Zucchabar V

Berane

„Bitte, Anina. Wenn du deinem Körper DAS  antun willst...“
Meine Patientin schmollte, dann begann sie zu weinen. Wir ruhten in ihren Privaträumen auf den Liegebänken, wo auch die Mahlzeiten eingenommen wurden. Es war später Nachmittag. Das Mädchen mir gegenüber sah sehr viel besser aus  als das abgemagerte, sieche Kind, dass ich kennen gelernt hatte.
„Du weißt, dass Geheule bei mir nicht dieselbe Wirkung hat wie bei deinem Vater.
Ich verstehe dich nicht. In den letzten Wochen hast du dich sehr erholt.
Du hast zugenommen, sogar deine Blutung hat endlich eingesetzt.
Du könntest irgendwann ein normales Leben führen, wenn du aufhören würdest, dich mit diesem Gift zu betäuben.“ Die großen, schwarzen Augen sahen mich schuldbewusst an bei meiner mittlerweile täglichen Strafpredigt.
Anina war süchtig nach Opium. Ihre Mutter hatte sie schon als Kind damit ruhiggestellt. Die Ärzte und ihr Vater hatten nichts dabei gefunden, es ihr weiterhin regelmäßig in ihre Getränke zu mischen. Es ließ sie schlafen, machte sie gleichgültig und umgänglich. Ich hatte sehr schnell erkannt, dass in diesem schmächtigen Leib ein feuriger Geist und ein großer Wissensdurst steckte.
Anina konnte nichts dafür, aber sie zu schonen half ihr nicht. Sie musste aus eigenem Willen darauf verzichten.  Seit fast zwei Monaten war ich hier, verbrachte die meiste Zeit bei ihr, behandelte sie, leistete ihr Gesellschaft. Es war ihre Idee gewesen mich in Latein zu unterrichten. Schreiben und Lesen.
Ich hatte ihre Wissbegier mit Erzählungen aus meinem Leben in Germanien befriedigt. Mit meiner Sicht der römischen Besatzung, Beschreibungen der Landschaft und Menschen, unserer Lebensweise, unserer Religion, den Bräuchen und Sitten. Sie hatte mir vieles über das römische Reich erzählt, die Politik und wie die Römer leben. Ich hatte mich dran gewöhnt im Liegen zu essen, die Kleider einer Dame zu tragen, mich frisieren zu lassen. Weitere Dienste lehnte ich ab.
Es schien mir unsinnig, mich wie ein Kind baden und anziehen zu lassen.

Ich hatte vieles von ihr erfahren, dass mir Maximus Schicksal verständlicher machte. Der alte Kaiser, der Jahrzehnte geherrscht und über 10 Jahre in meiner Heimat Krieg geführt hatte, war sehr beliebt gewesen.
Ein gerechter, moralischer Mann, wie es schien, wenn man einen Herrscher, der fremde Völker unterjocht so bezeichnen kann. Er war im Feldlager gestorben.
Sein Nachfolger, der leibliche Sohn hatte schnell dem Senat möglichst viel Einfluss entzogen und war dabei das Vermächtnis seines Vaters mit Unverstand und Größenwahn zu zerstören. Von diesen beiden hatte Maximus gesprochen.
Er hatte sich gegen den Nachfolger gestellt und war mit grausamer Härte bestraft worden. Der junge Kaiser schien ihn sehr zu fürchten. Ich fragte Anina ein wenig aus, was die Militärstrukturen betraf. Sie wusste zwar nichts genaues, aber mir war bald klar, dass ich vor über einem Jahr die missglückte Hinrichtung des zum Tode verurteilten Oberbefehlshaber der Truppen in Germanien beobachtete hatte.
Deswegen waren mir alle Legionäre so misstrauisch begegnet.
Sie hatten Angst gehabt. Und meine Vermutung war richtig gewesen.
Der Mann, an dem er Rache nehmen wollte war kein geringerer als der römische Kaiser, Commodus, Sohn der Marcus Aurelius. Laut Aninas Erzählungen ein grausamer, unberechenbarer Mann von wenig mehr als zwanzig Jahren.
Er hatte viele politische Gegner verhaften lassen, manche waren hingerichtet worden. Man munkelte er habe seinen Vater ermorden lassen, da er ihm die Nachfolge vorenthalten und die Republik wieder ins Leben rufen habe wollen.
Das bedeutete, dass der Kaiser an Macht verlöre, sich dem Urteil der Versammlung zu beugen hatte. Ich  war verwundert über eine solch einseitige Machtverteilung. Ich kannte nur Versammlungen, bei denen abgestimmt wurde, wenn es um Dinge ging, die alle betreffen.
Als Anina mir berichtete, dass in Rom seit mehreren Generationen  eine gewaltige Arena, ein hundertfaches größer als die Arena in Zucchabar, der Mittelpunkt der Unterhaltung  für Roms Bürger war und dort seit Anfang des Jahres auf Befehl des neuen Kaisers wieder  Gladiatorenkämpfe stattfanden, begann ich zu ahnen, welche Chance Maximus für sich  sah. Der alte Kaiser hatte sie in Rom und Umkreis  verbieten lassen, deshalb waren Männer wie ihr Vater und Proximo hier in Afrika gelandet. Lentulus war sogar verbannt worden, weil er sich widersetzt hatte.
Dieser Commodus  war selbst ein begeisterter Schwertkämpfer und besuchte angeblich mehrmals wöchentlich die Schulen im Colosseum. So nannte Anina die Arena. Sie hatte sie selbst noch nie gesehen, Lentulus hatte ihr davon erzählt.
Ein gewaltiges rundes Gebilde aus Stein, das Platz für ein ganzes Heer bot.
Proximo selbst hatte dort lange Jahre gekämpft und seine Freiheit erlangt.
Mir wurde bewusst wie normal es für ein junges Mädchen wie Anina war, dass Menschen aufeinandergehetzt wurden  und sich zerfleischten.
Sie hatte mich zu einem der Spiele mitgenommen. Ich hatte mit Lentulus, ihr und Proximo von einer Art Balkon zugesehen, mich bald  abgewandt.
Auch Tiere waren Teil des Spektakels. Wölfe und Hyänen, so hießen die Bestien, von denen ich ein gezähmtes Exemplar in Proximos Räumen gesehen hatte, wurden aufeinandergehetzt. Die Überlebenden wurde von den Männern getötet. Es waren  Raubtiere, aber ihr Tod war sinnlos und überflüssig, denn auch sie haben ihren Platz in der Natur. Sie wurden sicher nicht geschaffen um diesem stumpfen, unbarmherzigen Volk mit ihrem Tod zur Unterhaltung zu dienen.
Ich konnte diese Menschen nicht verstehen, wie sie Freude am Leiden anderer Kreaturen empfinden konnten, sich daran zerstreuten. Dabei sah ich Maximus das erste Mal in der Arena gegen einen wirklichen Gegner kämpfen.
Er sah mich nicht, ich saß ganz im Hintergrund. Ihn so zu erleben, erinnerte mich an den Kampf mit den Legionären. Ich konnte nicht glauben, dass dies derselbe Mann war. Leicht gepanzert mit  einer Lederrüstung, die seinen Oberkörper schützte, Helm und Schild bewegte er sich mit dem Instinkt eines Raubtieres und der Kunst eines Soldaten, der sein Leben lang nichts anderes getan hat als zu kämpfen.
Seine Ausfälle und Angriffe waren ein scheinbar müheloser Tanz von tödlicher Präzision. Er liebte den Kampf, aber er tötete nicht gern.
Meist verletzte er seine Gegner nur, machte sie kampfunfähig, es sei denn er bekam andre Anweisung.
Anina erzählte mir, dass im Colosseum das Publikum entscheidet wer lebt oder stirbt, wenn der Kampf nicht tödlich ausgeht. Der Kaiser kann sich dem nicht widersetzen, wenn er die Gunst des Volkes behalten will.
Sie lehrte mich vieles über ihr Volk. Bei aller Grausamkeit hatten sie eine lange Tradition von Dichtern und Philosophen. Der alte Kaiser hatte auch dazu gehört.
Sie las mir einiges aus seinen Meditationen vor, die er größtenteils geschrieben hatte, während er mein Volk jahrelang mit Feuer und Schwert überzogen hatte.
Ich wollte ihn hassen, aber der Mann, der dies geschrieben hatte, konnte kein gänzlich schlechter Mensch gewesen sein:

Wie klein ist doch der Teil des Unendlichen und der weltoffenen Ewigkeit, der einem eben zugemessen ist; sekundenschnell verschwindet er im Zeitlosen.
Auf wie kleiner Scholle der Gesamtebene kriechst du dahin. Mach dir das alles innerlich klar und denke nichts Großes mehr als dies: Zu handeln, wie dich deine eigene Natur leitet und zu leiden, wie es die allgemeine Natur mit sich bringt.’*
* Otto Kiefer/ Marc Aurel-Selbstbetrachtungen

Mit  Erstaunen hatte ich in ihren Zimmern Gegenstände entdeckt mit Abbildungen verziert, die mir die Schamesröte in die Wangen getrieben hatten.
Ich glaubte, Lentulus unnatürliche Begierden seien dafür verantwortlich und es befremdete mich zutiefst solche Darstellungen  von  Männer und Frauen, sogar  mit Tieren  in der Umgebung einer heranreifenden Jungfrau  zu finden.
Anina lachte hell auf, als ich mich schließlich überwand, sie darauf anzusprechen.

„Oh, Berane, du bist die Tugend in Person. Das hat nichts damit zu tun, dass mein Vater mehr Gefallen an Männern findet als an Frauen. Das ist nichts  Ungewöhnliches bei uns. Viele Männer haben Familien und Liebhaber oder auch Geliebte. Die Darstellung der körperlichen Liebe in jeglicher Form ist Kunst und findet sich in jedem Haushalt. Knabenliebe ist etwas weit verbreitetes. Gibt es das bei euch nicht?“ fragte sie amüsiert. Ich räusperte mich verlegen.
“Ich wusste davon, aber in meinem Volk kommt es selten vor.“
Anina trank ungerührt einen Schluck verdünnten Wein, griff sich eine Feige und fuhr fort mit ihren Erklärungen, während sie dir Frucht mit Genuss verspeiste.
„Es kommt von den Griechen, die einen Ruf als Knabenliebhaber genießen. Dass mein Vater dieser Neigung frönt, ist nichts wofür ich mich schämen würde. Einige der größten Dichter und viele Senatoren in Rom lieben Männer.“
Ich erinnerte mich an Maximus Beichte. Der Grieche, der ihn zur Probe gekauft hatte, war also keine Ausnahme gewesen.
Meine Patientin musterte mich neugierig. „Berane, du hast deinen Liebsten verloren vor vielen Jahren. Hat es danach keinen anderen mehr gegeben??
Du bist älter als meine Mutter, du kannst keine Jungfrau sein, oder doch?“
platzte sie heraus.
Ich musste schmunzeln, denn trotz aller Offenheit, die sie an den Tag legte, beschäftigen sie dieselben Fragen, wie jedes heranreifende Mädchen.
„Was möchtest du wissen?“ fragte ich sie. Sie wechselte die Farbe, wurde verlegen, zupfte an ihrem seidenen Gewand.
„Wie ist es, wenn man das erste Mal bei einem Mann liegt? Tut es sehr weh? Ist es schlimm?“ Ihr kleine Nase kräuselte sich in kindlichem Unwillen.
Ich musste meine Erheiterung schlucken , um sie nicht zu verletzen.
„Anina, es tut den meisten Frauen weh, wenn sie ihre Unschuld verlieren. Auch mir hat es wehgetan. Aber das ist völlig unwichtig, wenn du etwas für den Mann empfindest. Der Akt der Vereinigung ist, wenn er aus gegenseitiger Zuneigung geschieht etwas sehr schönes.“ Sie verzog gelangweilt das Gesicht.
„Du redest wie mein Vater.“ murrte sie enttäuscht.
„Ich sage die Wahrheit, zum mindesten was für mich die Wahrheit ist. Was hast du denn erwartet?“ Sie rollte mit ihren dunklen Augen.
„Na, wie es halt ist. Macht es den Frauen soviel Spaß wie den Männern? Wenn meine Mutter wieder einen neuen Liebhaber hatte, habe ich immer nur das  Gegrunze und Gestöhne der Männer gehört.“ Sie amte zum Spaß die Geräusche nach. „Hast du etwa an ihrer Tür gehorcht?“ fragte ich verblüfft.
Sie nickte grinsend. Ich musste einfach kichern, sie kicherte mit.
„Oh, Berane, mit dir kann man so wunderbar reden. Du musst immer bei mir bleiben. Du bist mir lieber als alle andren, auch wenn du  mit mir schimpfst.“
Sie sah den Schatten der Trauer auf meinem Gesicht, erhob sich und umarmte mich in kindlichem Ungestüm.
„Du darfst nicht traurig sein. Vater wird dich freilassen, dafür werde ich sorgen. Aber du musst mir versprechen, dass du bei mir bleibst.“
„Das kann ich nicht.“ erwiderte ich. Sie ließ mich los, schaute mir verwirrt und ängstlich in die Augen. „Warum.... hast du mich  denn nicht gern...“
Ein Hustenanfall unterbrach sie. Ich reichte ihr den Becher mit ihrem Kräutertee, den sie mit vor Abscheu verzogenem Gesicht schluckte.
Dann atmete sie tief ein und setzte sich wieder mir gegenüber, sah mich ratlos an.
„Anina, ich habe dich sehr gern. Du bist sehr gut zu mir. Ich fühle mich nicht wie eine Sklavin hier. Aber wenn ich die Freiheit erlangen sollte, werde ich in meine Heimat zurückkehren.“ „ Aber in Sizilien ist es wunderschön! Es wird dir gefallen!“ begehrte sie auf. Ich runzelte die Stirn. „Sizilien?“ Sie schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund. “Oh, ich soll es doch nicht verraten.“ schimpfte sie mit sich selbst. Eine eisige Hand griff nach meinem Herzen.
„Anina, bitte, sag mir was los ist? Will dein Vater fort von hier?“
Sie nickte. “Du musst mir versprechen, dass du es niemand erzählst. Er ist begnadigt worden, darf zurück. Nächste Woche werden wir Zucchabar verlassen.“
Sie sah die Frage in meinen Augen. „Alle. Auch du. Es macht dir doch nichts aus? Sizilien wird dir gefallen!“ beschwor sie mich.
Ich schlug die Hände vors Gesicht, begann zu weinen.
„Berane, wein doch nicht! Du kannst ja später nach Germanien heimkehren. Vielleicht willst du es dann gar nicht mehr.“
Ich glaubte die Erde täte sich unter mir auf. Verstört kam sie zu mir, redete auf mich ein. „Anina.“ Der Ton in meiner Stimme brachte sie zum Schweigen.
„Du hast mich gefragt, ob es nach Baldur keinen anderen gab. Es gab einen anderen. Er ist einer von Proximos Kämpfern. Wir sehen uns jetzt einmal die Woche , wenn ich das Lager besuchen darf. Ich habe dort auch eine Freundin, ein junges Mädchen, kaum älter als du, das verschleppt wurde. Ich kann hier nicht fort. Es war schwer genug deinem Vater hierher zu folgen. Du hast es mir leichter gemacht. Ich flehe dich an, bitte deinen Vater mich an Proximo zurückzuverkaufen. Ich weiß, er hat es schon versucht.“ Sie starrte mich mit offenem Mund an.
„Aber ich brauche dich doch! Was passiert, wenn ich nicht mehr deine Umschläge und Tränke bekomme? Vater wird das nie erlauben.“ erwiderte sie ängstlich. Ich  fand allmählich meine Fassung wieder, wischte mir das Gesicht ab.
„Philon hat auch schon den Gallier versorgt, ich habe ihn unterwiesen und er ist sehr gelehrig. Es ist noch Zeit. Ich würde dich nicht darum bitten, wenn es mir nicht so ernst wäre. Ich kann es nicht ertragen noch einmal von ihm getrennt zu werden. Ich bin ihm in Germanien begegnet, konnte ihn nicht vergessen.“
Anina knetete ihre kleinen Hände in Verzweiflung, sah mich hilflos an.
„Du liebst ihn. Wer ist es? Ist es der große Germane?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Dann ist es der Spanier. Ich habe dein Gesicht gesehen, als er gekämpft hat. Du hattest große Angst um ihn. Jetzt ist mir klar warum.“ überlegte sie laut.
„Anina, bitte, behalte es für dich. Wenn ich dir wirklich etwas bedeute, hilf mir.
Ich kann nicht  mit nach Sizilien. Es liegt nicht an dir. Ich will, dass du gesund wirst, glücklich bist, Kinder hast, einen Mann, der dich liebt. Mein Herz würde hier bleiben. Ich wäre sehr unglücklich.“
Sie seufzte tief auf. „Ich werde dir helfen, Berane. Ich werde es versuchen. Aber du musst mir alles erzählen ....“
Ihre Augen leuchteten aufrichtig und voll unbändiger Neugier.
Ich seufzte resigniert.
„Das bin ich dir  wohl schuldig, Anina.“

 Während der nächsten Tage hörte ich Vater und Tochter immer wieder lautstark streiten. Es endete stets damit, dass Lentulus Stimme leiser und schmeichelnd wurde, während Anina ihren aggressiven Ton beibehielt. Türen knallten.
I
ch ging meinem Herrn aus dem Weg so gut es ging, meinte Unwillen in seinem Blick zu lesen, wenn ich ihm doch einmal in den Gängen begegnete.

Ich hatte Anina am selben Abend auf ihr Drängen die Geschichte meiner Begegnung mit Maximus erzählt. Ich ließ natürlich alles weg, was ihm gefährlich werden könnte. Sie interessierte sich ohnehin am meisten für die intimeren Details. Ihre aus meiner Sicht schamlose Neugier brachte mich mehr als einmal in Verlegenheit, aber ihr kindlicher Charme verhinderte, dass ich ihr wirklich böse sein konnte. Sie war nun mal  ein Produkt ihrer Kultur und ihrer Umgebung.

Drei Tage später kam sie strahlend zu mir, fing im nächsten Moment an zu weinen. „Ich habe es geschafft, Berane. Er hat es mir versprochen!! Und jetzt muss ich weinen, weil wir uns in zwei Tagen trennen müssen...“ schluchzte sie.
Mein Herz machte einen Sprung. Der Besuch in Proximos Lager, der einen Tag zuvor fällig gewesen war, war mir untersagt worden.
Ich hätte mich nicht einmal verabschieden können.
Die Tage seit ich von der Abreise erfahren hatte,  waren ruhelos gewesen.
Ich fand kaum Schlaf, beschäftigte mich fieberhaft damit Philon zu unterweisen und Vorräte für Aninas Umschläge und Tees anzulegen, obwohl ich nicht dran geglaubt hatte, dass Lentulus sich überreden lassen würde.
Ich würde  in Zucchabar bleiben. Meine Erleichterung war grenzenlos.
Ich umschlang meine kleine Retterin und weinte hemmungslos vor Freude, küsste ihre Wangen und Stirn vor Dankbarkeit. Sie sah mich fassungslos an.
„Liebst du ihn so sehr...?“ murmelte sie ungläubig.
„Es scheint so. Leider erkenne ich das erst jetzt....“ erwiderte ich nachdenklich.
Sie drückte mich. „Ich habe seit drei Tagen kein Opium mehr genommen. Vater ist sehr böse, er versteht mich nicht . Alle nehmen es, sagt er. Es sei gut für mich und du wüsstest nicht wovon du redest. Aber ich habe für dich gekämpft. Jetzt komm, ich will dir noch ein wenig Unterricht geben, bevor wir abreisen.“ Ihre kleine Hand zog mich mit sich.
Ich folgte ihr dankbar und überglücklich.

Die letzten Tage mit Anina waren harmonisch und erfüllt von unserer gegenseitigen Zuneigung. Lentulus ließ mich in Ruhe. Er schien sich damit abgefunden zu haben. Philon hatte mein Vertrauen. Ich bat Anina sich dafür einzusetzen , dem Jungen eine weitere Ausbildung als Medicus zu ermöglichen.
Ich hatte keine Bedenken Anina in seine Hände zu übergeben.
Das gewohnte Klima ihrer Heimat würde ihre Heilung vollkommnen.
Ich sah im Geist eine blühende, dunkeläugige junge Frau mit einem Baby auf den Arm, an ihrer Seite ein Mann, der sie beide liebevoll ansah.
So konnte ihre Zukunft aussehen.

Wir nahmen tränenreich Abschied voneinander. Es war später Abend.
Ihr Vater ließ mir durch sie ausrichten , ich solle mich bei Sonnenaufgang bereithalten.  Anina steckte mir einen Beutel mit Aurei zu, ein paar wertvolle Ohrringe, die ihr gehört hatten. Ich wollte es nicht annehmen, aber sie überredete mich. „Wenn du einmal frei bist, kannst du sie verkaufen und davon leben, bis du zurück in deiner Heimat bist. Verstecke sie solange.“ erklärte sie mir. „Berane, willst du nicht doch mitkommen? Vater wird dich irgendwann freilassen, dann kannst du gehen wohin du willst.“
Ich schüttelte entschieden den Kopf. „Ich kann nicht. Mich von dir zu trennen, ist schwer, aber ich denke du bist klug genug zu verstehen.“ Sie nickte traurig, umarmte mich ein letztes Mal.
„Ich danke dir für alles, was du für mich getan hast, Berane. Ich werde dich niemals vergessen. Versprich, dass du mich auch nicht vergisst.“
schluchzte sie. Ich nahm ihr Gesicht zwischen die Hände.
„Nie werde ich dich  vergessen, Anina. Ich schwöre es. Du musst mir versprechen gesund zu werden und dich an meine Anweisungen zu halten.“
Sie rollte drollig mit den Augen, brachte mich damit  zum lachen.
„Ich habe dich sehr lieb, kleine Römerin und nun geh schlafen. Eine anstrengende Reise liegt vor dir.“  Ich küsste sie auf beide Wangen und die Stirn. Nach einer letzten, innigen Umarmung trennten wir uns.

Ich schlief nicht während der Stunden bis zum Morgengrauen.
Unruhig lief ich in meinem Zimmer auf und ab.
Meine Gedanken waren bei Maximus. Und bei Atlind.
Sie vermisste mich sehr und ich sie. Wir waren uns durch unser ähnliches Schicksal sehr nahe gekommen. Hagen war ihr kein Ersatz für eine Vertraute, eine Freundin, so wenig wie es Maximus für mich war.
In diesen Tagen voller Angst fern von ihm hatte sich der Knoten in mir gelöst.
Im Augenblick wünschte ich mir nichts mehr, als in seinen Armen zu liegen und  mich vollkommen sicher zu fühlen. Die Ereignisse forderten ihren Tribut von mir.  Meine Kraft war fast verbraucht. Er würde sie mir wiedergeben.
Und wenn er mich noch wollte, würde jetzt nichts mehr zwischen uns stehen.

Das Geld und den Schmuck in meinem Brustband verborgen, das Kleid, in dem ich gekommen war am Körper, wartete ich.  Mein kleines Bündel lag neben mir. Als ich Schritte hörte, setzte mein Herz einen Schlag aus. Die Tür ging auf.
Es war Philon. Er geleitete mich in den Hof, wo Lentulus mit zwei der Wachen wartete. Er lächelte mich milde an. Ich lächelte zurück.
Als ich ihm danken wollte, wies er mich mit einer Geste zum Schweigen an, begleitete mich hinaus vors Tor.
Ich sah noch den Wink, den er den Wachen gab, dann wurde ich erst geknebelt und dann gefesselt, wie damals, als er mich von Proximo geholt hatte.
Verwirrt sah ich ihn an.
„Nun, da ich dir deinen Mund endlich verschließen kann, komme auch ich  einmal zu Wort.“ Sein mildes Lächeln wurde boshaft.
Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen.
„Ich habe dem Wunsch meiner Tochter entsprochen. Du wirst NICHT  mit nach Sizilien reisen. Philon wurde von dir meisterlich unterwiesen. Anina wird gesund werden, oder zum  mindesten wird es ihr ziemlich gut gehen. Fast fühle ich mich ein wenig schlecht deinetwegen.“
Er rieb sich affektiert die Nase.
„Wenn du meine Tochter nicht gegen mich aufgehetzt hättest, hätte ich es mir vielleicht überlegt.“ Ich blinzelte, traute meinen Ohren nicht.
‚Freya, lass mich träumen. Dies ist ein böser Traum aus dem ich gleich erwache.....’
Er schwieg eine Weile, dann brach es aus ihm heraus wie ein Sturm.
„Keine Frau, keine barbarische Sklavin, gleichgültig wie nützlich sie mir war, hetzt meine Tochter gegen mich auf!!!!!“  schrie er mit überkippender Stimme.
Ein Faden Speichel traf meine Schläfe. Er war außer sich.
Ich starrte ihn entsetzt an.
„Sie wird es nicht erfahren. Sie wird denken, du bist zurück bei deinem Liebhaber. Glaubst du denn, mir entgeht etwas in meinem Haus, Germanin?“
herrschte er mich giftig an.
Würgende Übelkeit ergriff Besitz von mir. Glühende Wirbel erschienen vor meinen Augen. Meine Beine ließen mich im Stich.
Die Wächter hielten mich aufrecht.
Ein Schatten näherte sich. Ein lügnerischer, grausamer Hoffnungsfunke glühte auf und erlosch Sekunden später.
Der Mann mit Turban, Spitzbart und Kaftan ähnelte Proximo.
Es war ein Sklavenhändler, an den ich mich vom Markt erinnerte.
Ich hörte noch wie er und Lentulus ein paar Sätze wechselten.
Dann versank ich  in einem  dunklen Abgrund aus völliger Verzweiflung.

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„ Die Barbarin hat noch immer nichts gegessen.“ teilte ihm der Sklavenaufseher mit. Jusseff-Al - Gamal stieß einen Fluch aus.
„Allah möge diesen Römer strafen, nie wieder werde ich mit ihm Geschäfte machen!“  Das würde auch  kaum möglich sein.
 Lentulus Batiatus, einer der erfolgreichsten  Kampfschulenbesitzer und Sklavenhändler von Zucchabar  war fort. Und bevor er gegangen war , hatte er ihm, Jussuf-Al-Gamal eine angebliche germanische Heilerin, die Latein sprach für gutes Geld verkauft.
Er hatte sie auf seiner bevorstehenden Reise  an eine wohlhabende römische Familie weiter verkaufen wollen. Bei einem Besuch hatte er Lentulus Tochter gesehen und sie kaum wiedererkannt. Das Mädchen war sehr krank gewesen, als er es das letzte Mal in der Loge der Arena gesehen hatte. Die Germanin war auch dabei gesessen, wohl als Begleitung für die Kranke.
Die sah sehr viel besser aus. Die Nachricht vom tödlich verletzten Gallier, den sie kuriert haben sollte, machte die Runde. Als Lentulus sie ihm anbot, griff er zu. Sie war ihm vor drei Tagen übergeben worden.
 Lentulus hatte drauf bestanden, dass es bei Sonnenaufgang sein müsse.
Am Abend desselben Tages hatte Batiatus Zucchabar verlassen.

Jusseff ging die paar Schritte zu den Karren, die zur Abfahrt bereit standen.
„Wo ist sie?“ schimpfte er. Der Aufseher wies mit dem Kinn auf eine der Wagen links von ihm. Jusseff trat näher. Ein  Bündel Mensch lag zusammengerollt auf dem rohen Holz. Er sprach die Gestalt an.
Sie rührte sich nicht. Grob packte er sie an der Schulter, riss sie herum.
Ein schriller Schrei ließ ihn zurückprallen.
Das Wesen, staubverkrustet, funkelte ihn aus  verrückten Augen an.
Ein Schwall Worte in einer fremden Sprache ergoss  sich über ihn.
Instinktiv zuckte er zurück. Er erkannte die Frau, die er gekauft hatte kaum wieder. Ihre Züge, die hellen Augen trugen den Stempel des Wahnsinns.
 Er kannte die Anzeichen. Es geschah hin und wieder. Eine krallenartig gekrümmte Hand zuckte vor, ballte sich in einer jämmerlichen Drohgebärde zur Faust. Dann kippte die Frau zurück in ihre zusammengerollte Position.
Jussuff seufzte tief auf. Nicht aus Mitleid.
Verlorene Investitionen.
 „Suleiman!“ brüllte er wütend.
Der Gerufene wieselte eilfertig daher.
„Versuch sie am Leben zu erhalten. Essen muss sie nicht unbedingt. In drei Wochen  sind wir in Rom. Das schafft sie, sie ist kräftig. Aber zwing sie zum Trinken. Gib ihr Opium. Das wird sie ruhig machen. Wenn sie verreckt, bekommst du zehn mit der Peitsche. Ich will sie wenigstens für die Hälfte meiner Kosten in den Circus verkaufen. Die brauchen immer Weiber. In der Küche oder als Huren. Verfluchter Batiatus. Verfluchter Betrüger.“
Dann ging er.

Suleiman tat sein bestes. Es bestand darin, ihr am selben Abend mit Hilfe zweier andrer Wasser einzuflößen, dem eine große Menge Opium beigemengt worden war. Einer hatte danach eine gebrochene Nase, der zweite Helfer bekam einen Tritt in die Nieren ab, die ihn sich stöhnend zusammenkrümmen ließen.
Suleiman biss sie in die Hand wie ein tollwütiger Hund.
Er schlug sie ins Gesicht, bis sie losließ.
Als das Opium zu wirken begann, fesselten sie ihr Hände und Füße.
Suleiman entging der Peitsche.
Jussuff verkaufte die Frau 19 Tage später in den Circus Maximus in Rom.
Er erhielt mehr für sie als er gehofft hatte, denn wegen der kommenden Festspiele  wurden die Sklaven aufgestockt.
Es wurden viele Arbeitskräfte für die Küche und andre Bereiche gebraucht.
Nachfrage und Angebot.
Sie wurde nicht einmal in Augenschein genommen, denn ihre offensichtliche Geistesgestörtheit hätte den Handel sicher verhindert oder den Preis um ein vielfaches gedrückt. Sie war auf der Reise in völlige Apathie verfallen, es sei denn man berührte sie, wenn der Einfluss der Droge nachließ. Dann begann sie auf Germanisch zu schreien und um sich zu schlagen, sich aufzuführen wie die Wahnsinnige, die sie tatsächlich war.

Berane verbrachte die Zeit in einem Nebel aus Erinnerungen. Die Droge ließ sie gnädig ihre Kindheit wiedererleben und ihre Jugend. Sie glaubte  in Germanien zu sein. Fügsam schluckte sie das Wasser , dass ihre alle paar Stunden gegeben wurde. Das Wiegen des Karrens und die Bewegungen des Schiffes während der Überfahrt nach Ostia  machten  sie schläfrig. Sie träumte.
Freya saß oft an ihrer Seite und sprach mit ihr. Sie erzählte ihr, dass Atlind und Hagen geflohen und jetzt in Germanien seien. Sie zeigte ihr Atlind, die mit gerundetem Bauch, eine Hand im Rücken am Feuer stand.  Sie erwartete ein Kind. Berane lauschte der Göttin staunend.
Sie zeigte ihr auch Maximus und Juba. Berane weinte, denn sie sah, wie sie ausgepeitscht wurden, erkannte voller Schmerz ihre mühsam beherrschten Gesichter.
Die Züge der Göttin blieb verschwommen, aber ihre Stimme war klar und deutlich. Einmal ließ sie Berane eine schöne, reich gekleidete Frau sehen, die mit einem hübschen, jungen Mann stritt. Sie standen in einem palastastigen Raum, der von unzähligen Fackeln erhellt wurde. Der Jüngling  packte sie um die Mitte, versuchte sie zu küssen. Die Frau, die ihm ähnelte, riss sich los, schlug den Mann ins Gesicht und rannte weg.
Und immer wieder sah sie Maximus. Mit einer rothaarigen Frau, die neben ihm saß, während er auf einem Bett lag, seinen Hals streichelte.
Im Kampf mit wechselnden Gegnern. Mit Proximo.
Sie sah Gunthar mit Edred reden, sein resigniertes Gesicht, während er sprach.
Sie wollte ihm etwas zurufen, aber das Bild zerstob wie Wasser, in das man einen Stein wirft.
Als sie erwachte und  um sich blickte, entdeckte  sie den Weiher, in dem sie  gebadet hatte. Sie weinte vor Freude, wollte hinüberlaufen.
Freya nahm sie in die Arme, hielt sie auf. Endlich  konnte sie sie sehen.
Ihr Gesicht war gütig und mitleidig. Sie trug einen Helm aus glänzendem Metall wie die Römer, beugte sich über sie. Ein lederner Harnisch umhüllte ihren Oberkörper. Ein Harnisch, wie sie ihn an Maximus gesehen hatte.
 Maximus? Woher kannte sie den Namen?
Ein römischer Name... Feind... die Römer sind Feinde........sie bäumte sich auf,  fing an zu schreien....
„Feinde, die Römer .......ich muss sie warnen....“
 Freyas sanfte Hand bedeckte ihren Mund.
Sie verstummte, sah die Göttin fragend an. Sie hatte blaue Augen.
„Still, Schwester. Wir wollen doch nicht alle hier auf dich aufmerksam machen.

Psssssssssst. Ich bin bei dir. Komm mit mir Schwester, sei ganz ruhig. Wir müssen den Feind täuschen.“ Die sanfte Hand strich ihr über die Stirn.
„Kannst du aufstehen? Ja? Das ist gut. Ich helfe dir. Nun, halte dich an mir fest. Wir gehen jetzt nach hause.“
Freya hielt sie am Arm, lenkte sie behutsam.. Berane weinte vor Glück und Erleichterung. „Ich danke dir, Freya. Ich danke dir..“ murmelte sie immer wieder, während die Frau in samitischer Rüstung sie durch den Gang voller neugierig glotzender Männer führte.
Freya neigte den Kopf zu ihr, flüsterte ihr etwas ins Ohr.
„Ich verrate dir ein Geheimnis. Mein Name hier  ist Auriane. Nur du und ich wissen wie ich wirklich heiße. Nenn mich bitte so. Wie ist dein Name, Schwester?“  Berane war verwirrt, aber Freyas blaue Augen blickten so voller
Mitgefühl und Zuneigung auf sie, dass sie ihr antwortete.
„Ich bin Berane, vom Stamm der Hermunduren, Tochter Teobalds und Utes.“
Freyas Mund verzog sich zu einem seltsamen Lächeln. Sie hielt sie fest um die Mitte, stütze sie. Berane wunderte sich , warum sie so schwach war.
 Ihre Beine konnten sie kaum aufrecht halten. In ihren Armen war keine Kraft.
Freya zog sie hoch, schleppte sie den Gang entlang.
Sie war sehr stark, schritt einfach weiter trotz der Last.
Beranes Kopf kippte in den Nacken, suchte die blauen Augen der Göttin.
Die sah sie an, lächelte wieder dieses seltsame Lächeln.
 Dann sagte sie:
„Willkommen im Circus Maximus, Schwester.   Willkommen im Orcus.*“

Orcus: Hölle , röm. Mythologie

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„Ist sie sicher?“ Hagen nickte. Maximus verbarg das Gesicht in den Händen. Er, Hagen und Juba saßen auf dem Dach des Sklavenquartiers.
„Das ist euer Tod.“ murmelte er leise. Juba schwieg, beobachtete den Freund mit kritischem Blick.  Hagen gab einen missbilligenden Laut von sich.
Maximus  hob das Gesicht zu ihm.
„Ihr werdet alle sterben. Du, Atlind und das Kind. Tu es nicht.“
Hagen schüttelte den Kopf. „Wir werden nicht aus Rom zurückkehren, ich spüre es. Dies ist meine letzte Chance. Wenn ich sie im Stich lasse, wird sie mich verfluchen. Sie ist sich der Gefahr bewusst, ich habe lange genug versucht, es ihr auszureden. Wir haben keine Wahl.“ Juba  räusperte sich. Die beiden andren Männer wandten sich ihm zu. „Ich finde, Hagen hat recht. Ich werde dir helfen.“ meinte er. Maximus  starrte  ausdruckslos in die Nacht.
„Ich schaue nicht mehr lange zu, wie du dich in Selbstmitleid zerfleischst, Spanier.“ erklang Jubas Stimme scharf und unmissverständlich.
Der Angesprochene blickte grimmig auf, begegnete dem unerschrockenen Blick des Nubiers. „Lass mich in Ruhe, Juba.“ brummte er.
„Nein. Das werde ich nicht tun. Aber zunächst hat Hagen Vorrang. Hagen, wie ist den Plan?“

Maximus lauschte den Erläuterungen des Germanen nur halbherzig.
Monate waren vergangen seit Berane verschwunden war.
Es ging ihr sicher gut in Sizilien. Besser als hier. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte in den vornehmen Kleidern, gelockt und parfümiert, war sie so voller Zuversicht gewesen. Er konnte noch immer den Duft riechen.
Juba riß ihn aus seinen Erinnerungen.
„Also nächste Woche. Proximo wird fort sein. Wir haben genug, um die Wachen zu bestechen. Ein Pferd lässt sich besorgen. Wenn ihr es bis zur Küste schafft, seid ihr fast in Sicherheit. Dann die Überfahrt nach Spanien. Gallien. Germanien.“  Hagen nickte. Der Spanier schnaubte unwillig.
Juba fuhr auf, herrschte ihn an. „Wenn du nicht helfen willst, dann geh. Jetzt. Es gab eine Zeit, da hättest du nicht gezögert. Du hast nur noch deine Rache im Kopf, du Narr. Es ist nicht deine Schuld, dass die Germanin fort ist. Nicht alle Schuld der Welt  ist deine, auch wenn du das gern glauben willst.“
Jubas Stimme war von ätzender Schärfe.
 Der Getadelte erhob sich und  ließ ihn und Hagen allein.

„Sie sind fort. Es ist alles gut gegangen. Ich soll dir etwas von Hagen ausrichten.“ Maximus hob müde sein Gesicht zu Juba, der vor seinem Lager stand. „Du wirst immer mein Freund sein. Ich verstehe dich, auch wenn es mich geschmerzt hat, dass du uns nicht mehr  unterstützt hast. Ich werde immer mit Stolz davon erzählen , dich gekannt zu haben.“
Juba erschrak, als der Spanier den Kopf kraftlos wieder sinken ließ.
Er sagte kein Wort.
Bevor Juba die Zelle verließ, sah er den leeren Krug auf dem Tisch.
Ein umgekippter Becher lag daneben in einer Pfütze, die noch ein schwaches Aroma nach Rotwein verströmte.

Atlinds und Hagens Flucht war von zwei Faktoren ausgelöst worden.
Atlinds Schwangerschaft und Proximos Ankündigung, dass die Schule nächsten Monat für die gesamte Dauer der Festspiele nach Rom reisen würde.
Sie konnte ihn nicht begleiten.  Das Risiko, dass sie auf der Flucht umkamen, war nicht größer als seines, in Rom in der Arena zu sterben.
Beranes Verschwinden hatte Atlind schockiert, aber sie war daran gewachsen.
Sie hatte Hagen sofort zugestimmt, als er zaghaft  die Möglichkeit einer Flucht  andeutete. Am Ende hatte sie ihn überzeugt. Die Aussicht auf Freiheit und Rückkehr in die Heimat war es wert.
Noch war sie nicht belastet durch das Kind. Sie mussten schnell handeln.
Und sie taten es. Die Wachen wurden bestochen. Ein Pferd wurde gestohlen.
Proximo tobte, als er zurückkam.  Einen  Monat darauf brach die Schule des Antonius Proximo auf Geheiß des Kaisers  von Zucchabar nach Rom auf, um an den Festspielen zu Ehren seines Vaters Marcus Aurelius teilzunehmen.
Ein Unternehmen, dass der Verstorbene weder gutgeheißen noch als Ehre angesehen hätte. Der Kaiser ist tot. Es lebe der Kaiser.
Und mit ihm seine Obsessionen.

 
Maximus

Es sollte Monate dauern bis wir im Circus ankamen.
Proximo hatte finanzielle Probleme. Zudem war er extrem wütend auf mich und Juba wegen Hagens und Atlinds Flucht. Er ließ uns beide auspeitschen nach seiner Rückkehr. Juba wollte die Schuld allein auf sich nehmen, aber Proximo glaubte ihm natürlich  nicht. Ich nahm es als Strafe dafür einem Freund die Hilfe verweigert zu haben, die ihm zugestanden hätte. Die Schule klapperte alle Rattenlöcher auf dem Weg nach Rom ab, in denen man Spiele abhalten konnte. Da sein Geschäftspartner Batiatus, mit dem er das Wettgeschäft um Zucchabar beherrscht hatte, verschwunden war, musste  er nach neuen Einnahmequellen  suchen. Die Reisekosten und unser Unterhalt musste bestritten werden.
Das Gehöft in Zucchabar musste bewacht, die dort gebliebenen Sklaven und Wachen ernährt werden. Lyssa hatte er fortgeschickt. Sie wäre ohnehin nicht geblieben, da er abgelehnt hatte, sie nach  Rom mitzunehmen. Sie hatte Gift und Galle gespuckt, bis er sie vor die Tür gesetzt hatte.
So hangelte sich Proximo von Wettkampf zu Wettkampf und von Wette zu Wette. Wir schrumpften um acht Männer in diesem Vierteljahr, blieben meist vier oder fünf Tage dort, wo er einen Wettkampf veranstalten konnte, zogen dann weiter zur nächsten, größeren Siedlung. Je näher wir Rom rückten, desto besser wurden unsere Gegner, umso größer die Verluste.
Es war ein elendes Leben zwischen dem üblichen Training, den Kämpfen, endlosen Stunden in dem engen Transportwagen, der einem auf den schlechten Wegen alle Knochen durchschüttelte, mageren Rationen und billigem Wein.
Hagen und seine unerschütterliche Gelassenheit und gute Laune fehlten mir. Juba bedauerte, nicht ebenfalls geflohen zu sein, solange wir noch  Boden unter den Füßen hatten.  Hagens Flucht hatte alles an Geld aufgezehrt, das wir zu dritt besessen hatten, für einen weiterer hätten die Wachen die Summe erhöht und ihm wäre nichts für den Fluchtweg geblieben.
Zudem musste er nach Numidia eine Wüste durchqueren, was alleine seinen sicheren Tod bedeutet hätte.

Ich fragte mich oft, was aus Hagen und Atlind  geworden war, ob sie  ihre Heimat lebend erreicht  hatten. Ich würde es wohl nie erfahren.
An Berane erlaubte ich mir nicht zu denken, es war zu schmerzlich.
Sie war für mich  verloren für immer. Die Bitterkeit, die sich mehr und mehr in mir breit machte, betäubte ich mit Wein.  Auf unseren Stationen nach Rom gab es mehrere Male reiche Damen, die mich und auch andre aus unsrer Gruppe von Proximo mieten wollten. Die meisten ließen sich darauf ein.
Gutes Essen, Wein, ein wenig Abwechslung, ein paar Sesterzen.
Und zusätzliches Geld für Proximo. Mich ließ er damit im Ruhe, er fürchtete, dass ich  mich dafür an ihm rächen würde, sollte er mich zwingen.
Ich war sein As für den Circus.

In Zucchabar  war dies nicht üblich gewesen, aber je näher wir Rom kamen nachdem wir die Überfahrt hinter uns hatten, desto freier wurden die Sitten.
Die Schamlosigkeit dieser Frauen schockierte mich. Sie führten sich in den Rängen und Logen auf wie Huren auf der Jagd nach Freiern.
Es waren  Matronen und reiche Witwen, die sich einen sinnlichen Kitzel dieser Art leisten konnten. Sie erörterten lauthals und ungeniert eines jeden körperliche und kämpferische Vorzüge, trunken von Wein und Opium und dem Anblick schwitzenden, blutenden Männerfleisches und der Macht, die sie über uns zu haben glaubten.
Als  ein sehr hohes Angebot gemacht wurde, setzte Proximo sich über mich hinweg, da er das Geld dringend brauchte für die weitere Reise.
Er tat es auf sehr hinterhältige Art.
Mein steigender Weinkonsum wurde mir zum Verhängnis. Er lud  mich unter einem Vorwand in sein Zelt und wir tranken, besprachen einige Dinge wegen der zukünftigen Wetten. Bevor ich merkte, dass er mir ein Betäubungsmittel in den ungewöhnlich guten Wein gemischt hatte, hatte ich bereits mehrere Becher geleert. Der intensive Geschmack  übertönte den  der Droge völlig.
Ich verlor das Bewusstsein nicht ganz, bekam noch mit, dass ich in eine Sänfte gehoben  und weggebracht wurde. Dann schlief ich ein.
Mitten in der Nacht kam ich wieder zu mir.  Ich lag auf  einem seidenen Diwan.
Neben mir saß eine Frau meines Alters, die mich anlächelte.  Sie war reich gekleidet, Juwelen schmückten ihren Hals, die Handgelenke und Ohren.
Rotes, glänzendes Haar fiel ihr wellig über die Schultern. Wäre sie nicht so stark geschminkt gewesen, hätte ich sie anziehend gefunden. Ich war gefesselt.
Meine Handgelenke waren hinter dem Rücken zusammengebunden, die Fußgelenke einzeln an den Seiten des Diwans , damit ich nicht um mich treten konnte. Mein Kopf ruhte bequem auf seidenen Kissen. Die Frau hob einen Pokal mit Wein an meinen Mund. Ich dreht den Kopf weg. Sie seufzte enttäuscht. „Warum willst du dir nicht ein wenig Freude gönnen, Spanier?“ fragte sie mich mit einer Stimme, die mich an Berane erinnerte.
„Weil es keine für mich ist.“ knurrte ich. Sie lachte auf.
„Proximo sagte schon du seiest ein ganz Tugendhafter. Das war es, das mich interessiert hat. Diese Mannhaftigkeit.“ Ihre Augen glänzten vor Neugier, ein spöttisches Lächeln machte sich auf ihren ebenmäßigen Zügen breit.
Sie hatte schöne Augen, auch wenn sie zu sehr bemalt waren.
„Und, was erhoffst du dir hiervon?“ fragte ich höhnisch. Ein feiner Duft drang in meine Nase aus ihrer Richtung.
Sie schmunzelte. „Nun, ich habe nichts dagegen die Arbeit selbst zu machen, da ich dich kaum dazu überreden kann, denke ich.“ Sie zwinkerte mir zu, trank einen Schluck Wein. Ihre weiche Hand glitt über meine Brust zu meinem Hals, streichelte. „Und ich kann dich wirklich nicht überreden? Man sagt, ich sei eine sehr befriedigende Liebespartnerin.“ Ich beschloss  zu schweigen. Dieses Hurengeschwätz kannte ich zur Genüge. Wie oft hatte ich ähnliches gehört in den letzten Wochen.
 Das Betäubungsmittel würde  hoffentlich verhindern, dass sie mir irgendeine Reaktion abtrotzen  konnte.
Als der Grieche versucht hatte mich mit allen Mitteln zu reizen, hatte es nicht funktioniert. Aber dies war eine Frau und dazu eine reizvolle.
Ich wand mich unbehaglich unter ihren erfahrenen Händen.
Sie durchschaute mich rasch.
„Lass dich einfach treiben, genieße es. Ich erwarte nichts von dir. Stell dir vor, du bist bei einer Frau, die du geliebt hast. Gönne dir ein wenig Freude.“ schmeichelte sie, streichelte  dabei mit der Zungenspitze über meine Ohrmuschel. Ihr warmer, wohlriechender Atem war  wie Balsam auf meinem Gesicht, sie fuhr mit den Lippen  über meine Brauen, rieb ihre Wangen, die Nase in meinem Bart. Berane hatte das getan, hatte dieselben Laute von sich gegeben dabei. Leise, kehlige Geräusche.
„Hmm, du riechst gut.“ flüsterte sie, fuhr fort meine Hals zu lecken und zu küssen. Ich kniff die Augen zusammen, kämpfte um Gleichgültigkeit.
Das hatte ich nicht erwartet.
Nicht Zärtlichkeit, die Erinnerungen in mir wach rief.
„Ich weiß, es ist schwer für dich. Ich will dir Freude schenken. Ich liebe es Männern Freude zu schenken, sie unter meinen Händen und Lippen vor Lust stöhnen zu hören. Du musst nichts tun, ich tue alles für dich. Du leidest. Lass mich dich trösten..“ drang ihre Stimme verführerisch und liebevoll in mein Ohr. Sie hatte mich bisher nicht unterhalb der Brust berührt.
„Ich werde nichts tun, das du nicht willst. Ich sehne mich danach deinen Körper zu streicheln, aber  nur wenn du es willst. Ich hungre danach deine Haut zu spüren.“ Sie küsste meine Arme von den Handgelenken bis zur Schulter, grub ihre Nase in meine Achselhöhlen. „So stark, so mannhaft. Du quälst mich. Aber ich muss deine Standhaftigkeit bewundern. Nur ein Kuss, dann lasse ich dich zurückbringen.“ bettelte sie. Als ihre weichen, üppigen Lippen meine berührten, war es das Natürlichste der Welt ihren Kuss zu erwidern.
Es war  fast mein Verhängnis.
Ich weiß nicht wie sie es machte, aber am Ende küsste ich sie, statt sie mich.
Sie erinnerte mich an Berane. Ihre Stimme, ihr Geruch, die Geräusche, die sie machte. Die Art an meiner Unterlippe zu saugen. Ich musste nur die Augen schließen. Während des Kusses spürte ich ihre Brüste gegen mich pressen.
Sie waren voll, üppig, die Spitzen drängten erregt durch den dünnen Stoff ihres Gewandes.  Sinnlich und provozierend sog sie an meiner Zunge, ließ mir geschickt die Oberhand, ohne die Kontrolle zu verlieren.
„Oh, du bist so sanft, so zärtlich. Ich würde so gerne deine Hände spüren, aber das darf ich nicht. Es ist zu gefährlich, du könntest mich schlagen, mich gar töten.“ murmelte sie lasziv. „Würdest du mich töten? Du machst mir nur  etwas vor. Sicher würdest du mich schlagen, wenn du könntest. Dann würdest du mir die Kleider vom Leib reißen und mich mit Gewalt nehmen. Brutal und hart.“  Ich lauschte mehr und mehr befremdet aber noch immer gebannt ihren Worten. Sie redete sich in Ekstase, lag halb auf mir. Ich wurde wieder aufmerksam, der  sinnliche Schwindel verflüchtigte sich mehr und mehr.
Mein Instinkt warnte mich.

„Du würdest mich unter dir begraben, mich rücksichtslos benutzen. Mich nehmen wie es die Männer miteinander tun und danach wie eine Frau, bis ich vor Lust schreie. Aber vorher werde ich dich zum Schreien bringen. Ich werde dir zeigen, wie viel Lust ein Mund, eine Zunge bereiten kann.“ hechelte sie wie eine läufige Hindin. Es klang unecht. Je mehr der zärtliche Ton schwand und gespielter Geilheit Platz machte, desto mehr schwand meine anfängliche Erregung.

Ihre Rechte war  inzwischen tiefer gewandert, lag fieberhaft reibend am Ansatz meines linken Schenkels. Ich muss gestehen, dass mich ihre anfängliche Taktik aus dem Konzept gebracht hatte, mich reagieren ließ. Sie bemerkte es sofort, setzte ihre subtilen Liebkosungen fort, legte ihre warme Hand in meinen sich regenden Schoß, streichelte mit sanften, emsigen Fingern.
„Ja, ich fühle es schon, fühle dich in mir. Hart und heiß.“ fing sie wieder an.
Etwas stimmte nicht.
Wir waren nicht allein.
Ich bemerkte den schweren Atem wie ein Echo ihres Keuchens.
Es kam von links. Der Vorhang bewegte sich unmerklich.
Fast hätte ich gelacht. Fast hätte sie mich gehabt. Wie leicht Männer doch zu lenken sind. Egal ob hinter oder vor einem Vorhang.
Ich war froh die List erkannt zu haben, aber ich war gefangen, konnte ihr nicht entkommen. Wenigstens war ich nicht soweit darauf hereingefallen, dass sie mich überrumpelt, mich zum willfährigen, ahnungslosen Komplizen gemacht hätte in dieser Farce, die einem Dritten, dem eigentlichen Kunden, zum Vorspiel, zur Stimulation diente.
Als sie ihren Kopf an meinen legte, machte ich einen Versuch der Kollaboration.
„Wirst du dafür bezahlt? Nicht du bist der Kunde?“  wisperte ich. Sie sah mich überrascht an, nickte unmerklich. Ihre Lippen kosten mein Ohr.
„Mach mit. Ich werde nur so tun als ob. Er wird mich sonst schlagen. Es wird nicht lange dauern. Bitte. Dann kannst du gehen.“ Ihre flüsternde Stimme klang plötzlich ganz anders. Der laszive, sinnliche Ton war nur Komödie einer begabten Schauspielerin  gewesen. Ich erhaschte einen ängstlichen, bittenden Blick. Ihr ging es nicht anders als mir. Auch sie war ein Objekt.
Es hätte weder mir noch ihr geholfen mich zu widersetzen. Es hätte es nur in die Länge gezogen, uns beide in Schwierigkeiten gebracht. Ich begann zu stöhnen, mich unter ihren Händen zu winden. Wir lieferten dem Kunden hinter dem Vorhang die Komödie einer Verführung, die nach wenigen Minuten vorüber war. Sie tat, als vollziehe sie an mir die gefragteste Dienstleistung der Prostituierten, die Fellatio, und ich tat als wäre ich in Ekstase, um es möglichst bald hinter mich zu bringen.
Noch während ich einen letzten Seufzer völliger Befriedigung nachahmte, ließ sie von mir ab und verschwand. Ich vernahm noch das  laute Keuchen einer männlichen Stimme, das Geräusch zerreißender Seide, dann war ich allein.
Minuten später wurde ich losgebunden und man sagte mir, dass ich in einer Sänfte zurückgebracht werden würde.

Ich sah die Frau wenige Tage später wieder. Sie kam zu dem Käfig, in dem wir auf den Kampf warteten, tippte mir von hinten auf die Schulter. Verblüfft  starrte ich sie an. Sie sah anders aus, trug ein einfaches Kleid und war nicht geschminkt. Aber der Duft war derselbe. Sie lächelte nur geheimnisvoll, zwinkerte mir zu. Dann glitt ihre Hand wie in einer Liebkosung über meine Schulter unter den Lederharnisch.
Ich spürte die von ihrer Hand erwärmten Goldstücke  hinabrutschen.
„Fast hätte ich dich gehabt. Aber nur fast.“ flüsterte sie mir verschwörerisch ins Ohr, küsste mich flüchtig auf die Schläfe. Dann ging sie.
Die andren sahen mich mit unverhohlener Neugier an.
Ich versuchte keine Miene zu verziehen. Juba lachte kurz auf.
„Wirst du noch schwach auf deine alten Tage, Spanier?“ stichelte er höhnisch. Unsere Freundschaft hatte Schaden gelitten seit Hagen fort war.
Es lag nicht an ihm. Ich gab ein abfälliges Schnauben von mir.
„Letztendlich sind wir alle einmal Huren. Es  kommt nur auf den Preis an. Dieser war es wert.“ knurrte ich widerwillig.
Zehn Tage später, Ende des siebten Monats des römischen Kalenders  erreichten wir die Außenbezirke von Rom.

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