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Das Meer Ursprung des Lebens
Seewasseraquaristik ein Stück Natur im Wohnzimmer
Seewasser ist einfacher als man denkt.
Allgemeines
In vielen Foren streiten sich die Teilnehmer darüber, was richtig und falsch ist. Jeder
will Recht haben, jeder weiß es besser. Für den Anfänger ist es schwer, zu
unterscheiden was er glauben soll und was nicht. Händler sind oft noch unwissender, als
praktisch erfahrene Seewasseraquarianer und denken häufig nur an den Umsatz.
Daher sollte man sich eine eigene Meinung bilden, ehe man sich an andere wendet,
um Rat oder Hilfe zu bekommen.
Vorab einige Punkte die man daher beachten
sollte.
- Überlegen sie genau, was sie wirklich einrichten wollen und was in
Zukunft im Becken leben soll
- Suchen sie keine Hilfe in Foren, ehe sie sich nicht vorher gut informiert
haben
- Sehen sie Händleraussagen kritisch und überdenken Sie, ob der Händler an
ihnen verdienen will
- Informieren sie sich mithilfe von guten Büchern und fragen Sie erfahrene Aquarianer
Selten gibt es ein generelles Rezept für das Einrichten eines Seewasserbeckens.
Kosten von einigen Hundert bis zu vielen Tausend Euro sind möglich je nach
Größe, Besatz und Technik.
Niemals kann man es erreichen, das biologische Gleichgewicht und die Stabilität
der Ozeane, in ein Aquarium zu bringen, sei es noch so groß. Dennoch ist ein
großes Becken immer biologisch stabiler, als ein kleines. Das ist auch logisch zu
begründen. Eine größere Menge an Wasser braucht auch eine größere Menge an
Schadstoffen, um zu kippen, als das weniger Wasser beinhaltende, kleine Becken.
Das gilt auch im Süßwasser und besonders im Seewasser.
Wenn man sich an einige Regeln hält und das Geld nicht dem nächst besten Händler in den Rachen
werfen will, kann man günstig ein stabil laufendes Seewasserbecken einrichten, das
nicht die Welt kostet. Voraussetzung dafür ist allerdings, etwas Geduld. Ohne ausreichende
Geduld, wird es nie etwas mit dem Seewasser und man sollte sich dann lieber
überlegen, ob man es nicht gleich sein lässt. Ansonsten steht dem kleinen
Wohnzimmerriff nichts im Wege, denn es ist einfacher als man denkt ein intaktes
Meeresbiotop zu schaffen, ohne den Bausparvertrag auflösen zu müssen. Im
Folgenden erkläre ich, wie man ein Seewasserbecken einrichten kann und sollte,
welche Technik benötigt wird, welche Gerüchte verbreitet werden und ich werde
versuchen, die am häufigsten gestellten Fragen zu beantworten.
Grundlagen
Wie ich bereits erwähnte ist Geduld einer der
wichtigsten Punkte, um erfolgreich ein Seewasserbecken zu betreiben. Ein
Seewasseraquarium braucht im Gegensatz zum Süßwasser, um einiges länger bis der
Besatz im Becken überleben kann. Während man im Süßwasser, schon nach einigen
Wochen, ein stabiles und für die Fische sicheres Biotop schaffen kann, dauert
dies im Seewasser oft Monate. Wer diese Zeit verkürzen will, sollte kein
Salzwasserbecken einrichten, weil das in den meisten Fällen schief geht.
Auch das Gerücht, dass eingefahrenes Wasser
aus einem bestehenden Becken die Einfahrphase verkürzt, sollte unbeachtet
bleiben. Zwar ist es richtig, dass unzählige Bakterien im Salzwasser vorhanden
sind, was auch in vielen Berichten im Internet nachzulesen ist, aber es handelt
sich dabei um Bakterien, die in unseren Becken keinem etwas nutzen. Argumente
von Leuten, die sich auf diese Berichte berufen und versuchen sogenanntes Wasser
zum animpfen zu verkaufen, sind in meinen Augen unseriös. Die Bakterien, die
wissenschaftlich nachgewiesen im Seewasser schwimmen, sind z.B.
Krankheitserreger oder andere zum Teil schädliche, pathogene Bakterien, die
niemand im Becken haben will. Zwar mache ich mir mit der Darstellung dieser
Tatsache viele Feinde, aber das nehme ich gerne in Kauf. Denn es gibt eine große
Anzahl von Anbietern, auch bei Ebay, die dieses Abwasser verkaufen. Meiner
Meinung nach grenzt dieser Verkauf an Betrug, wenn man weiß, dass es nichts
nutzt.
Die Bakterien die wir im Aquarium haben möchten,
siedeln überwiegend auf Substraten, Bodengrund, Gestein, an den Scheiben und an
anderen festen Gegenständen. Die im Wasser freischwimmenden Bakterien dieser Art
sind so wenige, dass dieses "eingefahrene" Wasser nur für die Toilette taugt.
Zum einen ist gebrauchtes Wasser aus einem eingefahrenen Becken qualitativ
minderwertiger, weil hier oft schon wichtige Mineralien und Spurenelemente
verbraucht sind und zum anderen weiß jeder, der sich mit dem Stickstoffkreislauf
auskennt, dass solche Bakterien, die man zur Beseitigung von Nitrit und Nitrat
braucht, nicht lange ohne Durchströmung und Sauerstoff lebensfähig sind. Wer kennt nicht den
Gestank eines biologischen Filters, der über Nacht wegen Stromausfall still
stand.
Verschickt man nun "eingefahrenes" Salzwasser,
wären die Bakterien bis zur
Ankunft beim Empfänger sowieso schon tot, wenn sie denn in brauchbarer Menge
vorhanden wären. Selbst wenn das Wasser beim Eintreffen
noch nicht stinkt, hat es keinen Nutzen und auch wenig Auswirkung auf die
Einlaufphase. Das einzige was es bewirken könnte, wäre eine Verkürzung oder ein
Ausbleiben der Algenphase, eben weil die dazu benötigten Nährstoffe bereits
verbraucht sind. Dazu bedarf es dann aber mehr als einem Liter gebrauchten
Seewassers. Also Finger weg von "eingefahrenem" Seewasser zum animpfen.
Wie funktioniert das nun mit den Bakterien?
Ich versuche das einmal so zu erklären, dass es auch
jemand versteht, der nicht Biologie studiert hat. Die Lebewesen im Aquarium geben
als Ausscheidung, über Kiemen und Ausscheidungsorgane, Ammonium ab. Ammonium ist
an und für sich in niederer Konzentration nicht sehr schädlich für den Besatz,
allerdings wandelt sich Ammonium ab einem PH-Wert über 7, zu Ammoniak, welcher
sehr giftig ist. Ammonium wird auch durch verrottete Proteine, Eiweiße und
andere biologische Verwesungen erzeugt.
Seewasser hat einen PH-Wert von ca. 8. Dadurch wird
reichlich Ammonium zu Ammoniak was für das Becken tödlich wäre.
Aufgrund des
vorhandenen Ammoniakvorkommens bilden sich Bakterien, sogenannte Nitrosomonas, diese haben
die Eigenschaft, den Ammoniak zu Nitrit zu verarbeiten. Aus Ammoniak NH4 wird
Nitrit NO2. Nitrit ist ebenfalls ein Gift für Fische und andere Organismen. Also
wäre auch in diesem Becken noch keine Überlebenschance für Fische und viele
andere Lebewesen. Da nun Nitrit vorhanden ist, bilden sich wiederum Bakterien,
die sich Nitrobacter nennen. Diese Bakterien oxidieren das Nitrit in
ungefährlicheres Nitrat. Die Behauptung, dass Nitrat nun für Fische ungefährlich
ist, stimmt auch nicht. Zwar sind Nitratwerte bis 50mg/l unbedenklich, aber
darüberliegende Werte fördern die Vermehrung von Krankheitserregern und schaden
dadurch dem Seewasserbecken und den Fischen. Ebenso gibt es inzwischen
ausreichend Beweise, dass hohe Nitratwerte die Widerstandskraft der Fische,
sowie innere Organe schädigen kann und das Wachstum hemmt. Nitratwerte über 10
mg/l schädigen aber auf alle Fälle Korallen, Anemonen und andere Weichtiere.
Anaerobe Bakterien schließlich, die eigentlich
Sauerstoff zum atmen benötigen, bilden sich auch in Zonen, die sauerstoffarm
sind. Hier benötigen diese Bakterien eine Kohlenstoffquelle, um das Nitrat
veratmen zu können. Dabei sind diese Bakterien nicht sehr wählerisch, von
Alkohol bis zu Zucker und Fischkot, nehmen diese Bakterien alles an um Nitrat
dann in Stickstoff und Lachgas zu veratmen, was dann beim Gasaustausch aus dem
Wasser entfernt wird. Nur so funktioniert das kleine Meeresbiotop.

Der Filter
Wer ein Seewasserbecken betreiben möchte, sollte
sich gleich mal vom Gedanken an einen biologischen Filter verabschieden. Im Seewasser gibt es
keinen zusätzlichen biologischen Filter. Ein Händler der Ihnen einen Filter
verkaufen will, hat keine Ahnung, oder will damit Geld verdienen. Selbst ein noch
so großer Filter hat nur Nachteile und ist gefährlich für das Seewasseraquarium.
Ein biologischer Filter, kann nämlich nur bis zur Stufe" Nitrat" alles abbauen.
Dadurch würde ein solcher Filter den biologischen Kreislauf, der sich im Becken
bilden soll unterbrechen und zur Nitratschleuder werden. das heißt, es würden
große Mengen an Nitrat gebildet, die ins Becken abgegeben werden. Ein Filter hat
also im Seewasser nichts verloren. Was aber filtert nun im Meerwasserbecken?
Das
ist ganz einfach, viel Gestein und eine gute Strömungspumpe sorgt für
Sauerstoffreiche und Sauerstoffarme Umgebungen, und stellt den eigentlichen
Filter des Beckens dar. Dieser Filter funktioniert ausgezeichnet, solange das
Gleichgewicht stimmt.
Um dieses Gleichgewicht zu erhalten, sorgt man im
Seewasserbecken dafür, dass überschüssige Proteine und Eiweiße beseitigt werden,
ehe diese durch Verrottung zu Ammonium oder Ammoniak reagieren. Gleichzeitig
bringt man ausreichend Sauerstoff ins Becken, in dem man einen
Abschäumer benutzt. Was ein Abschäumer ist und
was er bewirkt, erfahren Sie indem sie das Wort
Abschäumer anklicken.
Auch ohne Abschäumer ist ausreichend Sauerstoff im
Meerwasserbecken, wenn die Strömungspumpen die Wasseroberfläche gut bewegen.
Daher funktioniert auch ein Becken beim Ausfall des Abschäumers, Wochen lang ohne
Probleme. Lediglich der biologische Filter, der aus Lebendgestein und
Strömungspumpen besteht, hat mehr zu tun. Daher ist der Ausfall der
Strömungspumpen kritischer als der Ausfall eines Abschäumers. Wird ein Becken
über mehrere Tage, oder sogar oft nur Stunden nicht, oder unzureichend durchströmt, wird es kippen, das ist
sicher. Genauso wie ein verstopfter Filter im Süßwasser, wird sich das schnell auf
das Becken schädlich auswirken. Auf die Durchströmung ist das Riffgestein
unbedingt angewiesen.
Soviel vorab um zu verstehen, warum Geduld eines
der wichtigsten Kriterien im Seewasser ist. Weiter geht's nun mit der benötigten
Technik und dem Einrichten des Beckens. Zwar kling bis hier alles sehr
kompliziert, ist es aber nicht, denn es klingt alles nur so kompliziert, weil
alles erklärt wird warum und wie etwas funktioniert. In der Praxis muss man sich
nur an die Reihenfolge halten wie man etwas macht und eben Geduld haben. Ich
werde das am Schluss zusammenfassen.
Hier geht's weiter>
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