25.a Schwimmunterricht


Aber als ich aufwachte, war Maximus nicht da.

Es war kein sanftes Erwachen, nicht das langsame Auftauchen, das man nach dem unbändigen Glück des vergangenen Tages und dem zärtlichen, verträumten Liebesspiel in den Stunden der Dämmerung hätte erwarten können. Statt dessen öffnete ich meine Augen schlagartig, als habe ein lautes Geräusch mich gestört. Aber da war kein Geräusch gewesen, nur das plötzliche Auftauchen aus tiefem Schlaf. Verwirrt und mit klopfendem Herzen setzte ich mich auf und blickte mich um.

Ich lag auf dem Bett in der engen Kabine der Poseidon, wohin Maximus mich gebracht, als es zu regnen begonnen hatte. Meinen nackten Körper verhüllte noch immer die leichte Decke, die jedoch bis zu meiner Taille herabgerutscht war, als ich mich aufgesetzt hatte. In der Kabine herrschte akribische Ordnung, die von militärischer Übung zeugte. Mein Gewand hing sorgfältig gefaltet über dem Stuhl, der Korb und die Amphore standen auf dem Tisch, die Teppiche lagen wieder an ihrem Platz und die Kissen türmten sich in einer Ecke. Fulmens Sattel lag an der gegenüberliegenden Wand.

Keine meiner Dienerinnen hätte es besser machen können.

Der Fensterladen vor dem Bullauge war noch geschlossen, aber ein Sonnenstrahl fiel schräg durch einen Spalt in den Holzbrettern, und es war offensichtlich, daß es nicht nur zu regnen aufgehört hatte sondern daß es auch schon später Vormittag, wahrscheinlich fast Mittag war.

Die Kabinentür war geschlossen.


Und Maximus war nicht da.

 
Vielleicht war es das Fehlen seiner Wärme gewesen, das mich so plötzlich aufgeweckt hatte.  Vielleicht war ich im Bett zu ihm gekrochen, hatte den Trost seiner Körperwärme gesucht aber nur die allzu bekannte und gefürchtete kalte Leere gefunden ...

Bei dem Gedanken an ein anderes einsames Erwachen vor sechs Jahren geriet ich in Panik ...

Wo war er? Wohin war er gegangen? Er würde mich nicht verlassen ... nicht nach letzter Nacht ... Nicht nach dem, was am Vortag zwischen uns gewesen war ... Er hatte mir versprochen, am Morgen hier zu sein. Daß er da sein würde, wenn ich die Augen aufschlüge ... War ihm etwas zugestoßen? War Proximo, verärgert über Apollinarius' Täuschungsmanöver, aus Rom zurückgekehrt und hatte ihn weggebracht obwohl die vereinbarten neun Tage (*) noch nicht um waren? Oder - die schlimmste Möglichkeit von allen - hatte Commodus seine Prätorianer geschickt, um Maximus zu töten? Außerhalb Roms, weit weg von der schützenden Verehrung der Massen, war er dem Bemühen des Kaisers, ihn loszuwerden, sehr viel mehr preisgegeben ... Hatte ich ihm unbeabsichtigt die Ausführung seines Vorhabens noch erleichtert? Hatte ich es durch Unachtsamkeit Commodus ermöglicht, Maximus zu töten so wie ich es durch Unachtsamkeit Proximos Wachen ermöglichst hatte, ihn zu verspotten und zu beleidigen? Aber sollte dies der Fall gewesen sein, warum bin ich nicht aufgewacht? Maximus hätte nicht kampflos aufgegeben ... Und warum hatten die Prätorianer mich nicht getötet? Jemand zu verschonen, der so viel wußte wie ich, das ergab einfach keinen Sinn ...

 

Ich schob diese beunruhigenden Gedanken beiseite, sprang aus dem Bett, griff nach meinem Gewand und stürzte, während ich noch mit dem Gürtel kämpfte, an Bord.

Das Sonnenlicht traf mich mit voller Wucht. Ich schloß meine Augen, um die - wie es mir schien - Myriaden scharfer Klingen abzuhalten, und ich stolperte, schaffte es aber irgendwie, nicht zu fallen. Das Deck schien unter meinen Füßen zu schwanken und mir wurde schwindelig. Mein Magen brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen, und mein Kopf, um sich nicht weiter zu drehen. Blind faßte ich nach einem Seil und stand einen Augenblick ganz still, atmete tief und verfluchte mich insgeheim selbst, weil ich das Bett so übereilt verlassen hatte.

Ich stand noch immer da, an das Seil geklammert und die Augen geschlossen, als ich das Wiehern hörte. Ich hob ruckartig den Kopf, riskierte einen neuerlichen Schwindelanfall ... und schluckte krampfhaft bei dem Anblick, der sich mir bot: Maximus striegelte Fulmen am Ufer des Teiches. Er trug die weinrote Tunika, hatte aber die Ärmel hochgekrempelt, um besser arbeiten zu können, und mangels einer Bürste oder eines Striegels benutzte er eine Handvoll trockenen Grases, um den Rücken des Pferdes abzureiben. Als Fulmen zum zweitenmal wieherte und heftig den Kopf hin und her warf, blickte Maximus auf und sah mich an Deck stehen - mit blassen Wangen und zerzaustem rot-goldenem Haar.

Er lächelte.

Mir wurde wieder schwindlig, und ich griff haltsuchend nach dem Seil.

Dann ließ ich es los und unfähig, mich zurückzuhalten, lief ich zu ihm.

Bevor er mit dem Striegeln des Hengstes begonnen hatte, hatte Maximus eine Planke angelegt, um nicht an der Strickleiter von und an Bord der Poseidon klettern zu müssen. Meine nackten Füße polterten über das Holz, als ich auf ihn zu lief, und bevor er mir noch ein oder zwei Schritte entgegenkommen konnte, warf ich mich ihm in die Arme.

Maximus fing mich auf. Er mußte einen Schritt zurücktreten, um von meinem Schwung nicht umgeworfen zu werden. Seine starken Arme legten sich schützend um meinen Körper, während ich meine um seinen Hals schlang, und ich vergrub mein Gesicht an seinem Nacken, suchte verzweifelt nach seiner Wärme als wolle ich mich in ihr verlieren ... was ich auch wirklich wollte.

"Da bist Du ja ... ", sagte ich halb sprechend und halb weinend an seiner warmen Haut. Die Erleichterung, ihn hier sicher gefunden zu haben, war so groß, daß ich die heißen Tränen, die unter meinen fest geschlossenen Augenliedern hervorquollen, nicht zurückhalten konnte. "Du bist hier ... Du hast mich nicht verlassen .... "

Maximus streichelte mir über das zerzauste Haar und küßte mich beruhigend auf die Schläfe.

"Natürlich bin ich hier", flüsterte er.

Unfähig, mich länger zurückzuhalten, brach ich in Tränen aus.

"Da, da ... "

Maximus strich sanft über mein Haar, und ich fühlte den Widerhall seiner tiefen Stimme im Resonanzraum seines Brustkorbes, während ich mich immer noch fest an ihn preßte.

"Ich bin aufgewacht, und Du warst nicht da", stammelte ich gegen einen Schluckauf ankämpfend. "Ich dachte ... Ich dachte ... "

"Daß ich Dich verlassen hätte?"

Mit äußerster Anstrengung zwang ich mich, den Kopf zu heben und in seine meerfarbigen Augen zu schauen. Ganz gleich wie oft ich sie betrachtete, sie würden nie ihre faszinierende Wirkung auf mich verfehlen.

"Ich hatte Angst ... " murmelte ich und wollte nicht zugeben, daß ich - wenigstens für den Bruchteil einer Sekunde - an ihm gezweifelt hatte. "Ich hatte Angst, daß etwas ... etwas Schlimmes passiert sein könnte ... "

Maximus lächelte, und sein Lächeln war so zu Herzen gehend, so voller Zärtlichkeit, daß ich wieder das Gefühl hatte, in Ohnmacht zu fallen. Ich griff nach der feinen Wolle seiner weinroten Tunika, um zu verhindern, daß meine Beine ihren Dienst versagten.

"Es tut mir leid, wenn ich Dir Angst gemacht habe", sagte er immer noch lächelnd, wobei sich die feinen Linien in seinen Augenwinkeln vertieften. Aber wie seine Narben taten auch diese Linien seiner so ganz männlichen Schönheit keinen Abbruch sondern verstärkten sie noch. Der stolze Schmuck eines Mannes, der Manns genug ist, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und es mit Ehre und Würde zu leben.

Die Zärtlichkeit in seiner Stimme machte meine Lippen beben. Ich versuchte, es zu verbergen und preßte sie fest aufeinander, aber Maximus verhinderte es indem er zart mit der schwieligen Kuppe seines Daumens über meine Lippen strich, und wie von selbst hörten sie auf zu zitterten und öffneten sich leicht unter seiner Berührung.

"Ich bin ein Frühaufsteher", fuhr er fort. "Wenn Du Soldat und Bauer bist, dann ergibt sich das ganz von allein. Und wenn ich im Bett liegen bleibe obwohl ich schon hell wach bin, dann werde ich unruhig. Du hast noch so fest geschlafen, und ich wollte Dich nicht aufwecken ... "

"Du hättest mich wecken sollen!" hauchte ich. Verloren in der Tiefe seiner aquamarinfarbigen Augen und durchströmt vom Gefühl der Erleichterung war ich kaum in der Lage, die Worte zu formen.

Und wieder lächelte Maximus und nahm dabei mein Gesicht in eine seiner großen starken Hände.

"Ich gebe zu, daß ich daran gedacht hatte ... "sagte er leise und grinste dabei herausfordernd. "Aber Du schienst Deinen Schlaf bitter nötig zu haben. Ich habe Dich lange beobachtet, während Du geschlafen hast ... "

Der bloße Gedanke, daß Maximus mich beobachtete und ich völlig ahnungslos war, ließ mich erröten. Ich fragte mich, was er wohl gesehen haben mochte, während ich unschuldig an seiner Seite schlief. Als habe er meine Gedanken gelesen, strich mir Maximus mein zerzaustes Haar mit der anderen Hand aus dem Gesicht.

"Ich mag es, Dich zu beobachten, während Du schläfst. Du bist wie ein Kätzchen - weich und warm und zutraulich..."

Ich spürte, daß ich noch tiefer errötete, und senkte den Blick mit einer Sittsamkeit, die selbst eine der Göttin Vesta geweihte Jungfrau beeindruckt hätte.

Bevor ich noch sprechen, bevor ich ihm noch sagen konnte, daß auch ich es liebte, ihn im Schlaf zu beobachten, hörte ich ein leises Schnaufen, und ein warmer Atemhauch streifte mein Ohr.

Wir drehten uns gerade so rechtzeitig um, daß Fulmen seinen großen, seidigen, kastanienbraunen Kopf zwischen uns schieben konnte und wir beide einfach lachen mußten. Maximus packte mit einer Hand das Halfter des Hengstes und bückte sich gleichzeitig, um das Grasbüschel aufzuheben, mit dem er das Tier gestriegelt und das er fallen lassen hatte, um mich aufzufangen.

"Hallo, mein Guter", sagte ich, griff ebenfalls nach Fulmens Halfter und rieb seine samtene Nase. Das Pferd antwortete abermals mit einem zärtlichen Schnauben. "Du magst es nicht, wenn man Dich nicht beachtet, stimmt's?"

Der Hengst rollte bedeutsam mit seinen schönen braunen Augen und ich mußte wieder lachen. O ja. Wenn es um Katzen und Pferde geht, dann verstehen wir uns.

"Armer Junge", redete ich weiter zu ihm und rieb dabei seine Stirn. Maximus hatte wieder angefangen, Fulmen zu striegeln, und der Hengst verlieh durch leises zufriedenes Wiehern seiner Genugtuung über die ihm nun reichlich zu Teil werdende Aufmerksamkeit Ausdruck.

"Wo warst Du während des Regens? Hast Du Deinen gemütlichen Stall vermißt?"

"Nachdem ich ihn abgesattelt hatte, habe ich ihn locker in der Nähe der Bäume angebunden. Er wird dort Schutz gefunden haben. Als ich ihn heute morgen fand, da hatte er sich schon von seinem Strick befreit. Er graste gemächlich am Ufer des Teiches und war ziemlich trocken", bemerkte Maximus, während er das Hinterteil des Pferdes bearbeitete.

"Ich hab Dir schon gesagt, daß Fulmen ein kluges Pferd ist", bemerkte ich, während ich voller Besitzerstolz den seidigen Nacken des Tieres streichelte. "Er ist sehr geschickt, wenn es darum geht, sich seine Freiheit zu erkämpfen. Deshalb war es ihm auch gelungen, mit Luna durchzubrennen."

Der Hengst schien meiner Darlegung aufmerksam zu folgen, und als ich die junge silbergraue Stute erwähnte, bleckte er die Zähne in einem breiten Grinsen.

Ich lachte und fragte dann mit gespieltem Ernst: "Wird Dein Sprößling so klug sein wie Du, mein Schöner? Wenn ja, dann werde ich doppelt starke Seile für Euch anschaffen müssen!"

Maximus hob den Kopf.

"Warum hast Du gesagt, daß Du erst dann, wenn Luna ihr Fohlen bekommt, sehen wirst, ob er seine Eigenschaften an seine Nachkommenschaft weitergeben wird? Haben die beiden anderen Stuten, die Du mit ihm zusammen erhalten hast, noch nicht gefohlt?"

"O ja. Sie haben zwei wunderbare kleine Hengste zur Welt gebracht, aber es sind nicht Fulmens Kinder", sagte ich und hielt dabei nach einem weiteren Büschel Gras Ausschau, um Maximus beim Striegeln zu helfen.

"Als Sempronius den Hof meines Kunden besuchte, sah er dort mehrere gute Hengste. Er wählte Fulmen und zwei Stuten, die jeweils von einem anderen Hengst gedeckt worden waren. Er sagte mir, diese Hengste hätten bereits hervorragende Fohlen gezeugt, und sollten wir wirklich beschließen, Pferde zu züchten, müßten wir uns um Tiere mit unterschiedlicher Abstammung bemühen, da wir ansonsten riskieren würden, schnell in Inzucht zu verfallen und schwache Tiere zu bekommen."


Maximus pfiff anerkennend.

"Dein Stallmeister versteht sein Handwerk!" sagte er. "Wo hast Du diesen Schatz gefunden?"

Ich lächelte, zufrieden, daß Maximus Sempronius mit den gleichen Augen sah wie ich, obwohl er ihn noch nicht persönlich kennengelernt hatte.

"Mein Gemahl kaufte ihn als Sklaven für die Schiffswerft ein paar Jahre bevor wir heirateten", erklärte ich, während ich begann , die andere Hinterbacke des Hengstes zu bürsten. "Er war sehr jung und sehr stark, kaum ... gezähmt ... " sagte ich und zögerte, dieses Wort zu benutzen. Maximus arbeitete weiter, als habe er es nicht gehört.

"Dann, eines Tages, während mein Gemahl mit Geschäften auf der Werft beschäftigt war, gab es einen Unfall, und ein Ochse, der einen Karren zog, wurde verletzt ... " erklärte ich und bearbeitete dabei weiter das glänzende kastanienbraune Fell. "Der Ochse hatte große Schmerzen und geriet vor Angst in Panik. Daher ordnete der Vorarbeiter an, ihn zu töten. bevor er größeren Schaden auf der Werft anrichten konnte. Da bahnte sich Sempronius seinen Weg zu dem Tier, und es gelang ihm, den Ochsen im Zaum zu halten, ihn zu beruhigen und schließlich seine Wunde zu versorgen."

"Ochsen sind größtenteils gutmütige Tiere, aber wenn sie in Furcht geraten oder Schmerzen haben, dann können sie wirklich gefährlich werden", bemerkte Maximus dazu. "Man braucht eine Menge Kraft, um sie in Schach zu halten..."

Ich nickte. Sempronius war stark genug, um ein ausgewachsenes Pferd mit bloßen Händen in die Knie zu zwingen. Ich hatte das mit eigenen Augen gesehen, als es einmal nötig war, um ein verletztes Tier zu versorgen.

"Mein Gemahl war tief beeindruckt, und als sich der Ochse von seiner Verletzung dank Sempronius' Fürsorge erholte, beschloß er, daß Sempronius' Talent auf der Schiffswerft vergeudet sei, brachte ihn hier her und ließ ihn in den Ställen arbeiten."

Maximus sah mich über Fulmens breiten Rücken an, sagte aber nichts.

"Als er noch jung und gesund war, ritt mein Gemahl oft und gerne aus, und er besaß viele Pferde", gab ich ihm auf seine unausgesprochene Frage zur Antwort. "Dann wurde er krank und konnte es nicht riskieren zu stürzen, also mußte er das Reiten aufgeben. Aber er hat Pferde immer geliebt ... Sempronius wirkte wahre Wunder an den Tieren und es zeigte sich, daß er viel über ihre Krankheiten wußte und auch darüber, wie man sie zu behandeln hatte. Als dann im darauf folgenden Winter der Stallmeister meines Gemahls starb, nahm Sempronius seinen Platz ein ... und er wirkt noch immer Wunder."

"Wie viele Pferde besitzt Du heute?"

"Zwanzig", sagte ich, während ich mich zur Schulter des Hengstes vorarbeitete.

Maximus pfiff wieder anerkennend.

"Nicht alle sind Reitpferde", erklärte ich. "Zwei Paare ziehen meine Kutsche. Dann haben wir Fulmen, Luna, Sidereum, Nebula und Lux mit ihren Fohlen. Außerdem einige ausgediente Veteranen. Ein paar von ihnen sind so langsam und fett, daß sogar Apollinarius auf ihnen zu reiten wagt!"

Maximus lächelte, sagte aber nichts.

"Dann gibt es noch einige alte Tiere, die sich ihr Gnadenbrot verdienen, indem sie die Karren für die Gartenpflege ziehen und dabei den Sonnenschein genießen."

"Wie viele Gehilfen hat Sempronius?"

"Drei ... und außerdem diesen nichtsnutzigen Simacus."

"Und Ferox!" fügte Maximus mit einem Lächeln hinzu.

"Und Ferox, ja", lachte ich. "Ich bin gespannt, was Sempronius' Mastiff zu ihm sagen wird ... "

Während unserer Unterhaltung hatten wir den Hengst fertig gestriegelt. Schwanz und Mähne mußten warten, bis wir zur Villa zurückkehrten - es sei denn, ich hätte eine meiner Bürsten zur Verfügung gestellt, um sie zu kämmen. Maximus gab Fulmen einen Klaps auf das Hinterteil, und das Pferd nickte ein paarmal mit dem Kopf, bevor es zu einem Fleckchen saftigen Grases zurückkehrte und ruhig weitergraste. Wir betrachteten das Tier einen Augenblick lang in einvernehmlichem Schweigen, dann legte Maximus seinen Arm um meine Schultern und zog mich an sich. Mit einem Seufzer schlang ich beide Arme um seine Taille und vergrub mein Gesicht wieder an seinem Hals, sog begierig seinen männlichen Duft ein, der jetzt  mit einem Hauch von Leder und Pferd vermischt war ... und plötzlich wurde mir bewußt, daß ich unter meinem seidenen Gewand nackt war und nach Schlaf und Sex roch, etwas, das Maximus bereits bemerkt haben mußte.

"Du hast noch nicht gefrühstückt, stimmt's?" fragte er.

Ich schüttelte verneinend den Kopf. Ich war so plötzlich und unsanft aufgewacht, daß ich gar nicht an Frühstück gedacht hatte. Und nun, als er es erwähnte, rebellierte mein Magen. Das war ganz untypisch für mich. Gewöhnlich erwachte ich und verspürte Durst nach meinem mit Honig gesüßten Zitronenwasser, und ich vergaß auch nie meine kleingeschnittenen Früchte oder das gekochte Getreide. Frühstück war die Zeit des Tages, die ich sehr genoß, gewöhnlich nutzte ich sie, um mich in aller Ruhe mit Apollinarius zu unterhalten - sei es über Politik, das Geschäft oder einfach nur schlichten Klatsch. Aber an jenem Morgen war der bloße Gedanke an Essen nicht nur ohne jeden Reiz, sondern verursachte mir geradezu Übelkeit.

"Möchtest Du etwas, bevor wir weitermachen?" fragte Maximus.

Und wieder bäumte sich mein Magen auf.

"Nein", sagte ich. "Ich glaube, ich habe letzte Nacht zuviel gegessen. Ich fühle mich immer noch ... voll..."

Maximus hob mit seinem Zeigefinger mein Kinn hoch, und abermals verlor ich mich in der Tiefe dieser Augen von der Farbe eines warmen südlichen Meeres.

"Gut", sagte er. "Es wäre schade, so einen schönen Tag zu vergeuden ... "

Es war wirklich schön - der türkisblaue Himmel spannte sich wie ein seidener Baldachin über uns, und die Sonne strahlte wie gehämmertes Gold, ihre Wärme hüllte uns ein wie eine weiche Decke.

"Was hast Du vor?" fragte ich und schmiegte mich dabei wieder an ihn.

"Nun, das ist der perfekte Tag, um ein Versprechen einzulösen", sagte er.

Ein Versprechen? Wovon redete er?

Ich schaute zu ihm auf und hob fragend eine Augenbraue.

Maximus lächelte.

"Der perfekte Tag für Deine erste Schwimmstunde ... "

Ich hatte das Gefühl, als hätte mir jemand einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf gegossen.

Eine Schwimmstunde?

Auf keinen Fall.

"Maximus..." setzte ich an.

Er legte mir einen Finger auf die Lippen und brachte mich so zum Schweigen.

"Julia, vor sechs Jahren hab ich ein Versprechen gegeben, und ich habe es nicht gehalten. Ich pflege mein Wort zu halten..."

Ich wand mich in seinen Armen und versuchte, mich freizumachen.

Maximus spürte meine Erregung und ließ mich los.

Ich trat einen Schritt zurück und sah ihm in die Augen.

"In Ordnung, Maximus, ich gebe Dir Dein Wort zurück..."

Er schwieg einen Moment lang und nickte dann.

"Du kannst mir mein Wort zurückgeben, Julia, aber Du kannst weder meine Verantwortung noch meine Sorge von mir nehmen..."

"Was willst Du damit sagen?"

"Schwimmen zu können ist so wie reiten zu können. Es kann Dir das Leben retten..."

Ich spielte nervös mit meinen Händen.

"Maximus, ich lebe mein Leben hier und in Rom ... Ich setzte nie einen Fuß auf ein Schiff ... und wenn ich reise - was ich selten tue - dann reise ich zu Lande..."

"Was wenn Du gezwungen bist, auf einem Schiff zu reisen? Was denkst Du, wie Du Dich fühlen würdest, wenn Du Wochen auf See verbringen müßtest, ohne schwimmen zu können?"

Bei dem bloßen Gedanken drehte sich mir erneut der Magen um, aber ich tat den Gedanken mit einer Handbewegung ab.

"Unsinn. Ich habe nicht vor, irgendwohin auf einem Schiff zu reisen. Was das Geschäft betrifft ... ich bezahle Leute, die das Reisen für mich übernehmen ... Und ich bezahle sie gut."

"Reisen sind nicht immer geplant. Manchmal mußt Du sie einfach machen...."

Er kam auf mich zu, und als er mich in die Arme nahm, wehrte ich mich nicht.

"Julia, erinnerst Du Dich daran, was Du mir sagtest, als Du mich gefragt hast, ob ich Dir das Schwimmen beibringen würde?"

 
O ja. Die Ereignisse jener Nacht waren meinem Gedächtnis eingebrannt so wie jedes einzelne Wort, das wir gewechselt, und wie jeder Augenblick, den ich mit Maximus geteilt hatte. Mit gebrochenem Herzen und im Opiumrausch, mein nackter Körper kaum verhüllt von einer meergrünen Tunika, die so leicht war, das sie nicht mehr als eine Handvoll Schaum zu sein schien, hatte ich ihn angefleht, seinen ledernen Brustpanzer abzulegen und mich in seinen Armen zu halten. Ich hatte ihn angefleht, mich ganz fest zu halten, dann war ich auf seinen Schoß gekrochen, und brennend in dem ältesten Verlangen des Menschen - dem, sich mit einem anderen Wesen zu vereinigen  - sehnte ich mich danach, daß er seinen Samen in meinen Leib pflanzte, ich verlangte danach, daß er mich nahm. Aber er hatte mich wieder zurückgewiesen, und ich hatte mich in seinen Armen ausgeweint, meinen Kummer mit Tränen fortgeschwemmt, unzusammenhängende Worte gestammelt und gefragt, ob er mir das Schwimmen beibringen könne.

Seine letzten Worte, bevor ich einschlief, hallten in meinem Gedächtnis wieder.

"Ja, Julia. Ich werde Dir das Schwimmen beibringen..."

Aber als ich aufwachte, war er nicht mehr da, und während der folgenden Tage hatte ich ihn nur einmal aus der Ferne gesehen, während er zusammen mit dem Kaiser durch das Lager schritt. Und dann, an einem frühen Sommermorgen, war die Zeit unseres Abschieds gekommen - ich saß auf meinem Pferd und er stand an meiner Seite, angetan mit allen Ehrenzeichen seines Amtes.

Maximus tiefe Stimme weckte mich aus meinen Gedanken.

"Du sagtest, Du hättest Angst vor dem Wasser, Angst davor zu ertrinken ... und daß Du es nicht magst, Angst zu haben. Daß Du nie wieder Angst haben wolltest..."

Die Kehle krampfte sich mir zusammen, als ich an den Schmerz dachte, der mein Herz erfüllt hatte, als diese Worte gesprochen wurden ... und eine Woge wilder Gefühle schlug über mir zusammen, als mir bewußt wurde, daß er sich an diese Worte erinnerte.

"Julia", fuhr er leise fort, "es macht mir Angst, daß Du Dich immer noch davor fürchtest zu ertrinken ... "

Ich entspannte mich in seinen Armen.

"Maximus, das ist wirklich nicht nötig..."

Er küßte mich auf meinen Scheitel.

"Julia, wenn Du es nicht für Dich selbst tun willst, würdest Du es dann wenigstens für mich tun? Bitte!"

"Ich habe Angst ..." platzte ich heraus, noch bevor ich es verhindern konnte.

"Da ist nichts, wovor Du Dich fürchten mußt ..."

Ich verbarg mein Gesicht an seiner Schulter.

"Allerdings ist da etwas!", protestierte ich.

"Julia, hast Du jemals einen Fuß in den Teich gesetzt?"

Das Gesicht immer noch an seiner Schulter vergraben schüttelte ich den Kopf.

"Er ist ganz flach ... an seiner tiefsten Stelle reicht Dir das Wasser höchstens bis zur Brust ... "

"Es ist tief genug, um darin zu ertrinken!"

Meine Worte waren durch den Stoff seiner Tunika hindurch kaum zu hören.

Maximus lachte leise.

"Ich werde nicht zulassen, daß Dir irgend was geschieht ... "

Ich machte einen neuen Versuch.

"Das Wasser ist sicher kalt ... "

"Vertrau mir, es ist warm genug. Ich bin vorhin ein paar Runden geschwommen, und es war angenehm ... "

Ich trat von einem Fuß auf den anderen.

"Der Boden ist sicher schlammig ... Ich mag es nicht, in Schlamm zu treten ... "

"Da ist kein Schlamm, Julia, nur Sand und kleine Steine ... "

Da mir die Argumente ausgingen, versuchte ich es mit einem typisch weiblichen Schachzug.

"Ich habe nichts Passendes anzuziehen ... "

Maximus brach in Gelächter aus. Er umfaßte meinen Hinterkopf mit seiner großen Hand und zwang mich mit sanfter Gewalt, ihn anzuschauen.

"Julia, Du brauchst nichts anzuhaben, um Schwimmen zu lernen!"

Sobald ihm die Worte entschlüpft waren, wurde er wieder ernst und fügte hinzu: "Hm, ich glaube, das wäre doch keine so gute Idee ... hast Du nicht eine kurze Tunika wie die, welche Du am Strand getragen hast, hier?"

Ich ignorierte bewußt das Wörtchen "kurz" und erwiderte scharf: "Nein! Ich trage diese Tuniken nur am Schwimmbecken der Villa oder am Strand ... "

Maximus schien unser Kleidungsproblem zu überdenken.

"Wie sieht es mit einer alten Tunika aus? Etwas, das Du zerreißen kannst - dann könntest Du den Rock einfach etwas kürzen?"

"Schon möglich .... " räumte ich mürrisch ein.

Maximus zog eine Augenbraue hoch.

"Ich habe eine alte Reittunika ... " gab ich widerwillig zu - mein Gehirn arbeitete noch immer hektisch auf der Suche nach einer Ausrede, um die unerwünschte Schwimmstunde vermeiden zu können ... und die Peinlichkeit, mich vor Maximus' Augen zum Narren zu machen. "Ich habe sie auf dem Weg hierher an einem Dornbusch zerrissen und auf dem Schiff zurückgelassen, nachdem ich mich umgezogen hatte ... "

"Die wird sicher genau das Richtige sein", sagte Maximus mit einem Lächeln, dann gab er mich frei und schob mich sanft in Richtung der Poseidon. "Geh und zieh sie an. Du solltest Dir auch das Haar hochstecken. Lange offene Haare sind beim Schwimmen ziemlich hinderlich. Ich werde hier auf Dich warten ... "

Ich sah ihn mit großen, flehenden Hundeaugen an, aber er lächelte nur und schob mich abermals in Richtung des Schiffes.

"Geh", wiederholte er, und ich zwang mich zu tun, was er mir sagte. Resigniert schleppte ich meine nackten nassen Füße zu der Planke, die auf das Schiff führte.

Ich war bereits hinaufgeklettert, als Maximus mir nachrief.

"Julia?"

Ich drehte mich um und sah ihn auf den Steinen stehen.

"Danke", sagte er leise und schenkte mir das gleiche liebevolle Lächeln wie in der vergangenen Nacht, als wir über Pferde gesprochen hatten. Ich hatte das bestimmte Gefühl, als würde mein Herz auf der Stelle zerspringen. Und das Risiko zu ertrinken schien mir ein angemessener Preis für dieses Lächeln.

Ich zögerte meine Rückkehr so lang wie möglich hinaus, aber es gab nicht viel, das ich tun konnte, um das Unvermeidbare hinauszuschieben. Ich wußte bereits, daß Maximus, wenn er sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, so unerbittlich wie das Schicksal selbst sein konnte. Also wusch ich mich, zog die zerrissene Reittunika an und steckte mein Haar zu einem behelfsmäßigen Knoten hoch. Wie üblich taten einige störrische Locken ihr Bestes, um meine Bemühungen zu boykottieren. Dann ging ich mit der Begeisterung eines zum Tode Verurteilten, der zu seiner Hinrichtung schreitet, zurück auf Deck.

Ich fand Maximus immer noch angezogen vor. Er saß auf der Planke, seine Beine baumelten über dem Wasser als sei er ein Junge, der einen Augenblick friedlichen Alleinseins genoß.

Als er mich sah, lächelte er, stand aber nicht auf.

"Gut", sagte Maximus. "Sehr gut. Komm näher, Julia", und er klopfte mit der flachen Hand neben sich auf die Planke.

Ich machte ein paar Schritte und stand neben ihm. Maximus' Finger glitten über die Stelle meiner Tunika, wo die Dornen sich im Saum verfangen hatten, und er schien einen Moment lang nachzudenken. Dann nahm er den Stoff in seine beiden starken Hände und zerriß ihn. Mit jedem Reißen und Zerren wurde die Tunika dramatisch kürzer, bis sie zehn Zentimeter oberhalb meiner Knie endete - genau wie die baumwollene Tunika, die ich am Strand getragen hatte.

"Das sollte reichen", meinte er, offenbar zufrieden mit seinem Werk. Während er noch sprach, streichelte eine seiner schwieligen Hände meine Wade und ließ mich erschauern.

"Schöne Beine", bemerkte er wie nebenbei und stand auf. "Dürfte kaum neu für Dich sein, stimmt's? Alles an Dir ist schön..."

Ich glaubte, er würde mich jetzt küssen, und meine Lippen öffneten sich wie von selbst, aber statt dessen entledigte sich Maximus seiner Tunika, faltete sie sorgfältig zusammen und hängte sie über die Reling, dann zog er seine Sandalen aus und warf sie aufs Deck. Er nahm meine Hand und ging die Planke hinunter. Ich folgte ihm widerwillig.

Als wir die Steine erreichten, half er mir, meine Füße auf sie zu setzen, und bevor ich auch nur ahnen konnte, was er vorhatte, sprang er in den Teich und bespritzte mich von oben bis unten mit Wasser.

Instinktiv schloß ich die Augen.

"Komm, Julia", sagte er, und ich öffnete sie vorsichtig wieder.

Ich balancierte auf den Steinen, und das Wasser rann meine Beine herab, während Maximus im Teich stand. Er war wirklich nicht tief ... Das Wasser reichte kaum bis zu seinen kräftigen Oberschenkeln ...

"Komm", sagte er und lächelte ermutigend. "Das Wasser ist herrlich ...."

Ich rührte mich nicht von der Stelle. Maximus kam näher und streichelte meinen rechten Fuß.

"Komm", redete er mir gut zu, während seine Finger zuerst über meinen Knöchel und dann über meine Wade strichen.

Ich wollte den Rückzug antreten, aber da war einfach nicht genug Platz für so ein Manöver.

"Spring, Julia. Es macht Spaß", sagte Maximus und streichelte weiter meinen Knöchel.

"Ich kann nicht", murmelte ich.

"Natürlich kannst Du!"

 "Ich habe Angst!"

Ich war den Tränen nahe, und Maximus merkte es. Er hörte auf, meinen Knöchel zu streicheln, und streckte statt dessen die Hand aus, um meine zu ergreifen. Trotz meines Widerwillens gegen diese Schwimmstunde, verlor ich keine Zeit, seine Hand zu ergreifen.

"Julia, Kinder können schwimmen noch bevor sie ordentlich laufen können ... "

"Ich bin kein Kind!"

"Jedes Lebewesen kann schwimmen", beharrte er. "Du machst da keine Ausnahme."

"Tiere wissen von Natur aus, wie sie es machen müssen ... Ich habe von Natur aus Angst vor Wasser!"

Maximus lächelte.

"Julia, Du hast gelernt, viele schwierige Dinge zu tun - wie zum Beispiel eine ganze Handelsflotte zu verwalten. Verglichen damit ist Schwimmen ein Kinderspiel. Komm ... "

Wieder versuchte ich, einen Schritt zurückzutreten, und wieder stellte ich fest, daß es dafür nicht genug Platz gab. Der einzig mögliche Ausweg schien mir zu sein, wieder die Planke hinaufzulaufen und mich in der Kabine einzuschließen. Im Vergleich zu dieser Demütigung erschien mir zu ertrinken das geringere Übel.

Ich sprang.

 

(*) Die römische Woche bestand nicht wie heute aus sieben sondern aus neun Tagen. Sie erstreckte sich von einem Markttag - auf Lateinisch nundinae - bis zum nächsten. Die sich daraus ergebende Zeitspanne von neun Tagen erhielt den Namen nundinium. Der Brauch, die Zeit in Abschnitte von sieben Tagen einzuteilen, stammt aus dem Osten und wurde von griechischen Astrologen verwendet. Es gibt historische Beweise dafür, daß die Römer von dieser östlichen Methode bereits seit der Regierungszeit des Kaisers Augustus (27 v.Chr. bis 14 n.Chr.) wußten. Aber es dauerte noch Jahrhunderte, bis sie im ganzen Reich allgemein geübte Praxis wurde und die Neun-Tage-Zählung ersetzte.


25.b Schwimmunterricht

Mit Schadenfreude stellte ich fest, daß Maximus von meinem Sprung völlig überrascht war, aber sein blitzschnelles Reaktionsvermögen erlaubte es ihm, mich aufzufangen und zu verhindern, daß wir beide ins Wasser fielen. Ich warf ihm die Hände um den Hals und klammerte mich wie verrückt an ihn, so daß meine Zehen kaum den geheimnisvollen, unheimlichen Boden des Teiches berührten.

"Schon gut, schon gut", sagte er und hielt mich dabei ganz fest. Mein Herz schlug so wild, daß ich überzeugt war, Maximus müsse sein Pochen wie kleine Schläge gegen seine Brust spüren.

"Siehst Du?" fuhr er fort, und klang dabei wie ein Lehrer, der zu seinen Schülern spricht. "Der Teich ist ganz flach. Das Wasser reicht Dir kaum bis zu den Hüften ... Und es ist nicht kalt, nicht wahr?"

"Nein", murmelte ich widerwillig. Er hatte recht. Das Wasser war nicht nur nicht kalt sondern äußerst angenehm.

"Nun werden wir weiter in den Teich hineingehen, wo es ein wenig tiefer ist ... "

Das bißchen Selbstvertrauen, das ich hatte aufbringen können, verschwand wie ein Rauchwölkchen im Wind.

"Warum können wir das nicht hier machen?"

"Weil es hier zu flach und außerdem ein bißchen zu voll ist mit all diesen Figuren und ihren Sockeln und dem Schiff natürlich. Wir brauchen etwas mehr Platz, in Ordnung?"

Maximus machte sich frei aus meiner Umklammerung, nahm mich bei der Hand und zog mich sanft hinter sich her.

"Komm, hab keine Angst, der Teich ist flach, und ich bin bei Dir .... "

Wir machten ein paar Schritte, und ich rutschte auf einem glatten Stein aus. Maximus schlang augenblicklich seine starken Arme um meine Taille, und als ich wieder aufrecht stand, schob er mich zur Mitte des Teiches hin. Auf halbem Wege dorthin reichte mir das Wasser bereits bis über den Po, und ich zögerte.

"Du machst das gut, Julia. Sehr gut ... "

Aber die nächsten sechs Schritte erforderten allen Mut, den ich aufbringen konnte, und die ganze Überzeugungskraft, zu der Maximus fähig war.

Endlich, als mir das Wasser bis zur Taille reichte, schien Maximus zufrieden zu sein.

"Nun sind wir tief genug, aber es ist nicht gefährlich, siehst Du? Fühlst Du Dich gut?"

Ich nickte widerwillig.

"Ich will, daß Du Dich jetzt entspannst. Schwimmen ist keine Kunst, Julia. Du mußt Dich nur entspannen, und das Wasser wird Dich tragen ... "

"Wasser trägt Dich nicht!" protestierte ich. "Wenn Du einen Stein ins Wasser wirfst, dann geht er unter!"

Maximus lachte.

"Steine gehen unter, aber Menschen, die klug genug sind, sich zu entspannen, treiben auf dem Wasser ... Und sich treiben zu lassen ist der erste Schritt zum Schwimmen."

Das erweckte mein Interesse. Maximus bemerkte es, und wie jeder gute Lehrer knüpfte er hier an. Apollinarius hätte bewundernd Beifall geklatscht.

"Menschen, die sich vor dem Wasser fürchten - so wie Du jetzt noch, aber das wirst Du nicht mehr, wenn ich Dir erst einmal das Schwimmen beigebracht habe - verkrampfen sich und gehen deshalb unter. Wenn Du Dich verkrampfst, dann atmest Du nicht mehr gleichmäßig, und das ist ein weiterer Grund, warum Du untergehst ... "

Ich runzelte die Stirn.

Apollinarius hatte mich einige Grundbegriffe der Naturwissenschaften gelehrt, aber ich zog die Philosophie vor.

Maximus fuhr mit der unerbittlichen Logik und der Präzision eines römischen Militärtechnikers fort. Oder der eines Legionskommandeurs.

"Wenn Du Dich entspannst, dann trägt Dich das Wasser, und Du kannst Dich treiben lassen. Wenn Du tief und gleichmäßig atmest, geht das mit dem Treibenlassen noch besser. Schwimmen ist nur eine Frage des Entspannens und des tiefen und gleichmäßigen Atmens. Dazu kommen dann einige wenige einfache Bewegungen ...  Das ist alles keine Kunst, Julia. Jeder kann es ... "

Während er redete, schöpfte Maximus etwas Wasser mit der hohlen Hand und goß es über meine Schultern. Dann schöpfte er ein zweites mal Wasser und goß es über meine Brüste. Meine Brustwarzen versteiften sich, und ich erschauerte sichtlich.

"Wenn Du weiter hier stehen bleibst und Deinen Körper nicht naß machst, dann wirst Du es ein wenig unangenehm finden, ganz ins Wasser zu gehen ... Ach ja, um schwimmen zu lernen, mußt Du ins Wasser gehen ... "

Ich warf ihm einen bitterbösen Blick zu, und er antwortete mit einem verschmitzten Grinsen, dann goß er reichlich Wasser über meinen ganzen Oberkörper, und ich ließ ihn machen. Als meine Tunika vollkommen naß war, an meinen Brüsten klebte und Wasser von meinen Armen tropfte, tauchte Maximus blitzschnell im Teich unter. Bevor ich noch nach Luft schnappen konnte, tauchte er wieder auf. Wasser tropfte von seiner gebräunten, straffen Haut und bahnte sich einen Weg über seine wohl geformten Muskeln. Bei diesem Anblick vergaß ich beinahe meine Angst vor dem Wasser ...

"Jetzt, Julia, werde ich Dein Gesicht naß machen ... "

"Nein!"

Unsanft aus meinen süßen Träumereien gerissen wandte ich das Gesicht ab.

Maximus gab mir Zeit, mich zu beruhigen.

"Julia, es ist unmöglich, daß Du schwimmen lernst, ohne dabei Dein Gesicht naß zu machen ..."

Während ich Maximus noch immer den Rücken zuwandte, schlang ich in dieser mir nur zu gut bekannten Trübsalsgeste meine Arme fest um mich selbst .

Er legte mir zärtlich einen Arm um die Schultern und zwang mich mit sanfter Gewalt, mich umzudrehen und ihn machen zu lassen.

"Es ist gar nicht so schlimm ... Du bekommst doch auch Wasser ins Gesicht, wenn Du badest und Dir das Haar wäscht ... " sagte er leise, die Lippen an meine Schläfe gelegt.

Seine Stimme war so leise, so beruhigend, daß nicht mal diese Urangst in mir ihr widerstehen konnte. Ich schenkte ihm ein schwaches, nervöses Lächeln. Maximus strahlte mich an.

"Das ist schon besser. Sehr viel besser ... "

Während er weitersprach, schöpfte er ein wenig Wasser und hob die Hand.

"Schließ die Augen. Ich werde es ganz langsam machen ... "

Ich mußte ihm einfach gehorchen, und während ich noch meine Augen schloß, spürte ich schon die ersten Tropfen auf meinem Gesicht. Sie fielen auf meine Wange und liefen den Hals hinunter. Es war nicht unangenehm. Beim zweiten Mal befeuchtete das Wasser meine andere Wange und beim nächsten Mal dann die Stirn. Als das Wasser über meine Nase herablief, streckte ich die Zunge heraus, um ein paar Tropfen zu erhaschen.

Maximus lachte leise vor sich hin.

"Siehst Du, es war doch gar nicht so schlimm, nicht wahr?"

Er machte weiter, bis mein Gesicht ganz naß war und ein paar Locken, die meinem provisorischen Haarknoten entschlüpft waren, an der nassen Haut klebten. Maximus schob sie beiseite, und ich öffnete die Augen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie er mich mühelos wie immer auf seine Arme nahm.

Dann ging er ein paar Schritte weiter in den Teich hinein.

"Was machst Du?" schrie ich in einem neuerlichen Anflug von Panik und schlang meine Arme in wilder Verzweiflung um seinen Hals.

Maximus küßte mich auf die Schläfe.

"Schhhh, Julia. Entspann Dich. Schließ die Augen und entspann Dich so gut Du kannst ... "

Ich biß mir auf die Oberlippe, nagte dann an meiner Unterlippe.

"Komm, Julia. Du kannst es ... "

"Ich kann es nicht ... " sagte ich kleinlaut.

"Natürlich kannst Du es", sagte Maximus ganz sachlich und ganz geduldig, während er mich langsam im Wasser herumtrug. "Atme tief und entspann Dich ... "

Ich machte einen tiefen, zittrigen, unsicheren Atemzug.

"Gut", sagte er leise als spräche er zu einem kleinen Kind und trug mich weiter umher. "Sehr gut, aber Du kannst es noch besser ... Versuch es noch mal ... "

Hin und her gerissen zwischen meiner Angst vor dem Wasser und der Furcht, mich in Maximus' Gegenwart zum Narren zu machen, schluckte ich krampfhaft und machte einen weiteren unsicheren Atemzug.

"Es wird nicht funktionieren ... Ich kann es nicht", flüsterte ich, aber Maximus tat, als höre er mich nicht.

"Julia, was hast Du gefühlt, als Du zum erstenmal auf ein Pferd gestiegen bist?"

Ich blinzelte und öffnete dann die Augen, um ihn anzusehen. Maximus hatte den Kopf über meinen geneigt, und seine blau-grünen Augen waren sanft und voller Zärtlichkeit.

"Es war ... es war mit nichts zu vergleichen, was ich auf dem Boden erlebt hatte ... Es war aufregend ... "

"Und Du hattest keine Angst?"

Ich schüttelte verneinend den Kopf.

"Nicht mal ein klein bißchen?"

"Vielleicht ein klein bißchen", gab ich zu. "Ich war ein Kind von ungefähr acht Jahren ... und das Pferd war nicht gerade ein Pony .... Obwohl ich groß war für mein Alter war das Pferd noch viel größer ... "

Während ich sprach, klammerte ich mich nicht mehr ganz so fest an ihn sondern ließ meinen Kopf entspannter an seiner Schulter ruhen.

"Bist Du jemals von einem Pferd gefallen?"

Ich kicherte.

"Ein Dutzend Male ... und zwar nicht, als ich ein Kind war, sondern hauptsächlich später, als ich zu lernen versuchte, wie man springt .... "

"Du springst?"

Ich kicherte lauter.

"Ich habe es seit Jahren nicht mehr probiert ... Ich bin nicht gut im Springen ... Ich habe es mir selbst beigebracht. Ich war damals ungefähr vierzehn und machte es heimlich ... "

 

Ich lächelte bei der Erinnerung an die Schmerzen, die ich hatte ertragen müssen, um meine behelfsmäßigen Unterrichtsstunden zu verbergen und die verschmutzten Kleider und blauen Flecke, die das Ergebnis meiner Stürze vom Pferd waren ... und an Turias Wut, wenn diese blauen Flecken es unmöglich machten, daß ich an einem von Cassius' Gelagen teilnahm. Sie hatte mich geohrfeigt aber die Tatsache an sich vor ihm verheimlicht, vorgegeben, ich sei nicht wohl, denn hätte er es erfahren, dann hätte er sie geschlagen, weil sie so nachlässig gewesen war und mir erlaubt hatte, meinen kostbaren Hals bei meinen Sprüngen über den Zaun der Villa zu riskieren. Zu abgelenkt sowohl durch die Erinnerungen als auch durch die Aufregung, dieselben mit Maximus teilen zu können, merkte ich gar nicht, daß ich zum erstenmal in meinem Leben nicht mit Schmerz auf meine Vergangenheit zurückblickte sondern diese Episode sogar genoß.

"Meine ... Aufpasserin ... verbot es mir, aber ich entwischte ihr von Zeit zu Zeit und tat es immer wieder ... Ich wurde einige Male bestraft, und dann reisten wir nach Moesia, und ich hatte keine Gelegenheit mehr, es zu tun ... "

"Warum tatest Du es trotz der Stürze und der Bestrafung?"

Ich lehnte mich zurück und schloß die Augen.

Dann sprach ich, und meine Stimme klang in meinen eigenen Ohren träumerisch.

"Weil, wenn ich ritt, dann fühlte ich mich frei wie nie ... aber wenn ich mit meinem Pferd über den Zaun flog, dann fühlte ich mich .... machtvoll ... Ich fühlte mich unbezwingbar ... "

Plötzlich beugte Maximus sich nach rechts, mein Rücken näherte sich jäh der Wasseroberfläche und meine Beine baumelten in der Luft. Ich schrie überrascht auf, hatte aber nicht unbedingt Angst. Die Bewegung brachte sein Gesicht nahe an das meine, während er mich auf seinen Armen über dem Wasser schweben ließ.

"Schwimmen ist dem Reiten sehr ähnlich, Julia ... Es verleiht Dir eine spezielle Art von Freiheit ... und auch eine besondere Art von Macht ... "

Er richtete sich auf und ich befand mich wieder hoch über dem Wasser.

Ich runzelte die Stirn, und einer meiner Finger spielte unbewußt mit dem Lederband um seinen kräftigen Hals, während ich über seine Worte nachdachte.

"Wasser ist nicht Dein Feind ... "

Mein Stirnrunzeln vertiefte sich.

"Aber es kann Dich töten ... "

"Es kann Dich töten, wenn Du nicht weißt, wie Du mit ihm umzugehen hast ... "

Meine Finger spielten weiter wie von selbst mit dem Lederband.

"Es ist möglich zu ertrinken, auch wenn Du schwimmen kannst ... "

"Und es ist möglich, sich den Hals bei einem Sturz vom Pferd brechen, auch wenn man reiten kann ... "

Ich blickte auf, um ihm in die Augen zu schauen.

"Das Wasser ist nicht Dein Feind, Julia", beharrte er, "es sei denn, Du machst es dazu ... Es ist genauso wie mit Pferden. Sie sind groß und stark und eigenwillig, und sie verdienen Respekt ... und trotzdem kannst Du auf ihnen reiten ... "

Die Logik seiner Worte überraschte mich, und ich suchte seine Augen, wollte wissen, was hinter ihrer Schönheit, ihrer Farbe und Wärme brannte.

"Vertrau mir", sagte Maximus leise.

Und das tat ich.

Ich holte ganz tief Luft und schloß die Augen, während ich meinen Kopf wieder an seine Schulter legte.

Ich holte ganz tief Luft, und diesmal zitterte ich nicht.

Ich holte ganz tief Luft und ließ mich von seiner Wärme umfangen.

Ich weiß nicht, wie lange wir so verharrten, aber irgendwann fing Maximus wieder an zu sprechen, und seine Stimme schien von ganz weit weg zu kommen ...

"Nun werde ich Dich ins Wasser herablassen ... Hab keine Angst, ich werde meine Hände unter Dir haben. Es wird nicht sehr viel anders sein, als wenn ich Dich auf Dein Bett lege ... "

"Hmmm?"

Eine tiefe Schläfrigkeit schien mich erfaßt zu haben. Aus der Ferne hörte ich Maximus leise lachen, und es war, als höre man weit entferntes Donnergrollen.

Er senkte mich vorsichtig in den Teich, und ich protestierte nicht, als ich von Wasser umgeben war, das mein Haar naß machte und mir bis zu den Ohren reichte. Eine seiner großen warmen Hände stütze meinen Kopf, die andere meinen Po.

"Gut ... Gut ... "

Das Wasser war weder kalt noch warm sondern irgend etwas dazwischen und sehr angenehm. Es fühlte sich an wie flüssige Seide und wiegte mich sanft hin und her. Ich glaube, ich habe gelächelt ...

"Breite Deine Arme aus ... "

Ohne die Augen zu öffnen gehorchte ich mit dem blinden, begierigen Vertrauen eines Kindes, das sich trotz einer fremden Umgebung behütet und sicher weiß.. Einmal ausgebreitet schienen meine Arme sich wie von selbst zu bewegen, sanft auf dem wiegenden, seidigen Wasser zu schaukeln.

"Julia ... "

"Hmmm?"

"Öffne die Augen ... "

Nur unwillig ließ ich mich aus meinem angenehmen, träumerischen Zustand holen, aber ich tat, was er von mir verlangte, und sah Maximus hoch aufgerichtet über mir stehen. Er lächelte das jungenhafte Lächeln, das ich so liebte, und ich mußte ihm einfach mit einem Lächeln antworten.

Dann streichelte er mir zart über das Gesicht, und ich bemerkte, daß er mich nicht länger stützte ... Ich trieb auf dem Wasser, ganz entspannt, das Wasser des Teiches wiegte mich ...

Das Wasser trug mich.

Es trug mich!

Ich hatte es getan, und es war gar nicht so schwer gewesen.

Um die Wahrheit zu sagen, es war überhaupt nicht schwer gewesen.

Erstaunen wurde durch ein Hochgefühl abgelöst.

O ja, er hatte recht.

So recht.

Es war wirklich ganz ähnlich wie reiten.

Ganz ähnlich, wie über Zäune zu springen.

Du mußt Dich nur entspannen ...

Ich brach in Gelächter aus, und Maximus lachte mit mir zusammen.

Ich ging unter.

 

Durch meine eigene Erheiterung und Fröhlichkeit aus dem Gleichgewicht gebracht reichten meine noch reichlich ungelenken Fähigkeiten nicht aus, um mich über Wasser zu halten. Das letzte, das ich sah, bevor ich versank, war Maximus' entsetztes Gesicht, als er sich beeilte, mich aufzufangen. Aber er konnte nicht schnell genug nach mir greifen, und ich versank, das Wasser schloß sich über meinem Kopf, ich konnte die Geräusche der zirpenden Vögel und Zikaden nur noch gedämpft hören und vernahm statt dessen das Gurgeln der Wasserblasen um mich herum, das meine Ohren füllte. Ganz nebenbei nahm ich wahr, daß meine Augen offen waren, und irgendwie schien mir das ganz natürlich zu sein ...

Dann - in einem verzweifelten Wirbel aus Wasser und Blasen und Platschen - packte mich Maximus und nahm mich auf seine Arme. Wasser tropfte aus meinem Haar und bespritzte ihn, während er nach  meinem Gesicht suchte ...

Blinzelnd und prustend brach ich in lautes Lachen aus.

Maximus' besorgte Miene verwandelte sich in einen komischen Ausdruck der Erleichterung, der nur noch mehr zu meiner hysterischen Erheiterung beitrug. Dann grinste er, und fing ebenfalls an zu lachen, während er mich wieder auf die Füße stellte und seine Hände die triefenden Strähnen aus meinem Gesicht schoben.

Unfähig meine Erregung zu kontrollieren, umfaßte ich seinen Nacken, zog seinen Kopf zu mir hinab und küßte ihn begierig.

Maximus war so überrascht, daß es einen Moment lang dauerte, bis er sich von dem Schreck erholt hatte, und meinen Kuß erwiderte.

Ich preßte meinen nassen Körper an seinen und stellte dabei ganz nebenbei fest, daß nicht einmal all die Zeit, die er bereits im Wasser zugebracht, die Wärme seines Körpers hatte abkühlen können. Das Wasser, das an seiner nackten Haut herabtropfte, ließ sie nur noch mehr glänzen, als sie es sonst schon tat, und erhöhte das sinnliche Gefühl, wenn ich ihn berührte.

Als wir uns von einander losrissen, keuchten wir und brannten vor Verlangen. Ich spürte Maximus' erregtes Glied gegen meinen Leib gepreßt, und die Begierde verwandelte seine blaugrünen Augen in zwei Seen von der Farbe blauer Saphire.

"Ja," keuchte ich dicht an seinem Mund. "Ja ... "

 Blitze zuckten in der Tiefe seiner brennenden Augen, und ich fühlte, wie ich dahinschmolz.

"Hier ... Jetzt ... "

Maximus blickte sich kurz um, schlang dann seinen Arm um meine Taille und zog mich eilig mit sich zum Heck der Poseidon. Bevor ich ihn noch fragen konnte, was er vorhatte, lenkte er mich bereits zu dem Sockel, auf dem die Figur einer Sirene saß, und mehr brauchte ich nicht zu wissen.

Er drückte mich nicht gerade sanft gegen den Stein, während er sich an seinem Lendentuch zu schaffen machte und seine Hände vor Verlangen zitterten.

Kaum hatte er sich von dem spärlichen Kleidungsstück befreit, als auch schon eine seiner kräftigen Hände unter meinen gekürzten Rock fuhr, um mich ebenfalls zu entblößen ...

 

Seine Augen weiteten sich.

Ich errötete.

"Ich ... ich ... ver-vergaß ... mein ... einzupacken ... "

Maximus' schallendes Gelächter setzte meinem Gestammel ein Ende.

Dann packten seine begierigen Hände meine Schenkel, und er legte meine Beine um seine Taille. Und da war keine Zeit mehr für Gestammel oder Peinlichkeit, denn er drang so schnell und vollkommen in mich ein, daß es mir den Atem nahm und meine eigene Begierde sich gegen jedes Hindernis und jeden Widerstand ihren Weg bahnte.

Maximus packte mich fester und preßte meinen Rücken gegen den Sockel. Ich war gefangen zwischen der Wärme seines Körpers und der Kühle des Steins. Er schloß die Augen und beherrschte mühsam sein eigenes Verlangen, die Muskelstränge an seinen Armen von der Anstrengung dick wie Seile.

Keuchend lehnte ich mich gegen den kalten Marmor und streckte ihm meinen Schoß entgegen, so daß seine harte Männlichkeit noch tiefer in mich eindringen konnte. Ich fuhr mir mit der Zunge gierig über die trockenen Lippen, während ich mühsam nach Luft rang und meine Brüste sich heftig hoben und senkten.

Einen langen Augenblick schwieg er, und plötzlich ertrug ich die kurze nasse Tunika nicht länger, die verhinderte, daß ich die ganze Herrlichkeit seines nackten Körpers an meinem spüren konnte, und ich zerrte wie wild an dem Kleidungsstück, wand und krümmte mich, um es abzustreifen. Meine Bewegungen brachten ihn in die Wirklichkeit zurück ... und er konnte sich nur noch mit äußerster Mühe beherrschen.

"Julia ... "

Ich zerrte noch etwas mehr und das lästige Kleidungsstück landete im Teich, während meine Hände die Kämme und Nadeln aus meinem hochgesteckten Haar zogen und sie ebenfalls ins Wasser warfen, wo sie mit einem leisen Plumps untergingen.

Nackt und triefend, das Haar eine nasse Last auf meinen Schultern, den Rücken gegen den marmornen Sockel gepreßt, stützten mich Maximus' Hände unter der Oberfläche des Wassers, das den unteren Teil unserer Körper bedeckte. Ich starrte ihm in die Augen.

"Jetzt ... " drängte ich ihn. "Jetzt ... "

Diesmal war es Maximus, der in der Tiefe meiner Augen versank, und ich wußte, daß das wilde Feuer, das in ihnen brannte, ebenso heiß war wie die nur zu vertrauten Flammen, die in den seinen glühten.

Gehalten von seinen Armen, bis zum Zerspringen erfüllt von seiner Männlichkeit - und immer noch hungernd nach mehr, stützte ich mich mit einer Hand auf seine Schulter, umklammerte seine Mitte fester mit meinen Beinen, und preßte meine andere Hand gegen seinen Hinterkopf. So führte ich sein Gesicht hin zu meinen Brüsten ...

Er bedurfte keiner weiteren Ermutigung, und seine heißen hungrigen Lippen schlossen sich um meine kieselharten Brustwarzen. Im selben Augenblick spannten sich die Muskeln seiner Lenden, und ich antwortete auf den Rhythmus seines männlichen Körpers mit dem fraulichen Wiegen meines Schoßes.

Nackt im Wasser und unter der Sonne zählte nur noch das Verlangen, uns als Mann und Frau so nah wie nur möglich zu sein. Wir vergaßen alles und konzentrierten uns nur auf den vollendeten Rhythmus, der uns dem Wahnsinn entgegentrieb, während wir unserem Höhepunkt näher und näher kamen.

Und diesmal erreichten wir ihn gemeinsam, unsere heiseren Schreie vereinigten sich zu einem einzigen, dessen Intensität die Vögel in den nahegelegenen Bäumen aufscheuchte, so daß sie in einem Tumult aus Federn und wütendem Geschrei davon stoben.

Und diesmal war ich es, die sich auf Maximus fallen ließ. Ich vergrub mein Gesicht an seinem feuchten Hals, und er ächzte leise. Unsere Erfüllung war so machtvoll gewesen, daß er sich nur mit Mühe auf den noch immer zitternden Beinen halten und das Gewicht meines Körpers tragen konnte. Langsam besänftigte sich der rasende Schlag unserer Herzen, und unser Atmen beruhigte sich von wildem Keuchen zu tiefen gleichmäßigen Zügen.

Die Sonne stand hoch, nahe dem Zenit, und wärmte meine nackte Haut.

Minuten vergingen, und keiner von uns schien willig, sich zu rühren.

"Wir sollten Dich besser aus der Sonne holen, bevor Du noch rot wie ein Krebs wirst", murmelte Maximus, und sein warmer Atem streifte sanft mein Ohr.

"Du klingst wie meine Zofe", gab ich ebenfalls murmelnd zur Antwort, und Maximus kicherte, ein erstaunlicher Laut, wenn man bedenkt, daß er aus der Tiefe seines breiten Brustkorbes kam.

"Die Götter mögen mich vor dem Zorn Deiner Zofe bewahren, wenn ich Dich mit einigen Sommersprossen zurückbringen sollte", sagte er. Dann seufzte er und fügte hinzu:" Kannst Du gehen, oder soll ich Dich tragen?"

Ich biß ihm in den Nacken, und Maximus schrie leise auf, dann kicherte er wieder, und auch ich mußte unwillkürlich mitkichern.

"Natürlich kann ich gehen!" bemerkte ich entrüstet. "Und ich kann mich ebenso gut vom Wasser tragen lassen ... "

Als Maximus mich wieder auf den Boden stellte, war ich mir dessen nicht mehr so sicher. Während ich das Wasser aus meinem langen Haar zu wringen versuchte, angelte er nach unseren Kleidungsstücken dort, wo sie im Teich trieben, und tauchte dann, um meine Kämme und Nadeln zu retten. Und während dessen konnte ich nicht umhin, den ungehinderten Blick auf seinen glatten in der Sonne glänzenden Po zu genießen ...

Nachdem er die meisten meiner Haarnadeln eingesammelt hatte, konnte ich mich wieder leidlich auf den Beinen halten, und so wateten wir Hand in Hand zum Schiff zurück. Als das Wasser flacher wurde und mir nicht mehr bis zu den Hüften reichte, fühlte ich mich irgendwie reichlich entblößt. Vom Ufer aus betrachtete Fulmen uns interessiert und bedachte uns mit einem durchdringenden Wiehern, das, mehr als mir lieb war, nach einem sarkastischen Pferdekommentar zu dem seltsamen Verhalten der Menschen klang.

Ich drehte mich zu ihm um und streckte ihm die Zunge heraus - was ihn allerdings nicht sonderlich zu beeindrucken schien.

Wir trockneten uns mit Handtüchern ab, die ich aus dem Schrank in der Kabine hervorzauberte, und kehrten dann in trockene Tücher gehüllt auf Deck zurück. Es war wärmer als am Vortag und um die Mittagszeit zu heiß, um in der Kabine zu bleiben, aber auch draußen stand die gleißende Sonne so hoch, daß es unmöglich war, ein Plätzchen im Schatten zu finden. Ich schlug vor, wir sollten uns unter die nahegelegenen Bäume legen, aber Maximus kramte auf dem Schiff herum, während ich unsere nassen Kleider über die Reling hing und auch seine weinrote Tunika wiederfand und sie in die Kabine brachte. Als ich zurückkam, hatte Maximus bereits ein unbenutztes Segel und ein paar Seile gefunden und war eifrig damit beschäftigt, einen behelfsmäßigen Sonnenschutz über der Kabinentür zu errichten. Er brauchte nur einige Minuten, um das Leinen auszuspannen und festzuzurren, und schuf so ein Dach, das köstlichen Schatten spendete. Dann stieg er in die Kabine hinab und kam mit der Matratze zurück.

"Deine orientalischen Teppiche sind wunderschön", bemerkte er, "aber ein wenig zu dünn, um das Deck damit zu polstern ... "

Ich lächelte und ging in die Kabine zurück, um einige Seidenkissen zu holen. Er hatte recht. Das Deck war wirklich hart und mein Hinterteil ein wenig wund.

Wir saßen bequem unter dem Sonnendach, und diesmal protestierte ich nicht, als Maximus meinen Kamm nahm und mir half, mein nasses, zerzaustes Haar zu entwirren.

Nachdem das geschafft war, aßen wir ein kräftiges kaltes Mittagessen, aber trotz mehrerer Versuche mußte ich das Stück gebratenen Fleisches, das ich zu essen versuchte, übrig lassen.

"Geht es Dir gut?" fragte Maximus, als er es bemerkte.

"Ja", sagte ich und nahm statt dessen eine gekochte Artischocke. "Ich habe einfach letzte Nacht zu viel gegessen."

Ich knabberte vorsichtig an der Artischocke, und da mein Magen keine Einwände erhob, aß ich weiter nur Gemüse.

Nach der Mittagsmahlzeit lagen wir einige Zeit unter dem Sonnendach, unterhielten uns ab und an oder genossen einfach nur schweigend die Gegenwart des anderen. Zwischendurch fütterte ich Maximus mit den restlichen Pinienkern-Rosinen-Plätzchen.

Nach einiger Zeit überfiel uns der Schlaf, und als wir erwachten, befanden wir uns bereits wieder mitten im Liebesspiel, nur um danach weiter zu schlummern.

Es war später Nachmittag, als wir endlich aufstanden und Maximus einen weiteren Ausflug in den Teich vorschlug.

Diesmal hatte ich nichts dagegen.

Meine zweite Schwimmstunde war kürzer als die erste, zum einen, weil Maximus mich nicht erst zu überzeugen brauchte, daß ich mich entspannen müsse, zum anderen, weil sich splitternackt in den Teich zu wagen als doch reichlich ... ablenkend erwies.

Es wurde bereits dunkel, als wir auf  das Schiff zurückkehrten, müde aber herumspritzend und planschend wie Kinder. Wieder an Bord trockneten wir uns ab und zogen uns an, ohne ein Wort zu sagen, dann machte sich Maximus daran, den behelfsmäßigen Sonnenschutz wieder abzubauen. Immer noch ohne ein Wort zu sprechen räumte ich die Kabine auf, reinigte das Geschirr, und als er den Sattel nahm, um sich auf die Suche nach Fulmen zu machen, packte ich bereits unsere Sachen. Als er zurückkam, fand er mich am Heck stehend. Ich blickte auf den glühenden Sonnenuntergang über der spiegelglatten Fläche des stillen Teiches. Er stellte sich hinter mich und schlang seine Arme um meine Taille. Ich schloß die Augen und lehnte mich gegen seine breite Brust.

Ich wollte die Poseidon nicht verlassen. Ich wollte die kleine verzauberte Welt des zeitlosen Teiches und des Schiffes, das in seinen stillen Wassern gefangen war, nicht verlassen. Dort hatte ich das Gefühl, wir seien die einzigen menschlichen Wesen auf dieser Erde. Ich wollte nicht zur Villa zurück ... Ich wollte nicht, daß unsere gemeinsame Zeit endete.

"Wir können morgen zurückkommen ... " flüsterte Maximus an meiner Schläfe und küßte sie zärtlich. Ich öffnete die Augen und zwang mich, ihm ins Gesicht zu schauen. Es gelang mir sogar, ein schwaches, unsicheres Lächeln zustande zu bringen.

Morgen.

Ja, es gab noch ein "morgen" für uns.

"Morgen" und noch ein paar Tage mehr.

Die wirkliche Welt wartete auf uns, aber dieser herrliche, strahlende Sonnenuntergang, diese süße Zweisamkeit, dieser kurze Augenblick, in dem die Zeit stillstand, der gehörte uns und nur uns allein, und ich wollte nicht, daß seine Schönheit von der brutalen Häßlichkeit dieser Welt zerstört würde.

"Natürlich, Liebster", flüsterte ich. Dann drehte ich mich in seinen Armen um und küßte ihn auf den schön geschwungenen Mund.

Es war ein langer, langer Kuß und während er dauerte und dauerte, fühlte ich, daß es nicht nur unsere Lippen waren, die sich berührten, sondern  auch unsere Herzen und unsere Seelen.

Und ich wußte, daß Maximus es auch fühlte.

Dann war es vorbei, und nachdem wir die Kabine abgeschlossen hatten, gingen wir Hand in Hand zu dem kastanienbraunen Hengst, der uns mit jener unverhüllter Neugier betrachtete, die so typisch ist für kluge Pferde, Katzen und Hunde.

Maximus half mir aufzusteigen, dann stieg er hinter mir auf das Pferd, und ich beeilte mich, es mir an seinen gespreizten Schenkeln und seiner starken Brust bequem zu machen. Die Zügel in der einen Hand, den anderen Arm um meine Taille gelegt, lenkte er Fulmen auf den staubigen Weg und hin zur Villa.

 

Maximus trieb das Pferd nicht an sondern ließ es vielmehr gemächlich dahintrotten und verlängerte so die Süße des Augenblicks, den wir gemeinsam in einer Welt außerhalb dieser Welt verbringen durften. Ein paarmal blieb Fulmen stehen, um saftige Sommerkräuter abzuzupfen, und als Maximus ihn nicht zum Weitergehen antrieb, drehte er sich um und sah uns über seine glänzende Schulter hinweg an. Ganz offensichtlich war er erfreut über den Mangel an Disziplin bei dem menschlichen Wesen, das eigentlich sein Herr und Meister sein sollte.

Da es ihm jedoch nicht gelang Maximus oder mich zu beeindrucken, entschied Fulmen sich letztendlich für eine träge Gangart, und nur sein Schwanz bewegte sich lebhaft hin und her, um die nächtlichen Insekten zu vertreiben.

Es war gut, daß der braune Hengst den Weg zurück zur Villa kannte, denn Maximus und ich waren zu sehr mit einander beschäftigt ....

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