Kammtour im Riesengebirge (Krkonose) von Harrachov nach Malá Úpa im März 2005 (Aktualisiert 2006)

Im Folgenden finden Sie eine Beschreibung einer Skitour zur kompletten Überquerung des Riesengebirges entlang des Hauptkamms auf dem "Freundschaftsweg" im März 2005 und 2006 inclusive GPS-Daten für das Kartographie-Programm Fugawi zum herunterladen. Anschließend noch ein Teil mit vielen praktischen Informationen, Fotos und Verweisen zur Reiseplanung.


Tag 1 Harrachov - Vosecká bouda
Vosecká bouda(GPS-Daten im Fugawi-Format herunterladen --> Wegaufzeichnung)

Ankunft in Harrachov am frühen Nachmittag. Da in Harrachov alle Pensionen belegt sind, wird die Entscheidung zum Aufstieg zur Vosecká bouda (Wossereckerbaude) getroffen. Der Weg beginnt hinter dem "Zentralparkplatz" (Fugawi-Wegepunkt, mißverständliche Bezeichnung, da er am Ortsende liegt) von Harrachov und verläuft zuerst in leichter Steigung im Mummeltal, am Mummefall vorbei auf einer gespurten Loipe.
Nach ca. 2 Stunden Aufstieg wird in der frühen Abenddämmerung die Vosecká bouda erreicht. Die Baude ist tagsüber für Wandergäste geöffnet und bietet Übernachtungsmöglichkeiten in Zweibettzimmern. Die Baude ist sehr alt und meines Erachtens die schönste Baude auf der beschriebenen Tour, da sie noch ihrer ursprünglichen Einrichtung belassen wurde. Auch wer dort nicht übernachtet, sollte auf jeden Fall einkehren; die Gaststube ist in jedem Fall einen Besuch wert ! Die Übernachtung inclusive Halbpension kostet ca. 500Kc.

 



Tag 2 Vosecká bouda - Spindlerpaß (GPS-Daten im Fugawi-Format herunterladen --> Wegaufzeichnung)

Von der Vosecká bouda wird nach kurzem Anstieg die tschechisch-polnische Grenze und der "Freundschaftsweg" erreicht. Von nun an gibt es keine gespurte Loipe mehr, z.T. gibt es Spuren von anderen Skifahrern, welche jedoch auch manchmal von Fußgängern zertreten sind (Hinweise zur Skiausrüstung s.u.). Der weitere Weg verläuft nun relativ flach an Stangen (alle 10m) entlang. Falls ein Schneesturm aufkommt, reduziert sich die Sicht auf wenige Meter und man muß sich an den Stangen entlanghangeln. Das Wetter ist jedoch phantastisch, ich empfehle die Tour daher im späten Winter durchzuführen und nicht im Dezember/Januar. Es liegt so viel Schnee, daß man auf Höhe der Baumwipfel läuft, da die Bäume komplett eingeschneit sind.
Nach ca. einer Stunde erreicht man eine ehemalige Baude bei Snezne jamy (Foto rechts), welche heute unbewirtschaftet ist und nur noch als Telegraphenstation benutzt wird. Dahinter hat man einen schönen Blick ins Tal von steil abfallenden Felsen aus.

Der weitere Weg führt über mehrere kleinere Gipfel entlang des Grats, welche jedoch manchmal das Abschnallen der Langlaufski erfordern und eigentlich eher für Tourenski geeignet wären. In der Tat kommt mir eine große Gruppe von Wanderern mit Tourenski entgegen; für die gesamte Tour halte ich aber Langlauf- bzw. besser sog. "Back-country"-Ski am geeignetsten.



Nach ca. 4 Stunden Skiwanderung über einige Gipfel erreicht man zuerst die Petrova bouda und anschließend den Spindlerpaß, wo es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Da die bekannteste Baude, die Spindlerova bouda (Spindlerbaude) durch eine Schulklasse belegt ist, quartiere ich mich in der etwas darüber gelegenen polnischen Baude Schronisko Odrodzenie ein. Diese Baude wurde in den 20er Jahren als Jugendheim gebaut und ist sehr groß, jedoch weniger gemütlich als die anderen Bauden. Heizung und Warmwasser sind nur grenzwertig warm, aber gerade noch ok. Die Übernachtung im Zweibettzimmer kostet ca. 500Kc, exclusive Kost, Mehrbettzimmer deutlich günstiger.
Im Sommer 2005 wurde die Spindlerova bouda leider komplett umgebaut und gleicht jetzt eher einem beliebigen, gesichtslosen Sporthotel nach westlichem Muster - jeglicher Charakter einer Riesengebirgsbaude ist komplett verloren gegangen. Der Bergwanderer wird sich daher hier eher deplaziert fühlen. Ob es noch Unterkünfte für Skiwanderer anstatt luxuriöser Hotelzimmer gibt, ist mir nicht bekannt (www.spindlerovabouda.cz). Tschechische Spezialitäten gibt es auch nur noch bis 1600 Uhr.

U.a. steht hier auch die Erlebachova bouda zur Übernachtung zur Verfügung.




Tag 3 Spindlerpaß - Scheekoppe - Lucni bouda (Wiesenbaude) - Jelenka


Die nächste Tagesetappe verläuft - hat man einmal den Anstieg direkt hinter dem Spindlerpaß geschafft - im Gegensatz zum vorigen Tag - eher flach über leichte geschwungene kleinere Gipfel und Plateaus, welche inclusive der Abfahrten mit Langlauf- bzw. Backcountry-Ski sehr gut zu gehen sind. Insgesamt eine wunderbare Wanderung durch fjällartige tief verschneite Landschaften.

Nach 3-4 Stunden erreicht man die Lucni bouda am Fuße des Anstiegs zur Scheekoppe (Sniezka). Der Anstieg zur Scheekoppe selbst ist kurz und steil und dürfte ohne Felle am Ski nur zu Fuß zu bewältigen sein. Leider wurde die historische böhmische Baude auf der Scheekoppe vor ca. einem Jahr abgerissen, sodaß am Gipfel auf 1602 Metern nur noch die sehr unattraktive ponische Baude in Form eines modernen Rundbaus steht. Theoretisch gibt es von der Schneekoppe eine wunderbare Aussicht, zum Zeitpunkt der Tour war der Gipfel jedoch in Wolken eingehüllt.

Nach dem Abstieg von der Schneekoppe auf der östlichen Seite erreicht man nach ca. einer weiteren Stunde die sehr schöne Baude Jelenka (Bild), welche aufgrund ihrer offensichtlich erst kürzlichen Modernisierung sehr zu empfehlen ist. Für die Übernachtung mit eigenem Schlafsack im Mehrbettzimmer inclusive Halbpension sind dort nur 240Kc zu zahlen. Wegen einer deutlichen Wetterverschlechterung mit Schneetreiben sah ich von einem weiteren Abstieg nach Malá Úpa ab und verbrachte die Nacht dort.


Tag 4 Baude Jelenka - Malá Úpa - Rückfahrt mit dem Bus nach Harrachov


Am nächsten Tag war die Abfahrt in das nahegelegene Malá Úpa als Endpunkt der Riesengebirgsdurchquerung durch tief verschneiten Wald trotz anhaltenden Schneetreibens kein Problem. An der Pomezny boudy in der Nähe der ponischen Grenze besteht in Malá Úpa Busanschluß, so daß man zum Ausgangspunkt der Reise zurückfahren kann. An einem Sonntag dauerte die Rückfahrt ca. 4,5 Stunden mit zweimaligem Umsteigen in Trutnov und Horice, an Werktagen vermutlich kürzer (ca. 150Kc).


Alle Bilder der Riesengebirgsdurchquerung sehen Sie hier (separates Fenster).



Praktische Informationen und Verweise

Bauden, Unterkunft und Verpflegung
Leider scheint es kein Verzeichnis aller Bauden mit den Öffnungszeiten, Angebot und Preisen zu geben. Bei allen von mir besuchten Bauden war die Übernachtung im Zweibettzimmer oder im Mehrbettzimmer möglich. Es empfiehlt sich, Halbpension zu wählen, da das Essen in der Regel sehr gut und reichlich ist. Sicherheitshalber sollte man eine kleine Ration an Verpflegung dabei haben; in der Tat war es aber während der Tour problemlos möglich sich komplett in den Bauden auf dem Weg zu verpflegen. Verglichen mit Preisen in den Alpen ist das Essen sehr preiswert. Eine Reservierung war auf dieser Tour zu dieser Zeit nicht erforderlich, da fast alle Bauden nur gering belegt waren. Bei Bauden mit Straßenanschluß (wie die Spindlerbaude) empfiehlt sich jedoch ein Anruf vorher, da sie auch von Reisegruppen besucht werden.
Ein Schlafsack war in keiner der besuchten Bauden erforderlich, in der Baude Jelenka war der Übernachtungspreis bei Verwendung eines eigenen Schlafsacks um 100Kc reduziert.
In allen Bauden wird Deutsch und auch etwas Englisch gesprochen. Ich empfehle, bereits an der Grenze eine ausreichende Menge Geld in tschechische Kronen zu tauschen. Tschechische Kronen werden auch in polnischen Bauden akzeptiert (dort alledings auf die Umrechnung achten!). Mit Euro kann meist ebenfalls bezahlt werden; man muß allerdings auf den Hütten mit einem schlechteren Kurs und Rückgeld ausschließlich in Kronen rechnen.
Die Gesamtkosten der viertägigen Tour in Tschechien (Unterkunft, Verpflegung, Parkplatzgebühr in Harrachov, Bustransfer) betrugen exakt € 100.

Anreise, Parken und Transport vor Ort
Die Anreise nach Harrachov geschieht am besten über Liberec (Reichenberg), was von Deutschland aus gut zu erreichen ist. Zufahrten von der polnischen Seite über das Riesengebirge nach Harrachov können im Winter gesperrt sein, viele Routenplaner berücksichtigen dies nicht !!! Am Ortsende von Harrachov kann der PKW auf einem bewachten Parkplatz abgestellt werden (Kosten: 180Kc für den ersten Tag, 150Kc für jeden weiteren Tag, ). Etwas preiswerter kann der Wagen beim "Sporthotel" (GPS: 50°45,75´N, 15°26,68´E, Fugawi-Wegepunkt herunterladen, an der letzten Abzweigung vor dem "Zentralparkplatz" in Harrachov rechts ab, dann noch ca. 1km rechts) für 70Kc abgestellt werden. Laut einer Informationsbroschüre gibt es in Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) einen bewachten kostenlosen Parkplatz; ggf. kann die Tour dort enden oder beginnen oder man fährt von dort aus mit dem Bus zum Startpunkt.
Harrachov und Spindlermühle sind wie die meisten Skiorte im Riesengebirge durch ein dichtes Netz von öffentlichen Bussen und Skibussen verbunden (letztere meist kostenlos). Dies erlaubt eine flexible Routenplanung auch ohne Auto.
Für die Planung einer längeren Tour sollte man vorher sich einen Fahrplan ausdrucken lassen unter http://www.idos.cz. Achtung: Malá Úpa muß als "Horní Malá Úpa" eingegeben werden, dann "Horní Malá Úpa,, Pomezny Boudy" wählen.
Der Freundschaftsweg verläuft auf der tschechisch-polnischen Grenze, entsprechende Reisedokumente sind daher immer mitzuführen!

Skimaterial
Nur ein sehr kleiner Teil der beschriebenen Tour besteht aus einer Loipe. Meist besteht keine oder nur eine rudimentäre Spur von vorherigen Skifahrern. Obwohl die Tour mit normalen Langlaufski machbar ist, empfehle ich wegen der größeren Haltekraft bei Steigungen und der Spurtreue sog. Back-country Ski, welche etwas robuster und geringfügig breiter als normale Langlaufski sind und Stahlkanten haben. Für Teile der Tour sind Tourenski durchaus angebracht, doch wird man damit auf den langen ebenen Strecken nur langsam vorankommen.
Bei stärkerem Wind kann es auf dem Kamm extrem kalt werden; die Kleidung und Ausrüstung sollte der einer Tour in den Alpen entsprechen.

Kartenempfehlung
Kompass-Wanderkarte Nr. 2056 "Riesengebirge", GPS-geeignet. www.kompass.at

Elektronische Navigation
Die o.a. Karte kann aufgrund der vorhandenen Koordinatengitter gut in das Programm Fugawi (www.fugawi.de) eingescannt und kalibriert werden. Anschließend kann man zuhause schon die Route planen, wesentliche Wanderwege als Route markieren und weitere Wegepunkte eingeben.

Hinsichtlich des mobilen Geräts gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Fugawi + Pocket PC + GPS-Maus
Aus Fugawi kann die eingescannte oder gekaufte elektronische Karte auf einen Pocket-PC mit Pocket-Fugawi (im Lieferumfang von Fugawi) und GPS-Maus übertragen werden. Die Benutzung des Pocket PC hat den Vorteil, daß man die Karte im Hintergrund weiterhin sehen kann und darauf die Position angezeigt wird. Der Pocket-PC erhält die Positionsdaten z.B. über Bluetooth von einer GPS-Maus, welche in der obersten Rucksacktasche liegt. Leider ist bei heller Umgebung der Bildschirm der Pocket-PC wenig kontrastreich.
Während die GPS-Maus ohne Probleme für 3 Wandertage ohne Aufladung auskommt, ist die Akkulebensdauer beim Pocket-PC häufig auf einen Wandertag beschränkt. Hier muß nach Möglichkeit jeden Tag nachgeladen werden oder mehrere Akkus oder ein sog. "Battery extender" (Pocket PC wird über einen externen Akkupack mit AA-Zellen bis zu dreimal mobil wieder aufgeladen).

2. Fugawi + GPS-Empfänger, z.B. Garmin eTrex
Bei der Verwendung eines Garmin eTrex-Empfängers besteht der Nachteil, daß nur vorher dorthin in Fugawi bestimmte und geladene Wegepunkte und Wege auf der Anzeige relativ zu eigenen Position erscheinen. Damit kann man jedoch immer noch die wesentliche Frage beantworten: befinde ich mich auf dem Weg, auf dem ich glaube zu sein ? Garmin vertreibt auch eigene Karten, jedoch sind diese meist für´s wandern nicht brauchbar, nicht verfügbar oder viel zu teuer. Günstig ist bei einfachen Empfängern, daß der Stromverbrauch wesentlich geringer ist und daß man auch unterwegs einfach die Batterien oder Akkus auswechseln kann und so länger unabhängig von einer Stromversorgung ist.

Die (Ski-)Wanderwege im Riesengebirge sind mit Stangen sehr gut markiert, die Beschilderung ist jedoch mehr als unzureichend. Wenn Nebel aufzieht, was aufgrund der tiefhängenden Wolken sehr oft passiert, kann man häufig nur noch raten, auf welchem Skiwanderweg man sich gerade befindet. Hierbei kann elektronische Hilfe insbesondere bei schlechter Sicht sehr nützlich sein.


Sonstige Verweise (jeweils in einem separaten Fenster)


Krkonose - Tschechisches Informationsportal zum Riesengebirge (dt.)
http://www.ergis.cz/krkonose/index.php?lang=de


Seiten der Stadt Spindleruv Mlyn (Spindlermühle), sehr informativ
http://www.mestospindleruvmlyn.cz/index.php?lang=2&ro=1

Touristeninformation Spindlermühle www.mestospindleruvmlyn.cz

Telefonnummern und Internetseiten der meisten tschechischen Bauden
http://www.mestospindleruvmlyn.cz/chata.php?lang=2&ro=1

Polnisches Portal zum Riesengebirge mit Telefonnummern der polnischen Bauden und Verweisen zu einigen Bauden, leider nur in polnisch...
http://www.karkonosze.sitenet.pl/schroniska.html

Informationen über Bauden beim deutschen Riesengebirgsverein
http://www.riesengebirgsverein.de/hv4rise2.htm

Hintergrundinformationen zum Freundschaftsweg bei den Naturfreunden Sachsen
http://www.naturfreunde-sachsen.de/sachsen/wanderungen/riesengebirge/freundschaftsweg.html

Sehr informatives Riesengebirgsmagazin in 5 Sprachen (liegt in den Touristeninformationen aus, die Internetseite ist bislang noch nur auf tschechisch)
http://www.veselyvylet.cz/

Nationalparkzentrum Riesengebirge mit naturkundlichen und geograph. Informationen (engl. Version verfügbar)
www.krnap.cz


Bauden:
www.spindlerovabouda.cz
www.labskabouda.cz
www.petrovabouda.cz

Weitere Orte:
PEC pos snezkou www.pecpodsnezkou.cz www.skipec.com
Horni Marsov www.hornimarsov.cz



... und schließlich: Verweis zum Wander- und Tourenmagazin des MDR "Biwak", dessen Team diese Tour im Winter gegangen ist und wegen Schneesturms abbrechen mußte. http://www.mdr.de/biwak



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