WBVK - Info

02/2002

 

Liebes Mitglied,

Wir freuen uns, Ihnen die zweite Ausgabe der WBVK Info überreichen zu dürfen. Wir möchten versuchen Ihnen auf diesem Weg aktuelle und interessante Informationen zum Thema Holz und Wald zur Verfügung zu stellen.

 

Das Jahr der Berge

Die UNO hat am 11.12.2001 in New York das Jahr 2002 zum internationalen Jahr der Berge erklärt. Dabei ist die Bergwelt aus ganzheitlicher Sicht über Geologie, Flora und Fauna zu betrachten. Ein Viertel der Erdoberfläche besteht aus Bergen. Berge bieten einem Zehntel der Erdbevölkerung Lebensraum. Die Hälfte aller Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus den Bergen. Die UNO will auf den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Berge hinweisen.

Unsere Bergwelt besteht aus einer vielfältigen Flora: geschlossenen Waldflächen mit eingesprenkelten Mischbaumarten, übergehend in den subalpinen Waldgürtel -Großteils reine Fichtenbestände- und anschließender Kampf- und Krummholzzone, bestockt mit Grünerlen, Weiden, Birken und Latschenbeständen. Inmitten dieser Waldflächen findet stellenweise aktive Alpwirtschaft statt, die unsere Landschaft zu einer reizvollen und erholsamen Kulturlandschaft für Talbewohner und Gäste prägen.

Wald und Tourismus sind sehr eng miteinander verknüpft und sind unabdingbare Voraussetzung für den Lebensraum Alpen. Der Wald erfüllt zahlreiche Funktionen, der die Bewohnbarkeit und den Tourismus in unserer Region überhaupt möglich machen. Er schützt vor Lawinen, Steinschlag, Hochwasser, Erdrutschen und Bodenerosion. Die Hälfte unserer Waldfläche hat eine besondere Schutzfunktion, indem sie Siedlungen, Verkehrswege und Versorgungsleitungen direkt schützt. Weiters sind die vielfältigen Tourismusangebote auf funktionstüchtige Wälder angewiesen. Der Wald sorgt dafür, dass unser Tal bewohnbar ist, der Tourismus garantiert die wirtschaftliche Lebensgrundlage.

Somit liegt der Schluss auf der Hand: Ohne Wald kein Tourismus und vieles andere natürlich auch nicht. Wissen tun wir es zwar schon, aber so richtig ins Bewusstsein rückt uns die Tatsache erst, wenn wir uns eingehender damit befassen. Das Element Berglandschaft und -wald ist Rohstoff, Existenzgrundlage und Wirtschaftsmotor zugleich.

Dieses Ökosystem Wald gilt es zu erhalten und zu bewirtschaften. Nur ein gesunder Wald schützt auch gut! Luftschadstoffe aus Verbrennung fossiler Brennstoffe, Unternutzung bzw. vernachlässigte Bewirtschaftung, Witterungsextreme Frost, Kälte und Trockenheit, Insekten- und Pilzbefall, überhöhte Schalenwildbestände bzw. deren Lebensraumeinengung, Weidebelastungen, Rodungen, Varianten- und Tourenfahren usw. sind schädliche Einwirkungen auf unser Ökosystem.

Die Wälder in unserer Talschaft sind diesen schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Erste Schritte wurden in der Schalenwildbewirtschaftung durch die Reduzierung der Rehwildbestände und die Erstellung zweier Rotwildgatter getätigt. Das Gatter im Gemsteltal steht kurz vor der Umsetzung.

Die Bewirtschaftung unserer Wälder, End- oder Pflegenutzungen zeigen mangelnde Eingriffe. Langfristig können diese ungenutzten Altbestände und ungepflegte Fichtendickungen die von ihnen erwarteten Funktionen nicht mehr erfüllen. Bewirtschaftungserschwernisse Großteils durch mangelnde Erschließung, Strukturnachteile durch Kleinparzellierung und Holzpreiszerfall in den letzten Jahren, deuten auf keinen Wandel in der Waldbewirtschaftung hin.

Bewirtschaftete Wälder bieten einen wesendlich besseren Schutzerfüllungsgrad als unbewirtschaftete. Durch die Bewirtschaftung, zugleich Gewinnung des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz, werden großteils dunkle reine Fichtenbestände aufgelockert. Diese aufgelockerten Bestände lassen ein aufkommen von Jungbäumen, großteils von mehreren Baumarten zu (Voraussetzung angepasster Wildbestand). Stufige Aufbauformen und Mischbaumarten sind die Voraussetzung für stabile Waldbestände bzw. deren Schutzerfüllung. Können Wälder ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen, müssen technische Verbauungen zum Schutz der Siedlungsräume erstellt werden. Technische Verbauungen (Heuberg u. Gehrenspitze) sind nicht nur optisch eine Beeinträchtigung sonder teuer in Erstellung und Erhaltung. Technische Verbauungen nur zum Schutz gegen Lawinen liegen bei etwa einer halben Million Euro/ha.

Angepasste Waldbewirtschaftung bringt zum Erlös durch den Holzverkauf zusätzlich Sicherheit für unseren Lebensraum.

 

Rundholzmarkt:

Der Rundholzmarkt zeigt auf die Herbstmonate eine leichte Belebung. Ein Ausbleiben des erwarteten Käferholzes von der Sägeindustrie zeigt eine Nachfrage nach Frischholz guter Qualität zu mittlerem Preisniveau. Für Starkholz bestehen Absatzmöglichkeiten zu den Sägewerken nach Vorarlberg. Geplante Holznutzungen sollten im Vorfeld mit der WBVK abgesprochen werden. Nutzen Sie die Möglichkeit der Nachfrage von Holz. Holznutzung bedeutet Waldbewirtschaftung – ist Einkommensquelle für Waldbesitzer und Sicherung unseres Lebensraumes.

Da die erzielbaren Verkaufspreise von verschiedenen Faktoren bestimmt werden, ist eine generelle Aussage meist recht ungenau. Für aktuelle und fachkundige Auskünfte steht Ihnen jedoch WA Stefan Fritz gerne unter 0664 6255619 für Verfügung

Weiters ist die Waldbesitzervereinigung auch Kontaktadresse für Brennholzbereitstellung.

 

Der Bergwald (Folge 2)

Die standörtlichen Besonderheiten des Bergwaldes:

Standörtliche Besonderheiten prägen Waldbild und Baumartenzusammensetzung.

Mangel an Wärme

Ohne Wärme kein Wachstum. Bäume brauchen Wärme zur Bildung von Knospen, Nadeln, Wurzeln, Zweigen und Stämmen. Wärmemangel setzt den Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten in unseren Waldstufen Grenzen –Waldgrenze. Die Sommer kurz, die warmen Tage selten. Darum muss hier alles was zum Leben und Überleben notwendig ist, innerhalb kurzer Zeit vollbracht sein. Nicht verholzte Jahrestriebe fallen der Frosttrocknis zum Opfer, wenn sie über die schützende Schneedecke hinausragen. Verbuschung der Bäume an der Waldgrenze – Kammlage.

Hohe und langandauernde Schneedecken

Schnee spielt im Gebirgswald eine entscheidende Rolle. Hohe Schneedecken können die Waldverjüngung während mehr als einem Jahrhundert existentiell bedrohen. Schneepilze bedrohen Jungpflanzen, insbesondere die Fichte. Weiters werden durch die Schneedecke mechanische Schädigungen an Jungpflanzen durch die Schneeauflast, Schneesetzung, Schneekriechen, Schneegleiten, Schneerutschen und Lawinen verursacht.

 schneepilz-fichte1.png (158291 bytes)           Schneeschimmelgeschädigte Fichte

 

Starke Sonneneinstrahlung

Der Sonnenbrand nach einer Gebirgswanderung macht es auch für uns spürbar. Die Sonneneinstrahlung im Gebirge ist deutlich stärker als in tieferen Lagen. Zu starke Einstrahlung führt zu Überhitzungsschäden an Keimlingen und Sämlingen, vor allem an sonnenexponierten Hängen. Dunkelfarbige Nadelstreu und Moderauflagen nehmen besonders viel Wärme auf, so dass Oberflächentemperaturen über 80°C auftreten können. Überhitzung am Tag – Abkühlung in der Nacht. Wie gut das den zarten Keimlingen und Sämlingen tut, ist leicht vorstellbar.

 

 

Stürme und Borkenkäfer

Stürme sind normale Erscheinungen des Gebirgswaldes. Die Baumarten und der Bestandesaufbau sind diesen Belastungen entsprechend angepasst – sonst hätten sie nie überlebt. Vor Orkanen wie im Feb. 1990 und im Dez. 1999 ist kein Baum und Wald mehr sicher. Solche katastrophalen Ereignisse haben das hoffentlich nur ausnahmsweise deutlich gemacht.

Waldzusammenbrüche durch Schadholzereignisse, kränkelnde, geschwächte und überalterte Bestände sowie Monokulturen - Großteils von Fichtenbestockung - zeigen eine große Anfälligkeit für Borkenkäfer.

Nadelstreu-, Moder- und Humusauflage

Mit zunehmender Meereshöhe und abnehmender Wärme verlangsamt sich die Zersetzung der Nadelstreu. Auf der Bodenoberfläche bildet sich eine mächtige Rohhumusauflage. Für Keimlinge und Sämlinge bilden diese Humusauflage hemmende Keim- und Wuchsbedingungen.

Wuchernde und üppige Bodenvegetation:

Bei der Bodenvegetation handelt es sich meist nur um wenige Pflanzenarten, die sich in aufgelichteten Beständen breit machen. Meist handelt es sich um Farnfluren, Hochstauden von Alpenmilchlattich und Alpendost, Zwergsträucher usw.. Diese Flora wird durch eine ausreichende Wasserversorgung begünstigt, Zwergsträucher profitieren zudem vom Schutz der Schneedecke gegen Winterfrost. Solche Vegetationsteppiche sind verjüngungsfeindlich und erschweren leichtsamigen Nadelbäumen hier wieder Fuß zu fassen.

In der nächsten Folge erfahren Sie etwas über Wachstumsgang und Lebensdauer der Bäume in der subalpinen Waldstufe.

 

Informationsveranstaltung: Verbiß- Schutzmittel:

 

                   Verbiss-Schutzkappe

 

 Am Donnerstag, den 22.8.2002 um 20:00 Uhr wird in Riezlern im Riezler Hof (gegenüber dem Gemeindeamt) eine Informationsveranstaltung zum Thema Schutzmaßnahmen an Jungbäumen insbesondere Schädigungen durch Wildtiere. (Verbiss-, Fege- u. Schälschäden) abgehalten

Ein Referent berichtet in einer Abendveranstaltung ausführlich über chemische und mechanische Schutzmaßnahmen. Weiters erfolgt eine Vorstellung von Schutzhüllen die gleichzeitig die Jungpflanzen gegen Schädigung von außen schützen und zugleich durch Klimaverbesserung der Pflanze besseres Wachstum zubilligen.

Auch die Möglichkeiten von Schutzmaßnahmen innerhalb von Wintergattern werden angesprochen.

Zu dieser Veranstaltung laden wir und vor allem auch die Hegegemeinschaft Kleinwalsertal alle Interessierten recht herzlich ein.

Die Teilnahme ist kostenlos und bedarf keiner vorherigen Anmeldung

 

 WBVK Info 2/2002 im August 2002