Thanks to Susanne not only for her translation of Julia's Journal but also for saving the little peacock butterfly that inspired this chapter and for reminding me the beauty of Psyche's myth.


26.a Der Schmetterling - 180 A.D.

Das erste, das ich bemerkte, als ich erwachte - noch bevor ich meine Augen öffnete - war die sanfte Wärme an meinem Rücken. Ich lag auf meiner linken Seite, und diese Wärme verteilte sich über meinen ganzen Körper, folgte der natürlichen Rundung meiner Hüften und meiner leicht angezogenen Beine. Sie war nicht mit der Wärme einer Decke zu vergleichen. Nicht einmal mit der feinster Pelze. Sie war ganz anders, lebendig, und sie hatte etwas von der  besonderen Süßigkeit an sich, welche die Folge von ebenso süßer Zufriedenheit ist.

Seufzend, die Augen noch immer geschlossen, lächelte ich, und ich war mir der Seligkeit sehr wohl bewußt, die in diesem Lächeln lag.

Maximus.

Ganz langsam und trotz meiner geschlossenen Augen wurde ich mir weiterer Einzelheiten bewußt. Das frisch geplättete Leinen unter meiner Wange, das schwach nach Rosen duftete, aber auch nach Mann und Frau und Liebe; der sanfte, regelmäßige Luftzug in meinem Haar, der kräftige, muskulöse Arm, der sich um meine Taille schlang, die große warme Hand, die zärtlich auf meinem Bauch lag ...

Ich seufzte nochmals. Zufrieden. Irgendwie mußte ich mich dabei bewegt haben, denn die lebendige Wand an meinem Rücken bewegte sich leicht, um sich noch besser der Form meines Körpers anzupassen. Und ich spürte das köstliche Spiel starker Muskeln unter warmer, samtener Haut .

Maximus.

Mein seliges Lächeln wurde zu einem breiten Lächeln.

Immer noch mit geschlossenen Augen auf der Seite liegend wurde ich mir mehr und mehr meiner Umgebung bewußt. Und dabei stellte ich mit Erstaunen fest, daß so wie tiefer Schmerz eine neue Art von Aufmerksamkeit mit sich bringt auch tiefes Glück uns sehr viel offener und empfänglicher macht. Während jedoch tiefer Schmerz uns zumeist die bitteren Details zur Kenntnis nehmen läßt, schärft tiefes Glück unsere Sinne auf eine Weise, die es uns erlaubt, die Schönheit zu entdecken, wahrzunehmen und zu genießen, welche in den einfachsten Dingen verborgen liegt. Wir staunen und wundern uns, warum wir sie niemals zuvor bemerkt haben oder wie wir so lange leben konnten, ohne sie zu erkennen.

Vor meinem inneren Auge sah ich mein Schlafzimmer nicht so, wie ich es an jedem einzelnen Tag der fünf Jahre, seit ich als Braut in Ostia angekommen war, gesehen hatte, sondern ich sah es wie in der vergangenen Nacht, als Maximus und ich zur Villa zurückgekehrt waren ...

Als wir den Haupteingang der Villa erreichten, war eine Gruppe von Bediensteten eifrig damit beschäftigt, die Laternen anzuzünden. Sie hatten uns auf die übliche respektvolle Weise gegrüßt, aber der Stalljunge, der sich um Fulmen kümmern sollte, erschien mit einer Eile, die es nur zu deutlich machte, daß man sie von unserer Ankunft benachrichtigt hatte und daß sie uns bereits einige Zeit erwarteten.

Maximus stieg vom Pferd und war auch mir beim Absteigen behilflich, dann nahm er die Tasche, die er am Sattel befestigt hatte, und während er einige Worte mit dem Stalljungen wechselte, erschien Nicia oben auf der Treppe und eilte herab, uns zu begrüßen. Das Gesicht meiner griechischen Zofe trug den perfekten Ausdruck respektvoller Höflichkeit, aber sie konnte es nicht verhindern, daß aus ihren braunen Augen eine Mischung aus Übermut, Freude und weiblicher Komplizenschaft sprühte. Wären die Umstände nur andere gewesen, hätte ich die Stirn über die platte Vertraulichkeit des wissenden Ausdrucks in ihren Augen gerunzelt, aber wie schon am Morgen zwei Tage zuvor war da etwas seltsam Tröstliches in ihrem Verhalten, und bevor ich es noch verhindern konnte, ertappte ich mich dabei, wie ich Nicia ein strahlendes Lächeln schenkte.

Sich der Wichtigkeit seiner Stellung als mein Verwalter immer bewußt, eilte Athenodorus, so schnell es ihm sein lahmes Bein erlaubte, die Treppe herab und begrüßte mich mit einer tiefen Verbeugung und einigen Willkommensworten. Der ehemalige Werftvorarbeiter hatte es in der Kunst der Verstellung nie so weit gebracht wie seine Frau, und so zierte sein Gesicht ein breites, freudiges Grinsen, das mich zweifellos zu einem Stirnrunzeln veranlaßt hätte, wäre Nicia nicht schnell und entschlossen eingeschritten. Sie nahm die Tasche und drückte sie ihm in die Hand, dann schob sie Athenodoros zurück in Richtung des Hauses. Aber sie bewegte sich nicht schnell genug um verhindern zu können, daß ich in den Augen ihres Mannes den Anflug von etwas entdeckte, das zu identifizieren mich einen Augenblick kostete. Und als mir klar wurde, daß es sich um etwas handelte, das väterlicher Freude, die ich nie hatte kennenlernen dürfen, sehr nahe kam, glühten meine Wangen derart heftig, daß ich einen Moment lang wünschte, ich hätte mehr Zeit in der Sonne verbracht, so daß ich sie für die Farbe meiner Wangen hätte verantwortlich machen können.

Ich dankte Nicia mit einem reichlich verkrampften Lächeln. Da ich es eilig hatte, in den Schutz meiner privaten Zimmer zu flüchten, wandte ich mich Maximus zu, der die Treppe hinaufstieg, und streckte ihm meine Hand entgegen. Automatisch ergriff er sie.

Ich war mir der Tatsache, daß alle Blicke auf uns ruhten, nur allzu bewußt, daher schluckte ich und blickte dann zu ihm auf. Halb erwartete ich, in seinen Augen einen Anflug von Verlegenheit zu entdecken, nachdem er sich erst einmal der Aufmerksamkeit des Publikums bewußt geworden war. Öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung entspricht nicht römischer Sitte, die Würde und Achtung schon immer über Zärtlichkeit und Fürsorge gestellt hat. Bei öffentlichen Auftritten verhalten selbst verheiratete Paare sich entweder geschäftsmäßig nüchtern oder mit einer formellen Steifheit, gehen aber niemals zärtlich miteinander um. Ich vermute, daß diese Sitte darin begründet ist, daß die meisten römischen Ehen arrangiert sind und Liebe nur eine geringe oder gar keine Rolle in denselben spielt. Für die meisten Paare bedeutet Ehe schlichtweg, daß die Frauen ihrer Pflicht nachkommen und Kinder zur Welt bringen oder bei deren Geburt sterben, während ihre Männer sich in den zahlreichen Bordellen der Stadt oder in den dunklen Gassen Roms vergnügen.

Sollte Maximus die Neugier meiner Dienerschaft zur Kenntnis genommen haben, dann ließ er es sich nicht anmerken und schenkte mir statt dessen sein schönstes jungenhaftes Lächeln, und ich fühlte, wie meine Wangen abermals erröteten - diesmal allerdings aus purer Freude.

Wir verharrten einen Moment lang und hielten einander oben auf der Treppe an den Händen, während ich sein Lächeln schüchtern erwiderte. Wir hätten sehr wohl die einzig lebenden Menschen auf dieser Erde sein können, denn wir waren taub und blind für jeden und alles um uns herum. Es war einer jener einzigartigen, vollkommenen Augenblicke, in denen die Zeit stillzustehen und alles möglich zu sein scheint. Einer jener einzigartigen, vollkommenen Augenblicke, in denen Du das Gefühl hast, daß Du die Ewigkeit nicht nur bereits erblicken, sondern sie sogar ergreifen und in Besitz nehmen kannst ... denn es ist in diesen schlichten und dennoch vollkommen glücklichen Augenblicken, daß Du eine Ahnung von Dingen bekommst, die groß genug sind, um Dich Demut zu lehren - groß wie das Leben und die Ewigkeit.

 

Ein diskretes Hüsteln zu meiner Rechten brachte mich schlagartig in die Wirklichkeit zurück, und wir machten uns auf den Weg zu meinen privaten Räumen, wo wir ohne weitere Zwischenfälle anlangten - abgesehen von ein paar verstohlenen neugierigen Blicken einiger Diener, die ihre Augen jedoch schnell wieder abwandten. Ich wußte, daß Apollinarius irgendwo hier sein mußte, aber er blieb unsichtbar, und insgeheim dankte ich dem Mann, der mein Lehrer gewesen aber vor allem der beste Freund war, den man sich denken konnte.

Als wir meine privaten Räume betraten, blieb ich nicht im Wohnzimmer stehen sondern marschierte direkt auf das Schlafzimmer zu. Dabei war ich mir der Tatsache wohl bewußt, daß ich kurz davor stand, eine weitere Schwelle zu überschreiten - wenn es auch nur eine symbolische war. Aber für eine ungläubige Frau wie mich sind Symbole - im Gegensatz zu Zeichendeutern und Wahrsagern - sehr bedeutungsvoll, und die Schwelle, die Hand in Hand mit Maximus zu überschreiten ich im Begriff war, würde für mich ebenso bedeutsam sein wie jene, die wir ebenfalls gemeinsam in der Kabine der Poseidon überschritten hatten.

Keinem Mann war es je erlaubt gewesen, das Heiligtum meines Schlafzimmers zu betreten - mit Ausnahme von Apollinarius ... und auch ihm nur einige wenige Male. Weder Ehemann noch Liebhaber hatten je den Raum betreten, in dem ich mich gegen jegliche Verwundbarkeit verbarrikadiert hatte und nur die Gesellschaft meiner Bücher, meiner Katzen und meiner Erinnerungen an Maximus duldete. Weder Ehemann noch Liebhaber hatten je das große Himmelbett mit mir geteilt, in dem ich schlief - kalt und einsam, Nacht für Nacht, in wachen Stunden von dem einzigen Mann träumte, den ich je geliebt hatte. Und manchmal war ich so glücklich gewesen, daß ich auch im Schlaf von ihm träumte. Weder Ehemann noch Liebhaber hatten mich je im sanften Licht des frühen Morgens wachgeküßt oder mich während der dunkelsten Stunden der Nacht in den Arm genommen, wenn ich mich trotz Freiheit und Macht und Reichtum plötzlich so leer, so verletzlich, so zerbrechlich fühlte, daß ich befürchtete, allein das Gewicht einer Feder würde ausreichen, mich zu erdrücken.

Aber das war Vergangenheit, und alles, was zählte, war die Gegenwart, das Hier und Jetzt, denn es war genau dieses Hier und Jetzt, für das ich jede einzelne Minute meines Lebens gelebt hatte. Ich öffnete die schwere geschnitzte Eichentür, wandte mich Maximus zu und lächelte ihn wieder an, dann betrat ich mein innerstes Heiligtum Hand in Hand mit dem Mann, der an meiner Seite hätte alt werden sollen, wenn die Welt nur gerechter und die Götter ein wenig menschlicher wären ...

Maximus blieb wie angewurzelt stehen.

Ich drehte mich um.

Meine Augen wurden weit.

Ich glaube, wir hielten beide die Luft an, auch wenn wir unser Bestes taten, um unsere Überraschung zu verbergen.

Ich schluckte krampfhaft.

 

Das war mein Schlafzimmer, ja, aber gleichzeitig war es das auch nicht.

Irgendwie sah es vertraut aus, aber gleichzeitig auch wieder völlig anders.

Natürlich war es der gleiche große, luftige, sonnige Raum, der sich zur Terrasse hin öffnete, der mit dicken orientalischen Teppichen bedeckte Marmorboden, die Wände, die statt Wandgemälden Täfelungen in warmem Honiggelb mit schmalen Goldstreifen trugen, die hohe, mit stilisierten Girlanden aus Blumen in weichen Pastellfarben bemalte Decke ...

Es war derselbe große Raum, reich möbliert mit herrlichen Schränken und Truhen von Kaufleuten und Antiquitätenhändlern aus der ganzen Welt, mein Frisiertisch, auf dem unzählige Parfumflakons und Lackdosen standen, ein polierter Spiegel, in dem ich Tag für Tag verloren mein Spiegelbild betrachtete, das bequeme Lesesofa, auf dem ich es mir mit einem guten Buch und einer warmen Katze gemütlich machte. Derselbe Raum mit eleganten Sesseln und Stühlen, auf denen nie ein Besucher gesessen hatte, ein paar Tische und ein riesiges Himmelbett, das meinen Schlaf und meine Träume, meine Erinnerungen und meine Einsamkeit fünf Jahre lang gesehen hatte.

Ich hatte meine privaten Wohnräume geliebt, seit ich sie das erstemal betreten hatte. Im Laufe der Jahre hatte ich sie mit Gegenständen eingerichtet, die schön waren aber vor allem bedeutungsvoll denn - wie ich bereits sagte - sind selbst für ungläubige Menschen wie mich Symbole sehr bedeutungsvoll. Und für diese Art Menschen genügt es nicht, daß Dinge einfach nur schön sind, um von uns wertgehalten zu werden, sondern sie müssen auch eine Bedeutung haben, uns etwas erzählen.

Ich liebte meine Wohnung, und besonders liebte ich mein Schlafzimmer, das schlagende Herz jener Ecke des Hauses, in die ich mich zurückziehen konnte, wann immer ich nachdenken, mich ausruhen, etwas planen oder schlicht an die Vergangenheit denken wollte, sei es im Zorn oder - immer häufiger - einfach nur voller Melancholie. Es war immer ein erlesener Raum gewesen, ein Ort, der von Reichtum, gutem Geschmack und sorgfältig gehüteter Privatsphäre zeugte, ein Tempel, errichtet, sowohl um einem sorgenschweren Herzen und einem unruhigen Geist Frieden zu geben, als auch um irdischer Schönheit und vornehmer Zurückgezogenheit zu huldigen, die dazu bestimmt waren, schmerzvolle Einsamkeit zu verbergen.

Über meinem Schlafzimmer hatte immer etwas wie ein Zauber gelegen, aber jetzt war dieser Zauber stärker und anders. Der Raum strahlte im goldenen Licht vieler Lampen. Dutzende herrlicher blutroter Rosen standen in eleganten Glas- und Alabastervasen, und ihr Duft erfüllte den Raum zusammen mit dem würziger Hölzer, welche in einem Kohlebecken aus Messing brannten. Die durchscheinenden Vorhänge, welche anmutig vom Himmel meines Bettes herabfielen, waren gelöst worden und wehten in der sanften, salzigen Abendluft. Auf einem kleinen Tisch neben dem Bett teilten sich blaue und grüngoldene Trauben eine silberne Schale mit samtigen Pfirsichen und polierten Äpfeln. Auf einem lackierten Tablett warteten zwei Kelche und eine passende golden-silberne Karaffe darauf, unseren Durst zu stillen. Auf meinem Lesesofa lag ein zartes cremefarbenes, mit Gold besticktes Gewand bereit, und darunter lugten ein Paar passende Seidenpantoffeln hervor. Auf dem Deckel der Truhe, die am Fußende meines Bettes stand - derselben, in welcher ich Maximus' Sklaventunika versteckt hatte - lagen sorgfältig zusammengefaltet die Kleidungsstücke, die ich für ihn gekauft hatte ...

 

Ich ließ Maximus' Hand los und tappte argwöhnisch in Richtung des Bettes wobei ich verstohlene Blicke auf die durchscheinenden Vorhänge warf. Ganz gleich wie müde ich auch war, pflegte ich regelmäßig im Bett noch ein Stündchen zu lesen, und die Vorhänge blieben immer an den Bettpfosten festgebunden, um zu verhindern, daß sie in das Feuer der Öllampen wehten und es zu einem Unglück käme. Der duftende Rauch aus den Kohlebecken reichte völlig aus, um die nächtlichen Insekten fern zu halten.

Mit den sanft in der abendlichen Brise wehenden Vorhängen sah das Bett ebenso fremd aus wie das Zimmer selbst - vielleicht sogar noch fremder. Es wirkte wie ein weicher, glänzender Kokon, bereit, etwas unendlich Schönes und Zerbrechliches in sich aufzunehmen und es vor der Härte einer drohenden Welt zu beschützen. Oder wie ein magischer Nachen, die aus den Nebeln  von Legenden auftauchte, bereit, uns fortzutragen, wenn wir nur wagen würden, an Bord zu gehen ...

Während ich schweigend das Bett betrachtete, konnte ich fühlen, wie auch Maximus' Augen daran hingen. Da war noch etwas anderes, aber mein Verstand weigerte sich, den Gedanken zu Ende zu denken.

Etwas Besonderes.

Faszinierendes.

Und dann dämmerte es mir plötzlich.

 

Das war nicht mehr mein elegantes aber kaltes und einsames Bett.

Das war weder ein Kokon noch ein magischer Nachen.

Das war vielmehr ein Brautbett.

Und mit der gleichen verblüffenden Klarheit wurde mir bewußt, daß auch Maximus es wußte.

 

Ich kaute auf meiner Unterlippe und spähte durch die durchscheinenden Bettvorhänge. Meine gewöhnliche bronzefarbene Bettdecke hatte man weggenommen und frisches leinenes Bettzeug einladend zurückgeschlagen, die vielen Federkissen warteten aufgeschüttelt auf uns.

Ich kaute heftiger an meiner Unterlippe und näherte mich dem Bett um einen weiteren Schritt. Beinahe fürchtete ich, Rosenblätter auf den makellos weißen Laken zu finden, und heimlich schwor ich, Nicia den Hals umzudrehen, sollte dies der Fall sein ... und war doch seltsam enttäuscht, als ich keine Rosenblätter fand ...

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Eine zarte Berührung auf meine Wange weckte mich aus meinen Träumen. Es war eine kurze, flüchtige Wahrnehmung aber eindeutig kein Produkt meines träumerischen Zustandes. Ich runzelte die Stirn. Hinter mir stand Maximus immer noch unbeweglich, ich spürte seinen warmen, gleichmäßigen Atem im perfekten Rhythmus mit dem sanften Rauschen der Brandung in meinem Nacken. Ich war so vertraut mit den Geräuschen, den Gerüchen und dem Rhythmus des Meeres, daß mir die salzige Brise sagte, es müsse kurz vor Sonnenaufgang sein. Sollte ich genug Willenskraft und Stärke aufbringen, um die Augen zu öffnen, dann würde ich den im Licht der frühen Sonne glühenden Himmel sehen, den Horizont schimmernd in Rotgold - der Farbe meines Haares ...

"Gleicht Dein Haar immer noch ... einem Sonnenaufgang?"

O ja. Maximus selbst hatte meine Haarpracht mit den Flammen der Morgensonne verglichen ...

Ich entspannte mich wieder und seufzte. Schläfrigkeit überfiel mich von neuem. Es war so süß, so gut, hier zu sein, in diesem Bett, eingehüllt in hauchdünne, wehende Seidenvorhänge, und Maximus' Nähe und Wärme zu genießen ...

Ich war kurz davor, wieder einzuschlafen, als ich die flüchtige zarte Berührung wieder auf meiner Wange spürte.

Es konnte keiner der von der Brise bewegten Vorhänge sein, denn ich lag fast in der Mitte des Bettes, das groß genug war, um sechs Personen Platz zu bieten. Auch Rubia konnte es nicht sein, denn da war kein heftiger Plumps gewesen, der die Landung der schweren Katze auf der Matratze verraten hätte. Wenn das große grünäugige Tier mich wecken oder aus dem Bett locken wollte, dann drückte sie gewöhnlich ihren Kopf gegen mein Kinn, und sollte das keinen Erfolg zeitigen, machte sie sich an meinem Haar zu schaffen.

Vorsichtig öffnete ich ein Auge.

Der Raum war von einem intensiven rosigen Licht erfüllt, das, durch die feinen Bettvorhänge gefiltert, der zarten Färbung einer durch ein Stück edelsten Alabasters betrachteten Flamme glich. Selbst wenn mein Haushalt vermutlich bereits seit einiger Zeit mit seinen täglichen Pflichten beschäftigt war, blieb es in diesem Teil der Villa doch still.  Man hörte nur das morgendliche Zirpen der Vögel unten in den Gärten und das nie endende Rauschen der nahen Brandung.

Dann bemerkte ich in meinem Augenwinkel eine Bewegung.

Ich öffnete die Augen weit ... und direkt über mir - nur wenige Zentimeter über meinem Gesicht - tanzte anmutig in der Luft ein Schmetterling.

Ich hielt den Atem an.

Der Schmetterling drehte Pirouetten vor meinen Augen und kreiste dann über meinem Kopf, während ich seinen Bewegungen zu folgen versuchte, ohne das Tierchen zu beunruhigen oder Maximus zu wecken. Einen Moment lang schien es in der Luft zu hängen, dann landete es graziös direkt vor meinen Augen auf einem der Bettvorhänge.

Konzentriert runzelte ich die Stirn und studierte die kleine Kreatur. Es war nur ein Fetzen goldbraunen Samtes, die Spannweite der Flügel maß kaum fünf Zentimeter, und auf jedem Flügel prangte ein vollkommener blaugrüner Punkt in der Farbe einer Pfauenfeder.

In der Farbe von Maximus' Augen ...

 

 

 

Ich blinzelte.

Der Schmetterling bewegte seine Flügel als wolle er mir antworten.

Ich mußte einfach kichern.

"Was gibt es da zu lachen?" fragte eine angenehm tiefe Stimme hinter mir.

Ein Schauer lief mir über den Rücken

"Du bist schon wach?"

"Ich bin schon eine ganze Weile wach ... "

Maximus klang noch ein wenig schlaftrunken aber schon recht munter.

Als habe er meine Gedanken gelesen und um zu beweisen, wie munter er war, preßte er seinen Körper an mich.

Ein weiterer Schauer lief mir über den Rücken.

Offenbar irritiert, weil ich ihm nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte, bewegte der Schmetterling abermals die Flügel und forderte hoheitsvoll eben jene Aufmerksamkeit ein.

"Öffne die Augen ... "

"Woher weißt Du, daß meine Augen nicht offen sind?"

Über den neckenden Unterton in seiner verschlafenen Stimme mußte ich lächeln.

"Wenn Deine Augen offen wären, dann würdest Du nicht fragen, was es da zu lachen gibt ... "

 

Maximus lachte leise in mein Haar hinein, küßte meinen Nacken und stütze sich dann auf einen Ellbogen, während sein anderer Arm noch immer auf meiner Taille ruhte. Als ich die weiche, geschmeidige Bewegung seiner Muskeln spürte, drückte ich unwillkürlich meinen Rücken gegen den warmen Samt seiner breiten Brust, was ihm wiederum ein tiefes, genüßliches Brummen entlockte. Dann entdeckte er das samtene Tierchen, das sanft auf dem zarten Stoff der von der Brise bewegten Vorhänge schaukelte.

"O", sagte er, und seine tiefe männliche Stimme war so voll jugendlichen, unschuldigen Staunens, daß ich an die schönen, lachenden, lebhaften Kinder in meinem Traum denken mußte. Jene geträumten Kinder, die von seinem Blut waren ...

"Ist er nicht wunderschön?" flüsterte ich.

"Das ist er wirklich", sagte Maximus und machte es sich an meinem Rücken noch etwas bequemer, sein bärtiges Kinn legte er dabei auf meine nackte Schulter. "Und wie ist Dein kleiner Freund hier hereingekommen?"

Es war irgendwie seltsam erregend, diese tiefe erotische Stimme zu hören, ihre Schwingungen in seinem breiten, gegen meinen Rücken gepreßten Brustkorb zu spüren, die Wärme seines Körpers zu genießen, ohne ihn dabei anzusehen.

"Er muß aus den Gärten gekommen sein und sich in den von Nicia vorgezogenen Bettvorhängen verfangen haben ... " sagte ich, die Augen weiter auf den Schmetterling geheftet, der noch immer in majestätischem Gleichmut die Flügel bewegte. Während ich sprach, schob ich langsam und vorsichtig meine Hand näher an das geflügelte Tierchen heran.

Ich brauchte Maximus nicht anzusehen, um zu wissen, daß er meinen Bewegungen mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Offenbar war er fasziniert von dem, was ich tat, hielt es aber für besser, keine Fragen zu stellen.

Ich hielt den Atem an und streckte dem Schmetterling langsam einen Finger entgegen, hielt jedoch augenblicklich inne, als er leicht zitterte und Anstalten machte davonzufliegen.

Die samtenen Flügel schlugen argwöhnisch und die blaugrünen Punkte schienen mich mißtrauisch zu beobachten.

Ich wartete einen Augenblick lang.

Zwei.

Drei.

Dann streckte ich den Finger wieder aus, bewegte mich mit äußerster Vorsicht. Schließlich berührte ich den Schmetterling, zeichnete die feinen Umrisse eines seiner zarten Flügel nach ...

Hinter meinem Rücken hielt Maximus die Luft an.

Die kleine Kreatur bewegte sich nicht.

 

Ich hielt inne, gab ihr Zeit, sich an meine Berührung zu gewöhnen, denn ich war mir bewußt, daß eine plötzliche Bewegung den Schmetterling verscheuchen würde ... und daß er sich bei einer überstürzten Flucht leicht seine zarten samtigen Flügel brechen konnte.

Er bewegte sich nicht - bis auf das regelmäßige Schlagen seiner Flügel, die aussahen, als seien sie mit Edelsteinen besetzt.

Noch einmal folgte ich mit dem Finger seinen Umrissen.

Das Tierchen zitterte leicht, schlug dann nochmals mit den Flügeln und die blaugrünen Punkte erschienen mir wie blinzelnde Augen, die mich anschauten.

Ich biß mir auf die Unterlippe und streichelte es ein weiteres Mal.

Das Zittern ließ nach und das kleine Ding duldete mich noch einen Moment lang, dann schoß es plötzlich in die Höhe und ließ sich in der majestätischen Einsamkeit unseres Betthimmels nieder - ein goldbraunes Dreieck direkt über unseren Köpfen.

 

"Du hast es gekitzelt ... " murmelte Maximus und spielte dabei zärtlich mit meinem Nabel.

 

Ich kicherte.

Maximus' Finger hielt mitten in der Bewegung inne. Ich brauchte ihn nicht einmal anzusehen um zu wissen, wie seine linke Augenbraue sich fragend hob.

"Kitzelig?" hauchte er an meinem Ohr, und mein Körper überzog sich augenblicklich mit einer Gänsehaut.

"Maximus ... " warnte ich ihn, aber es war schon zu spät, und ich wand mich und quietschte bereits unter seinen Händen.

Während ich gegen seine kitzelnden Hände kämpfte, verlor er keine Zeit, nahm mich in die Arme, und - atemlos und keuchend - fand ich mich gegen die warme, lebendige Mauer seiner breiten Brust gepreßt. Ich blickte in umwerfend blaugrüne Augen, die vor Humor sprühten.

"Guten Morgen, Herrin ... " flüsterte er, und mein Herz tat einen kleinen Hüpfer.

"Guten Morgen, General ... flüsterte ich zurück und rieb meine Wange an seiner nackten Schulter. "Hast Du gut geschlafen?"

Maximus seufzte, dann küßte er mich auf die Stirn.

"Was denkst Du?"

Ich lächelte zurück und vergrub mein Gesicht an seinem warmen Nacken, atmete begierig seinen männlichen Duft ein.

Es hatte einen peinlichen Moment gegeben, als es Zeit wurde, zu Bett zu gehen.

Wir hatten den Rest des Abends auf der Terrasse verbracht, die milde Luft genossen, ein leichtes Abendessen und etwas Wein zu uns genommen, die Katzen gefüttert und mit ihnen gespielt. Wir hatten auch ein wenig geplaudert oder einfach nur gemeinsam geschwiegen. Beides brachte uns einander so nahe, daß es beinahe körperlich weh tat.

Allmählich wurde es still in der Villa. Wir lagen auf dem Ruhebett, das auf der Terrasse stand, beobachteten den Mond, der über den mit Sternen übersäten Himmel segelte, lauschten dem beruhigenden Rauschen der Brandung und teilten die Wärme unserer Körper.

Es war Maximus gewesen, der irgendwann vorgeschlagen hatte, zu Bett zu gehen, und erst da bemerkte ich, wie müde ich war. Ich traute meiner Stimme nicht und nickte daher nur zustimmend. O ja, das Glück kann so anstrengend sein.

Lächelnd erhob sich Maximus und half auch mir auf, dann kehrten wir Hand in Hand ins Schlafzimmer zurück. Während wir auf der Terrasse gewesen waren, mußte Nicia im Zimmer gewesen sein. Sie hatte die Dochte der meisten Lampen heruntergedreht, und ein heimeliges, gedämpftes, goldenes Licht hatte das helle Strahlen ersetzt, welches uns willkommen geheißen hatte. Ein hauchdünnes cremefarbenes Nachthemd lag auf meiner Lesecouch bereit, und Maximus' Tunika für die Nacht ergoß sich weinrot über einen neben der Couch stehenden vergoldeten Stuhl.

Schüchternheit überkam mich plötzlich, und ich wandte meine Augen von den intimen Vorkehrungen ab, die meine Zofe für unsere erste Nacht in meinem Schlafzimmer getroffen hatte. Aber da fiel mein Blick auch schon auf das riesige Himmelbett. Im milden Licht glänzten die durchscheinenden Bettvorhänge sanft wie das Perlmutt im Inneren einer Muschel und ich mußte unwillkürlich wieder an Aphrodite denken wie sie - gereinigt und erneuert - dem Fest der Liebe entgegensegelte *1.

Es war ein peinlicher Moment gewesen, denn weder die glühende, wahnsinnige Leidenschaft unserer ersten Vereinigung noch das sanfte, träumerische Liebesspiel, während der Regen auf das Kabinendach der Poseidon tropfte, hatten uns auf die äußerste Intimität dieses Augenblicks vorbereitet. Plötzlich verschwand die Leichtigkeit, mit welcher wir selbst vor sechs Jahren zusammengekommen waren, und an ihre Stelle trat eine verlegene Befangenheit. Hier ging es nicht nur darum, daß wir uns einander schenkten, nicht nur um die Begierde unserer liebeshungrigen Körper. Es ging nicht um die Vereinigung unserer Körper, zu der Mann und Frau geboren sind. Statt dessen ging es hier um einfache, alltägliche, häusliche Dinge, wie sie nicht Liebende mit einander teilen sondern Ehemann und Ehefrau.

Und beide waren wir uns dessen schmerzhaft bewußt.

Es war Maximus, der das Schweigen brach.

"Welche ist Deine?"

Ich war dankbar für die Unterbrechung, verstand aber nicht die Bedeutung seiner Frage, also drehte ich mich um und blinzelte ihn fragend an.

Er bedachte mich mit einem von diesen kleinen Lächeln, die mein Herz immer einen Hüpfer tun lassen.

"Deine Seite des Bettes", sagte er leise. "Welche ist Deine?"

Ich blinzelte nochmals, diesmal auf der Suche nach einer Antwort - wie lahm sie auch immer sein mochte. Wie sollte ich ihm erklären, daß ein Geist zwar manchmal sogar ein wenig Wärme in ein leeres Bett zu bringen vermag, daß er aber keinen Platz beansprucht, und ich daher keine Seite meines Himmelbettes bevorzugte? Wie sollte ich ihm von den Nächten erzählen, in denen ich mich auf der endlosen Weite meiner weichen Matratze hin und her geworfen habe, während ich im Traum nach seiner verlorenen aber nicht vergessenen Wärme jagte? Oder wie sollte ich ihm von jenen Nächten erzählen, in denen ich heiß und keuchend erwachte - weil ich sie gefunden hatte?

Aber Maximus wartete. Also zwang ich mich zu antworten.

"D... Die linke", stammelte ich --- nicht weil es die Wahrheit war, sondern weil es einleuchtend schien.

"In Ordnung", sagte Maximus.

Keiner von uns rührte sich.
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*1  Julias Tagebuch, Teil 2, Kapitel 22b

 


26.b Der Schmetterling - 180 A.D.

 

Überall im ganzen Römischen Reich - sei es in den reichen Häusern auf dem Palatin, in den schmutzigen Mietskasernen des Esquilin oder in den entlegensten Provinzen - bereiten Ehepaare sich auf das Zubettgehen vor. In den Schlafzimmern der Senatoren, den Hütten der Bauern und in den dumpfen Schuppen der Schiffer an den schlammigen Ufern des Flumen Tiberis (*) zogen Männer und Frauen sich aus und gingen zu Bett - in Himmelbetten wie dem meinen oder auf nicht mehr als einem Haufen verfaulten Strohs unter einer schmutzigen, feuchten Decke. Vielleicht unterhielten sie sich dabei, und die Vertrautheit eines gemeinsam verbrachten Lebens überbrückte die Kluft, welche das Fehlen von Liebe zwischen ihnen aufgerissen hatte. Vielleicht scherzten einige, während sie die Ereignisse des Tages besprachen, und andere stritten sich über eben dieselben Dinge.

Überall im ganzen Reich beschäftigten sich Paare mit ihren alltäglichen Verrichtungen. Nur in meinem Schlafzimmer verharrten Maximus und ich in Schweigen, Hand in Hand am Fußende meines gewaltigen, luxuriösen Bettes stehend. Und dieses eine Mal gründete das Schweigen nicht in Ungezwungenheit und gegenseitigem Verstehen sondern in Zögern.

"Es ... es tut mir leid", stammelte ich, und weil ich das Gefühl hatte, es sei an mir, etwas zu sagen, entschlüpfte mir das erste, was mir durch den Kopf schoß, "ich ... ich habe vergessen, Dir ein Nachthemd zu besorgen ... "

Zärtlichkeit und Erheiterung kämpften miteinander in Maximus' blaugrünen Augen.

"Ich trage keine Nachthemden ... " sagte er und schob mit seiner freien Hand ein paar Locken aus meinem Gesicht. Seine große warme Hand war so sanft wie seine Stimme. So wie ich das Gefühl gehabt hatte, etwas sagen, hatte er vielleicht gemeint, etwas tun zu müssen, und dieses 'etwas' rührte mich durch seine wohltuende, beruhigende Art.

"Nie?" platzte ich heraus.

Maximus lachte.

"Nur im Winter ... " fügte er mit gespieltem Ernst hinzu. "Und im Moment ist nicht Winter, stimmt's?"

Wieder breitete sich Schweigen zwischen uns aus, und einen weiteren langen Moment standen wir einfach da, blickten einander in die Augen. In seinen brannte das mir nur zu vertraute aquamarinfarbene Feuer, und sein Blick bestätigte mir, was ich fühlte: daß die dunkelblauen Flammen in den meinen zitterten.

Aber keiner von uns rührte sich.

Im Feuer lang verleugneter Leidenschaft hatten Instinkt und Verlangen unser Handeln bestimmt, und es war keine Zeit zum Zögern gewesen. Und nun, da wir am Fußende eines Bettes standen, das wie ein Hochzeitsbett aussah, Hand in Hand inmitten eines Zimmers standen, das ein Brautgemach zu sein schien, nun fühlte ich die Scheu einer jungfräulichen Braut.

Niemals zuvor war ich mehr im Zweifel darüber gewesen, was von mir erwartet wurde. Sollte ich mich hier, vor seinen Augen auskleiden, oder mich sittsam in eine dunkle Ecke zurückziehen? Sollte ich anbieten, ihm beim Auskleiden behilflich zu sein, bevor ich mich meiner eigenen Kleider entledigte? Sollte ich das hauchdünne Nachthemd anziehen oder nackt zu Bett gehen? Würde Maximus vor mir unter die Bettdecke schlüpfen? Oder sollte ich dort auf ihn warten wie es eine Braut in ihrer Hochzeitsnacht tut? Und wenn wir erst einmal im Bett waren - was wurde dann von mir erwartet? So wie mein Leben als Hure mich nichts über die liebende Vereinigung mit einem Mann sondern nur über die Befriedigung der Lust gelehrt hatte, so hatte mich auch mein Leben als Ehefrau, die von ihrem Mann nicht begehrt wurde, nichts über schlichten, häuslichen, vertrauten Umgang gelehrt. Männer schlafen nicht mit ihren Huren. Sie benutzen sie und wollen sie beim Erwachen nicht mehr in ihrem Bett finden. Ehefrauen, die nicht begehrt werden, gehen einfach allein zu Bett.

"Es ... es tut mir leid ... " stammelte ich abermals und wußte nicht, wofür ich mich entschuldigte - dafür, daß ich nicht wußte, was ein anständiger Mann wie Maximus von der Frau erwartete, die er dazu erwählt hatte, sich ihr zu schenken, oder dafür, daß ich selbst keine anständige Frau war. Oder vielleicht entschuldigte ich mich dafür, daß ich ihm keine andere Reinheit als die meines Bettes bieten konnte.

Maximus vergrub seine Finger in meinem Haar und streichelte mir über den Kopf.

Ich erschauerte.

"Ich ... ich ... " setzte ich von neuem an, senkte den Kopf und ließ mir das Haar ins Gesicht fallen, um meine Verwirrung und meine bebenden Lippen zu verbergen. Er aber faßte mit sanftem und gleichzeitig festem Griff meinen Nacken und zwang mich, den Kopf zu heben und ihm in die Augen zu blicken.

"Ich werde im Bett auf Dich warten ... "flüsterte er, dann führte er unsere ineinander verschlungenen Finger an seine Lippen und küßte zärtlich meine Knöchel. Die Berührung war so kurz, so sanft und liebevoll, daß ich für einen Moment glaubte, meine Beine würden mich nicht mehr tragen. Einen Augenblick lang rührte ich mich nicht, starrte wie gebannt auf unsere Finger, seine kurz und gedrungen und meine lang und schmal. Seine kräftig, meine zart.

Seine glichen denen einer bronzenen Statue. Meine der einer Marmorfigur. In Rom gehört ein öffentliches Zurschaustellen von Zuneigung nicht zum guten Ton, und wenn man eine Statue sieht, die einen Mann und eine Frau zeigt, die einander bei den Händen halten, dann symbolisiert dies, daß es sich um ein verheiratetes Paar handelt.

Ich schluckte hart, als ich mir dessen bewußt wurde, dann nahm ich mein Nachthemd von der Lesecouch und zog mich eilends in den geheiligten Bereich meines Bades zurück.

 

Als ich zurückkam - frisch gewaschen und angetan mit dem hauchdünnen, cremefarbenen Nachthemd (ich konnte mich nicht daran erinnern, es gekauft oder auch nur bestellt zu haben) - war Maximus schon zu Bett gegangen; seine tief gebräunte Haut hob sich deutlich vom makellosen Weiß der Laken ab. Das Bettuch, unter dem er lag, bedeckte ihn bis zur Taille, und er hatte auf seiner Seite des Bettes bereits alle Kissen bis auf eines auf den Boden geworfen. Die Hände hinter dem Kopf verschränkt schaute er nun konzentriert hinauf in den Betthimmel. Vor dem Zubettgehen hatte er alle Lampen bis auf eine gelöscht, die auf einem Tisch nahe genug stand, um das Bett zu beleuchten, aber nicht so nahe, daß sie den sich sanft bewegenden Bettvorhängen hätte gefährlich werden können.

Barfuß tappte ich zum Bett, zog das luftige Gewebe der Vorhänge beiseite und betrat zögerlich den seidenen Kokon meiner Schlafstätte. Maximus löste den Blick vom kunstvoll drapierten Himmel des Bettes und wandte seine Augen mir zu. Aus den blaugrünen Tiefen dieser Augen schossen Flammen, als er bemerkte, wie sich mein Nachthemd eng an meine Brust schmiegte und nicht nur die festen Spitzen meiner harten Brustwarzen enthüllte sondern auch die Schatten ihrer korallenfarbigen Höfe. Ich war mir bewußt, daß auch das dunkel bronzene Dreieck dort, wo meine Schenkel sich berührten, seinem Blick nicht verborgen war. Daher setzte ich mich scheu auf das Bett und faltete die Hände in meinem Schoß.

Die aquamarinblauen Flammen bewegten sich einen Moment lang nicht, dann nahmen sie die Farbe dunkler Saphire an..

Ich biß mir auf die Unterlippe.

"Möchtest Du, daß ich die Vorhänge zurückbinde?" fragte ich, hauptsächlich um meine Nervosität zu überspielen, statt dessen kam ich mir nur noch törichter vor.

Maximus' Blick wurde weich und seine Augen nahmen diesmal die Farbe des Meeres an.

"Nein, laß sie wie sie sind", meinte er und warf dabei zuerst einen kurzen Blick auf die besagten Vorhänge, dann auf mich.

Mit den Händen hinter dem Kopf verschränkt traten die Muskelstränge an seinen Oberarmen noch deutlicher hervor, und die zimtfarbenen Locken in seinen Achselhöhlen glichen im matten Licht gesponnener Seide.

In seiner Haltung war etwas seltsam Erregendes und ich fühlte das Verlangen, ihn zu berühren, meine Handflächen über den vor mir ausgebreiteten warmen lebendigen Samt seines Körpers gleiten zu lassen.

Statt dessen biß ich mir wieder auf die Unterlippe.

"Soll ich die Lampe löschen?"

Diesmal grinste er mich schelmisch an.

"Möchtest Du sie löschen?"

"Ich fürchte mich nicht vor der Dunkelheit!" platzte ich in einem Ton heraus, der schärfer klang als ich beabsichtigt hatte.

Das Grinsen wurde breiter, ein Aufblitzen von Elfenbein im dunklen Gold seines Gesichtes.

"Ich auch nicht, Herrin, aber es ist so nett hier bei diesem sanften Licht. Warum lassen wir die Lampe nicht einfach ausbrennen?"

"O ... o ja, natürlich ... "

 

Schweigen breitete sich zwischen uns aus, aber ich rührte mich nicht. Statt dessen spielten meine Finger mit einer der bronzefarbenen seidenen Kordeln, die dazu dienten, die Vorhänge an den Bettpfosten zu befestigen.

"Denkst Du, daß es für Dich bequem sein wird?"

Maximus lachte leise.

"In einem Bett, das Platz genug für eine mittlere Schlacht bietet? Nun, es ist in der Tat ein Fortschritt im Vergleich zu einem Feldbett und einem Schiffsdeck ... Ich denke, ich werde es überleben."

Ich lachte kurz, wurde aber gleich wieder ernst.

"Es tut mir leid ... Ich ... "

Mit einer katzengleichen Geschwindigkeit, die mich immer wieder aufs Neue überraschte, rollte sich Maximus auf die Seite und packte mit den Händen, die eben noch hinter seinem Kopf verschränkt gewesen waren, meinen Arm.

Mir stockte vor Schreck der Atem.

"Komm her ... ", sagte er mit heiserer Stimme.

Ich schluckte.

Hart.

"Komm her ... ", wiederholte er, und einen Moment lang fürchtete ich, mein seidenes Nachthemd würde unter seinem sengenden blaugrünen Blick in Flammen aufgehen.

 

Vorsichtig kletterte ich ins Bett und schlüpfte unter das kühle Leinentuch, das schwach nach Rosen duftete, ohne daß ich näher an Maximus heranrückte. Statt dessen blieb ich einfach liegen, angespannt und verloren trotz seiner Nähe, und starrte gebannt in den Himmel meines Bettes, während das Herz in meiner Brust so wahnsinnig klopfte, daß ich glaubte, er müsse das wilde Schlagen hören können. War es das, was eine jungfräuliche Braut in ihrer Hochzeitsnacht fühlte? Wie konnte man trotz der intensiven Vertrautheit, die wir in der Kabine des Schiffes geteilt hatten, so scheu, so verwirrt sein?

"Möchtest Du nicht näher kommen?"

Erschrocken drehte ich mich um und sah, daß Maximus mich aufmerksam beobachtete.

Ich öffnete den Mund, brachte aber kein Wort hervor.

Von seiner Seite des Bettes lächelte Maximus mich an. Aber diesmal war es kein jungenhaftes Lächeln sondern eher ein freches Grinsen.

"Ich habe noch nie in so einem großen Bett geschlafen ... " fuhr er fort. "Ich fühle mich ein bißchen einsam ... "

Wegen der Lächerlichkeit seiner Worte und der völligen Absurdität der ganzen Situation mußte ich sein Grinsen einfach erwidern, auch wenn mein Lächeln reichlich unsicher war und schnell zu einem nervösen Kichern wurde.

Bevor ich noch näher an ihn heranrutschen konnte, packte er mich am Arm.

Ich kreischte.

Er ignorierte es, zog mich quer über das Bett, rollte mich auf die Seite und legte sich hinter mich, dann schlang er einen Arm um meine Taille und zog mich so dicht an sich heran, bis ich an seiner nackten breiten Brust lag. Und schon umfing mich seine Wärme, und mit ihr kam das süße, vertraute und beruhigende Gefühl, sicher und geborgen zu sein.

Das Gefühl, daß mir nichts geschehen konnte, solange ich in seinen Armen lag.

 

Eingehüllt von Wärme, Stille und den durchscheinenden Bettvorhängen, unsere Köpfe auf demselben Kissen ruhend entspannte ich mich allmählich und berührte vorsichtig die kräftige Hand, die auf meinem Bauch ruhte. Automatisch verschlungen sich unsere Finger ineinander - so wie sie es bei unserer Rückkehr ins Haus getan hatten.

Meine Augen wurden feucht, als ich mir der Zärtlichkeit dieser Geste bewußt wurde, die von der süßen Vertrautheit zeugte, welche Liebende verband, Mann und Frau, die aus Liebe geheiratet hatten, oder die zumindest während der gemeinsam verbrachten Jahre gelernt hatten, einander zu lieben.

An meinem Rücken seufzte Maximus, dann vergrub er seine Nase in meinem Haar.

"Ich mag Dein Parfum ... " sagte er leise, und sein warmer Atem streichelte meinen Nacken. "Es ist mit nichts zu vergleichen, das ich je zuvor gerochen habe ... "

"Es ist Myrrhenöl mit einem Hauch von Lotus ... " flüsterte ich, weil ich meine Stimme nicht erheben wollte aus Angst, ich könnte die süße Ruhe stören, die sich über uns gebreitet hatte.

"Ich mag es", wiederholte er. "Ich habe es immer gemocht ... "

Mein Herz hörte einen Moment lang auf zu schlagen.

"Erinnerst Du Dich daran ... ?"

Die Worte entschlüpften mir, bevor ich es verhindern konnte.

"O, ja. Ich erinnere mich daran, seit ich Dich das erstemal gesehen habe ... damals in Moesia "

Es war nicht nur die Offenbarung selbst, die mich erschauern ließ, sondern die schlichte, offene Art, mit der er sie vorgebracht hatte.

"Julia. Julia. Ich erkenne jetzt Deinen Duft ... Dein Parfum." *1

Der verwirrte, erschöpfte Mann, der diese Worte, angekettet im dunklen Atrium, geflüstert hatte, war sich kaum dessen, was er sagte, bewußt gewesen. Aber der Mann, der sich jetzt an meinen Rücken schmiegte, wußte sehr wohl, was er sagte, und er hatte kein Problem mit diesem Geständnis.

"Wie hätte ich mich nicht daran erinnern können?" fuhr Maximus fort, und er klang dabei wie ein Mann, der zu sich selbst sprach. "Ich konnte den Duft tagelang an meiner Tunika riechen ..."

Seine Stimme schwebte durch die Stille der Nacht, ihr tiefer, weicher und beruhigender Ton vereinigte sich mit dem lauten Rauschen der Brandung. Dann fühlte ich seine warmen Lippen auf meinem Nacken. Sanft und zärtlich küßte er die empfindliche Haut.

Ich erschauerte

Maximus küßte noch einmal meinen Nacken und dann noch ein drittes Mal.

"Schlaf, Julia", flüsterte er, und sein Atem streichelte jetzt mein Ohr. "Es ist spät, und Du bist müde ... "

Ich wußte, daß er mich wollte. Er konnte es unmöglich vor mir verbergen - so wie ich dalag ... meine Hüften an seinen Lenden ruhend.

Er wollte mich, aber er war auch bereit, mir Zeit zu lassen, damit ich mich an seine Gegenwart in meinem Schlafzimmer und in meinem Bett gewöhnen konnte. Eine weitere Schwelle, die es gemeinsam zu überschreiten galt - und sogar eine höhere .... trotz brennender Leidenschaft und zwangloser Vertrautheit. Er war Manns genug, sein Verlangen weder zu verbergen noch es mir aufzuzwingen. Und vor allem war er Manns genug, das Wenige, was von meiner vor langer Zeit verlorenen Unschuld noch übrig war, wert zu halten.

Heiße Tränen rannen mir aus den Augenwinkeln, und ich vergrub mein Gesicht im Kopfkissen.

"Ich liebe Dich, Maximus", flüsterte ich so leise, daß ich nicht einmal sicher war, ob ich es wirklich gesagt, oder ob mir mein Verstand einen Streich gespielt hatte.

Wie auch immer - er konnte mich unmöglich gehört haben.

Aber er schlang seinen Arm fester um meine Taille.

Und hier und jetzt lernte ich, daß ein Mann eine Frau auf viele Arten lieben kann und nicht nur durch die körperliche Vereinigung.

Ich hätte es besser wissen sollen.

Vor gar nicht so langer Zeit war ich eine Hure gewesen, und wer anders als eine Hure wußte es besser, daß körperliche Vereinigung sehr wenig mit Liebe zu tun hat.

 

Irgendwann während der Nacht wachte ich auf, fieberheiß und mit klopfendem Herzen unter Maximus' Händen und Lippen. Die Lampe war bereits ausgebrannt und statt der kühlen Seide meines Nachthemds spürte ich die heiße Seide seiner nackten Haut. Alle Schüchternheit war vergessen und wir hatten eine weitere Schwelle überschritten - fortgetragen von dem Verlangen, einander so nah zu sein wie ein Mann und eine Frau sich nahe sein können.

Das einzige Licht im Schlafzimmer war das der wenigen schräg einfallenden Strahlen des Mondes, die durch den Bogengang fielen, welcher zur Terrasse führte. Sie waren kaum hell genug, um die Umrisse der Möbel unterscheiden zu können, geschweige denn, durch die seidenen Vorhänge zu dringen, welche sich sanft in der nächtlichen Brise hin und her bewegten. Sich über mir, in mir bewegend blieb Maximus im Schatten verborgen, eine dunkle Silhouette vor einem noch dunkleren Hintergrund, seine Gegenwart heiß und hart in meinem tiefsten Inneren. Ich konnte jede Berührung fühlen, jede Liebkosung, jede Bewegung, aber ich konnte ihn nicht sehen. In der Dunkelheit spürte ich jede dieser Berührungen, der Liebkosungen, der Bewegungen nur noch intensiver, und ich mußte dabei an Psyche denken, wie sie in der Dunkelheit von Eros (**) geliebt wurde, die sterbliche Schönheit hieß den geflügelten Gott willkommen, welcher nach keinem anderen Königreich verlangte als dem ihres Bettes und ihres Körpers.

 

 William Bouguereau
Die Entrückung der Psyche

Ich hob meinen Leib seinen Lenden entgegen und stöhnte auf, als die Lust mit der Macht einer Flutwelle über mich hinweg spülte, und meine Hände über die weite, seidige Fläche seines Rückens wanderten. O ja, so mußte auch Psyche sich gefühlt haben --- in der Dunkelheit auf ihrem mit Blumen bedeckten Bett liegend. Aber Maximus war kein sanfter, geflügelter Gott sondern eine Naturgewalt, losgelassen auf meinen Körper. Ich war wie die Erde - weich, empfänglich und fruchtbar -, und er war der Bauer und der Samen und auch der Regen und die Sonne. Und ich nahm ihn und alles, was er mir zu geben hatte, auf, während er mich schweigend in der Dunkelheit liebte. Gemeinsam erreichten wir unseren Höhepunkt und gemeinsam erhoben wir uns zu den Sternen - so wie Psyche und Eros, als sie endlich wieder vereint waren. Aber ihr Flug konnte nicht so herrlich gewesen sein wie unserer, denn sie waren in die Ewigkeit geflogen, während wir bereits ein Teil derselben waren ...

 

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Eng umschlungen lagen wir noch eine Zeitlang da und genossen die Erinnerung an die vergangene Nacht und die Wärme unserer Körper, während um den Kokon meines Bettes das frühe Morgenrot langsam verblaßte. Das Quietschen eines Gärtnerkarrens mischte sich in das Zirpen der Vögel, und irgendwo in der Villa lachte eine Frau.

Trotz der morgendlichen Brise kündigte sich bereits ein heißer Tag an. Wenn ich Maximus zu den Ställen mitnehmen und dann mit ihm hinaus zum Bauernhof reiten wollte, mußten wir ohne Frage früh aufbrechen. Ich konnte mich jedoch nicht überwinden, das Bett zu verlassen und auf das süße, vertraute Beisammensein fern von der Welt zu verzichten. Schon erwog ich den Gedanken, daß Ställe und Hof noch warten müßten ...

"Julia?"

Maximus' Stimme brachte mich in die Wirklichkeit zurück.

"Hmmm?" fragte ich, und kuschelte mich noch etwa näher an ihn.

"Wo hast Du gelernt, so mit Schmetterlingen umzugehen?"

Ich war so überrascht, daß mir nicht mal der Gedanke kam, etwas zu erfinden. Statt dessen hörte ich mich selbst, wie ich Maximus einfach die Wahrheit erzählte.

"In der anderen Villa ... Der Villa, in der ich aufgewachsen bin", sagte ich mit leiser Stimme, "da gab es eine Zeit, in der Blumen mein einziges Spielzeug und Schmetterlinge meine einzigen Freunde waren .... "

 

 (*) Flumen Tiberis (Lateinisch): Der Fluß Tiber

(**) Nach der griechischen Mythologie wurde Psyches atemberaubende Schönheit von jedem Mann bewundert, aber keiner wagte es, sie zur Frau zu nehmen. Statt dessen verehrten sie sie wie eine Göttin und wurden den Altären der Aphrodite, der Göttin der Liebe und der Schönheit, untreu. Wütend beschloß die Göttin, sich zu rächen, indem sie Psyche sich in den abstoßendsten Mann auf dieser Erde verlieben ließ, und Aphrodite bediente sich ihres eigenen Sohnes, des schönen geflügelten Gottes Eros (welcher auch als Amor bekannt ist), ihr zu helfen. Als Eros Psyche jedoch sah, war er so geblendet von ihrer Schönheit, daß er sich versehentlich selbst mit dem magischen Pfeil verletzte, der bestimmt war, sie zu bestrafen, und verliebte sich in sie. Eros konnte sich weder seiner göttlichen Mutter entgegenstellen noch Psyche vergessen, daher brachte er die junge Frau an einen Ort, wo er sie des nachts besuchte und sich mit ihr in der Dunkelheit in Liebe vereinigte. Auch Psyche verliebte sich in Eros und flehte ihn an, er möge ihr erlauben, ihn bei Licht zu sehen. Er aber warnte sie, daß sie nicht versuchen solle, ihn zu sehen, denn dann würde eine schreckliche Strafe ihrer harren. Sie um ihre Schönheit und ihr Glück beneidend vergifteten Psyches ältere Schwestern ihren Geist, indem sie sagten, daß ihr Liebster, wenn er sich im Dunkel verstecke, ein scheußliches Ungeheuer sein müsse. Als Eros nun nach dem Liebesspiel eingeschlafen war, zündete Psyche eine Lampe an und stellte fest, daß es der geflügelte Sohn der Aphrodite war, der in ihrem Bett lag. Psyche wurde für ihren Ungehorsam bestraft, indem sie ihres Geliebten beraubt wurde. Verzweifelt durchwanderte sie die ganze Erde auf der Suche nach Eros, und als sie ihn nicht finden konnte, begab sie sich zum Olymp und warf sich Aphrodite zu Füßen, ihre Vergebung erflehend. Doppelt wütend erlegte die Göttin der Psyche eine Reihe fast unmöglicher Aufgaben auf und sagte ihr, daß sie Eros nur wiederfinden würde, wenn sie diese Aufgaben erfüllte. Gerührt von Psyches Hingabe halfen viele Wesen ihr bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, und selbst Zeus setzte sich für sie ein, verwandelte Psyche in eine Göttin und nahm sie in den Olymp auf, wo sie Eros heiratete. Die Innigkeit und Schönheit dieses Mythos hat Maler und Bildhauer fünfundzwanzig Jahrhunderte hindurch inspiriert.

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*1                                                vgl. Julias Tagebuch, Teil 2, Kapitel 11.a

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