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ZWEITER TEIL. |
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Angewandte Farbkunde. |
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I. Abschnitt. |
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Messung der
Farben. |
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Neuntes Kapitel. |
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Messung der unbunten Farben. |
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Allgemeines. Da sich die Meßbarkeit als unbedingte Voraussetzung für
die Möglichkeit herausgestellt hat, die Farben in der vorstehend dargelegten
methodischen Weise zu ordnen, so könnte man denken, daß die Beschreibung des
Meßverfahrens der der damit erlangten Ordnung logischerweise hätte vorausgeschickt
werden müssen. Nun lehrt aber die Geschichte der Wissenschaft hundertfältig,
daß die Ausbildung genauer Meßmethoden erst eintritt, nachdem die
betreffende Wissenschaft im allgemeinen bereits eine recht hohe Stufe erreicht
hat. Überlegt man, daß eine solche Entwicklung wieder von dem Vorhandensein
zuverlässiger Messungen abhängt, so findet man sich in einem Zirkel und denkt
an Münchhausen, der sich an seinem eigenen Zopfe aus dem Sumpf gezogen hat. Tatsächlich
ist ein solches Wunder nicht nötig, um diese Entwicklung zu ermöglichen. Am
Anfange, wo es sich um die allgemeinen und umfassenden Gesetze handelt,
genügen verhältnismäßig grobe Messungen, um sie in ihren Grundzügen
festzustellen. So hat z. B. Faraday
sein elektrolytisches Gesetz durch die Anzahl von Schichten jodkaliumhaltigen
Filtrierpapiers geprüft, auf denen der durch eine |
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139) |
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gewisse Elektrizitätsmenge an der Anode erzeugte Jodfleck
sichtbar geworden war. Hat man so die allgemeinen Verhältnisse kennen
gelernt, so hat man auch die wesentlichen Bedingungen erfahren, die man zur
Erzielung guter Messungen einzuhalten hat. Jede derartige Verbesserung des
Meßverfahrens hat zur Folge die Entdeckung neuer Fehlerquellen, deren
Einfluß bei der früheren rohen Messung nicht erkennbar werden konnte. Ebenso
lehrt die inzwischen eingetretene allgemeine Entwicklung des Gebiets solche
Einflüsse erkennen und vermeiden. Und so helfen sich reine Wissenschaft und
angewandte Meßkunde gegenseitig weiter. Jeder jeweilige Zustand der
Wissenschaft ermöglicht nur einen entsprechenden Genauigkeitsgrad der
Messungen, nämlich bis zum Bereich der noch nicht entdeckten Fehlerquellen.
Und jede Bemühung, diese Genauigkeit zu steigern, läßt solche neue
Fehlerquellen entdecken und trägt damit etwas zum allgemeinen Fortschritt
der Wissenschaft bei. So ist es
auch in der Farbenlehre gegangen, wo die Entwicklung zur messenden
Wissenschaft sich bisher in einer Hand vollzogen hat. Die ersten Messungen
waren roh und die ersten Meßgeräte primitiv genug, aus zufällig vorhandenen
Teilen mit Kork, Pappe, Siegellack und Leim zusammengebastelt. Und ich habe
absichtlich diesen Anfangszustand ziemlich lange beibehalten. An einem vom
Mechaniker gelieferten Gerät lassen sich Verbesserungen nicht so leicht
anbringen, wie am hausgemachten von Kork und Pappe. Wissenschaftliche
Apparate haben aber ebenso ihre Entwicklungs- und Anpassungsgeschichte, wie
sie uns an den Lebewesen geläufig ist. Es müssen erst eine ganze Anzahl
ungenügend angepaßter Formen zugrunde gehen, ehe sich die Dauerform
gestaltet, die den Kampf ums Dasein siegreich übersteht. Und es ist gut,
zuerst nach der geistigen Seite eine solche angepaßte Form in vergänglichem
Material zu schaffen, ehe man ihr in Messing und Stahl auch eine physische
Dauerform geben läßt. |
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140) |
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So habe ich
u. a. das nachstehend beschriebene Halbschatten-Photometer ziemlich lange
in einem aus Pappe mit papierenen Skalen und primitiver Handverschiebung hergestellten
Exemplar benutzt und damit recht gute Messungen erzielt. Die geringe
Starrheit des Baustoffes hat mich genötigt, auf die grundsätzliche
Beseitigung von Fehlermöglichkeiten das größte Gewicht zu legen und mich nicht
auf die Geschicklichkeit des Mechanikers zu verlassen, die auch
unvorteilhafte Anordnungen unschädlich machen würde. So konnte ich die
lebensunfähigen Entwicklungsstufen in das Pappenalter verlegen, wo sie keine
erheblichen Verluste bedingten; die hernach nach den Regeln der Kunst ausgeführte
Gestalt hat inzwischen sich als dauernd lebensfähig erwiesen. Ich bin auf
diese Dinge näher eingegangen, weil sie heute von viel größerer Bedeutung
sind, als vor zehn Jahren. Damals war mechanische Arbeit wohlfeil, und es
war mehr Gewohnheit, die mir aus meiner knappen Jugend geblieben war, wo ich
meine wissenschaftlichen Leidenschaften mit sehr geringen äußeren Mitteln
befriedigen mußte, als äußere Notwendigkeit, die mich diesen Weg gehen ließ.
Heute arbeitet die Wissenschaft in Deutschland unter den bedrängtesten
Verhältnissen, da der ungelernte Arbeiter einen unverhältnismäßigen Teil
des Volkserwerbs für sich beansprucht und die Wissenschaft, von der er
nichts weiß, darben läßt. Wir müssen deshalb heute sorgsam darauf achten,
mit den geringsten äußeren Mitteln gedanklich das Beste zu leisten, damit das
höchstwertige Erzeugnis unseres Volkes; das unsere Stellung in der Völkergemeinschaft
dauernd bestimmt, nämlich unsere wissenschaftliche Arbeit keine Einbuße
erfährt. Das Halbschatten-Photometer. Die
Messung unbunter Farben ist eine Aufgabe der Photometrie, die ganz wohl mit
den früher vorhandenen Geräten hätte geleistet werden können, nachdem man
sich über das Grundsätzliche klar geworden war. Doch sind diese Geräte ganz
vorwiegend zur |
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Messung absoluter Lichtstärken von
Lampen, Kerzen usw. ausgebildet worden, während wir es hier mit Rückwerfungswerten,
d. h. relativen Lichtstärken zu tun haben. Dadurch läßt sich die
erforderliche Einrichtung sehr vereinfachen. An anderer
Stelle (Physikalische Farbenlehre, 2. Aufl., S. 78) habe ich grundsätzlich
die verschiedenen Möglich |
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keiten entwickelt, die Aufgabe zu lösen. Diese Untersuchung
soll hier nicht wiederholt werden; es wird genügen, die Form zu beschreiben,
welche das Meßgerät nach der oben angedeuteten, Entwicklung angenommen hat. Das
Halbschatten-Photometer oder der Hasch besteht aus einem durch eine Längswand
geteilten lichtdichten Doppelkasten, auf dessen Boden die zu vergleichenden
Farben gelegt werden. Im Deckel ist das Doppelprisma des Wolf |
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schen Kolorimeters, Fig. 22,
angebracht, welches die Lichtmengen der beiden Farben in das Gesichtsfeld
leitet, wo sie scharf nebeneinander je einen Halbkreis ausfüllen, Fig. 23.
Eine verschiebbare Lupe, die auf die obere Prismenkante eingestellt wird,
macht die Ablesung bequemer. |
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Ihre
Beleuchtung erhalten beide Farben durch einen schrägen, längsgeteilten Schlot,
Fig. 24, der oben durch zwei verstellbare Spalte verschlossen ist. Er machte
einen Winkel von 1/8 oder 45° mit der Wagerechten, entsprechend
der allgemeinen Vorschrift, daß die |
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Betrachtung und Messung aller Flächen
senkrecht zur Fläche, aber mit 45° Lichteinfall durchgeführt werden soll. Zur
Lichtmessung dienen zwei Stellspalte, die den Schlot oben verschließen. Sie
sind 50 mm hoch und können etwas über 50 mm weit geöffnet werden, Fig. 25.
Die Verstellung erfolgt am besten durch Zahn und Trieb, weil die Einstellung
bei schneller Bewegung hin und her viel sicherer |
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erfolgt, als
bei langsamer Schraubenbewegung. Das einfallende Licht wird durch eine
zerstreuende Schicht, am ein |
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fachsten paraffiniertes Papier,
gleichförmig zerstreut; dann ist der Lichtstrom proportional der Flächengröße
und kann an der Skala der verstellbaren Spaltplatte abgelesen werden. |
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Diese ist in 100 halbe Millimeter geteilt; der
Zehntelnonius gestattet Ablesungen auf 0,001 der größten Öffnung. Man legt
zunächst zwei Karten Normalweiß in den Kasten, wobei dafür gesorgt werden
muß, daß sie in gleicher Ebene liegen. Dies geschieht durch Rahmen, welche in
Führungen laufen und die wirksamen Teile des Feldes frei lassen. Dann öffnet
man den linken Spalt bis 100,0 und sieht das kreisförmige Gesichtsfeld durch
einen senkrechten Durchmesser in zwei Hälften verschiedener Helligkeit geteilt.
Es ist dasselbe Bild, wie in den bekannten Halbschatten-Polarimetern, daher
der Name. Man bewegt nun den Trieb des rechten Spalts, bis beide Hälften
gleich hell erscheinen, und liest an der Teilung ab. Die Einstellung wird
10mal wiederholt, wodurch man seine persönliche Schwelle kennenlernt und
einen guten Mittelwert erhält. Ist das
Gerät und die Beleuchtung genau symmetrisch, so ist dieser Mittelwert
gleichfalls 100,0, mit Abweichungen, die dem Einstellungsfehler entsprechen.
Meist findet man einen anderen Mittelwert, der um ein Geringes größer oder
kleiner ist. Auf diesen stellt man den rechten Spalt ein. Soll nun eine Messung
gemacht werden, so kommt das zu messende Grau in den Rahmen der rechten
Seite, während links das Normalweiß liegen bleibt. Man bewegt nun den linken Spalt über dem Normalweiß so lange,
bis wieder beide Hälften des Gesichtsfeldes gleich erscheinen, wobei die
Trennungslinie verschwindet, die vorher durch den Kontrast sehr deutlich
war. Ein schnelles Hin- und Hergehen um den Gleichheitspunkt erleichtert die
Beurteilung; man sieht das Licht dabei gleichsam nach rechts und links umschlagen,
wie die Seiten eines Buches. Man liest ab und wiederholt die Einstellung, um
den Fehler zu verkleinern. Meist genügen 5 oder 3 Einstellungen. Ein häufiger
Fehler wird durch die Nachbilder bewirkt, welche ein sehr ungleich
beleuchtetes Gesichtsfeld hervorruft. Da man meist die Helligkeit des
Meßlings bereits annähernd kennt oder mittels der kleinen Grauleiter in |
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einem Augenblick bestimmen kann, stellt man den Meßspalt
ungefähr richtig, bevor man hineinschaut; dann sind die Nachbilder gering.
Durch Ausruhen des Auges verschwinden sie meist in weniger als einer Minute.
Personen mit langdauernden Nachbildern sind daher für solche Arbeit wenig
geeignet. Läßt man das
Normalweiß längere Zeit im Hasch offen liegen, so dunkelt es bald durch Staub
und wird fehlerhaft. Um sich das lästige jedesmalige Einlegen, wobei es
gleichfalls leicht Not leidet, zu ersparen, legt man links einen ohne
besondere Vorsicht hergestellten weißen Aufstrich ein, den man dauernd im
Hasch beläßt, öffnet den linken Spalt auf 100,0, legt rechts Normalweiß ein
und stellt rechts auf Gleichheit ein, wobei, wie früher, ein Mittelwert aus
10 Ablesungen genommen wird. Alsdann kann man mit dem linken Weiß so
fortarbeiten, als wäre es Normalweiß. Nur muß man von Zeit zu Zeit das
Normalweiß rechts einlegen und die Einstellung verbessern, wenn das linke
Weiß durch Staub dunkler geworden ist. Dies geschieht anfangs schneller,
später sehr langsam. Auch ist zuweilen die Beleuchtung trotz des
zerstreuenden Schirms vom Sonnenstande abhängig, namentlich wenn draußen
starke Helligkeitsunterschiede unsymmetrisch verteilt sind. Man wird daher,
zumal anfangs, die Normaleinstellung häufiger wiederholen, bis man das
Verhaltendes Hasch genauer kennen gelernt hat, und insbesondere vor wichtigen
Messungsreihen eine Kontrolle nicht unterlassen. Die
Aufstellung des Hasch erfolgt am Nordfenster eines Dunkelraums, indem
zwischen dem Rahmen- des Doppelspalts und dem Fenster eine lichtdichte
Verbindung aus Pappe oder Tuch hergestellt wird. Anstelle eines Dunkelzimmers
kann auch ein aus Holzstäben und Pappe erbautes Dunkelzelt dienen, ähnlich
den für photographische Zwecke hergestellten beweglichen Dunkelkammern. Vollständiger
Ausschluß von Nebenlicht ist aber nicht notwendig (außer bei der Messung
sehr tiefer Schwärzen) da |
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die helleren Gebiete besser eingestellt werden, wenn das
Auge nicht völlig auf Dunkel adaptiert ist. Das Normalweiß. Als
Oberfläche, der bis auf weiteres die Helligkeit Eins zugeschrieben wird, dient
eine hinreichend dicke Schicht von reinstem gefälltem Bariumsulfat
(Permanentweiß). Man entfernt aus einer Chlorbariumlösung die etwa
vorhandenen Schwermetalle durch etwas Schwefelbarium (oder Schwefelnatrium),
fällt mit etwas überschüssiger Schwefelsäure und wäscht gut aus. Die im
Handel erhältlichen besseren Sorten Barytweiß genügen meist den Ansprüchen. Da das
Bariumsulfat schlecht deckt, so muß die Schicht hinreichend dick genommen
werden und darf nur wenig Bindemittel enthalten. Am radikalsten ist der
Vorschlag von W. Douglas, das Weiß
als Pulver in einer flachen Schale zu verwenden und seine Oberfläche durch
Aufdrücken eines Mattglases zu ebnen. Mit einer Lösung von 2 Proz. weißer
Gelatine erzielt man genügende Bindung und hat die erhebliche Bequemlichkeit
einer festen Schicht. Der Träger wird zweckmäßig mit Zinkweiß (Helligkeit
0,95) vorgestrichen. Mit dem Pinsel ist es nicht leicht, eine genügend
dicke, und ebene Schicht (mindestens 5 Aufstriche) zu erzielen; sie muß
zuletzt jedenfalls abgeschliffen werden (mit einer gleichen Schicht), um die
Pinselspuren zu entfernen. Leichter erzielt man einen genügenden Auftrag mit
dem Zerstäuber. Die Deutsche Werkstelle
für Farbkunde (Dresden-N., Schillerstraße 35) liefert zuverlässiges
Normalweiß, das auf den einschlägigen Arbeiten von A. v. Lagorio beruht. Es wurde
bereits bemerkt, daß man für die laufende Arbeit ein Zwischenweiß benutzt
und den Hasch so einstellt, daß dessen Abweichung von der Norm durch die Art
der Messung selbsttätig korrigiert wird. So kann man das Normalweiß lange
unverändert erhalten. Um ganz sicher zu gehen, versieht man sich mit zwei
Proben Normalweiß, von denen die eine dauernd unter staubdichtem Verschluß
bleibt |
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und nur in längeren Zwischenräumen
benutzt wird, um sich davon zu überzeugen, ob die andere unverändert
geblieben ist. So kann man sich für Jahre die genaue Einhaltung dieses
Grundwertes sichern. Grauleitern. Wiewohl
die Messung im Hasch keinen großen Aufwand an Zeit und Arbeit beansprucht,
ist ein Gerät wünschenswert, das tunlichst leicht und schnell Messungen von
ausreichender Genauigkeit für die täglichen Zwecke liefert und sich auch auf
Gegenstände anwenden läßt, die wegen ihrer Größe oder Form nicht in den Hasch
gebracht werden können. Diese
Aufgabe wird gelöst durch die Benutzung von Grauleitern,
d.h. Zusammenstellungen genau gemessener und eingestellter Graufarben,
welche den gemischten Wert durch unmittelbaren Vergleich liefern. Solche
Leitern können entweder die S. 62 beschriebenen die Normen enthalten; diese
dienen vorwiegend zur Einstellung und Kontrolle auf normgemäße Farbe. Oder
sie sollen zur allgemeinen Messung der Helligkeit oder Weiße dienen; dann
enthalten sie engere Stufen in runden Bruchzahlen, zwischen denen eine
Einschaltung (Interpolation) leicht möglich ist. Um die
erforderlichen Graustufen herzustellen, dient grundsätzlich folgendes
Verfahren. Man fertigt in der zu benutzenden (Technik (Leimtünchen, Tränkung,
Färbung usw.) eine Anzahl grauer Stufen von bekanntem Farbstoffgehält an,
deren Weiße man im Hasch mißt. Dann setzt man in Netzpapier einerseits die
Gehalte, andererseits die Weißen aus und verbindet die entsprechenden Punkte
durch eine stetige Linie. Aus dieser Linie kann man entnehmen, welche Gehalte
erforderlich sind, um die gewünschten Weißen zu ergeben. Man stellt die
entsprechenden Gemische her, prüft sie im Hasch auf ihre Richtigkeit, verbessert
sie, wenn nötig, und gewinnt so die erforderlichen Mischvorschriften, mittels
deren man jene Geräte herstellen kann. |
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Da Gemenge
von weißen und schwarzen Farbstoffen gewöhnlich kein reines, sondern
zufolge des Blau der trüben Mittel (S. 137) ein blauhaltiges Grau ergeben, so
ist ein Verfahren nötig, um den neutralen Farbton zu sichern. Dieses ist im
Hasch gegeben, denn ein beschattetes Weiß ist neutral grau gegen ein
belichtetes. Man legt also einen mit dem grauen Gemisch erstellten Aufstrich
in den Hasch, stellt auf gleiche Helligkeit ein und sieht dann leicht, ob die
Farbe des Gemisches neutral ist, oder in welchem Sinne sie abweicht. Als Beispiel
soll nachstehend der häufigste Fall beschrieben werden, daß man das Grau als
deckende Leimtünche herstellen will. Man wählt als Farbstoffe Zinkweiß oder
Lithopon und Elfenbeinschwarz, Frankfurterschwarz oder ein anderes
Kohlenschwarz. Ruß ist nicht zweckmäßig, weil er beim Aufstreichen
Schwierigkeiten macht. Es wird nach Gewicht ein Gemisch etwa von der Helligkeit
0,1 (l der Normen) hergestellt, wozu man rund gleiche Teile Weiß und Schwarz
brauchen wird, und davon ein Aufstrich mit dem beabsichtigten Bindemittel
(z. B. Leimlösung 6 Proz.) gemacht. Untersucht man es wie beschrieben im
Hasch, so erweist es sich deutlich blau. Man setzt,
wieder nach Gewicht, einen dunkelgelben Farbstoff (Goldocker) zu, dessen
Farbton die Gegenfarbe des zu beseitigenden ist, und beginnt mit 10 Proz. Die
Untersuchung zeigt, ob dies zu wenig oder zu viel ist. Je nach dem Ausfall
stellt man um je 1 Proz. verschiedene Gemische unter oder über 10 Proz. her
und findet auf solche Weise bald die Menge des Zusatzes, welche ein neutrales
Dunkelgrau ergibt. Die
Erfahrung hat gezeigt, daß beim Aufhellen solcher „Stammfarbe" mit Weiß
die neutrale Farbe gut erhalten bleibt. Ebenso erhält man neutrale dunklere
Stufen durch Vermischung des Stamms mit reinem Schwarzfarbstoff. Man stellt
also aus dem Stamm durch schrittweises Aufhellen mit gewogenen Mengen Weiß,
am bequemsten nach |
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einer
geometrischen Reihe mit 1/2, 1/4,
1/8 ...., allgemein (1/2)n
Stamm hellere Stufen bis zu genügender Annäherung an Weiß her und mißt sie im
Hasch. Dabei überzeugt man sich, ob die Farben alle neutral sind, und hilft
nötigenfalls durch Vermehrung und Verminderung des Ockers nach. Die gemessenen
Weißwerte trägt man in Netzpapier gegen die Gehaltszahlen ein. Dazu dient am
besten beiderseits logarithmisch geteiltes Papier, da sich alsdann annähernd
gerade Linien ergeben. Die erhaltenen Punkte werden mittels eines flachen
Kurvenlineals stetig verbunden, wobei man auf Fehler der Messung oder Rechnung
hingewiesen wird, und aus der erhaltenen Linie werden die Gehalte für die
gewünschten Weißwerte entnommen. Man stellt sie her, mißt sie und verbessert
sie, wenn nötig. Ganz ähnlich
verfährt man mit den Gemischen aus Stamm und Schwarz, welche die Stufen unter
0,1 liefern. Die Anzahl der Einstellpunkte ist hier kleiner. Die Arbeit
wird verwickelter dadurch, daß die Weiße eines gegebenen Gemisches abhängig
ist von der Dauer und Stärke, mit welcher die Farbstoffe zusammengerieben werden;
sie werden durch Reiben dunkler. Man muß also mit geregelter Art und Dauer
des Reibens und Mischens arbeiten, wenn man richtige Ergebnisse erhalten
will. Ein beständiges Nachmessen im Hasch ist notwendig. Ebenso hat die
Stärke und Menge des Bindemittels einen Einfluß: mehr Bindemittel macht den
Aufstrich dunkler. Durch alle diese Einflüsse wird die Arbeit einigermaßen
schwierig und kann mit Erfolg nur von Geübten ausgeführt werden. Messung des Glanzes. Da der
Hasch eine bequeme und genaue Messung des Glanzes gestattet, so soll das
Verfahren an dieser Stelle beschrieben werden. Es ist von W. Douglas in die Praxis eingeführt worden. Der Begriff
des Glanzes beruht auf dem der Spiegelung. Seine Maßzahl ergibt sich durch
Messung der Lichtmenge, welche unter dem Spiegelwinkel über die normale Zerstreuung
hinaus zurückgeworfen wird. Diese Menge ist |
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auch relativ vom Einfallswinkel
abhängig; man muß sie daher entweder als Funktion desselben für alle Einfallswinkel
darstellen, oder man wird als erste Annäherung einen bestimmten
Einfallswinkel als Norm annehmen und für ihn die Spiegelung messen. Die
Praxis verlangt Einfachheit und wählt daher den zweiten Fall. Durch den am
Hasch gegebenen Winkel von 45° zwischen Lichteinfall und Beobachtungsrichtung
wird als Normalwinkel zur Glanzmessung dessen Hälfte, 22,5° nahe gelegt.
Dieser Wert ist nachstehend vorausgesetzt. Man legt
einerseits eine Probe des Meßlings wie gewöhnlich ein; auf der anderen Seite
sieht man vor, daß der Meßling den angegebenen Winkel von 22,5° mit der Wagerechten
macht. Diese Seite erscheint heller, und durch Messung des Verhältnisses, in
welchem man den zugehörigen Spalt verengen muß, gewinnt man ein Maß des
Glanzes. Bei den
zuweilen sehr großen Lichtmengen, welche durch den glänzenden Körper
gespiegelt werden, müßten die Spaltenbreiten sehr klein werden. Hierdurch
entstehen Fehlermöglichkeiten, da der Spalt dann zu sehr seitlich zu liegen
kommt. Es ist deshalb viel besser, durch ein vorgestelltes schwarzes Drahtnetz
den größeren Teil des dort einfallenden Lichtes abzufangen; der Spalt kann
dann im Verhältnis breiter bleiben. Durch Messungen mit Normalweiß auf beiden
Seiten kann man das Schwächenverhältnis des Drahtnetzes leicht bestimmen.
Auch wird man für die verschiedenen Fälle dichtere und weitere Netze vorsetzen,
um stets einen mittelbreiten Spalt zu haben. Bei solchen
Messungen besteht allerdings sehr oft keine vollkommene Gleichheit der Farbe
in beiden Hälften des Gesichtsfeldes. Man lernt aber bald, von Verschiedenheiten
der Buntfarben abzusehen und auf gleiche Helligkeit trotz derselben
einzustellen. Begrifflich
kann man absoluten und relativen Glanz unterscheiden. Der erste wird bestimmt
durch das Verhältnis der gespiegelten Lichtmenge zu der von einer matten, |
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normalweißen, die sich an gleicher
Stelle befände, zurückgeworfenen und wird (bis auf den Cosinusfaktor)
gefunden, wenn man die Fläche gegen Normalweiß mißt. Der relative Glanz wird
bestimmt durch das Verhältnis der gespiegelten Lichtmenge zu der einer matten
von sonst gleicher Beschaffenheit zurückgeworfenen. Um sie zu finden, muß
man gegen die gleiche Fläche messen, die unter den gewöhnlichen Bedingungen
(45° Beleuchtung, 90° Beobachtung) steht. Man erhält sie, wenn man gegen die
flach eingelegte gleichartige Probe mißt. Für praktische Zwecke kommt nur
der relative Glanz in Frage, und deshalb wurde auch seine Messung oben
beschrieben.. Nachstehend
sind einige Werte des Glanzes nach W. Douglas
verzeichnet. Die Zahlen geben den Unterschied zwischen der Helligkeit unter
dem Spiegelwinkel, vermindert um die bei normaler Betrachtung an: |
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Schwarzer
matter Aufstrich . . . . . |
1,6 |
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Weißer
Samt . . . . . . . . . . . . . . . . |
25 |
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Hemdentuch
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31 |
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Geschliffenes
Normalweiß . . . . . |
36 |
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Maschinenpapier
. . . . . . . . . . . . . |
40 |
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Mercerisierte
Serge . . . . . . . . . . . |
65 |
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Kunstdruckpapier
. . . . . . . . . . . . . |
118 |
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Kunstseide
. . . . . . . . . . . . . . . . . . |
171 |
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Lackaufstrich
. . . . . . . . . . . . . . . . |
380 |
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Glas
auf schwarzem Samt . . . . . |
660 |
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Silberpapier
. . . . . . . . . . . . . . . . . |
1000 |
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Zinkblech,
roh . . . . . . . . . . . . . . . . |
1900 |
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Zinkblech,
poliert . . . . . . . . . . . . . |
8400 |
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Stanniol.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . |
8900 |
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(Unteres Viertel Seite 149) |
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