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Sechstes Kapitel. |
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Die farbtongleichen Dreiecke. |
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Allgemeines. Zur vollständigen
Bestimmung einer Farbe gehört außer der Kenntnis des Farbtons noch die des
Gehaltes an Weiß und Schwarz. Wie man diese mißt, wird in einem späteren
Kapitel ausführlich dargelegt werden. Hier soll die Aufgabe als gelöst
vorausgesetzt und die Mannigfaltigkeit untersucht werden, die daraus
entsteht. Die
Zusammensetzung einer jeden Farbe wird durch eine Gleichung von der Gestalt v
+ w + s = 1 dargestellt, |
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(Ende Seite 91) |
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wo v = Vollfarbe,
w = Weiß und s = Schwarz ist. Die Gleichung selbst ist ein Ausdruck der
allgemeinen, von Maxwell
nachgewiesenen Tatsache (S. 26), daß alle Farbmischgleichungen linear oder
erster Ordnung sind. Doch hat Maxwell
selbst, so sehr er sich um die Erfassung der Farbmischgesetze bemüht hat,
diese einfache Gleichung nicht gefunden. Man muß in seiner Abhandlung (die in
absehbarer Zeit in meiner Sammelschrift „Die
Farbe" in deutscher Sprache herausgegeben werden soll) nachlesen,
wie er sich mit der Begriffsbildung für die Farbenwelt abmüht, um die
Erlösung nachzuempfinden, welche mir die Entdeckung dieser einfachen
Gleichung seinerzeit gebracht hatte. Sie ist vergleichbar der ungefähr ebenso
einfachen Gleichung des Ohmschen Gesetzes, ohne welches weder die heutige
Elektrotechnik noch die wissenschaftliche Elektrik möglich gewesen wäre. Für die vorliegende
Aufgabe besagt die Gleichung folgendes. In einer gegebenen Vollfarbe (von irgendeinem
bestimmten Farbton) kann man jeden Bruchteil sowohl durch Weiß, wie durch
Schwarz, wie durch beide ersetzen. Da für die drei Veränderlichen v, w und s
nur eine Gleichung besteht, so können zwei von den drei Werten willkürlich
bestimmt werden; der dritte ist dann festgelegt. Jeder dieser Werte liegt
irgendwo zwischen 0 und 1; ihre Summe ist immer gleich Eins. Negative Werte
kommen nicht vor, da solchen nichts Tatsächliches entsprechen würde. Es
handelt sich also um eine begrenzte zweifaltige Gruppe. Man kann fragen,
was die Eins in der Gleichung v + w + s = 1 bedeutet. Sie besagt, daß jede
Farbe einen begrenzten Wert darstellt, der demgemäß sein Maß in sich selbst
trägt. Ich kenne außerdem nur noch eine solche Größe, nämlich den Winkel.
Seine Einheit und demgemäß sein Maß ist der Vollwinkel gleich vier Rechten.
Die Summe aller Winkel w1, w2, w3 .... um
einen Punkt unterliegt einer ähnlichen Gleichung w1 + w2 +
w3 + . . . = 1. Doch besteht der große Unterschied, daß bei den
Farben drei verschieden- |
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(Ende Seite 92) |
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artige Teilstücke v, w und s vorhanden
sind, während sie bei den Winkeln gleichartig sind und ihre Zahl beliebig
ist. Das Dreieck.
Alle Gleichungen von der Gestalt x + y + z = k lassen sich durch die
Gesamtheit aller Punkte eines gleichseitigen Dreiecks mit der Seite k
darstellen. Zieht man nämlich von irgendeinem Punkte m im Dreieck die Seitenparallelen ma, mb, mc, so ist ihre Summe immer gleich der
Dreieckseite, ma + mb + mc = k. Macht man |
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also diese
Strecken zum Maß der Größen x, y, z, so stellen alle Punkte des Dreiecks alle
möglichen Kombinationen der Werte von x, y, z dar. Zeichnet man ein Dreieck
mit der Seite 1 und nennt die Linien ma, mb, mc nunmehr v, w, s, so geht die
obige Gleichung über in v + w + s = 1, die Farbengleichung und bezeichnen
alle Punkte innerhalb des Dreiecks alle denkbaren und möglichen
Mischungsverhältnisse aus Vollfarbe, Weiß und Schwarz. Das Dreieck ist also
eine vollständige Darstellung aller Abkömmlinge, die man aus einer gegebenen
Vollfarbe durch Mischung mit Weiß und Schwarz herstellen kann. Um dies genauer
zu übersehen, betrachten wir ein solches farbtongleiches
Dreieck (Fig. 9) näher. |
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(Ende Seite 93) |
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Wir haben
zunächst die drei idealen Farben: reines. Weiß w, reines Schwarz s;
Vollfarbe v in den drei Ecken. In den Seiten liegen
alle zweiteiligen Gemische aus je zweien dieser Ideale. Die Seite ws enthält die wohlbekannte unbunte
Reihe mit allen grauen Farben zwischen Weiß und Schwarz. Die Seite wv enthält alle Gemische aus Vollfarbe
und Weiß, wie man sie etwa bekommt, wenn man einen vollfarbigen Farbstoff mit
zunehmenden Mengen Weiß mischt. Wir nennen sie die hellklaren Farben. Die Seite vs endlich enthält alle Gemische aus Vollfarbe und Schwarz. Da
wir keine weißfreien schwarzen Farbstoffe besitzen, können wir solche Farben
nicht im Aufstrich herstellen. Annähernd kann man sie kennen lernen, wenn
man mittels der Drehscheibe möglichst vollfarbige Sektoren vor der Öffnung
eines hinreichend großen Dunkelkastens (S. 59) umlaufen läßt; jedermann ist
entzückt von der Schönheit dieser Farben, die wir die dunkelklaren nennen. Man sieht solche Farben auch an bunten
Glasfenstern, namentlich alten Kirchenfenstern, wo der Schwarzgehalt
natürlich durch den Staub der Jahrhunderte, technisch durch Einbrennen von
Eisenoxyduloxyd oder Hammerschlag (Schwarzlot) bewirkt wird. Im Innern ordnen
sich alle Farben an, welche gleichzeitig Weiß und Schwarz, d. h. Grau
enthalten. Wir nennen sie in Übereinstimmung mit dem Sprachgebrauch die trüben Farben. In der Nähe der Weißecke
w finden sich die hellen trüben Farben, in der Nähe der
Schwarzecke s die schwärzlich dunklen trüben Farben, in der Nähe von v die tiefen, an Vollfarbe reichen trüben Farben. Sie sind um so
trüber, je mehr sie sich der unbunten Seite ws nähern, und zwar in deren Mitte am trübsten. Ausgezeichnete Linien im Dreieck. Im Innern des Dreiecks verlaufen sechs
Gruppen ausgezeichneter Linien, drei parallel den Seiten, drei von den Ecken
nach der Gegenseite. Sie haben mehr oder weniger methodische Bedeutung. |
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Alle Linien, die
parallel vs, der Gegenseite von w verlaufen, Fig 10, stellen Farben
gleichen Gehaltes an Weiß |
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dar, denn die Seitenparallelen von allen
Punkten einer solchen Linie nach der Gegenseite vs, welche den Weiß |
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gehalt messen, sind gleich. Wir nennen
solche Linien daher Weißgleiche.
Die unterste Weißgleiche ist die Seite vs
der dunkelklaren Farben mit dem. Weißgehalt Null. Alle Linien
parallel vw, der Gegenseite von s, stellen Farben gleichen Schwarzgehalts
dar, Fig. 11; es sind die Schwarzgleichen.
Die oberste Schwarzgleiche ist die hellklare Reihe vw mit dem Schwarzgehalt Null. |
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Alle Linien
parallel ws, der Gegenseite von v, Fig. 12, sind Linien gleichen
Anteils an Vollfarbe oder gleicher |
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(Ende Seite 95) |
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Reinheit, die Reingleichen. Die äußerste Reingleiche ist
die unbunte Reihe mit der Reinheit Null. Alle Linien,
welche durch den Weißpunkt w gehen,
stellen Farben dar, in welchen das Verhältnis Vollfarbe : Schwarz gleich
ist. In allen Linien, die durch den Schwarzpunkt s gehen, ist das Verhältnis Vollfarbe : Weiß gleich. In allen
Linien, die durch den Vollfarbpunkt v
gehen, ist das Verhältnis Weiß : Schwarz gleich; sie sind aus Vollfarbe und
demselben Grau gemischt. Es hat sich keine Notwendigkeit gezeigt, sie mit
besonderen Namen zu belegen, doch ist es gut, ihre Sonderart zu kennen. Das Fechnersche Gesetz bei den Buntfarben. Wenn man im farbtongleichen Dreieck an der
Seite ws die unbunten Farben w abträgt, daß die Abstände dem
Weißgehalt proportional sind, wie es die Darstellung in dem farbtongleichen
Dreieck erfordert, so erhält man die S. 61 geschilderte verzerrte Grauleiter
mit dem viel zu ausgedehnten Hell und dem viel zu enggedrängten Dunkel.
Ähnliches zeigt sich an den beiden anderen Seiten wv und sv. Längs wv erstrecken sich von w ab blasse Farben, die kaum den vorhandenen
Farbton erkennen lassen, viel zu weit, und die einigermaßen gesättigten sind
bei v eng zusammengedrängt. Längs vs endlich will sich die Farbe von v ab zunächst gar nicht ändern; das
Schwarz macht sich erst in der zweiten Hälfte anschaulich geltend und bei s drängen sich die dunkleren Farben
eng zusammen. Für die Seite ws ist uns die Ursache wohlbekannt.
Sie liegt im Fechnerschen Gesetz (S. 61), demzufolge die Weißgehalte eine
absteigende geometrische Reihe bilden müssen, damit die Helligkeit der grauen
Farben gleichmäßig, nach einer arithmetischen Reihe abnimmt. Das
übereinstimmende Verhalten der beiden anderen Seiten zeigt, daß auch für die
Mischungen von Vollfarbe mit Weiß und mit Schwarz das Fechnersche Gesetz
gültig ist. Und zwar übernimmt in der Reihe Weiß-Vollfarbe die Vollfarbe die
Rolle des Schwarz, denn das Weiß kann sie ja nicht übernehmen In der Reihe |
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(Ende Seite 96) |
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Vollfarbe-Schwarz
muß aber die Vollfarbe die Rolle des Weiß übernehmen, denn das Schwarz kann
nicht Weiß spielen. Auch diese beiden
Gesetze zu finden, war erst möglich, nachdem die Farben meßbar geworden
waren. So begegnen wir auf jeden Schritt neuen Aufschlüssen, welche der qualitativen
Periode der Farbenlehre noch verschlossen waren. Das analytische und das logarithmische Dreieck. Teilt man die Seiten des S.93 beschriebenen
farbtongleichen Dreiecks nach dem Fechnerschen Gesetz derart ein, daß
gefühlsmäßig gleichabständige Farben gekennzeichnet werden, so erhält man die
in Fig. 13 dargestellte Ordnung, an der man die eben gegebene Beschreibung
wiedererkennt. Es entsteht aber das Bedürfnis, die Farben im Dreieck so zu
ordnen, daß gleichen räumlichen Abständen auch gleiche psychologische
Abstände entsprechen. Dazu muß man das Dreieck nach unten so ausrecken, daß
die Abstände be, cd, de usw. gleich
werden. Da diese logarithmische Einteilung (S. 66) theoretisch ins
Unendliche führt, so rückt die ganze Seite vs mit ihren Endpunkten v
und s in die Unendlichkeit hinaus.
Praktisch bleibt sie bald genug im Endlichen stehen, weil weder weißfreie
Vollfarbe, noch weißfreies Schwarz, noch ideale dunkelklare Farben
herstellbar sind. Wir nennen das
früher S. 93 beschriebene Dreieck das analytische,
weil es die unmittelbaren Ergebnisse der Farbanalyse darstellt. Das neue,
nach dem Fechnerschen Gesetz geordnete soll dagegen das logarithmische oder Fechnersche Dreieck heißen. Wir werden in
der Praxis das zweite fast auschließlich benutzen, weil sowohl für die Normen
wie für die Harmonien psychologische Gleichabständigkeit gefordert wird. Es ist wichtig,
sich die Veränderungen zu vergegenwärtigen, welche die beschriebene
Verzerrung im Dreieck bewirkt. Man sieht alsbald an Fig. 13, daß die
Weißgleichen und die Schwarzgleichen, von denen dort eine Anzahl eingetragen
sind, ihre Richtung beibehalten. Sie rücken nur |
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parallel ihrer früheren Lage auf gleiche
Abstände auseinander. Analytische und psychologische Reingleichen. Anders verhält es sich mit den
Reingleichen. Zieht man solche parallel |
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zu ws, so verbinden sie nicht die
Durchschnittspunkte der Weiß- und Schwarzgleichen, wie es im analytischen
Dreieck der Fall ist, sondern gehen unregelmäßig durch die Rauten der beiden
anderen Gruppen. Verbindet man aber die ent- |
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sprechenden Durchschnittspunkte oder
Rautenecken, so erhält man eine Linienschar, welche im analytischen Dreieck
nach der Ecke s zusammenläuft. Bei der
Umwandlung in das logarithmische Dreieck werden die Abstände der Weiß- und
Schwarzgleichen gleich, die Rauten werden gleich groß und die entsprechenden
Endpunkte liegen in Geraden, die parallel zu ws laufen. Das muß so sein,
denn der Punkt s wandert ins
Unendliche ab, und Linien nach dem unendlich fernen Punkt sind parallel. Die Linien,
welche sich im logarithmischen Dreieck dergestalt an die Stelle der
Reingleichen setzen, sind uns bereits bekannt. Sie wurden S. 96 als solche
gekennzeichnet, deren Farben ein gleiches Verhältnis von Vollfarbe und Weiß
haben, wobei der Schwarzgehalt von Null (in vw) bis Eins (in s)
zunimmt; in den Rest teilen sich Weiß und Vollfarbe. Farben, deren
Bestandteile in diesem Verhältnis stehen, bietet uns die Natur unaufhörlich
dar. Es sind nämlich die, welche sich an jedem gleichförmig gefärbten Körper
ausbilden, der an verschiedenen Stellen verschieden hell beleuchtet ist.
Unabhängig von der Menge des auffallenden Lichts wird ein bestimmter
Bruchteil Weiß und ein bestimmter Bruchteil Vollfarbe aus diesem Licht
zurückgeworfen; was nicht zurückgeworfen, sondern verschluckt wird, ist der
schwarze Anteil. Nun bezieht man aber die verschiedenen Farben, die an dem
Körper auftreten, auf die vorhandene allgemeine Beleuchtung und schätzt
demgemäß das Schwarz ein. Wo wenig Licht hingelangt und daher auch wenig Weiß
und Vollfarbe zurückgeworfen wird, wird der ganze große Rest als Schwarz
empfunden: das ist der Schatten. Je mehr Licht auffällt, um so kleiner wird
der Anteil Schwarz, während Weiß und Vollfarbe (in stets gleichem Verhältnis
untereinander) vorwiegen. Im günstigsten Falle verschwindet das Schwarz und
es bleibt eine hellklare Farbe übrig, deren Punkt in der Dreieckseite vw liegt. Die Linien,
welche im analytischen Dreieck im Schwarzpunkte s zusammenlaufen, im
logarithmischen Dreieck aber |
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der unbunten Seite ws parallel laufen, sind also die Schattenreihen, die Reihen, welche durch Beschattung (und
Erhellung) einer gegebenen Farbe entstehen. Ihre bequeme experimentelle
Darstellung kennen wir bereits: die Reihen, welche beim Heringschen Versuch
(S. 29) entstehen, sind Schattenreihen. Es ist sehr
bemerkenswert, daß die Schattenreihen, welche im logarithmischen Dreieck
geometrisch an die Stelle der analytischen Reingleichen treten, tatsächlich
auch die psychologischen
Reingleichen sind. Die analytischen Reingleichen sehen nämlich nichts weniger
als gleich rein aus, sondern um so unbunter, je mehr das Weiß, und um so
bunter, je mehr das Schwarz überwiegt. Dies liegt auch am Fechnerschen
Gesetz, demzufolge die Buntfarbe ebenso wie das Schwarz im Weiß ertrinkt. Es
gehört viel Schwarz dazu, damit das
Weiß grau auszusehen anfängt, und ebenso gehört viel Vollfarbe dazu, bis
deren Farbton im Weiß erkennbar wird. Dagegen sehen die Schattenreihen
reingleich aus, weil wir ja wissen, es ist „dieselbe" Farbe, nur mehr
oder weniger beschattet; wir setzen also die gleiche Reinheit voraus und
lernen ihr die Schattenreihe zuzuordnen. Die Normung der farbtongleichen Farben. Wie alle natürlichen Farbreihen sind auch
die des farbtongleichen Dreiecks stetig. Zum Behuf der Normung müssen sie
ebenso in psychologisch gleich große Gebiete geteilt werden, deren
Mittelwerte dann als Normen dienen, wie dies in der unbunten Reihe geschehen
war. Diese Teilung
ergibt im logarithmischen Dreieck, das ja nach dem Fechnerschen Gesetz
geordnet ist, gleich große Rauten, die durch gleichabständige Weiß- und
Schwarzgleichen abgegrenzt werden. Gemäß dem allgemeinen Normungs-Grundsatz,
daß man die Normung solcher Größen, welche bereits genormt sind, in der von
ihnen abgeleiteten Beziehung streng aufrecht erhält, ist es nicht mehr
statthaft, an der unbunten Seite des Dreiecks eine andere Teilung
anzubringen, als sie bereits für die Graureihe selbst fest- |
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gelegt war. Man
muß sie also dorthin übertragen, wie das in Fig. 13 bereits stillschweigend
gemacht worden ist, und von den so festgelegten Punkten b c d e .... die
erwähnten Parallelen ziehen. Das Dreieck wird dadurch in eine entsprechende
Anzahl Rauten geteilt, deren Anzahl mit dem Quadrat der Teilpunkte anwächst,
da sie sich in dem zweifaltigen Dreieck entwickeln. Ihre Anzahl ist
unbestimmt und hängt davon ab, wie weit man in das weißarme Gebiet gelangen
will und kann. Auf Papier kommt man mit Färben und Drucken nicht wohl über p
hinaus. Wolle, Seide und namentlich Kunstseide gestatten tiefere Färbungen
bis t und zuweilen noch weiter. Wir werden weiterhin die Reihe bei p
abbrechen. Es soll hier ein für allemal gesagt werden, daß grundsätzlich die
Reihe beliebig weit fortgeführt werden könnte, und daß nur aus praktischen
Gründen und der Kürze wegen künftig nur bis p gegangen wird. Es entstehen
dann in jedem farbtongleichen Dreieck aus der praktischen Reihe a c e g i l n
p je
36 Felder mit verschiedenen Farben, von denen jedesmal 8 unbunt sind
und die senkrechte Seite des Dreiecks bilden, während die 28 anderen Felder
bunt sind. Die Farbzeichen.
In dem derart geordneten Dreieck laufen der unteren Seite die
Weißgleichen parallel, der oberen die Schwarzgleichen. Jedes Feld gehört
gleichzeitig einer Weiß- und einer Schwarzgleichen zu, die sich in ihm
kreuzen. Nun erinnern wir
uns der Feststellung, daß die Buchstaben a c e g i l n p sowohl die Weiß-
wie die Schwarzgehalte der entsprechenden grauen Farben bedeuten sollen. Da
wir eben weiterhin festgestellt haben, daß den Farbnormen des Dreiecks die
gleichen Weiß- und Schwarzmengen zugeteilt werden sollen, wie sie in den
unbunten Normen vorhanden sind, so ergibt sich die Möglichkeit, ja
Notwendigkeit, sie mit denselben Buchstaben zu bezeichnen. Wir werden also
allen Farben der untersten Weißgleichen mit dem Weißgehalt p den gleichen
Buchstaben p zuteilen, der folgenden Reihe den Buchstaben n und so fort. Am
unbunten Rande |
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endet jede dieser Weißgleichen mit dem
Grau gleichen Buchstabens. Ebenso wird allen
Farben in derselben Schwarzgleichen der entsprechende Buchstabe für das
Schwarz zuzusprechen sein. Die oberste Schwarzgleiche erhält somit den Buchstaben
a, die folgende c und so fort. Da jede Raute
sowohl einer Weiß- wie einer Schwarzgleichen angehört, so erhält jede
genormte Farbe zwei Buchstaben, einen für das Weiß und einen für das
Schwarz. Bei den unbunten Farben war die gesonderte Bezeichnung beider
unnötig, weil sie durch die Gleichung w + s = 1 verbunden sind; ist das Weiß
gegeben, so ist damit auch das Schwarz durch s = 1-w festgelegt. Der
Gleichförmigkeit wegen hat man zuweilen Anlaß, beide anzugeben; sie müssen
dann mit demselben Buchstaben bezeichnet werden, wie ee oder nn. Bei den
Buntfarben sind dagegen beide Buchstaben notwendig verschieden. Denn da wegen
der Gleichung v + w + s = 1 die Summe von w + s stets kleiner als Eins sein
muß, damit v einen endlichen Wert hat (dies ist die Definition der
Buntfarben), so können beide nicht gleich sein, weil dies den Wert 1 bedingen
würde. Vielmehr muß der Buchstabe für das Schwarz stets niedriger (früher im
ABC) sein, als der für Weiß, da in dem vom Weiß übrig gelassenen Rest sich
Vollfarbe und Schwarz teilen müssen. Daran kann man immer erkennen, welcher
von den Buchstaben, mit denen man eine trübe Normfarbe bezeichnet, das Weiß
bedeutet und welcher das Schwarz. Um jede Zögerung
in der Beurteilung auszuschließen, gewöhnt man sich übrigens daran, den Weißbuchstaben
immer zuerst zu bringen. Dadurch folgen sich in den entsprechenden
Farbzeichen die Buchstaben umgekehrt wie im ABC. So gibt es das Zeichen ng,
welches bedeutet: soviel Weiß (5,6 Proz.) wie im Grau n, und soviel Schwarz
(78 Proz.) wie im Grau g. Das umgekehrte Zeichen gn hätte keine Bedeutung,
denn es verlangt soviel Weiß wie in g und soviel Schwarz wie in n. Nun gibt
bereits die Schwarz- |
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(Ende Seite 102) |
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menge g mit der Weißmenge g die Summe
Eins; die viel größere Schwarzmenge n würde also mehr als Eins ergeben, was
keinen Sinn hat. Man erkennt nun
leicht, wie sich alle Farben eines farbtongleichen Dreiecks genau und
unwechselbar bezeichnen lassen. Man gibt zuerst die Nummern des Farbtons (von
00 bis 99) an, aus dem das Dreieck entwickelt ist, und fügt dann die beiden
Buchstaben für Weiß und Schwarz hinzu. So bedeutet 29 lg ein zweites Rot,
mit dem recht kleinen Weißgehalt l (das Dunkelgrau l ist fast schwarz) und
dem merklichen Schwarzgehalt g (das Grau g ist das helle Mittelgrau), also
ein ziemlich dunkles, etwas trübes mittleres Rot. Diese Farbzeichen
sind von der größten Wichtigkeit. Sie ermöglichen auf die denkbar kürzeste
Weise alle genormten Farben völlig unverwechselbar und unveränderlich zu
bezeichnen, ähnlich wie die Musiknoten die Tonhöhe genau angeben. Sie sind
notwendig verwickelter als die Noten, weil die Tonhöhen nur eine einfaltige
Gruppe bilden, während die der Farben dreifaltig ist. Daher sind auch drei
Zeichen (für den Farbton, das Weiß und das Schwarz) erforderlich, um das
Farbzeichen einer Buntfarbe zu bilden, und es ist vollkommen ausgeschlossen,
hieran eine Vereinfachung vornehmen zu können. In der unbunten Reihe, welche
einfaltig ist wie die Tonhöhen, genügt auch ein einfaches Zeichen, nämlich
ein Buchstabe. Fig. 14 stellt
ein derart geformtes farbtongleiches Dreieck mit eingeschriebenen, Zeichen
für den Weiß- und Schwarzgehalt dar. Da dieses Dreieck sehr häufig gebraucht
wird, ist es auf einem besonderen Blatt beigegeben. Schattenreihen und Reinheitsstufen. Die parallel zu
den Dreieckseiten vs und vw liegenden Farben, nämlich die Weiß-
und die Schwarzgleichen, sind im Farbzeichen leicht kenntlich daran, daß in
ihnen der erste oder der zweite Buchstabe gleich bleibt. Die dritte Gruppe
der Reihen läuft parallel der ws-Seite,
also senkrecht. Es sind die Schatten- |
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(Ende Seite 103) |
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reihen oder psychologischen Reingleichen,
die bekanntesten und daher wichtigsten von allen. Ihre Buchstabenpaare
wechseln beide Bestandteile, diese behalten aber gleichen Abstand. So grenzt
an die unbunte Reihe a bis p (die auch eine Schattenreihe ist) zunächst die
Schattenreihe ca, ec, ge, ig, li, nl, pn, deren Paare je einen Doppelschritt
aufweisen. Es folgt ea, gc, ie, lg, ni, pl mit je zwei Doppelschritten usf.
Da das Ausrechnen dieser Beziehung zeitraubend ist, hält man Fig. 14 dauernd
auf dem Arbeitstisch. Auch holt man sich daher Auskunft über alle anderen
Verhältnisse im farbtongleichen Dreieck. Verfolgt man in
einem ausgeführten Dreieck die aufeinanderfolgenden Schattenreihen mit den
Augen, so erkennt man überaus deutlich, wie die Reinheit der Farben stufenweise mit jeder Reihe zunimmt, bis
sie in der Vollfarbe (bzw. der Farbe pa) ihren Höchstwert erreicht. Es
erweist sich als nützlich, diese Reinheitsstufen ausdrücklich zu bezeichnen.
Dazu dienen die römischen Zahlen. Der Graureihe kommt natürlich die Reinheit
0 zu, da sie überhaupt keine Buntfarbe enthält. Der Reihe ca, ec, ge usw.
geben wir das Reinheitszeichen II, weil dazwischen noch die Reihe ba, cb,
de, ed usw. liegen würde, wenn wir nicht jeden zweiten Buchstaben
übersprungen hätten. Um der späteren Einführung dieser Zwischenstufe (für
welche bereits sich Interessen geltend gemacht haben) kein vermeidbares Hindernis
zu bereiten, lassen wir für sie die Reinheit I frei. Es folgen die mit ea,
ga, ia usw. beginnenden Schattenreihen, denen die Reinheiten IV, VI, VIII
usw. zukommen. Im ganzen haben wir die Übersicht |
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II ca |
IV ea |
VI ga |
VIII ia |
X la |
XII na |
XIV pa |
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Man schreibt
diese Zeichen in der Dreiecktafel über die betreffenden Felder und sichert
sich so auch für diese Zusammenhänge die Anschauung. Um die drei Beziehungen
gemäß den drei Parallelengruppen der Rein-, Weiß- und Schwarzgleichen besser
her- |
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(Ende Seite 104) |
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vortreten zu
lassen, als es bei der bisher geübten Teilung des Dreiecks in Rauten
geschieht, welche gerade die wichtigste Beziehung, die der Schattenreihen,
zurücktreten läßt, kann man statt der Rauten Sechsecke einführen, bei welchen
die drei Gruppen gleichartig erscheinen. Oder man kann rechtwinklige Felder
etwa wie versetzte Ziegelsteine aufbauen, wobei die Schattenreihen sachgemäß
stark bevorzugt erscheinen. Je nach dem Zweck wird man die eine oder andere
Anordnung wählen. |
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(Oberes Drittel Seite 105) |
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