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Ein Mädchen aus Germanien |
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Kapitel 9 Der Weg in den Himmel führt nicht über einen Fluß, wie man es mich gelehrt hat. Es ist mir egal, was die klugen Köpfe sagen. Ich weiß, daß der Weg zum Himmel durch ein Tor führt ... ... . Ein Tor aus Holz in einer Steinmauer ... ... . Ich hielt auf dem Weg nach Ostia inne, stieg vom Wagen herab und verließ die Straße - weg von Pferdemist und Staub. Sisro kam mit mir. Er wollte nicht wissen, was ich tat - ich denke, er glaubte vielleicht, ich sei verrückt geworden - aber er ließ mich nicht allein. Er war ein guter Mann. Genral war krank, er hatte Fieber, er hatte Schmerzen ... ... Ich konnte meinen Arm kaum bewegen. Er war krank im Herzen. Kein Grund weiterzuleben ... ... . Ich weiß nicht, ob ich das Tor wegen unserer inneren Verbindung sah oder wegen meiner Gabe des Sehens, aber ich wußte, daß er ihm sehr nahe war. Er wollte durch das Tor gehen. Ich konnte das nicht zulassen. Ich glaubte, ich würde das nicht ertragen können. Er mußte leben. Er hatte gesagt, daß ich ihn schon früher von den Toren des Todes zurückgerufen habe, als man ihn in der Schlacht am Kopf getroffen hatte. Er hatte gesagt, daß er mich gehört habe, als ich zu ihm sprach, nachdem er vergiftet worden war. Ich glaubte, daß, wenn ich wieder zu ihm sprechen könnte, er leben würde. Vielleicht. Ich wollte meine Wange an seine legen, das Kratzen seiner Bartstoppeln an meiner Haut fühlen. Aber es gab keine Möglichkeit für mich, das zu tun. Keine Möglichkeit für mich, in sein Ohr zu flüstern. Ich könnte es in die Luft rufen, aber der Wind würde meine Worte wegwehen, noch bevor sie ihn erreichten. Ich konnte beten ... ... aber auf die Götter konnte man sich immer am wenigsten verlassen. Ich dachte ... ... wo immer er ist, was immer er tut, er mußte auf der Erde sein. Gehen oder sitzen oder liegen ... ... er mußte den Boden berühren. Ich sagte Sisro, er solle mich bis morgen nicht stören. Er sagte: " Hast Du vor, die ganze Nacht hier zu sitzen? Wie sollen wir ... ?" Dann verstummte er - wahrscheinlich wegen des störrischen Ausdrucks in meinem Gesicht - und setzte sich in das tote braune Gras. "Ich werde Dich nicht stören." Ich scharrte das Gras weg, entblößte die nackte Erde und legte mein Gesicht auf sie nieder. Sie war kalt. Genral war heiß. Wo er war, brannte die Sonne heiß. Es würde nicht ausreichen, die Worte nur zu flüstern. Ich würde sie zu ihm schicken müssen. Die Erde würde wissen müssen, daß sie sie behalten muß so wie ich sie sagte, daß sie ihre Bedeutung nicht verlieren dürften, und daß sie sie zu ihm tragen muß - ganz gleich wie weit er auch weg war. Meine Großmutter hatte mir so etwas nie beigebracht. Als es für mich an der Zeit war, es zu tun, da wußte ich es einfach. Ich konnte nie erklären warum oder wie, aber das ist auch nicht wichtig für mich. Frauen wissen, daß es viele Dinge gibt, die man nicht erklären kann. Wir leben jeden Tag mit ihnen. Es sind nur die Männer, die etwas so lange nicht glauben, bis sie wissen, wie es funktioniert. Ich schloß die Augen und sprach zur Erde. Redete mit der Erde und mit den Göttern der Erde und mit mir selbst, bis ich versank ... ... mein Körper lag noch dort, wo er gelegen hatte, aber ich fühlte, wie ich in die Erde eintrat ... ... ... und ich sprach zu Maximus. Ich sprach und sprach und sprach. Mein ganzes Sein lag in den Worten ... .... die Sprache war nicht von Bedeutung, nicht einmal die Worte. Ich glaube, es war ein Teil von mir selbst, das ich durch die Erde schickte, ihn zu suchen. Ich sah Dinge aufblitzen, die ich nie zuvor gesehen hatte. War es etwas, das er sah, oder etwas in seinem Kopf? Ich konnte es nicht sagen. Wilde Tiere. Und seltsame, fremde Menschen. Sand, ein weißes Pferd, die Sonne, wie sie über den Horizont eilte ... ... und etwas, das mich zu sehr beunruhigte, um darüber nachzudenken ... ... ……………………….. Als ich mich von der Erde erhob, stand die Sonne im Osten. Sisro schlief unter einem Baum. Ich schüttelte ihn wach. "Hast Du es getan?" fragte er. "Was?" "Was immer Du getan hast." "Ich weiß es noch nicht. Vielleicht." Genral muß weit weg gewesen sein ... . Oder meine Worte reisten langsam ... ... Erst nach dem Mittag fühlte ich, wie er erwachte. Er war immer noch krank und voller Verzweiflung. Aber er hatte sich vom Tor abgewendet. Jetzt würde er leben - ob er wollte oder nicht. …………………………… Was Ostia betrifft, kann ich mich nicht mehr an viel erinnern. Mein ganzes Sein war nach innen gekehrt, und so war es für mich nicht anders als jeder andere Ort. Niemand fragte uns, was wir dort taten. Wir hatten einen Platz für uns in den Soldatenunterkünften, gerade so als wären wir Soldaten wie alle anderen, und Sisro fand Arbeit bei einem der Waffenschmiede. Als eine neue Gruppe von Offizieren ankam, nannten die Soldaten einen von ihnen Genral. Die anschließende Unterhaltung mit Sisro war verwirrend, aber damals erfuhr ich, daß mein Genral in Wirklichkeit nicht der König der Römer war - der Weise Mann war es. Aber er war tot, und ein junger Weiser Mann, der nicht weise war, hatte seinen Platz eingenommen. Der neue Genral hielt sich fern von den gewöhnlichen Soldaten, und so begegnete ich ihm nicht. Ich war nur ein Mädchen und nicht mal ein wichtiges Mädchen. Marius nannte ihn aufgeblasen und lächerlich und spuckte jedesmal auf den Boden, wenn er vorbeiging. Die Soldaten machten sich hinter seinem Rücken über ihn lustig und gehorchten ihm nur, wenn sie mußten. Ich nehme an, daß es nicht allein sein Fehler war. Es war eine politische Ernennung. Seine Anwesenheit hier war nur eine Formsache, und jeder wußte das. Wäre er nicht dauernd mit Maximus verglichen worden, dann hätte er vielleicht besser abgeschnitten, aber mit ihm konnte er sich nicht messen. Die Armee war angewiesen, in Ostia zu bleiben und nichts zu tun ... ... .. Und genau das taten wir. Genral (ich muß ihn einfach so nennen, weil er das für mich war) war am Leben ... ... und wieder nicht am Leben. Sein Körper lebte und heilte von allein, aber innerlich war er tot. Ich weiß nicht, wer sich um ihn kümmerte, wie er aß oder schlief oder wie er seine Tage verbrachte. Er lebte, weil er keine andere Wahl hatte, aber er wartete darauf, sterben zu dürfen. Manchmal weinte ich um ihn. Nachts, wenn ich allein auf meinem Lager lag, hielt ich den Teil von ihm, der in meinem Inneren war, fest an mich gedrückt, preßte ihn an mich ... . Und ich weinte über den Schmerz und den Kummer, den wir beide teilten. Und manchmal weinte ich auch tagsüber, wenn der Schmerz, den er von sich schob, statt dessen mein Herz packte, bis ich kaum mehr atmen konnte. Ich glaube, während jener Zeit war ich die Verrückte im Lager, bereit, jeden Augenblick in Tränen auszubrechen oder ohne Grund zu Boden zu sinken, vor mich hin zu murmeln und die Annäherungsversuche der neu angekommenen Soldaten zu ignorieren, als sei ich ganz allein mit mir. …………………. Ich kniete vor dem Waschtrog, der über dem Feuer hing, und bewegte Sisros Wäsche hin und her. Es war ein langer sonniger Tag ... ... und ich fühlte etwas von Genral, in mir drin. Ein Funke, nur ganz klein und nicht glücklich ... ... aber mehr als nichts. Zuerst wußte ich nicht, was es war ... ... dann öffnete er sich ein klein bißchen mehr. Für mich? Oder für jemand anderen? Oder für sich selbst? Ich weiß es nicht. Was ich fühlte ... ... .Ich hatte so etwas noch nie von Genral gefühlt. Es war, als ob er zu jemand Fremdem wurde ... .... Jemand schlug ihn. Ich fiel vorn über. Wieder. Und diesmal fiel ich seitwärts. Mein Arm hatte schon einmal geschmerzt, als er verwundet worden war --- aber nicht so heftig. Ich bemerkte es kaum. Er wollte den Schmerz. Wollte wieder geschlagen werden. Es kam soweit, daß ich die wahllosen Schläge im Verlauf der nächsten Tage direkt erwartete. Es war unmöglich vorauszusagen, wann sie kommen würden. Er bat sogar um sie, dachte ich. Es war verwirrend, ich wäre ihnen ausgewichen, wenn ich gekonnt hätte, aber zu diesem Zeitpunkt gab es kein Zurück für mich. Ich konnte mich von meinem allgegenwärtigen Begleiter nicht trennen. Es war Bestrafung. Wofür - das wußte ich nicht. Aber er wollte es, wartete darauf, hatte das Gefühl, daß er es verdiente. Und die Mißhandlung schien ihn irgendwie zu heilen. Ich verstand es nicht, aber ich wußte, daß es so war. Wunden werden zu Narben. Manchmal ist die Narbe nicht schöner als die Wunde. Er heilte, ja, aber ... ... er würde nie wieder der Mann im Roten Mantel sein, dem ich an jenem ersten Tag begegnet war. Er verwandelte sich in jemand anderen. Ich konnte es schmecken, wie der Hass in ihm wuchs. Freya! Was für eine Verachtung. Für sich selbst, für andere. Für das Leben. In den Monaten, die folgten, veränderte sich nichts ... ... nur die Bestrafung hörte auf. Es gab Schlachten, glaube ich, aber kein Hochgefühl. Eine Zeitlang erwartete er den Tod. Aber der kam nicht, und so hörte er auf, ihn zu erwarten. Der Kampf brachte ihm keine Freunde - auch der Sieg nicht. Es macht keine Freude zu leben, wenn andere sterben. Er existierte. Er hasste. Er hielt an seiner Wut fest, nährte sie. Er wartete. Er träumte. Ich sah seine Frau. Sie berührte ihn und sprach zu ihm. Er nahm sein Kind auf den Arm, einen Jungen mit dunklem Haar und dunklen Augen. Er schenkte seiner Frau einen schweren goldenen Armreif - in seinem Traum. Und sie aßen eine Mahlzeit aus Brot und Honig und Oliven. Danach küßte er sie, und sie lächelte. Die schreckliche Sache, die geschehen war, die ihm seinen Lebenswillen genommen hatte ... ... . Nun sah ich sie. Ein Mann, der seine Frau mehr liebt, als es ein Mann tun sollte, der alle Sinne beisammen hat ... ... Was tut er, wenn er sie verliert? Er erträumt sich sein Glück. Ich weinte mit ihm, als er aufwachte. Und ich verstand das Bedürfnis nach Rache, das ich in seinem Herzen wachsen fühlte. …………………….. Ich sprach nicht über Genral zu Sisro. Ich wollte gut für ihn sein, aber ich war eine Verrückte. Wie gut kann eine Verrückte sein? Er zeigte viel Geduld mit den seltsamen Dingen, die ich tat ... ... aber manchmal kam er nachts nicht zu mir in mein Bett. Manchmal wußte ich nicht, wo er war. Ich dachte, ich täte ihm Unrecht, meinem guten, freundlichen Sisro, der eine Frau verdient, die ihn von ganzem Herzen liebt - und nicht nur mit dem Teil ihres Herzens, der noch übrig ist .... ... . Ich bemühte mich mehr. Und eines nachts, als ich ihn zu mir ins Bett gelockt hatte, wußte ich, daß etwas anders war. Etwas war geschehen. Etwas, über das ich jetzt noch nicht mit ihm zu sprechen wagte. Es war schwer, es für sich zu behalten. Ich wußte, ich würde genauso lange warten müssen wie jede andere Frau es tat, aber ich konnte es kaum aushalten. Aber ich mußte es ihm gar nicht sagen. Ein Mann mit vier älteren Schwestern weiß, was Morgenübelkeit bedeutet, wenn er sie sieht. Eines morgens hielt er mir den Kopf, und dann, während er mir das Haar bürstete, sagte er: "Wann hattest Du vor, mir zu sagen, daß Du ein Kind erwartest?" "Vielleicht wußte ich es bis eben jetzt gar nicht." Er schnaubte verächtlich. "Du bist die Frau, die Männer aus dem Tod zurückbringt. Du bist es, die mit den Göttern und der Erde spricht. Du bist die Frau, die die besten süßen Kekse im ganzen Land bäckt. Du willst mir weiß machen, Du hast nicht gewußt, daß da ein Baby in Dir heranwächst?" Und er knuffte mich genau da, wo er wußte, daß ich am meisten kitzelig war. Ich quiekte. "Na gut, ich wußte es. Ich dachte nur, ich sollte so lange warten, es Dir zu sagen, wie jede gewöhnliche Frau es tun würde." Er sagte meinen römischen Namen. "Warum sollte ich mir eine gewöhnliche Frau wünschen, wenn ich Dich haben kann?" "Du könntest Dir eine Frau wünschen, die keine verrückten Sachen macht." "Das könnte ich. Das könnte ich aber auch nicht." Und er sollte kein weiteres Wort darüber verlieren. "Was bedeutet das, mein Name?" fragte ich. "Ich denke, es bedeutet etwas. Ich weiß, daß der erste Teil genau so ist wie das Wort für 'klein'. Aber ich weiß nicht, was der zweite Teil bedeutet." "Doch, das tust Du", sagte er. Er steckte die Hände in seine Achselhöhlen und bewegte sie auf und ab. "Mein Name bedeutet Kleines Küken?" Er kicherte vor sich hin und ließ sich neben mich auf den Rücken fallen. "Nein, es ist ein anderer Vogel. Dieser kleine Vogel ... ... in Germanien ... ... hier habe ich so einen noch nicht gesehen." Kleiner Vogel-Irgendwie. Ich war mir nicht sicher, daß mir das gefiel. Ich glaube, ich schaute beleidigt drein. "Würdest Du lieber Kleines Schweinchen sein? Oder Kleines Wiesel? Wir hatten Dir einen Namen geben müssen - außer diesem schrecklichen, den Dir Deine Mutter gegeben hat." "Ich denke, es ist egal, was er bedeutet. Ich hab mich inzwischen dran gewöhnt." Er strich mit der Hand über meinen Bauch. Er war immer noch flach, aber ich glaube, er malte es sich schon in seinem Kopf aus. "Wir könnten das Baby Kleines Wiesel nennen." Ich lachte. "Ich dachte , Du wärst Kleines Wiesel." Und ich nahm Ihn in meine Hand, um meine Behauptung zu beweisen. Er schüttelte den Kopf. Rollte sich auf den Bauch und ließ sich auf mir nieder. "Ich bin Großes Wiesel." Er hatte recht, das war er. ………………….. Ich war nicht überrascht, als Marius uns die Nachricht aus Rom brachte. "Da gab es einen Mann bei den Spielen, den sie Der Spanier nannten." Seine Augen funkelten. "Er besiegte die Streitwagen des Kaisers mit einer Handvoll Männern zu Fuß. Mein Cousin sah es, und er sagte, daß es ein glorreicher Sieg war." Sisro tat, als ob er beschäftigt sei. Er blickte nicht auf. "So?" "Er sagte, daß der Mann klassische Militärmanöver angewendet habe. Er ritt als seien er und das Pferd eins, wie ein Zentaur. Und er gab Befehle wie ein General." Sisro stand auf und ging weg. Marius runzelte die Stirn. "Ich dachte, er wäre froh, daß Maximus vielleicht noch am Leben ist." "Er hat Angst, das zu hoffen", sagte ich. "Was, wenn es nicht Maximus ist?" Sisro sagte das gleiche zu mir - später, als ich ihn fragte, was er tun wolle. "Was, wenn ich dort hingehe, und es ist nicht Maximus?" "Was, wenn Du nicht gehst, und er es ist?" Er runzelte die Stirn. "Du glaubst, daß Maximus am Leben ist." Das war keine Frage. Ich nickte. "Ich weiß, daß er es ist." "So ist er das also?" Ich schüttelte den Kopf. "Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wo Genral ist. Ich weiß nur, daß er lebt, daß es ihm körperlich gut geht." "Du solltest auch mitkommen." Ich sah hinunter auf meinen dicken Bauch. "Du weißt, ich kann nicht. Du wirst ihn finden und hierher zurück bringen." Ich küßte ihn an dem Morgen, als er aufbrach, und sagte ihm, er solle heil und gesund wiederkommen. Ich hatte nie die Zukunft sehen können. Diese Gabe besaß ich nicht. Was hätte ich getan, wenn ich gewußt hätte, daß er nicht zurückkommen würde? Guter Sisro. Mein Mann. ………………. Meine Mutter pflegte zu sagen, daß Frauen, die ein Kind in ihrem Leib tragen, sorgsam darauf achten müssen, was sie sehen und hören, daß alles, was die Mutter erlebt, das Kind verändern kann. Es dürfte interessant sein zu sehen, was mein Kind in meinem Leib mitbekommen hat. Ich wußte, was geschah, oder wenigstens so viel, wie ich wissen mußte. Niemand mußte es mir sagen. Genral sagte es mir. Seine Wut, sein Leid ... ... nicht der vertraute Schmerz, an den wir beide uns bereits gewöhnt hatten. Das war frisch, sein Herz war aufs Neue gebrochen worden ... ... und es zerriß mich ... ... Ich wußte, daß es Sisro sein mußte, den er betrauerte. Mein Sisro. Die Frau mit dem pockennarbigen Gesicht erzählte mir später, daß sie mich hatte schreien hören und daß sie gedacht hatte, das Kind würde zu früh kommen. "Ich habe Dich allein gelassen", sagte sie, zupfte an ihrem Rock und vermied es, mir in die Augen zu blicken, "weil ... ... als ich nachsah, ob mit dir alles in Ordnung ist .... ... da dachte ich, Du hättest einen Dämon in Dir. Ich fürchtete mich zu sehr, 'reinzukommen." "Du hast das Richtige getan", sagte ich zu ihr. "Du mußt auf Dich aufpassen." "War es ein Dämon?" Sie wartete auf meine Antwort. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Ich denke, sie erwartete, daß ich ja sagen würde. "Nein. Es war kein Dämon." Wäre es ein Dämon gewesen, dann hätte es vielleicht weniger weh getan. …………………….. Was soll ich Dir noch weiter erzählen? Du weißt vermutlich mehr als ich von dem, was geschehen ist. Alles was ich weiß ist das, was ich fühlte. Ich weinte, als ich die Wunde spürte, die Maximus tötete. Und ich wußte, diesmal würde ich ihn nicht von jenem Tor zurückrufen können ... ... Ich hörte von Marius die Geschichte von dem jungen Weisen Mann, der nicht weise war. Das war mir egal. Alles, was damals für mich zählte - und auch heute noch zählt - sind die Leben der Männer, denen ich meine Liebe geschenkt hatte. Und ihr Tod. Sisro war nicht allein gewesen, als er starb. Genral war bei ihm. Und Genral war nicht allein, als das Leben ihn langsam verließ. Ich war bei ihm. Ich fühlte, wie das Blut an seinem Bein herunter lief, während er kämpfte. Ich erwartete etwas Genugtuung, ein bißchen wohlverdientes Hochgefühl, als er seinen Feind tötete, aber da war nichts. Ich fühlte seine Müdigkeit, nicht nur jene, die von seiner Wunde herrührte, sondern Müdigkeit vom Leben. Ich fühlte den heißen Sand unter seinen Schultern und seinem Hinterkopf, und ich sah das Tor. Ich war bei ihm. Und dann war Genral nicht länger auf dem Sand. Da war kein Schmerz mehr. Das Tor ... . Genral streckte die Hand danach aus, drückte es auf ... ... . Jemand stand auf der anderen Seite. Ich fühlte das Lächeln in seinem Herzen, und ich wußte - sie war es, die auf ihn wartete. War es Frieden, nach dem er sich in seinem Leben gesehnt hatte? War es Liebe? Oder war es Freiheit? Freiheit. Ich fühlte, wie sie aus mir hervorquoll, sich über das armselige Gefäß meines Leibes ergoß. Er war frei. Sisro war auch auf der anderen Seite des Tores, da war ich sicher, und bald würde auch Genral dort sein. Ich würde allein sein. "Ich will mit Dir gehen. Nimm mich mit." Ich war bereit. Ich hörte meinen römischen Namen. Ich verlor das Tor aus dem Blick, meine inneren Augen schlossen sich. Dennoch, Ich wußte es ... ... Ich sah es nicht, aber ich wußte es ... ... Als Maximus durch das Tor trat, wandte er sich zu mir um, streckte mir seine Faust entgegen, öffnete sie ... ... und gab mich frei. ……………….. Drei Tage lang weinte ich unaufhörlich. Am vierten Tag war das Treten in meinem Leib zu stark, um länger ignoriert zu werden. Ich mußte aufhören zu weinen, meine Augen öffnen, mich umdrehen. Der Medizinmann, der gewöhnlich zu wichtig war, um sich um eine Frau mit Frauenproblemen zu kümmern, war da. Ich denke, jemand hatte ihn gerufen, weil sie glaubten, ich würde einen Dämon in mir tragen. Ich denke, ich hätte dankbarer sein sollen. Er legte seine Hände auf meinen Bauch. Wenn ich kurz nachgedacht hätte, dann hätte ich ihn vielleicht nicht ins Auge geboxt. So aber war sein Auge tagelang purpurrot. Ich dachte, es sei schon seltsam, daß ein Mann, der sich nur so langsam ducken konnte, so lange in der Armee überlebt hatte. "Du wirst mich brauchen", knurrte er, eine Hand auf sein Auge gepreßt. "Du trägst zwei Babys." "Und was willst Du da tun?" "Ich habe Fohlen entbunden, die so ineinander verschlungen waren, daß keines von ihnen auf die Welt kommen konnte. Ich nehme an, daß ich das auch bei Menschenbabys tun kann." Ich hatte über seine Geschicklichkeit mit dem Haken gehört. "Du wirst keines meiner Kinder zerschneiden." "Würdest Du lieber sterben?" Ich lächelte. Der Gedanke war nicht so übel ... ... ... "Es gibt Schlimmeres." …………………. Mein Sohn hat dunkles Haar und tiefblaue Augen. Er betrachtet alles. Manchmal, wenn er mit mir zufrieden ist, zieht er eine Ecke seines Mundes hoch ... ... und dann ist sein Lachen so breit, daß ich um sein Gesicht Angst habe. Er ist voller Freude, und es ist tröstlich, ihn bei sich zu haben. Ich dachte daran, ihn nach seinem Vater zu nennen ... ... und dann dachte ich daran, ihn Maximus zu nennen ... ... Die pockennarbige Frau sagte, der erste Sohn sollte nach seinem Großvater benannt werden... .... Die hinkende Frau sagte, ich soll ihn nach den Eigenschaften nennen, die ich mir für ihn wünsche. Es erforderte langes Nachdenken. Und dann erinnerte ich mich an den Weisen Mann, den König der Römer, den Mann, den Genral über alles geschätzt hatte. Weise und mächtig und freundlich genug, um einen Gedanken an ein ängstliches germanisches Mädchen zu verschwenden, das ihm hätte völlig gleichgültig sein können. Ich dachte, Sisro hätte es gemocht, wenn ich seinen Sohn nach dem König der Römer nennen würde. Als ich Marius zu verstehen gab, wen ich meinte, sagte er mir den Namen des Weisen Mannes ... ... und ich änderte meine Meinung. Mindestens die Hälfte aller Babys im Lager hieß Markus. Ich nannte ihn Athas. In der Sprache seines Vaters bedeutet das 'Freude'. Sisro hatte einmal gesagt, daß ich ihm die gegeben hätte. Meine Tochter ... ... das ist eine andere Geschichte. Sie heißt Ethne, was in der Sprache ihres Vaters 'Feuer' heißt. Es war der Name von Sisros Mutter, und es paßt zu der Flamme, die meine Tochter ist. Sie lacht so leidenschaftlich wie sie wütend ist, und sie fürchtet nichts. Manchmal ... ... sieht sie mich an als ob sie weiß, was ich denke. Ich habe vor, ihr von ihrem Vater zu erzählen und von Maximus, und über den Krieg zwischen den Römern und den Germanen, wenigstens das, was ich darüber weiß ... ... aber vielleicht werde ich das auch gar nicht müssen. Ich frage mich noch immer, ob die Götter unsere Geschicke lenken. Hatte es einen Grund, daß ich mich mehr an Genral band, als es mir bewußt gewesen war? Hatte sich mein Onkel das Bein gebrochen, als er vor einem Dachs davonlief, damit ich meinen beiden Kindern das Leben schenken konnte? Habe ich bereits, zu Beginn meines siebzehnten Lebensjahres, das vollbracht, wozu mich die Götter auf diese Erde geschickt haben, oder wird die Zukunft noch mehr für mich bereit halten? Wie sollte ich wissen, was ich tun oder sein oder fühlen soll? Wenn sich die Götter weigern, es mir zu sagen, dann werde ich tun, was ich will. Ich blicke hinauf zum Himmel und spreche zu den Göttern, die dort leben, auch wenn sie mir bis jetzt noch nicht geantwortet haben. Ich halte meine schönen Kinder in den Armen und küsse sie. Ich singe und tanze, wenn meine Nachbarn es am wenigsten erwarten. Ich träume von einem Tor aus Holz in einer Steinmauer. Und von den Männern dahinter. Dort ist der Himmel. Ich habe ihn gesehen. Ich erträume mir mein Glück.
*** Ende***
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