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3
Ich dachte, ich seh nicht recht, als Caelin
plötzlich auf der Terrasse stand. Es war nicht der erste Moment dieser Art
innerhalb einer Stunde. Meine Nerven waren dermaßen überspannt, dass ich in
hysterisches Lachen ausbrach. Es war die Art Lachen, wenn dir ein Kran
einen Container auf dein neues Auto fallen lässt und du erfährst, dass die
Baufirma pleite und nicht versichert ist.
Oder, wenn du erbost bei deiner alten Firma gekündigt hast, den neuen Job
sicher wähnst und dich der Anruf erreicht, dass man sich jetzt doch für
jemand anders..
Dieser Moment, wenn du so wütend und hilflos und ratlos bist, dass nur noch
Schreien hilft. Oder Lachen. Oder ein hysterischer Heulanfall.
Oder alles in dieser Reihenfolge. Oder wie auch immer.
Den letzteren hatte ich im Anschluss. Ohne nennenswerte Pause.
Mein Gegenüber stand wie ein begossener Pudel im Wohnzimmer.
Caelin stand mit offenem Mund auf der Terrasse.
Ihr Rucksack war ihr aus den Händen geglitten, sie gestikulierte.
Monate
waren vergangen seit Jacks ‚Heimkehr’. März, April, Mai, Juni.
M&C hatte zwar weniger Preise bekommen als erwartet... egal.
Ich habe bereits berichtet, was geschah. Und dass ich lange brauchte, damit
klar zu kommen. All meine Befürchtungen waren eingetroffen.
Ich hatte gewusst, dass ich leiden würde, hatte mich aber dennoch darauf
eingelassen.
Die einzige Therapie war totaler Entzug.
Die M&C DVD war längst auf dem Markt. Ich konnte sie nicht ansehen.
Von Dors hatte mir die Bilder vom Faschingsball geschickt, zwei Wochen
danach.
Ich bekam einen Heulanfall, als ich sie durchsah und verbannte sie.
Ich mied alles, was mit M&C zusammenhing. Crowe drehte seit Ende April
Cinderella Man und sah so anders aus, dass ich es verkraftete, wenigstens
das zu verfolgen.
Es war eher langweilig. Ein dünner, bartloser Crowe mit Frau und Kind in
Anhang...
Whatever..
Jack hatte mir anfangs gefehlt, wie kein Kerl mir nach Monaten Beziehung
bisher gefehlt hatte. Und das nach zwei Wochen, von denen anfangs drei
Tage Krieg geherrscht hatte.
Und zwischendurch auch noch...
Ich hätte einfach nichts mit ihm anfangen sollen... vom ersten Tag hatte ich
mich dagegen gesträubt. Es hatte alles nichts genützt. Er war viel zu sehr
der Mann meines Herzens, mit all seinen Macken und kleinen
Unvollkommenheiten. Seinem Witz und einmaligen, ironischen Charme. Nach
einem holprigen Anfang waren wir uns ziemlich nahe gekommen...
Er wäre mir wahrscheinlich bald auf den Seiher gegangen, wie bisher jeder
andre auch, aber dazu kam es erst gar nicht.
Ich erlebte nur den Rausch der ersten Tage und nicht den ALLTAG.
Wenn er wieder den Spüler nicht geleert und nicht eingekauft hat. Die
Zahnpasta... Und die Klobrille... nein, das ist zu sehr Klischee.
Jack war eh Sitzpinkler. Wer hätte das gedacht.
Aber seine langen Haare ließ er immer im Siphon. RRRRRRR.
Ich erlebte nur die ‚Flitterwochen’. Gekrönt von einem historischen Ball und
vielen, kleinen Dingen, an die ich mich nicht erinnern will, denn sie
erinnern mich nur an ihn.
Ich will ihn nicht vergessen, um alles in der Welt.
Aber ich will mich auch nicht mehr so mörderisch nach ihm sehnen.
Es bringt mich um.
Es hätte sicher auf Dauer nicht funktioniert, aber wenn es irgendeine
Möglichkeit gegeben hätte, hätte ich ihn dabei unterstützt in meiner Welt
Fuß zu fassen.
Gleichgültig wohin sein Weg ihn geführt hätte.
Es gab keine.
Ich kämpfte mich durch die Tage und Wochen, betäubte mich mit Arbeit und
indem ich diese Geschichte schrieb. Es mir von der Seele schrieb.
Goldilocks.
Es als schräge komödiantische Lovestory mit melancholischem Ausgang
verkaufte.
Ich erzählte es Caelin. Zunächst glaubte sie mir nicht. Wie sie, habe ich
viel Fantasie und ein enormes Vorstellungsvermögen. Vielleicht war ich ja
übergeschnappt, halluzinierte?
War meine Obsession mit mir durchgegangen, hatte mich in eine Art Psychose
getrieben, unter deren Einfluss ich am Ende glaubte, was ich kreiert hatte?
»Aubrey???« hatte sie zweifelnd gefragt. »Aubrey hat dich nie sehr
inspiriert. Es war doch immer der gute alte Max... du hast ständig Witze
gerissen darüber wie Aubrey aussieht. Irgendwas ist hier faul...«
Dann schickte ich ihr die Fotos vom Ball.
Sie hat ‚Goldilocks’ Korrektur gelesen wie sie es auch bei ’Im Schatten der
Wölfin’ getan hat. Ich war mir unsicher bei den ‚delikaten’ Teilen.
»Wenn es dir wichtig ist, tu es. Niemand weiß, dass es nicht bloß erfunden
ist. So war es ja gedacht. Eine Fiktion, beruhend auf und inspiriert von
zwei Filmen. Ich hatte nie ein Problem mit deinen Szenen ab 18. Du bist
schließlich nicht Martha, weißt wo man aufhört. Oder was man andeutet, aber
nicht ausspricht. Meistens jedenfalls. Solange es dir nicht peinlich ist...«
In einem Anfall von ’wasweißich’ hatte ich später gewagt ein erotisches
Tagebuch zu beginnen und es unter dem Deckmantel der Fiction zu
veröffentlichen.... nach dem dritten oder vierten Update zog ich den Schwanz
ein. Es war eine Art Hilferuf gewesen.
Schreibtherapie. Und es war ein Fehler sich zu exhibitionieren .
Mich selbst und andere.
Als der
Sommer begann, begann auch mein Herz zu heilen. Ich konnte mit einem
wehmütigen Lächeln an Jack denken, ohne zu weinen. Ich konnte über seine
ungeheure Verfressenheit lachen und seine Vergesslichkeit, was Unterwäsche
anging. Seine bezaubernde Naivität und seine erstaunlich moderne Art Dinge
anzugehen. Seine Sturheit, seine Machoallüren und seine Antipathie gegen
den, der ihn verkörpert hatte.
Wie er mich immer wieder kalt erwischt hatte, der Blödmann.
Ich konnte mich daran erinnern, wie er mich angeschaut hatte, sein Haar sich
angefühlt, sein Körper, wie seine Stimme geklungen hatte, an seinen Geruch.
Ohne Tränen. Mit Wehmut. Aber auch mit langsam wachsender Dankbarkeit.
Es hatte viel von Trauerarbeit.
Ich war auf den Weg der Genesung.
Zwei Tage vor meinem 42. Geburtstag entschied ich, dass ich reif war die M&C
DVD anzusehen. Jack wiederzusehen. Die neue DVD der Band kannte ich längst.
Crowe hatte jetzt wenig Ähnlichkeit mit Jack, und auf dieser
Singleauskopplung wäre man nie darauf gekommen, dass er ihn verkörpert haben
könnte.
Das hatte nichts mehr mit Jack zu tun.
Zunächst verkrampfte sich alles in mir. Dann, nach ein paar Minuten, wurde
es besser. Ich konnte es genießen. Leider klingelte mittendrin das Telefon.
Ich ließ den Film einfach weiterlaufen, quatschte mindestens eine Stunde mit
einer Bekannten. Ich war sehr gelöst, weil es schien, als hätte ich es
überwunden.
Die Bekannte hatte mich deswegen angerufen. Ich hatte sie im Glauben
gelassen, ich verarbeite eine beendete Beziehung. War ja nicht ganz gelogen.
Wir waren früher eng befreundet gewesen, sie kannte mich gut genug, um zu
wissen, das ich leiden würde wie ein Vieh. Ich kann da jeden Wettbewerb
gewinnen.
Masochisten aller Länder, vereint Euch.
Manchmal hasse ich mich WIRKLICH. Ich beneide diese Frauen, die Männer
ablegen, wie Männer Frauen ablegen. Und ich verachte sie. Wenn ich was an
Crowe mag, dann, dass er offensichtlich gelitten hat, wenn seine Beziehungen
zu Ende gingen.
‚... I feel like crying..’ schrieb er in einem
Song über einen Abschied.
Wie
erwähnt, der Film lief weiter. Ich warf ab und an einen Blick darauf.
Ich konnte Jack ansehen, ohne mich in Agonie zu winden. HEUREKA.
Erleichtert wandte ich mich wieder dem Telefonat zu, quatschte lange,
animiert und lautstark mit der Anruferin.
Bis dieses komische Sirren begann.
Und dieser Geruch... wie wenn etwas schmort..
„Ich muss Schluss machen, ich habe den Verdacht meine Glotze schmort
durch... Sorry!!!!“
Ich knallte den Hörer auf.
Das Sirren wurde lauter.
Ich wagte mich nicht näher ran. Das Bild flackerte. Es stand.
So ein Mist!! Was tun?? Was tun??
‚Die Sicherung. Mach die Sicherung raus!!! Der Fernseher fackelt noch die
Hütte ab!’ Bevor ich mich abwenden konnte, in Richtung Sicherungskasten, sah
ich es.
Etwas
kaum aus dem Bildschirm
Etwas
Schwarzes, längliches.
???????????????????????????????????????????????
Aliens?
Ich war
völlig paralysiert, konnte nur hinstarren. Es wurde größer. Als würde es
gezoomt.
Je weiter es draußen war, desto größer.
Völlig geschockt und gebannt starrte ich das Objekt an.
Nein. Das konnte nicht sein.
Es war ein Stiefel.
Ein schwarzer Stiefel, der langsam in ein hellbehostes Bein überging. Ich
klammerte mich an die Sofalehne. Das Bein wurde länger, größer, der Fuß
suchte prüfend Halt auf dem Teppich, dann erschien ein zweiter Stiefel. Auch
er wuchs, als er den Monitor verlassen hatte, gefolgt von einem Arm und dem
dazugehörigen Rumpf, dann der andre Arm.
Ganz zum Schluss erschien der Kopf, wie wenn man sich durch eine Tunnel
hangelt.
Erst die Beine, dann der Rumpf und die Arme und endlich der Kopf.
JACK. Es
war Jack----------------------
JACK?????????????
Es war
albern, aber ich reagierte wie beim ersten Mal.
Blackout. |
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4
Als ich zu mir kam, lag
ich auf dem Sofa. Mein Kopf tat übel weh. Jack beugte sich besorgt über
mich. Ich starrte ihn drei Sekunden fassungslos an, dann spürte ich, wie
mein Frühstück nach oben wanderte. Ich presste mir die Hand vor den Mund,
drängte ihn beiseite.
Mir war sterbensschlecht. Ich schaffte es gerade noch aufs Klo.
War es der Schreck oder hatte ich eine Gehirnerschütterung, weil ich
gefallen war?
Meine linke Seite fühlte sich gar nicht gut an.
Klopfen.
»Helga, dear? I am so sorry! Is it bad? Can I do anything?«
Ich spülte mir den Mund, putzte mir die Nase, nachdem ich alles
herausgewürgt hatte.
»Please, get me some water«, ächzte ich. Ich
hasse Kotzen. Der Mann versaute mir total den Schnitt von einem Mal alle
fünf Jahre. Das war das vierte Mal seit Jahresbeginn.
Jack... Jack war wieder da. Ich konnte es nicht fassen.
Und ich wollte gar nicht dran denken, warum er hier sein könnte. Ich
war mir so sicher gewesen, dass er alles vergessen hatte. Eigentlich hatte
ich den Test machen und den Film nach ein paar Wochen noch mal im Kino
anschauen wollen, aber ich war nicht imstande.
Ich war nicht stabil genug, vernünftig zu handeln. Es hätte dasselbe wieder
passieren können und diesmal gab es keine Kopie mehr in Wolfenbüttel im
Cinestar, in die er kurz vor Torschluss verschwinden konnte.
Ich wankte aus dem Klo. Er fing mich förmlich auf, setzte sich mit mir aufs
Sofa und drückte mir ein Glas Wasser in die Hand. Ich trank. Er wusste noch
wo die Gläser sind und das Wasser stand. O-O. Nix mit Gedächtnisschwund.
Nachdem ich das Glas hingestellt hatte, fand ich mich in einer stürmischen
Umarmung wieder, die mir die Luft nahm.
»Oh, dear, so nice to see you! Forgive me causing you
such a start.. I couldn’t figure out what would
happen.« blubberte er aufgeregt, versuchte mich zu küssen. Ich wandte
den Kopf ab.
»Please, I surely taste of vomit.. I am sorry…«, erklärte ich. Er fixierte
mich unsicher.
»I must look like shit..«, murmelte ich verlegen. Nach dem Kotzen ist man ja
immer ein erfreulicher Anblick. Das hatten wir doch schon mal...
Er dagegen sah gut aus. Gebräunt, saubere Klamotten, wohlgenährt wie eh und
je.
Seine knuddelige Wamme drückte vertraut gegen meinen Arm.
Das Aroma von Pulver, Teer, Tabak, frischer Seeluft und gesundem
Männerschweiß umgab ihn. Wie damals im Kino. Wenn ich nicht so daneben
gewesen wäre, hätten die mich umschwirrenden männlichen Pheromone sicher
ihre Wirkung getan.
Ich bin sicher, wir wären höchstens zwanzig Minuten später in der Kiste
gelandet.
Bevor er hatte gehen müssen, waren wir Freunde geworden. Richtig gute
Freunde.
Bevor wir wirklich Freunde wurden, einander respektierten, stritten wir,
ärgerten einander und hatten Sex. Abwechselnd. Manchmal synchron.
Das Streiten ließ nach, die Anziehung nicht.
Irgendwie passten wir zusammen. Bis auf die leidige Tatsache, dass er eine
Illusion mit zweiwöchigem Verfallsdatum in der Realität war und ich ein
Mensch aus Fleisch und Blut.
»Jack, why are you here?? What happened?? How did
you…..?« kam ich allmählich zum Kernpunkt.
Er räusperte sich, blinzelte ein wenig, dann erklärte er: »I came to take
you with me.«
BAMMMMMMM
»What? Where? How? Jack, are you nuts? I can’t go
with you.. I don’t belong there and ..«
Er verzog den Mund auf eine Art, die ich sehr gut kannte.
Na, toll. Wie immer. Keine zehn Minuten und wir haben uns in der Wolle.
»You don’t want to or you don’t dare?« wollte er verdächtig ruhig wissen.
Mein Hirn rotierte. »I am a human being. What will happen
to me ‘there’? Do you have any idea? This is silly!« Seine Lippen
waren zu einem Strich zusammengekniffen. Er war sauer. Dieselbe alte Leier.
Eigentlich hatten wir das doch hinter uns... er fiel zurück in seine alten
Gewohnheiten:
Die Frau versteht mich einfach nicht.
»And if I don’t like it? Can you bring me back? Did you reflect this, Jack?
I am not used to be on a ship. I am not used to sailing. I puke after
flying, I get dizzy after waltzing. What will you
tell the crew?« versuchte ich ihm sanfter meine Bedenken zu erläutern.
Du liebe Güte. Wie hatte er mich überhaupt gefunden??
Er saß stocksteif neben mir, schnaubte entrüstet vor sich hin. Ich musste
ihn einfach umarmen, küsste ihn auf die stoppelraue Wange.
Liebe Güte.
Der Mann, der mir unfreiwillig fast das Herz gebrochen hatte, saß wieder auf
meinem Sofa.
Auf ‚seinem’ Sofa. Dieses Sofa hätte Geschichten erzählen können... Ich riss
mich zusammen.
»Jack, forgive me. It is so amazing to have you here
again. But you must know, it took me some time to get over it. I was just
ready to watch you on DVD. The first time I watched it and this happens…
tell me, what is going on? How did you know? How did you manage to get here?
And HOW shall I accompany you????«
Er sah mich verblüfft an, entspannte sich etwas.
»I will make some
coffee, then, please tell me everything…«, beschloß ich.
»You look different«, stellte er fest.
In der Tat. Ich war mittlerweile etwas erblondet und hatte abgenommen. Im
Gesicht sah man es am stärksten. Liebeskummer war schon immer meine beste
Diät.
Seit einer knappen halben Stunde sprach er davon, was seit seiner
Rückkehr passiert war. Eigentlich nichts ungewöhnliches, außer dass alles
so war wie vorher.
Barbara und ich hatten ihn Sekunden bevor die letzte Szene an Bord
ausgeblendet wird hinter den Vorhang befördert.
Als sie den Film noch mal startete, war Jack tatsächlich wieder im Bild.
Ich brachte keinen Ton heraus. Sie murmelte verblüfft:“ Es hat
funktioniert!“
Er sah etwas verdatterter aus, als er hätte aussehen sollen, aber er zog es
durch. Er wirkte, als habe er etwas vergessen und versuche ständig sich dran
zu erinnern. Er hustete hin und wieder. Ich hatte ihn in den letzten Tagen
mit einer Erkältung angesteckt.
Aber schon nach einer Stunde Film war er ganz der Alte.
Sein gewohntes Umfeld zeigte schnell Wirkung. Er fing an zu VERGESSEN.
Ich war mit Barbara im Vorführraum. Er hatte nur leere Sitzreihen vor sich.
Ich wollte ihn nicht in Versuchung führen, den bereits einsetzenden Prozess
des Vergessens behindern.
»Stell ab. Es hat funktioniert«, murmelte ich. Ich fühlte mich wie ein
Vakuum auf zwei Beinen. Jack war fort. Endgültig. Er hatte so traurig
gewirkt, als er hinter dem Vorhang verschwunden war. Und es tat so weh, dass
er sich bald an nichts mehr erinnern würde.
Gut für ihn. Es reichte, wenn ich darunter litt.
Er hatte sich jedoch erinnern können, das da noch etwas andres gewesen
war...
»Every time I saw the Brazilian Lady, something seemed to
come into my mind, but I wasn’t able to grab it. A familiar feeling of
comfort and delight. And then I heard the voice.«
»Whose voice?« fragte ich dämlich.
»Yours! It took me quite some time to figure out. But
then I recognized the language and the giggle. It hit me like a hammer. I
tried to find out where it came from, it was a sublime but constant sound.
Then I found the source. A big hole behind my toilet, in my cabin. Just a
black nothing. Must have been the place where I left the first time and came
back then. But there was nothing to see. There was no audience, no dark room
behind my horizon.
Then I remembered your discs. I listened to the mumbling and it seemed the
voice was talking to somebody. But there was no answering voice. I
remembered the machine where you could talk to people in other places. The
longer I listened the more I remembered. It was like a swelling stream of
images, sounds and emotions. I remembered.!! Not just those blurry images
and thoughts, it was all cristal clear.
It was like waking up from a dream.
I looked through my telescope, because it was the
only thing I could push a bit inside the hole, hoping to catch a glimpse of
what was behind the gap. It was like lurking into a tunnel, with a tiny
light at the end. It was just a small surface from my perspective. And then
I got it. It must be the monitor of the machine that shows the discs. And
the film must be on a disc which was just running. I shifted and moved the
telescope till I could see the room from different angles. I knew that room.
And then I saw you. You stood
near the table and talked into that other machine..«
»The telephone..«, murmelte ich fassungslos.
»You had looked so sad and depressed when we parted.
I remembered the night in the cinema.
I wanted to know how you are. You never where in the audience any
longer when I realized people on the other side.
I couldn’t remember your looks clearly, but I still had a certain image.
Tall, shoulder length, wavy hair, blue-greenish
eyes, bit darker than mine.
Very female shape. Alto voice, fast speech.
Like a native instinct.
And then the people were all gone«, meinte er vorwurfsvoll.
»The film wasn’t shown any longer. The DVD came out« erklärte ich.
Er nickte, nicht ganz überzeugt. »And you didn’t watch it before?« wollte er
misstrauisch wissen. Ich wusste, worauf er hinaus wollte. Hat sie mich schon
vergessen?
Interessiert es sie vielleicht gar nicht mehr? Interessiere ICH sie nicht
mehr??
Er musste von sich selbst ausgehen. Er hatte vergessen, aber nicht so
gründlich, um nicht durch eine Stimme, vage Erinnerungen neugierig zu
werden. Ich hatte versucht es ihm leicht zu machen. Hatte die Coole
gespielt.
»Jack, I got it as soon as
it was released. But I couldn’t watch it. The memories where too much for me
then. That was the reason I never went to the cinema after you had left. I
had to focus on reality. I had a bit of a hard time«,
erläuterte ich diplomatisch.
Er machte seine drei Dackelfalten. »And why now?« fragte er
argwöhnisch.
»Because I felt
like being over it. And so it was. I could see you without feeling so bad.
And then a friend called. You know the rest.«
»I made you feel bad?« meinte er leise und
schuldbewusst, sah mich unsicher an.
»Not your fault, Jack. To be honest..« Ich
trank einen Schluck Kaffee, druckste ein bisschen herum. »Well.
The memories were too painful then. I missed you so much«
gab ich widerwillig zu.
Die Dackelfalten verschwanden, ein anbetungswürdiges Grinsen zeichnete sich
auf seinem Gesicht ab. Er seufzte erleichtert. »I feared
you wouldn’t agree. Err, how much time has passed since I left?« »More than
four months.«
»Oh, my dear. That much?? To me it felt like a few
days.«, stieß er überrascht hervor.
»So you will come with me?« fing er wieder an.
»Jack, you don’t even know if YOU can return. This is so bizzarre..«,
warf ich ein.
Er sah mich genervt an, ging zum Fernseher. Als er den Monitor berührte,
ertönte wieder dieses Sirren und seine Hand verschwand im Bild. Ich schrie
erschrocken auf.
Er lachte und zog sie wieder raus. »I checked it out as long as you were
knocked out. How dumb do you think I am?« frotzelte er bissig, setzte sich
wieder.
»It’s kind of a suction. And I am sure if you hold my
arm…«
»Forget it, Jack!« widersprach ich. »How can I get back? What happens when
there is no more power? Or the channel changes by accident? Or the player is
put off? By the way, I am not sure if I want to be
on a ship during the 19th century…it is so primitive.. I have to work, care
for my stuff… I can’t just leave…«
»You could at least give it a try!« schimpfte er. »I thought you missed me.«
Er sah mich beleidigt an.“ My cabin isn’t
primitive at all. You should know. “
Diese Mimose von einem Mann. Ich war echt in der Zwickmühle. Ein Teil
von mir wollte ihm um den Hals springen und fragen worauf er noch wartete.
Der größere Rest ließ es nicht zu.
»There are too many question marks. Will it work? Can I
return? How will it affect the movie? Will I SURVIVE???
I expect friends tomorrow. It is my birthday. What shall I say?
Jack, I am so sorry.«, appellierte ich an sein Verständnis. Er war so
stinkig, wie ich ihn je erlebt habe.
“If you hadn’t talked on the phone, I wouldn’t have
realized at all.« polterte er.
Oh, nicht schon wieder die ‚Helga ist an allem Schuld’ Nummer.
»Yes, I know the story. It is all my fault. It was,
it is and will always be. Jack is just the victim. It is all about me«,
blaffte ich zurück.
»I can’t stay here, you know it. And honestly I feel much better on my ship.
I want you to see it all. To spend a bit of time there. You will like it,
maybe enough to stay«, fantasierte er.
»Ah, yes. And I will be very enthused to be gang raped by your crew who
hasn’t seen a skirt in months..« Ich griff nach jedem Strohhalm.
Er schnappte nach Luft, lief rot an... »My crew would never...« dann
überlegte er.
»We’ll disguise you.«
Ich lachte. »With such a rack??« meinte ich zynisch und deutete auf
meine ausgeprägt feminine obere Hälfte. 80 DD.
»And my hips are way too female as well. Jack, you should know. Be prudent.
You could return in a few days if it works the way you think.
Spend a bit of time here. Be my guest once again. I am so
thrilled to see you, have you here. But the timing is wrong.“
schlug ich vor. Ich hatte natürlich keine Ahnung
ob es noch mal gehen würde. Ich war hin und her gerissen.
Das ist eine Untertreibung. ES ZERRISS MICH FAST. Mit das Übelste, das ich
bisher tun musste. Ich war verrückt nach ihm und musste ihn abweisen.
Er schniefte trotzig. »No. It is my turn. I want you to
come with me! I want it to change! It is boring. The same every time. I
didn’t realize before. But now, that I remember,
it is so boring. Like a merry go round. You were so much fun to be with..«
bettelte er fast.
Ich verzog vielsagend das Gesicht. Er wurde tatsächlich rot.
»Jack, you can’t change the movie!! Something odd and awful will happen..«
warnte ich.
War ich mir da sicher?
»You can’t know..«
»It is too dangerous.. Jack be my guest again, any time,
but I am real, I can’t just step into a movie...«
»I didn’t hesitate. The first time and now again. And you won’t even try…«
»I have a life here! If I knew I could come back any time without bad
consequences…understand me..«
»We’ll try, than we’ll know«, meinte er knapp, packte mich am Arm und
zog mich Richtung Monitor.
»No! You’re damn crazy! How could you dare!« schrie ich
entsetzt. Ich hatte eine Scheißangst. »Stop doing that!«
»Try and understand me..«, versuchte Jack es erneut, zerrte weiter an mir.
Ich riss mich panisch los, verschränkte die Arme, um ihm den Zugriff zu
erschweren.
Er schnaubte ungehalten. Dann bekam sein Gesicht einen sehr verblüfften
Ausdruck.
Aber er sah nicht mich an. Etwas hinter mir erregte seine Aufmerksamkeit.
Ein Poltern. Ich drehte mich um. Caelin stand
mit ziemlich ungläubigem Gesicht in der Tür und
winkte etwas desorientiert. Der Rucksack war ihr wohl vor Schreck
runtergefallen.
Sie wollte doch erst morgen…??
Ein hysterischer
Lachanfall angesichts der unsäglichen Situation überfiel mich.
Gefolgt von einer Heulattacke. |