Lernzustandsregulierung
Zur Frage der verbesserten Lernzustandsregulierung über die Gehirnhälften und Lernzustandsregulierung überhaupt
Für die Frage, ob eine verbesserte Integration der beiden Gehirnhälften
zu verbesserten Lernergebnissen führt, sind einige Erkenntnisse der neueren
Gehirnforschung interessant. Neuere Forschungen an "split brain" Patienten
haben ergeben, dass es nach Durchtrennung des Corpus Callosum nur zu minimalen
Verhaltenskorrelationen kam. Das liegt daran, dass auch nach der Durchtrennung
die Informationen in beide Gehirnhälften gelangen. Bei optischer Informationsdarbietung
werden die Reize über die Sehnerven -bahnen weitergeleitet. Diese kreuzen
sich im Chiasma opticum, so dass die Information, zumindest teilweise, in beide
Gehirnhälften gelangt, auch wenn das corpus callosum durchtrennt ist.
Normalerweise wird bei einem Lernprozess das Gedächtnisengramm in beiden
Gehirnhälften abgelegt Diese sind der Ort, an dem eine gespeicherte Information
abgelegt ist. Sie gelangt dorthin über das Corpus callosum und auf Grund
der partiellen Kreuzung der Sinnesbahnen. Eine vollständige Unterbindung
dieses beidseitigen Transfers ist nur schwer zu bewerkstelligen. Auch bei nur
wenigen verbleibenden verbindenden Nervenbahnen kommt es zu einem vollständigen
Transfer in beide Gehirnhälften. Denn die Unterschiede betreffen die Modalitäten
der Informationscodierung, nicht aber die Speicherungsprozesse und die Inhalte
des Gedächtnisses.
Didaktisch aufbereitete Informationsvermittlung, wie sie im Unterricht geschieht,
kann keine links- oder rechtshemispärische Trennung erreichen und natürlich
auch nicht das Gegenteil, eine Verbesserung.
Die Informationsübertragung auf beide Gehirnhälften ist auf natürliche
Art schon so perfekt organisiert, dass man sich keine Steigerung durch didaktische
Maßnahmen vorstellen kann, die auf eine Verbesserung der Integration der
beiden Gehirnhälften abzielen und tatsächlich auch in diesem Sinne
etwas bewirken. (Prof. Dieterich, BW Univ. Hamburg).
Aber natürlich gibt es eine gewisse Funktionsdifferenzierung zwischen den
beiden Gehirnhälften. So führt eine Zerstörung des Brocas' schen
Zentrums zu einer Unfähigkeit zu sprechen, obwohl das Sprachverständnis
in Takt bleibt, für das das Wernicke'sche Zentrum in der rechten Gehirnhälfte
zuständig ist. Dessen Zerstörung wiederum führt zur Unfähigkeit
des Sprachverstehens bei Erhalt der Fähigkeit des spontanen expressiven
Sprechens. Die rechte Hirnhälfte ist bei der Analyse von Mustern der linken
überlegen, die linke wiederum bei sequentiellen und seriellen Analysen.
Für die meisten herausgestellten Hemisphärenunterschiede kann die
Forschung allerdings keine physiologischen Entsprechungen lokalisieren/benennen.
Wenn von linken Verarbeitungsmodalitäten gesprochen wird = abstrakt, realistisch,
objektiv, und von rechten Verarbeitungsmodalitäten = intuitiv, konkret,
impulsiv, subjektiv, so kann man damit keine faktischen hirnanatomischen oder
physiologischen Lokalisationen mentaler Aktivitäten meinen, sondern es
nur als metaphorische Umschreibung deskriptiver Charakterisierungsmerkmale der
Arbeit des Gehirns auffassen.
Beide Gehirnhälften haben in gleicher Weise an der Ablage von Informationen
teil. Daneben gibt es aber steuernde Einflüsse auf die Informationsspeicherung
durch subcorticale Strukturen. Von besonderer Bedeutung ist hier der Hippocampus
für die Gedächtnisleistungen. Die Zerstörung der Hippocampi führt
zu erheblichen Ausfällen beim Gedächtnis. Der Hippocampus ist die
vermittelnde Instanz zwischen Reizerregung und Gedächtniskonsolidierung.
Er ist aktiv in Form von lange Zeit bestehenden Schaltkreisen. Auch vom Septum
und vom Hypothalamus können positive oder negative Verstärkungen beim
Lernen ausgehen.
Dies Hirnteile haben zwar nicht Teil an der Gedächtniskonsolidierung spielen
aber bei lernmotivierenden Steuerungsprozessen eine Rolle, speziell bei Bekräftigungen
(reinforcements). Dieses Bekräftigungssystem besteht aus Neuronen, die
auf die Ausschüttung von Transmittersubstanzen wie Noradrenalin und Dopamin
reagieren.
Die Gehirnhälftenasymmetrie, gemessen durch das EEG mit unterschiedlichen Alphawellen, wird oft als Ursache von Lernineffizienz und psychischen Problemen angesehen. Doch gibt es hier noch keine gesicherten Ergebnisse der Hirnforschung.
Gedächtnisinhalte werden im Gehirn in Form von Proteinen = Gedächtnismoleküle abgelegt bzw. an Nervenzellen/Nervenbahnen angekoppelt. Es ist aber nicht möglich, Gedächtnisinhalte also die Moleküle direkt ins Langzeitgedächtnis, ohne Umweg über das Kurzzeitgedächtnis, zu verankern.
Eine Verbesserung des Lernzustands bzw. seine Optimierung kann/sollte auf ein
Zusammenwirken der beiden Gedächtnisspeicher abzielen. Sie bewirkt dann
und damit eine bessere Integration der beteiligten älteren und jüngeren
Hirnschichten/teile.
Eine Verbesserung des Lernzustandes durch irgendwelche Übungen wie sie
die Suggestopädie und andere anbieten, kann aber nicht die Integration
von linker und rechter Gehirnhälfte verbessern. Denn diese beiden Gehirnhälften
sind schon von Natur optimal miteinander neuronal verbunden, interagieren ständig
und umfangreich, bearbeiten zusammen dieselben Probleme und lösen sie zusammen.
Der Feststellung einer Aufgabenverteilung der Gehirnhälften entspricht
keine faktische hirnanatomische Realität die Lokalisation mentaler Aktivitäten
bei Denk und Kernprozessen ist so nicht möglich.
Immer noch wird der Hemisphärendifferenzierung und den Funktionsunterschieden
der Gehirnhälften ontische Realität zugesprochen. So, als könne
man eine Gehirnhälfte abschalten, bzw. könne eine Gehirnhälfte
abgeschaltet sein und man würde mit der einen abstrakt denken und mit der
anderen fühlen oder man könne die Art ihres Denkens nach dichotomen
Kriterien qualitativ unterscheiden. Die Neurophysiolgie vermag aber überhaupt
nur sehr schwer, anatomische Unterschiede dingfest zu machen. Was man nachweisen
kann, sind Schwerpunktverlagerungen der Gehirnwellenpower, Phasenverschiebungen
der Hirnwellen, Änderungen im Ausmaß der Alphawellen-Synchronisierung
und die Identifizierung von Rindenprojektionszentren, die mit Motorik, Codierung
von Sinneseindrücken mehr zu tun haben als mit Denken und Lernen. Allerdings
hat man fest-gestellt, dass bei manchen Lernstörungen und bei manchen Lernbehinderungen
ein starkes Ungleichgewicht in der Wellenaktivität der beiden Gehirnhälften
vorhanden ist und sich die Möglichkeit zur Lernverbesserung erhöht,
wenn es gelingt, die Hemisphärenaktivität wieder in Balance zu bringen.
Das ist dann aber auch schon alles, was an gesicherten Erkenntnissen vorliegt.
Aber natürlich ist folgendes richtig. Die einseitige Betonung von analytischer
Kognition und die Vernachlässigung der musischen und emotionalen Seite
des Lernens führen zu schlechteren Lernergebnissen "Inder Schule wird
zu viel gedacht und zu wenig gelacht." Doch für eine Verbesserung
des Lernerfolges bei konsequente Durchsetzung der Hemisphärentheorie gibt
die Hirnforschung keine Anhaltspunkte her. Huhns Statement (1990), dass ein
Schulunterricht, der einseitig das linkshemispärische Lernen betone, verfassungswidrig
sei, weil er auf das verbriefte Recht auf freie Entfaltung der Person verstieße,
ist also völlig überzogen.
Am Vielversprechendsten hinsichtlich des Lernerfolges ist wohl eine Mischung
aus analytischen, musisch intuitiven, aktiven und pseudo-passiven Lernaktivitäten.
Dieses Methodenrepertoire und das gezielte Ansprechen der unterschiedlichsten
Arten kognitiver Prozesse behält seine Berechtigung, gleichgültig,
was die beiden Hirnhälften damit zu tun haben.
Die kommunikationsbetonte Didaktik wird auch biologisch-hirnphysiologisch begründet.
Danach haben herkömmliche Vermittlungsformen d.h. grammatikbetontes Sprachenlernen,
deutlich unterschiedliche hirnphysiologische Verarbeitungsformen und Prozesse
der Gedächtnisspeicherung zur Folge als das beim natürlichen (Erstspracherwerb),
kommunikativen Sprachenlernen der Fall ist.
Die Muttersprache ist komponentenspezifisch in beiden Gehirnhälften repräsentiert:
Grammatik, abstrakte Begriffe, Sprachmotorik, Sprachanalyse sind linkshemisphärisch
repräsentiert; Wörter, konkrete Vorstellungen, Sprachausdruck, Intonation,
kommunikatives Verstehen, Singen, Gestik, Mimik sind rechtshemisphärisch
repräsentiert. Zu einem vollständigen Sprechakt ist die Interaktion
beider Gehirnhälften erforderlich. Andernfalls könnte man betonungsabhängige
Bedeutungsänderungen, Ironie usw. nicht verstehen. Grammatikbezogener Sprachunterricht
führt dazu, dass man ein Shakespeardrama übersetzen kann, aber nicht
dazu, im Ausland sprachlichungezwungen und situationsbezógen zu agieren.
Huhn spricht den Hirnhälften folgende Fähigkeiten und Aktivitäten
zu.
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Links: verbale, rechnerisch-mathematische, analysierende, funktionale, beurteilende, bewertende vergleichende, abstrahierende, ordnende zeitorganisierende Fähigkeiten und Techniken; logisches Denken, Begründen, Verwenden von Symbolen, Lernen von Definitionen, Zahlen, Größen, Fakten, Informationszusammenhängen |
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Rechts. Unbewusste Prozesse (Träume, Selbstdarstellungen), skurrile, paradoxe, plötzliche Einfälle, Bilder und Visionen, synthetisches ganzheitliches Denken, Erkennen von Mustern und Strukturen, Empfinden von Ästhetik, das so genannte Aus-dem-Bauch-Gefühl für das Richtige und Falsche. Fachübergreifender Bezug von Gespeichertem für die Gegenwart, Wissen, das sich nicht verbal ausdrücken lässt, Erkennen von größeren Zusammenhängen, ganzheitliches Erkennen, Erkennen und Verstehen von Analogien und Metaphern. |
Zum mehrkanaligen Lernen = Lernen mit allen Sinnen:
Ein solches Lernen wird als ganzheitlich verstanden.
Ganzheitliches = holistisches Lernen: Als ganzheitlich oder holistisch werden
alle die Lehrmethoden und Lernprozesse verstanden, die die erzielten Lernleistungen
stärker in das Gesamtgefüge der Persönlichkeitsstruktur des Lernenden
einbetten als dies die Lehr- und Lernarten tun, die vornehmlich von kognitiven
und motivationablen Leistungsvariablen ausgehen/abhängen/miteinbeziehen.
Der Begriff der Ganzheitlichkeit, wie er von manchen Konzepten zustandsregulierten
Lernens definiert wird, ist oft wissenschaftlich nicht ganz brauchbar oder nachvollziehbar.
Die gilt besonders für mit Ganzheitlichkeit verbundenen Vorstellungen von
rechts- linkshemisphärischem Lernen bzw. Hemisphärenintegration und
Spekulationen über die Ausschöpfungsraten der Gehirnkapazität.
Das Prinzip der mehrkanaligen = multisensorischen Informationsdarbietung ist heute Teil aller modernen wissenschaftlich fundierten Lehrmethoden.
Untersuchungen haben gezeigt: Wenn Schüler bei Mathematikaufgaben mit
Bildern und Grafiken, also anschaulich, arbeiten, ist der Lernerfolg größer,
als wenn beim Lernen nur ein Text zur Verfügung steht. Noch erfolgreicher
lernt, wer durch eigene Aktivitäten den Arbeitsprozess und seine Lösungen
überprüfen kann.
. Auch die Organisation der Information ist für den Lernerfolg von Bedeutung.
Eine andere, bessere Aufbereitung der Information führt zur leichteren
Aufnahme und Verstehbarkeit.
Fazit dieser Untersuchungen: Wenn verschiedene Sinneskanäle beteiligt werden
über optische, akustische und taktile Reize und wenn die Möglichkeit
des Lernens im eigenen Lernrhythmus besteht, verbessert das den Lernerfolg und
führt auch längerfristig zu einer besseren Behaltensleistung.
Allerdings muss man sich vor dem Irrtum hüten, dass die Informationsmengen,
die über die verschiedenen Sinneskanäle in die Verarbeitungsareale
des Gehirns gelangen, sich einfach addieren, also die Behaltensleistung einfach
eine Funktion der Summe der über die einzelnen Kanäle vermittelten
Speicherungsrate sei. Aber die Speicherungsrate wird gesteigert, wenn bei der
Informationsdarbietung mehrere Sinne angesprochen werden.
Für die Lern- und Behaltensleistung sind drei Begriffe wichtig und voneinander
zu unterscheiden.
1. Der Code, also das Symbolsystem der Informationspräsentation
2. die Sinnesmodalität also der angesprochene Sinneskanal
3. die mentale Repräsentation der Information im Gehirn bzw. das mentale
Format derselben.
Codieren bedeutet, einen Sachverhalt in informationshaltige Symbole umzusetzen,
sei es unmittelbar über das Symbol, wie bei vielen Pictogrammen, sei es
über soziale Vereinbarungen, wie bei den Zahlzeichen. Es werden verbale,
pictorale und numerische Codes unterschieden.
Modalität meint die Sinnesorgane und ihre Nervenbahnen, mit denen der Code
aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet wird. Von besonderer Wichtigkeit
für schulische Lernprozesse sind der visuelle und der auditive Kanal.
Die mentale Repräsentation bezieht sich auf das, was im Gehirn passiert.
Damit ist gemeint die Art der inneren mentalen Verarbeitung der ankommenden
Reize, das System des Abspeicherns und des Speichers z.B. verbaler und pictoraler
Speicher.
Man kann allerdings keinen einfachen, linear funktionierenden Transfer unterstellen,
etwa der Art: Lehrervortrag bedeutet: verbale Codierung, Rezipierung über
den auditiven Kanal, mentale Repräsentation in einem verbalen Speicher.
Das Geschehen läuft wohl viel komplizierter ab und selbst bei, Lehrervortrag
sind mehrere Sinne des Lernenden beteiligt.
Für die Lern- und Behaltensleistung ist die Art der mentalen Repräsentation
eines Sachverhaltes im Gehirn relevant, die über verschiedene Modalitäten
erreicht werden kann. Nicht die Multimodalität ist das entscheidende, sondern
die Multirepräsentation im Gehirn. Beispiel: Luthers Formulierung "Eine
feste Burg ist unser Gott" gelangt als verbal codierte Botschaft über
den auditiven Kanal ins Gehirn. Und besagt, Gott ist verlässlich, man kann
ihm vertrauen. Aber die Botschaft gelangt eben nicht nur zum verbalen Speicher,
sondern auch in den pictoralen Speicher "Bild der Burg" und so wird
das Verständnis der Botschaft noch verbessert und vertieft.
Multimodalität hat aber tatsächlich eine positive Auswirkung, wie
es Pivio in seiner Doppelcodierungstheorie begründet. Allerdings kommt
die Wirkung nicht einfach durch die Multimodalität zum Zuge. Wenn man ein
Buch mit Textillustrationen versieht und damit einen multimodalen Zugang erreicht
und das Verständnis des Textes erheblich verbessern kann, dann hat das
etwas mit dem "Picture-Superiority_Effekt" zu tun. Zusätzlich
zur verbalen Repräsentation (code) die den semantischen Speicher anspricht,
wird durch die Illustration im pictoralen Speicher ein Erkennen ausgelöst.
Multimodalität ist sehr wichtig, darf aber auch incht überschätzt und als der einzige, beste Weg zum Erfolg gesehen werden, wie das einige Richtungen behaupten. Es kann auch zu gegenseitiger Behinderungen bei den Modalitäten kommen, der so genannte Sekretärinnen-Effekt. Bei einem Dia-Vortrag führen rasch wechselnde Bilder zum verbalen Vortrag zu einer Abnahme des Behaltens. Dies gilt auch, wenn Zuhörer während des Vortrags gleichzeitig die projizierten Bilder oder Folien abzeichnen oder abschreiben. Sekretärinnen können nach Diktat schreiben und nach einer Vorlage schreiben. Ihre Leistung sinkt aber erheblich, wenn sie einen Text diktiert bekommen und gleichzeitig das Manuskript mitlesen.
Kephard definiert Lernbehinderung/Lernstörungen als Minderleistung bei der Integration von multimodaler/multidimensionaler Informationsverarbeitung. Ein entsprechendes Integrationstraining kann hier Lernverbesserungen erzielen. Hier können aber multimodale Darbietungen nach dem Maximierungsprinzip 2viel hilft viel" die Lernprobleme der leistungsschwachen Lerner noch erhöhen, da ja ihre Integrationsfähigkeit eingeschränkt ist.
Scheunpflug meint: Nicht alle Sinne eignen sich im gleichen Maß für
intentional angeregte Lernprozesse. Am bedeutsamsten sind der visuelle und der
auditive Sinn, die auch als einzige eine größere Reichweite haben.
Relativ weniger bedeutend ist dann der Tastsinn. So ist es nicht überraschend,
dass sich die Schule vorwiegend der beiden erstgenannten Sinne bei der Informationsvermittlung
bedient.
Eins muss man sich aber klar machen: Welche Sinnesreize schließlich auch
wahrgenommen werden, das wird vom Sinnesorgan und vom Gehirn und seine Aktivitäten
gesteuert und nicht von außen. Der philosophische Satz "Die Wirklichkeit
entsteht in unserem Kopf" drückt das richtig aus. Es gibt keine objektive
Bedeutung eines Reizes.
Eine vielfach anzutreffende Theorie besagt, dass besseres Lernen besonders dann
stattfinden könne, wenn man die Sinne miteinander kombiniere. Das ist nicht
falsch, wenn man die Erkenntnisse zum multimodalen Lernen ansieht. Aber die
Behauptung, dass die Wahrscheinlichkeit sich etwas zu merken, wenn man es nur
höre, bei 10 %, wenn man es höre und lese bei 20% liegt und bei Einschaltung
weiterer Sinne sich die Wahrscheinlichkeit weiter prozentual erhöhe, ist
so nicht haltbar. Diese Theorie unterstellt, dass bestimmte Sinnesreize einen
tieferen Eindruck hinterlassen als andere und die Kombination von Sinnesreizen
erfolgversprechender ist.
Man muss hier aber bedenken, das Gehirn wird nicht einfach durch die Sinnesreizungen
zu neuen neuronalen Verbindungen angeregt, sondern dadurch, dass die Sinnenreize
als Sinneseindrücke zugelassen(wahrgenommen) werden und diese dann im Gehirn
zu neuen Verbindungen führen, also einen Anschluss an schon bestehende
Verbindungen finden. Das Gehirn selbst entscheidet, ob es die Sinneseindrücke
verarbeitet.
Ein afrikanisches Sprichwort beschreibt diesen Sachverhalt treffend: Das Auge
schläft, bis der Geist es weckt".
Nicht jeder Reiz wird wahrgenommen. Die Chancen multimodaler Darbietung liegen
also nicht darin, dass die Kombination mehrerer Sinne zu einem besseren Ergebnis
führt, sondern darin, dass sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür
ergibt, dass eine Anschlussfähigkeit gefunden wird.
Viele schulische abstrakte Lerninhalte sind nur durch unsere beiden Fernsinne
zu vermitteln. Es gilt also, in der Schule diese beiden Sinne gezielt und differenziert
einzusetzen und vor allem die Rolle der Gefühle beim Lernen mit zu berücksichtigen.