![]() |
|---|
VON JOHANNES LEHMANN
Der Völkermord in Ruanda im Jahre 1994 ist ein Beispiel, das zeigte, wie Europa seine Augen vom Geschehen abwendet, wenn keine europäischen oder amerikanischen Interessen bedroht sind. Es schien ein ethnischer Konflikt zu sein, das merkwürdige daran war, dass Hutu und Tutsi zum Ausbruch des Krieges weitestgehend zusammenlebten, solange bis es unter den Hutu-Rebellen galt, alle Tutsi und gemäßigten Hutu umzubringen.
Im Film „Hotel Ruanda“, der auf einer wahren Begebenheit beruht und mit drei Oscarnominierungen ausgezeichnet wurde, wird dies in einer eindrucksvollen Weise gezeigt. Einige Tage vor Beginn des Bürgerkriegs: Alles scheint in Ordnung zu sein, die reichen Gäste des Luxushotels Mille Collines ahnen nichts Böses, als plötzlich die Konflikte zwischen den Volksgruppen erwachen. So verlassen die Gäste das Land; für die Bevölkerung drohe keine Gefahr, so heißt es. Doch noch während die reichen Gäste ihre Koffer packen, muss der Leiter des Hotels, Paul Rusesabagina, selbst Hutu, seine Familie und Tutsi-Bekannte im Hotel unterbringen, um sie vor dem sicheren Tod zu schützen. Später folgen weitere Flüchtlinge, die ihr Leben mittlerweile nur Rusesabagina zu verdanken haben, denn selbst die Hilfsorganisationen schaffen es nicht, die Flüchtlinge aus dem Land zu bringen. Die UN ist zwar auch präsent, jedoch nur in viel zu kleiner Besatzung. So besticht Rusesabagina die Hutu-Milizen mit Geld und Alkohol während er, die Sabena-Hotelgruppe und Verwandte der Flüchtlinge in Europa versuchen, Asylanträge für die Flüchtlinge zu erreichen sowie die UN-Besatzung zu erhöhen. Ständig bleibt die Angst um ein Massaker im Hotel und die Hoffnung auf Hilfe aus Europa die jedes Mal nur sehr knapp ausfällt.
Regisseur Terry George schaffte es mit diesem Drama nicht nur, genug Spannung zu erzeugen, gleichzeitig spiegelt der Film wieder, wie Europa seine Augen vor dem Geschehen verschloss. Ebenso wird die Entwicklung des Genozid geschildert, in dem eine Millionen Menschen innerhalb kürzester Zeit umgebracht wurden. Bilder von den Opfern und das Verhalten der Täter zeigen die gesamte Grausamkeit des Völkermords und bringen dem Zuschauer so die ganze Unmenschlichkeit der Rebellen und der untätigen europäischen Politik nahe. Besondere Ehre wird natürlich Rusesabagina selbst zugewiesen, dessen Zivilcourage über 1200 Menschen vor dem Tod rettete, und dessen Taten mit diesem Film auf der Leinwand verewigt wurden.
| [Zurück] | [Home] |