9

»You are mistaken, Sir!« erwidere ich wenig überzeugend, verschränke abwehrend die Arme vor meiner Brust. Dummer Fehler. Das sieht erst recht danach aus, als hätte ich was zu verstecken. Was ich ja auch habe. Ich nehme die Arme runter, lasse sie neben meinem Körper baumeln, während meine Gedanken rasen.
Pullings ist ein ehrlicher, aufrichtiger Mensch. Sowohl in den Büchern als auch im Film. Ich mag ihn. Aber kann ich ihm auch trauen?
»What kind of camouflage is this?« will er wissen. »Do the Doctor and the Captain know about your real identity?«
Hhmm, das ist eine gute Frage. Maturin wusste es mal, jetzt hat er’s vergessen. Doch gehe ich als entfernter Verwandter von ihm durch, also sollte er es wohl wissen. Mist! Und Captain Jack, der es eigentlich nicht wissen sollte, da Maturin ihm ja in Toms Beisein erklärt hat, ich wäre ein Junge... Aubrey ist der Einzige der noch den Durchblick hat. Schätze ich. Also, was soll ich antworten?
»Don’t judge too easily«, versuche ich es versöhnlich, halte allerdings ein Lächeln für zuviel des Guten. So verziehe ich nur das Gesicht. »You don’t know the story. I had my reasons.«
»Explain«, macht er eine auffordernde Handbewegung.
Damit hätte ich rechnen müssen. »Well,...« Ich trete an die Reling, lege meine Hände auf das Holz. Pullings tritt neben mich. Ich weiß, dass er mich verstohlen von der Seite beobachtet. »I was caught  up in some trouble. After the Death of my familiy...«
»The Doctor said you are his cousin’s son«, wirft er ein.
Ich nicke. »But he forgot to mention that this cousin is dead.«
»Oh…« Er neigt leicht den Kopf. »My reverence, Ma’am.«
»That happend ten years ago«, lüge ich, spinne die Geschichte weiter, indem ich ihm erzähle, dass ich zu meinen Verwandten gebracht wurde, die sich so sehr um mein Wohl und meine Zukunft sorgten, dass sie mir einen geeigneten Heiratskandidaten vor die Nase setzten, der mir meinen Stand in der Gesellschaft sichern sollte. Was damals ja durchaus üblich war. Ich lehnte natürlich diesen ominösen Kerl ab, was mir die drohende Aussicht einbrachte, in ein Kloster eintreten zu müssen. »I was horrified«, sage ich. »So I escaped. A friend of my Father’s lives in Port Royal. I thought you’ll go there so I can take the passage.« Ich sehe zu ihm rüber. Seine Stirn ist gerunzelt. Die Rädchen rattern. »You would have never taken a woman aboard. So I had to disgiuse myself.« Ich hole tief Luft, krame mein Pokerface hervor. »Please, don’t say a word. For my own safety. Don’t reveal my secret.«
Viele Leute haben mir schon gesagt, dass meine Augen und meine Stimme eine eigene Wirkung haben. Sie erwecken Sympathie. Jetzt spekuliere ich auf diese Wirkung und darauf, dass Pullings ihr zum Opfer fällt. Ich fühle mich nicht wohl dabei, ihn anzulügen, aber welche Wahl habe ich denn? Wenn er allerdings Maturin darauf anspricht, stecke ich in der Klemme. Also muss ich das unterbinden. Er muss es für sich behalten. Er muss. Er muss. Er muss.
Tom dreht sich zu mir, das Gesicht ausdruckslos. »What do you expect me to do?«
»Keep it to yourself«, sage ich, hoffe dabei inständig, dass er nicht so ausgehungert ist und nach einer Gegenleistung verlangt.
Er nickt ganz Gentlemen. »Stay out of trouble. It doesn’t look to good when I have to save you all the time. They’ll start talking. The last thing we need. You better go down now.«
Ich lächele erleichtert. »Thank you. Now I know that it is true what Dr. Maturin said. You are a man of honour.« Ich salutiere ungelenk und mache mich auf meinen Weg.
Noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.
»Das war knapp«, dringt Meralunas Stimme zu mir.
Ich sehe mich um. Keiner hat’s mitgekriegt. »Es hat seinen Vorteil, ein Schreiberling zu sein. So fallen einem wenigstens gute Ausreden ein. Zum Glück hat er es mir abgekauft. Und dabei war ich lausig. Hast du was, das mich aufmuntern könnte?«
Keine Antwort.
Als ich nachhaken will, erkenne ich, warum sie still geworden ist. Vor mir steht Killick, sieht mich an, als wäre ich der Leibhaftige in Person. Oh, nein, nicht Killick. Der ist abergläubig hoch zehn. Wenn sie mir jetzt auch noch den Jonas verpassen, werde ich keine ruhige Minute mehr haben. Aber zumindest würde das Hollom das Leben retten. Oder nicht?
Ich krauche sehr ungalant die Treppe runter, lasse ihn hinter mir zurück, sehe mich um. Ein blonder Haarschopf. Aubrey. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal freuen würde, den Mann zu sehen. Er redet grad mit Stephen. Der greift ihm an den Hals, zieht einen Splitter heraus. Ich steuere auf sie zu.
Jack mustert mich, nickt kaum merklich. Ich soll ihm folgen. Ich gehorche. Kaum allein, packt er mich am Arm, schüttelt mich. »Are you crazy! You should not wander around here alone.«
Ich hebe mein Bein. Er lässt mich abrupt los, tritt einen Schritt zurück. Ich reibe mir den Arm. Der Kerl hat einen Griff wie ein Schraubstock.
»Are you allright?« lässt er sich herab zu fragen.
»As the situation demands«, gebe ich zurück. »But there is something you should know.« Ich mache mich auf ein Donnerwetter gefasst. »Pullings found out that I am a woman.«
Missbilligung von den Haarspitzen bis zu den Zehen. »How?«
»I tried to stay out of everything. But I needed air.« Ich deute nach oben. »Bonden brought me some Grog. Then someone else appeared, mocked me. Pullings cleared the situation. But while he did this he grabbed me around…« Ich zögere. »Well, he recognized that there is something on my body you shouldn’t have when you’re a boy.«
»He is trusty«, versucht Jack sich selbst zu überzeugen.
»I told him that I should have been sent to cloister, escaped...« Ich zucke die Schultern.
Er grinst. »A storyteller, hhmm?«
»What else should I have done?«
Aubrey winkt ab. »Allright. I had a talk to Helga. She explained what happened.«
»I was sucked into the movie. Into your world.«
»Yes.« Er beginnt vor dem Tisch auf und ab zu spazieren. »Because of that I did some thinking.«
»Brains over balls? I’m astonished«, schieße ich zurück und treffe ihn unterhalb der Gürtellinie.
»Be careful«, kommt es kalt.
»So what then? If you hurt me you’ll be in a bad position.«
»Don’t play«, warnt er mich. »In this world you’ll lose.«
Er setzt sich auf die Heckbank. »The gap is gone. I can’t send you back this way. But I wonder if we…« Er macht eine ausladende Geste, die das ganze Schiff einschließt. »When we go on like it was planned. When we follow the storyline from the beginnig to the end… Maybe you’ll be able to step out.«
»And if not? What if the movie decided I shall stay here?«
Er schüttelt den Kopf. »I don’t wanna think of that. You have to go back. You will go back!«
»The first time I absolutely agree with you, Sir«, gebe ich zu und kratzte mich am Hals.
Jack betrachtet mich, lächelt leicht. »Do you wanna wash yourself?« fragt er.
Ich sehe ihn an, als hätte er mir ein unsittliches Angebot gemacht. Dann gestikuliere ich. »Here?« Ich schüttele den Kopf. »Not even in your wildest dreams.«
Er hebt die Hände, um mir zu verstehen zu geben, dass er es so nicht gemeint hatte. Das weiß ich selbst, aber es macht Spaß, ihn zu ärgern. Er ist Schuld an der Misere, also soll er ruhig ein bisschen leiden.
Aubrey runzelt die Stirn. »Somehow you’re right. Maybe it would appear a little strange when the Captain…« Er sieht zum Lokus, der von einem Vorhang verdeckt wird. »You could hide in there while I send Killick for some water.« Er geht zu einer Truhe und klappt den Deckel auf, wühlt darin herum, bis er ein ausgewaschenes Hemd zutage fördert. Er hält es gegen das spärliche Licht, dreht und wendet es. Dann reicht er es mir.
Der Stoff ist kratzig, aber sauber. Ich nicke dankbar, dann verschwinde ich hinter dem Vorhang, als er nach seinem Stewart brüllt und Order gibt, eine Schüssel mit Wasser zu holen.
Ich verhalte mich ruhig, stütze mich an der Wand ab. Hier war also mal das merkwürdige Loch, durch das er rausgeklettert und ich sturzfliegend rein kam. Ich taste das Holz ab, klopfe mit den Knöcheln. Nichts. Es wäre auch zu schön gewesen.
In diesem Moment mache ich eine andere beängstigende Entdeckung. Ich bin seit 6 Uhr morgens auf den Beinen, habe Kaffee getrunken, der bei mir immer eine entwässernde Wirkung hat. Aber ich verspüre nicht den leisesten Drang...
Ich ziehe den Vorhang zur Seite, spähe raus. »Jack?«
Er wendet sich mir zu. »Where’s the problem?«
Ich druckse herum. »It’s a bit intimate. But can I dare to ask a question?«
Er zuckt die Schultern.
»Well, did you ever use this place for anything else than stepping out into reality?«
Er sieht mich verwirrt an, dann kapiert er, kratzt sich am Kinn. »Not that I remember. I mean I remember doing what you are thinking about but not doing it here.«
Ah, ja. Es läuft also nach Schema F. Das hatte ich vermutet. Da Leute in Filmen nicht aufs Klo gehen, ist dieses spezielle Örtchen nur Attrappe. Und da ich jetzt zum lebenden Inventar gehöre, muss ich natürlich auch nicht mehr pinkeln. Ich gebe zu, daran könnte ich mich gewöhnen.
Als sich die Tür öffnet, verschwinde ich wieder hinter dem Vorhang.
»Put it on the table«, verlangt Jack.
»You think it’ll do?« fragt Killick knurrig. »A bath would do more. This is like a cup of water.«
»If I had wanted to drink it I had demanded so«, blafft Jack zurück. »Move out an prepare some coffee.«
»Yes, Sir.«
Die Tür wird mit einem lauten Knall geschlossen. Ich zucke zusammen, da wird der Vorhang schon gelüpft. Ich marschiere heraus, bleibe vor dem Tisch stehen. Aubrey deutet mit der Hand auf die Schüssel. Ich verschränke die Arme vor der Brust. »So what?« frage ich.
»Washing day«, kommt es ganz unschuldig.
Ich fackele nicht lange, greife den Lappen, mache ihn nass und werfe ihn in Jacks Richtung. Er geht mit einem überraschten Schnaufen in Deckung, die Tür öffnet sich und das improvisierte Geschoss klatscht mit Schmackes in Killicks Gesicht. Treffer zu 100 Punkten.
Wenn ich euch jetzt eröffne, dass ich mal Handball gespielt habe, werdet ihr sagen: Okay, alles klar. Aber wenn ich dann erwähne, dass ich da nie getroffen habe, sieht die Sache schon anders aus.
Killick starrt auf mich, dann auf den Captain. Ich kann es in seinem Kopf förmlich klicken hören. Und die Richtung, in die sich die Rädchen drehen, gefällt mir gar nicht.
Jack bleibt vollkommen gelassen, hebt den Lappen auf und wiegt ihn prüfend in seiner Hand, als wäre es ein Stück Gold. Dann meint er lächelnd in meine Richtung: »Patrick, this is amazing.«
Ich verstehe nur Bahnhof und Killick anscheinend auch. Er will gerade anfangen zu schimpfen, da stoppt Aubrey ihn mit einer Handbewegung. »Patrick and me were discussing physical basics.«
Ich ziehe eine Braue hoch. Ach taten wir das?
Schon fährt Jack ohne zu zögern fort und erklärt dem mürrisch vor sich hin tropfenden Killick, dass wir nur versucht haben herauszufinden, wie sich die Schwere – oder in diesem Fall die Nässe – des Lappens auf seine Flugbahn auswirkt. Ich hoffe zumindest, dass ich es so richtig verstanden habe. Es klingt sehr wissenschaftlich, auch wenn es absolut keinen Sinn macht.
Zum Glück kommt Killick nicht auf die Idee, gerade danach zu fragen. Ich schätze einfach, bei einem Gespann des Kalibers Aubrey/Maturin ist er eh an einiges gewöhnt. Und da ich als entfernter Verwandter des Doktors durchgehe – also in seinen Augen genetisch belastet bin – dürften kleine Maröttchen nicht zur Todesfalle werden. Sicherheitshalber klopfe ich dreimal ungehört von unten an die Tischplatte.
Killick wirft mir nur einen Blick zu, als wolle er mich gleich beißen, dann schlurft er grummelnd aus dem Zimmer. Jack kommt zu mir, drückt mir wortlos den Lappen in die Hand und setzt sich auf seinen Stuhl, beginnt, die Seekarten zu ordnen. Er nimmt das Modell der Acheron in die Hand und betrachtet es von allen Seiten, versinkt förmlich im Anblick.
Ich packe die Schüssel, hieve sie hoch und trage sie zum Lokus. Als der Vorhang hinter mir zufällt, fange ich an zu kichern. Ich kann mich gar nicht wieder einkriegen, habe dabei echte Probleme, mir das dreckige Shirt auszuziehen. Meine Nerven liegen blank. Und da ich schon genug geheult habe und in Ohnmacht gefallen bin, ist jetzt halt der Nervus humoricus an der Reihe. Immer noch besser, als mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen.
Ich habe keine Ahnung, wie lange ich brauche, aber als ich endlich in die kerzenbeleuchtete Kajüte trete, dreht sich Aubrey interessiert in meine Richtung. Er mustert mich eine Weile und fängt dann seinerseits an zu kichern, was bald zu verhaltenem Lachen wird.
Hhmm, ich weiß selbst, dass ich albern aussehe. Sein Hemd reicht mir bis zu den Knien und schlackert um meinen Körper. Dabei bin ich nicht unbedingt das, was man als dürre Bohnenstange bezeichnet. Aber ich bin auch nicht 1.80 groß und ca. 90 Kilo schwer, wie der Vorbesitzer meiner nach Mottenkugeln riechenden Garderobe. Ich zupfe am Stoff herum, hebe hilflos die Arme.
Er hört nicht auf, mir zu bestätigen, ich würde reizend aussehen. Ich erkläre ihm, dass das genau das ist, was ich nicht will. Immerhin bin ich hier inkognito als Mann. Dann habe ich eine Idee, sehe mich suchend in der Kabine um. Scheren hat es zu der Zeit schon gegeben, nur hier sehe ich keine. Obwohl Jack eine besitzen müsste, denn er stopft und flickt seine Sachen immer selbst. Halt! Stop! Das ist der Bücher Aubrey. Verdammt!
»May I call for a little help?« meine ich kleinlaut.
Jack erhebt sich – anscheinend auf Schönwetter bedacht. »What can I do?«
»I need scissors or a knife«, entgegne ich. Seine Augen weiten sich. »For the shirt.« Blödmann.
Er scheint zu begreifen, schreitet zur Wand, zieht einen Säbel aus der Scheide. Ich weiche entsetzt zurück. Er wirft mir einen Blick zu, der besagt, er wisse, was er tue. Weiß er das wirklich? Ich zögere, dann halte ich den Stoff fest, hebe ihn an, während er ihn an der Forderseite gekonnt aufschlitzt.
Jetzt kann ich die Enden zusammennehmen, sie um meinen Bauch schlingen und hinten einen Knoten machen. Nicht unbedingt Haute couture, aber besser als rumzulaufen und dabei auszusehen, als wäre man gerade aus dem Bett geklettert.
»Allright then«, meint Jack. »I have to do some business.« Er wendet sich zur Tür, bleibt stehen. »Maybe you should come with me.«
Ich schüttele den Kopf, erkläre ihm, dass es eher verständlich ist, wenn ich in Stephens Nähe bleibe. Immerhin habe ich eine engere Bindung an ihn, niemand wird DAS komisch finden.
Er stimmt mir zu, warnt mich aber, vorsichtig zu sein.
Ich weiß nicht genau, ob er dabei nur Maturin oder die gesamte Lage meint.
Als wir aus der Tür treten, trennen sich unsere Wege.
Er geht an Deck und ich mit mulmigen Gefühl ins Lazarett.
Dabei komme ich an der Kombüse vorbei. Killick schaut auf, mustert mich. Irgendwie habe ich das dringende Bedürfnis, mich bei ihm zu entschuldigen. Auch wenn mir klar ist, dass das die Situation noch verkomplizieren würde. Trotzdem bleibe ich stehen.
»What’s this about you, Patrick?« knurrt er mich an.
Ich trete näher, sage nichts. Soll er mir ruhig erst mal alles an den Kopf werfen, was er zu sagen hat. Wenn ich die Grundlage kenne, kann ich besser darauf reagieren.
»Since you’ve come on board...«, meint er mit einem Kopfschütteln.
Ich ahne Schlimmes, also interveniere ich. »Are you about to  ‘Jonah’  ( zum Unheilsbringer erklären) me?«
Killick reißt die Augen auf, als hätte ich ihm grade mitgeteilt, dass ihm ein Arm aus dem Kopf wächst, er es nur noch nicht bemerkt hätte. »Jesus, no!« verneint er energisch.
Ich bin erleichtert. Für den Moment. »What then?« wage ich mich weiter vor.
»It’s not my business«, brummelt er zurück.
»But you can’t keep thinking about?« bohre ich weiter.
Er stellt lautstark eine Schüssel auf dem Tisch ab. »Stop trespassing. They’ll start talking.«
Jetzt weiß ich, worauf er hinaus will. »But they only can when you tell them«, schieße ich mich ein.
Killick funkelt mich an, habe ich doch grade angedeutet, er wäre eine Klatschbase. »Some things find a way even without words«, meint er altklug.
Hhmm... darauf fällt mir nichts ein.
»They voice«, kommt es vorsichtig. »I know there’s a voice. First I thought I’m going bonkers... But now I see you hear it too.«
Ah, ja, die Stimme.. Wie erkläre ich das am besten, ohne wie ein Idiot dazustehen? Noch ist Killick mir einigermaßen wohlgesonnen. Kleiner "Mann" was nun? Ich lüge mal wieder. »And I by myself thought I was the only one who could hear it. That’s really weird. But I’m sure it’s nothing evil.«
Er nickt. »There’s something in it that has me listening and smiling.«
Hört. Hört.
»Maybe it’s the voice of God showing that he is on our side«, werfe ich in den Raum, begebe mich auf sehr dünnes Eis.
»It’s a female voice«, kontert er mit hochgezogenen Augenbrauen.
Ich zucke die Schultern. »Well, we haven’t seen a skirt since...« Ich kratze mich am Kopf.
Killick grinst. »Could be.« Dann deutet er auf einen Topf mit Kartoffeln, die zu Brei gestampft werden müssen. »Pay your dues«, meint er nur.
Äh, Moment. Ist das nicht die Aufgabe von jemand anderem? Wo ist Bill? Hat meine Anwesenheit etwa den Quotenschwarzen gekillt? Doch dann geht mir ein Glühlämpchen auf. Solange die Handlung so läuft, wie sie laufen soll, ist es wohl egal, wer was macht. Tja, auch gut. Da ich eh nichts besseres zu tun habe... Ich krempele mir die Ärmel hoch und nehme den Stampfer.
Genauso finden mich Aubrey und Maturin vor, die auf dem Weg in die Kajüte sind. Ich höre sie schon von weitem hitzig über etwas diskutieren. Als der Name Helga fällt, wird mir klar worüber. Jack hat ja angedeutet, dass der Film mit jeden neuen Beginn bei den anderen sozusagen das Gedächtnis auslöscht. Nur er kann sich vage erinnern. Ich frage mich, wie oft er Maturin schon von meiner Freundin erzählen musste... Wenn ich alles ewig wiederholen müsste, ich würde ausrasten.
Sie bleiben stehen, Stephen neugierig, Jack verwirrt. Ich lächele ihn an, um ihm zu zeigen, dass alles okay ist, ich nicht in Schwierigkeiten stecke. Nur temporär in den Kartoffeln.
»Diner’s not ready yet«, knurrt Killick.
»And when will it be ready?« fragt Aubrey genervt.
»It will be ready when it’s ready«, erwidert der Steward, schiebt den Captain unwirsch aus dem Raum.
Ich stutze. Richtiger Satz, falsche Szene... Hhmm... Nichts passiert...
Stephen zögert noch. »How’s your chin?« fragt er ärztlich besorgt.
Ich hebe den Kopf, strecke ihm meinen Kiefer entgegen, beide Hände in den Kartoffeln. »When I don’t think of it, it doesn’t hurt. Don’t worry.«
Er nickt wissend und folgt seinem Freund.

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