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Di, 18.10.2005

 

Schweim: Arzneimittelfälschungen auch in Deutschland ein Problem

 

Arzneimittelfälschungen sind ein Risiko für die Patienten. In Deutschland vernachlässige die Regierung dieses Problem, sagte Prof. Harald G. Schweim, Lehrstuhlinhaber für "Drug Regulatory Affairs" am Donnerstag auf dem Kongress "Arzneimittelfälschung – ein unterschätztes Problem" in Bonn.

 

Zwar würden nahezu 70 Prozent aller Fälschungen in Entwicklungsländern entdeckt. Aber auch in Europa entfielen etwa acht Prozent der Gesamtausgaben für Arzneimittel auf gefälschte und entwendete Produkte. In Deutschland tauchen Schweim zufolge immer mehr Arzneimittelplagiate von bandenmäßig strukturierten Fälscherorganisationen auf. Einfallstore für Fälschungen seien besonders Re- und Parallelimporte.

Mit dem Internethandel von Arzneimitteln – der politisch gewollt sei – sei ein kaum abzuschätzendes Risiko verbunden, beklagte Schweim. Jedes zehnte per Versandhandel vertriebene Medikament sei laut WHO eine Fälschung. Dies hänge wesentlich damit zusammen, dass es für Verbraucher und Überwachungsbehörden faktisch unmöglich sei, legale Internetapotheken von illegalen zu unterscheiden, erläuterte Schweim.

Die Fälschungen selbst seien oft ebenso schwer zu erkennen. Kriminelle Banden infiltrierten sogar renommierte Hersteller, um an die Codierungen aktueller Chargen zu kommen, mit denen sie dann die Plagiate deklarierten. Nahezu perfekte Fälschungen könnten sogar bis in die legale Verteilerkette gelangen. Bezogen auf Großhandel und Apotheken seien dem BKA in den Jahren 1996 bis 2004 28 Verdachtsfälle bekannt geworden, berichtete Schweim. Dabei habe es sich vor allem um Packungsfälschungen gehandelt. Schlechte Fälschungen hätten dagegen allein im illegalen Vertrieb eine Chance. Besonders betroffen sei hier der Markt des Bodybuildings.