Vorsätze sind ja etwas ganz nettes, aber meistens hapert es an der Umsetzung. Ich jedenfalls brachte es trotz allem Frust noch zwei weitere Wochen nicht über mich, tatsächlich endlich meine freien Tage zu nutzen. Vielleicht liegt es daran, dass wir Frauen scheinbar alle bis zu einem gewissen Grad zum Masochismus neigen. Da tut einem ein Mann fürchterlich weh, aber sobald Liebe im Spiel ist, finden wir für alle Verhaltensweisen eine Entschuldigung und lügen uns in die eigene Tasche, dass sich die Balken biegen. Geht es dann schief und wir werden endlich von der Unsinnigkeit unserer Annahmen durch Fakten eines Besseren belehrt, verkriechen wir uns oft in eine Ecke und vergehen vor Selbstmitleid. Und warum? - Mag sein, dass es nur mir so geht, aber da gibt es dieses seltsame Phänomen. Mann und Frau sprechen dieselbe Sprache, benutzen die gleichen Wörter, meinen aber etwas völlig unterschiedliches. Jetzt kann man natürlich die Theorie vertreten, dass das den Reiz in einer heterosexuellen Beziehung ausmacht. Aber mal ehrlich, irgendwie ist es doch ganz schön bekloppt, dass wir immer wieder an dieser Barriere scheitern. Ich persönlich wünschte mir manchmal, ich wäre öfter in der Lage, so subtil und logisch wie ein Mann zu denken. Irgendetwas in der weiblichen Körperchemie scheint da aber grundsätzlich etwas gegen zu haben. Und das Resultat? - Verletzter Stolz, zerschlagenes Glas und dumme Eitelkeiten. Da soll mir noch mal einer erzählen, weibliche Logik sei nachvollziehbar. Aber von vorne....
Das Verhältnis zwischen mir und Russ hatte sich also grundsätzlich gewandelt. Auf der einen Seite stand der Job und business as usual. Auf der anderen Seite kristallisierte sich die private Komponente bei weitem mehr zu einem freundschaftlichem statt einem Arbeitgeber - Arbeitnehmer-Verhältnis heraus. Diesen kleinen unsäglichen Vorgang mal außer Acht gelassen, gestaltete sich die Situation für mich zunehmend schwieriger. Ich kam nicht umhin, mir einzugestehen, dass es mich wirklich erwischt hatte. Ich hatte mich verliebt und das bis über beide Ohren. Russell entgegen hatte mir unmissverständlich durch seine Reaktion klar gemacht, dass dieser Kuss nichts weiter als ein Ausrutscher war. Und dann gab es ja noch diese vermaledeite Regel. "Keine Schwärmerei oder du bist draußen." Es war zum Haare raufen. Diese Abende, die wir erzählend oder diskutierend miteinander verbrachten, schufen eine zunehmende Vertrautheit zwischen uns und sorgten dafür, dass wir uns immer besser kennen lernten. Mittlerweile reichte manchmal nur ein Blick, um zu wissen, was der andere dachte. Wir fingen tatsächlich an, uns blind zu verstehen, und das funktionierte seltsamerweise in beide Richtungen. Aber da waren dann auch noch die anderen Kleinigkeiten. Russ hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, mich morgens mit einem Kuss auf die Wange zu begrüßen und abends mit dem gleichen Ritual zu verabschieden, bevor wir jeder auf unsere Zimmer gingen. Selbst in der Öffentlichkeit kam es immer öfter vor, dass ich nicht mehr hinter ihm ging, sondern er mich an seine Seite zog. Hatte ich früher bei Verhandlungen meist nur zugehört und protokolliert, forderte er jetzt meine Beteiligung. Ich versuchte mit dieser neuen Situation, so gut es ging, umzugehen, befolgte die Regeln und versuchte mir einzureden, dass wir nichts weiter wären, als ein zunehmend besser werdendes Team.
Das klappte einigermaßen, zumindest bis zu dem Punkt, als Mark mich eines Abends während eines gemeinsamen Essens beiseite nahm. "Sag mal, Sylvia, was läuft da zwischen dir und Russ?", fragte er unvermittelt, nachdem Russ von einigen Gästen des Restaurants um ein gemeinsames Foto gebeten worden war und sich kurzfristig an deren Tisch gesellt hatte. Verständnislos sah ich Mark an. "Was bitte meinst Du? Da läuft gar nichts." Er räusperte sich. "Ich weiß, es geht mich nichts an, aber ich denke du solltest wissen, dass ich seit einigen Tagen vermehrt Anrufe von Fotografen bekomme, die euch beide zusammen gesehen haben." Ich lachte leicht "Mark, ich bin seine Assistentin. Es ist mein Job, ihn ständig zu begleiten." "Ich weiß", kam prompt die Antwort, "und das ist auch das, was ich diesen Presseheinis zu verkaufen versuche. Allerdings sind einige von denen überzeugt, dass sich zwischen euch einiges geändert hat, und dann liegt der Schluss nahe, dass da bei weitem mehr ist, als euer berufliches Verhältnis. Du weißt, das sie Recht haben. Pass also einfach nur auf dich auf, Kleine. Okay?" Russ kam an unseren Tisch zurück und ich konnte nur noch nicken.
Marks Bemerkung hatte mich tiefer getroffen, als ich mir anmerken ließ und so tat es mir gut, dass Russ die nächsten Abende beschloss, alleine auszugehen. Zumindest hatte ich so etwas Zeit, in Ruhe nachzudenken. Ich schätze, ihm waren diese Anfragen ebenfalls zu Ohren gekommen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass die Presse versuchte, ihm ein Verhältnis anzudichten, und ich vertraute darauf, dass er wusste, wie er damit umzugehen hatte. Die paar Stunden allein in meinem Zimmer halfen mir immerhin, meine Disziplin wieder aufzubauen und ohne Russells verwirrende Nähe, konnte ich bei Weitem klarer in diesem Punkt denken. Ich nahm mir vor, mich wieder etwas mehr mir selbst zu widmen. Als Anfang erkundete ich die nähere Umgebung des Penthouses und begann fortan meinen Tag mit einer Stunde Jogging. Nicht dass das die Träume und die Erinnerung an einen Kuss vertrieben hätte. Zumindest aber sorgte es für ein gutes Gefühl und eine angenehme Entspannung. Von dem positiven Nebeneffekt für meine Figur mal abgesehen. Russell hatte belustigt auf meine neue Angewohnheit reagiert, sagte aber nichts. Unsere gemeinsamen Abende wurden seltener und ich fand zu meinem Gleichgewicht zurück. Zumindest dachte ich das. Ein weiterer Trugschluss, wie sich heraus stellte. Das Erwachen kam nur weinige Tage später in Form eines Dampfhammers.
Ich hatte mir angewöhnt, auf meiner morgendlichen Runde an einem Kiosk eine Tageszeitung zu kaufen und der Besitzer, ein älterer Herr, kannte mich mittlerweile. Als ich an jenem Morgen dort ankam und nach meiner Zeitung griff, bemerkte ich, wie er mich mitleidig ansah. "Stimmt etwas nicht, Mister Smith?", fragte ich ihn überrascht. "Nein, nein", beeilte er sich zu antworten, "Ich habe mir nur gerade gedacht, dass ich sie ungern als Kundin verlieren würde, Miss Walter." Ich horchte auf. "Wieso sollte es dazu kommen?", erwiderte ich vorsichtig. Schweigend hielt er mir die SUN entgegen. Das Titelbild zeigte Russell und Nicole Kidman eng umschlungen beim Tanz. Einen Augenblick dachte ich, ich bekäme keine Luft, und mir wurde schwarz vor Augen. Das Klingeln meines Handys bewahrte mich vor einer Ohnmacht. Es war Mark. "Sylvia, guten Morgen. Hast du heute morgen schon die Zeitung gelesen, Kleine?" fragte er vorsichtig. "Falls du die Sun meinst, die halte ich gerade in den Händen.", presste ich tonlos hervor, während ich mich abmühte, die aufsteigende Übelkeit zu besiegen. Wortlos bezahlte ich das Blatt und wandte mich dann wieder Mark zu. "Wolltest du mich warnen oder hat dein Anruf einen anderen Grund?" "Na ja, " er räusperte sich, "ich schätze beides. Aber hauptsächlich wollte ich dich bitten, es Russ beizubringen. Der Artikel ist nicht genehmigt und du weißt, wie er darauf reagiert." Fast hätte ich mich verraten und ihn gefragt, warum ausgerechnet ich das ausbaden sollte, besann mich aber rechtzeitig. "Okay. Ich werde sehen, was ich tun kann. Bis später." Die nächste Parkbank war meine. Ich steckte den Kopf zwischen meine Knie und versuchte erst mal meine Atmung wieder in den Griff zu kriegen. Irgendwie fühlte ich mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weg gezogen. Widerwillig musste ich mir eingestehen, dass irgendwo in meinem Herzen sich die Hoffnung eingenistet hatte, es könnte vielleicht doch noch mehr aus mir und Russ werden. Tja, das hatte sich jetzt ja erledigt. Auch wenn er immer alleine abends nach hause gekommen war, immerhin wusste ich jetzt, mit wem er den gestrigen Abend verbracht hatte. Ich schalt mich eine dumme Gans und machte mich auf den Heimweg.
Russ war schon auf, als ich das Penthouse betrat. Aus der Küche roch es nach frisch gebrühtem Kaffee. Er hörte mich und kam mir entgegen. Leicht fuhren seine Hände über meine Taille, als er mir den morgendlichen Kuss auf die Wange gab. Sofort versteifte ich mich. Erstaunt sah er mich an. "Was ist los? Deine Runde hat länger gedauert als sonst. Ist 'was passiert?" Ich presste die Lippen zusammen und drückte mich an ihm vorbei in die Küche. "Nein" sagte ich über die Schulter, "Ich wurde nur aufgehalten." Gerade griff ich nach dem Kaffeebecher, als Russ hinter mich trat. Er griff an meine Schultern und drehte mich zu sich um. "Sylvie, bitte. Ich fing wirklich schon an, mir Sorgen zu machen. Also, was hat dich aufgehalten?" Oh verdammt! Am Liebsten hätte ich mich in dem Moment in seine Arme geworfen und ihn gebeten, mich einfach nur zu halten. Da stand er. Der Mann, den ich schon immer bewundert und verehrt hatte, den ich mittlerweile aber aufrichtig liebte. Nicht unerreichbar, sondern nah und vertraut. In T-Shirt und Shorts, unrasiert, aber frisch geduscht. Ich hatte diesen leichten Geruch von Zedernholz und einer Spur Moschus in der Nase, die unglaublich gut mit seinem körpereigenen Geruch kombinierte. Alles in mir verlangte nach ihm. Es hätte perfekt sein können - aber es war es nicht. Wir waren kein Paar. Wir waren noch nicht mal Freunde. Wir waren einfach nur ein Chef und seine Assistentin. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür gefangen in einer völlig abstrusen Situation.
Ich zwang mich, ihm nicht in die Augen zu sehen, wand mich aus seinen Armen und griff nach meiner Tasse. Der Versuch mir Kaffee einzuschenken, schlug fehl. Zu sehr zitterten meine Hände. Behutsam nahm Russ mir die Tasse aus der Hand, goss halb Kaffee, halb Milch hinein, mein bevorzugte Mischung, und reichte sie mir. Diese kleine Geste reichte und ich hatte das Gefühl, als würde mein Herz gleich zerspringen. Krampfhaft hielt ich mich an meiner Tasse fest und wartete, bis ich mich etwas beruhigt hatte. "Besser?", fragte er leise, als er sah, dass mein Gesicht wieder etwas Farbe bekommen hatte. Ich nickte. Noch mehr Aufmerksamkeit hätte ich nicht ertragen, also beschloss ich, ihm zuvor zu kommen. "Mark hat mich angerufen." Ich holte die Sun aus meiner Bauchtasche und legte sie vor ihm auf den Tisch. "Er wollte wissen, wie wir darauf reagieren sollen." Russells Gesicht wurde weiß, als er den Artikel sah. Schweigend sank er auf den Küchenstuhl und fuhr sich angespannt mit den Händen durch die Haare. Ich wartete. Nach einigen Minuten sah er auf. "Sylvie, bitte. Nic und ich sind alte Freunde. Wir sind beide im Moment solo und waren einfach miteinander aus. Mehr ist da nicht. Wir haben einfach nur miteinander getanzt, dass musst du mir glauben." Beinahe hilflos zuckte er mit den Schultern. Hatte ich mich gerade verhört, oder war das tatsächlich eine Rechtfertigung gewesen? - Scheiße! Wie weit wollte er dieses Spiel denn noch treiben? So langsam fing ich wirklich an sauer zu werden. Schließlich war ich kein dummes Schulmädchen und hatte es nicht nötig, dass irgendwer derart auf meinen Gefühlen rumtrat.
"Eigentlich galt die Frage mehr der offiziellen Position, die die Agentur dazu einnehmen soll." Ich erschrak selbst über die Kälte in meiner Stimme. Ich zögerte, fügte dann aber doch hinzu, "Alles andere geht mich nichts an." Ich hatte geahnt, dass diese Äußerung eine Reaktion hervorrufen würde. Von der Heftigkeit, mit der das geschah, war ich dann aber doch überrascht. Russell war von dem Stuhl so schnell aufgesprungen, dass der krachend auf dem Boden landete. "Ach, Madame meinen es ginge sie nichts an", donnerte er unvermittelt los, während er sich drohend auf mich zu bewegte. "Bildest du dir tatsächlich ein, dass ich mich dir gegenüber rechtfertige würde, wenn ich der Meinung wäre, es ginge dich nichts an? Was glaubst Du, was wir hier machen?" Instinktiv ging ich vor den weit ausgreifenden Armen in Deckung. "Besitzt du tatsächlich die Frechheit, dir einzubilden, die Art und Weise wie wir miteinander umgehen und hier zusammen LEBEN sei normal?" Er hatte mich erreicht und in einer Ecke gestellt. Krachend fuhr seine Faust neben meinem Gesicht an die Wand. Doch diesmal zuckte ich nicht. Stattdessen sah ich ihm geradewegs in die Augen, als ich leise und kalt erwiderte: "Ich bilde mir gar nichts ein. Und was die Regeln in dieser Tätigkeit angeht, ich habe sie nicht gemacht. Alles was ich tue, ist mich daran zu halten, Sir." Das letzte Wort hatte ich ihm regelrecht entgegen geschleudert, mich unter seinen Armen hindurch geduckt und war in mein Zimmer gegangen. Als ich die Tür schloss, hörte ich die Gegenstände vom Küchentisch krachend auf dem Fußboden landen. Am ganzen Leib zitternd lehnte ich mich von innen gegen die Tür. Ich musste hier weg, so schnell wie möglich!
Russell schien anderer Meinung sein. Nur fünf Minuten später pochte er an meine Tür. "Sieh zu, dass du fertig wirst. Wir müssen in einer halben Stunden in der Agentur sein.", kam es kalt von draußen. Dann herrschte Stille. Ich versuchte unter der Dusche meinen Verstand wieder klar zu bekommen. Nein - ich würde jetzt nicht die Hysterische mimen. Den Triumph wollte ich ihm nicht gönnen. Rasch zog ich mich an und wartete bereits an der Tür, als er aus seinen Räumen kam. Schweigend fuhren wir los. Auf halber Strecke nahm ich allen Mut zusammen. "Ich habe noch einige freie Tage gut. Die würde ich jetzt gerne nehmen." "Klar.", kam prompt die Antwort. "Ab morgen kannst du frei haben, aber zum Empfang heute Abend kommst du mit." Er klang müde, dennoch wusste ich, er würde kein nein akzeptieren. Also nickte ich nur stumm. Die paar Stunden würde ich auch noch überstehen.
Leichter gesagt, als getan. Die paar Stunden wurden zum Höllenritt. Alles, was sich in den letzten Wochen zwischen uns aufgebaut hatte, war wie weggeblasen. Unser Verhalten war höflich distanziert und unsere Unterhaltung beschränkte sich auf das Notwendigste. Es tat fürchterlich weh, war aber in dem Moment der einzig mögliche Umgang miteinander. Alle die uns in der Agentur kannten, stutzten, ob dieser plötzlichen Wandlung. Wieder war es Mark, der schließlich seine Vermutungen kundtat. Ich hatte mich für eine kurze Zigarettenpause auf die Terrasse abgeseilt, als er mir nach kam. "Komm, Kleine, raus mit der Sprache. Irgendetwas stimmt hier doch nicht." Ich musste schmunzeln. Ich mochte ihn und seine direkte Art. Mark kam immer gleich zur Sache. Durch mein Lächeln ermutigt fuhr er fort: "Gestern ward ihr noch wie Pech und Schwefel und heute seid ihr wie Hund und Katz'. Kann es sein, dass da doch etwas mehr zwischen euch ist, als ihr uns weismachen wollt?" ich schüttelte energisch den Kopf. "Nein, da ist nichts. Aber es ist trotzdem komplizierter, als es aussieht." Fröstelnd verschränkte ich die Arme vor meiner Brust. "Ich werde ab morgen übrigens für ein paar Tage nicht da sein..." Noch ehe ich aussprechen konnte, steckte Russell seinen Kopf zur Tür heraus. Ich erschrak, als ich den eisigen Blick bemerkte, mit dem Mark maß. "Ich will euch Turteltauben ja nicht stören, aber wir müssen uns für den Empfang fertig machen. Was ist, kommst du, Sylvia?" Verdutzt sahen Mark und ich uns an. War das jetzt die neue Variante im Spiel? - Entschuldigend zuckte ich mit den Achseln und folgte Russell. In ein paar Stunden war es geschafft. Jetzt musste ich nur noch den Empfang durchhalten.
Eigentlich hatte ich mich seit Wochen darauf gefreut. Jetzt allerdings hätte ich vieles dafür gegeben, nicht hingehen zu müssen. Es würde die erste Filmpremiere sein, die ich miterleben durfte. Auch wenn es keiner von Russells Filmen war, fand ich es spannend, so etwas mal von der anderen Seite zu sehen. Manko? - Die Vorstellung galt dem neuen Streifen von Nicole Kidman und mein Boss war einer der Ehrengäste. Die Vorstellung, das neue Traumpaar Australiens den ganzen Abend Arm in Arm zu sehen, war der blanke Horror. Nur widerstrebend machte ich mich dementsprechend zurecht. Ich hatte mir für diesen Anlass letzte Woche eigens ein neues Kleid gegönnt. Schwarzer Chiffon, vorne hochgeschlossen, aber mit einem tiefen Ausschnitt am Rücken. Der Schnitt war einfach und eng anliegend. Zwei hohe Schlitze an den Beinen sorgten für genügend Freiheit. Das gute Stück hatte ein kleines Vermögen gekostet, aber der Stoff, der sanft meinen Körper umschmeichelte, versöhnte mich voll und ganz. Die Tatsache, dass ich zu dem noch etwas abgenommen hatte, ließ meine Rundungen nur noch besser zur Geltung kommen. Überrascht blickte ich in den Spiegel. Das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Ein hartes Klopfen an meiner Tür, riss mich aus meinen Betrachtungen. Ich schnappte mir meine Abendtasche und öffnete.
Russ hatte für diesen Anlass einen anthrazitfarbenen Smoking mit farblich passendem Hemd und Schlips gewählt. Die Haare hatte er ausnahmsweise ordentlich nach hinten frisiert und der Bart war gestutzt. Ob ich wollte oder nicht, ich musste mir eingestehen, dass er wirklich umwerfend aussah. Seine erste Reaktion bei meinem Anblick war ein leises anerkennendes Pfeifen. Dabei blieb es. Er hatte sich schnell wieder unter Kontrolle. "Hübsch", murmelte er statt dessen, um sich dann abrupt umzudrehen. Die Limousine wartete bereits vor dem Haus und wie schon die anderen Fahrten des Tages, verlief auch diese schweigend. Ich fragte mich wirklich, warum er darauf bestanden hatte, dass ich mit ging. War es nur, um mich auf meinen Platz zu verweisen? - Alles sah danach aus. Wir kamen an und er stieg aus, um den tosenden Applaus der versammelten Fans entgegen zu nehmen. Ich folgte einige Schritte hinter ihm auf einer Höhe mit seinen Sicherheitsleuten. Im Foyer trafen wir auf Nicole Kidman. Natürlich begrüßten die beiden sich mit einer innigen Umarmung und mehreren Küssen auf die Wangen. Ein absolut gefundenes Fressen für die versammelten Fotografen. Vorstellung - Pustekuchen. Ich blieb im Hintergrund, trottete brav hinterher und versuchte möglichst wenig aufzufallen. Ich hätte ein Kostüm anziehen sollen, wäre besser gewesen.
Im Kino dann Mitarbeiterreihe hinten im Parkett. Die Stars saßen oben erste Reihe im Rang. Soweit ich etwas von dem Streifen mitbekommen habe, war er sehr ordentlich. Zweifelsohne ist die Frau eine herausragende Schauspielerin. Ihr mehr an Sympathie entgegen zu bringen, war mir bis dato nie gelungen. Ich hoffte heimlich auf die Premierenfeier, vielleicht ergab sich da etwas Abwechselung. Falsch gehofft. Mein Boss schien sich vorgenommen haben, mich den Abend an einer kurzen Leine zu halten. Ich hatte ihm zu folgen und in der Nähe zu bleiben, ansonsten aber war ich zur Langenweile verdammt. Ich verlegte mich aufs Beobachten und sprach den rumgereichten alkoholischen Erfrischungen mehr zu, als gut für mich war. Hielt mich aber standhaft zurück, als ich die ersten Auswirkungen des Sekts bemerkte. Zumindest die Beobachtungen wurden mit fortschreitender Stunde lustiger, immerhin proportional zu dem steigenden Alkoholpegel der anwesenden Gäste. Erstaunt bemerkte ich zwischendurch, dass Russell sich, was den Alkohol anging, stark zurück hielt. Viel öfter hatte er einen Orangensaft in der Hand als einen Sekt.
Wir hatten gerade wieder eine Runde durch das Foyer hinter uns gebracht und Russ war wieder bei Nicole angekommen, mit der er sich gerade angeregt unterhielt. Ich stand drei Schritte hinter ihm und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Obwohl mein Boss mich an dem Abend mit Nichtachtung strafte, konnte er nicht verhindern, dass es doch den einen oder anderen Gast auf dieser Party gab, der mich erkannte. Schon ein paar Mal war ich zeitgleich mit ihm begrüßt worden, was mir jedes Mal einen schiefen Blick bescherte. Ich hatte daher beschlossen, es auf keine längere Konversation ankommen zu lassen, sagte artig guten Tag und verzog mich wieder in meine Ecke. Bislang hatte das gut geklappt, aber es schien nicht immer zu funktionieren.
Maxwell Finch war auf einmal vor mir aufgetaucht. Er nickte Russ nur kurz zu und wandte sich dann wieder an mich. "Einen wunderschönen guten Abend, Miss Walter. Es freut mich außerordentlich sie hier zu treffen." Ehe ich mich versah, hatte er meine Hand ergriffen und mir einen perfekten Handkuss verpasst. "Erlauben sie mir die Bemerkung - sie sehen hinreißend aus." Die letzte Bemerkung fiel etwas lauter aus, als wahrscheinlich beabsichtigt, führten dann auch prompt dazu, dass Russ sich zum ersten Mal an diesem Abend herabließ, mich wahrzunehmen. Lässig drehte er sich zu uns um "Kann ich Ihnen helfen, Mister Finch.", fragte er lauernd. Der Angesprochene stutzte kurz. "Ja, Mister Crowe, das können sie tatsächlich" hob er an. "Ich habe mich gerade gefragt, ob es erlaubt ist, ihre entzückende Assistentin zum Tanzen aufzufordern." Der arme Finch sah zwar immer noch gut aus, war aber dank ausgiebigem Alkoholkonsums leider nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Nur so war es zu erklären, dass er die Blitze in Russels Augen nicht bemerkte und sich von dem eingefrorenen Lächeln auf seinem Gesicht täuschen ließ. "Da werden sie sie schon selber fragen müssen, Mister. Schließlich ist sie ein freier Mensch. Aber ich bin sicher, sie wird ihrer Aufforderung gerne nachkommen." Russell hatte einen verbindlichen Ton für die Antwort gewählt, trotzdem, was darunter mitschwang, sandte mir einen Schauer über den Rücken. Finch hatte es wirklich nicht bemerkt und strahlte stattdessen über das ganze Gesicht. Und ich? - Ich hatte keine Wahl und folgte ihm auf die Tanzfläche.
Zugegeben - nach dem ganzen Herumstehen des Abends tat es gut, sich ein wenig zu bewegen. Der Alkohol tat sein Übriges und Finch entpuppte sich als erstaunlich guter Tänzer. Ich habe schon immer für mein Leben gerne getanzt und etliche Jahre im Verein haben meinen Kenntnissen in dem Bereich nicht geschadet. Die Kapelle spielte einen Quickstep und nach einigen noch verhaltenen Schritten, gab ich meine Bedenken auf und genoss es statt dessen, über das Parkett zu schweben. Finch schien mit meinen Tanzkünsten ebenfalls zufrieden und wollte mich nach dem Lied partout nicht gehen lassen. Es folgte eine Samba und anschließend eine Rumba. Bei der letzteren war es dann gänzlich um meine Zurückhaltung geschehen. Ich mag diesen Tanz, der ein Liebesspiel zwischen Mann und Frau symbolisiert und richtig getanzt zu einem der erotischsten Tänze überhaupt gehört. Ich schätze mein Outfit tat ein übriges. Jedenfalls hatte sich mit einem Mal ein großer Kreis gebildet und alle sahen uns zu. Ich war aber leider viel zu sehr in meinem Element, um es zu bemerken. Da gab es nur die Musik und meinen Tanzpartner. Erst als der Song zuende war, nahm Finch mich in die Arme. "Danke, Miss Walter. Das war wirklich die heißeste Rumba, die ich je erlebt habe. Mister Crowe ist wirklich zu beneiden." Erschrocken löste ich mich von ihm. "Danke", gab ich verkrampft lächelnd zurück, "Es hat Spaß gemacht. Aber bitte entschuldigen sie mich jetzt." Ich verließ die Tanzfläche unter dem Applaus der Anwesenden, bevor Finch noch etwas erwidern konnte.
Schnell drückte ich mich in eine sichere Ecke und versuchte Russell ausfindig zu machen, während ich langsam wieder zu Atem kam. Er war nicht zu sehen. "Mist", dachte ich bei mir, lehnte mich leicht vor und stützte mich auf meine Oberschenkel. "Netter Tanz. Scheint als hätte Russ dich absolut richtig eingeschätzt. Sylvia, nicht wahr?" Verdutzt schaute ich auf. Ich hatte mich nicht getäuscht. Die Diva selbst stand vor mir. Lässig fischte sie einem vorbei eilenden Kellner zwei Gläser vom Tablett und streckte mir eins entgegen. Zögernd nahm ich es an. "Danke", sagte ich, noch immer überrascht, "und ja ich bin Sylvia.". "Gut", erwiderte sie fröhlich, "Ich bin Nicole. Freut mich, dich endlich kennen zulernen. Cheers!" Wir prosteten uns zu. Ich brauchte einige Sekunden, um den Schrecken zu verdauen. Was wurde das jetzt wieder? - Immerhin, die Antwort folgte auf dem Fuße. "Also ehrlich, Sylvia, ich weiß ja nicht, was du mit dem armen Kerl angestellt hast, aber es wird dringend Zeit, das ihr einige Dinge zwischen euch klärt. Meinst du nicht? Das Elend kann ja keiner mit Ansehen." Mir fiel vor Staunen der Unterkiefer runter. Von jedem hätte ich eine solche Ansprache vermutet, aber bestimmt nicht von ihr. "Ich bitte um Entschuldigung" stammelte ich, "Aber ich habe keine Ahnung, wovon sie reden." Jetzt war es an ihr, mich verblüfft anzusehen. "Komm schon, so blind ist keine Frau. Vor allem nicht, wenn es um einen Mann wie Russell geht. Du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass da nichts zwischen euch läuft, alleine schon angesichts der Tatsache, dass er seit Tagen nur von dir erzählt?" Fragend sah sie mich an, während mir fast mein Glas aus der Hand rutschte. Ich konnte es gerade noch verhindern und wandte mich dann völlig verdattert wieder meiner Gesprächspartnerin zu. "Ich weiß wirklich nicht, was sie meinen. Aber ich dachte, dass sie und Russ...." Zur Antwort erhielt ich ein herzhaftes Lachen. "Der Himmel bewahre - nein. Wir sind gute Freunde. Weiter nichts. Daran haben auch alle Versuche der Presse nichts geändert, da mehr draus zu machen." Selten in meinem Leben war ich mir so dumm vorgekommen. "Entschuldigen Sie meine Naivität", versuchte ich den Schaden zu begrenzen, "und nebenbei, wissen sie zufällig, wo Russell ist?" Sie wurde urplötzlich ernst. "Er hat sein Glas an die Wand geschmissen und ist gegangen, als du mit dem Typen angefangen hast, die Rumba zu tanzen. Wenn du mich fragst, solltest du schnellstens sehen, dass du nach Hause kommst." Das hörte sich nicht gut an. Ich dankte ihr und beeilte mich, die Party zu verlassen. Sie hatte recht gehabt. Die Limousine war weg. Ich würde ein Taxi nehmen müssen.
Siedend heiß fiel mir auf dem Weg zum Penthouse ein, dass ich nicht mal einen Schlüssel hatte. Sollte Russ nicht da sein, könnte ich mich auf eine Nacht auf der Treppe einstellen, da mein Bargeld mal gerade für die Fahrt reichte. Glück gehabt - im Wohnzimmer brannte Licht, als ich ankam. Schnell hastete ich durch die Halle zum Fahrstuhl. "Einen Moment, Miss Walter. Mister Crowe hat gesagt, ich soll sie anmelden, wenn sie kommen." Mitchell, der Portier, hatte sich pflichtbewusst vor mir aufgebaut und versperrte mir den Zutritt zum Lift. Keine Chance - ich musste ihm zurück zum Tresen folgen. Ungeduldig wartete ich, während er oben im Penthouse anrief. Nach einem kurzen "Miss Walter ist jetzt hier, Sir", drückte er mir den Hörer in die Hand. "Was willst du?" tönte es mir entgegen, noch bevor ich Hallo sagen konnte. Ich riss mich zusammen. "Russ, bitte! Ich weiß der Tag ist dumm gelaufen, aber können wir nicht wenigstens miteinander reden?" "Wozu?", kam prompt die Gegenfrage. "Ich weiß auch nicht. Um ein paar Dinge klar zustellen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen." Atemlos wartete ich auf seine Antwort. Endlich reagierte er. "Gib mir Mitch." Eine kurze Anweisung an den Portier und der Weg war frei. Erleichtert betrat ich den Fahrstuhl.
Auf den Anblick, der mich oben erwartete, war ich nicht vorbereitet gewesen. Das Penthouse sah aus, als wäre ein Huricane mitten hindurch gerast. Bücher waren zu Boden geworfen worden, die Esszimmerstühle lagen umgekippt auf der Seite, ein kleiner gläserner Beistelltisch lag in Scherben. Entsetzt betrachtete ich das Chaos. "Und? Zufrieden?" erklang es hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum. Russell trug noch immer die Smokinghose und das Hemd. Letzteres hatte er aufgemacht und den Schlips lose um den Hals gehängt. Einige Strähnen hatten sich aus der Frisur gelöst und hingen ihm ins Gesicht. In seinem Mundwinkel hing eine Zigarette und seine Hand hielt eine Whiskeyflasche umfasst. Noch nie hatte ich ihn so viel Wildheit ausstrahlen sehen. Ich hielt die Luft an. Schlagartig fühlte ich mich wie in der Höhle des Löwen. Eine falsche Bewegung und das Biest würde mich anspringen. Hatte ich bislang den Ausdruck 'männliche Urkraft' stets belächelt, nahm ich mir spätestens in diesem Moment vor, es nie wieder zu tun. Ich hatte sie gerade zum ersten Mal erblickt.
"Was ist hier passiert?", fragte ich vorsichtig. "Was hier passiert ist?" Russ sah sich um. "Ich würde mal sagen, ich habe meine Wohnung verwüstet, weil ich stinkend gallig bin." Er nahm die Zigarette und drückte sie im Aschenbecher aus. Dann setzte er die Whiskeyflasche an und trank einen großen Schluck, bevor sie durch den Raum flog und an der Küchentür zerschellte. Entschlossen fixierte er mich und kam auf mich zu, während er sich das Hemd auszog. Mir war mehr als mulmig zumute. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, bewegte ich mich rückwärts. Nicht lange und ich stieß an die Wand. Russ stand jetzt ganz nah vor mir und zog sein T-Shirt über den Kopf. Ich schluckte und brachte ein leises "Warum?" zustande. "Warum? Ja, vielleicht weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass dieser Lackaffe Finch heute Nacht das bekommt, was ich schon seit Wochen haben will?" Er griff nach mir, vergrub seine Hand in meinem Genick und zog mich zu sich heran. "Aber my lady ist ja so verdammt korrekt und arrogant, dass sie es nicht mal bemerkt, wenn neben ihr jemand Amok läuft. Hauptsache, sie hält sich an die Regeln." Seine andere Hand begann über meine Rücken zu streichen, fand den Weg zu meiner Schulter, meiner Brust. Ich war gefangen zwischen ihm und der Wand. Seine Berührungen hinterließen Spuren von glühender Kohle auf meiner Haut. Er roch leicht nach Whiskey und ich konnte spüren, wie er vor Erregung vibrierte. Es gab kein Entkommen und das wollte ich auch gar nicht. Viel zu lange hatte mich genau danach gesehnt.
Herausfordernd sah ich ihn an. "Danke gleichfalls kann ich da nur sagen." Ich konnte und wollte mich nicht mehr zurück halten. Genüsslich fuhren meine Hände über seine Taille, seine Hüfte und seinen Hintern, während meine Zunge begann seine Brust zu erkunden. Zufrieden registrierte ich das wohlig Knurren, dass seiner Kehle entrann. "Das hättest du auch haben können, ohne die Wohnung zu verwüsten.", hauchte ich ihm zu. Sein Griff an meinem Hals wurde fester. Er zwang mich, ihn anzusehen. "Glaube nicht, dass du mit mir spielen kannst." Ich schüttelte, so weit möglich den Kopf. "Das tue ich nie mit Menschen, die ich liebe.", sagte ich ernst. Alles würde ich darum geben, um in diesen Augen zu ertrinken. Dunkel und begehrlich sahen sie mich an. "Vergiss das nie wieder", flüsterte er belegt, bevor er meinen Mund mit seinem zu einem nie enden wollenden Kuss verschloss.
Alles, was sich an Hitze und Begierde in den letzten Wochen in uns aufgestaut hatte, entlud sich in dieser einen Nacht. Es war wie ein Tanz auf dem Vulkan. Jeden Moment konnte die Explosion erfolgen. Keiner konnte genug bekommen vom anderen. Jede Berührung rief neue Ekstasen hervor. Knapp erreichten wir sein Schlafzimmer, während wir unseren Weg mit unseren Kleidern pflasterten. Mein Kleid fiel diesem Wahnsinn zum Opfer, der uns befallen hatte, als er es mir einfach vom Leibe riss. Ich konnte nicht genug davon bekommen, seine Hände auf meiner Haut zu spüren, die Nähe seines Körpers, seine Erregtheit. Ich zerfloss unter seinen Berührungen wie Eis unter der Sonne. Jeglicher Verstand verabschiedete sich. Alles in mir war darauf reduziert, mich ihm hinzugeben, mich zu öffnen und ihn in mich aufzunehmen. Noch nie hatte ich etwas derartiges erlebt. Er spürte instinktiv, dass er mich beherrschte und kostete es voll und ganz aus. Immer wieder trieb er mich an den Rand des Höhepunkts, ohne sein Werk zu vollenden. Ich schrie und stöhnte vor Lust, flehte ihn an mich zu nehmen. Pure Lust durchströmte mich, während ich mich ihm entgegen hob. Auch sein Atem ging mit jeder Minute schwerer, bis er endlich die Gabe annahm und mit ungeheurer Kraft in mich eindrang. Ich klammerte mich an ihm fest, bog mich ihm entgegen, als er begann sich gleichmäßig in mir zu bewegen. Die Welt um uns herum hörte auf zu existieren, alles was zählte, war die Vereinigung unserer ineinander verschlungenen Körper. Wir waren im Meer des Lebens gefangen, wo unsere Lust in Wellen über uns brandete. Mit jeder Bewegung schenkte ich ihm ein Stück meiner Seele, mit jedem Stoß gehörte ich ihm mehr. Fast glaubte ich, es nicht mehr ertragen zu können. Zu süß war der Schmerz, ihn hart und stark in mir zu spüren. Doch es ging noch weiter. Schneller wurden seine Bewegungen, noch fordernder nahm er Besitz von mir. Benommen spürte ich die Hitze, die sich in meinem Schoß ausbreitete. Langsam formte sie sich zu einer gigantischen Welle, riss uns mit in ihren Bewegungen. Alles in mir bäumte sich auf, als die Welle sich krachend brach. Gleichzeitig schrieen wir auf, klammerten uns zuckend aneinander, während die unglaubliche Intensität dieses Höhepunktes uns mit der Welle in die Tiefe riss.
Mit letzter Kraft rollte Russ von mir herunter und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf die Seite fallen. Sanft zog er mich an sich und strich zärtlich über mein Gesicht. Benommen schlug ich die Augen auf und sah ihn an. Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht, dass ich erwiderte. Entspannt und glücklich kuschelte ich mich an ihn. Am liebsten sollte dieser Augenblick nie vergehen. Ich fühlte, wie seine Arme mich umfingen, mich hielten, während er seine Nase in meinen Haaren vergrub und tief meinen Duft trank. Keine Ahnung wie viel Zeit verging. Ich war schon fast eingeschlafen, als er leise fragte: "Hast du das ernst gemeint, mit dem, das hätte ich schon viel früher haben können?" Ich schaute auf und nickte. "Warum hast du denn nie etwas gesagt?" Erstaunt sah ich ihn an. "Weil ich auf keinen Fall meinen Job verlieren wollte. Erinnerst du dich an deine eigenen Worte? Keine Schwärmerei, oder du bist draußen." Lachend schlug er sich mit einer Hand vor die Stirn, bevor er sich mir wieder zu wand. "Weißt du, Sylvie, manche Regeln sind da um gebrochen zu werden. Versprich mir, dass uns das nie wieder passiert, ja?" Ich nickte und versank in der Zärtlichkeit seines Kusses.
Eng aneinander geschmiegt schliefen wir schließlich doch noch ein. Jetzt Stunden später stehlen sich die ersten Sonnenstrahlen ins Zimmer. Ich habe ein wenig gebraucht, um zu wissen, wo ich bin, als ich aufwachte. Beruhigt liege ich auf meinem Kissen, spüre Russells Wärme und lausche der Gleichmäßigkeit seiner Atemzüge. Ein verrückter Tag war das gestern. Stellt sich die Frage was der Tag danach bringen wird. Aber egal, was es ist - diese eine Nacht kann mir keiner nehmen.