Fortpflanzungsprämie

|  05.11.09

Eigentlich betreibt die Wahlkampfseite keine Pressekritik, aber der Welt-Artikel „Elterngeld – Fortpflanzungsprämie für Unterschicht“ von Gunnar Heinsohn am 3.11.2009 verdient gesonderte Würdigung.

Vor der Textkritik ein Blick auf das Titelfoto: eine Obdachlose mit Kinderwagen kramt in ihren Plastiktüten. Die Bildunterschrift lautet: „In Deutschland wird über nachhaltige Politik debattiert, die ein Ausbreiten der Unterschicht begrenzt“. – Klingt wie „Ausbreiten der Rattenplage“. Na jetzt können wir ja ruhig weiter schlafen, finden Sie nicht?

Weiter zum Teaser

Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht.

Ein Text trägt Inhalt, und er trägt Stimmung durch gezielte Wortwahl. Das Wort „Gebäranreize“ möchte man Gunnar um die Ohren hauen.

Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung.

Zum Terminus „Karrierefrauen“ – das Elterngeld induzierte also 93% Unter- und nur 7% Oberschichtbabies; und die Entwicklung sei „folgenschwer“.

Der Grundgedanke ist nicht von der Hand zu weisen: aufgrund der deutschen Bildungssituation haben Kinder aus armen Familien weniger Bildungs- und Fortbildungschancen als begüterte Kinder. Ein Ausweg aus dem Dilemma „Unterschicht bleibt unter sich“ sollte in besserer Bildungspolitik statt Ungezieferbekämpfung bestehen. Dass Heinsohn darauf nicht selbst kommt, überrascht. Denn er war Professor für Sozialpädagogik in Bremen.

Im Artikel geht es fröhlich weiter: 

Zusammengefasst – was ist ärgerlicher? Ein Vokabular aus dem Wörterbuch des Unmenschen? Die logischen Lücken des Professors? Dass eine Tageszeitung diesen Text unwidersprochen veröffentlicht?

Ihr Kommentar

Ihr Name:
Ihre Email (bleibt vertraulich):
Ihr Kommentar:

<< | Home | Sitemap | A-Z | Impressum | Suche | >>