Schatten über der Provence

Kapitel 7

 

Als er ihren Namen ruft, um sie an den bevorstehenden Abflug zu erinnern, den man bereits ausgerufen hatte, hat sie einige Mühe in die Wirklichkeit zurückzufinden. Sekundenlang ist sie verwirrt und sein zuversichtlicher Gesichtsausdruck, der undeutbare Blick aus den nilgrünen Augen, holt sie langsam auf den Boden der Realität zurück.  Er zieht sie hoch und hält sie fest an der Hand, damit sie ihm nicht abhanden kommt, während sie müde an seiner Seite zum Gate des kleinen Provinzflughafens taumelt. Sein Griff ist fest und prickelnd. Ein paar Sekunden lang hat sie den Eindruck, ihr Arm stünde unter Strom. Sie war betrunken. Die beiden weiteren Drinks, die er ihr noch eingeflösst hatte, ohne dass sie sich viel dagegen gewehrt hatte, taten ihr übriges. Ach, wie wohl sie sich doch fühlte. Irgendwie hatte er die Rolle von Philippe übernommen. Ihr Beschützer, der väterliche Freund. Oh nein, keine Frage! Da war viel mehr noch… Anscheinend war sie nicht fähig, ihr Schicksal allein in die Hand zu nehmen. Sie startete ihren fluchtartigen Aufbruch in ein neues Dasein, mit einem ziemlich bekannten Filmstar, hatte kein Heim, keine Bleibe und wusste absolut nicht, was aus ihr werden sollte und sie war betrunken und fand das sogar richtig Cool!

Ja, sie hatte nicht einmal ein Verhältnis mit diesem Mann, der dieser, sie begrüßenden Stewardess, zwei leuchtende Herzen in deren Augen zaubert, als sie die Gangway des Flugzeuges hochgeklettert waren.  Ohne seinen festen Griff wäre sie allerdings eher getorkelt. Sie gluckst lachend vor sich hin, und er grinst dazu sein unwiderstehliches Lächeln, und schreibt ihre gelöste und amüsante Reaktion der Wirkung des Cognacs zu, womit er nicht ganz falsch liegt, während die junge Flugbegleiterin das Lächeln für sich selbst bucht.

 

London. Stadt der Vielfalt, wo sich alteingesessene Traditionen mit moderner, alternativ schreiender Gegenwart bestens assoziieren.  Stadt der Windsors, der Könige, Ritter, Künstler und Poeten - Zentrum avantgardistischer Mode und Musik - Schmelztiegel der Kulturen. London fasziniert durch seine Gegensätze.  In kaum einer anderen Hauptstadt geht das Traditionelle, Nostalgische mit dem Neuen, Zukunftsweisenden eine so eindrucksvolle und aufregende Verbindung ein. Neben den vielen historischen Bauwerken, den Palästen und Kathedralen mit ihren Kunstschätzen, den Prachtstraßen und Parkanlagen paaren sich hier gleichzeitig unzählige Attraktionen der Moderne, und  das Neueste in Sachen Mode und Musik. Ausstellungen, Events jeder Art lösen einander ab, ergänzen einander oder machen sich untereinander Konkurrenz.

 

Die Sammlermesse war kein immer wiederkehrender Event, sondern sollte eine Art Experiment werden und zum ersten Male starten. Welche Stadt passte besser, außer vielleicht Paris oder Madrid,  um Sammler aller Welt hinter dem Ofen hervor zu locken oder aus ihren mit Ramsch und Kunst voll gefüllten Kammern und Kellern?

Amelie fliegt über den Wolken, das ist die eine Realität. Doch sie ist auch seelisch auf Wolken unterwegs, und ihr Kopf ist voll, zum Bersten voll. Voll, von nicht gekannten Gefühlen, Spannung, einer schleichenden Abenteuerlust und dieser stets anwachsenden Faszination, der sie mehr und mehr erliegt, und die von dem Mann an ihrer Seite ausgeht, als wäre er eine Art Satellit, der an sie bisher unbekannte, aber wonnige Impulse weitergibt, Impulse einer besonders lustvollen, vibrierenden Art, die sie atemlos machen und neugierig zugleich.  Neugierig auf mehr, was immer das auch mit sich brachte. Er kann es spüren und auch, dass der sich verflüchtigende Alkoholgenuss nicht der einzige Grund ihres Zustands ist.  Sie lässt zu, dass er sein Gesicht, während des Fluges, mehr und mehr dem ihren nähert, ja, sie sehnt es herbei, spürt das heftige Ziehen in ihrem Inneren, das sie, ganz richtig, als lustvolle Sehnsucht nach seiner Berührung auslegt. Philippe existiert nicht mehr, alles was vor Philippe gewesen war, Diese flüchtigen Abenteuer ihrer Studentenzeit, sind Teile eines anderen Daseins geworden. Ihre Sinne sind von seiner Gegenwart und Nähe entflammt, als hätte jemand eine brennende Fackel an ihr Nervensystem gehalten. Seine kosenden Lippen an ihrer Wange, seine Finger, die sich um die ihren schlingen, überzeugen sie mehr und mehr, dass sie ihn vom ersten Moment an begehrt haben musste, wenn auch ohne Eingeständnis ihrer selbst! Was geschah nur mit ihr? Sie ließ sich in aller Öffentlichkeit von einem fremden Mann zweifelsohne auf die ganz bestimmte Art anmachen, und fand das auch noch ergötzlich!

„Was denkst Du“, flüstert er an ihrem Ohr, und ihr Haar kitzelt seine Nase, sodass er an sich halten muss, um nicht zu niesen. Selbst Diese Gegebenheit findet er erotisch und hat große Lust, seine Hände noch ganz woanders umher wandern zu lassen, als nur auf ihren Handflächen und ihrem Oberarm. Die sie betreuende Stewardess trägt ein etwas eingefrorenes Lächeln zur Schau. „Haben Sie noch einen Wunsch, Mr. MacArthur?“ flötet sie, absichtlich das Techtelmechtel, das sich hier anzubahnen schien, unterbrechend. Bewusst zeigt sie, dass sie den Schauspieler sehr wohl erkannt hatte. Er schenkt ihr einen tiefen Blick aus seinen, oft so unergründlich Grünschillernden Augen und murmelt mit sonorem Tonfall, der jede Frau unweigerlich zum Erzittern bis ins Knochenmark gebracht hätte: „Gewiss, Miss! Gewiss habe ich so manchen Wunsch, aber ich Denke nicht, dass sie diejenige sind, die ihn mir erfüllen kann!“ Wenn die Frau betroffen ist, so zeigt sie es nicht. Schließlich waren die Flugbegleiterinnen, Objekte jeder männlich sexuellen Fantasie, gegen jede Art von verbalen Angriffen abgehärtet und wurden dazu ausgebildet, mit jeder Situation fertig zu werden, oder doch, zumindest mit fast jeder! Training war alles! Ihr Lächeln gefriert zu einer undurchschaubaren Grimasse und sie wendet sich ab, Amelie absichtlich ignorierend.

‚Arrogant bis ins Mark, ja, unverschämt! Sein Ruf stimmt also doch!’ denkt sie verärgert, aber nicht ohne Bedauern.

Als Dan sich wieder seiner Begleiterin zuwendet, sieht er ihren sinnenden Blick, der in die Unendlichkeit der blauen Weite schweift, der aufgehenden Sonne entgegen, die sich über den Wolken in einem strahlenden Gold offenbart. Ohne ihn anzusehen, vollkommen der Herrlichkeit der Schöpfung ausgesetzt, die ihr Gesicht, ihr Haar in gleißendes Licht taucht und die natürlichen Farben ihres Aussehens in eine facettenreiche Farbpalette verwandelt, murmelt sie etwas benommen von all der Herrlichkeit. Ihre leisen Worte paaren sich mit den stets wachsenden Gefühlen und Sehnsüchten für ihn, und werden fast unerträglich für einen einzigen Menschen: „Ich denke nicht, dass Du die Antwort nicht kennst. Du willst mich überrumpeln, Mister MacArthur“, witzelt sie und sieht ihn dann plötzlich doch an. Ihre Augen sind den seinen so nahe, dass sich ihre Wimpern berühren. „Ich habe noch nie zuvor eine solche Sehnsucht nach jemandem empfunden, als nach Dir. Kannst Du das spüren?“

Ihre Aufrichtigkeit und ihr sehnsuchtsvolles Geständnis überrumpeln ihn nur für Bruchteile einer Sekunde. Eigentlich hatte er eine eher verlegene, stockende Antwort erwartet, doch sie offenbarte sich ihm gleich einer voll erblühten Rose, die ungeduldig darauf wartete, von ihm gebrochen zu werden, während er sich ihren betörenden Düften und lockenden Reizen nicht länger entziehen konnte und wollte. Die Rosenknospe, für die er sie gehalten hatte, war längst schon erblüht, reif und offen, und harrte seiner. Er schluckt, bevor er sanft ihre Lippen küsst. Er muss an sich halten, um seine Erregung im Zaume zu halten und sie nicht mit leidenschaftlichen Küssen, hier vor all den Mitreisenden zu ersticken. Zärtlich verstohlen lässt er seine Zungenspitze über ihre halbgeöffneten Lippen gleiten und lässt dann von ihr ab, zähmt seine diskreten Liebkosungen, als der Pilot die bevorstehende Landung in wenigen Minuten durchgibt.

 

Während der Taxifahrt von Heathrow zu ihrem Hotel in Kensington, führt er mehrere Telefonate mit seinem Agenten, seinen Eltern und anderen Leuten, von denen sie natürlich keine Ahnung hat, um wen es sich handelt. Er ist mit dieser Tätigkeit so beschäftigt, dass sie genug Zeit hat, sich während der Fahrt umzusehen und festzustellen, dass sich London seit ihres letzten und einzigen Besuchs um kein Haar verändert hatte. Die einzigartige Atmosphäre dieser unvergleichlichen Stadt schlägt sie sofort in ihren Bann und außer ihren gemischten Gefühlen was die nächsten Stunden ihres Aufenthalts hier anbelangte,  nimmt sie die positiven und lebendigen Herzschläge der Metropole in sich auf und passt sich ihnen aus freien Stücken enthusiastisch an. Welch pulsierendes Leben, welche Vielfalt von Eindrücken, die auf sie einstürmen. Als er sich endlich aufatmend in die Wagenpolsterung zurücklehnt, sind sie bereits an ihrem Ziel angelangt. Das kleine Hotel im viktorianischen Stil, für das sie sich vor ihrer Abreise entschieden hatte, befindet sich in einer ruhigeren Strasse, abseits des Trubels. Sie hatte es einzig und allein der anmutigen Zimmer wegen, deren Fotos sie im Internet betrachtet hatte, ausgesucht. Ein Bau aus dem Jahre 1892, vollkommen restauriert, modernisiert und dennoch hatte es den verspielten Stil seiner Epoche beibehalten. Sofort hatte Amelie sich in dieses Haus verliebt, und ihren Aufenthalt dort gebucht. Sicher gab es Größeres, Luxuriöseres, vielleicht gar nicht viel mehr teuer als dieses hier, und doch, ihre Künstlerseele hatte in dem Haus eine vorübergehende Bleibe gefunden, die sie voll und ganz auszukosten gedachte. Dan schmunzelt amüsiert, als sie das Taxi verlassen und sieht sich den alten Kasten genauer an. Die perfekte Filmkulisse für ein schwülstiges Gesellschaftsdrama. Doch er hütet sich, seine gewagten Überlegungen auszusprechen!

„Es ist zauberhaft“, entfährt es ihr begeistert, während sie ihr Gepäck dem Chauffeur überlässt, der es bereitwillig in die Halle schleppt. „Hmm“, ist seine ganze Antwort, doch als er sich in dem Foyer des Hauses wieder findet, muss auch er sich eingestehen, dass die Atmosphäre etwas Besonderes an sich hatte. Keiner dieser modernen, viel zu großen Zweckbauten. Kein Lift, keine Schar von Bediensteten, eher ein Heim, - seine Urgrosseltern hatten vielleicht ähnlich so gelebt und gewohnt….

„Wie bist Du nur auf diese Idee gekommen“, grinst er erstaunt, als sie sich an die Rezeption wenden und ein älterer Mann, mit vollem weißem Haar, sie höflich lächelnd begrüßt und in seiner Hotelliste nachsieht. Keine Computerregistrierung, ein großes, dickes Buch mit Handschrift….

„Ich finde es faszinierend, und es hält durchaus, was die Fotos versprochen haben.“ Erklärt sie zufrieden lächelnd. „Es ist einfach…“ sie sucht nach den passenden Worten. „ ….Einzigartig“, kommt er ihr grinsend zu Hilfe. „Ja“, gibt sie zu. „Das trifft es genau!“ Als sie sein amüsiertes Grinsen bemerkt, boxt sie ihn neckend in die Seite. „Ich kann mir denken, dass Du etwas anderes gewöhnt bist, doch ich finde es wunderbar!“

Für Außenstehende nicht hörbar, murmelt er ins Ohr: „Es erinnert ein wenig an ein Bordell des vorigen Jahrhunderts, findest Du nicht? Ich meine, etwas schwülstig!“ Sie muss an sich halten, um nicht los zu brüllen. Er war ein Scheusal!

Der dicke, purpurfarbene Teppich schluckt jeden ihrer Schritte als sie das erste Stockwerk erklimmen und dem jungen Kofferträger bis zur Zimmertür folgen. Er schließt auf, lässt sie vortreten und sie findet sich in einem großen, geschmackvoll eingerichteten Raum wieder, der , fast anrüchig, von einem großem Doppelbett, auf der eine herrlich bestickte Seidendecke in kräftigen Farben liegt, beherrscht wird. Gepolsterte Sessel in ähnlichen Farben, ein dunkler, geraffter Vorhang teuren Stoffes und ein paar wertvolle, antike Möbelstücke vervollkommnen die Einrichtung. „Ein richtiges Puppenhaus“, wispert sie benommen. Mehrere Zierpolster häufen sich auf dem oberen Teil des Bettgestells und ein zierlicher Tisch bietet eine Glaskaraffe mit dazu passenden Gläsern dar und einige Süßigkeiten, sowie Telefon und Bestellkarten. Beim genaueren Betrachten des Raumes kann Dan mit Zufriedenheit einen, ebenfalls mit dunklem Holz verkleideten Kühlschrank entdecken, und hofft, dass der auch gut bestückt war.   

Als die Zimmertür ins Schloss fällt, lässt er sein Gepäck zu Boden fallen und blickt sie erwartungsvoll an. „Nun, ein paar Tage wirst Du es hier sicher ganz gut aushalten“, bestätigt er mit leiser Stimme. „Wenn es das ist, was Du willst“, fügt er hinzu und mit verschränkten Armen lehnt er sich an die geschlossene Tür und weidet sich an der momentanen, benommenen Reglosigkeit, die sich ihrer bemächtigt. Als ihr bewusst wird, dass sie nun wirklich vollkommen allein mit ihm ist, entsinnt sich ihr Herz und Verstand seiner Zärtlichkeiten, die er  mit ihr während des Fluges ausgetauscht hatte, und ihr Atem beschleunigt sich, während die aufsteigende Hitze in ihrem Bauch sie daran erinnert, wie sehr sie diesen Moment herbeigesehnt hatte. Wahrscheinlich viel länger als ihr bewusst war, und ihr Gefühlstrom wurde nur vorübergehend durch die dramatischen Ereignisse der letzten Tage auf Sparflamme zurück gestellt. Aber vielleicht hatte er ja nur mit ihr gespielt…

„Kann ich noch etwas für Dich tun, Kleines?“ fragt er sie mit einem kleinen Räuspern, das seinen Worten folgt. 

„Ich denke schon“, entgegnet sie mit leicht bebender und vor Erregung dunkler Stimme, als die Wucht ihrer Sehnsüchte sie bis ins Innerste trifft und schwindlig werden lässt.

Sie lässt sich in seine Arme fallen, klammert sich an ihn wie eine Ertrinkende, überlässt sich seinen fordernden Küssen, die sie mit ungestillter Sehnsucht und einer schmerzenden Gier erwidert, während er sie wie ein leichtes Kind hoch hebt, und sie ihre Beine um seine Hüften schlingt, sein Gesicht zwischen ihren Händen haltend, um es mit zärtlichen, kleinen Küssen zu bedecken.

Seine bärtig rauen Wangen reiben sich an ihrem Hals, und seine sinnlichen Lippen, seine fordernde Zunge, die den Ansatz ihres Busens liebkosen, entlocken ihr ein leises Stöhnen der Leidenschaft. Wie hatte sie nur so lange auf diesen Augenblick warten können? Es scheint ihr unverständlich, ganz und gar!

Dan lässt sie auf das einladende Bett gleiten, ungeachtet aller Bedenken und Fragen, die zwischen ihnen beiden noch stehen könnten. Denn es gibt nichts mehr, außer dieser begehrenswerten Frau, auf die er herabsieht und in deren schönen Augen die pure Lust geschrieben steht, und ihm, und er lechzt danach, endlich eins mit ihr zu werden, ihre Sehnsucht zu stillen.

Die weiche Nachgiebigkeit ihres Körpers, ihrer entflammten Sinne entfachen in Daniel ein lang zurückgehaltenes Feuer, dessen Glut er seit ihrer ersten Begegnung erahnt hatte und dessen vollkommene Entfachung er herbeisehnte, ohne weiter darüber nachgedacht zu haben. Er überlässt sich ohne Rückhalt den Wogen seiner übermächtigen Begierde, die ihn stärker und heiß durchfluten, je länger er sich in ihrem schmachtenden Blick verliert, und zieht Amelie mit sich in den Strudel seines lustvollen Sinnestaumels.

Sie entkleiden sich gegenseitig, zerren an ihrer Kleidung, ungeduldig, fieberhaft, im Taumel ungestillter Vorfreude, sich gegenseitig zu berühren und zu liebkosen, bis sie nackt beieinander liegen, und sich Sekunden lang am Anblick des anderen ergötzen, erwartungsvoll, zitternd, jeder beseelt von der Süße seiner ganz persönlichen Erregung. Ihre Hände finden sich, er küsst jede ihrer Fingerkuppe mit Bedacht und lässt sie nicht aus den Augen, in welchen er ihr glühendes Verlangen zu lesen vermag.

Er hält ihren Blick gefangen, der ihn anfleht, sie endlich ganz zu besitzen, so wie sie ihn besitzen wollte. Ihn zu spüren raubt ihr die Sinne, verbrennt sie mit Sehnsucht. Sie erwidert seine ungestümen Küsse mit unbändiger Leidenschaft und sehnt sich nach der Vereinigung mit diesem Mann, der wie ein Schmetterling in ihr wohl geordnetes Leben geflattert war und es von Grund auf, auf den Kopf gestellt hatte.

Ihre Schenkel öffnen sich lockend, ihre Beine umschlingen seine Mitte, drängen seine harte Erregung ins Zentrum ihres brennenden Fleisches.

Eine sinnliche Liebkosung stammelnd, kommt Dan ihrem Wunsche nach, und stöhnend dringt er wild in sie ein, mit einer Heftigkeit der Lust, als habe er diesen, ihm durchaus vertrauten Akt noch niemals zuvor durchlebt.

Ein lustvoller Laut entringt sich ihrer Kehle, und sie wölbt ihm ihren Leib entgegen, empfängt ihn mit süßem Entzücken. Ihre halb geschlossenen Augen glänzen vor Leidenschaft. Sie gibt sich ihm hin, mit einer nie zuvor gekannten Freude, sich jemand voll und ganz auszuliefern. Ihr ist, als habe sie ihr Leben lang auf diesen Moment gewartet.

Während er sie rückhaltlos mit seinen geschmeidigen Lendenwiegungen viel zu rasch zu einem explosivartigen Höhepunkt bringt, der ihr ein wimmerndes Stöhnen entlockt, das er sogleich mit einem wilden Kuss zu ersticken sucht, schwemmt auch ihn die süße Woge der Erlösung hinweg, wieder und wieder, bis an den Abgrund menschlicher Fleischeslust. Das pulsierende Toben in seinem Inneren scheint nicht enden zu wollen, und sein Verstand setzt erst nach und nach ein, als auch die letzten Wellen seiner Lust widerwillig verebben. Er kann ihr Zittern spüren, ihren warmen, bebenden Körper, den er noch so wenig kannte und ergründen wollte, an seiner schwer atmenden Brust fühlen, und ein unsagbares Gefühl von Zärtlichkeit droht ihn zu übermannen.

Sein dichtes Haar bedeckt wirr Stirn und Wangen, verleiht ihm einen unsagbar erotischen Ausdruck von verführerischer Wildheit. Vereinzelt, durch die Nachwirkungen seines heftigen Orgasmus, zucken noch krampfartig vereinzelte Muskeln auf seiner Brust. Sie hatte ihn vollkommen fertig gemacht, diese kleine Puppenmacherin, die ihr Leben zwischen Traum und kalter Realität zu meistern versuchte. 

Amelie blinzelt, als erwache sie aus einem unglaublichen Traum, überwältigt von der Wucht ihres Gefühlsausbruchs, überrascht von der ungeheuren Lust, mit der er ihren Geist und Leib erfüllen konnte. Er rollt sich langsam zur Seite, ohne sie dabei loszulassen, weil er es nicht ertragen könnte, sie nicht länger zu spüren. Kleine Küsse bedecken ihr Gesicht, die sie innig erwidert, bis sie ruhiger wird, den Rhythmus ihres Atems wieder findet und in seinem klaren Blick, der Faszination seiner schillernden Augen ertrinken will, untergehen, ohne nach Hilfe zu rufen, verschwinden, bis die Wellen seiner selbst über ihr zusammenschlagen.

Eins sein.

Wieder und wieder.

Ihre Haut schmeckt nach Honig und Jasmin, die seine, nach herben Moos und der würzigen Luft nach einem Gewitter, das eben über den Highlands niedergegangen war. Er hält sie wortlos fest, verzichtet auf seine Zigarette, die ihn nach solch ähnlichen Momenten immer gelockt und gerufen hatte und fragt sich, warum er nur solange gewartet hatte, sie zu lieben, wie eben jetzt. Um die verlorene Zeit tut ihm nun leid.

„War es….“ Er ist ein Idiot, jetzt solche Fragen zu stellen und könnte sich dafür die Zunge abbeißen.

„Ja“, murmelt sie und küsst das Grübchen auf seinem Kinn. „Oh ja, es war f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h!“ Sie betont, ein wenig amüsiert, jeden einzelnen Buchstaben des Wortes. Männer und ihr Ego…. denkt sie amüsiert bei sich, aber nicht ohne aufrichtiger Zärtlichkeit.

„Das ist es nicht“, berichtigt er rasch. „Ich wollte wissen“, beginnt er erneut und fixiert dabei den Kristallleuchter, der genau über seinem Gesicht baumelt. „Ob es mit ihm auch so war….“ Er war ein verdammter und typischer Macho! Warum störte er die Magie dieses Augenblicks mit solch primitiven Fragen -? schalt er sich selbst, doch es war gesagt. ‚Ich Tarzan, Du Jane….’

„Sprich nicht davon“, bittet sie leise. „Ich will alles vergessen, was war. Nichts kann mit dem verglichen werden, was ich eben empfunden habe, Dan! Das musst Du doch gespürt haben! Meine Zeit mit Philippe liegt Jahrhunderte zurück,“ lügt sie ein bisschen, denn der Gedanke an den Mann, de sie immer als ihren Beschützer vermeinte, hat einen bitteren Nachgeschmack, verbunden mit einer Prise Furcht…

Ihre Hände finden sich erneut, Finger verschlingen sich ineinander, Blicke verschmelzen, Lippen, Zungen, - Haut an Haut, Berührungen, die Spuren neu entflammender Sehnsucht hinterlassen. Doch diesmal gehen sie beide mit einer bewussten Bedächtigkeit vor, einer fast scheuen Erwartung und dem Bedürfnis, sich mit liebkosender Sanftheit abermals zu entdecken, zu erforschen, den anderen kennen zu lernen, sich ihm erneut zu schenken, ohne Hast und Gier, die sie beide zuvor, wie ein Orkan, übermannt hatte!

„Ich bin ein verdammter Narr“, murmelt er seine Entschuldigung, während seine Handflächen und Fingerkuppen spielerisch über ihre Formen gleiten, manche Stelle genauer ergründen und dort verweilen, da es sie zu verzücken scheint. Sein Streicheln entlockt ihr manchen Seufzer, während ihre kleinen, nackten Füße über seine Waden streichen, seine festen Muskelstränge mit wonnigem Behagen fühlen. Ihre Haut genießt die sanfte Fülle seiner weichen Körperhaare, als er sich behutsam an ihr reibt. Golden glänzende Härchen auf ihrem glatten, schlanken Leib.

Seufzend spürt sie, wie er sie erneut und geschickt dazu bringt, dass es sie abermals und heftig nach ihm gelüstet, mit einer Intensität, die ihr unbekannt war bisher.

Seine Erregung war so rasch zurückgekehrt wie er es noch nie zuvor mit einer anderen erlebt hatte. Zumindest erinnert er sich nicht daran. Diese Erkenntnis verwundert und befriedigt ihn zugleich. Sie war etwas Besonderes, dieses Mädchen aus der Provence. Er sollte sie nicht mehr gehen lassen.

Sein Verstand setzt für weitere Überlegungen dieser Art aus und sie windet sich unter seinen Berührungen, versucht sich ihm zu entziehen, weil sie meint, sonst vor Lust vergehen zu müssen. Kraftvoll zieht Dan sie auf sich, wo sie ihn stöhnend in sich gleiten lässt. Ihr Becken kreist auf seiner Mitte, sein kräftiger Unterleib pariert hart ihre rhythmischen Bewegungen, während seine Finger sie dort liebkosen, wo ihr beiden Körper miteinander verschmelzen. Amelie tanzt auf dem Grat eines Feuerspeienden Vulkans. Die Umwelt ringsum ist vergessen, versunken, ausgelöscht. Da ist nur er und diese unsagbare Lust, die sie beide miteinander verbindet. Sie schwebt empor, berauscht und in seiner Glut gefangen.  Diesmal ist sie es, die Sekunden später sein befreites Stöhnen aus seinem Munde trinkt, bis er daran zu ersticken droht. Als ihr pochendes Herz an dem seinen liegt, ihre Wange auf seiner Kehle, und ihr hechelnder Atem sich mit seinem mischt, während das rauschende Blut in ihren Ohren dröhnt, wäre sie am Liebsten nie wieder aufgestanden und an seine Seite gepresst liegen geblieben, bis ans Ende der Welt.

 

Die Sonnenstrahlen eines Frühsommertages stehlen sich durch die Falten der gerafften Vorhänge und erinnern sie daran, dass sie keineswegs in diese Stadt gekommen war, um sich und alles andere ringsum in seinen Armen zu vergessen, sondern dass eine Aufgabe auf sie wartete, die für Zukunft und auch Gegenwart äußerst wichtig war. Für ihr gesichertes Leben. Ihre Kunst ist ihr Broterwerb und hat sie bis heute recht gut ernähren können, so musste es auch bleiben.  Auch wenn sie keine Ahnung hatte, wann sie wieder ihrer Handwerkskunst, und vor allem, wo, in welchem Atelier, nachdem ihre Werkstatt abgebrannt war, nachgehen können würde, war es doch von großer Wichtigkeit, Kontakte zu knüpfen, Aufträge zu erwerben und Termine wahrzunehmen.

Träge schiebt sie alle Gedanken dieser Art beiseite. Doch noch liegt sie entspannt an seiner Seite, fühlt seine heiße, feste Haut an der ihren, und erliegt der wohligen Müdigkeit, die sich ihrer bemächtigt, während er dann doch nach den Zigaretten kramt, weil er es, trotz wiederholter Versuche noch immer nicht geschafft hatte, sich dieses ungesunde Laster endlich abzugewöhnen. Auch er empfindet es mehr als angenehm, ihren wohl geformten Körper zu spüren und lauscht nachdenklich ihren regelmäßigen Atemzügen, die besagen, dass sie in einen leichten Schlaf hinüber geglitten ist. Mehrere wichtige Termine lagen vor ihm. Ein neues Filmprojekt war geplant, er sollte sich die Sache einmal anhören und das Drehbuch dazu lesen. Er war noch unentschlossen, ob er die Rolle annehmen sollte oder nicht, trotz aller guten Zusprüche seiner Finanzausgerichteten Agenten. Eigentlich hatte er vorgehabt, ein paar Monate rein gar nichts zu tun und einfach nur auf der elterlichen Farm oder sonst wo in dieser Welt herumzuhängen und das zu tun, was er schon lange tun wollte, sich in die Einsamkeit irgendeines Landstrichs, vielleicht Australien, zurückzuziehen. Er hatte Vettern auf diesem entlegenen Kontinent, und wäre seine Geburt vor knapp vierzig Jahren nicht dazwischen gekommen, säßen seine Eltern wahrscheinlich ebenfalls zwischen Kängurus im Regenurwald, weil sie dorthin auswandern wollten. Das Land war dazumal billig und Farmer sehr gefragt. Und von Schafzucht verstanden seine Eltern jede Menge… Die Abenteuerlust seines Vaters saß ihm in den Knochen und die Ruhelosigkeit, die Reiselust und die Begierde, alles, zumindest jedoch viel Neues kennen zu lernen, war wohl sein ganz persönliches Markenzeichen. Er tut einen tiefen Zug, inhaliert den Pesthauch der Zigarette und unterdrückt ein Hüsteln. Es war wirklich an der Zeit, diesen Dingern zu entsagen! Shit! Welchen Platz Amelie für ihn momentan und sein zukünftiges Leben hatte, konnte er nicht wirklich beurteilen. Sie kannten sich kaum und hatten gerade mal einmal, besser gesagt, zweimal miteinander geschlafen. Der Sex mit ihr war mehr als befriedigend für ihn gewesen. Er sucht nach einer passenden Bezeichnung dafür. Umwerfend? Bombastisch? Phantastisch? Wahrscheinlich alles zusammen, vor allem aber hatte ihn keine Frau zuvor so dermaßen und tief bewegt, wie diese kleine Französin, die in seinem Arm schlummerte. Er mochte sie von Beginn an, wollte sie besser kennen lernen und konnte sie selbst während seiner Arbeit kaum aus seinen Gedanken verbannen, und dieser Typ, der sich für Napoleon zu halten schien, nervte ihn. Er empfindet die Schadenfreude darüber, dass er sie aus den Klauen des Besitzergreifenden Mannes befreit hatte als große Genugtuung! Er grinst vor sich hin und drückt den Zigarettenstummel in dem bereitstehenden kristallenen Aschenbecher aus. Es war viel zu früh, seine Gefühle richtig einzuschätzen oder gar Zukunftspläne ins Auge zu fassen. Er liebte seine Ungebundenheit, seinen freien Lebensstil. Das alles wegen einer Frau aufzugeben oder auch nur einzuschränken, kam ihm gar nicht in den Sinn. Am besten er ließ die Dinge laufen und wartete ab, was auf ihn zukam, - und auf sie…

 

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