| 15.11.09
Der Mathematiker Michael Nielsen weist in seinem Blog nach, dass das Relevanz-Kriterium von Wikipedia einen Widerspruch in sich bildet. Hier meine deutsche Übersetzung:
Um zu bestimmen, ob ein Begriff einen Eintrag verdient, verwendet Wikipedia das Kriterium der Relevanz. Dies führt zu einer interessanten Frage:
Frage 1: Welches ist der relevanteste Begriff, der gerade eben nicht mehr relevant genug ist für die Aufnahme in Wikipedia?
Angenommen, zu dieser Frage existiert eine Lösung (Die Antwort), nennen wir den korrespondierenden Begriff X. – Jetzt haben wir eine zweite Frage, deren Antwort absolut nicht offensichtlich ist:
Frage 2: Ist Begriff X deswegen relevant, weil er Die Antwort ist?
Falls die Antwort zu Frage 2 „nein“ lautet, gibt es kein Problem, und wir können alle nach Hause gehen.
Falls die Antwort zu Frage 2 „ja“ lautet, tja, dann haben wir einen Widerspruch, denn ähnlich dem Interessante-Zahlen-Paradox folgt, dass Frage 1 keine Antwort hat, so dass jeder denkbare Begriff dem Relevanz-Kriterium von Wikipedia genügt.
Nehmt dies, Löschfanatiker!
Jetzt kommt das Lustige: ob die Antwort zu Frage 2 „ja“ oder „nein“ lautet, hängt davon ab, wo ich diese Analyse veröffentliche. Wenn ich sie in meinem Blog veröffentliche, wo niemand drauf achtet, dann lautet die Antwort zu Frage 2 „nein“ – die meisten Wikipedianer werden da zustimmen.
Aber angenommen, ich würde mit großem Trara eine Reihe von Konferenzen über Die Antwort veranstalten, und ich könnte führende Logiker und Philosophen überzeugen, teilzunehmen und Artikel über Die Antwort zu schreiben, würde für Berichterstattung in den Medien sorgen, und so weiter: dann würde Die Antwort sicherlich Wikipedias Relevanz-Richtlinien genügen!
(Die Gedankenkette wurde angeregt durch ein Mittagsgespräch mit einer Gruppe Physikern vor zwei Jahren. Ich weiß nicht mehr, wer genau, sonst könnte ich die Schuld besser verteilen.)
(Drauf gestoßen bin ich bei Fefe. Danke!)