3

 

Ich dachte, ich seh nicht recht, als Caelin plötzlich auf der Terrasse stand. Es war nicht der erste Moment dieser Art innerhalb einer Stunde. Meine Nerven waren dermaßen überspannt, dass ich in hysterisches Lachen ausbrach.  Es war die Art Lachen, wenn dir ein Kran einen Container auf dein neues Auto fallen lässt und du erfährst, dass die Baufirma pleite und nicht versichert ist.
Oder, wenn du erbost bei deiner alten Firma gekündigt hast, den neuen Job sicher wähnst und dich der Anruf erreicht, dass man sich jetzt doch für jemand anders..
Dieser Moment, wenn du so wütend und hilflos und ratlos bist, dass nur noch Schreien hilft. Oder Lachen. Oder ein hysterischer Heulanfall.
Oder alles in dieser Reihenfolge. Oder wie auch immer.
Den  letzteren hatte ich im Anschluss. Ohne nennenswerte Pause.
Mein Gegenüber stand  wie ein begossener Pudel im Wohnzimmer.
Caelin stand mit offenem Mund auf der Terrasse.
Ihr Rucksack war ihr aus den Händen geglitten, sie gestikulierte.

Monate waren vergangen seit Jacks ‚Heimkehr’. März, April, Mai, Juni.
M&C hatte zwar weniger Preise bekommen als erwartet... egal.
Ich habe bereits berichtet, was geschah. Und dass ich lange brauchte, damit klar zu kommen. All meine Befürchtungen waren eingetroffen.
Ich hatte gewusst, dass ich leiden würde, hatte mich aber dennoch darauf eingelassen.
Die einzige Therapie war totaler Entzug.
Die M&C DVD war längst auf dem Markt. Ich konnte sie nicht ansehen.
Von Dors hatte mir die Bilder vom Faschingsball geschickt, zwei Wochen danach.
Ich bekam einen Heulanfall, als ich sie durchsah  und verbannte sie.
Ich mied alles, was mit M&C zusammenhing. Crowe drehte seit Ende April Cinderella Man und sah so anders aus, dass ich es verkraftete, wenigstens das zu verfolgen.
Es war eher langweilig. Ein dünner, bartloser Crowe mit Frau und Kind in Anhang...
Whatever..
Jack hatte mir anfangs gefehlt, wie kein Kerl mir nach Monaten Beziehung bisher  gefehlt hatte. Und das nach zwei Wochen, von denen  anfangs drei Tage Krieg  geherrscht hatte.
Und zwischendurch auch noch...
Ich hätte einfach nichts mit ihm anfangen sollen... vom ersten Tag hatte ich mich dagegen gesträubt. Es hatte alles nichts genützt. Er war viel zu sehr der Mann meines Herzens, mit all seinen  Macken und kleinen Unvollkommenheiten. Seinem Witz und einmaligen, ironischen Charme. Nach einem holprigen Anfang waren wir uns ziemlich nahe gekommen...
Er wäre mir wahrscheinlich bald auf den Seiher gegangen, wie bisher jeder andre auch, aber dazu kam es  erst gar nicht.
Ich erlebte nur den Rausch der ersten Tage und nicht den ALLTAG.
Wenn er wieder den Spüler nicht geleert und nicht eingekauft hat. Die Zahnpasta... Und die Klobrille... nein, das ist zu sehr Klischee.
Jack war eh Sitzpinkler. Wer hätte das gedacht.
Aber seine langen  Haare ließ er immer im Siphon. RRRRRRR.
Ich erlebte nur die ‚Flitterwochen’. Gekrönt von einem historischen Ball und vielen, kleinen Dingen, an die ich mich nicht erinnern will, denn sie erinnern mich nur an ihn.
Ich will ihn nicht vergessen, um alles in der Welt.
Aber ich will mich auch nicht mehr so mörderisch nach ihm sehnen.
Es bringt mich um.
Es hätte sicher auf Dauer nicht funktioniert, aber wenn es irgendeine Möglichkeit gegeben hätte, hätte ich ihn dabei unterstützt in meiner Welt Fuß zu fassen.
Gleichgültig wohin sein Weg ihn geführt hätte.
Es gab keine.
Ich kämpfte mich durch die Tage und Wochen, betäubte mich mit Arbeit und indem ich diese Geschichte schrieb. Es mir von der Seele schrieb.
Goldilocks.
Es als schräge komödiantische Lovestory mit melancholischem Ausgang verkaufte.
Ich erzählte es Caelin. Zunächst glaubte sie mir nicht. Wie sie, habe ich viel Fantasie und ein enormes Vorstellungsvermögen. Vielleicht war ich ja übergeschnappt, halluzinierte?
War meine Obsession mit mir durchgegangen, hatte mich in eine Art Psychose getrieben,  unter deren Einfluss ich am Ende glaubte, was ich kreiert hatte?
»Aubrey???« hatte sie zweifelnd gefragt. »Aubrey hat dich nie sehr inspiriert. Es war doch immer der gute alte Max... du hast ständig Witze gerissen darüber wie Aubrey aussieht. Irgendwas ist hier faul...«
Dann schickte ich ihr die Fotos vom Ball.
Sie hat ‚Goldilocks’ Korrektur gelesen wie sie es  auch bei ’Im Schatten der Wölfin’ getan hat. Ich war mir unsicher bei den ‚delikaten’ Teilen.
»Wenn es dir wichtig ist, tu es. Niemand weiß, dass es nicht bloß erfunden ist. So war es ja gedacht. Eine Fiktion, beruhend  auf und inspiriert von zwei Filmen. Ich hatte nie ein Problem mit deinen Szenen ab 18. Du bist schließlich nicht Martha, weißt wo man aufhört. Oder was man andeutet, aber nicht ausspricht. Meistens jedenfalls. Solange es dir nicht peinlich ist...«
In einem Anfall von ’wasweißich’ hatte ich später gewagt ein erotisches Tagebuch zu beginnen und es unter dem Deckmantel der Fiction zu veröffentlichen.... nach dem dritten oder vierten Update zog ich den Schwanz ein. Es war eine Art Hilferuf gewesen.
Schreibtherapie. Und es war ein Fehler sich zu exhibitionieren .
Mich selbst und andere.

Als der Sommer begann, begann auch mein Herz zu heilen. Ich konnte mit einem wehmütigen Lächeln an Jack denken, ohne zu weinen. Ich konnte über seine ungeheure Verfressenheit lachen und seine Vergesslichkeit, was Unterwäsche anging. Seine bezaubernde Naivität und seine erstaunlich moderne Art Dinge anzugehen. Seine Sturheit, seine Machoallüren und seine Antipathie gegen den, der ihn verkörpert hatte.
Wie er mich immer wieder kalt erwischt hatte, der Blödmann.
Ich konnte mich daran erinnern, wie er mich angeschaut hatte, sein Haar sich angefühlt, sein Körper, wie seine Stimme geklungen hatte, an  seinen Geruch.
Ohne Tränen. Mit Wehmut. Aber auch mit langsam wachsender Dankbarkeit.
Es hatte viel von Trauerarbeit.
Ich war auf den Weg der Genesung.
Zwei Tage vor meinem 42. Geburtstag entschied ich, dass ich reif war die M&C DVD anzusehen. Jack wiederzusehen. Die neue DVD der Band kannte ich längst.
Crowe hatte jetzt wenig Ähnlichkeit mit Jack, und auf dieser Singleauskopplung wäre man nie darauf gekommen, dass er ihn verkörpert haben könnte.
Das hatte nichts mehr mit Jack zu tun.
Zunächst verkrampfte sich alles in mir. Dann, nach ein paar Minuten, wurde es besser. Ich konnte es genießen. Leider klingelte mittendrin das Telefon. Ich ließ den Film einfach weiterlaufen, quatschte mindestens eine Stunde mit einer Bekannten. Ich war sehr gelöst, weil es schien, als hätte ich es überwunden.
Die Bekannte hatte mich deswegen angerufen. Ich hatte sie im Glauben gelassen, ich verarbeite eine beendete Beziehung. War ja nicht ganz gelogen. Wir waren früher eng befreundet gewesen, sie kannte mich gut genug, um zu wissen, das ich leiden würde wie ein Vieh. Ich kann da jeden Wettbewerb gewinnen.
Masochisten aller Länder, vereint Euch.
Manchmal hasse ich mich WIRKLICH. Ich beneide diese Frauen, die Männer ablegen, wie Männer Frauen ablegen. Und ich verachte sie. Wenn ich was an Crowe mag, dann, dass er offensichtlich gelitten hat, wenn seine Beziehungen zu Ende gingen.
‚... I feel like crying..’ schrieb er in einem Song über einen Abschied.

Wie erwähnt, der Film lief weiter. Ich warf ab und an einen Blick darauf.
Ich konnte Jack ansehen, ohne mich in Agonie zu winden. HEUREKA.
Erleichtert wandte ich mich wieder dem Telefonat zu, quatschte lange, animiert und lautstark mit der Anruferin.
Bis dieses komische Sirren begann.
Und dieser Geruch... wie wenn etwas schmort..
„Ich muss Schluss machen, ich habe den Verdacht meine Glotze schmort durch... Sorry!!!!“
Ich knallte den Hörer auf.
Das Sirren wurde lauter.
Ich wagte mich nicht näher ran. Das Bild flackerte. Es stand.
So ein Mist!! Was tun?? Was tun??
‚Die Sicherung. Mach die Sicherung raus!!! Der Fernseher fackelt noch die Hütte ab!’ Bevor ich mich abwenden konnte, in Richtung Sicherungskasten, sah ich es.

Etwas kaum aus dem Bildschirm

Etwas Schwarzes, längliches.

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Aliens?

Ich war völlig paralysiert, konnte nur hinstarren. Es wurde größer. Als würde es gezoomt.
Je weiter  es draußen war, desto größer.
Völlig  geschockt und gebannt starrte ich das Objekt an.
Nein. Das konnte nicht sein.
Es war ein Stiefel.
Ein schwarzer Stiefel, der langsam in ein hellbehostes Bein überging. Ich klammerte mich an die Sofalehne. Das Bein wurde länger, größer, der Fuß suchte prüfend Halt auf dem Teppich, dann erschien ein zweiter Stiefel. Auch er wuchs, als er den Monitor verlassen hatte, gefolgt von einem Arm und dem dazugehörigen Rumpf, dann der andre Arm.
Ganz zum Schluss erschien der Kopf, wie wenn man sich durch eine Tunnel hangelt.
Erst die Beine, dann der Rumpf und die Arme und endlich der Kopf.

JACK. Es war Jack----------------------

JACK?????????????

Es war albern, aber ich reagierte wie beim ersten Mal.

Blackout.

4

Als ich zu mir kam, lag ich auf dem Sofa. Mein Kopf tat übel weh. Jack beugte sich besorgt über mich. Ich starrte ihn drei Sekunden fassungslos an, dann spürte ich, wie mein Frühstück nach oben wanderte. Ich presste mir die Hand vor den Mund, drängte ihn beiseite.
Mir war sterbensschlecht. Ich schaffte es gerade noch aufs Klo.
War es der Schreck oder hatte ich eine Gehirnerschütterung, weil ich gefallen war?
Meine linke Seite fühlte sich gar  nicht gut an.
Klopfen.
»Helga, dear? I am so sorry! Is it bad?
Can I do anything?«

Ich spülte mir den Mund, putzte mir die Nase, nachdem ich alles herausgewürgt hatte.
 »Please, get me some water«, ächzte ich. Ich hasse Kotzen. Der Mann versaute mir total den Schnitt von einem Mal alle fünf Jahre. Das war das vierte Mal seit Jahresbeginn.

Jack... Jack war wieder da. Ich konnte es nicht fassen.

Und ich wollte gar nicht dran denken, warum er hier sein könnte. Ich war mir so sicher gewesen, dass er alles vergessen hatte. Eigentlich hatte ich den Test machen und den Film nach ein paar Wochen noch mal im Kino anschauen wollen, aber ich war nicht imstande.
Ich war nicht stabil genug, vernünftig zu handeln. Es hätte dasselbe wieder passieren können und diesmal gab es keine Kopie mehr in Wolfenbüttel im Cinestar, in die er kurz vor Torschluss verschwinden konnte.
Ich wankte aus dem Klo. Er fing mich förmlich auf, setzte sich mit mir aufs Sofa und drückte mir ein Glas Wasser in die Hand. Ich trank. Er wusste noch wo die Gläser sind und das Wasser stand. O-O. Nix mit Gedächtnisschwund.
Nachdem ich das Glas hingestellt hatte, fand ich mich in einer stürmischen Umarmung wieder, die mir die Luft nahm.
»Oh, dear, so nice to see you! Forgive me causing you such a start.. I couldn’t figure out what would happen.« blubberte er aufgeregt, versuchte mich zu küssen. Ich wandte den Kopf ab.
»Please, I surely taste of vomit.. I am sorry…«, erklärte ich. Er fixierte mich unsicher.
»I must look like shit..«, murmelte ich verlegen. Nach dem Kotzen ist man ja immer ein erfreulicher Anblick. Das hatten wir doch schon mal...
Er dagegen sah gut aus. Gebräunt, saubere Klamotten, wohlgenährt wie eh und je.
Seine knuddelige Wamme drückte  vertraut gegen meinen Arm.
Das Aroma von Pulver, Teer, Tabak, frischer Seeluft und gesundem Männerschweiß umgab ihn. Wie damals im Kino. Wenn ich nicht so daneben gewesen wäre, hätten die mich umschwirrenden  männlichen Pheromone sicher ihre Wirkung getan.
Ich bin sicher, wir wären höchstens zwanzig Minuten später in der Kiste gelandet.
Bevor er hatte gehen müssen, waren wir Freunde geworden. Richtig gute Freunde.
Bevor wir wirklich Freunde wurden, einander respektierten, stritten wir, ärgerten einander und hatten Sex. Abwechselnd. Manchmal synchron.
Das Streiten ließ nach, die Anziehung nicht.
Irgendwie passten wir zusammen. Bis auf die leidige Tatsache, dass er eine Illusion mit zweiwöchigem Verfallsdatum in der Realität war und ich ein Mensch aus Fleisch und Blut.
»Jack, why are you here?? What happened?? How did you…..?« kam ich allmählich zum Kernpunkt.
Er räusperte sich, blinzelte ein wenig, dann erklärte er: »I came to take you with me.«

BAMMMMMMM

»What? Where? How? Jack, are you nuts? I can’t go with you.. I don’t belong there and ..«
Er verzog den Mund auf eine Art, die ich sehr gut kannte.
Na, toll. Wie immer. Keine zehn Minuten und wir haben uns in der Wolle.
»You don’t want to or you don’t dare?« wollte er verdächtig ruhig wissen.
Mein Hirn rotierte. »I am a human being. What will happen to me ‘there’? Do you have any idea? This is silly!« Seine Lippen waren zu einem Strich zusammengekniffen. Er war sauer. Dieselbe alte Leier. Eigentlich hatten wir das doch hinter uns... er fiel zurück in seine alten Gewohnheiten:
Die Frau versteht mich einfach nicht.
»And if I don’t like it? Can you bring me back? Did you reflect this, Jack? I am not used to be on a ship. I am not used to sailing. I puke after flying, I get dizzy after waltzing.
What will you tell the crew?« versuchte ich ihm sanfter meine Bedenken zu erläutern.
Du liebe Güte. Wie hatte er mich überhaupt gefunden??
Er saß stocksteif neben mir, schnaubte entrüstet vor sich hin. Ich musste ihn einfach umarmen, küsste ihn auf die stoppelraue Wange.
Liebe Güte.
Der Mann, der mir unfreiwillig fast das Herz gebrochen hatte, saß wieder auf meinem Sofa.
Auf ‚seinem’ Sofa. Dieses Sofa hätte Geschichten erzählen können... Ich riss mich zusammen.
»Jack, forgive me. It is so amazing to have you here again. But you must know, it took me some time to get over it. I was just ready to watch you on DVD. The first time I watched it and this happens… tell me, what is going on? How did you know? How did you manage to get here? And HOW shall I accompany you????«
Er sah mich verblüfft an, entspannte sich etwas.
»I will make some coffee, then, please tell me everything…«, beschloß ich.
»You look different«, stellte er fest.
In der Tat. Ich war mittlerweile etwas erblondet und hatte abgenommen. Im Gesicht sah man es am stärksten. Liebeskummer war schon immer meine beste Diät.

Seit einer knappen halben Stunde sprach er davon, was seit seiner Rückkehr passiert war. Eigentlich  nichts ungewöhnliches, außer dass alles so war wie vorher.
Barbara und ich hatten ihn Sekunden bevor die letzte Szene an Bord ausgeblendet wird hinter den Vorhang befördert.
Als sie den Film noch mal startete, war Jack tatsächlich wieder im Bild.
Ich brachte keinen Ton heraus. Sie murmelte verblüfft:“ Es hat funktioniert!“
Er sah etwas verdatterter aus, als er hätte aussehen sollen, aber er zog es durch. Er wirkte, als habe er etwas vergessen und versuche ständig sich dran zu erinnern. Er hustete hin und wieder. Ich hatte ihn in den letzten Tagen mit einer Erkältung angesteckt.
Aber schon nach einer Stunde Film war er ganz der Alte.
Sein gewohntes Umfeld zeigte schnell Wirkung. Er fing an zu VERGESSEN.
Ich war mit Barbara im Vorführraum. Er hatte nur leere Sitzreihen vor sich. Ich wollte ihn nicht in Versuchung führen, den bereits einsetzenden Prozess des Vergessens behindern.
»Stell ab. Es hat funktioniert«, murmelte ich. Ich fühlte mich wie ein Vakuum auf zwei Beinen. Jack war fort. Endgültig. Er hatte so traurig  gewirkt, als er hinter dem Vorhang verschwunden war. Und es tat so weh, dass er sich bald an nichts mehr erinnern würde.
Gut für ihn. Es reichte, wenn ich darunter litt.
 

Er hatte sich jedoch  erinnern können, das da noch etwas andres gewesen war...
»Every time I saw the Brazilian Lady, something seemed to come into my mind, but I wasn’t able to grab it. A familiar feeling of comfort and delight. And then I heard the voice.«
»Whose voice?« fragte ich dämlich.
»Yours! It took me quite some time to figure out. But then I recognized the language and the giggle. It hit me like a hammer. I tried to find out where it came from, it was a sublime but constant sound. Then I found the source. A big hole behind my toilet, in my cabin. Just a black nothing. Must have been the place where I left the first time and came back then. But there was nothing to see. There was no audience, no dark room behind my horizon.
Then I remembered your discs. I listened to the mumbling and it seemed the voice was talking to somebody. But there was no answering voice. I remembered the machine where you could talk to people  in other places. The longer I listened the more I remembered. It was like a swelling stream of images, sounds and emotions. I remembered.!! Not just those blurry images and thoughts, it was all cristal clear.
It was like waking up from a dream.
I  looked through my telescope,
because it was the only thing I could push a bit inside the hole, hoping to catch a glimpse of what was behind the gap. It was like lurking into a tunnel, with a tiny  light at the end. It was just a small surface from my perspective. And then I got it. It must be the monitor of the machine that shows the discs. And the film must be on a disc which was just running. I shifted and moved the telescope till I could see the room from different angles. I knew that room. And then I saw you. You stood near the table and talked into that other machine..«
»The telephone..«, murmelte ich fassungslos.
»You had looked so sad and depressed when we parted.
I remembered the night in the cinema.
I wanted to know how you are. You never where in the audience any longer when I realized people on the other side.
I couldn’t remember your looks clearly, but I still had a certain image.
Tall, shoulder length,
wavy hair, blue-greenish eyes, bit darker than mine.
Very female shape.
Alto voice, fast speech. Like a native instinct.
And then the people  were all gone«, meinte er vorwurfsvoll.
»The film wasn’t shown any longer.
The DVD came out« erklärte ich.
Er nickte, nicht ganz überzeugt. »And you didn’t watch it before?« wollte er misstrauisch wissen. Ich wusste, worauf er hinaus wollte. Hat sie mich schon vergessen?
Interessiert es sie vielleicht gar nicht mehr? Interessiere ICH sie nicht mehr??
Er musste von sich selbst ausgehen. Er hatte vergessen, aber nicht so gründlich, um nicht durch eine Stimme, vage Erinnerungen neugierig zu werden. Ich hatte versucht es ihm leicht zu machen. Hatte die Coole gespielt.

»Jack, I got it as soon as it was released. But I couldn’t watch it. The memories where too much for me then. That was the reason I never went to the cinema after you had left. I had to focus on reality. I had a bit of a hard time«, erläuterte ich diplomatisch.
Er machte seine drei Dackelfalten. »And why now?« fragte er argwöhnisch.
»Because I felt like being over it. And  so it was. I could see you without feeling so bad. And then a friend called. You know the rest.«
»I made you feel bad?« meinte er leise und schuldbewusst, sah mich unsicher an.
»Not your fault, Jack. To be honest..«
Ich trank einen Schluck Kaffee, druckste ein bisschen herum. »Well. The memories were too painful then. I missed you so much« gab ich widerwillig zu.
Die Dackelfalten verschwanden, ein anbetungswürdiges Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er seufzte erleichtert. »I feared you wouldn’t agree. Err, how much time has passed since I left?« »More than four months.«
»Oh, my dear. That much??
To me it felt like a few days.«, stieß er überrascht hervor.
»So you will come with me?« fing er wieder an.
»Jack, you don’t even know if YOU can return.
This is so bizzarre..«, warf ich ein.
Er sah mich genervt an, ging zum Fernseher. Als er den Monitor berührte, ertönte wieder dieses Sirren und seine Hand verschwand im Bild. Ich schrie erschrocken auf.
Er lachte und zog sie wieder raus. »I checked it out as long as you were knocked out. How dumb do you think I am?« frotzelte er bissig, setzte sich wieder.
»It’s kind of a suction. And I am sure if you hold my arm…«
»Forget it, Jack!« widersprach ich. »How can I get back? What happens when there is no more power? Or the channel changes by accident? Or the player is put off?
By the way, I am not sure if I want to be on a ship during the 19th century…it is so primitive.. I have to work, care for my stuff… I can’t just leave…«
»You could at least give it a try!« schimpfte er. »I thought you missed me.«
Er sah mich beleidigt an.“ My cabin isn’t primitive at all. You should know. “

Diese Mimose von einem Mann. Ich war echt in der Zwickmühle. Ein Teil von mir wollte ihm um den Hals springen und  fragen worauf er noch wartete. Der größere Rest ließ es nicht zu.
»There are too many question marks. Will it work? Can I return? How will it affect the movie? Will I SURVIVE???
I expect friends tomorrow. It is my birthday.
What shall I say? Jack,  I am so sorry.«, appellierte ich an sein Verständnis. Er war so stinkig, wie ich  ihn je erlebt habe.
“If you hadn’t talked on the phone, I wouldn’t have realized at all.« polterte er.

Oh, nicht schon wieder die ‚Helga ist an allem Schuld’  Nummer.

»Yes, I know the story. It is all my fault. It was, it is and will always be. Jack is just the victim. It is all about me«, blaffte ich zurück.
»I can’t stay here, you know it. And honestly I feel much better on my ship. I want you to see it all. To spend a bit of time there. You will like it, maybe enough to stay«, fantasierte er.
»Ah, yes. And I will be very enthused to be gang raped by your crew who hasn’t seen a skirt in months..«
Ich griff nach jedem Strohhalm.
Er schnappte nach Luft, lief rot an... »My crew would never...« dann überlegte er.
»We’ll disguise you.«
Ich lachte. »With such a rack??«
meinte ich zynisch und deutete auf meine ausgeprägt feminine obere Hälfte. 80 DD.
»And my hips are way too female as well. Jack, you should know. Be prudent. You could return in a few days if it works the way you think.
Spend a bit of time here. Be my guest once again. I am so thrilled to see you, have you here. But the timing is wrong.“ schlug ich vor. Ich hatte natürlich keine Ahnung ob es noch mal gehen würde. Ich war hin und her gerissen.
Das ist eine Untertreibung. ES ZERRISS MICH FAST. Mit das Übelste, das ich bisher tun musste. Ich war verrückt nach ihm und musste ihn abweisen.
Er schniefte trotzig. »No. It is my turn. I want you to come with me! I want it to change! It is boring. The same every time. I didn’t realize before. But now, that I remember, it is so boring. Like a merry go round. You were so much fun to be with..« bettelte er fast.
Ich verzog vielsagend das Gesicht. Er wurde tatsächlich rot.
»Jack, you can’t change the movie!! Something odd and awful will happen..«
warnte ich.
War ich mir da sicher?
»You can’t know..«
»It is too dangerous.. Jack be my guest again, any time, but I am real, I can’t just step into a movie...«
»I didn’t hesitate. The first time and now again. And you won’t even try…«
»I have a life here! If I knew I could come back any time without bad consequences…understand me..«
»We’ll try, than we’ll know«, meinte er knapp, packte mich am Arm und zog mich Richtung Monitor.
»No! You’re damn crazy! How could you dare!« schrie ich entsetzt. Ich hatte eine Scheißangst. »Stop doing that!«
»Try and understand me..«, versuchte Jack es erneut, zerrte weiter an mir.
Ich riss mich panisch los, verschränkte die Arme, um ihm den Zugriff zu erschweren.
Er schnaubte ungehalten. Dann bekam sein Gesicht einen sehr verblüfften Ausdruck.
Aber er sah nicht mich an. Etwas hinter mir erregte seine Aufmerksamkeit.
Ein Poltern. Ich drehte mich um. Caelin stand mit ziemlich ungläubigem Gesicht in der Tür und winkte etwas desorientiert. Der Rucksack war ihr wohl vor Schreck runtergefallen.
Sie wollte doch erst morgen…??
Ein hysterischer Lachanfall angesichts der unsäglichen Situation überfiel mich.
Gefolgt von einer Heulattacke.

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