For what the horse does under compulsion is done without understanding; and there is no beauty in it either, any more than if one should whip and spur a dancer. Xenophon - The Art of Horsemanship
Indianisches Training - Wieso?
Pferde, die mit Gewalt und Unverständnis ausgebildet werden, machen im besten Fall unter den entsprechenden Reitern eine gute Figur. Sie werden aber ihr Leben lang nur soviel Leistung bringen wie unbedingt nötig, um der Konfrontation mit dem Trainer
- und später Ihnen als Reiter - zu entgehen. So werden Pferde "geformt", die zwar mehr oder weniger in der Spur laufen, aber mit
weggedrückten Rücken, Hektik, Schweifschlagen, offensichtlichen Unwillen und Unzuverlässigkeit zeigen, wie es um die "Ausbildung" wirklich bestellt ist.
Aus Sicht des Pferdes verständlich, schließlich wurde nur ein einziger Lernprozess gefördert:
Auf Druck/Schmerz schnellstmöglich Reaktion zu zeigen um weiterem Schmerz zu entgehen. Dazu zählt auch der Gebrauch von Sporen und Gebisse mit Anzügen,
die für ein Pferd ohne entsprechende Ausbildung schlicht Quälerei sind.
Mit "Kleinigkeiten" wie Unwillen beim Satteln/Trensen/Aufsteigen, scheinbarer Faulheit unterm Sattel oder "unberechenbarem" Verhalten zeigen Pferde sehr deutlich Defizite in der Ausbildung an.
Jeder Leistungssport hat seine dunklen Seiten. Aber im Pferdesport leidet vorallem das Pferd.
Weil inzwischen viele Reiter auch Pferdefreunde sind, nehmen Trainer und Reitlehrer öffentlich so oft wie möglich den Begriff "Horsemanship" in den Mund und
werben damit, echt "Horsemen" zu sein.
Doch was im täglichen Training passiert deckt sich sehr selten mit dem, was vor Zuschauern vorgeritten wird.
Zwar kann man auch in der Arena erkennen, welches Pferd arbeitseifrig, locker und vertrauensvoll Leistung zeigt, aber es gehört Mut dazu, die Augen zu
öffnen für die Quälerei, mit der viele Pferde Tag für Tag leben.
Jeder weiss, dass eine Sache nicht richtig wird, nur weil sie weitverbreitet ist. Wenn aber so viele berühmte, hochdekorierte, erfolgreiche Trainer ihre Pferde nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche trainieren,
gibt es dann überhaupt eine Alternative?
Ja! Pferde, die während der Ausbildung artgerecht trainiert werden, geben ein Leben lang ihr Bestes im Umgang und unterm Sattel. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Es liegt in der Natur des Pferdes, jede Situation bestmöglich zu meistern. Das schnellste, wachste, sozialste, kompromissloseste Pferd überlebt im Zweifelsfall.
Wenn wir als Reiter es also verstehen, sein natürliches Verhalten zu fördern, werden wir belohnt mit einem Pferd, das an seine physischen und psychischen Grenzen geht um die Aufgabe zu erfüllen, die wir ihm gestellt haben.
Noch besser: Das Pferd tut dies mit Freude und Eifer, ganz einfach weil es nicht unterdrückt, sondern seiner Persönlichkeit entsprechend gefördert und gefordert wurde.
Ob es sich um korrekt gesprungene Galoppwechsel, das Einsteigen in einen Hänger oder einen perfekten Sliding Stop handelt ...
Wären Sie nicht gern der Reiter des Pferdes, das sein Bestes gibt?
Hintergrund
Vor hunderten von Jahren schon verstanden es die Indianer Amerikas,
anderen Lebewesen Achtung entgegenzubringen und sie kennenzulernen wie die Natur sie geschaffen hat.
Sie waren nicht immer Horsemen, erst die Conquistadores brachten diese "großen Hunde" mit nach Amerika.
Weil die Indianer das Wesen Pferd zuerst zu verstehen und danach zu zähmen versuchten,
weil sie sich ihre "Ponies" zu Freunden machten, nicht zu Untertanen, wurden sie zum Reitervolk ... ihre Pferde arbeiteten
freiwillig: Ohne scharfe Gebisse, Sporen und Dominanztraining, sondern einfach weil sie lernen durften,
wie sie es schon seit 100000 Jahren tun.
Diese Indianerpferde lebten in halbwilden Herden und trotzdem wurde es ihnen zur zweiten Natur, sich
dem Menschen anzuschließen, sich auf ihn einzulassen und ihm zu vertrauen.
Für ihren Reiter gingen diese Pferde buchstäblich durch Feuer, liefen bis ans Ende ihrer Kräfte und jagten
ohne zu zögern durch Bisonherden und Kugelhagel.
Auch wenn für uns heute diese "Legenden" kaum zu glauben sind, für die Pferde damals war es natürlich, im Team mit
dem Menschen ihr Bestes zu geben.
Die Arbeit mit dem Menschen: Ob es sich dabei um eine Bisonjagd, eine Dressurprüfung oder eine Reiningpattern handelt, macht für das Pferd
keinen Unterschied. Die Natur diktiert dem Lebewesen Pferd sein Verhalten - an uns als Reiter liegt es, diese Vorgaben in die richtigen Bahnen zu lenken.
Jedes Mal wenn das Pferd uns zugesteht, eine Entscheidung zu treffen,
vertraut es uns aus seiner Sicht sein Leben an.
Vielleicht war dieses Opfer für die Indianer leichter zu begreifen als für uns heute,
weil für sie umgekehrt die Pferde ebenfalls überlebenswichtig waren.
Ob bei der Jagd oder im Kampf, der Reiter war von seinem Pferd abhängig.
Nur als Team konnten sie erfolgreich und sicher zusammenarbeiten.
Heute und Hier
Autos, Regenschirme, Planen und andere moderne Monster nehmen bei uns den Platz der Büffel ein,
Pferde sind meistens Freizeitpartner oder Leistungssportler, eher selten Jagdgefährten oder Kriegshelden.
Trotzdem kann nur ein Verlasspferd uns echte Höhenflüge bescheren: Spass, Sicherheit und Erfolg im Sport mit einem Partner, der gerne mit uns arbeitet.
Die Basis dafür ist, daß wir aus Sicht des Pferdes vertrauenswürdig sind.
Ein Weg unter Vielen
Kein Pferd kann sich in einen Menschen hineinversetzen. Umgekehrt schon eher.
Trotzdem zeigen viele Trainer viele Wege, ein Pferd "ganz einfach" zu dominieren.
Aber ein Wesen gewaltsam (psychisch oder physisch) und wider dessen Überzeugung zu unterdrücken,
hat früher oder später zur Folge, dass dieses Wesen sich entweder wehrt (diese mutigen, klugen Pferde nennt man dann Problempferde)
oder sich uns so weit es geht entzieht.
Diese Regel gilt noch viel mehr für das Wesen Pferd, dessen
gesamte Existenz von seinem extremen Bedürfnis nach Sicherheit geprägt ist.
Deshalb basiert die Beziehung Pferd/Mensch oft auf Zwang, erdultedem Schmerz und Toleranz - auf Seiten des Pferdes!
Die allermeisten Pferde investieren im Training und im Alltag gerade genug Gedanken an uns,
um Schmerzen und Strafe, Gezeter und Grobheiten
möglichst zu entgehen. Sie stumpfen uns gegenüber ab und würden sich im Zweifelsfall gegen uns entscheiden.
Aus verständlichen Gründen.
Die Alternative: Pferde sind NATURAL FOLLOWERS, ohne Zwang entscheidet sich ein Pferd FREI, mir zu vertrauen und zu folgen: Ganz einfach weil es mir glaubt, dass ich es beschützen und leiten kann.
Bin ich als Vertrauensperson etabliert, gilt es dieses Verhältnis langfristig zu festigen und zwar indem ich mich entsprechend
verhalte - im Alltag und beim Training. Jeder Umgang mit dem Pferd ist aus Sicht des Pferdes eine Lernsituation, aufhalftern ebenso wie Reiten.
Dem Pferd entgeht nichts, denn innerhalb der Herde basiert das Sozialverhalten untereinander zu 95% auf Körpersprache und aufmerksamer Beobachtung.
Jede unserer Handlungen spiegelt sich im Verhalten unseres Pferdes.
Auf Ebene des Pferdes arbeiten bedeutet: Mein Pferd zeigt mir die Wahrheit statt erzwungener Unterwerfung.
Es bedeutet aber auch die Gewissheit: Mein Pferd gibt sein Bestes für mich.
Für das Pferd ändert sich Einiges, wenn wir Menschen es zulassen:
Alltag und Training werden einfach und angenehm, statt schmerzhaft und beängstigend.
Für uns ändert sich: Das Pferd.
Mit ihm auf einer gemeinsamen Ebene arbeiten bedeutet, sein Pferd ganz neu zu erleben.
Wie umfassend die Verwandlungen sind, die Pferde jeden Alters und aller Reitweisen,
mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten und Trainingszielen zeigen und wie weit ihr Pferd für Sie zu gehen bereit ist,
wenn SIE bereit sind umzudenken ... diese atemberaubende Erkenntnis wünsche ich jedem Reiter.
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