Willkommen im Tagebuch von Wolf-Dieters Wahlkampfseite!
[...] Am Freitag war Karl-Theodor zu Guttenberg in Kundus, Afghanistan.
Er trug eine sehr schöne dunkle Jacke von Loro Piana, natürlich 100 Prozent Kaschmir, mit elfenbeinfarbenem Innenfutter. Sein grauer Turtleneck, mutmaßlich ebenfalls Kaschmir, harmonierte farblich und sogar stilistisch mit der schwarzen Splitterschutzweste. Die feste Freizeithose im Farbton desert tan bot mit ihren praktischen aufgenähten Seitentaschen einen dezenten Kontrapunkt.
Sie signalisierte, dass der Hindukusch jenseits von Obi liegt [...]
Der Mathematiker Michael Nielsen weist in seinem Blog nach, dass das Relevanz-Kriterium von Wikipedia einen Widerspruch in sich bildet. Hier meine deutsche Übersetzung:
Um zu bestimmen, ob ein Begriff einen Eintrag verdient, verwendet Wikipedia das Kriterium der Relevanz. Dies führt zu einer interessanten Frage:
Frage 1: Welches ist der relevanteste Begriff, der gerade eben nicht mehr relevant genug ist für die Aufnahme in Wikipedia?
Angenommen, zu dieser Frage existiert eine Lösung (Die Antwort), nennen wir den korrespondierenden Begriff X. – Jetzt haben wir eine zweite Frage, deren Antwort absolut nicht offensichtlich ist:
Frage 2: Ist Begriff X deswegen relevant, weil er Die Antwort ist?
Falls die Antwort zu Frage 2 „nein“ lautet, gibt es kein Problem, und wir können alle nach Hause gehen.
Falls die Antwort zu Frage 2 „ja“ lautet, tja, dann haben wir einen Widerspruch, denn ähnlich dem Interessante-Zahlen-Paradox folgt, dass Frage 1 keine Antwort hat, so dass jeder denkbare Begriff dem Relevanz-Kriterium von Wikipedia genügt.
Nehmt dies, Löschfanatiker!
Jetzt kommt das Lustige: ob die Antwort zu Frage 2 „ja“ oder „nein“ lautet, hängt davon ab, wo ich diese Analyse veröffentliche. Wenn ich sie in meinem Blog veröffentliche, wo niemand drauf achtet, dann lautet die Antwort zu Frage 2 „nein“ – die meisten Wikipedianer werden da zustimmen.
Aber angenommen, ich würde mit großem Trara eine Reihe von Konferenzen über Die Antwort veranstalten, und ich könnte führende Logiker und Philosophen überzeugen, teilzunehmen und Artikel über Die Antwort zu schreiben, würde für Berichterstattung in den Medien sorgen, und so weiter: dann würde Die Antwort sicherlich Wikipedias Relevanz-Richtlinien genügen!
(Die Gedankenkette wurde angeregt durch ein Mittagsgespräch mit einer Gruppe Physikern vor zwei Jahren. Ich weiß nicht mehr, wer genau, sonst könnte ich die Schuld besser verteilen.)
(Drauf gestoßen bin ich bei Fefe. Danke!)
Oskar hält eine flammende Rede auf die Lücken.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hartz IV berichtet von der Buchvorstellung „Als Kunde bezeichnet, als Bettler behandelt“, dass laut Heiner Geißler Hartz IV gegen Grundgesetz verstößt:
Die Kürzung einer Leistung unter die Höhe des Existenzminimums sei eine derart schwere Strafe, wie sie in einem Strafprozess kaum verhängt werde. Eine Strafe dürfe nämlich die Existenzgrundlage nicht entziehen.
Deckt sich mit meiner Auffassung. Nach meinem Verständnis müsste sich jetzt ein Kläger finden, der den Aufwand der Klage durch alle Instanzen durchhält. Vorher landets nämlich nicht beim Verfassungsgericht.
(Falls nicht Schwarz/Gelb das Gesetz kippt oder der Mond vom Himmel fällt.)
Unsere ZensurFamilienministerin und gescheiterte Mutter von der Leyen hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft: die neuste CD von Rammstein „Liebe ist für alle da“ ist als jugendgefährdend indiziert. Bemängelt wird das Video Pussy, zwei Lieder und das zugehörige Bildwerk. Begründung: Darstellung von ungeschütztem Geschlechtsverkehr sowie S/M-Sex. Fefe kommentiert zutreffend: „Als ob unsere Jugend ein Rammstein-Album braucht, um von S/M zu erfahren.“
Die Band Rammstein gilt als grenzwertig. Ich selbst bin nicht unbedingt ein Fan von denen, obwohl deren Rock hochkarätig ist.
Augenscheinlich ist sich die Szene einig.
Übrigens, die Katzen-Zeichnungen sind zum Fressen.
„Ich spreche von Leuten, die mit zerbrochenen Flaschen vergewaltigt wurden,“ sagte er auf einem Vortrag spät letzten Monat, die von The Real News Network wiederholt wurde. „Ich spreche von Leuten, deren Kinder vor ihren Augen gefoltet wurden, bis sie ein Geständnis unterzeichneten. Ich spreche von Leuten, die lebendig gekocht wurden. Und die Auswertungen dieser Foltersitzungen wurden von der CIA entgegengenommen und weitergeleitet.“
Siehe auch Folter
Eigentlich betreibt die Wahlkampfseite keine Pressekritik, aber der Welt-Artikel „Elterngeld – Fortpflanzungsprämie für Unterschicht“ von Gunnar Heinsohn am 3.11.2009 verdient gesonderte Würdigung.
Vor der Textkritik ein Blick auf das Titelfoto: eine Obdachlose mit Kinderwagen kramt in ihren Plastiktüten. Die Bildunterschrift lautet: „In Deutschland wird über nachhaltige Politik debattiert, die ein Ausbreiten der Unterschicht begrenzt“. – Klingt wie „Ausbreiten der Rattenplage“. Na jetzt können wir ja ruhig weiter schlafen, finden Sie nicht?
Weiter zum Teaser:
Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht.
Ein Text trägt Inhalt, und er trägt Stimmung durch gezielte Wortwahl. Das Wort „Gebäranreize“ möchte man Gunnar um die Ohren hauen.
Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung.
Zum Terminus „Karrierefrauen“ – das Elterngeld induzierte also 93% Unter- und nur 7% Oberschichtbabies; und die Entwicklung sei „folgenschwer“.
Der Grundgedanke ist nicht von der Hand zu weisen: aufgrund der deutschen Bildungssituation haben Kinder aus armen Familien weniger Bildungs- und Fortbildungschancen als begüterte Kinder. Ein Ausweg aus dem Dilemma „Unterschicht bleibt unter sich“ sollte in besserer Bildungspolitik statt Ungezieferbekämpfung bestehen. Dass Heinsohn darauf nicht selbst kommt, überrascht. Denn er war Professor für Sozialpädagogik in Bremen.
Im Artikel geht es fröhlich weiter:
Zusammengefasst – was ist ärgerlicher? Ein Vokabular aus dem Wörterbuch des Unmenschen? Die logischen Lücken des Professors? Dass eine Tageszeitung diesen Text unwidersprochen veröffentlicht?
(RSS-Feed)