegenüber, die seine Feinde auf dem Schlachtfeld und seine Gegner in der Arena in dem Augenblick sahen, bevor sie starben. Der Ruhe und Glut, die das letzte sein würden, das Lucius Aelius Commodus Aurelius Antonius sehen würde, bevor sich die Tore des Hades für ihn öffneten ... Furcht machte sich in mir breit, und trotz der Hitze, die Maximus' Körper ausstrahlte, glich diese Furcht einer eisigen Flutwelle, aber die Kälte und die Furcht waren immer noch besser, als von ihm ignoriert zu werden. Ich machte mich auf seinen Zorn gefaßt, ballte meine Hände zu Fäusten, hob herausfordernd das Kinn und sah ihm fest in die Augen. "Dies ist mein Haus, General", sagte ich und betonte mit Nachdruck jedes einzelne Wort. "Ich nehme in meinem Haus keine Befehle entgegen. Nicht mal von Dir!" Maximus zuckte leicht zusammen, dann wurde der Ausdruck in seinen Augen ein wenig weicher. Nur ein wenig, aber genug, um mir einen kurzen Blick auf etwas zu gewähren, was noch intensiver unter seiner Wut brannte. Einen kurzen, flüchtigen Moment lang blickte ich hinter diese grün-blauen Flammen, nur um dort Flammen anderer Art zu entdecken ... Flammen, die mit derselben oder sogar noch größerer Intensität brannten, deren Hitze jedoch eine ganz andere war. Als ich diese Flammen hinter den Flammen sah, fühlte ich, wie sich mir die Kehle zuschnürte und mein Mund trocken wurde. Die Zeit schien stehenzubleiben, und ich versank in einem Meer aus aquamarinblauem Feuer. Einen Herzschlag lang war ich bereit zu glauben, daß die brutale, grausame und dunkle Welt, die uns umgab, aufgehört hatte zu existieren. Daß es nur noch Maximus gab. Nur Maximus und mich und die Kraft und sengende Hitze seines Körpers und die brennenden Flammen in der Tiefe seiner Augen. Einen Herzschlag und er hatte sich wieder unter Kontrolle. Einen Herzschlag und es war vorbei. Langsam, ganz langsam ließ Maximus meine Arme los. Seine schwieligen Finger verharrten einen Moment lang zögernd auf den Malen, die sein Griff auf meinem Fleisch hinterlassen hatte, und er streichelte zärtlich über die gerötete Haut, dann zog er die Hände blitzartig zurück, als habe er glühende Kohlen berührt. Er machte einen Schritt zur Seite und ließ mich vorbei. Wir traten hinaus in den Flur und sahen gerade noch, wie Apollinarius leise mit Rubirius, seinem persönlichen Diener, sprach, welcher heftig nickte und dann in Richtung der Treppe davoneilte. Mein ehemaliger Lehrer ging weiter auf seine privaten Räume zu und vermied es dabei geflissentlich, uns anzusehen. Apollinarius' Räume lagen den Flur hinunter, auf halbem Wege zwischen meinen und denen meines Gemahls. Sie waren kleiner als meine und Marius Servilius', aber er hatte sich auf Dauer in den Räumen eingerichtet, die ursprünglich für eine erwachsene aber noch unverheiratete Tochter oder vielleicht für eine verwitwete Cousine gedacht gewesen waren, denn nur wenigen Frauen war es in Rom erlaubt, allein zu leben, so wie ich es tat. Die Zimmer waren geräumig, luftig und bequem so wie die ganze Villa, und er hatte sie mit dem Geschmack eines Mannes eingerichtet, der nicht nur Kunst und Schönheit liebt, sondern auch weiß, sich beider im richtigen Maße zu bedienen, ohne seine Räume in eine überladene, protzige Kunstgalerie zu verwandeln. Wenige erlesene griechische Vasen und Bronzestatuen standen in Nischen und ruhten auf niedrigen Säulen, während üppige orientalische Teppiche den Marmorboden in seinem Wohnzimmer bedeckten. Es gab gepolsterte Lesesofas, die mit kostbaren aber dezenten Stoffen bespannt waren, Stühle, zwei Tische und einen Schrank. Wein stand in einem silbernen Krug bereit, der zusammen mit zwei silbernen Trinkbechern auf ein lackiertes Tablett gestellt worden war. Eine Schüssel voller Früchte erfüllte den Raum mit dem herrlichen Duft reifer Pfirsiche und früher Trauben. In Apollinarius' Wohnzimmer gab es zwei Türen. Die eine führte in das große sonnige Schlafzimmer, die andere in sein privates Arbeitszimmer, einen Raum angefüllt mit Büchern, Papieren, Briefen und Akten, alle in derselben peinlich genauen Weise sorgfältig angeordnet, mit der auch der Verstand meines ehemaligen Lehrers arbeitete. "Wo lang?" fragte Maximus, seine Stimme war die eines Mannes, der eine Mission zu erfüllen hatte, eines Generals, der vollkommen auf die bevorstehende Schlacht konzentriert war und weder Zeit noch Kraft für ungebetene Gedanken an Niederlage und Tod übrig hatte. Apollinarius zögerte. Maximus ging auf die nächstgelegene Tür zu. Seine Hand lag bereits auf dem Türknopf, als mein ehemaliger Lehrer seine Stimme wiederfand. "Nein, General. Das ist nicht nötig. Ein Stuhl im Wohnzimmer sollte reichen." Nun war es Maximus, der zögerte, dann kurz nickte und zu dem nächsten Stuhl ging, sich jedoch noch einmal zu mir umwandte, bevor er sich setzte. "Geh, Julia." Er klang nicht ungehalten, nur müde. So müde, daß es mir weh tat. Aber nun war es an mir, ihn zu ignorieren, und ich hielt meinen Blick auf Apollinarius geheftet, als er die eisernen Fesseln an Maximus' Handgelenke hielt, jedoch zögerte, ihn zu berühren. Ich ergriff die Initiative und faßte entschlossen nach Maximus' Unterarm, um Apollinarius bei seiner Aufgabe behilflich zu sein. Maximus' Züge waren angespannt, und er sprach wieder, ohne mich anzusehen. "Geh, Julia." "Nein." "Julia ... " "Nein!" "Das ist nichts für eine Frau ... " "Vergiß es, General!" "Julia ... " "Würdet Ihr bitte aufhören, Euch wie kleine Kinder aufzuführen und Euch zur Abwechslung wie Erwachsene benehmen?" Maximus und ich fuhren beim Klang von Apollinarius' scharfer, schneidender Stimme zusammen. Ich hatte meinen Freund und ehemaligen Lehrer niemals so die Stimme erheben hören, er war von Natur aus freundlich und sanft und vernünftig, Ironie und Sarkasmus waren seine bevorzugten Waffen, wenn es darum ging, sich mit unerfreulichen Angelegenheiten oder unerfreulichen Leuten auseinanderzusetzen. Blitzartig und mit der seltsamen Klarheit, die einen in den verrücktesten Augenblicken überkommt, durchzuckte mich der Gedanke, daß es so gewesen sein mußte, als Apollinarius noch die Cornelius-Brüder unterrichtet und Junius Cornelius sich über seinen jüngeren Bruder und dessen Träume von Sirenen, Schätzen und Schiffen lustig gemacht hatte. "Ich habe Rubirius angewiesen, die Wachen herzubringen, und sie könnten jetzt schon vor der Tür stehen. Wollt Ihr, daß sie hören, wie Ihr Euch herumstreitet, und diese Scharade entdecken? Verlegen wie Kinder, die man bei einer Dummheit erwischt hatte, schüttelten Maximus und ich die Köpfe. Apollinarius fuhr unerbittlich fort: "Dann hört auf, Zeit zu verschwenden, und laßt uns das hier zu Ende bringen. Julia, der General hat recht. Das ist nichts für eine Frau ... " Ich öffnete den Mund um zu protestieren, aber bevor ich noch ein Wort hervorbringen konnte, sprach er weiter: "Wenn wir hier fertig sind, wirst Du Dich in mein Schlafzimmer zurückziehen und dort so lange bleiben, bis das hier vorbei ist." Ich war entgeistert. Apollinarius hatte mir niemals Befehle erteilt. Ganz im Gegenteil! Abgesehen von unseren Unterrichtsstunden ergriff er niemals die Initiative sondern wartete darauf, daß ich entschied, was zu tun sei, und folgte dann meinen Anweisungen. Nun kommandierte er mich nicht nur herum, sondern schenkte mir keinerlei weitere Beachtung und hatte sich bereits wieder Maximus zugewandt. "So wird sie nicht zu sehen sein aber trotzdem alles verfolgen können. Ist Dir das recht, General?" Maximus zögerte eine Sekunde und nickte dann. Apollinarius wandte sich wieder seiner Aufgabe zu, und da ich einsah, daß jede weitere Widerrede zwecklos wäre, zwang ich mich, den Mund zu halten, und half ihm. Es war keine einfache Arbeit. Die Fesseln für seine Handgelenke waren zerbrochen, und niemand von uns hatte daran gedacht, den Schmied anzuweisen, sie zu reparieren - so sehr waren wir darauf bedacht gewesen, die bitteren Umstände von Maximus' Anwesenheit in meiner Villa zu vergessen und sie auch ihn vergessen zu lassen. Während wir uns abmühten, die zerbrochene Fessel und die Kette so zu befestigen, daß sie aussähen, als seinen sie noch intakt, verharrte Maximus schweigend und unbeweglich. Nach ein paar Versuchen entschieden wir uns, so zu tun, als sei er mit dem linken Handgelenk an den Stuhl gekettet, auf dem er saß. Es war das Beste, was wir tun konnten, und nun hing der Erfolg der Scharade davon ab, ob es Apollinarius gelingen würde, die Wachen zu kontrollieren und sie davon abzuhalten, Maximus zu nahe zu kommen. Er hatte sich während der Verhandlungen mit Proximo gut geschlagen und auch, als er dessen Männern den mit einer Droge versetzten Wein kredenzte. Aber trotz seines eben zur Schau gestellten Temperamentsausbruchs wußte ich, daß die Angelegenheit, die jetzt unmittelbar bevorstand, für ihn sehr viel schwerer und unangenehmer sein würde, da er sich selbst und seine Intimsphäre würde entblößen und seine eigene Demütigung gemeinsam mit Maximus würde ertragen müssen. Nachdem wir fertig waren, verschwand Apollinarius kurz in seinem Schlafzimmer. Als er zurückkam, trug er seine Toga und wickelte sich dieselbe nervös um den Körper. Die Toga ist zweifellos ein hinderliches Kleidungsstück, und reiche Männer umgeben sich mit Sklaven, die ihnen helfen, sie richtig anzulegen und ihre Falten zu ordnen. Aber Apollinarius war äußerst geschickt darin, dies selbst zu erledigen, und diesmal war es nicht anders. Nur das leichte Zittern seiner Hände verriet, wie nervös er wirklich war. Sollte Maximus die seltsame Tatsache aufgefallen sein, daß Apollinarius seine Toga anlegte, während er sich innerhalb seines Hauses befand - wo doch so viele Männer es mieden, sie überhaupt zu tragen, daß kaiserliche Verordnungen hatten erlassen werden müssen, um den Gebrauch dieses so typisch römischen Kleidungsstücks aus schwerer Wolle zu erzwingen -, dann ließ er es sich nicht anmerken. Und was mich betraf, so wußte ich es besser. Wie meine kostbaren Kleider, mein hochgestecktes Haar und meine Juwelen mich kühl und distanziert erscheinen ließen, so trug Apollinarius seine Toga als eine Art Schutzschild. Reich gekleidet, perfekt frisiert und mit Gold, Perlen und Edelsteinen geschmückt war es einfacher für mich, Leute auf Distanz zu halten, denn Reichtum und Schönheit sind zwei wirkungsvolle Werkzeuge, um andere davon abzuhalten, vertraulich zu werden, so wie Scheu und Neid ebenso wirkungsvolle Waffen darstellen, um mit ihrer Hilfe unerwünschte freundschaftliche Regungen von vornherein zu unterbinden. Reich gekleidet, perfekt frisiert und mit Gold, Perlen und Edelsteinen geschmückt erinnerte nichts mehr an mir an die verspielte, verletzliche, liebeskranke, einsame Frau, die ich sein konnte, ... die Frau, die Maximus als Sklavin und Hure in Moesia und als Herrin einer luxuriösen Villa in Ostia gesehen hatte. Ebenso schien Apollinarius, eingehüllt in die statuenhaften Falten seiner Toga, sein übliches gutmütiges, freundliches Wesen zu verlieren und statt dessen so distanziert und unnahbar zu werden wie die Statuen der Weisen vergangener Jahrhunderte, welche die Museen und Bibliotheken bevölkerten, die er so sehr liebte. Als ich sah, daß sowohl Maximus als auch Apollinarius bereit zu sein schienen, sich dem zu stellen, was unausweichlich war, atmete ich tief durch und war bereit, das Wohnzimmer zu verlassen, in dem sich das bevorstehende Drama abspielen würde. Vor sechs Jahren war jenes Bad zu verlassen, in welchem Maximus sich in nach Rosen duftendem und mit Rosenblüten bedecktem Wasser versteckt hielt, das Schwerste gewesen, das ich je getan hatte. Nun erwies es sich als ebenso schwer, jene beiden Männer, die ich liebte - den einen wie den Bruder, den ich nie gehabt hatte, und den anderen als den Geliebten, der mir ebenso vorenthalten worden war - zu verlassen, damit sie sich gemeinsam der schweren Prüfung stellen konnten, die ich ihnen unfreiwillig aufgezwungen hatte. "Halte Deine Hand seitlich am Stuhl, Maximus, wo sie sie nicht sehen können", flüsterte ich, verzweifelt darum bemüht, noch ein wenig länger bei ihnen bleiben zu können. Verzweifelt darum bemüht, das Unvermeidliche noch ein wenig hinauszuzögern. Verzweifelt darum bemüht, dem Mann, der auf dem Stuhl saß und vorgab, dort angekettet zu sein, irgendeine Reaktion zu entlocken. Dem Mann, der keiner Silberfuchspelze und keines Lederpanzers bedurfte, um sich mit einer Aura kühler Distanziertheit zu umgeben, dem allein seine eiserne Selbstdisziplin, seine ungeheuere Würde und Stärke genügten. Maximus deutete seine Zustimmung nur mit einem Schlag seiner langen dunklen Wimpern an. Ich wechselte einen besorgten Blick mit Apollinarius. Ich sah das Elend in den schönen, haselnussbraunen Augen meines ehemaligen Lehrers. Plötzlich wurde mir bewußt, daß Apollinarius' Kummer nicht nur in seiner eigenen Rolle in dem gegenwärtigen Drama gründete, sondern auch in dem abermaligen Durchleben seiner eigenen leidvollen Vergangenheit. Daß Maximus in seinem Elend zu sehen für ihn so war, als sehe er sich selbst, wie man ihn in jenes Bordell in Antiochia gebracht hatte. Wie man ihn zum erstenmal vergewaltigt und dann sorgfältig dazu abgerichtet hatte, Männer zu befriedigen, die junge Knaben oder andere Männer Mädchen und Frauen vorziehen. Wie man ihm keine Wahl gelassen und ihn zu einem Werkzeug der Lustbefriedigung gemacht ... und somit vielleicht für immer die Möglichkeit genommen hatte, das Wagnis einzugehen, eine Frau zu lieben. Ich schluckte krampfhaft, als mir dies unvermittelt schmerzhaft bewußt wurde, und hastete in Apollinarius' Schlafzimmer. Maximus wollte nicht, daß ich mich in demselben Zimmer aufhielt, zu dem auch die Wachen Zugang haben würden, und Apollinarius war auf seiner Seite, aber er sollte mich auf gar keinen Fall von dem ausschließen können, was nun geschehen würde. Also ließ ich die Tür angelehnt und spähte zurück in das Wohnzimmer. Durch den Spalt sah ich, wie mein Lehrer seine Toga glättete, tief durchatmete und dann die Tür zu seinem Apartment öffnete, um die Wachen hereinzulassen, die bereits ungeduldig warteten, nachdem Apollinarius' Diener sie geholt hatte. "Also, meine Herren", sagte Apollinarius in einem Ton, der so entgegenkommend wie nur irgend möglich klingen sollte. "Wie Ihr seht, ist er hier - heil und gesund, wie ich es gesagt habe." Von meinem Versteck aus erhaschte ich einen ersten Blick auf die Wachen, wie sie ihre Hälse reckten, um ihren "Schützling" besser sehen zu können. Es waren bullige Männer, wie alle, die so einen Job machen. In grobe Tuniken und metallbeschlagenes Leder gekleidet zeigten ihre Gesichter immer noch die Spuren ausschweifenden Alkoholgenusses und des Opiums, das wir benutzt hatten, um sie außer Gefecht zu setzen. Maximus starrte zu Boden. "Aha, da ist er ja", lachte die erste Wache und winkte ihrem Kameraden. "Erstaunlich, daß er noch sitzen kann, nach alledem." Dann stieß er Apollinarius mit einem gekrümmten Finger an und grinste anzüglich. "Vielleicht nimmst Du ihn nicht hart genug 'ran", sagte er und lachte ausgelassen über seinen eigenen Witz. Aus meinem Versteck sah ich, wie Apollinarius blaß wurde - die Grobheit dieser Bemerkung hatte ihm eindeutig die Sprache verschlagen - und ich ballte die Hände zusammen, bis sich die Nägel schmerzhaft in meine Handflächen bohrten, um nicht vor Wut aufzuschreien. Apollinarius mag zwar keine Frauen lieben, aber er war trotzdem nicht vulgär wie diese Kerle, die ein Auge auf Maximus haben sollten. Er hatte geliebt und es genossen, wenn seine Liebe erwidert wurde, und als er seiner Liebsten beraubt worden war, hatte er sich mit mehr Diskretion verhalten als mancher Aristokrat, der seine Neigung teilte oder aber Frauen bevorzugte. Er besuchte niemals Bordelle, er kaufte sich keine kleinen Jungen in den Straßen der ärmsten Bezirke Roms und stellte auch nicht den Knaben mit den bemalten Augen im Tempel des Ganymed*1 nach. Man muß in eine der siebenhundert aristokratischen Familien Roms hineingeboren sein, um als Patrizier zu gelten. Aber man muß nicht im Schoße der Aristokratie geboren sein, um ein Ehrenmann zu sein. Als ich meine Aufmerksamkeit von meinem Lehrer und Freund ab- und Maximus zuwandte, sah ich, wie sich die Muskeln seiner Wangen anspannten, als er in dem verzweifelten Versuch, seine Wut zu beherrschen, die Zähne zusammenbiß. Er brauchte jede Unze seiner Selbstkontrolle, aber ich konnte sehen, wie er die Schultern hochzog und sein Rücken sich anspannte - wieder glich er dem schönen gefährlichen Löwen, der zum tödlichen Sprung bereit war. Aber Maximus war nicht ohne Grund bereits in so jungen Jahren zu einem legendären Kommandanten geworden, und so starrte er weiter auf den Teppich und ertrug die Demütigung mit würdevollem Schweigen. "Er macht Dir auch keine Schwierigkeiten?" fragte die zweite Wache mit übertriebener Höflichkeit, während der erste Mann, noch immer grinsend, weiter in den Raum hineinging. Ich sah, wie sich Apollinarius' schlanker Körper blitzschnell bewegte, um ihm den Weg zu Maximus abzuschneiden und so zu verhindern, daß unsere Scharade entdeckt würde. "Nein, er ist äußerst kooperativ, das kann ich Euch versichern", sagte er mit ausgesuchter Höflichkeit. "Es besteht keine Notwendigkeit für Euch zu ... " Der bewaffnete Mann feixte. "Vielleicht fängt er an, es zu mögen." Mir stockte der Atem über diese Unverschämtheit und ich erhaschte ein Aufblitzen grimmiger blau-grüner Augen, bevor Maximus sein Gesicht der Wache zuwandte und dem Mann einen mörderischen Blick zuwarf. Ich sah, wie seine Hände sich zu Fäusten ballten. Noch einen Augenblick, noch ein Wort, und Maximus würde von seinem Stuhl aufspringen, und die Wache läge - mit oder ohne Schwert - tot auf dem Boden. "Al .... also gut. Ihr habt ihn gesehen und könnt jetzt wieder gehen", stammelte Apollinarius. Der ängstliche Ton seiner Stimme sagte mir, daß er nicht mehr lange durchhalten würde - die Grobheit der Wachen hatte ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Und ich war mir ebenso sicher, daß er beinahe fühlen konnte, wie Maximus brennender Zorn hinter seinem Rücken loderte, so wie ich es vor nur wenigen Momenten gefühlt hatte. "Geht und bleibt bei euren Freunden in den Dienstbotenquartieren. Genießt einfach die noch verbleibenden Tage", fuhr Apollinarius fort, wobei er sich mit aller Kraft an seine Würde und seine Rolle klammerte. "Es gibt viel zu essen und zu trinken. Ich werde Euch bestimmt rufen, wenn ich Probleme mit ihm haben sollte." Während er sprach, streckte er ein wenig den Arm aus und versuchte, die Männer aus der Tür zu drängen. Der feixende Mann war sich nicht im mindesten bewußt, wie nahe er seinem eigenen Tod war; er schien sich großartig zu amüsieren und war keineswegs geneigt, sich die Chance, Maximus zu demütigen, entgehen zu lassen. Sicherlich teilte er Proximos Meinung, daß eine Woche als Hure genau das war, was "dieser arrogante Spanier" brauchte, um ihn in seine Schranken zu weisen. Solche Schlägertypen haben keinen Verstand. Kein bißchen. Aber die Wache war noch nicht fertig. Er mußte noch eine letzte Bemerkung loswerden. Ich kannte dies Art. Es gibt sie in jeder Größe und Form, und das Alter kuriert sie nicht von ihrer Gemeinheit. Im Gegenteil - sie werden mit jedem Jahr nur noch schlimmer. Seien es Aristokraten und hochrangige Militärangehörige wie Cassius und seine Freunde oder primitive, ungewaschene, ungebildete Kerle wie die Männer, die Proximo als Wachen einstellte. Sie genießen jedes bißchen Macht, deren sie habhaft werden können, aber befehlen zu dürfen und das Kommando zu führen reicht ihnen nicht. Sie müssen auch noch gemein sein. Trotz seiner Stellung als Senator, seines Reichtums und seines militärischen Ranges war Cassius weder anders noch besser gewesen als diese bulligen Wachen. Wieder hörte ich seine Stimme so deutlich in meinem Kopf, als sei er im selben Raum und nicht bereits seit sechs Jahren tot ... "Ah, Julia. Du bist die Beste, die ich je gezüchtet habe ... " Die Stimme der grinsenden Wache übertönte die des Mannes, der mein Herr gewesen war ...
"Wenn er wirklich so gut ist,
dann könnten wir mit ihm vielleicht noch ein bißchen Geld bei den Männern
unten an den Docks verdienen, bevor wir ihn nach Rom zurückbringen ... " *1 Ganymed In der griechischen Mythologie der schöne Mundschenk des Zeus. Trojanischer Prinz, der als "Schönster der Sterblichen" von Zeus entführt wurde und in ewiger Jugend seinen Dienst an der Göttertafel versieht. Als Motiv der Entführung galt Knabenliebe.
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Das war zuviel für Maximus. Er sprang mit blitzartiger Geschwindigkeit auf, sein Gesicht eine Maske tödlicher, eiskalter Wut, die Hände zu Fäusten geballt in jenem mörderischen Zorn, der Waffen überflüssig macht, da allein diese Hände genügen, um das letzte bißchen Leben aus jedem Gegner zu pressen ... Aber ich war noch schneller als Maximus. Bevor mir überhaupt bewußt wurde, was ich tat, noch bevor er einen Schritt auf die Wachen zu machen konnte, stürmte ich in einem Wirbel aus aquamarinblauer Seide und flammend rotgoldenem Haar in das Wohnzimmer - meine eigenen Hände so wie Maximus' in mörderischem Zorn geballt, so fähig und so bereit wie er, das Leben aus jedem zu pressen, der sich dem Mann, den ich liebte, entgegenstellte ... so wie ich es vor sechs Jahren in Moesia getan hatte. Die Wachen schnappten nach Luft, so überrascht von meinem plötzlichen Erscheinen, daß sie nicht bemerkten, wie Maximus aufgesprungen und daß er ganz offensichtlich nicht - wie es hätte sein sollen - gefesselt war. "Maximus, setz Dich hin", zischte ich, während ich an ihm vorbeiflog, und meine wehende Stola ihn einen Moment lang vor den Blicken der Wachen verbarg. Ich stürmte auf sie zu, und ich brauchte mein eigenes Gesicht nicht zu sehen um zu wissen, daß es, wie das seine, hinter einer Maske kalter Wut verborgen war; meine Augen durchbohrten den Mann, der Maximus beleidigt hatte. In meinem Inneren hörte ich wieder jenes Übelkeit erregende Geräusch, welches der von mir gestohlene Dolch verursacht hatte, als ich ihn in Cassius' Nacken senkte. Einen kurzen, flüchtigen Moment lang, glaubte ich fühlen zu können, wie sein warmes, klebriges Blut mir auf Hand und Arm spritzte. Und ich genoß die Erinnerung an das Töten. Nicht zum erstenmal. Und nicht zum letztenmal. "Wie kannst Du es wagen, so etwas in meiner Gegenwart auszusprechen!" Ich wurde nicht laut. Das werde ich selten, denn ich hatte bereits von frühester Kindheit an gelernt, daß es sinnlos ist, laut zu werden, sei es aus Wut oder aus Verzweiflung. Bist Du wütend und fängst an, laut zu werden, dann riskierst Du, zu einem Zerrbild Deiner eigenen Wut zu werden. Bist Du verzweifelt und wirst laut, dann sind die Chancen, daß man Dich hört und Dir hilft eben so groß wie die Chancen, daß man Dich hört und sich lediglich über Dich lustig macht. Oder Deine Chancen stehen sogar noch schlechter. Nein, ich wurde nicht laut. Statt dessen war meine Stimme kalt und voller Verachtung, eine Geißel, die erbarmungslos die von Panik ergriffenen Wachen peitschte, welche mich mit hervortretenden, weit aufgerissenen Augen anstarrten. Sie mögen brutale Kerle und Schlägertypen gewesen sein. Auch war es unmöglich, daß sie von dem wußten, was ich vor sechs Jahren in einer weit entfernten Provinz getan hatte, von der sie vermutlich niemals etwas gehört hatten. Aber sie erkannten den Tod, wenn sie ihm gegenüberstanden, und ich war der personifizierte Tod, als ich entschlossen auf sie zuschritt, eine zornige Löwin, die grimmig verteidigte, was ihr gehörte. Das Grinsen war dem Mann vergangen, und er trat hastig einen Schritt zurück, als ich auf ihn zukam. "Wir ... wir wußten nicht, daß Du hier bist, Herrin", stammelte er, und seine Augen schossen von mir zu Maximus, dann zu Apollinarius. Während er noch vorhin bezüglich der Gefahr, in der er sich befand, in seliger Unwissenheit geschwebt hatte, so war er sich jetzt sehr wohl darüber im klaren, daß die Wahrscheinlichkeit, diesen Raum nicht mehr lebend zu verlassen, ziemlich groß war. "Mir gehört diese Villa. General Maximus verbringt diese Woche hier mit mir, und ich werde nicht mit anhören, wie Typen wie ihr seinen Namen in den Schmutz ziehen. Ist das klar?" Der bullige Mann, der Maximus beleidigt hatte, schaute wieder von mir zu Apollinarius und zurück zu mir. Dann fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen, versuchte verzweifelt, die Situation einzuschätzen und herauszufinden, wie er sich möglichst unversehrt daraus befreien könnte. Sein Kamerad schien stumm geworden zu sein. "Wir dachten, er habe ihn gekauft", sagte er und zeigte dabei auf Apollinarius, der inzwischen zur Seite getreten war. Mein ehemaliger Lehrer sagte kein Wort, aber ich kannte ihn gut genug um mir darüber im klaren zu sein, daß er die Szene in vollen Zügen genoß. Maximus blieb hinter mir, und ich mußte mich nicht erst umdrehen um zu wissen, daß sein Gesicht wieder zu einer undurchdringlichen Maske erstarrt war. Aber ich hatte jetzt keine Zeit für ihn. Ich würde mich später um ihn kümmern, wenn ich ihn von den Männern befreit haben würde, die glaubten, ihn unter meinem Dach ungestraft beleidigen zu dürfen. "Nun, da habt Ihr falsch gedacht", fauchte ich, und die Schärfe meiner Stimme ließ die Wache zusammenzucken, als hätte ich sie mit der Hand ins Gesicht geschlagen. "Dieser Mann hat lediglich in meinem Auftrag gehandelt, da es sich für eine Dame nicht ziemt, über die Dienste eines Gladiators zu verhandeln, selbst wenn dieser der edelste im ganzen Imperium ist." Die Wachen wechselten hektische Blicke, ihre Sorge und Verwirrung wurde mit jedem Augenblick größer. Anders als es bei jenen noch vor kurzem der Fall gewesen war, sah ich jetzt keine Veranlassung zu grinsen. Statt dessen richtete ich mich gerade auf, hob das Kinn und sprach dann mit tödlicher Ruhe. "Einer von Euch wird mit einer Botschaft für Proximo zurück nach Rom reiten", fuhr ich fort, und mein Verstand arbeitete fieberhaft, suchte in dieser Angelegenheit nach einem Ausweg, so wie es mich mein Gemahl für schwierige Fälle wie diesen gelehrt hatte. Suchte nach einer Möglichkeit, wie ich Maximus doch noch zur Flucht überreden könnte. "Ich will, daß der Gladiator so lang wie möglich mein Gast ist, nicht nur für diese Woche. Ich werde gut bezahlen." Die zweite Wache schien jetzt ihre Stimme wiedergefunden zu haben. Der Mann schüttelte den Kopf. "Er wird den Spanier zurückhaben wollen, sobald die Arena wieder eröffnet wird." Nun da ich die Situation unter Kontrolle hatte, erlaubte ich mir ein ungeduldiges Seufzen. "Habt Ihr mich nicht verstanden?" sagte ich hochmütig. "Ich bin bereit, alles zu erstatten, was immer Maximus in der Arena gewinnen würde. Ja, ich werde es sogar noch verdoppeln. Daran seht Ihr, wie sehr ich seine Gesellschaft schätze. Sagt das Proximo. Und außerdem ... der Name des Gladiators ist Maximus, nicht 'Spanier'. Ist das klar?" Die Wache nickte ein paarmal mit dem Kopf. "Ja, Herrin." Ihr Kamerad tat es ihr widerstrebend gleich. Ich schritt abermals entschlossen auf sie zu, fühlte meine tiefblauen Augen die Männer wie mit Dolchen durchbohren, als ich meine Worte noch einmal auf sie niedergehen ließ. "Seht zu, daß sich einer von Euch auf den Weg macht, und verschwendet nicht weiter meine Zeit." Die bulligen Männer verneigten sich nochmals kurz und verschwanden dann durch die Tür, sichtlich erleichtert über diese Gelegenheit zur Flucht, welche sie eiligst ergriffen. Apollinarius schlug die Tür zu und strahlte. "Bravo, meine Liebe. Bravo", sagte er mit offensichtlichem Vergnügen. Trotz des Hochgefühls über den errungenen Erfolg ein wenig zitterig, schenkte ich ihm ein unsicheres Lächeln, zuckte jedoch bei dem unerwarteten, harten Geräusch zusammen, als direkt hinter mir Metall auf den marmornen Boden fiel. Maximus hatte die Fessel von seinem Handgelenk entfernt und zu Boden geworfen, bevor er sich wieder hatte auf seinen Stuhl sinken lassen. Ich wirbelte herum, und da saß er - die Ellbogen auf die auseinandergespreizten Knie gestützt und die Stirn in den Händen vergraben. Sollte er jemals wie ein gebrochener Mann ausgesehen haben, dann war es jetzt.
Wortlos verließ Apollinarius das
Zimmer, schloß geräuschlos die Tür seines Apartments und ließ mich mit
Maximus allein. Wunden zu heilen. Mit dem, was geschehen war, klarzukommen ... falls mit einer solchen Demütigung klarzukommen nach menschlichem Ermessen überhaupt möglich ist. Ich ging langsam auf Maximus zu, gab ihm Zeit, so wie ich es in jener ersten Nacht im Atrium und dann in meinem Wohnzimmer getan hatte. Gab ihm Zeit, seine Wut gegen mich zu richten. Mir Vorwürfe zu machen. Mich anzuschreien und seinen Zorn an mir auszulassen. Mich so zu benutzen, wie er es brauchte, um seinen bitter verwundeten männlichen Stolz zu heilen. Aber er tat nichts. Er saß einfach schweigend da, das Gesicht in den Händen vergraben. Er sah müde aus. Schrecklich müde. Müde vom Kämpfen. Müde vom Trauern. Müde vom Leben. "Maximus", begann ich sanft. "Ich konnte nicht zulassen, daß sie solche Sachen über Dich sagen. Ich konnte es einfach nicht." Er antwortete nicht. Ich hockte mich vor ihn hin, suchte sein Gesicht. Suchte diese faszinierenden grün-blauen Augen und was immer ich in ihnen finden würde, sei es brennender Zorn oder wildes Verlangen. "Maximus?" wiederholte ich. Er schwieg weiter. Ich wollte nicht zulassen, daß er mich wieder ignorierte, mich von seinem Leben und seinem Schmerz ausschloß, deshalb zog ich ihm entschlossen die Hände vom Gesicht. Langsam, sehr langsam hob er die Augen und schaute mich an. Der Anblick schnürte mir die Kehle zu: diese sonst so sprühenden grün-blauen Juwele waren jetzt vor Kummer matt. "Es ist schon erstaunlich, wie das Gefühl von Eisen um Deine Handgelenke Dich schlagartig in die Realität zurückbringen kann", sagte er, und seine Stimme war nicht matt wie seine Augen, sondern voller Bitterkeit. "Ich habe hier mit Dir in einem Traum gelebt. Diese Wachen sind jetzt mein wirkliches Leben." Ich strich ihm das Haar aus der feuchten Stirn. "Geh mit mir weg von hier, Liebster", flehte ich. "Wir haben immer noch Zeit genug." Maximus schien das Kosewort, das ich unbewußt benutzt hatte, nicht bemerkt zu haben, aber er strich ganz zärtlich über mein Haar, seine Fingerspitzen berührten - taumelnden Schmetterlingen gleich - kaum meine Locken. "Julia, sie können Dich jetzt beschreiben ... Dich Commodus beschreiben. Was Du getan hast, war sehr töricht."
Zum zweitenmal innerhalb weniger
Stunden war ich wie vor den Kopf geschlagen. "Das interessiert mich nicht", behauptete ich trotzig. "Außerdem weigerst Du Dich immer noch, von hier wegzugehen, was macht es also für einen Unterschied, ob sie wissen, daß Du hier bei mir bist und wie ich aussehe?" Maximus seufzte und schüttelte sichtlich frustriert den Kopf. Als er zu sprechen begann, tat er dies langsam und mit Bedacht, wie ein enttäuschter Vater, der das Offensichtliche seinem begriffsstutzigen, einfältigen Kind erklärt. "Man könnte Dich als Geisel benutzen, um mich zu kontrollieren. Commodus könnte - ganz zu Recht - vermuten, daß mir viel an Dir gelegen ist, und er könnte damit drohen, Dir etwas anzutun, um mich zu zwingen, Dinge zu tun, die ich nicht tun möchte." Trotz dieses Tons, trotz der Tatsache, daß niemand es mehr wagte, so mit mir zu sprechen, war ich nicht ärgerlich. Eher verblüfft. "Was für Dinge?" fragte ich. Er streichelte wieder mein Haar, seine kräftigen Hände verweilten in meinen Locken, die fürsorgliche Zärtlichkeit dieser Geste tilgte jede Spur seines vorausgegangenen Zorns. "Mich zum Beispiel einen Kampf so manipulieren zu lassen, daß ich in der Arena sterbe ... und ich würde es tun, wenn ich Deine Sicherheit in Gefahr wüßte. Auf diese Weise könnte Commodus sich meiner entledigen und es so aussehen lassen, als habe ich einfach einen Kampf verloren." Der Gedanke ließ mir den Atem stocken. Ich hatte diese Möglichkeit einfach nie in Betracht gezogen ... hatte Maximus' Weigerung, die Gelegenheit zur Flucht zu ergreifen, und die Folgen dieser Weigerung nie aus dieser Perspektive betrachtet. Wie kam es nur, daß die Fähigkeit, klar zu denken - eine Fähigkeit, die mich achtzehn Jahre meines Daseins als Sklavin und Hure hatte überleben lassen und mir tagaus tagein geholfen hatte, ein Geschäft zu führen, das für manchen Mann zu groß und zu komplex gewesen wäre - daß diese Fähigkeit mich völlig im Stich ließ, wenn es um Maximus ging? War es die Liebe, die meinen sonst so klaren Verstand blind machte und mich immer wieder Fehler begehen ließ, wo ich doch nur tun wollte, was mir richtig schien? War das der Grund, warum sich zu verlieben der schlimmste Fehler war, den eine Sklavin oder eine Hure begehen konnte? "Maximus, es ... es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß dies passiert", stieß ich hervor, während ich mich hinkniete, um ihm näher zu sein, und ihn mit meinen Worten und meinem Körper anflehte zuzustimmen. Aber er weigerte sich, auch nur zuzuhören. "Unterschätze Commodus nicht", fuhr er unerbittlich fort. "Ich kann es nicht ertragen, für den Tod noch eines Menschen, der mir etwas bedeutet, verantwortlich zu sein." Er fügte nicht hinzu: "Unterschätze Commodus nicht, so wie sein Vater und ich ihn unterschätzt haben!" - aber wir wußten beide, daß dies nicht nötig war. Ich rang vergeblich um Worte, die ihm Trost oder Frieden hätten schenken können - es war zwecklos. Dann griff ich - wie ein Ertrinkender verzweifelt nach einem Stück Holz greift - nach den einzigen Worten, die wirklich etwas bedeuteten. Den Worten, auf die allein ich hoffen konnte, um Maximus vor dem Zorn des Kaisers zu retten - und vor seinem eigenen festen Entschluß, Rache zu üben und dann zu sterben. "Dir liegt etwas an mir?" fragte ich, meine Augen fest auf die seinen geheftet und mit der Stimme des einsamen, ängstlichen kleinen Mädchens, das noch immer in mir lebte. Ein flüchtiges Lächeln huschte über Maximus' angespannte Züge. "Ja, natürlich", flüsterte er. "Wie?" Er runzelte irritiert die Stirn. Ich setzte mich auf den Teppich und lehnte mich sacht gegen ihn, dann legte ich meine Unterarme auf seine nackten Knie und nahm seine Hände in meine. Maximus ließ es geschehen. Durch sein Entgegenkommen ermutigt, schaute ich zu ihm auf und blickte ihm in die Augen. "So wie Dir an Lucilla gelegen ist?" wollte ich wissen. "Nein", antwortete er schnell und ohne zu zögern. Ich wußte nicht, ob ich besorgt oder erleichtert sein sollte, und senkte den Kopf, so daß mein rot-goldenes Haar meinen verunsicherten Blick vor ihm verbarg. Wie lange war es her, daß ich die Kämme und Nadeln aus meinem sittsam hochgesteckten Haar genommen und ihm erlaubt hatte, dieses Haar zu berühren? Wie lange war es her, daß ich meine offenen Locken seinen zitternden Händen dargeboten hatte, während wir beide auf dem Marmorboden des dunklen Atriums saßen? Weniger als zwei Tage, aber es schien mir, als sei ein ganzes Leben vergangen, und dennoch wurden diese uralten Gesten mit einer Leichtigkeit wieder in mir lebendig, die beunruhigend war. Ich nagte mit den Zähnen an meiner Unterlippe und bemerkte dabei, wie wund sie war, da ich meine Lippen seit dem Wiedersehen mit Maximus bereits unzählige Male auf diese Weise bearbeitet hatte; der kupferige Geschmack von Blut in meinem Mund ... er erinnerte mich an eine Zeit, als es nicht meine eigenen Zähne waren, sondern Maximus' wilder, hungriger, strafender Kuß, der meine Lippen bluten gemacht hatte. Mich mit aller Macht an die Erinnerung an seine entfesselte Leidenschaft damals in Moesia und an die noch frische Erinnerung an jenen einen Kuß am Strand klammernd, sah ich ihn abermals an und fragte hoffnungsvoll: "So wie Dir an Olivia gelegen war?" Maximus schüttelte den Kopf. "Wie dann?" Er zuckte die Achseln. Eine unbewußte, spontane, jugendliche Geste, welche die Ahnung eines Lächelns auf meine Lippen lockte. "Anders." "Was heißt das?" bohrte ich weiter, nicht bereit, das Thema fallen zu lassen ... es Maximus zu gestatten, sich mir zu entziehen, so wie ich es ihm in der Vergangenheit gestattet hatte. "Ich weiß nicht", sagte er zögerlich. "Ich will Dich einfach ... beschützen." Er wollte mich beschützen. Und er war von diesem Gedanken so erfüllt, daß er nicht einmal den Versuch unternahm, diese Tatsache vor mir zu verbergen. Ich fühlte, wie mir das Herz weit wurde - als hätte er gesagt: "Ich liebe Dich", denn ich mußte mir eingestehen, was dieses Bedürfnis, mich zu beschützen, bedeutete: es war das, was meiner Sehnsucht nach Intimität am nächsten kam. Mehr zuzulassen war er noch nicht bereit. Durch dieses Eingeständnis ermutigt lächelte ich und bedrängte ihn noch ein wenig mehr. "Du hast väterliche Gefühle für mich?" Das nun brachte ihn zum Lachen. Es war nicht das unbeschwerte, heitere Lachen, das ich mir von ihm gewünscht hätte, aber auch nicht dieses verbitterte, schroffe, das ebenso verletzen konnte wie die Klinge seines Schwertes. "Nein ... keine väterlichen. Alles andere als väterliche Gefühle." Ich schluckte hart. Das war mehr, als ich zu erwarten gehofft hatte. Die Tatsache, daß er die Weise, wie sein Körper auf meinen unten am Strand reagiert hatte, zur Kenntnis nahm, daß er seine Antwort auf meinen vorsichtigen Kuß akzeptierte - es überspülte mich wie eine Flutwelle, aber anders als vorhin war es eine warme, berauschende Welle. Und wieder senkte ich den Kopf, diesmal um mein Erröten vor ihm zu verbergen. Ich brauchte mich darum nicht zu sorgen. Maximus sah mich nicht an, sein Blick war nach innen gekehrt, während er seine nächsten Worte sorgfältig abwog. "Du bist sehr verständnisvoll und einfühlsam ... es tut gut, mit Dir zu sprechen", sagte er leise mit der Stimme eines Mannes, der die Wahrheit akzeptierte. Eines Mannes, der es leid war, seine Gefühle zu verneinen. Seine Empfindungen. Seine Schwächen und Bedürfnisse. "Vielleicht liegt es daran, daß Du so ein schweres Leben gehabt hast und für Dein Alter irgendwie sehr erfahren bist. In dieser Beziehung bist Du ganz anders als Olivia." Er schaute zur Decke hinauf, als würde er dort Hilfe finden, während er sichtlich um die richtigen Worten rang. Als sei zu sagen, was er sagen mußte, und mich dazu zu bringen, dies vollkommen zu verstehen, plötzlich von entscheidender Bedeutung für ihn geworden. "Ich bin es nicht gewohnt, über so persönliche Dinge zu sprechen ... ich rede über Schlachtordnungen und gebe Befehle. Das hier ist so ungewohnt für mich. Und es fällt mir schwer. Fast so schwer, wie Ketten tragen zu müssen. Ich bin einfach nicht daran gewöhnt." Ich umklammerte seine großen warmen Hände fester. "Ich weiß. Aber genau das macht es für mich so kostbar ... die Tatsache, daß Du mir Dinge sagen kannst, die Du in Deinem Herzen trägst, und die Du niemandem sonst sagen kannst. Und die Tatsache, daß Du mir vertraust." Maximus nickte, eine überwältigende Traurigkeit umschattete seine schönen Augen. Aber als er wieder sprach, war seine Stimme ruhig und beherrscht. "Proximo wird mir nicht erlauben, noch länger hier zu bleiben, sobald das Kolosseum wieder geöffnet sein wird - ganz gleich, wieviel Geld Du ihm auch bieten magst. Er verdient ein Vermögen an mir. Commodus finanziert diese Spiele, und er verlangt, daß ich jeden Tag kämpfe ... und bezahlt Proximo gut für dieses Privileg. Commodus tut es, weil das Volk mich will, und weil er dem Volk gefallen will ... und weil meine Chance, getötet zu werden, mit jedem Tag, an dem ich kämpfe, größer wird. Proximo wird es nicht riskieren, Commodus’ Zorn auf sich zu ziehen, indem ich nicht verfügbar bin - egal wieviel Du ihm bietest. Plötzlich senkte sich die Ausweglosigkeit unserer Situation wie ein dichter, kalter Nebel auf mich herab, und ich erschauerte, all die Wärme und das Glück, die ich aus Maximus' Bekenntnissen hatte ziehen können, waren verschwunden. Meine Stimme drohte zu brechen und ich war dem Weinen nah. "O Maximus", flüsterte ich, "wir haben nur so wenig Zeit." Er blickte mir in die Augen, und, wie vor sechs Jahren in Moesia, konnte ich einen kurzen flüchtigen Moment lang in diesen tiefen, grün-blauen Seen seine nackten Gefühle lesen. In ihrer Tiefe sah ich Sehnsucht und Verlangen, Sorge und Bedauern, Begierde und noch etwas anderes, so intensives, daß ich es nicht benennen konnte. Etwas so intensives, daß ich es nicht zu benennen wagte. Einen kurzen, flüchtigen Moment lang - dann war es verschwunden. Als er seine Gefühle erneut unter Kontrolle hatte, nickte er, dann schüttelte er meine Hände ab, stand auf, ging um mich herum und zum Fenster hin, während ich auf dem Boden sitzen blieb. Apollinarius' Wohnräume hatten nicht wie meine und Marius Servilius' eine Terrasse, aber dafür einen geräumigen Balkon. Maximus wandte mir den Rücken zu, während er in den Himmel hinauf sprach, und in seiner Stimme war keine Spur mehr von Wärme oder Zärtlichkeit. Statt dessen war sie kühl und emotionslos ... die Stimme eines Generals, der gerade eben eine Entscheidung getroffen hatte. "Ich möchte Dir danken, daß Du meine Ehre verteidigt hast", sagte er, und seine tiefe, klangvolle Stimme war so bar jeden Gefühls, wie es mit Sicherheit auch sein abgewandtes Gesicht war. "Es war bestimmt schwer, dazusitzen und mit anzuhören, wie die Wachen so über mich sprachen. Aber es war gefährlich für Dich." Tränen stiegen mir in die Augen, und ich blinzelte sie schnell weg. Schweigend stand ich auf und trat geräuschlos hinter ihn, schlang meine Arme um seine Mitte und ließ meine Brüste an seinem breiten Rücken ruhen. Die perfekte Rundung seines festen Hinterteils war in meinen Schoß gebettet, während ich ihm immer noch schweigend den Trost meines Körpers bot. Obwohl inzwischen Jahre vergangen waren, befand ich mich wieder in Moesia. Auch wenn ich jetzt frei und reich und mächtig war, hatte ich ihm nichts als mich selbst zu bieten. Und wie in Moesia war es wieder seine Selbstkontrolle, die siegte. Maximus wirbelte herum und machte sich von mir los. Es war kein Zorn in dieser Geste. Keine Zurückweisung. Nichts Gewaltsames. Nur Endgültigkeit. Und die machte alles noch schlimmer. "Ich muß nur eine Weile allein sein ... ein bißchen spazierengehen", sagte er, und seine Stimme klang erstickt, als sei seine Kehle trocken, oder als müsse er enorme Kraft aufbringen, um sie zu kontrollieren. Oder beides. Und wieder stiegen mir Tränen in die Augen, als ich hinter ihm her sah und sein breiter Rücken sich immer weiter entfernte. Maximus schloß die Tür mit bemerkenswerter Zurückhaltung für einen großen, energischen Mann wie er es war - für einen Mann, dessen unbedingte Männlichkeit von ein paar elenden Kerlen angezweifelt und dessen Ehre von einer Frau wiederhergestellt worden war. "Es tut mir leid, Maximus ... " flüsterte ich. "O, es tut mir so leid!" |