22.a Das Lied der Sirene, Teil II - 180 A.D.

Im Inneren der Kabine herrschte statt des Sonnenlichtes schattige Kühle, und die Laute der zirpenden Vögel und Zikaden waren einer Stille gewichen, in der unsere keuchenden Atemzüge nur noch deutlicher vernehmbar waren. Im Inneren der Kabine gab es keinen Raum für Furcht oder Zweifel, keinen Platz für die Vergangenheit, für Trauer oder Schmerz. Nur für Lust und Verlangen und den Drang, beide zu stillen. Im Inneren der Kabine war kein Platz für Geister, nur für uns beide. Maximus und Julia. Mann und Frau. Heißes, lebendiges Fleisch an heißem lebendigem  Fleisch. Klopfendes Herz an klopfendem Herzen. Harte Männlichkeit an weicher Weiblichkeit. Im Inneren der Kabine gab es keinen Raum für Tod und Verdammnis, nur für Leben und die Erneuerung desselben.

Ich vergrub meine Finger in Maximus' kurzgeschittenem Haar, zwang sein Gesicht zu mir herab und küßte ihn hungrig. Es war, als sei ich mein ganzes Leben lang am Verdursten gewesen und hätte es erst jetzt bemerkt. Es war, als sei ich mein ganzes Leben lang am Verdursten gewesen, und er war die einzige Quelle, um diesen Durst zu stillen. Maximus' Lippen öffneten sich begierig den meinen, während er mir erlaubte, von ihm zu trinken, und seinerseits von mir trank, als sei auch er am Verdursten und ich sein einziges Labsal ...

Mit seiner Umgebung noch nicht vertraut und abgelenkt durch unsere heißen Küsse stieß Maximus gegen den Stuhl und verpaßte ihm einen so ungeduldigen Tritt, daß er mit lautem Krachen in einer Ecke landete und zerbarst.

Keiner von uns schenkte dem die geringste Beachtung.

Die Nachmittagssonne, die sich ihren Weg durch das Bullauge bahnte, zeigte ihm, wonach er gesucht hatte, und Maximus trug mich eilig zu dem breiten Bett, ließ sich mit einem Knie auf der federweichen Matratze nieder und setzte mich auf derselben ab, während er eilig die Kissen auf den Boden schleuderte. Ich weigerte mich, ihn auch nur einen Moment lang freizugeben, weigerte mich, ohne seine Wärme und Kraft zu sein, bedeckte sein Gesicht mit feuchten Küssen, ließ meine Zunge leidenschaftlich um sein Ohr tanzen, spornte ihn ohne Worte zur Eile an. Verlangte ohne Worte, daß er mich zu der Seinen machte. Daß er mich für sich forderte. Daß er mir sein Zeichen aufdrückte. Daß er mich heil und ganz machte. Daß er mich zur Frau machte. Daß er mich zu der Frau machte, die zu sein ich geboren war.

Unsere Atemzüge vereinten sich zu heißen, fiebrigen Lauten und erfüllten den kleinen Raum zusammen mit dem Geruch eines Mannes und einer Frau im Zustand höchster Erregung. Dieser Geruch war mir nur allzu vertraut ... Ein Geruch, den ich zu verabscheuen gelernt hatte. Einen Geruch, den ich sechs Jahre lang nicht mehr wahrgenommen hatte. Und nun ... nun empfand ich ihn so ganz anders. So anders wie das Gefühl, sich Maximus hinzugeben, von jenem Gefühl war, sich irgendeinem beliebigen Mann hingeben zu müssen. Nun erfüllte dieser Geruch meine Nase mit seiner erstickenden Schärfe, und ich atmete ihn begierig ein - eine einsame brünstige Löwin,  die endlich die Anwesenheit eines ebenso einsamen Löwen in ihrer Nähe wittert ... Es war berauschend, und ich genoß den primitiven Beweis der Wirkung, die sein Körper auf mich ausübte ... und meiner auf ihn ... Ich genoß die Erwartung. Die primitive Lust einer Frau, die darauf wartet, von einem Mann genommen zu werden ...

Maximus drückte mich sanft auf das Bett nieder, nahm meinen Kopf zärtlich in seine Hände.

Aber ich war nicht in der Stimmung für Sanftheit. Nicht in der Stimmung für Zärtlichkeit. Die Zeit für beides würde kommen, aber jetzt wollte ich etwas ganz anderes.

Ich brauchte etwas ganz anderes.

Und ich wollte und brauchte es mit der ganze Wildheit meines jungen, erregten, weiblichen Körpers. Mit all der Qual meines jungen, liebeshungrigen, weiblichen Ichs.

Ich packte seine Tunika, setzte mich auf und zerrte mit aller Gewalt an dem Stoff, zerriß die feine Wolle, entblößte seine breiten, gebräunten muskulösen Schultern, so daß sie meinen Augen, meinen Händen und meinem Mund preisgegeben waren. Die außergewöhnliche Hure, die ich gewesen war, wußte alles, was man über das wissen mußte, was Männer und Frauen machen, wenn sie zusammen zwischen den Bettüchern liegen - aber nichts darüber, was ein anständiger Mann von der Frau erwartet, die er erwählt, um seinen Körper mit ihr zu teilen. Vielleicht wurde von mir erwartet, lieb und geduldig zu sein oder sogar unterwürfig, aber ich war nichts davon.

Ich konnte es einfach nicht.

Ich war eine brünstige Löwin. Eine Löwin, die zu lange allein gewesen war, die sich verzweifelt nach Erfüllung sehnte. Verzweifelt danach sehnte, wieder heil und ganz zu sein.

Leidenschaftlich umschlang ich Maximus' Hals, nagte und saugte an seinem entblößten Fleisch, genoß den salzigen Geschmack seiner schweißbedeckten Haut, rieb meine kaum bedeckten Brüste an ihm, stöhnte und keuchte, leckte und küßte den Körper, nach dem ich mich so lange verzehrt hatte. Den Körper, der mir so lange verwehrt gewesen war.

Und als seine großen warmen Hände über meinen Körper wanderten und meine Brüste streiften, da stieß ich einen kleinen Schrei aus und wölbte mich ihm instinktiv entgegen. Er streichelte sie noch einmal und seine Berührung war so sanft, so zart wie die eines Schmetterlings. So unglaublich sanft und zart, daß ich lauter schrie und mich fester gegen diese Hände preßte, schamlos die derberen Berührungen einforderte, nach denen mein Hunger verlangte. Es bedurfte keiner weiteren Ermunterung. Stöhnend legten sich seine vom Schwertkampf schwieligen Hände fest um meine Brüste, und als seine Finger über meine harten Brustwarzen rieben, rollten und an ihnen zupften, da war es an mir aufzustöhnen.

Ich rieb mich an seinen Händen, intensivierte die Begegnung meines schmerzhaft erregten Fleisches mit seinen kundigen Händen.

Und nicht einmal das reichte aus. Nicht im mindesten.

"Zu viel Stoff ... zu viel Stoff", keuchte ich und zerrte wieder an seiner bereits zerrissenen Tunika.

Maximus gab meine Brüste frei, befreite sich dann aus meinen Händen und erhob sich auf seine Knie. Während er dies tat, rutschte ich ein Stück auf der Matratze nach unten und beobachtete, wie er sich rittlings auf mir niederließ und über mir kniend heftig an seinem Gürtel zog. Wie von selbst glitten meine Hände unter den Saum seiner Tunika, streichelten seine festen, behaarten Schenkel, folgten ihrer natürlichen Rundung, zeichneten die angespannten Muskeln nach, die ein ganzes Leben im Kampf und zu Pferde gestählt hatte, ließ meine Nägel über sie gleiten. Er ließ mich gewähren und mühte sich indessen mit seinen Sandalen ab, um sie endlich von sich zu schleudern, während er keuchend atmete und in seinen grünlich-blauen Augen ein  fiebriges Glitzern brannte. Dann packte er den Saum seiner Tunika, zog sie sich über den Kopf und warf sie beiseite.

Mir stockte der Atem.

Ich hatte Maximus niemals unbekleidet gesehen - außer in meinen Träumen ... und bis auf jenen unerwarteten kurzen Blick durch die leicht geöffnete Badezimmertür. Auch wenn er mit allen Abzeichen seines militärischen Ranges bekleidet gewesen war, hatte ich keinen Zweifel an dem gehabt, was mich erwartete, wenn er einmal diese Kleidung abgelegt haben würde. Und der kurze Blick auf seinen nackten, feuchten Rücken hatte das mehr als bestätigt.

Aber nichts, absolut gar nichts - nicht einmal sechs Jahre des Träumens, nicht einmal ein ganzes Leben als Hure - hatte mich vorbereitet auf den Anblick von fast 1,80m nackter gebräunter Haut, gestählter Muskeln und purer männlicher Schönheit.

Kein Marmor, wie schön auch immer er sein mochte, konnte sich mit der dunkel goldenen Perfektion von Maximus' Körper vergleichen. Auf breite stolze Schultern folgten kraftvolle Arme mit perfekt geformten, perfekt ausgebildeten Muskeln. Sein breiter Brustkorb war bedeckt mit zarten von der Sonne gebleichten Härchen, die um die goldbraunen Scheiben der flachen Brustwarzen dichter wurden. Der Brustkorb ging über in eine wohlgeformte Taille und einen flachen harten Bauch, in dessen Mitte ein köstlicher kleiner Nabel saß, der geradezu darum bettelte, daß man ihn küßte, leckte und an ihm saugte. Um die Hüften trug er ein knappes leinenes Lendentuch, das seine beeindruckende Männlichkeit kaum verbarg. Seine Schenkel zu beiden Seiten meines Körpers wiesen jene einzigartige Form auf, die Kraft und Grazie verbindet und die man nur bei geborenen Reitern findet.

Meine Hände zitterten leicht, während sie über seinen Oberkörper glitten und ihn behutsam erforschten, der Anblick seiner Schönheit blendete mich und machte mich trotz meiner Erfahrung und meines intensiven Verlangens schüchtern. Aber die Erkundungstour meiner Hände wurde durch Maximus unterbrochen, der vorsichtig den Stoff befühlte, welcher meine Brust bedeckte. Offenbar suchte er nach einer Möglichkeit, das geheimnisvolle Kleidungsstück, das mich wie eine zweite Haut umgab, zu öffnen.

Ich mußte allein über die Vorstellung lachen, wie Maximus' große Hände mit den unzähligen kleinen Häkchen auf meinem Rücken kämpften, und mein Lachen war zum erstenmal wieder so wie in jener Nacht in Moesia, als sich unsere Wege gekreuzt hatten und mein Leben für immer verändert worden war. Es war jung und frei und verspielt, das Lachen einer Frau, einer schönen und selbstbewußte Frau, die weiß, daß sie geliebt und umsorgt wird.

"O Maximus, zerreiß es einfach. Es ist mir egal", sagte ich, während ich versuchte, mich ein wenig aufzusetzen. Mein Herz war so leicht, so voller Freude, daß ich glaubte, es würde zerspringen.

Und da waren sie wieder, diese Flammen, in der Tiefe von Maximus' aquamarinblauen Augen. Aber bevor er noch tun konnte, worum ich ihn gebeten hatte - weil ich es nicht länger aushielt, seine Hände nicht auf meiner nackten Haut spüren zu dürfen - packte ich den kostbaren Stoff selbst mit beiden Händen, zerriß ihn bis hinab zur Taille, und bot mich seinem Blick und seiner Berührung dar.

Meine Büste konnten es nicht erwarten, sich seinen bereitwilligen Händen hinzugeben, und ich schrie auf bei der Berührung durch diese großen warmen Handflächen. Und wieder schrie ich, als ich spürte wie seine schwieligen Daumen über meine harten Brustwarzen rieben, bis sie vor Erregung schmerzten. Ich spürte, wie ich unter seinen Zärtlichkeiten schwach wurde. So schwach, daß ich, als er mich wieder sanft auf die Matratze zurückdrückte, keinerlei Widerstand leistete.

Maximus bedurfte keiner weiteren Ermunterung. Er hakte seine Finger in mein bereits zerrissenes Gewand und befreite mich auch noch von dem verbliebenen Rest des Kleidungsstücks. Seine Knöchel hinterließen eine feurige Spur auf meinem nackten Körper, und der Anblick seiner gebräunten, starken Hände auf meiner milchweißen weichen Haut war so erregend, daß ich mich beinahe an meinem eigenen Atem verschluckte. Ich schloß die Augen, wand mich, krümmte mich unter seinen Händen, half ihm, mich aus den Überresten meines Sirenen-Gewandes zu schälen und genoß seine stürmischen und gleichzeitig unvergleichlich zärtlichen Berührungen. Und als ich die Augen wieder öffnete, sah ich, wie er das ruinierte Kleidungsstück weit von sich schleuderte. Es bauschte sich zu einer Wolke aus Federn auf, schwebte durch die Luft und glitt endlich sanft zu Boden. Und einen kurzen flüchtigen Moment lang glaubte ich, wir seinen nicht länger auf dem Schiff, nicht mal mehr auf dieser Erde, sondern auf einer Wolke. Einen kurzen flüchtigen Moment lang glaubte ich, wir seien nicht mehr die ehemalige Hure und der einstige General. Nicht Freigelassene und Gladiator. Nicht Witwe und Witwer. Nicht einmal Mann und Frau sondern Gott und Göttin ... und die Ewigkeit sei unser.

Maximus' Keuchen brachte mich in die Wirklichkeit zurück. Die brennenden Aquamarine seiner Augen verschlangen meinen nackten Körper. Unter seinem heißen Blick schlug mein Herz so wild, daß es mir schien, als flattere meine linke Brust gleich einem gefangenen Vogel. Ich fühlte eine nie gekannte fiebrige Hitze in mir aufsteigen und fühlte die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen ...

Maximus' Finger flogen zu den Knoten seines Lendentuches. "Ich fürchtete, meine Einbildung habe mir von Deiner Schönheit Trugbilder vorgespielt",  sagte er schwer atmend, während er mit seinem Untergewand kämpfte. "Du bist wahrhaftig so umwerfend, wie ich Dich in Erinnerung hatte ... "

Nach einigem Zerren und Ziehen löste sich endlich das knappe Leinentuch, das Maximus' Lenden bedeckte, und er schleuderte es ungeduldig beiseite, erhob sich auf die Knie, und zeigte sich mir ohne jede Scham in der ganzen Pracht und Herrlichkeit seiner männlichen Schönheit. Ohne Scham bot er sich mir als Mann dar so wie ich mich ihm als Frau dargeboten hatte.

"Nun, das gilt noch viel mehr für Dich, mein Liebster", flüsterte ich und ließ meine Augen seinen Körper hinabwandern, bis mein Blick auf dem Nest dunkelbrauner Locken hängen blieb, das sich dort befand, wo seine Schenkel sich berührten. Seine sich mir stolz entgegenstreckende Männlichkeit ließ mich vor Erwartung erschauern - und 'umwerfend' beschreibt nicht einmal annähernd diese stolze Männlichkeit.

O, nein. Nichts hatte mich auf ihn vorbereitet. Nichts hatte mich vorbereitet auf sein leidenschaftlich erregtes männliches Fleisch, seine Manneskraft und unvergleichliche Männlichkeit ... Und dennoch ... Ich mußte ihn haben.

Selbst wenn es bedeutete, verschlungen zu werden.

Selbst wenn es bedeutete, in Stücke gerissen zu werden.

Selbst wenn es bedeutete, sterben zu müssen.

Ich hob meinen Schoß von der Matratze, streckte ihm meine Arme entgegen und spreizte die Schenkel so weit es mir möglich war, da er noch immer rittlings auf mir saß. Ich lud ihn ein, wie die Sirene, mit der man mich immer verglichen hatte, den dunkelhaarigen Seemann eingeladen hatte, nach dem sie sich so verzehrte.

Maximus rührte sich nicht.

Statt dessen verharrte er weiter kniend auf dem Bett; mit gespreizten Beinen thronte sein nackter Körper über mir. Seine Augen verschlangen begierig jeden Zentimeter meines Körpers, seine Nasenflügel bebten wie die eines Hengstes, der eine heiße Stute wittert.

Wie ich so dalag, nackt seinen brennenden begehrlichen Blicken ausgesetzt, da spürte ich tief in meinem Inneren das Züngeln von Flammen, und ihre Hitze breitete sich von meinem Schoß durch sämtliche Adern über meinen ganzen Körper aus. Eine Hitze, die so intensiv war, daß Maximus sie, auch ohne mich zu berühren, gespürt haben mußte.

Unfähig weiter still dazuliegen, ließ ich meine Hände über seine Schenkel wandern, folgte den perfekten, weichen Kurven seiner Muskeln, streichelte seine Taille, glitt mit den Handflächen über sein Kreuz und umfaßte diese runden, herrlich festen Pobacken, die ich kurz durch den Spalt der Badezimmertür erspäht hatte. Maximus schloß die Augen, verharrte aber weiter unbeweglich, bot mir seinen Köper dar, erlaubte mir, ihn zu erforschen, und langsam, ganz langsam glitten meine Hände zurück zu seinem Bauch. Er hielt deutlich vernehmbar die Luft an, als meine Fingerspitzen zärtlich die sensiblen Zonen seiner Lenden berührten, und nach kurzem Zögern nahm ich sein Glied in meine Hand. Er streckte mir seinen Unterleib entgegen und warf den Kopf zurück, während er laut aufstöhnte. Mein Herz wurde weit bei diesem  Laut höchster männlicher Erregung. Und der bloße Gedanke, daß ich die erste Frau war, die ihn seit Jahren an dieser intimen Stelle berührte, entflammte meine eigene Erregung wie ein wildes, stürmisches Feuer, das drohte, mich zu verzehren ...

Ich strich noch einmal und dann ein drittes Mal über sein Glied, bewegte meine Hand langsam über sein hartes, brennendes Fleisch, staunte über seine Beschaffenheit, seine Größe und Stärke.

Es war wie Eisen unter einer samtenen Hülle.

Feuer und Seide.

Maximus öffnete schlagartig die Augen. Er schlug meine Hand weg und bedeckte mich mit seinem kraftvollen Körper.

Wir schrieen beide auf, als sich unsere nackten Körper berührten. Eine Berührung, die wir so sehr brauchten und die uns so lange vorenthalten worden war. Seine Haut spannte sich wie fieberheiße Seide über die Härte seines männlichen Körpers. Meine bedeckte nicht weniger heiß und seidig die weichen Rundungen meines weiblichen Körpers. Er preßte sich gegen mich und ich mich gegen ihn, bis wir einander so nahe waren, wie es ein Mann und eine Frau ohne die vollständige Vereinigung nur sein können, und wir stöhnten und keuchten, spürten, wie perfekt unsere Körper mit einander harmonierten...

Maximus schob einen seiner muskulösen, behaarten Schenkel zwischen meine, und ich reagierte automatisch, bemühte mich, mein feuchtes pulsierendes Zentrum ganz nah an sein brennend hartes Fleisch zu bringen. Er ließ seine Hände unter meinen Po gleiten, preßte mich gegen sich und wies mir den Weg, während ich ihm meinen Schoß instinktiv entgegenhob.

Von Leidenschaft verzehrt nahm ich stürmisch von seinem Mund Besitz, meine Zunge begehrte Einlaß und eroberte ihn, sobald er mir Zugang gewährte. Schnell wurde aus dem Kuß ein Taumel sich steigernder Begierde. Und schon bald war Küssen nicht mehr genug ... Nicht im mindesten ... Plötzlich schob Maximus auch seinen anderen Schenkel zwischen meine Beine, spreizte sie auseinander, und bevor ich noch wußte, wie mir geschah, drang er tief in mich ein.

Ich entriß ihm meinen Mund und schrie auf.

Er war groß, und für mich war es lange her ... Ich war eng wie ein junges Mädchen, und nicht einmal Erregung und Erwartung hatten mich darauf vorbereitet, so schnell, tief und vollständig genommen zu werden. Keuchend schloß ich die Augen, bohrte meine Nägel in seine Schultern und zwang mich dazu, ruhig zu bleiben, mich daran zu gewöhnen, von ihm bis zum Bersten erfüllt zu sein ... Auf eine Weise erfüllt, die mich ruhelos machte. Auf eine Weise erfüllt zu sein, die mich wild machte. Auf eine Weise erfüllt zu sein, die nach mehr verlangte, als einfach nur von ihm erfüllt zu sein. Die nach sehr viel mehr verlangte ...

Über mir verharrte Maximus ebenfalls unbeweglich, aber ich spürte, wie er erschauerte - einmal, zweimal und dann noch ein drittes mal ... heftiger.

Ich öffnete die Augen und ich fühlte, wie sich mir das Herz zusammenkrampfte. Seine Augen waren fest geschlossen, sein so attraktives Gesicht mühsam angespannt, auf seiner breiten Stirn glänzten Schweißperlen. In jener ersten Nacht in der Villa hatte Maximus - obwohl er angekettet war und man ihn endlose Stunden in dem Glauben allein gelassen hatte, er würde vergewaltigt werden - versucht, mich in meiner Angst über sein Schicksal zu trösten.

Trotz der brennenden Begierde, die ihn schmerzvoll in mir erschauern ließ, wandte er jetzt jedes Bißchen seiner titanischen Selbstkontrolle auf, um mich nicht hart zu nehmen ...

Ich streichelte sein Gesicht, und er erschauerte noch einmal. Ich bewegte mich langsam, ganz langsam, hob die Hüften an und schlang meine langen Beine um seine Taille, was uns beide aufstöhnen ließ, da die Bewegung ihn nur noch tiefer in mich eindringen ließ. Dann nahm ich sein Gesicht sanft in beide Hände und bewegte mich leicht hin und her.

Er öffnete schlagartig die Augen.

Ich umklammerte ihn fester und wiegte mich wieder - hin und her.

"Julia ..." keuchte er.

Ich griff in sein kurzgeschnittenes Haar, zog seinen Kopf zu mir herab, küßte ihn, stieß meine Zunge tief in seinen Mund und bewegte meine Hüften ein drittes Mal.

Jetzt war es vorbei mit seiner Selbstbeherrschung.

Das Knurren eines wilden Tieres ließ sich aus der Tiefe seines Brustkorbes vernehmen und ich antwortete mit einem ebensolchen Laut, als er die Kontrolle dieses Kusses übernahm, seine Zunge sich mit meiner in einem heißen, wilden Tanz vereinte. Dann spannte er jeden Muskel seiner Lenden und nahm mich hart. Nicht wie ein Soldat seine Hure nach einem blutigen Kampf nimmt, sondern wie ein Mann seine Frau nimmt, der glaubte tot zu sein und plötzlich feststellt, daß er noch am Leben ist - so irrsinnig voller Leben, daß es schmerzt.

Es war stürmisch.

Es war wild.

Es war roh.

Es hätte weh getan haben können.

Aber statt dessen war es köstlich, so lustvoll, daß ich dachte, ich müßte sterben.

Und auch ich nahm ihn hart, wie eine Frau ihren Mann nimmt, wenn nicht nur die Leere in ihrem Körper ausgefüllt werden muß, sondern auch die Leere in ihrem Herzen und ihrer Seele.

Schon bald verschlang er meine schluchzenden Seufzer.

Schon bald krallte ich mich an ihn, suchte vergeblich nach einem Anker in dem Sturm, der mich fortriß.

Suchte vergeblich nach einer Zufluchtsstätte in dem Feuer, das mich zu Asche zu verbrennen drohte.

Schon bald rang ich vergeblich nach Atem. Ich wußte, daß die Luft der ganzen Welt nicht ausreichte, meine Lungen zu füllen, denn ich ertrank in den schäumenden Wassern der Leidenschaft und in diesen Wassern zu ertrinken war alles, was ich wollte.

Ich wand und wiegte mich unter ihm, während sein Stoßen fester und tiefer und schneller wurde. Mein Schoß spannte sich an, meine Schenkel zuckten von der Anstrengung, Maximus zu halten, ein dumpfer Schmerz begann, sich unten in meinem Becken auszubreiten. Und er drang immer weiter und tiefer in mich ein, sich verlierend in seiner ungebändigten Leidenschaft.

Ich konnte spüren, wie es in mir brodelte.

Es war mit nichts zu vergleichen, was ich je erlebt hatte.

Eine Macht, die, einmal losgelassen, mich umzubringen drohte.

Mich zu verwandeln und zwar für immer zu verwandeln drohte.

Es war qualvoll und gleichzeitig belebend.

Es war köstlich und gleichzeitig beängstigend.

Und es trieb mich dem Unbekannten entgegen mit einer vernichtenden, unaufhaltsamen Macht.

Plötzlich kämpfte ich instinktiv gegen diese Macht an. Ich kämpfte gegen Maximus an, aber ich hatte keine Chance gegen seine Kraft und wilde Entschlossenheit, und jeder Stoß brachte mich näher und näher an den Abgrund, von dem ich vor sechs Jahren nur eine vage Ahnung erhascht hatte.

Und dann wußte ich es.

Unzählige Male hatte man mich unzähligen Männern gegeben, und jeder hatte sich von mir genommen, was er wollte, sei es Lust, Schmerz und einfach nur Unterwerfung. Und ein Mann hatte nicht nur Anspruch auf meinen Körper erhoben sondern auch auf mein Leben und mein Schicksal, und ich hatte dem vor sechs Jahren ein Ende bereitet - mit einem gestohlenen Dolch und der Kraft, die aus einem ganzen Leben voller Hass erwachsen war.

Ich hatte ihnen gehört, um ihnen zu Willen zu sein.

Ich war ihre Sklavin gewesen.

Ich war ihre Hure gewesen.

Ich war ihr Spielzeug gewesen.

Aber keiner von ihnen hatte mich je besessen.

Keiner von ihnen hatte auf mehr als meinen sorgfältig dressierten Körper Anspruch erheben können.

Keiner von ihnen war fähig gewesen zu entdecken, was in meinem Herzen vor sich ging, und mich zu zwingen, ihm dies auszuliefern, so wie sie mich gezwungen hatten, ihre selbstsüchtige Brunst über mich ergehen zu lassen.

Aber all mein Training und meine Erfahrung hatten mich nicht auf DAS vorbereitet.

Das war Besessenheit. Totale, absolute und vollständige Besessenheit. Es ging um viel mehr als die  heiße Vereinigung von Fleisch mit Fleisch. Es erhob nicht nur Anspruch auf meinen Körper, sondern auch auf mein Herz und griff sogar nach meiner Seele ...

Ich geriet in Panik.

"Nein ... Nein ..."

Ich konnte nicht ... Es gab keine Möglichkeit ...

Keine Möglichkeit, daß ich dies tun konnte und überleben würde.

Keine Möglichkeit, daß ich die Schwelle überschreiten und weiterleben konnte.

"Nein ..."

Maximus' Hände zwangen mich, meine Hüften nur noch höher zu heben, während er weiter schonungslos in mich eindrang.

Schonungslos nahm - und soviel gab wie er nahm. Schonungslos nahm und gab er, und lehrte mich, daß auch ich endlos geben und nehmen konnte. Schonungslos forderte er, was sein war.  Was sein gewesen war vom ersten Augenblick an, als sich unsere Wege während eines wilden Gelages in Moesia gekreuzt hatten ... oder vielleicht vom Anbeginn der Zeit. Schonungslos forderte er, was sein war -  und unterwarf sich gleichzeitig meinem Fordern, lehrte mich, daß auch er, so wie ich, endlos geben und nehmen konnte ... Und er genoß beides.

Mit einem lauten, gequälten Stöhnen ließ ich mich fallen.

Mein Körper umklammerte den seinen so fest, daß wir beide abermals gemeinsam aufschrieen. Die Welt um mich herum zerbarst, während mein Körper krampfhaft zuckte - wieder und wieder und wieder - und Maximus weiter in mich stieß. Er gab und nahm, und ich zitterte und schluchzte und stöhnte und schrie.

Nein, nichts hatte mich DARAUF vorbereitet. Nicht mal jenes kurze Aufflackern von Leidenschaft, das ich hinter dem Vorhang eines Alkovens in Moesia erlebt hatte.

Das hier war nicht nur, was Stuten und Löwinnen antreibt, endlose Meilen zu laufen, blindlings nach dem Gefährten zu suchen und nach der Erfüllung, die nur dieser Gefährte geben kann.

Nein, es war vielmehr das, was Männer und Frauen treibt, sich jeder Gefahr auszusetzen, Verdammnis und sogar das Leben zu riskieren - ohne daß sie auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden.

Das war es, wonach jeder Mann und jede Frau sich sehnen, selbst wenn sie leben und sterben, ohne es je kennengelernt zu haben.

Nicht das, wofür Männer eine Hure bezahlen. Oder eine Sklavin mißbrauchen. Nicht das, was siegreiche Krieger bekommen, wenn sie die Frauen ihrer besiegten Feinde neben deren blutenden Körpern nehmen.

Nicht das, wofür reiche Matronen einen Gladiator mieten.

Oder wozu sie ihre Sklaven zwingen.

Es war nicht nur Lust.

Es war Erfüllung.

Es war Leidenschaft.

Es war Liebe.

Und ich, Julia, die Sklavin und Hure, hatte es kennenlernen dürfen.

Es war wild. Es war unheimlich. Es war so schmerzlich schöner als jeder schmerzlich schöne Traum. Und nichts, absolut nichts, hatte mich auf diese wilde Schönheit und diesen süßen Schmerz vorbereitet.

Ich starb.

Und ich wurde wieder geboren.

Erschöpft aber immer noch bebend, in Schweiß gebadet und immer noch zitternd, immer noch schluchzend, flatterte mein Körper noch immer unter den langsam abebbenden Zuckungen eines heftigen Orgasmus. Und da hörte ich Maximus' heiseren Schrei, als er endlich seinen eigenen Höhepunkt erreichte und seinen Samen glühend heiß in mich ergoß; der anscheinend nicht enden wollende Strom entlockte meiner bereits rauhen Kehle ein weiteres peinvolles Stöhnen.

Maximus ließ sich auf mich fallen, meinen eigenen Körper unter seinem großen, schweißbedeckten Körper begrabend.

Es fühlte sich so gut an, so köstlich, von seinem Gewicht erdrückt zu werden, daß ich bereit war, ihn zurückzuhalten, falls er versuchen sollte, mich freizugeben.

Ich brauchte mir darum keine Gedanken zu machen. Einfach auf mir zu liegen schien ihm so angenehm zu sein, daß er sich nicht rührte.

Oder vielleicht war er auch nur zu erschöpft.

Es war mir gleich.

Das einzige, was zählte, war, daß wir zusammen waren, noch immer vereint in einer intimen Umarmung, die Nachwehen unserer Leidenschaft teilend, meine Brüste unter seinem breiten Brustkorb, und daß unsere Herzen in wildem Gleichklang schlugen. Er hatte sein bärtiges Gesicht in meiner schweißnassen Halsbeuge vergraben, sein Bart kratzte angenehm auf meiner Haut, und ich spürte seinen heißen Atem an meinem Ohr, während mein eigener sanft das seine streichelte. Und langsam beruhigten sich unsere Atemzüge.

Und wir schwiegen einfach nur.

Süßes, zufriedenes, vertrautes Schweigen.

"Maximus?" flüsterte ich, und meine Lippen berührten zart sein Ohr.

"Hmmm?" brummte er, und dieser Laut war so ein Ausdruck purer männlicher Zufriedenheit, daß ich lächeln mußte.

"Ich liebe Dich ..."

Er sagte nichts.

Ich hatte es nicht anders erwartet.

Aber er schlang seine Arme fester um mich.

Er brauchte nichts zu sagen.

Diese Geste sagte mehr als tausend Worte.

Ich hob meinen Kopf ein wenig und küßte ihn zärtlich hinter dem Ohr - dort, wo man seinen Puls durch die zarte, weiche Haut spüren konnte - dann liebkoste ich die Stelle mit meiner Zunge.

Er schmeckte köstlich. Er schmeckte nach Sonne und Mann und Salz - und einfach nach sich selbst.

Maximus seufzte tief und zufrieden und entspannte sich dann so plötzlich, so vollständig, daß ich wieder lächeln mußte.

Immer noch auf mir liegend war er eingeschlafen.

Ich leckte noch einmal an seiner Haut, genoß den Geschmack, der so einzigartig war wie er selbst.

Ich wollte an seinem ganzen Körper lecken. Wollte an jedem Quadratzentimeter seiner Haut lecken und das Salz, die Sonne und sein männliches Aroma in mich aufnehmen ... Ich wollte jeden einzelnen Quadratzentimeter seiner gebräunten, warmen Haut küssen ... aber ich mußte warten.

Ich war zu müde. Zu schläfrig.

Mit einem Seufzer folgte ich Maximus ins Reich der Träume.

 

Ich weiß nicht, wie lange ich schlief.

Es könnten Minuten oder Stunden oder Tage gewesen sein, so fest hatte ich geschlafen.

Ich konnte mich nicht erinnern, jemals so tief geschlafen zu haben.

Ich wachte von einem seltsam kribbelnden Gefühl und einem entfernten rhythmischen Geräusch auf.

Ganz langsam erreichte ich wieder die Oberfläche meines Bewußtseins.

Ein Teil von mir wollte sich weigern, in der weichen Dunkelheit bleiben, die mich einhüllte ... Aber der andere Teil war begierig, wieder aufzutauchen und zog den widerstrebenden mit sich, als würde etwas ihn unnachgiebig locken, wieder ins Bewußtsein zurückzukehren.

Das kribbelnde Gefühl  und das rhythmische Geräusch wurden stärker ...

Ich öffnete zögerlich die Augen, und einen Moment lang wußte ich nicht, wo ich war.

Nicht in meinem Schlafzimmer ... In meinem Schlafzimmer gab es kein Holz, nur Marmor und Samt und Seide ...

Die durch das Bullauge schräg einfallenden Sonnenstrahlen sagten mir, daß es später Nachmittag war ... Das Bullauge ... Ich war auf einem Schiff ... Ich schlafe nicht auf Schiffen ...

Plötzlich war ich hellwach, und die Wirklichkeit holte mich mit einem Schlag ein.

Und ausnahmsweise schmerzte die Wirklichkeit einmal nicht.

Plötzlich machte alles Sinn.

Das Schiff, das kribbelnde Gefühl und die Geräusche.

Ich lag auf dem Bett in der Kabine der nachgebauten Poseidon. Ich sah sein dunkles Haar, sein Kopf war über meinen nackten Körper gebeugt und er knabberte, schnupperte, leckte und küßte zärtlich meine schmerzhaft pochenden Brustwarzen, die bereits hart wie Kiesel waren. Es war der Rhythmus meiner seligen Seufzer gewesen, den ich im halbwachen Zustand wahrgenommen hatte.

Sorgsam darauf bedacht, ihn nicht abzulenken, legte ich langsam meine Hand auf seinen Hinterkopf, mein Daumen streichelte die weiche Stelle unter seinem Ohr.

Maximus hob den Kopf und schenkte mir sein reizendes jungenhaftes Lächeln - und ich fühlte, wie sich mir das Herz in der Brust zusammenkrampfte beim Anblick der unverfälschten Schönheit seines jugendlichen verletzlichen Lächelns.

"Ich will Dich noch einmal ..." flüsterte er, und es klang irgendwie, als sei es ihm peinlich, als sei es ihm - trotz der Intimität, die wir miteinander geteilt hatten - unangenehm zuzugeben, daß er nicht fähig war, sein Verlangen zu kontrollieren ...

Oder war es gerade wegen dieser Intimität, die wir noch vor wenigen Augenblickem geteilt hatten?

Was auch immer die Antwort sein mochte, ich umfaßte seinen Nacken fester und hob ihm in einer Geste schweigender Einladung meine Brüste entgegen. Er bedurfte keiner weiteren Ermutigung. Er beugte sich wieder herab und leckte eifrig an meiner Brustwarze, dann schlossen sich seine hungrigen Lippen um dieselbe und er saugte gierig. Er saugte und saugte. Und in der Verzückung, die folgte, glaubte ich, Milch würde in einem nicht enden wollenden heißen Strom aus meinen schweren geschwollenen Brüsten quellen.

Mit einem schmatzenden Laut gab Maximus' Mund die eine Brustwarze frei und wandte sich der anderen zu, welche augenblicklich in der feuchten Hitze eben dieses Mundes verschwunden war, während sein Bart die empfindliche Haut kitzelte, die sie umgab. Ich schrie auf, als die süße Folter von Neuem begann und es in meinen erregten Brüsten so heftig pochte, daß ich das Echo jedes Pochens schmerzlich zwischen meinen Beinen spüren konnte.

Ein kräftiger Arm schlang sich um meine Taille und hielt mich fest, während Maximus länger und länger an meinen Brüsten sog.

Ich wandte und krümmte mich unter ihm und preßte meinen Schoß gegen seinen harten Schenkel, den ich mit meinen eigenen fest umschlossen hielt, suchte vergeblich nach der ersehnten Erfüllung und vermehrte statt dessen nur meinen Hunger.

"Maximus ... " Stöhnte ich. "Maximus ... "

Er saugte noch immer an meiner Brust, seine ruhelose, heiße Zunge tanzte wie wild um die harten Spitzen, seine großen warmen Hände glitten an meinen Flanken hinab und streichelten meine Hüften. Dann wechselte er seine Position ein wenig und streichelte zärtlich die Innenseiten meiner Schenkel.

Und als er die intimste Stelle meines Körpers mit seinen Fingern berührte, öffnete ich mich ihnen wie eine Blume, hieß sie willkommen, sehnte mich jedoch nach einer tieferen, innigeren Vereinigung. Unter seinem Körper gefangen wölbte ich meine Brust seinem Mund und meine Hüften der Berührung seiner Hände entgegen. Ich bewegte mich in perfektem Einklang mit ihrem ebenfalls perfekten Rhythmus, der mich wahnsinnig zu machen drohte, während er mich erbarmungslos meinem Höhepunkt entgegentrieb.

Ich stöhnte. Ich keuchte. Ich schrie. Ich bettelte.

Doch niemals bat ich ihn aufzuhören.

Maximus' Zunge umkreiste noch einmal meine Brustwarze, dann senkte er seine Zähne in das empfindliche Fleisch, und dieser süße Schmerz - zusammen mit der erbarmungslosen Bewegung seiner großen, schwieligen, fordernden Finger - ließ mich in den Abgrund meiner Lust taumeln.

Geschüttelt von der Heftigkeit der Erfüllung, die ich endlich genoß, sank ich zurück auf die Matratze. Meine Lippen öffneten sich zu einem Schrei seliger Lust, aber er erstarb in meiner Kehle, als Maximus mit jener katzengleichen Schnelligkeit, die mir immer den Atem nahm, auf dem Höhepunkt meiner Erregung in mich eindrang.

Mir stockte der Atem von der Heftigkeit dieses machtvollen Eindringens.

Mein Fleisch war noch empfindlich von unserer letzten wilden Vereinigung, das leichte Gefühl von Wundsein war nicht unangenehm, im Gegenteil -  es machte mich so empfindsam, daß mir die Sinne zu schwinden drohten ...

"Maximus ... "

Er drang tiefer in mich ein.

Unvorstellbar tief . Unvorstellbar hart.

"Maximus ... "

Weiter.

Und weiter.

Härter. Tiefer.

"Maximus ... "

Härter. Tiefer. Schneller.

"Maximus ... "

Wieder und wieder und wieder.

"Maximus ... "

Jeder Stoß in perfektem Einklang mit dem Spiel meiner Muskeln.

Jeder Stoß hielt mich fest auf dem Gipfel meiner Erfüllung, machte den Abstieg unmöglich.

Jeder Stoß entfachte aus den glühenden Kohlen lodernde Flammen.

Jeder Stoß trieb mich tiefer und tiefer in das Feuer.

Härter. Tiefer. Schneller.

Ich kam.

Und kam.

Und kam.

Und er ließ mich weiter kommen.

Und kommen.

Und kommen.

Bis mein Stöhnen zu heiserem Schreien wurde.

Und das Schreien lauter wurde.

Bis in meinen Lungen keine Luft mehr war zum Stöhnen und Schreien.

Bis meine Kehle brannte, sich verkrampfte und trocken wurde.

Bis mein Körper erschlaffte - und dennoch weiter zitterte und zuckte in den Wehen einer anscheinend nie enden wollenden Erfüllung.

Bis mir alles weh tat - und der Schmerz war so gut, so richtig, so unvorstellbar köstlich, daß ich in Tränen ausbrach, und zum erstenmal waren meine Tränen keine Tränen des Schmerzes, des Kummers oder der Einsamkeit sondern Tränen reiner Freude.

Erfüllung.

Sättigung.

Tränen der Leidenschaft.

Tränen der Liebe.


22.b Das Lied der Sirene, Teil II - 180 A.D.

 

"Julia... Julia... Julia..."

Maximus' tiefe, sonst so wohlklingende Stimme war rauh und heiser, als sei seine Kehle wund und ausgetrocknet von der Anstrengung. Ich mußte alle Kraft aufwenden, die mir noch geblieben war, um meine Augen zu öffnen. Als mir dies endlich gelang, sah ich Maximus' von Schweiß glänzenden Körper über mir. Immer und immer wieder stieß er seine Männlichkeit tief in meinen Schoß, jede Bewegung machte das Spiel seiner Muskeln überdeutlich, der Schweiß strömte über seinen Körper, und die winzigen Bäche hoben die atemberaubende Pracht seiner männlichen Schönheit nur noch mehr hervor.

Er hatte den Kopf zurückgeworfen und die Augen fest geschlossen, die Lippen waren leicht geöffnet von der Mühe, Luft in seine Lungen zu pumpen.

Die angespannten Muskeln seiner Oberarme, der breite schwer atmende Brustkorb, die schönen, vor Anstrengung angespannten, Gesichtszüge - all das ließ ihn wild und ungezähmt erscheinen. Er schien nichts um sich herum wahrzunehmen, während er unbeirrt den Weg zum Gipfel seiner eigenen Erfüllung erklomm.

Für ihn gab es nichts als sein Verlangen und seine Begierde.

Nichts als seine Leidenschaft.

Und seine Leidenschaft trug meinen Namen.

"Julia ... Julia ... "

Schwach, immer noch schluchzend, hob ich eine zitternde Hand und berührte seine leicht geöffneten Lippen. Sie fühlten sich warm und feucht und weich unter meinen Fingerspitzen an. Er küßte sie begierig, leckte an ihnen, sog sie in seinen Mund ein, während er weiter in mich eindrang. Dann erstarrte sein Körper vollständig, er schrie laut auf, und sein heißer Samen ergoß sich in mich. Sein Schrei hallte wider von den holzgetäfelten Wänden und von den zu fest gespannten Seiten meines Inneren, verebbte dann zu leisen Seufzern, während er sich weiter in dem Rhythmus bewegte, den sein Körper ihm diktierte, die Augen geschlossen, der Mund geöffnet. Seine Seele weilte an dem Ort, zu welchem die Seelen zu gehen pflegen, wenn sie weggespült werden von der Gewalt der Erfüllung, die dem Körper zuteil geworden ist.

Dann erzitterte er, und es war vorbei.

Mit einem Seufzer ließ Maximus sich auf die Matratze fallen. Diesmal hatte er genug Kraft, um sich auf den Rücken zu rollen und mich nicht unter dem Gewicht seines Körpers zu  begraben. Aber ich wimmerte, weil ich mich plötzlich so verlassen fühlte, und suchte instinktiv nach seiner Wärme. Obwohl er erschöpft war, nahm Maximus mich sofort in seine Arme, und auch ich vergeudete keine Zeit und schmiegte mich fest an ihn. Er ließ mich gewähren und wiegte und streichelte mich, bis mein Zittern und Schluchzen sich legten. Zu überwältigt von meinen eigenen Gefühlen, von der Gewalt des Sturmes, der über uns hereingebrochen war, von der schmerzvollen Schönheit der Erfüllung, die mein Körper gefunden hatte, und der reinen, wilden Schönheit von Maximus' Anblick schlief ich augenblicklich ein.

Als ich das nächste mal aufwachte, lag ich noch immer fest an Maximus geschmiegt da, mein Kopf ruhte auf seiner Brust, mein hüftlanges Haar bedeckte uns beide wie eine rotgoldene Wolke. Maximus hatte den Arm immer noch in dieser für ihn so typischen besitzergreifenden und gleichzeitig beschützenden Weise um mich geschlungen. Das durch das Bullauge hereinfallende rötliche Licht sagte mir, daß es später Nachmittag war. Sorgfältig darauf bedacht, ihn nicht aufzuwecken, hob ich vorsichtig den Kopf, um ihn zu betrachten - seine sich mir so herrlich darbietende nackte gebräunte Haut glänzte unter den Strahlen der untergehenden Sonne wie polierte Bronze. Aber Bronze ist kalt und herzlos, und er war warm, lebendiges Fleisch, pulsierendes Blut und leidenschaftlich brennendes Leben.

Im Schlaf wirkte Maximus völlig gelöst, frei von jeder Sorge und arglos, seine strenge Selbstkontrolle ganz vergessen. Er sah jung aus, verletzlich und beinahe wie ein Kind. So war es auch gewesen, als ich heimlich seinen trunkenen Schlaf in meinem Wohnzimmer beobachtet hatte. Aber diesmal war da noch etwas anderes. Er sah gelöst aus, frei von Sorgen und arglos. Er sah jung und verletzlich und beinahe kindlich aus. Aber er sah auch zufrieden aus. Man sah, daß er im Frieden mit sich selbst war, seine süßen, ein wenig weiblichen Lippen geschwollen von unseren hungrigen Küssen.

Als ich das bemerkte, mußte ich unwillkürlich lächeln, berührte meine eigenen geschwollenen Lippen und kicherte dann leise vor mich hin. Sie waren ein wenig wund und empfindlich, die Lippen einer Frau, die von einem leidenschaftlichen Mann intensiv geliebt worden war.

Maximus seufzte im Schlaf, und ich nahm mich eilig zusammen, um ihn nicht zu stören. Sein Arm legte sich fester um meine Schultern, dann drehte er sich zu mir um und hielt mich fest in seiner Umarmung gefangen - eines seiner kräftigen muskulösen Beine über die meinen gestreckt.

Ich ließ ihn gewähren, und als er sein Gesicht in der Beuge meines Halses vergrub und abermals seufzte, küßte ich seine feuchte Stirn.

Er war all das, was ich mir von ihm erträumt hatte, und noch viel mehr.

Er war schön. Wunderbar. Herrlich.

Und er gehörte mir.

Diesmal seufzte ich ... und schlief wieder ein.

 

Als ich endlich die Augen öffnete, war es in der Kabine vollständig dunkel, und ich fühlte die Wärme von Maximus' massigem Körper neben mir ...

Durch das Bullauge sah ich einen Streifen dunklen Himmels und eine kleine hell leuchtende Gruppe früher Sterne. Die Luft in der Kabine war heiß, und es bedurfte keines Lichtes um festzustellen, daß jede glatte Oberfläche im Inneren derselben - einschließlich unserer nackten Körper - mit Feuchtigkeit wie mit Tau überzogen war. Der Gedanke daran, was die Ursache dieser Feuchtigkeit war, ließ mich erröten, und ich dankte schweigend den Göttern, daß die Dunkelheit meine glühenden Wangen verbarg.

Das war äußerst ungewöhnlich und entschieden seltsam.

Ich dankte den Göttern niemals für irgend etwas. Ich dachte kaum jemals an sie, es sei denn, um sie wegen ihrer völligen Gleichgültigkeit den menschlichen Leiden und Bedürfnissen gegenüber zu schmähen, sie zu verhöhnen wegen ihrer Grausamkeit und Selbstsucht und der Ferne, die sie zu Göttern und damit dem lebendigen, sehnenden Fleisch so fremd machte.

Und hier war ich nun, dankte den höheren Mächten für das bißchen Dunkelheit, das meine glühenden Wangen verbarg, als ich an die Intimitäten dachte, die den Raum zwischen diesen getäfelten Wänden mit ihrer Glut erfüllt hatten.

Ich wußte, daß ich während jener zurückliegenden sengendheißen Stunden gestorben und wiedergeboren worden war.

Hatte mich meine Wiedergeburt den Göttern nähergebracht, die ich mit demselben Spott zu bedenken gepflegt hatte, mit dem sie mich zu verhöhnen schienen?

Das war weder die Zeit noch der Ort, um sich über die Götter Gedanken zu machen, denn Maximus lag neben mir, und er war hellwach. Vermutlich war er schon vor einer ganzen Weile aufgewacht, hatte sich jedoch nicht gerührt, um mich nicht zu wecken. Und trotz der Dunkelheit und der Tatsache, daß auch ich still dagelegen hatte,  hatte er genau gewußt, wann ich aufgewacht war.

Seinen kraftvollen muskulösen Körper streckend löste sich Maximus von mir, tastete nach der Lampe auf dem Nachttisch und suchte nach dem Feuerstein. Als schwaches goldenes Licht den Raum erfüllte, stand er auf, tappte immer noch ohne ein Wort zu sagen zur Tür der Kabine und öffnete sie einen Spalt, um die kühle Luft hereinzulassen. Die nächtliche Brise brachte eine willkommene Abkühlung in die Kabine - zusammen mit dem Zirpen der Grillen, die ihr Lied in den nahegelegenen Büschen sangen. Maximus lehnte sich leicht gegen den Türrahmen, kühlte seinen nackten Körper in der abendlichen Brise, und bevor ich noch wußte, was ich tat, klopfte ich leicht auf das Federbett, um eine ungestörte Sicht auf seinen nackten Rücken zu haben.

Kräftige Muskeln überzogen von einer glatten gebräunten Haut spielten auf seinem breiten Rücken, welcher in zwei runde feste Pobacken auslief, die wiederum in wohlgeformte Schenkel und Waden übergingen. Ich konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. Jeder zufällige Betrachter hätte ihn für eine Marmorstatue halten können, gemeißelt von einem meisterlichen Künstler, vielleicht gar von Phidias (*) selbst. Er sah aus wie Triton (**), dem Meer entstiegen in all seiner nackten Herrlichkeit, Kraft und Stärke, der perfekte Gefährte für die Sirene in mir.

Aber nicht einmal Phidias war im Stande gewesen, seinen Statuen von göttlicher Perfektion Leben und Wärme einzuhauchen, und ich wußte nur zu gut, wie warm sich diese Haut unter meinen begierigen Fingern und hungrigen Lippen anfühlte ... Ich hätte gern den Rest meines Lebens allein damit zugebracht, sie zu berühren, zu streicheln und zu küssen.

Erfreut durch den Anblick und entspannt nach einem Schlaf, der nur einem ausgiebig geliebten Körper zuteil wird, rekelte ich mich wie eine Katze und lächelte zufrieden. Dann überblickte ich den Schaden, den das Zimmer genommen hatte. Nicht einmal das schummrige Licht der einzigen Lampe konnte den gegenwärtigen Zustand der sonst so ordentlichen Kabine verbergen.

Was von meinem Sirenen-Gewand noch übrig war lag in Fetzen auf dem Boden, grüne und blaue Federn über Teppich und Bett verstreut, einige klebten an meiner feuchten Haut und eine leuchtete gar wie ein grünblauer Farbfleck auf Maximus' gebräunter Wade. An der Tür, dicht neben seinem nackten Fuß, entdeckte ich eine seiner Sandalen. Es bedurfte einiger Mühe, ihre Gefährtin ausfindig zu machen: sie war mitten auf dem Tisch gelandet, neben dem Korb mit unserem Abendessen, und hatte die kleine Weinamphore nur knapp verfehlt.

Maximus' ruinierte Tunika war dagegen auf den Überresten des Stuhls gelandet, der zerbrochen in einer Ecke des Raumes lag; ein Bein lugte komisch aus der Ärmelöffnung hervor - wie ein mageres, verkrüppeltes Körperglied ... in völligem Kontrast zu dem muskulösen Arm, der die Öffnung noch vor wenigen Stunden ausgefüllt hatte.

Ich konnte mich nicht beherrschen und kicherte vor mich hin.

Maximus drehte sich bei dem von meiner Erheiterung verursachten Geräusch um, und einen kurzen Moment lang krampfte sich mir die Kehle zusammen ... Das war er. Der Augenblick, in welchem er mir seinen Blick zuwandte und mich zum erstenmal ansah, nachdem er es aufgegeben hatte, gegen sein Verlangen anzukämpfen. Nachdem er seine Selbstkontrolle aufgegeben und von meinem Körper die Wärme, den Trost und die Erfüllung akzeptiert hatte, die er sich so lange versagt hatte.

Er drehte sich um, und mein Herz hörte einen Augenblick lang auf zu schlagen.

Er drehte sich um und lächelte.

Ein schwaches, verschämtes Lächeln, das allmählich weiter und wärmer wurde.

Ich seufzte erleichtert.

Es ging ihm gut.

Und zum zweitenmal innerhalb weniger Minuten ertappte ich mich dabei, daß ich den Göttern dankte.

 

"Gut daß ich daran gedacht habe, eine Tasche mit Kleidung zum Wechseln mitzubringen. Wir hätten einen schönen Anblick geboten, wenn wir mit den Überresten von dem, was wir anhatten, in die Villa zurückkämen", sagte ich mit rauher Stimme und versuchte damit, meine allmählich nachlassende Nervosität zu überspielen. Weil ich es nicht aushielt, auch nur eine kurze Zeit von ihm getrennt zu sein, streckte ich die Arme nach ihm aus, und er kehrte ohne zu zögern ins Bett zurück.

Ich rückte ein wenig zur Seite, damit er sich hinlegen konnte, schlang einen Arm und ein Bein in meiner eigenen besitzergreifenden Weise um ihn und kuschelte mein Gesicht an seinen Hals, während Maximus mich wieder in seine starken Arme nahm.  Ich wollte dort für immer bleiben. In diesem zerwühlten Bett liegen. In seinen Armen liegen. Mich sicher und glücklich und zufrieden fühlen. Mich heil und geliebt fühlen ...

"Was ist das für ein Ort?" fragte Maximus gegen meine Schläfe, sein Atem strich zart über mein wirres Haar.

"Es ist eine Kopie des Schiffes, mit dem ich das Geschäft, das ich jetzt besitze, begonnen habe. Das erste meiner Flotte", erklärte ich; mein Gesicht noch immer an seinem Hals vergraben, dämpfte seine Nähe meine Antwort und der ihm eigene Geruch seines männlichen Körpers stieg mir in die Nase. "Du weißt, daß ich nicht schwimmen kann, also mochte ich nicht an Bord der Schiffe gehen. Dies hier ist mein eigenes persönliches Schiff ... ein sicheres Schiff, auf das ich mich von der Villa und den Bediensteten zurückziehe. Ich habe diese kleine Kabine so hergerichtet, daß ich hier lesen kann."

Ich lachte rauh. "Es ist schon komisch, aber Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft ich davon geträumt habe, daß Du hier bei mir bist und mich liebst."

 

"Für mich ist es das erstemal."

Die Worte wurden in leisem, gedämpftem Ton gesprochen.

Sein erstes Mal? Sein erstes Mal bei was?

Er meinte doch sicher nicht ... Die pure Absurdität des Gedankens traf mich so hart, daß ich wieder lachen mußte.

"Wie bitte?"

"Es ist das erstemal, daß ich auf einem Handelsschiff bin ... außer als man mich in den Laderaum eines Schiffes warf - als Sklave auf dem Weg nach Zucchabar."

Es klang nicht gequält. Nicht einmal bitter. Einfach nur sachlich.

Ich stützte mich auf einen Ellbogen und schaute auf ihn herab.

"Wirklich?"

"Ja. Ich bin weit entfernt vom Meer groß geworden, und als Soldat bin ich fast immer zu Lande gereist", sagte er ruhig, ein Mann, der in der Geborgenheit einer frühen Abendstunde und eines wohl genutzten Bettes ganz schlicht über sich selbst sprach. "Einmal bin ich nach Britannien gereist, aber das war auf einem Kriegsschiff."

Ein jungenhaftes Grinsen erhellte sein Gesicht.

"Ich hatte keinen Schimmer davon, daß jedes Handelschiff mit seiner eigenen Sirene ausgestattet ist", sagte er mit einem neckenden Unterton in der Stimme, dann warf er einen Blick auf den kleinen Tisch, auf dem sich das mitgebrachte Essen befand. "Und außerdem mit Wein und Speisen. Alles was ein Mann begehrt."

Wir schwiegen. Es war diese Art von süßem Schweigen, das nicht von einem Gefühl des Unbehagens begleitet, sondern im Gegenteil Ausdruck von Nähe und gegenseitigem Einvernehmen ist, welche keiner Worte bedürfen. Ich ließ meinen Finger über seine Augenbraue wandern, dann seine lange, beinahe vornehm zu nennende Nase hinab bis zu seinem Mund und streichelte über seine Lippen. Sein Mund faszinierte mich immer wieder aufs Neue, so klein und fein geschwungen, ein wenig deplaziert in einem so männlichen Gesicht aber doch seltsam geeignet, um es nur noch anziehender zu machen. Dieser Mund war so weich und ein wenig feminin, aber im Zustand der Leidenschaft wurde er ganz männliche Härte und fordernde Kühnheit.

"Was für ein süßer Mund", sagte ich, und dann konnte ich mich einfach nicht zurückhalten, beugte mich vor und nahm seine leicht geschwollene Unterlippe zwischen meine Zähne, saugte zärtlich an ihr, bevor ich sie wieder freigab. "Ich habe immer davon geträumt, daß es so sein würde mit Dir. Es ist so anders als alles, was ich je erlebt habe. Es ist herrlich ... wie ein Wunder."

Mein Geständnis schien Maximus keineswegs peinlich zu berühren. Statt dessen war es, als nähme er es mit derselben Bereitwilligkeit an, mit der er seine eigene und auch meine unverhüllte Begierde angenommen hatte. Nachdem er seine Lust einmal akzeptiert hatte, wirkte er nun völlig entspannt und ganz mit sich im Reinen. Er streichelte meine Wange mit der Außenseite seiner Finger. Ich erschauerte. Sollte mein Verlangen nach ihm nie ein Ende finden?

"Deine Vergangenheit liegt weit hinter Dir", sagte er und streichelte dabei weiter zärtlich meine Wange. "Du bist jetzt eine andere Frau."

Wußte er es?

Wußte er, daß ich vor wenigen Stunden in seinen Armen gestorben war, um neu geboren zu werden?

Daß das ängstliche kleine Mädchen und die traurige einsame Hure, die ich gewesen war, für immer verschwunden, daß sie endlich tot und begraben waren? Daß die Frau, die er jetzt in Armen hielt, jene war, die zu sein ich geboren wurde, aber die nur er hatte zum Leben erwecken können?

Die Griechen glauben, daß Aphrodite, ihre sinnliche Göttin der Liebe und der Schönheit, welche die Römer als Venus verehren, jedes Jahr nach Paphos segelt, wo sie sich in ein magisches Bad begibt, welches sie reinigt, von ihrem Körper jede Erinnerung an die Liebhaber des vergangenen Jahres - sterbliche und unsterbliche - tilgt, sie wieder frisch und jungfräulich und begehrenswert macht.

Anders als die praktisch veranlagten Römer sind die Griechen als ein Volk von Träumern bekannt. Aber vielleicht haben sie recht. Vielleicht gibt es einen magischen Ort, zu welchem wir alle - Sterbliche und Götter --- gehen können, um uns zu reinigen und neu geboren zu werden. Vielleicht ist das der Ort, zu dem die Seelen fliegen, wenn die Gewalt der Erfüllung sie von den Fesseln des Fleisches befreit. Und sollte es so sein, war Maximus in meinen Arm neu geboren so wie ich in den seinen?

"Aber dies ist das erstemal, daß ich mich wirklich anders fühle", fuhr ich fort, weil ich das Bedürfnis hatte, mich ihm näher zu erklären. Das Bedürfnis, dieses Wunder, das an mir geschehen war, in Worte zu fassen. Ich biß mir auf die Unterlippe. "Ich... ich muß zugeben, daß ich ein wenig Angst gehabt habe. Angst, daß selbst das Zusammensein mit Dir einige traurige Erinnerungen zurückbringen würde."

Der Ausdruck in seinen Augen sagte mir, daß er sich meiner Furcht vollkommen bewußt gewesen war; daß er den Augenblick genau hatte benennen können, in welchem ich gegen ihn angekämpft und warum ich es getan hatte. Gab es kein Geheimnis, das ich vor diesen durchdringenden blau-grünen Augen hätte verbergen können? Gab es keinen Winkel in meinem Herzen und meiner Seele, zu dem sie nicht vordringen konnten ... so wie sein Mund und seine Finger und seine Lippen zu jedem Winkel meines Körpers vorgedrungen waren?

Plötzlich war da eine Scheu in mir, und ich senkte die Augen.

"Seit Moesia bin ich mit keinem Mann zusammengewesen", flüsterte ich.

Maximus hob neugierig die Brauen. "Und Dein Ehemann?"

"Nein, ich sagte Dir einst ... erinnerst Du Dich? Ich hatte geschworen, nie wieder mit einem Mann zu schlafen, es sei denn aus Liebe, und weil ich mich ihm aus freiem Willen hingeben wollte."

Natürlich erinnerte er sich. Er vergaß nur selten etwas, das man ihm gesagt hatte. Aber die Tatsache, daß ein Mann, der frei gewesen war, mich zu lieben, dies zwar getan, sich aber dennoch von mir fern gehalten hatte, befremdete ihn noch immer. Machte es ihn wütend? Oder fühlte er Erleichterung, gar Genugtuung bei dem Wissen, daß kein Mann mich berührt, seit er mich aus meinem Dasein als Sklavin und Hure befreit hatte? Bei dem Wissen, daß  - obwohl ich die Vergangenheit endlich hinter mir gelassen hatte - er es gewesen ist, der mich zur Frau gemacht hat?

Im mattgoldenen Licht der kleinen Lampe glichen seine Augen nicht wie sonst feurigen Aquamarinen sondern vielmehr glühenden Saphiren.

"Du bist der einzige Mann, den ich je geliebt habe. Es ist, als ob meine Vergangenheit gar nicht mehr existiert", sagte ich leise. "Endlich weiß ich, was die Worte 'Liebe machen' wirklich bedeuten. Für mich waren sie immer bedeutungslos gewesen, weil ich in der damit verbundenen Handlung nichts Liebevolles erkennen konnte. Ich konnte sie nur mit schmerzlichen Gefühlen in Verbindung bringen. Nun verstehe ich. Danke dafür, Liebster."

Ich lehnte mich zu ihm hinüber und küßte ihn wieder.

Maximus öffnete den Mund, und der Kuß wurde intensiver. Meine Hand glitt durch sein kurzgeschnittenes Haar, ich faßte in die ein wenig feuchten Locken, und küßte ihn begierig.

Wieder fühlte ich Maximus' Männlichkeit hart gegen meinen Leib. Ohne meine Lippen von seinen zu lösen machte ich eine schnelle Bewegung, ließ mich auf ihn gleiten und nahm ihn in die heiße feuchte Tiefe zwischen meinen Beinen auf. Maximus' große schwielige Hände packten meinen Po, und ich griff nach seinen Schultern, suchte nach einem Anker in dem Sturm, der nun kommen würde.

Er rollte mich herum, so daß ich unter ihm lag, und die Lust, die folgte, war so intensiv, so heftig, so absolut, daß ich diesmal dachte, ich würde wirklich sterben.

Ungefähr eine Stunde später, zwang ich mich, Maximus' Umarmung zu verlassen und aus dem Bett zu klettern. Als ich aufstand, zuckte ich unwillkürlich ein wenig zusammen, nachdem Muskeln in meinem Körper, die ich sechs Jahre lang nicht benutzt hatte, mit Macht wieder zum Leben erwacht waren. Und allein der Gedanke, wie und warum und wann sie wieder so lebendig geworden waren, machte mich abermals erröten.

Als ich mich erhob, ließ Maximus seine Finger über meinen Rücken gleiten, folgte dann der Rundung meines Pos, wo er seine Hand ruhen ließ, ihre Berührung für einen kräftigen Mann wie ihn unglaublich zart. Ich erschauerte und spürte ein leichtes Flattern in meinem Schoß, dann drehte ich mich um und schenkte ihm ein Lächeln. Ausgestreckt auf dem zerwühlten Bett liegend sah Maximus völlig entspannt aus, und in all seiner nackten Herrlichkeit schien er vollkommen mit sich eins zu sein.

Plötzlich erinnerte ich mich an ein Wandgemälde, das ich im Hause von einem von Marius Servilius' Geschäftspartnern gesehen hatte. Es stellte den Kriegsgott Mars dar, nackt ausgestreckt auf Venus' blumenbedecktem Bett. Die Göttin war ebenfalls nackt und betrachtete den ansonsten so machtvollen Krieger wie er hilflos dalag in erschöpftem Schlaf nach einer Schlacht ganz anderer Art. Die Griechen hatten in ihrem nie endenden Bemühen um Gleichgewicht und Harmonie ihre berauschend schöne Aphrodite dem häßlichen, lahmen Hephaistos vermählt, jenem unverwüstlichen Gott, der schwitzend in alle Ewigkeit den Blitz des Göttervaters Zeus schmiedet. Die Römer waren dagegen ein praktisch veranlagtes Volk und hatten Schönheit zu Stärke gefügt, hatten Venus ihrem geliebten Mars gegeben - so wie die attraktivsten weiblichen Gefangenen dem den Oberbefehl führenden Offizier überlassen werden.

Das Wandgemälde war in seiner Detailtreue und Perfektion atemberaubend gewesen aber noch mehr in seiner Raffinesse. Es beschwor in unnachahmlicher Weise den Gedanken, daß die unbezwingliche körperliche Kraft des Mannes sehr wohl von der ebenso unbezwinglichen zarten Weiblichkeit besiegt werden kann, und daß diese Weiblichkeit ihrerseits wiederum vollständig besiegt wird. Aber da war noch mehr enthalten, denn das Bild beschwor ebenfalls die Überzeugung, daß nur Stärke das Recht hat, die Schönheit für sich zu beanspruchen; daß wahre weibliche Macht sich nur echter männlicher Kraft hingibt, und damit wiederum deren Kapitulation bewirkt, denn es ist die Vereinigung dieser beiden, aus welcher das Leben ewig neu geboren wird. Das breite, gebräunte, bärtige Gesicht des Gottes war im Schlaf vollkommen entspannt gewesen, aber es spiegelte auch eine verblüffende Mischung aus scheuem Staunen einerseits  und Zufriedenheit andererseits wieder, die so ganz verschieden war von seinem gewöhnlich grimmigen Ausdruck. Die Göttin dagegen war wach und aufmerksam dargestellt, etwas Katzenartiges in ihren leicht schräggestellten Augen, und ihr hintergründiges Lächeln war nicht das distanzierte einer Gottheit sondern das einer Frau, die heftig geliebt worden und äußerst zufrieden war.

Wie er so auf dem zerwühlten Bett dalag - der Kopf ruhend auf ein paar Seidenkissen, die er zuvor vom Teppich aufgesammelt hatte, die gebräunte Haut im matten Lampenlicht leicht gerötet - glich Maximus dem Gott auf dem Wandgemälde ungemein. Ein junger, überaus kraftvoller Kriegsgott, der zu seiner Göttin zurückgekehrt war, um zwischen den Schlachten bei ihr Trost und Beistand zu finden. Ein göttlicher Krieger war heimgekehrt. Heingekehrt dorthin, wohin er gehörte. Heimgekehrt zu dem Ort, wo er Krieg und Feuer und Blut und Tod vergessen konnte. Wo er sogar vergessen konnte, daß er ein Gott war, statt dessen einfach ein Mann in den Armen seiner Göttin sein durfte, und sie vergessen ließ, daß es andere gegeben hatte, denn es war allein er, der zählte. Nur er besaß sie. Und nur er konnte die Göttin in ihr zum Schmelzen bringen, so daß die Frau, die in ihr gefangen war, an deren Stelle trat.

War Maximus der Mars für meine Venus? Sollte es stimmen, was Merith mir einst gesagt hatte? ... daß ihre ägyptische Göttin allwissend und allmächtig sei, weil nichts Menschliches ihr fremd ist? Daß sie eine Frau ist und deshalb etwas Göttliches in jeder Frau sei? Leben die Götter nicht in einem unzugänglichen Mysterium sondern in uns? Schliefen sie einfach nur in den Tiefen unseres Seins und warteten darauf, geweckt zu werden? Waren Venus und Isis und Aphrodite und alles Weibliche ich mir zum Leben erwacht, als ich in Maximus' Armen gestorben und neugeboren worden war?

Ich mußte mich gewaltsam von Maximus losreißen, mich zwingen, diese verstörenden Gedankengänge zu verlassen. So tappte ich zum Schrank, nahm eine Bürste heraus und begann, das wilde Durcheinander von Wellen und Locken meiner taillenlangen Haarpracht zu entwirren. Ich konnte Maximus' auf meinen Rücken gehefteten Blick spüren, wie er jeder Bewegung mit der verdutzten Faszination folgte, welche die Geheimnisse und Wunder der weiblichen Toilette gerade in einem besonders maskulinen Mann hervorzurufen pflegen.

"Hungrig?" fragte ich und drehte mich zu Maximus um.

Er schenkte mir ein strahlendes Lächeln, seine Zähne leuchteten weiß im schwachen Licht der Lampe. Der Gedanke schoß mir durch den Kopf, daß sogar seine Zähne schön waren.

"Sagen wir 'am Verhungern' und es trifft die Sache eher. Aber vor allem sterbe ich vor Durst!"

Ich eilte zum Schrank zurück, nahm einen Becher, füllte ihn mit Wein aus der kleinen Amphore, die auf dem Tisch stand, und reichte ihn Maximus.

Er stürzte ihn mit Wonne hinunter und runzelte dann die Stirn.

"Falerner?" fragte er zögernd.

Ich lachte.

"Wein von Chios! (***) Gute Weine und gute Töpferware gibt es hier auf jedem Markt, aber die Seide kannst Du vergessen!"

Maximus gab mir den Becher zurück und streichelte mit seinem Daumen über die Innenseite meines Handgelenkes.

"Geschäftsfrau bis ins Mark", sagte er mit einem schiefen Lächeln. "Woher beziehst Du all Deine Seidenstoffe?"

"Aus dem Osten. Überwiegend aus Alexandria und Syrien, wo meine Agenten sie von den Karavanen kaufen, die sie von weither bringen. Mehr Wein?"

Maximus schüttelte verneinend den Kopf.

"Später."

Er betrachtete den Nachthimmel durch das Bullauge.

"Gehe ich recht in der Annahme, daß man unsere Abwesenheit beim Abendessen nicht weiter vermissen wird?"

Ich kicherte, nahm die Bürste und begann wieder, mein Haar zu bearbeiten.

"Sagen wir es so: Apollinarius wird alles in die Hand nehmen, bis ich entscheide, wieder zurückzukommen ... " Ich zuckte zusammen, als die Bürste sich in einem besonders widerspenstigen Knötchen meines Haares verfing, und hielt nach meinem Elfenbeinkamm Ausschau, um die Sache in Ordnung zu bringen.

"Brauchst Du Hilfe?"

Ich drehte mich abrupt um, dachte, ich hätte mich verhört.

Maximus sah mich vergnügt an.

"Ich meine, mit Deinem Haar ..."

"Ich weiß, was Du meinst. Das kann doch nicht Dein Ernst sein", sagte ich und kämpfte weiter mit den Knoten in meinem Haar.

"Warum nicht?" fragte Maximus leicht irritiert.

"Maximus!"

"Was?"

"Du bist ein Mann!"

Er seufzte.

"Und Du hast Schwierigkeiten mit Deinem Haar und brauchst Hilfe ... "

Vielleicht benahm ich mich einfach nur lächerlich. Vielleicht helfen anständige Männer ihren Frauen bei der Toilette ... aber der Gedanke, daß Maximus mein Haar kämmen würde .... machte mich irgendwie nervös, auch wenn ich nicht sagen konnte warum.

"Nun sag mir nicht, General, daß es zur Ausbildung eines Soldaten gehört, Zofe bei einer Dame zu spielen!"

Maximus lachte, und mein Herz jauchzte vor Freude über das reine Entzücken, das in diesem tiefen, schallenden Ton mitschwang. Ich hatte ihn niemals zuvor so lachen hören.

"Nun, ich kann mich nicht daran erinnern, in der Armee jemals die Zofe gespielt zu haben, aber mehr als einmal habe ich mich wie ein Kindermädchen für die jüngsten Rekruten gefühlt. Es bedarf einer Menge Arbeit und Zeit und Geduld, um aus einem vierzehnjährigen Burschen einen tapferen Soldaten zu machen ... und viele von ihnen ersticken während ihrer ersten Schlacht beinahe an ihrer eignen Angst."

"Hat irgendein Offizier für Dich das Kindermädchen gespielt, als Du noch ein junger Bursche von 14 Jahren warst?" fragte ich, denn seine Gedanken über das Leben in der Armee hatten mich angesteckt. Ich hatte beinahe zwei Jahre in einer Garnison zugebracht und war zusammen mit einer ganzen Legion nach Rom zurück marschiert, aber dennoch blieb das Leben in der Armee für mich fremd.

"O ja. Ein narbiger alter Veteran, ein Zenturio mit Namen Darius. Der großherzigste Mann, den ich je kennengelernt habe ... Er bildete mich aus, einmal sein kommandierender Offizier zu werden ... und er war sich dessen die ganze Zeit über bewußt... " Maximus schwieg einen Moment lang und fügte dann mit leiser Stimme hinzu: "Es braucht nicht nur Großherzigkeit sondern auch Mut, einen Jungen auszubilden, einmal Dein kommandierender Offizier zu werden und Dich ihm dann zu unterstellen."

"Was ist aus Darius geworden?"

Bevor noch das letzte Wort über meine Lippen gekommen war, wußte ich schon die Antwort.

"Er ist tot", sagte Maximus leise.

"Das tut mir leid."

"Wenn Du Soldat bist, dann ist es ganz natürlich zu sterben. Wenn Du aber einen nutzlosen und sinnlosen Tod stirbst, dann ist etwas falsch gelaufen", sagte Maximus als spräche er zu sich selbst. "Darius war mehr wert als zehn hochrangige Offiziere zusammen ... Aber er starb, weil ein aufgeblasener Römer im Rang eines Senators es nicht über sich bringen konnte, auf den Rat eines Mannes zu hören, der einen niedrigeren Rang bekleidete ... "

"Auf Deinen Rat?"

Er sah mich intensiv an, vielleicht erstaunt, daß ich die Wahrheit hinter seinen rätselhaften Worten erkannt hatte.

"Ja, auf meinen", sagte er und klopfte dann auf die Matratze. "Hier. Komm und setz Dich, und wir wollen sehen, was ich für Dich tun kann ...."

Als ich keine Anstalten machte, seiner Aufforderung zu folgen, packte er mich am Handgelenk und zog mich zu sich auf das Bett. Ich setzte mich behutsam neben ihn, denn plötzlich war ich mir meiner eigenen und seiner Nacktheit überdeutlich bewußt. Maximus erhob sich aus seiner liegenden Haltung, nahm mir den Elfenbeinkamm aus der Hand und begann, sorgsam die Knoten in meinem Haar zu entwirren.

"Du siehst wunderschön aus, wenn Dein Haar so zerzaust ist", sagte er beiläufig, während er mit der konzentrierten Aufmerksamkeit eines Armeekommandeurs, der sich mit einem militärischen Problem auseinanderzusetzen hat, ans Werk ging. "Aber das ist ja nichts Neues. Du bist immer schön ... "

Die Bewegungen des Kamms waren angenehm beruhigend. Ich schloß die Augen und seufzte. Sollte das derselbe Mann sein, der sich in der vergangenen Nacht in sein Zimmer eingeschlossen und sogar geweigert hatte, mit mir zu sprechen? Sollte ich dieselbe Frau sein, die daraufhin beschlossen hatte, ihrem Leben ein Ende zu setzen? Maximus kämmte weiter mein Haar. Und ich schwieg.

 

"Erledigt", sagte er, nachdem er mein Haar entwirrt hatte. Dann, als habe er sich eines Besseren besonnen, ließ er seine Hand unter mein Haar gleiten und streichelte meinen Nacken. Obwohl ich mich scheu und verletzlich fühlte, schenkte ich ihm ein schüchternes Lächeln. Seine Finger schlossen sich fest um meinen Nacken, und er zwang mich, daß ich mich ganz umdrehte und ihn anschaute.

"Süßer Mund", hauchte er und benutzte dabei meine eigenen Worte, dann wickelte er mein Haar um sein Handgelenk und zog mich zu sich heran, drückte mir einen schnellen, heißen Kuß auf die Lippen.

Diese plötzliche Geste nahm mir den Atem. Maximus lächelte sein betörendstes Lächeln. "Nun hätte ich gern noch etwas Wein ... "

Ich stand auf, füllte seinen Becher nach, und während er schweigend trank, goß ich Wasser in das Becken, kramte im Schrank nach einem Schwamm und einem Gefäß parfümierter Seife.

Während ich den Schwamm in das Wasser tauchte und ein wenig Seife darauf verrieb, konnte ich spüren, wie Maximus' Blicke aufmerksam jeder meiner Bewegungen folgten. Ich war genauso hungrig wie er, aber es war undenkbar, daß wir uns in unserem gegenwärtigen Zustand an den Tisch setzen würden. Nach Stunden der Leidenschaft in der kleinen, heißen Kabine bedurften wir beide dringend eines ausgiebigen Bades, aber für den Augenblick würde es auch der Schwamm tun.

Ich nahm ein Handtuch und legte es neben Maximus' nackter Hüfte auf das Bett. Auf seinen Zügen wurde ein Anflug von Mißtrauen sichtbar.

Ich ergriff den Schwamm und das Becken und tappte zu ihm zurück.

Verstehen dämmerte auf Maximus' Gesicht.

Er verschluckte sich an seinem Wein, hustete und setzte den Becher dann auf dem Nachttisch ab.

Ich hielt inne.

Er setzte sich aufrecht hin.

"Das Pferd", sagte er heiser.

Ich hob fragend die Augenbrauen.

"Das Pferd" wiederholte er. "Ich habe das Pferd vergessen. Ich habe es weder angebunden noch abgesattelt ... "

 

Maximus sprang aus dem Bett und suchte hektisch nach seinem Lendentuch. Es lag auf dem Teppich, gespickt mit blauen und grünen Federn. Er schüttelte es heftig.

"Ich muß mich um das Pferd kümmern ..." murmelte er, während die Federn hartnäckig an seinen Händen klebten.

Ich stand in der Mitte der Kabine, mit Schwamm und Becken in den Händen, und preßte die Lippen fest zusammen, um ob dieser unerwarteten Darbietung männlicher Schamhaftigkeit nicht in Lachen ausbrechen zu müssen. Er war ein leidenschaftlicher, anspruchsvoller Liebhaber, hungrig, um nicht zu sagen gierig. Aber in ihm war nichts von der Rohheit, die ich bei so vielen Männern erlebt hatte, sondern statt dessen eine wunderbare süße Unschuld. Irgendwie machte eben dieser Anflug von Unschuld einen so maskulinen Mann wie ihn nur noch begehrenswerter.

Maximus strebte der Tür zu.

"Ich sattle das Pferd ab und bin gleich zurück ... "

"Fulmen ... " (****)

Er blieb stehen und wandte sich zu mir um.

"Der Name des Pferdes ist Fulmen. Sein früherer Besitzer war nicht eben mit besonders viel Fantasie begabt ... "

"Oh."

Er wandte sich wieder der Tür zu.

"Deine Sandalen."

Maximus sah mich verständnislos an.

"Vergiß Deine Sandalen nicht. Du kannst in der Dunkelheit nicht barfuß herumlaufen ... "

"Oh", sagte er noch einmal, hob die Sandale auf, die neben der Tür lag und blickte sich dann suchend nach ihrer Gefährtin um.

Ich erbarmte mich seiner. Das Becken auf dem Bett zurücklassend nahm ich die Sandale vom Tisch, wo sie gelandet war.

"Hier", sagte ich und warf sie ihm zu. Maximus fing sie mühelos auf.

"Ich sattle das Pferd ... Fulmen ... ab ... und bin dann gleich zurück", sagte er und war blitzschnell zur Tür hinaus.

"Nimm eine Laterne mit ... " setzte ich an, aber er war schon verschwunden. Es war eine Vollmondnacht. Er würde den braunen Hengst sicher problemlos finden. Außerdem erkannte Fulmen Autorität nur zu gut, wenn er mit ihr konfrontiert war. Und trotz seines eiligen Abgangs und der Ursache für selbigen konnte Maximus mit einer Menge Autorität aufwarten.

Einen Augenblick später, ich nahm gerade das Waschbecken vom Bett, hörte ich ein lautes, platschendes Geräusch.

Meine Augenbrauen wanderten noch weiter in die Höhe.

Durch die offene Kabinentür konnte ich genau hören, wie Maximus sich gründlich im Teich wusch. Dann hörte das Plantschen auf, und er beeilte sich, das Ufer zu erreichen.

Ich konnte meine Erheiterung einfach nicht länger unterdrücken und brach in Gelächter aus, lachte, bis mir die Tränen aus den Augenwinkeln liefen.

 

(*) Phidias: Griechischer Bildhauer, geboren in Athen um 500 vor Chr. Seine Marmorskulpturen gelten als Inbegriff des Griechischen Goldenen Zeitalters und blieben bis heute unerreicht. Zusammen mit Icthinus und Callicrates wirkte er mit am Bau des Pantheons, jenes großartigen Tempels, welcher der Schutzgöttin Athens, Pallas Athene, geweiht ist, deren Monumentalstatue (heute verloren) er in Elfenbein und Gold erschuf.

(**) Triton: Sohn des griechischen Meeresgottes Poseidon und der Meeresgöttin Amphitrithe. Er wird als stattlicher Mann mit einem Fischschwanz dargestellt, der auf einer Muschelschale bläst. Sein Name wurde ebenfalls einer ganzen Gruppe untergeordneter männlicher Meeresgottheiten gegeben, die zusammen mit den Najaden (Seejungfrauen) den Hofstaat Poseidons bildeten.

(***) Wein von Chios: Ursprünglich von der griechischen Insel Chios im Ägäischen Meer, dicht vor der Nord-West-Küste der heutigen Türkei stammender Wein. Weine, die von den Römern bevorzugt wurden, gibt es heute größtenteils nicht mehr oder nur in stark veränderter Form. Am nächsten kommen diesen Weinen des Altertums einige Sorten, die es heute nur noch auf den griechischen Inseln gibt.

(****) Fulmen (Lateinisch): "Blitz".

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