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Übersetzung von BVC,
Original von Thiell |
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Teil 1 Er kroch aus dem geschmolzenen Fenster des Autos, in dem es heißer als in der Hölle brannte. Er roch verbranntes Fleisch - er roch sie. Er griff nach ihrem Handgelenk, die Hand löste sich vom Arm; er griff statt dessen nach dem Ellenbogen und zerrte ihre Leiche aus dem Auto. Verdammt noch mal, was ist der Sinn des Lebens, wenn man den Tod nicht fürchten muss? Er drehte sich um, um die Szene zu betrachten, die Flammen vergingen in einem schwarzen, alles erstickenden Rauch. Seine scharfen Augen konnten dahinter, am anderen Ende der Bucht, einen Trupp Polizisten ausmachen, die den Strand mit einigen Autos und einem gelandeten Helikopter belagerten. Die Wellen behielten ihren ewigen Rhythmus bei; sie spülten auf das Land und trugen es mit sich fort. Sie waren die einzigen, die unbeeindruckt schienen. Ein Teil des Autos explodierte ein weiteres Mal und ließ das Wrack meterhoch vom Boden abheben, die Gewalt der Detonation drehte den Feuerball in der Luft. Mit seinen verbrannten Händen hielt Colin schmerzerfüllt Midoris toten Körper und verschwand in das Gebüsch der Hügel, das den Strand säumte. Midori war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, verkohlt an einigen Stellen, immer noch zischendes Fleisch an anderen; es machte ihn krank, dass sie roch wie geröstetes Lamm. Wellen hatten eine Höhle geschaffen, die groß genug für ihn war, sich selbst und den verbrannten Körper darin zu verstecken, solange die Polizei ihrer Arbeit nachging und den Strand von den Spuren des Geschehens reinigte. In der Höhle hatte das Meer eine kleine Pfütze hinterlassen in die er sich hineinlegte, um sich Kühlung zu verschaffen. Seine Haut dampfte, erweckte den Eindruck eines tödlichen Sonnenbrandes. Sein Haar und seine Kleidung hatten die Flammen gefressen, lange bevor er das Auto verlassen konnte. So saß in der Höhle alles, was von ihm übrig war: Ein verbrannter, verschmolzener Nackter mit einer Kugel in der Brust und Löchern von Nägeln in den Handflächen. Colin blieb im Schatten der Höhle wie eine lichtscheue Kreatur der Nacht und beobachtete den Strand. Ohne darüber nachzudenken riss er kleine Stücke Fleisch aus dem verbrannten Körper seiner Gefährtin. Sie war einmal ein hübsches Ding gewesen – auch wenn sie verloren, einsam, wütend war; nun schmeckte sie wie Hühnchen. Er hatte schon beinahe an die Möglichkeit geglaubt, dass sich etwas Besonderes aus ihrer Beziehung entwickeln könnte. Er hätte sogar beinahe über seine Krankheit, seinen Fluch mit ihr gesprochen: sein Dasein als halber Mensch, als halber Wolf. Er riss an ihrer Schulter und sein Tun erreichte endlich sein Bewusstsein - er war dabei, sie aufzufressen. Von ihrem linken Arm waren nur noch die Knochen und einige Sehnen übrig. Seine Hand fuhr zum Mund als er würgte, sein Magen jedoch grummelte vor Hunger. Ich muss was essen, und sie stört es sowieso nicht mehr. Eine Feuerwehr war endlich zum Strand gekommen und löschte die Flammen; noch mehr Qualm verdunkelte den Himmel. Das Schauspiel lenkte ihn genug ab, um sein makaberes Mahl fortsetzen zu können. Stunden vergingen, bis die Polizei und die Feuerwehr den Strand verlassen hatten. Colin hatte beobachtet, wie die Polizei das Autowrack abtransportierte, und er hörte, wie die Männer sich darüber wunderten, dass keine Leichen zu finden waren. Es hätte wenigstens Spuren geben müssen, sagten sie, irgendetwas. Nun war wieder Ruhe eingekehrt, die Vögel des Meeres begannen wieder mit ihrem Gesang, die Wellen plätscherten, die Briese hatte den beißenden Qualm vertrieben und die Luft gereinigt. Er hatte genügend Zeit zu grübeln. Wie viele Leute waren durch sie gestorben? Er leckte seine Hände und wünschte sich, dass es Nacht gewesen wäre, als sie ihn im Motel aufgestöbert hatten; dann hätten sie ihn nie überwältigen können und hätten nicht gewusst, wie ihnen geschah. Der gleichmäßige Rhythmus des Ozeans war nun wie Musik in seinen Ohren, die ihn besänftigte und in einen Schlummer wiegte. Er träumte davon wegzulaufen: Er wurde durch einen Wald gejagt in stockfinsterer Nacht, der bleiche Mond das einziges Licht. Laufend, rennend, entkräftet nach Luft ringend. Bellende Hunde, brüllende Leute, er drehte sich um, um zu sehen, wie weit sie entfernt waren. Er schlug einen Haken, als ein Schuss den Baumstamm neben ihm sprengte. Ein weiterer Knall und die Erde vor seinen Füßen tat sich auf, er versuchte zu stoppen, aber er schaffte es nicht. Er fiel und versuchte, mit seinen Hundekrallen in der Erde Halt zu finden, unter ihm ein weißglühendes, höllengleiches Inferno. Die Hitze versengte die Spitzen seines kastanienbraunen Fells, eine züngelnde Flamme aus der kochenden Magma unter ihm schnappte nach seiner Schwanzspitze. Seine adrenalingeschärften kupferbraunen Augen nahmen seine Verfolger wahr. Sie kommen, Männer mit Waffen und einer Hundemeute. Die Hunde wurden von der Leine gelassen und stellten ihn. Ein weiterer Schuss - er traf den Hund, der gerade zum Sprung in sein Gesicht ansetzte. Dafür kamen drei andere der Biester, die sich nun in seinen Kopf verbissen, einer schnappte nach seiner Pfote. Er heulte auf und fiel in den Höllenschlund unter sich... Colin erwachte mit einem Schrei, ihm war kalt und seine Haut war nass. Die Flut hatte begonnen - wie lange hatte er geschlafen? Die Pfütze, in der er lag, hatte sich bereits mit salzigem Wasser gefüllt und es strömte noch mehr in die Höhle als er sich aufsetzte und nach draußen sah. Beim Vollmond in einigen Tagen würde sie vollkommen mit Wasser gefüllt sein, schon heute waren die Wellen bedrohlich nahe und hoch. Colin verließ den Unterschlupf und fand hinter einer grasbewachsenen Düne einen sicheren Felsvorsprung, der mit hohem Gras und Gebüschen einigen Schutz vor dem über dem Ozean aufziehenden Unwetter bot. Eine letzte mächtige Welle füllte die Höhle unter ihm mit Wasser und spülte den Gestank des Todes fort. Seine Haut heilte schnell in den nächsten Tagen, sein Körper entledigte sich der Kugel, wie er es mit einem Splitter tun würde - die Wunde schloss sich von innen und schob sie einfach hinaus. Er trank Regenwasser, das sich in kleinen Mulden gesammelt hatte und aß Krabben und kleine Fische, die am Strand bei Ebbe zurückblieben. Es vergingen einige Tage, bis er wieder Menschen zu Gesicht bekam. Ein Pärchen wanderte am Strand entlang, bewaffnet mit Rucksäcken, Ferngläsern und Wanderstöcken, offensichtlich sehr an den Vögeln des Meeres interessiert. Colin war mittlerweile wieder vollkommen geheilt und sein Haar wuchs schnell nach; er war aber immer noch splitternackt wie am Tage seiner Geburt und konnte folglich nicht einfach aus dem Gebüsch aufspringen und Hi sagen. Oder etwa doch? Es war bewölkt und die Luft war zu kalt, um diesen Gedanken einfach zu verwerfen. Er schlich zwischen Felsen und Büschen zum Wasser hinunter, entlang der Klippen durch Sand und Wasser, um sich eine günstige Stelle zu suchen, an der er sich platzieren konnte, um möglichst mitleidheischend aus seiner nicht vorhandenen Wäsche zu gucken. MIST etwas stach in seinen Fuß und Colin versuchte diesem Etwas mit einem Sprung auf den nächsten Felsen auszuweichen, rutschte aber auf der glitschigen Oberfläche des großen Steines aus und fiel - um ihn herum wurde es schlagartig dunkel. Sue, die Frau, ließ die Hand ihres Mannes Richard los und ging näher an die Felswand, gegen die das Meer noch bei der letzten Flut geschlagen hatte. Er blieb bei seinen Aufzeichnungen und fuhr damit fort, Notizen über die Anzahl der Möwen und anderer Strandvögel, die am Strand nach Nahrung suchten, in ein kleines Buch zu kritzeln. Sue suchte den Boden ab, betrachtete Muscheln und beobachtete ein paar Strandkrabben, die in einer Wasserlache herumwuselten und kleine Kämpfe um Seegras auszufechten hatten. Eine von ihnen krabbelte über einen Felsen und Sue ging ihr nach, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Sie sah die Krabbe und viele andere ihrer Art hinein und heraus krabbeln aus... "Richard!" Er schaute von seinen Notizen auf und schob den Stift in seine Tasche, klappte das Buch zu und ging zu ihr hinüber. "Hast du was gefunden?" "Ich denke schon," antwortete sie und zeigte auf einen menschlichen Körper, der schon lange tot und bereits halb aufgefressen war, die noch übrigen Knochen und Organe waren durch angespültes Seegras halb überdeckt. Die beiden waren eher neugierig als abgeschreckt. Sie gingen näher heran, verscheuchten dabei Krabben und anderes kleines Getier. "Vielleicht ein Haiopfer?" fragte er. "Ich denke nicht, ein Hai würde die Knochen nicht so säuberlich abnagen." "Ja, stimmt, einige Bereiche würden ganz fehlen, andere wären noch vollständig. Vielleicht hat ein Tier hier an Land daran gefressen, nachdem die Leiche angespült worden ist." "Hm, ich weiß nicht. Vor ein paar Tagen war hier am Strand ein Unfall mit einem Auto und ich habe in der Zeitung gelesen, dass die Insassen nicht gefunden worden sind. Vielleicht hat es ja damit zu tun." "Ich werde es melden." Richard griff in seinen Rucksack nach dem Telefon und Sue suchte die nähere Umgebung ab. Dabei näherte sie sich der ausgewaschenen Felswand. "Richard, hier ist noch einer!" "Ist er in dem gleichen Zustand?" Er kramte immer noch nach dem Telefon. "Nein, es ist ein Mann, er sieht vollkommen in Ordnung aus. Und er ist vollkommen nackt." "Lebt er noch?" fragte Richard, als er nun ebenfalls hinüber kletterte. " Ich denke nicht." Colin lag mit dem Gesicht nach unten in einer Pfütze aus Seewasser, sein Knöchel verrenkt zwischen zwei glitschigen Felsen, eine Krabbe spazierte neugierig über seine Schulter. Sue stieß ihn mit ihrem Wanderstock an, aus seinem Mund stiegen Luftblasen auf. "Er lebt doch noch!" Sie griffen nach ihm und setzten ihn auf, er war unterkühlt und nass. Seine Augen sprangen sofort auf und er spuckte Wasser. Sie warteten, aber letztendlich sagte er etwas. "Ich wünschte, ich würde von Engeln träumen," flüsterte er durch klappernde Zähne. "Hole ein paar Decken aus dem Auto, Liebling," sagte Sue und versuchte den fremden Mann zu wärmen. Richard lief zurück zum Auto, am Strand fiel sein Telefon unbemerkt zu Boden und wurde von einer Welle davongetragen. Er durchwühlte den Kofferraum und fand eine Decke, die er zurückbrachte. Colin hatte sich zusammengerollt, er war kalt aber ruhig; das Paar breitete die Decke über ihm aus. Nach einiger Zeit war er wieder kräftig genug um zu laufen, die beiden halfen ihm über den Strand. Er sah die menschlichen Überreste am Ende der Düne, eine Seemöwe pickte in einer Augenhöhle herum. "Midori..." murmelte er. "Eine Freundin von dir? Was ist passiert?" fragte Sue. Richard bedeckte die Leiche mit einer kleinen Plane, die er mit Steinen beschwerte, um sie vor dem Davonflattern zu bewahren. "Wir kannten uns erst seit ein paar Tagen," sagte Colin, als sie ihren Weg fortsetzten. "Hast du was mit dem Autounfall zu tun, der hier vor ein paar Tagen passiert ist?" Colin zögerte. "Wir waren segeln in der Bucht." **************** Sue und Richard bemerkten das verlorene Telefon und fuhren in die Stadt, um Midoris Leiche persönlich der Polizei zu melden und nach einer halben Stunde kam man an der Polizeistation an. Sie hatten Colin mittlerweile mit einem Hemd und einer Jeans versorgt. Er hatte in den ersten Minuten der Fahrt dem Paar zugehört, nun tat er so, als würde er schlafen. Wir er gehofft hatte, störten Sue und Richard ihn nicht, als sie das Auto verließen; sie schlossen sogar die Türen leise um seinen Schlaf nicht zu stören. Sobald sie allerdings außer Sicht waren, griff Colin nach einer Jacke, die auf dem Vordersitz lag, verließ das Auto und verschwand in der nächsten Seitenstraße. Er schlich durch die Stadt, ohne zu wissen, was er tun sollte oder wohin er gehen konnte. Er schnorrte etwas Geld für einen Anruf bei seinem Vater zusammen, jedoch nahm niemand am anderen Ende der Leitung ab. Zwanzig Minuten später versuchte er es erneut - wieder ohne Erfolg. Da stimmte etwas nicht, sein Vater ging nie aus, besonders nicht mitten in der Nacht. Ein Polizeiauto kam langsam näher, die Suchscheinwerfer tasteten die Umgebung ab. Er dachte sich, dass sie bereits begriffen hatten, wer er war und dass sie nach ihm suchten, aber er wollte nicht entdeckt werden. In den nächsten zwei Tagen trampte er zurück ins Landesinnere, von Stadt zu Stadt zurück in seine Heimat. Nachts konnte er sich, wenn er wollte, in einen Wolf verwandeln; aber einmal im Monat hatte er keine andere Wahl. Der Vollmond war nah, er konnte es spüren; es nagte an seinem Inneren wie ein langsam wirkendes Gift. Die Verwandlung wollte er keinem Fahrer antun, der ihm einen Platz in seinem Auto anbot und so unterbrach er seine Fahrt in der nächsten Stadt. Alles, was er benötigte, war ein Platz zum Essen und Schlafen, wenn möglich mit einem Badezimmer, in dem er sich für die Nacht einschließen konnte. Er hatte eine schlechte Wahl getroffen mit der Stadt. Der Fahrer hätte Colin noch die nächsten einhundert Meilen mitgenommen, aber er ließ sich hier absetzen. Er musste vor seiner Verwandlung essen, hatte er doch die schlechte Angewohnheit, ganze Häuser in Schutt und Asche zu legen, wenn er hungrig wie ein Wolf war. Er nahm im einzigen Motel der Stadt ein Zimmer und rannte hinüber zur einzigen Kneipe des Ortes. Die Sonne näherte sich dem Horizont, der Mond allerdings war noch nicht zu sehen. Sein Erscheinen am Himmel stand jedoch unmittelbar bevor - Colin spürte seinen Körper anschwellen, genauso, wie das Meer es heute Nacht ebenfalls tun würde. "Ich will was zum Mitnehmen bitte," sagte er mit nervöser Stimme zu der schmierigen Kellnerin, die seinen Wunsch nach Sandwiches notierte und den Stift in ihren Dutt schob. Er blieb an der Theke stehen, nervöse Finger trommelten darauf herum, versuchten die Zeit anzuhalten. Niemand sagte ein Wort, als er auf sein Essen wartete, niemand sagte ein Wort, als er auf sein Essen wartete und sich in Erwartung seiner unvermeidbaren Verwandlung zusammenkrümmte. Sie wirkten alle verwandt miteinander, ungewaschen, naiv, hirnlos. Eben solche Typen, die für gewöhnlich nichts Gutes im Sinn hatten. Ausgestopfte Tierköpfe an den Wänden, dazwischen okkulte Sprüche in altertümlicher Schrift. Die Leute starrten ihn an, als würde Colin der Hauptgang auf der Tageskarte sein, ein Lynchmob aus dem achtzehnten Jahrhundert sah nicht netter aus. Ist das hier der Vorhof zur Hölle? Warum dauert das so lange, er bewegte sich nervös an der Theke und stieß dabei einen anderen Kerl an, der seinen Drink verschüttete. "'Tschuldigung," murmelte Colin. "Ich mach' dich alle, du Scheißkerl!" Der Mann, ein schmalbrüstiges Bürschchen, holte mit der Faust aus, verfehlte Colin jedoch um Haaresbreite. "Hey hey, ich habe mich doch entschuldigt. Ich geb' dir einen aus." "Du bist tot!" Er versuchte noch einen weiteren Schlag zu landen; Colin fing jedoch die Faust wie einen Ball und drehte sie leicht. "Laß' das bitte," sagte er zu dem wütenden Kerl. Zwei weitere Männer, offensichtlich seine Freunde, gesellten sich zu dem kleinen Mann. "Machst du meinen Freund an?" fragte einer der beiden. Colin ließ die Hand des kleinen Mannes los, der durch die Rückendeckung seiner Kumpel neuen Mut fand und wieder auf ihn losging. "Ich denke, wir sollten dem Hosenscheißer eine Lektion erteilen." Die drei umzingelten Colin und ließen ihre Fingerknöchel knacken, zahnlose, fiese Gesichter grinsten ihn an. Der aufgehende Mond ließ Colin erzittern, in seinem Inneren kochte es - die Verwandlung hatte begonnen. Zwei der Männer sprangen auf ihn, der dritte schlug auf Colin ein. Die übrigen Gestalten in der Bar bildeten ein johlendes Publikum, dass sich um die prügelnden Männer scharte. Colin trat zu und traf ein Bein des kleinen Mannes, der Schwung ließ ihn quer durch den Raum fliegen. Seine Fäuste schlugen die Köpfe der beiden anderen zusammen, sie brachen zusammen wie vom Blitz getroffen. Schweigen erfüllte den Raum, als die anwesende Menge Colin plötzlich grunzen hörte und mit ansah, wie er sich vor ihren Augen in einen Wolf verwandelte. "Ein Werwolf!" Ein goldener Wolf. Er war riesig, hatte aufrechte Ohren, ein weiches, kastanienbraunes Fell und Augen, die wie Kohlen glühten. Er knurrte die Menge an und bewegte sich langsam von ihnen fort, er wollte fliehen. Die Theke hinter ihm versperrte ihm den Weg, er wich zur Seite aus, rannte, rutschte auf dem glatten Boden aus und sprang durch das Fenster in die Freiheit. "Ein Werwolf!" brüllte der Mann hinter der Bar, "die perfekte Kampfmaschine!" "Lasst ihn nicht entwischen!" "Will, hol' deine Hunde, ich schnapp' mir meine Knarre!" Hinter der Stadt begann ein Wald, in dem Colin Zuflucht suchte. Der Mond zeigte sich nur wenig hinter den Wolken, es war stockfinster. Er rannte und rannte, aber sie kamen näher, er hörte sie schreien und rufen hinter sich, die Hunde kläfften. Er stolperte auf einer Müllhalde über ein totes Känguruh, schlug Haken um Büsche und Bäume. Er drehte sich um, um zu sehen, wo sie waren; Schüsse fielen und der Baumstamm neben ihm explodierte. Er kehrte um und rannte, die Hunde kamen schnell näher. Ein weiterer Schuss verfehlte ihn und schlug vor ihm in die Erde - wie in einem déjà vu fiel er mit dem nächsten Schritt in ein tiefes Loch - eine Falle. Rottweiler schauten wild knurrend über den Rand zu ihm hinunter. Die Männer sahen ebenfalls in das Erdloch; er bellte sie an und zog sich mit eingekniffenen Schwanz in die entfernteste Ecke des Lochs zurück. "Das ist ein echter, Mr. Cane." "Finden sie das nicht auch unglaublich?" "Was für ein Glück, dass er gerade heute Nacht hier war, dass wir das sehen konnten. Und wir hatten noch viel mehr Schwein, dass sie die Falle die ganzen Wochen hier gelassen haben." "Nun, Will, jetzt kann ich dir Rooster verkaufen. Ich habe so das Gefühl, dass ich aus dem hier noch viel mehr rausholen kann." "Aber wenn er sich nur einmal im Monat verwandelt, dann können sie ihn nur zwölf Mal im Jahr kämpfen lassen." "Das wären dann aber zwölf außerordentlich hoch dotierte Kämpfe, 10000 Minimum, und das auch nur als Einstieg." "Zehntausend!" "Aber ja doch," Cane legte den Arm um die Schulter seines Freundes, "im Durchschnitt kommen 150 bis 200 Leute zu den Kämpfen, manchmal sogar noch mehr. Wenn man nun den richtigen Leuten einen Wink gibt, ich meine den wirklich richtigen Leuten, dann werden sie aus allen Teilen der Welt hierher kommen, um die Kämpfe zu sehen. Wenn nun wenigstens zweihundert Leute aufs richtige Pferd setzen bei diesen zwölf Kämpfen... dann macht das zwei Millionen Dollar." Die Stille war buchstäblich zu fühlen; die zwei Männer blickten auf ihr großes Los und begannen mit ihren Plänen. - Sechs Monate später -
Ein hünenhafter Kämpfer rang mit einem Bullen, er hatte ihn an den Hörnern gepackt; der Bulle hieb mit seinen Hörnern nach ihm und trampelte ihn nieder, drehte sich und griff wieder an, bohrte eines seiner Hörner in die Rippen des Mannes. Der Mann griff dem Bullen ins Gesicht und riss ihm ein Auge heraus, warf ihn zu Boden und brach ihm das Genick. Im Hintergrund lieferte die Musik von Rammstein den Soundtrack und spornte die johlende Menge an, noch mehr Blut zu fordern. Der verwundete Kämpfer griff eine Klinge, die in den Ring geworfen worden war und begann den Bullen zu zerteilen; die Fleischbrocken warf er in die Menge. Der Mann blutete heftig, jeder Atemzug bereitete ihm Schmerzen, seine Lunge war verletzt. Als das letzte Stück Fleisch vom Publikum gefangen worden war, brach er zusammen. Aus den Katakomben unter der Arena kamen Bedienstete gerannt, die die Überreste des Bullen entfernten, um ihn in den Tiefen zu entsorgen. Der verletzte Kämpfer blieb in der Arena. Die Musik änderte sich und eine Stimme ertönte über den Lautsprecher. "Bist du schon erledigt, RazorBlade?" Das Publikum schrie nach einer Antwort. "Nein, ich habe noch nicht mal begonnen!" Die Menge ringsum wurde lauter, das Stammpublikum wusste, was jetzt geschehen würde. "Bist du jetzt bereit für den ultimativen Test?" "Zeig mir was du hast, ich töte Bullen, Bären und Tiger ohne jede Waffe!" Das Geschrei der Menge wurde unerträglich laut; sie skandierte ihren liebsten Schlachtruf. Der Mann hatte in unzähligen Ländern in Arenen gestanden, aber solchen Lärm hatte er noch nie gehört. Diejenigen im Publikum, die zum ersten Mal in der Arena waren, hielten sich verkrampft an ihren Tickets fest und wischten sich nervös den Schweiß von der Braue. "LUPUS! LUPUS! LUPUS!" Die Arena erbebte unter dem Krach. Der Kämpfer blickte nach oben zu den metallenen Stegen über der Arena, er hörte das Krachen und Knirschen einiger Schlösser und sah, wie sich die Laufgänge bewegten. Die Menge brüllte noch mehr, wenn das überhaupt noch möglich war. Einige von ihnen kletterten an dem Metallkäfig der Arena hinauf; sie bewarfen sich mit dem Fleisch des Bullen und sprangen übereinander. Ein Käfig, ungefähr drei mal drei Meter groß, wurde von oben an einer riesigen Kette in die Arena hinab gelassen. Von seinen Ecken hingen schmutzige Lumpen herab. Der Kämpfer betrachtete die schreiende Menge, die sich die Kleidung von den Leibern riss und sich prügelte; die Gesichter blutrot von dem Bullenfleisch, dass sie roh verschlungen hatten - dazu dröhnte Marilyn Mansons ‚Antichrist Superstar’ aus den Lautsprechern. Als der Käfig näher kam, wich der Kämpfer einige Schritte zurück; er versuchte zu erkennen, was sich in ihm befand. "LUPUS! LUPUS! LUPUS!" Der Besitzer schaute auf die Gewalt wie ein Raubvogel, ein Grinsen zog sich von einem Ohr zum anderen. Es waren erst sechs Monate vergangen; er hatte bereits seinen Partner umgebracht und mehr als vier Millionen mit seinem Kämpfer verdient. Alles, was die Wetter vor einem Kampf zu Gesicht bekamen, war Colin, wie er in seinem Käfig saß und wartete - sie erkannten sein Potential nicht, bevor er in den Ring gelassen wurde. Cane stand da und beobachtete die tosende Menge, er erinnerte sich an seine Anfänge in dem Geschäft, als er Hahnen- und Hundekämpfe organisierte, sich langsam hocharbeitete zu Bullen und Bären, Boxkämpfen ohne jede Regel bis hin zum Mortal Kombat - das sich weiterentwickelte zu dem Kult, der sich Black Kombat nannte. Eine Kombination aus wildem Gemetzel und schwarzer Messe. Sein Reich breitete sich nun in und unter einem großen Schlachthaus aus. Niemand vermutete etwas. Die Herausforderer kamen aus allen Ecken der Welt, aber niemand war zu vergleichen mit seinem Werwolf; einem, der nicht den Mond benötigte, um sich zu verwandeln, nur ein kleines Blutbad. Sein "Haustier" gedieh hier im Vorhof der Hölle, die er sein "Geschäft" nannte. "Lupus?" fragte der Preiskämpfer, "ein Wolf? Das ist das Beste, was du zu bieten hast? Ich soll gegen einen räudigen Wolf antreten?" Er konnte noch nicht genau erkennen, was in dem Käfig war. Der kam näher und näher. Er war starr vor Schreck, als der Käfig endlich auf der Erde ankam und den Dreck des Arenabodens aufwirbelte. Mit einem weiteren schnappenden Geräusch löste sich der Deckenverschluss des Käfigs und er fiel auseinander wie eine riesige aufblühende, donnernde Blüte, deren Blätter mit dem Boden der Arena verschmolzen. Der Boden des Käfigs verschwand im Boden und der Deckel mit der großen Kette in den Höhen über der Arena. Der Preiskämpfer sah sich Auge in Auge mit einem schmutzigen, nackten Mann. "Die ultimative Herausforderung!" tönte es über die Lautsprecher. Die nackte Figur gab einen lauten Schnauf von sich und die Menge ringsum wurde still. "Soll das ein Witz sein?" brüllte der Preiskämpfer die Menge an. Er näherte sich seinem Gegner - Colin - groß, blass und dreckig. Sein dunkelbraunes Haar zottelig und beinahe seine Schultern berührend, die Pupillen weit geöffnet und den grün-goldenen Schimmer in seinen gehetzten Augen verbergend. "Nun," meinte der Preiskämpfer nach einer genaueren Inspektion, "zeig' mir, was du drauf hast." Der verwundete Kämpfer verzog schmerzerfüllt das Gesicht und machte sich zum Kampf bereit, trotz des Loches in seinen Rippen. Colin legte seinen Kopf auf eine Schulter, visierte die Halsschlagader seines Gegners an und folgte mit seinem Blick dem Puls zum Herzen. Er stieß ein tiefes Knurren aus und atmete langsam ein - er wurde langsam größer. Der Preiskämpfer war nun nicht mehr Auge in Auge mit ihm, er musste nach oben blicken; der Gedanke "Oh Mist" war auch ohne Worte zu hören. Colin schlug seinem Gegner durch die Brust, die sich durch die Gewalt auftat. Er hob die Arme, und als wenn ein Schalter in seinem Inneren umgelegt worden wäre, brach das braune Wolfsfell durch seine Haut, das Gesicht bekam die Form eines Hundes, seine Zähne wuchsen. Die Menge ringsum war noch lauter als zuvor - es war keine Herausforderung. “LUPUS! LUPUS! LUPUS!” Niemand konnte wirklich sagen, was da gerade passiert war, es ging alles viel zu schnell. Alles, was von dem Preiskämpfer übrig war, war eine blutige Masse, die in der gesamten Arena verteilt war. Der Werwolf schnappte nach den Körperteilen und versuchte, so viel Fleisch wie möglich zu fressen, bevor er wieder im Käfig eingeschlossen wurde. Er war aber nicht schnell genug, die Diener waren sofort zur Stelle, mit dicken Bullenketten in den Händen. Die Käfigwände fügten sich wieder zusammen, der Deckel kam von oben herab. Colin stand, immer noch in seiner riesigen, bedrohlichen Wolfsgestalt, vor den schlotternden Dienern; er sah zwar noch einigermaßen menschlich aus, aber trotzdem schrecklich mit den Zügen der Bestie. Ihre Drohgebärden störten Colin nicht. Er schnaubte nur herausfordernd und drehte dem Publikum den Rücken zu. Zurück in seiner Zelle, schloss er die Augen und zog sich in seinen rein menschlichen Körper zurück, nur das Haar auf der Brust und dem Bauch verschwand nicht völlig. Er ließ sich mit einem Seufzer in Mitten der schmutzigen und zerrissenen Lumpen, die sein Lager waren, zu Boden fallen . Die Diener schlossen die Riegel und verwandelten den Käfig wieder in eine einzige solide Struktur, die in der Dunkelheit über dem immer noch schreienden Publikum verschwand, bis das Licht der Lampen in der Arena auch den Letzten das Signal vermittelte, dass das Schauspiel für diesen Abend beendet war. An einigen Tagen, wenn keine Kämpfe stattfanden, war die Arena hell erleuchtet, es gab Livemusik und die Clubmitglieder tanzten wie von Sinnen. Ein Schachthaus, das ein Szene-Club war und ab und zu als die beste Black Kombat-Arena des Landes fungierte. Die Fans waren treu bis in den Tod; allesamt Leute, die "Gladiator" einmal zu oft gesehen hatten und abgestumpft waren von einer gewaltverherrlichenden Gesellschaft, die vom Teufel selbst besessen schien - die Arena war das Kollisseum des 21. Jahrhunderts. Colin schlief über all dem Lärm in seiner hängenden Behausung, er bekam sehr wenig zu essen, abgesehen von dem, was er sich in einem Kampf erbeuten konnte. Er wurde nicht in jeder Kampfnacht von der Decke gelassen, manchmal dauerte es Wochen, bis er die Stahlhöhle verlassen konnte. Normalerweise alle zwei Wochen, aber mit Sicherheit immer dann, wenn sich Wettbegeisterte aus Übersee einfanden oder zu anderen besonderen Gelegenheiten. Er hasste das alles, er hasste sie alle. Er hasste es, dass der Geruch in der Arena ihn hungrig machte, ihn die Kontrolle verlieren ließ, dass er sie alle töten wollte, weil sie ihm das alles antaten, weil sie ihn verfluchten und dennoch anfeuerten. Wenn er schlief, versuchte er von Engeln zu träumen, fand aber immer wieder nur Dämonen. Seine Laken, zerrissen, zerlumpt und schmutzig, waren das einzige, an dem er sich wärmen konnte. Er versuchte sich in sie zu kuscheln und sich in den Schlaf zu weinen. |
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