Kapitel 19 Zweisamkeit
Kapitel 20 Nachrichten
Kapitel 21 Trennung

 

19. Kapitel                    Zweisamkeit                           

Endlich schloss sich die Tür des Gästezimmers von innen und sie war allein mit ihm. So vieles war heute geschehen. Sie würde einige Zeit brauchen, um alles zu erfassen. Jetzt aber galt ihr ganzes Sehnen ihm. Es hatte sie fast um den Verstand gebracht, ihn die ganze Zeit so nah bei sich zu haben, ohne ihn so berühren zu können, wie sie es gerne täte. Mehrmals hatte sie sich im Laufe des Tages als dumme Gans beschimpft. Statt ihre kostbare Zeit mit anderen Leuten zu verbringen, wünschte sie, sie hätte ihn nicht zu dieser Tour überredet und sich einfach seinen geschickten Händen und seiner Lust überlassen. Andererseits hatte das gemeinsam Erlebte sie einander näher gebracht, als jedes Gespräch es vermocht hätte. Sie lächelte, als sie sich an die diversen Situationen erinnerte, wo Russ das Erstaunen im Gesicht gestanden hatte. Nein - erzählen hätte nicht gereicht. Er hätte denken müssen, sie wollte sich bei ihm einschmeicheln, ihm nach dem Mund reden und die Gemeinsamkeiten, die sie verbanden, nur vorgaukeln. So hatte sie die Möglichkeit gehabt, ihn an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Unbeschwert und ohne die Bürde, die seine Berühmtheit manchmal mit sich brachte. Er schien die Auszeit genossen zu haben und Jackie war froh darum. Jetzt gehörte er für die nächsten Stunden ihr allein und sie erschauerte  innerlich bei dem Gedanken an die Nacht, die vor ihnen lag.

"Du zitterst, Honey", vernahm sie leise seine Stimme. Er war hinter sie getreten und hatte seine Arme um sie gelegt. Instinktiv schmiegte sie sich an ihn. Er drückte sie und zog sie dann zu sich herum. "Danke für diesen wunderschönen Tag", sagte Russ ernst, "Es bedeutet mir sehr viel, dass du mir auf diese Weise die Möglichkeit gegeben hast, mehr über dich zu erfahren." Jackie wollte nicht reden. Seine Nähe brachte sie beinahe um den Verstand. Ohne es kontrollieren zu können, fingen ihre Hände an, sich zu verselbständigen. Wie von alleine glitten sie unter sein Shirt, streichelten seinen Rücken, seinen Hintern. Sie bedeckte seine breite Brust mit Küssen und arbeitete sich weiter vor bis zu seinem Hals. Russ hatte die Augen geschlossen und kostete ihre Berührungen aus. Er hatte gehofft, dass sie sich ebenso nach ihm sehnte, wie er sich nach ihr. Endlich fanden sich ihre Lippen. Sie küsste ihn mit all der Sehnsucht, die in ihr war und die sie zu überwältigen drohte.  Benommen von dem Ansturm ihrer Gefühle registrierte sie schwach, wie er sie hochhob und auf das Bett legte. Er zog sein Shirt über den Kopf und ließ sich neben sie gleiten. Seine Hände glitten auf ihre Haut. Sie spürte seine Begierde und konnte nicht genug von seiner Berührung kriegen. Ungeduldig zog sie ihr Shirt über den Kopf. Ein Schauer nach dem anderen durchlief sie, als er ihren BH abstreifte und begann ihre Brüste zu liebkosen. Zärtlich und gleichzeitig fordernd umspielte seine Zunge ihre Knospen. Sie stemmte sich ihm entgegen. Bedächtig öffnete er ihre Hose, ließ seine Hand in ihren Slip gleiten. Sie stöhnte auf. Unfähig sich ihm zu entziehen. Er streifte ihre restlich Kleidung ab. Seine Lippen erforschten ihre Schenkel, wanderten hinauf bis zu ihren Hüften und weiter bis zum Nabel. Er ließ sich Zeit, kostete das Gefühl aus, sie ganz für sich zu haben. Die Frau unter seinen Händen bebte vor Lust. Nur mühsam konnte er seine Beherrschung aufrecht halten. Alles in ihm drängte danach, sie jetzt und sofort zu nehmen, sie völlig zu besitzen. Er hielt einen Moment inne, um sich zu fassen. Jackie dagegen war nicht mehr Herr ihres Körpers. Ihr ganzes Sein war darauf ausgerichtet, ihm Lust zu bereiten und in sich aufzunehmen. Bebend fuhren ihre Lippen über seine Brust bis ihre Zunge schließlich seinen Nabel liebkoste. Mit flinken Fingern öffnete sie seine Jeans, drang vor zu seiner Männlichkeit. Zu spüren, wie erregt er war, stachelte sie nur noch mehr an. Sie zog ihn aus und begann ihrerseits seine Schenkel mit ihren Lippen zu erkunden. Russ knurrte wohlig. Als sie sich seiner Mitte näherte, zog er sie hoch und rollte sie auf den Rücken. "Nicht! Ich bin auch so schon heiß genug auf Dich. Lass mich Dich einfach verwöhnen." flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Hände glitten über ihren Körper und die Glut, die sie in ihr auslösten, drohte sie zu verbrennen. Sie streckte sich ihm entgegen. Er war überall. Seine Küsse wanden sich wie Schlangen um ihre Brüste. Seine Zunge brachte ihre Knospen vor Lust beinahe zum Bersten. Seine Hände hielten ihre Hüften und ihre Taille, glitten über ihre Schenkel, fanden ihre Mitte und das Zentrum ihrer Lust. Sie glaubte zu schweben, als seine Zunge dorthin vordrang und sie von einem Orgasmus zum nächsten trieb. Ihre Leidenschaft kontrollierte sie vollständig und ihr einziger Halt in diesem Nebel war Russ. Es schien so, als würde diese süße Qual nie enden. Endlich legte er sich auf sie und drang unvermittelt in sie ein. Ein kleiner Schrei entfuhr ihren Lippen, als sie seine Härte in sich aufnahm. Vorsichtig begann er sich zu bewegen. Sie war mehr als bereit für ihn und er spürte, wie sie sich ihm völlig öffnete. Für eine Sekunde glaubte er, die wilde Leidenschaft , die er bei Jackie empfand, würde die Oberhand gewinnen. Keuchend hielt er inne. Gewaltsam zwang er sich dazu, seinen Rhythmus beizubehalten und sie nicht besinnungslos zu nehmen. Ihrer beider Atem ging schwer. Jackie vibrierte unter ihm am ganzen Leib. Völlig hemmungslos stemmte sie sich ihm entgegen. Sie wimmerte vor Lust. Fassungslos bemerkte er einmal mehr, wie gut sie auch körperlich zueinander passten. Es war, als wäre sie eigens für ihn gemacht. Dieser Gedanke raubte ihm den letzten Nerv. Er konnte und wollte sich nicht mehr zurück halten, wollte fühlen, wie sie miteinander verschmolzen. Jackie spürte, wie seine Stöße härter und schneller kamen. Wie feurige Blitze durchzuckten sie ihren Körper und trugen ihren Geist von einer Ekstase zur nächsten. Sie gehörte ihm, überließ sich seiner Stärke. Mit letzter Kraft schlang sie ihre Beine um ihn, zog in noch tiefer in sich. Russ stöhnte auf und ließ seiner Lust nun vollends freien Lauf. Sie verloren sich in dem Feuer, dass über sie hereinbrach und zu einem Brand anwuchs. Flammen tobten um sie herum, verzehrten ihre Lust, ihre Seelen. Bis sie sich endlich in einer riesigen Explosion Luft machten, die die Liebenden in einem nie gekannten Höhepunkt davon spülte und vereinte.

Atemlos lagen sie ineinander verschlungen. Zärtlich streichelte sie seinen Rücken und genoss die Last seines Gewichts. Als sein Atem sich beruhigt hatte, richtete Russ sich leicht auf. Jackie glaubte zu träumen, als sie in seine Augen blickte.  "Ich weiß nicht wie, aber du hast es geschafft. Ich liebe Dich, Jackie, und ich schwöre dir, ich werde einen Weg finden, dich so schnell wie möglich für immer bei mir zu haben." flüsterte er rau. Jackies Finger fuhren zärtlich durch sein volles Haar. "Und ich liebe dich. Bei allem weiteren lass uns einfach sehen, was kommt, okay?" sagte sie leise. Russ schnaubte und legte sich neben sie. "Warum weichst du mir immer aus, wenn ich von unserer Zukunft spreche, Honey?". Er klang etwas ungeduldig und verletzt. "Man könnte fast meinen, du hast gar kein Interesse daran, fest mit mir zusammen zu sein." Jackie sog die Luft ein. Einmal mehr war sie verblüfft über seine Sensibilität. Sie war sich tatsächlich nicht sicher, was sie wollte. Langsam drehte sie sich zu ihm und blickte Russ in die Augen. Liebe war darin zu sehen und ein paar kleine Zweifel im Hintergrund. "Bitte Jackie, rede mit mir." flüsterte er leise und fuhr ihr sanft über den Arm. Sie schluckte. "Russ, es ist nicht so einfach, wie du denkst. Ich liebe dich - ja und ich genieße jede Sekunde, die ich mit dir zusammen sein darf. Aber ich habe ein wenig Angst davor, mir ein gemeinsames Leben mit dir vorzustellen." Sein Blick drückte jetzt Erstaunen aus und ein leises Misstrauen war in seiner Stimme zu hören, als er sie fragte "Würdest du mir bitte erklären, was du meinst?" Jackie atmete tief ein. Abschätzend sah sie ihn an. Sie wollte ihm nicht wehtun und ihre Gefühle für ihn waren echt. Trotzdem hatte sie Zweifel von denen sie inständig hoffte, dass er sie verstehen würde. "Es ist schwer zu erklären, ", hob sie unsicher an und sah ihm direkt in die Augen. "Einerseits sehne ich mich nach dir und möchte mit dir leben. Andererseits habe ich keine Ahnung, wie dieses Leben aussehen könnte. Du bist ein gefeierter Star, stehst überall im Vordergrund und Tausende weiblicher Fans würden nahezu alles geben, um eine Stunde oder vielleicht sogar eine Nacht mit dir zu verbringen. Dein Leben sieht von außen aus wie ein einziges Abenteuer und ist eine öffentliche Sache. Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit umgehen könnte." Er hörte ihr schweigend zu, also fuhr sie fort. "Ich weiß, dass du einen langen und harten Weg hinter dir hast und dir deinen Erfolg redlich erarbeiten musstest. Dafür bewundere ich dich, aber im Grunde ging es mir nicht anders. Ich habe auch hart gekämpft und manchen Rückschlag einstecken müssen, bevor ich da war, wo ich heute bin. Ich brauche meine Arbeit für mein eigenes Selbstwertgefühl. Abhängigkeiten sind mir zu Wider. Ich möchte gemeinsam mit meinem Partner wachsen und mich nicht in irgendeinem Haus vergraben, während der Mann, den ich liebe, die Welt für sich Tag für Tag  neu entdeckt. Auf die Dauer würde mich das unzufrieden machen und von der Jackie, die du jetzt kennen gelernt hast, bliebe letztendlich nicht viel übrig. Eine Persönlichkeit kann nicht bestehen und gedeihen, wenn sie sich nur über äußere Einflüsse definiert. Das endet früher oder später in Selbstbetrug. Ich habe Angst, mich in dir zu verlieren und zu einem Schatten meiner Selbst zu werden." Sie seufzte tief und setzte ein wenig sarkastisch hinzu, "Außerdem mag ich keine langen Pläne. Ich habe früher so vieles in meinem Leben sorgfältig  geplant, um dann jedes mal vor einem Scherbenhaufen zu stehen, wenn sich meine Pläne in Rauch auflösten." Jackie zuckte leicht mit den Schultern. "Meine Erwartungen sind ziemlich gering geworden. Weißt du, es schützt vor allzu großen Enttäuschungen und hilft die kleinen Dinge im Leben mehr zu achten." Sie lächelte Russ schief an. Ihr Herz schlug bis zum Hals und sie hatte keine Ahnung, wie er ihre Ausführungen aufnehmen und ob er sie verstehen würde. "Zeitweise bist du ganz schön unbequem" hatte Stefan ihr oft gesagt. Aber er hatte sie dafür geliebt. Russ hingegen hatte es nicht nötig, sich mit ihren Eigenarten zu befassen. Aber sollte er diesen Teil von ihr nicht akzeptieren können, würde es keine gemeinsame Zukunft für sie geben. Abwartend sah sie ihn an. 

"Du bist sicher, es hat nichts mit der Situation zu tun, in der ich gerade hänge?", fragte er vorsichtig. "Nein", erwiderte Jackie erstaunt, "nicht im Mindesten." Erleichtert drehte Russ sich auf den Rücken und schaute an die Decke. Leise begann er zu sprechen. "Als ich ein junger Mann war, Jaqueline, habe ich immer versucht, mir die für mich ideale Beziehung vorzustellen. Ich wollte herausfinden, was dass für eine Frau sein sollte, mit der ich mein Leben verbringen wollte. Dabei spielten Äußerlichkeiten eher eine zweitrangige Rolle." Lächelnd wendete er sich Jackie zu und ergriff ihre Hand. Seine Finger begannen die ihren zu ertasten. "Meine Traumfrau" fuhr er fort, " sollte vier Bedingungen erfüllen. Sie sollte eine wundervolle Geliebte sein. Sie sollte es zulassen, dass ich sie beschütze. Sie sollte mein Freund sein, mit dem ich über alles reden und mich ab und zu auch mal streiten kann und sie sollte die Mutter sein, die mir und unseren Kindern ein Heim bietet. Im Laufe der Jahre und mit den Frauen, die ich dann kennen gelernt habe, habe ich gelernt meine Ansprüche zurück zu schrauben." Seine Finger zeichneten nun sanft Jackies Gesicht nach. "Bei dir, süße Jackie, habe ich zum ersten Mal die Hoffnung wieder entdeckt, dass es eine solche Beziehung vielleicht doch gibt." Vorsichtig küsste er ihre Nasenspitze und zog sie zu sich heran. Ihr Blick versank in seinen Augen. "Du bist eine tolle und bemerkenswerte Frau und ich verspreche dir, ich werde nicht zulassen, dass du dich aufgibst. Ich brauche und ich liebe dich, so wie du jetzt bist. Wir werden also einfach einen Weg finden müssen, der es uns erlaubt, ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu bewahren, ohne dass es unserer Zusammengehörigkeit widerspricht. Glaubst du, du könntest es dann wagen, zu mir zu kommen und mit mir zu leben?" Jackies Herz machte einen Sprung bei seinen Worten. Sie nickte schwach. Natürlich konnte sie. Er bot ihr bei weitem mehr an, als sie jemals gehofft hatte. "Gut", sagte er erleichtert und grinste sie verliebt an. "Dann werde ich sehen, dass ich alles so schnell wie möglich geregelt kriege und dann machen wir uns konkrete Gedanken darüber, wie unsere gemeinsame Zukunft aussieht. Zum Glück gibt es ja Laptops und Wireless Lan. Du wirst deinen Job also nicht aufgeben müssen." Jackie lachte auf und umarmte Russ glücklich. Der Kuss, der dann folgte, gab ihr die Gewissheit. Es spielte keine Rolle mehr, was kam oder ihnen noch bevorstand. Sie wusste jetzt, dass er früher oder später ihre Zukunft sein würde. Mit diesem  Wissen in ihren Herzen liebten sie sich in dieser Nacht bis zur völligen Erschöpfung und die Dämmerung schaute schon durch das kleine Fenster, als sie schließlich ausgelaugt und glücklich Arm in Arm einschliefen.

 

 

20. Kapitel            Nachrichten               

Die Bombe platzte am nächsten Morgen. Reichlich verschlafen und noch ziemlich geschafft, hatten sie sich aus dem Bett und unter die Dusche gequält. Das kalte Wasser hatte gut getan und nachdem alle Sachen wieder in den Seitentaschen verstaut waren, freuten sich Jackie und Russ auf einen starken Kaffee. Die Sonne schien hell und es versprach ein herrlicher Tag zum Fahren zu werden, als sie Hand in Hand in den Garten gingen, wo die anderen schon beim Frühstück saßen. Doch kaum waren sie an den Tisch getreten, als alle Gespräche abrupt verstummten. Jackie stutzte und nervös suchten ihre Augen Mark. Sie erschrak als sie den traurigen Ausdruck in seinem Gesicht bemerkte. "Ich dachten wir sind Freunde und vertrauen einander", sagte er anklagend, während er ihr nur stumm die Tageszeitung entgegenhielt. Verständnislos sah sie ihn an, bevor ihr Blick auf die Schlagzeile fiel. 'Hollywoodstar frei von Anklage' stand dort fett auf der ersten Seite zu lesen und darunter - ein Bild von ihr und Russ auf dem Rathausmarkt. Ihr wurde schlecht und bevor ihr die Beine versagten, ließ sie sich auf die Bank sinken. Mit zitternden Fingern suchte sie den entsprechenden Artikel.

Seit längerem kursieren bereits Gerüchte über die Verwicklungen des Hollywoodstars und mehrfachen Oscar-Preisträger Russell Crowe in die betrügerische Spekulationen eines Bekannten. Nun meldete die Staatsanwaltschaft in Sydney erste konkrete Ergebnisse. unter anderem auch die Verhaftung des bislang flüchtigen Mitchell Bowers. Wie ein Polizeisprecher jetzt bestätigte, hat Bowers ein umfassendes Geständnis abgelegt, das auch den letzten Verdacht einer Beteiligung des beliebten Schauspielers ausräumt. Der Beginn der Verhandlungen ist auf nächsten Mittwoch fest gesetzt. 

Crowe, der in diesem Verfahren als Kronzeuge aussagen wird, hält sich derweil in Deutschland auf, wo er sich in den Armen der renommierten Webdesignerin Jaqueline Melzer von der nervenaufreibenden Hetzjagd der vergangenen Wochen erholt. 

Jackie sank in sich zusammen. Verzweifelt verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen. Die Zeitung entglitt ihr. Aus der Traum! Die Presse wusste von ihnen. Sie würden nicht mehr einen Schritt ohne Beobachtung machen können. Vorbei auch ihr Plan, eine Weile zu warten, bis die Aufregung sich gelegt hatte, bevor Russ ihre Liaison  offiziell bekannt geben wollte. Sie hatten gehofft, es noch eine Weile geheim halten zu können. Mit Grausen dachte Jackie an Maggies Reaktion. Ein Verhältnis mit einem Kunden war so ziemlich das Unprofessionellste , was es gab. Wenn sie Pech hatte, könnte dies das Ende ihrer Karriere bedeuten. Dabei hatte heute nacht alles so einfach ausgesehen. Mühsam rang sie nach Luft, um die Übelkeit zu unterdrücken.

Russ hatte sich neben sie gehockt und nach der Zeitung gegriffen. Seine Züge verhärteten sich und in seinen Augen blitzte es gefährlich auf, als er die Überschrift und das Foto entdeckte. Sanft strich er Jackie übers Haar. Es tat ihm weh, sie so verletzt zu sehen. "Honey, kannst du mir bitte übersetzen, was da steht?", fragte er leise. Jackie schaute auf und in ihren Augen schwammen Tränen, als sie ihm stotternd den Artikel ins Englische übersetzte. Er hasste sich dafür, ihr das anzutun, aber er musste wissen, wie viel die Presse heraus gefunden hatte. Als Jackie endete, zog er sie tröstend in seine Arme und redete beruhigend auf sie ein. Ihre Reaktion irritierte ihn ein wenig, aber das Wichtigste war, sie hatten Mitch und er hatte gestanden. Erleichtert  drückte er Jackie an sich. Er musste sofort zurück, aber nun würde alles gut  werden. Ein paar Wochen vielleicht und das leidige Thema wäre endlich beendet. Dann könnte er Jackie zu sich holen und wieder zu leben beginnen. Zuerst würde er aber Mark und der restlichen Gruppe reinen Wein einschenken müssen. Er musste sicher sein, dass Mark sich um Jaqueline kümmern würde, solange er in Australien war. Er atmete tief durch und erhob sich dann energisch. Entschlossen steuerte er auf Mark zu und stellte sich so vor ihm hin, dass er sowohl seinem Gastgeber wie auch den übrigen Leuten ins Gesicht sehen konnte. Mark musterte ihn abwartend. "Ich glaube, ", begann Russ, "ich bin euch eine Erklärung schuldig." "Das denke ich auch.", erwiderte sein Gegenüber lauernd. Doch bevor Russell weiter sprechen konnte, platzte Melle aufgeregt heraus. "Stimmt das? Bist du wirklich der Russell Crowe?" Russ lächelte schwach und nickte. Dankbar nahm er von Lisa den Becher Kaffee entgegen, den sie ihm hinhielt, um sich dann um ihre Freundin zu kümmern und sie tröstend in den Arm zu nehmen. Russ nahm einen tiefen Schluck und fühlte, wie das warme Getränk seine Kehle herunter rann. Er war mittlerweile überzeugt davon, dass seine Begegnung mit Jackie Schicksal war. Sie war die Frau , die er immer gesucht hatte und mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte. Diese Leute hier hatten ihm geholfen sein Vertrauen in die Menschen wieder zufinden und gehörten fortan dazu. Ihre Freunde von seinen ernsten Absichten zu überzeugen, war daher der erste Schritt. Als er die Tasse absetzte, brannte ein kleines Feuer in seinen Augen.

"Ja", sagte er an Melle gewandt, "Ich bin Russell Crowe. In erster Linie Schauspieler und zur Zeit ziemlich erfolgreich. Nebenbei bewirtschafte ich mit Unterstützung meiner Familie eine Ranch etwas nördlich von Sydney und habe zusammen mit ein paar Jungs eine Band, die in Australien ziemlich populär ist." Die letzten Worte hatte er an Mark gerichtet. "Ich möchte mich bei dir und bei allen anderen entschuldigen. Wie du siehst habe ich dich nicht belogen, wohl aber einiges weg gelassen. Dafür durfte ich es einen Tag lang genießen, einfach ich selbst zu sein und auch so akzeptiert zu werden. Dafür bin euch allen sehr dankbar. Es tut mir leid, wenn du dich durch dieses Verhalten von Jackie und mir hintergangen fühlst. Das war nie unsere Absicht und ich kann dich nur bitten, mir zu glauben, das das mein Ernst ist, mate!" Auffordernd streckte er Mark die Hand hin. Es schien endlos zu dauern, bis dieser endlich einschlug. Erleichtert atmete Russ innerlich auf. "Dir ist schon klar, dass ich das Ganze mit dir und Jackie jetzt etwas genauer wissen möchte. Schließlich habe ich nicht jeden Tag einen derart berühmten Gast.", konstatierte der Ältere grinsend. Russ nickte ergeben und berichtete dann kurz, wie er und Jackie sich zum ersten Mal begegnet sind und sich schließlich ineinander verliebt hatten. "Das mit Jackie und mir ist weder eine Romanze noch ein kurzer Flirt." endete er ernst. "Wir haben vor zusammen zu bleiben. Ich wollte Jackie nur die Schmutzattacken und Spekulationen der Presse ersparen." Er war vor Jackie getreten und nahm ihre Hände. Bereitwillig ließ sie sich in die Arme nehmen und schmiegte sich an ihn. Er hob ihr Kinn leicht an und sah ihr tief in die Augen. "So oder so", fuhr er leiser fort, "du bist die Frau , die ich von ganzem Herzen liebe und ich werde tun, was ich kann, um dich vor diesen Geiern da draußen zu beschützen, okay?" Seine Kraft tat ihr gut und die Zärtlichkeit, die aus seinem Blick sprach, wärmte ihr Innerstes. Sie straffte die Schultern und nickte. Früher oder später hätte sie sich eh der Öffentlichkeit stellen müssen, wenn sie mit ihm zusammen bleiben wollte. Sie hatte den ersten Schock verwunden und war wieder sicherer. So lange sie einander hatten und zusammen waren, konnten sie alles bewältigen. Wortlos drückte sie Russ einen Kuss auf. Dann ging  sie zu Mark und umarmte ihn herzlich.  "Verzeih mir bitte.", sagte sie schlicht. Als der Freund ihre Umarmung erwiderte, schien ihre Welt vorerst wieder hergestellt.

* * * * *

Russ hatte sich mit seinem Handy bewaffnet zurück gezogen. Er wollte einige dringende Telefonate erledigen und mit seiner Agentin abstimmen, was jetzt am Besten zu tun sei. Jackie blieb derweil bei den anderen und versuchte ein wenig zu frühstücken. Kaum war Russ außer Sichtweite bestürmten die Freunde sie schon mit Fragen. Mechanisch antwortete sie, war aber in Gedanken ganz woanders, Wie würde es wohl weiter gehen? Mit Russ an ihrer Seite schien alles so einfach zu sein. Sollte er alleine nach Australien zurück kehren, würde er bereits nach dieser kurzen Zeit eine ziemliche Lücke hinterlassen. So recht wusste sie nicht, wie es ihr gelingen sollte, ohne ihn einfach weiter zu machen wie bisher. Und jetzt da die Presse von ihnen wusste und ihr Name in der Zeitung stand, würde sie um ihre Glaubwürdigkeit bei den Kunden hart kämpfen müssen. "Sofern ich denn noch einen Job und Kunden habe", dachte sie zynisch. Mit Grausen dachte sie an Maggies Reaktion. Sie hatte nicht den Schimmer einer Ahnung, wie ihre Chefin reagieren würde. So gern sie ihren Schützling auch haben mochte, wenn es ums Geschäft ging, war diese Engländerin knall hart. Jaqueline erinnerte sch an Maggies Warnungen. Sie hätte auf sie hören sollen...." Nein!" wies sie sich innerlich zurecht. Nicht eine Sekunde der gemeinsamen Zeit mit Russ wollte sie missen. Er hatte ihr gezeigt, dass sie noch in der Lage war zu lieben und geliebt zu werden. Sie fühlte sich so lebendig, wie schon seit Jahren nicht mehr und alleine diese Erfahrung war den Einsatz wert. Was auch immer kommen würde, niemand konnte ihr die Erinnerungen nehmen. Sie gehörten ganz alleine ihr. Davon würde sie zehren können. "Du hast gewusst, worauf du dich einlässt. Jetzt steh' es gefälligst mit Anstand durch", brachte sie ihre Gedanken auf den Punkt. Aber sie konnte nicht verhindern, dass ein starkes Ziehen in ihrer Brust sie auf den kommenden Schmerz aufmerksam machte.

 

 

21. Kapitel            Trennung               

Russ Augen schienen dunkler als sonst und seine Miene hatte etwas Finsteres, als er wieder an den Tisch trat. Er griff nach Jackies Hand und zog sie hoch. "Ich muss mit dir reden. Allein", sagte er eindringlich. Schweigend folgte sie ihm ins Wohnzimmer und versuchte sich für das Kommende zu wappnen. Sie sah ihm an, dass es nichts Gutes sein würde, was er ihr zu sagen hatte. Er blieb mit dem Rücken zu ihr stehen. "Ich habe mit Wendy gesprochen," begann er stockend. "Sie sagt, die Zeitungen zu Hause sind voll mit den Meldungen. Die Pressemaschinerie ist bereits in vollen Gange. Ich kann mich nicht länger davor drücken, sondern muss die Gunst der Stunde nutzen, um mein Image wieder herzustellen. Eine schlechte Presse kann ich mir auf Dauer nicht leisten." Jackie hörte einfach zu. Er hatte recht, also gab es nichts zu sagen. "Die Verhandlung beginnt am Mittwoch und ich muss anwesend sein.", fuhr er fort und drehte sich langsam zu ihr um. Behutsam fasste er ihre Hände.  "Im Klartext heißt das, ich muss so schnell wie möglich zurück. Wir werden unsere weiteren Planungen also verschieben müssen, bis diese leidige Angelegenheit erledigt ist. Solche Prozesse dauern erfahrungsgemäß leider recht lange.", er räusperte sich, "Es kann also eine Weile dauern, bis ich dich holen komme."

Jackie hatte das Gefühl, als hätte ihr jemand in den Magen geschlagen. Seine Worte hörten sich an, als wolle er sie vertrösten. War alles doch nur ein Spiel? Hatte er sie nur benutzt, um sein Ego wieder aufzubauen? "Geschieht dir ganz recht", schrie ihre innere Stimme sie an. "Was verlierst du dich auch in Träumen, die deine Möglichkeiten übersteigen?" Und doch  - die Angst , ihn bereits jetzt verloren zu haben, trieb ihr die Tränen in die Augen. Verzweifelt versuchte sie ihren Kummer herunter zu schlucken - umsonst! Der Verlust war zu stark. Sie entzog ihm ihre Hände und wand sich ab. "Dann wünsche ich dir einen guten Heimflug und viel Glück. Danke für die gemeinsame Zeit. Leb wohl." Jackie schickte sich an zu gehen. Sie musste hier weg - sofort. Alles in ihr schrie danach, endlich mit ihrem Schmerz allein zu sein. Sie wollte nicht, dass er sah, wie sehr sie litt.

Russ aber ließ es nicht zu. "Oh nein", sagte er so laut, dass es beinahe ein Aufschrei war. Mit einem Satz war er bei ihr und zog sie in seine Arme. "Ich lass dich so nicht gehen. Hast Du so wenig Vertrauen zu mir? Nur weil ich zurück muss, heißt das noch lange nicht, dass ich dich aufzugebe. Jackie bitte" er zwang sie, ihn anzusehen, "sag mir, dass du den Glauben an uns nicht verlieren wirst. Sag mir, dass du mir etwas Zeit gibst, die Dinge zu regeln und dann zu mir kommst. Bitte sag es mir. Ich darf und will dich nicht verlieren." Sein Blick hatte etwas Flehendes und wieder einmal glaubte Jackie in diesem Meer aus grün und Blau zu versinken. Sie konnte nicht mehr und die Tränen schossen aus ihren Augen. Heftig schüttelte sie den Kopf. "Warum tust du das?", fuhr sie ihn an. "Warum hältst du mich auf und lässt mich nicht einfach aus deinem Leben verschwinden? Alles kommt genau so, wie ich es geahnt habe. Also geh' doch einfach zurück. In einem Monat spätestens hast du mich vergessen. Leb' dein Leben weiter, Russell Crowe, aber nimm' mir nicht auch noch meine letzte Würde." Ihre Verzweifelung paarte sich mit  Wut. Wut auf sich selbst, auf das Leben, auf ihn. Ohne es zu bemerken, begann sie gegen seine Brust zu trommeln, aber Russ zog sie nur noch fester an sich heran. Er hielt sie in seinen Armen, bis sie sich schließlich in ihre Trauer fügte und sich zitternd den Tränen ergab. Es war noch nicht lange her, da hatte sie ihn gehalten und getröstet. Nur konnte sie damals absolut nichts für den Grund seines Schmerzes. Sie war einfach da gewesen, hatte ihn vergessen lassen. Nun konnte er ihre Verzweifelung spüren,  wohl wissend, dass er der Anlass für ihren Kummer war. Er konnte ihre Angst verstehen. Sie hatten nur so wenig Zeit gehabt und doch war so vieles zwischen ihnen geschehen. Er wollte ihr nicht weh tun. Leise begann er zu sprechen. "Jackie, bitte hör mir zu. Ich wünschte es gebe einen anderen Weg, aber es gibt leider keinen. Ich muss zurück und zwar noch heute." Er stockte und spürte, wie ein Schauer durch ihren Körper lief. "Wenn es ginge, würde ich dich gerne sofort mit nehmen, aber so schnell bekommst du kein Visum." Er seufzte. "Zuhause reden sich die Medien die Köpfe heiß und jeder Tag, den ich nicht da bin, ist eine verpasste Gelegenheit. Ich kann und darf das, schon wegen uns beiden, nicht zulassen." Jackie spürte, dass er noch etwas sagen wollte, aber er verkniff sich weitere Erklärungen. Es war unnötig, sie noch mehr mit seinen Sorgen zu belasten. "Jedes Wort, dass ich dir gesagt habe, ist wahr. Ich liebe dich und werde alles tun, um so schnell wie möglich wieder bei dir zu sein." Ihr Zittern ließ etwas nach bei seinen Worten und eindringlich fuhr er fort. "Bitte, gib uns nicht auf. Ich möchte wissen, dass du auf mich wartest." Er hielt sie so fest, dass ihr fast die Luft weg blieb. Sie gab nach, befreite ihre Hände und schmiegte sich an ihn. Still standen sie da  und suchten Trost und Kraft in der Nähe des anderen. Es dauerte lange, bis sie Russ ansah. Forschend war ihr Blick und doch voll Zärtlichkeit, als suchte sie die Wahrheit in seinem Gesicht zu lesen. Endlich nickte sie "Okay, ich werde warten."

Erleichtert atmete Russ aus und küsste sie stürmisch. Jackie konnte nicht anders. Sie ließ es zu, verlor sich in seinen Armen und seinem Kuss, verzweifelt darum bemüht, jede Sekunde in ihr Gedächtnis zu brennen. Es würde für lange Zeit das letzte Mal sein, dass sie ihm so nah war.

Sie hatten sich gefangen, hielten sich aneinander fest, als sie schließlich den weiteren Ablauf besprachen. Sie würden Mark bitten, Russ zurück nach Hamburg zu bringen. Er würde seinen Koffer aus dem Hotel holen und sofort zum Flugplatz fahren, wo ein Privatjet auf ihn wartete. Sie waren überein gekommen, dass Jackie ihn nicht begleiten würde. Der Abschied war so schon schwer genug und sie wollten der Presse nicht noch mehr Zündstoff liefern. Stattdessen wollte Jackie an dem ursprünglichen Plan fest halten und auf die Inseln fahren. Sie brauchte Abstand und etwas Zeit für sich selbst. Schnell war das Notwendigste erledigt und nachdem Mark und die anderen eingeweiht waren, war der Augenblick des Abschieds gekommen. Sie verabschiedeten sich von den Freunden und standen sich schließlich gegenüber. Zärtlich fuhr Russels Hand über ihr Gesicht. "Fahr vorsichtig, hörst du. Ich brauche dich noch." Sie nickte. "Halt du dich nur an dein Versprechen und vergiss mich nicht", flüsterte sie ihm zu. "Niemals", gab er zurück und küsste sie kurz. Dankbar lächelte Jackie ihn an. Hätte er sie jetzt in den Arm genommen, sie hätte ihn nicht mehr loslassen können. Gewaltsam wendete sie sich ab und schwang sich auf ihre Maschine. Ohne sich umzusehen fuhr sie los. Das geschlossene Visier verbarg ihre Tränen, als sie den Weg nach Norden nahm.

Russ schaute ihr hinterher, bis Mark ihn ansprach. "Wir müssen auch los", sagte er leise, "Deine Maschine wartet." Russ nickte schwer. Als sie eingestiegen waren, sah er den Mann an, der in so kurzer Zeit ein Freund geworden war. "Mark, bitte pass' auf sie auf, bis ich wieder da bin." "Worauf du dich verlassen kannst, Kumpel.", kam prompt und trocken die Antwort.

Drei Stunden später startete seine Maschine. Russ schloss die Augen, als sie Hamburg Richtung Süden überflogen. Er konnte sich nicht erinnern, wann ihm eine Abschied zum letzten Mal so schwer gefallen war. Einzig das Bild, das langsam vor seinem inneren Auge entstand, spendete etwas Trost. Ein schwarzes Motorrad, dass sich stetig  Kilometer für Kilometer durch die norddeutsche Tiefebene bewegte, gefahren von der Frau, die ihm in Erinnerung gebracht hatte, was es hieß, aus ganzem Herzen zu lieben.

 

 

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