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Teil 2Eine weitere Woche verging, morgen stand ein weiterer Kampf an, illegal wie immer. Er roch die Rinder, Dingos, einen Panther und all die anderen Tiere aus allen Ecken der Welt, die in die Arena geführt werden sollten. Der Morgen kam viel zu schnell, es erschien ihm, als würde die Woche einen Tag kürzer sein, aber sicher sein konnte er sich nicht, da er nie die Sonne sah. Das Publikum füllte die Halle unter ihm und riss ihn aus einem weiteren Alptraum. Musik, Bier, Essen; Leute aus dem ganzen Land, einige unterhielten sich in Sprachen, die er nicht verstand. Er roch eine schwangere Frau und eine blutige Nase. Tiere kämpften, dann ein paar Männer, dann wieder Tiere. Ein Typ aus Kalifornien hatte einen preisgekrönten Kodiakbären mitgebracht, der gegen alles und jeden zu gewinnen schien. Nach einem halben Tag - so erschien es ihm - begann die Menge wieder seinen Namen zu brüllen. Er hörte den Bären; sein Versteck verbarg noch seine Verwandlung, die durch den Geruch von frischem Blut und das Angesicht des Feindes ausgelöst und vorangetrieben wurde. Wie schon hundertmal zuvor wurde der Käfig zu Boden gelassen; der riesige Bär bemerkte ihn erst, als er sein Versteck verließ. Der Bär stürzte sich sofort auf Colin, richtete sich zu seiner beeindruckenden Größe auf und brüllte ihm ins Ohr. Colin stand einen Moment zögernd in der Arena, er versuchte dem inneren Drang zu widerstehen, der ihn beinahe in den Wahnsinn trieb. NEIN, er wollte nicht kämpfen. Wenn er starb, würde er vielleicht Frieden finden. Der wilde braune Bär kam auf ihn zu und versuchte Colin zu überrennen, seine Schultern und Arme wurden vom Fell umschlossen. Der Bär drehte sich und kam wieder auf ihn zu, mit seinen Klauen schlagend und beißend, sein nach rohem Fleisch stinkender Atem traf Colin ins Gesicht und er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Von einer Sekunde zur nächsten verwandelte er sich; halb Mensch, halb Wolf, dem Bären in Größe nun nicht mehr nachstehend. Ein Schlag mit seiner Hand schickte den Bären mit gebrochenem Kiefer zu Boden - ein Kampf auf Leben und Tod. Die Klauen der Beiden verkeilten sich ineinander, die wütenden Gesichter beißend und nacheinander schnappend. Colin biss dem Bären die Ohren ab und dieser schrie vor Wut, hockte sich zum Angriff aber Colin war schneller. Ein wohlgezielter Schlag und ein großes Stück des Fells des Bären fehlte, das Fett und das Fleisch darunter wurde sichtbar. Colin gewann die Oberhand und riss an dem Bär, bis er keinen Kopf mehr hatte und ausgeweidet war. Oben in den eisenbewährten Gängen schauten die Betreiber des Abends zu. "Ein weiterer glorreicher Sieg, Mr. Cane." "Ihr Kodiak hat sich wacker geschlagen," sagte Cane, "tut mit leid, dass Sie so einen guten Kämpfer verloren haben." "Das geht schon in Ordnung, sie halten sowieso nicht ewig, meist nur ein paar Jahre, und er hier war schon über diese Zeit hinaus." "Es war eine gute Show. Schon besser, dass er als Champion starb und nicht erst als alter Versager." "Ja, ganz bestimmt. Was planen Sie als nächsten Kampf?" "Ich habe keine Ahnung, Ihr Bär war ja das Beste, was auf dem Black-Kombat-Markt zu finden war. Ich habe keine Ahnung, was man noch für Herausforderungen finden könnte, ausgenommen natürlich dumme Kämpfer." Sie beobachteten, wie der Käfig wieder zusammengesetzt und nach oben gezogen wurde, die Laufgänge bewegten sich und sie gingen in ein Büro, weg von dem Lärm der Arena. "Wie wäre es mit einer Frau?" "Eine Frau?" fragte Cane. "Was würde er mit einer Frau anstellen?" "Das weiß ich nicht. Er hat alles umgebracht, was wir ihm in die Arena gegeben haben, aber wir haben es noch nie mit einer Frau versucht." Sie saßen für einen ruhigen Moment und spielten mit der Idee. "Das sollte man sich überlegen." "Wissen Sie," meinte Cane, " als ich ihn bekam, habe ich einiges über Werwölfe gelesen. Einige meinen, dass man von einem gebissen werden muss, einige, dass man mit einem ins Bett gehen muss... andere wieder meinen, dass so was in der Familie liegt..." "In der Familie?" Der Mann kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Sie wollen sie züchten?" "Kann doch nicht schaden, es zu versuchen. Nichts, was er getötet hat, hat sich verwandelt, so wie im Film... es muss also was anderes sein." Sie grinsten sich mit großen Dollarzeichen in den Augen an. ************************* Die nächsten zwei Wochen verschlief Colin, hungrig und müde. Seine gesamte Nahrung bestand aus einigen Fleischabfällen und zwei Näpfen Wasser pro Tag. Man behandelte ihn nicht anders als die anderen Raubtiere, abgesehen von den wenigen Orangen, die man ihm ab und zu in den Käfig warf. Er fühlte den Vollmond kommen, es fehlten nur ein paar Tage. Bitte, lasst mich nicht in einer Vollmondnacht kämpfen. Seine innere Uhr sagte ihm, dass es eigentlich Zeit war für einen Kampf, aber es war still, kein Publikum grölte unter ihm. Sein Herz begann zu rasen bei dem Gedanken, dass man der ganzen Sache überdrüssig geworden sein konnte. Er wusste, dass sie sich näherten, noch bevor sie um die Ecke kamen, er hörte die Schritte auf dem Metallgang, vier der Diener kamen näher. "Es gibt heute Nacht keinen Kampf," sagte einer von ihnen. Er knurrte sie an. "Mach' dir keine Sorgen, wir tun dir nichts." Er saß still und drohte ihnen, nicht näher zu kommen. "Du brauchst ein Bad und eine gute Mahlzeit, und der Käfig muss geputzt werden." Der Mann streckte seine Hand aus, um zu zeigen, dass er unbewaffnet war. Colin zog sich zurück und ließ sie den Käfig auseinandernehmen, einer der Männer reichte ihm ein großes Handtuch. Zwei der Lakaien blieben im Käfig, die anderen führten ihn fort, haarig, stinkend und schmutzig wie er war. Kabel hingen an den Wänden, die Böden waren dreckig, Pferche für Tiere, geschlachtetes Vieh, das auf das Zerteilen wartete, die Fliesen an den Wänden waren blutbefleckt. Der Anblick des rohen Fleisches ließ Colins Magen knurren, als sie ihn daran vorbei und hin zu den Ställen führten. "Entschuldige, aber es gibt hier keine richtigen Duschen," es war eine Waschstelle für Pferde, die ihre letzte Reise anzutreten hatten. Die zwei Bediensteten blieben in der Nähe, waren aber außer Sichtweite und standen Wache. Er hatte warmes und kaltes Wasser um sich vom Dreck zu befreien. Die Seife fühlte sich gut an, das saubere Wasser spülte die Monate des Schmutzes und der Erniedrigung fort. Der Geruch seiner Haut kam zurück, ein Gefühl, als würden dunkle Wolken nach Wochen den Himmel wieder freigeben. Er genoss das Wasser auf seinem Gesicht. Seine Hände fühlten an seinem Körper hinab und er spürte, wie sich das Wolfsfell mit der schwindenden Wut wieder zurückzog. Er wünschte sich, das Wasser würde ihn mit sich fortspülen, weit weg in eine andere Welt. Aber das Wasser nahm ihn nicht mit, er saß einfach nur auf dem gefliesten Boden und umarmte seine Knie; konnte er sich überhaupt noch an seinen Namen erinnern? Er senkte den Kopf, um sein Gesicht zu verbergen, er schluchzte; ließ das Wasser auf sich herabprasseln wie Regen und er wünschte sich einen Engel, der kommen und ihn retten würde. "Die Zeit ist um, Champ," die zwei Wachen kehrten zurück, einer warf ihm ein Handtuch zu und drehte das Wasser ab. Sie führten ihn zurück zu seiner Zelle, die nun sauber war, saubere Decken lagen auf dem Boden und ... Kissen. Er bekam eine große Mahlzeit, sogar Rotwein, und hatte eine Stunde Zeit zu essen. Dann wurde das Geschirr wieder heraus geholt und er war wieder mit seinen Gedanken allein. Er hatte nichts anderes zu tun als zu schlafen, die Kissen waren eine schöne Abwechslung. Er schob sie und die Decken zusammen und baute sich daraus eine Art Nest auf dem kalten Stahl des Käfigbodens. Eine Decke über ihm spendete Wärme. Er schlief und träumte noch immer nicht von Engeln, hatte aber auch keine Alpträume. Eine Nacht, in der seine Seele etwas Ruhe finden konnte. ************************* Jemand war in seinem Käfig; jemand, dessen Geruch er nicht kannte. Eine Frau. Sie saß zitternd in einer Ecke, sie hatte nur ein übergroßes T-Shirt an und fürchtete sich vor dem Ding, was dort unter der Decke lag. Colin spürte die Angst in ihr, der Geruch von Adrenalin füllte den Käfig aus. Er hatte sich versteckt und hoffte, man würde ihn in Ruhe lassen, aber man hatte sie in den Käfig gesetzt. Was nun? Sie sah, wie sich die Decke bewegte und entspannte sich, als sein Gesicht hervorlugte. Er war bei Weitem nicht so scheußlich, wie sie befürchtet hatte. Er war sogar recht hübsch, mit etwas wie Unschuld in seinen jadegrünen Augen. Sie starrten sich einfach nur für eine Weile an. Er durchbrach das Schweigen, als er seine Hand zu ihr ausstreckte und sie so wortlos einlud, zu ihm in die Wärme unter seiner Decke zu kommen. Sie griff danach und er zog sie in sein Nest aus Decken und Kissen. Er betrachtete sie, roch sie, fühlte sie, aber beließ es dabei. Er ließ sie einfach neben sich sitzen, neben sich unter der Decke; sein nackter Körper umschlang sie, kuschelte sich an sie. Anfänglich schlief sie nicht, er jedoch hatte rasch Ruhe gefunden, sein Kopf auf ihrem Arm, den anderen hatte sie um seine Schultern gelegt. Sie saß so für Stunden, in die Dunkelheit starrend - frierend und verängstigt, sein Geruch aber wärmte sie von innen. Als sie endlich einschlief, war es nicht für lange Zeit. Zarte Küsse entlang ihres Halses, sein Körper kuschelte sich dichter an sie heran. Sie lagen in ihrem Nest aus Decken und Kissen, warm und wohlig gegen die kalte Luft im Käfig. Er schlug die Ecke der Decke über ihre Köpfe, so dass niemand spannen konnte. Sie drehte ihr Gesicht zu ihm und ließ sich küssen. Nicht animalisch und wild - er war zart und sanft in seinen Berührungen, versuchte sie so zu lieben, wie es Engel tun würden. Fingerspitzen, zarte Berührungen, jeder Moment sollte so lange wie möglich hinausgezögert werden. Sie spürte ihn und fürchtete sich nicht mehr, sie wollte ihn, wollte sich geben und ihn empfangen. Sie liebten sich die ganze Nacht hindurch, oder auch den ganzen Tag, wieder und wieder, bis die Decken getränkt waren von ihrer Leidenschaft. Sie sprachen kein Wort; sie wussten nicht, was sie sich hätten sagen können - sie wussten nicht einmal, warum sie zusammengebracht worden waren. Nachdem ein Napf voll Wasser hineingereicht und wieder heraus genommen worden war, saß sie wieder in der Dunkelheit, in die Decke gehüllt und den Tieren im Schlachthof lauschend. Er döste; sie fühlte ihn im Traum erzittern, kurz verwirrt erwachen und gleich wieder zurück in den Schlaf sinken. Hier gefangen zu sein, war eine Qual für ihn. Als er erwachte, kuschelte sie sich an ihn, nahm ihn in den Arm und flüsterte, dass alles in Ordnung kommen würde. "Das glaube ich nicht," murmelte er im Halbschlaf in seiner tiefen sonoren Stimme. "Warum denkst du so?" "Meine Mutter sagte das immer, als ich klein war; dann, eines Tages, war sie verschwunden. Ich war zwölf Jahre alt und damals fing dieser ganze Horror an." "Du kannst ihr doch dafür nicht die Schuld geben." "Sie hat mich in diese Welt gebracht." "Hasst du sie dafür?" Er drehte eine ihrer langen Locken zwischen seinen Fingern, "Ich will, aber ich kann nicht. Sie war eben anders als mein Vater oder ich, sie hat uns nie wirklich verstanden. Nachdem sie verschwunden war, glaubte ich noch für eine Weile, dass alles gut werden würde, aber nichts wurde gut. Sie lebt jetzt in Queensland. Vater brauchte sowieso nicht wirklich jemanden um sich. Meine Schwester ist mir etwas ähnlich, aber sie hat weniger Probleme damit, im Gegensatz zu mir... sie lebt jetzt auf den Philippinen." "Nur du bist noch hier, warum bist du nicht auch weggegangen?" "Ich denke, dass ich nicht wirklich von ihm loskomme, von meinem Vater meine ich. Alle Jubeljahre sehe ich ihn mal, für gewöhnlich, wenn ich mal wieder Probleme habe." Eine Frage bohrte sie, sie musste es einfach wissen: "Bist du der Werwolf, von dem alle reden?" Er zögerte, bevor er antwortete: "Ja... aber ich bin nicht gerade stolz darauf." "Eigentlich hatte ich etwas mehr... scheußliches... erwartet." "Ich wollte dich nicht enttäuschen." "Nein, nein. Ich sage ja nicht, dass ich enttäuscht bin. Ich bin bloß froh, dass du mich nicht gefressen hast." Colin schien für eine Sekunde nervös, "Ich könnte dich immer noch fressen." Sie sah in seine nun fast schwarzen Augen und kicherte, als er sie küsste. "Oh, du Tier" "Wild und ungezähmt." Heftigstes Gefummel und wildes Geknutsche. "...wieder und wieder und wieder." "... wie die Karniggel." Die Decke über ihnen wurde ein rhythmisches Etwas, der Käfig schwang im gleichen Takt; in seinem Inneren kochte und brodelte es. Hecheln, Stöhnen, animalische Leidenschaft hallte durch die verwunschene Nacht. ************************ Einige Stunden später ertönten wieder Fußtritte auf dem Gang, die vier Männer kehrten zurück. Sie öffneten einen Teil des Käfigs, Colin lugte unter der Decke hervor, um zu sehen, was sie wollten. "Der Chef will dich sehen, junge Dame." Sie zögerte, Colin hielt ihr Bein, weil er sie nicht gehen lassen wollte. "Was passiert, wenn ich nicht will?" fragte sie. "Nun ja, er kann es wochenlang ohne Nahrung aushalten; ich wette, du kannst das nicht. Keine Sorge, ihr seht euch sehr bald wieder." Colin sagte kein Wort, als sie mit ihr hinter der nächsten Biegung des Ganges verschwanden. Er war gebrochen, verloren; in ihrem Geruch, den ihr Lager verströmte, verloren - er hatte nicht daran gedacht, nach ihrem Namen zu fragen. Was sollte er von all dem halten? Dankbar sein für eine einzelne großzügige Tat seiner Wächter? Sollte er wütend darüber sein, ein eingesperrtes Tier zu sein, das dankbar zu sein hatte, das es am Leben war? Wütend über das Schicksal, das die Sterne bei seiner Geburt in genau der Konstellation zusammengeführt hatte, die seinen Fluch hervorbrachte? Plötzlich hatte er das bizarre Verlangen, einen riesigen rosa Teddybären zu umarmen - er spürte immer noch ihre Schönheit und Leidenschaft. Eine weitere Träne vermengte sich mit der Asche seines Daseins, das ein einziger Alptraum war, zu einer Hülle, die ihn von der übrigen Welt trennte. Vielleicht war das alles hier ein Traum in einem Traum - war das ein lebenswertes Leben? Wahrscheinlich nicht. Es war die Hölle in seinen Augen, auch wenn die Idioten da draußen vollkommen verzaubert waren von all dem Gemetzel und diesem Götzendienst. Heer-scharen von Vampiren, hirnlosen Teufelsanbetern, Sadisten und Masochisten. Eine gothische Kathedrale voller Blut, ein Kasten aus rohem Stahl, dessen Nähte barsten und Sünder gebaren, welche die Welt in Brand stecken sollten. Er wollte nichts mit ihnen zu tun haben, er brauchte sie nicht, sie waren nicht schön. Sie stahlen ihm seine Menschlichkeit und nahmen ihm alles, an das er hätte glauben können. Ganz egal, wie sehr er sich auch fortwünschte, wie sehr er das alles hasste; die Kämpfe, den Dreck, das Geld, ihr lechzen nach seinem Schmerz - sie würden nicht aufhören. Sie hatten einen weiteren Champion gefunden. Einen Deutschen, riesig, stark, und ungeschlagen in allen Kämpfen gegen Menschen und Tiere. Er war ein Gladiator des 21. Jahrhunderts in seiner Rüstung und mit seinen Waffen. Das einzige, was er noch nicht geschlagen hatte, war ein Werwolf, da es in seiner Heimat keine mehr gab. Er hörte, wie sie den Kämpfer Klash nannten. Es wurde sehr viel Geld auf ihn gewettet, aber es war nicht der gewohnte Zeitpunkt für einen Kampf. "LUPUS! LUPUS! LUPUS!" Colin wollte nicht kämpfen, noch nicht einmal mit diesem Monster, aber der Geruch von Blut, die Luft voll von Wut und Adrenalin... Sein Käfig schnappte auseinander wie eine stählerne Knospe. Er hielt die Verwandlung zurück, solange es ihm möglich war, das Tier in sich zu bändigen; seine Augen begannen zu brennen, so heftig hatte er es noch nie gefühlt. Klash warf ein Messer; es zischte durch die verqualmte Luft und schlug in seine Schulter. Die Menge war überrascht, er erstarrte, die Menge erstarrte - es durchbrach den Schutzschild, den er sich in den letzten Tagen angelegt hatte. Er zog es heraus und ließ es auf den verdreckten Boden fallen, hob den Kopf und sah seinen Gegner zum ersten Mal an. Ein lautes metallisches Geräusch ließ alle nach oben blicken, das Dach der Arena öffnete sich und machte den Blick frei für den klaren, wolkenlosen Himmel. Das Geschrei der Menge erreichte einen ohrenbetäubenden Höhepunkt, als sich der Vollmond in dem geöffneten Dach zeigte und direkt in die Arena schien. Colin wäre in Flammen aufgegangen, hätte er das vermocht, seine Verwandlung war innerhalb eines Augenblicks vollzogen. Er ließ sich auf seine Pfoten fallen und duckte sich im Mondlicht, der Staub der Arena erfüllte die Luft, die ihn umgab, mit einem milchigen Nebel. ‘’LUPUS! LUPUS! LUPUS!’’ Er war ihr Antichrist-Superstar, ihr Götzenbild. Die Menge dröhnte wie ein riesiger Bass, sie wedelten mit den Armen in der Luft wie Kopfjäger, die vor der Jagd ihren Kult ausführten. Klash nahm eine andere Waffe von seinem Gürtel, eine Axt, die extra für diese besondere Gelegenheit angefertigt worden war. Er erwartete einen Angriff, aber Colin hielt sich zurück, er umkreiste seinen Gegner und knurrte leise wie ein Drache. Der Deutsche bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung. Colin wollte nicht die Axt zu spüren bekommen und wartete auf eine günstige Gelegenheit; aber Klash war gut und verlor seine Deckung nicht. Sie umkreisten sich und kamen sich näher mit jeder Runde in der Arena. Endlich richtete sich Colin auf und brüllte seinem Gegner ins Gesicht. Der riesige Mann holte zum Schlag aus, verfehlte Colin aber, der mit einer Pranke seinem Gegner das Gesicht zerkratzte und mit der anderen gegen den Brustpanzer schlug. Wieder flog die Axt und Colin hob schützend seine Arme über seinen Kopf, erfasste die Axt und zerbrach sie. Ein weiterer Sprung zu seinem Gegner, ein Biss in dessen Beine. Colin war nun über ihm, kratzend und schnappend, der deutsche Kämpfer schrie und tobte unter ihm. Er biss eine Hand ab und wieder ins Bein. Er stand über Klash und heulte die Menge an, die ihren Kultgesang dem Werwolf entgegen schrie. Das Mondlicht verlieh ihm ungeheure Kräfte. Spürst du meine Kraft, du Hurensohn , er fühlte sich wie der Leibhaftige persönlich. ‘’LUPUS! LUPUS! LUPUS!’’ Töte ihn. Colin duckte sich wieder auf seine vier Pfoten und beugte sich über das zerstörte Gesicht des Mannes. Er betrachtete den Körper vor sich von Kopf bis Fuß und mit einer blitzschnellen Bewegung riss er die Bauchdecke auf, griff in die Öffnung und zog die Darmschlingen hervor. Quietschend und schreiend sah der Mann zu, wie Colin die Därme um ihn herumschlang und ihn wie eine Spinne in einen Kokon einwickelte. Das letzte, das er sah, war das Maul des Werwolfs, das sich seinem Kopf näherte. In dieser einen tödlichen Bewegung schnappte Colin nach einem Teil des Schädels und biss hart zu, zerdrückte und zerbrach den Schädel und die weichen inneren Bestandteile mit seinen Kiefern. Das Publikum tobte wie nie zuvor und liebte de Show, ihr Superstar hockte im Mondlicht in der Mitte der Arena. Er hob seinen Kopf und kläffte sie an und das Schicksal, das sie ihm aufbürdeten. Cane machte riesigen Profit an diesem Abend, mit diesem einen Kampf. Die Leute kamen aus der ganzen Welt um den Werwolf gegen den deutschen Gladiator kämpfen zu sehen – die meisten Leute aus Übersee konnten nicht wirklich an die Macht des Werwolfs glauben. Aber es war noch nicht zu Ende, er war immer noch in der Arena und wartete. Wartete worauf? Im Bereich unter der Arena war Aufregung zu spüren, Bedienstete kamen zum Tor, öffneten es vorsichtig und schoben eine weitere Person in den Ring; eine Frau in einem einfachen elfenbeinfarbenen Kleid und mit verbundenen Augen. Was würde er tun? Die Menge ringsum dröhnte vor Erwartung. Sie nahm sich den Schal von den Augen und fand sich plötzlich im gleißenden Licht einer Arena wieder, die jenem im alten Rom glich. Oh Gott schrie sie und rannte in die Richtung des Ausgangs. Er bemerkte sie erst jetzt, knurrte, sabberte; Knochen und Hirnmasse im Maul, zu seinen Füßen eine unbestimmbare Masse aus Organen, die dem toten Kämpfer gehört hatten. Die wabernde Masse des Publikums rings um die stählernen Wände der Arena brüllte in einem kollektiven Orgasmus. Er duckte sich, knurrte die Frau an und kam näher an sie herangekrochen, näher, näher, ihr Horror wuchs mit jedem Zentimeter. Mein Gott, wie sich ein Mann verändern kann, wenn ihm die Liebe genommen wird. Er griff sie nicht an, als sie sich wie versteinert in eine Ecke drückte. Das Publikum wurde ruhiger und starrte fasziniert auf die Szene: Was würde er tun? Sein abscheuliches, brutales Gesicht entspannte sich, sein Körper wurde kleiner und er sank in sich zusammen. Er drückte seinen riesigen Kopf gegen ihr Bein und sah zu ihr auf. Beende es. Bitte mache dem ein Ende. Sie konnte die Bitte in seinem Blick beinahe hören, seine Augen veränderten sich von Gold zu Grün, sie bückte sich und streichelte sein Gesicht – und im nächsten Augenblick war er ein einfacher Wolf, weich und seidig, ein Zwerg, verglichen mit dem riesigen Werwolf, der noch wenige Minuten zuvor gekämpft hatte. Colin leckte ihre Hand in einer unterwürfigen Geste und genoss ihre zarte Berührung. Sie kniete nieder, das Publikum mit Blicken strafend. Er wollte die Menge anknurren, aber sie umarmte seinen Kopf und beruhigte ihn. ’’Wie perfekt,“ meinte Cane. Er drehte sich um zum Oberaufseher der Käfige und befahl, ’’dass die beiden nun relativ bequem untergebracht werden sollten.“ ’’Ja, Chef.“ ’’Wir müssen zusehen, dass sie sich wohl genug fühlen, um noch mehr Wölfe für uns zu machen.“ ’’Ja, Sir. Natürlich Sir. Sollen wir sie jede Nacht mit Steaks füttern?“ ’’Oh Gott nein! Bereiten sie etwas Erträgliches aus dem Fleisch zu, dass die Kundschaft nicht will.“ ’’Ich denke, ich kann etwas bekömmliches aus dem Pferdefleisch zaubern; niemand nimmt uns davon jemals was in großen Mengen ab; das meiste wird an die Schweine verfüttert.“ ’’Sehr gut. Machen sie das so.“ ’’Ja, Sir.“ Der Bedienstete ging in die Katakomben unter der Arena zurück und fragte sich, wie er überhaupt etwas Schmackhaftes aus Pferdefleisch herstellen sollte. |
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