Die Erfindung des Papiers - seine heutige Herstellung und Weiterbearbeitung

© 2008 Wolf Lumb, Internetadresse: http://home.arcor.de/wolflumb/

Inhaltsverzeichnis

Themenbereiche:
1. Die Erfindung und geschichtliche Entwicklung des Papiers
2. a) Roh- und Hilfsstoffe des Papiers
2. b) Umweltaspekte
3. Die Oberflächenbearbeitung von Papier
4. Die maschinelle Herstellung des Papiers
5. Die Stoffklassen
6. Technische Begriffe im Zusammenhang mit Papier
7. Papiergewichtsberechnungen (Grammaturberechnungen)
8. Nutzen- und Nutzenberechnungen
9. Aktuelle Daten und Berichte
10. Weitere Links
Quellennachweis

" ... ausgeliefert fühlen sich Designer häufig, wenn es um den Umgang mit Papier geht. Das liegt vor allem daran, dass es den Kreativen meist am nötigen Wissen fehlt. Während der Ausbildung gönnen Lehrende dem Thema Papier und Produktion selten mehr als einen kurzen Seitenblick ..." (PAGE, Juli 2000, S.63) Wie hier auf unserer Site ersichtlich, bieten wir Ihnen entschieden mehr als einen kurzen Seitenblick ...

Beispielhaft werden in diesem Skript drei große Papierhersteller besonders beachtet und verlinkt: wegen der Technik die europaweit führende UPM-Kymmene, (früher Papier-Haindl AG), und wegen eines lehr- und hilfreichen Papierlexikons die Unternehmensgruppe Schneidersöhne. Drittens gefallen mir die umfassenden Informationen und der dazugehörige Kalkulatortool bei der Papierfabrik Scheufelen sehr gut. Mit diesem Hilfsmittel «können Anwender ermitteln, wieviel Papier (in Bogen und Gewicht ausgedrückt) in welchem Format für die Produktion einer bestimmten Drucksache benötigt wird. Dabei können Format, Seitenanzahl, Auflage und Druckzugabe jeweils individuell festgelegt werden. Die Kalkulation dient dem Anwender dann als Basis, um eine konkrete Anfrage an Scheufelen oder seine Vertriebspartner zu starten.» (Wochenblatt für Papierfabrikation, Nr. 5/2000, S.321) Das Druckhaus Garcia GmbH in Leverkusen stellt ein umfassendes und überaus kompetent erstelltes Papierlexikon zur Verfügung - versäumen Sie bei Ihrem Papierlernpensum und bei Ihrer Prüfungsvorbereitung es nicht, sich hier einzuklinken!
Allen Unternehmungen bzw. den respektiven Mitarbeitern sei an dieser Stelle sehr gedankt!

Schön und lehrreich auch die historische (seit 1829) und aktuelle Papierhestellung in unserem bayrischen Gmund - unbedingt besuchen - nicht zuletzt wegen des Screen-Designs!

Empfehlen möchte ich desgleichen einen Besuch im Baseler Papiermuseum - eine interessante und lehrreiche Site und vielleicht führt Sie eine Reise einmal nach Österreich: http://members.vienna.at/difr/papiermachermuseum/attraktionen.html

Dass Papierentscheidungen in aller Regel auch Marketingentscheidungen sind, sieht man an der neuen „Financial Times Deutschland“ (auch im Netz lachsfarbig). Sie erscheint, wie das Londoner Original, seit 1893 auf lachsfarbenem Papier. Die Zeitschrift PAGE berichtet in ihrer Ausgabe Juni 2000 von diesem „geschickten Marketingzug, der die Financial Times bis ins 21. Jahrhundert hinein unverwechselbar macht.“ (S. 98f.)

Themenbereiche:
1. Die Erfindung und geschichtliche Entwicklung des Papiers
2. a) Roh- und Hilfsstoffe des Papiers
2. b) Umweltaspekte
3. Die Oberflächenbearbeitung von Papier
4. Die maschinelle Herstellung des Papiers
5. Die Stoffklassen
6. Technische Begriffe im Zusammenhang mit Papier
7. Papiergewichtsberechnungen
8. Nutzen- und Nutzenberechnungen
9. Aktuelle Daten und Berichte
10. Weitere Links
Quellennachweis

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1. Die Erfindung und geschichtliche Entwicklung des Papiers

Es versteht sich, dass in einem derart eng begrenzten Skript nur unser Kulturraum berücksichtigt werden kann. Dieser Raum wurde historisch vor allem aus dem Ober-Ägyptischen und aus Kleinasien beeinflusst. Dass die Suche nach Beschreibstoffen aber überall auf der Welt ein wichtiges Thema war, zeigte sehr eindrucksvoll eine Fernsehsendung des Bayerischen Fernsehens im Februar 1999: China: 5000 Jahre Zivilisation. Dabei wurde ausführlich über die große Bedeutung der Orakel-Knochen berichtet. Wer sich informieren will, findet darüber einige Sites im Netz. Die ältesten, heute erhaltenen Aufzeichnungen über Krankheiten finden sich zum Beispiel auf den Orakelknocheninschriften aus der Shang-Zeit (1766-1122 v. Chr.).

Der Name Papier geht auf den Beschreibstoff Papyrus zurück (um 3.000 v. Chr.). Zu dessen Herstellung schnitt man das Mark der Papyrusstaude in längliche Streifen (heute werden in Sizilien in Sirakusa noch solche Papyrus-Stauden verarbeitet), die zu Buchrollen aufgerollt wurden. In der Bibliothek von Alexandria bewahrte man über 700.000 solcher Rollen auf, die aber 47 v. Chr. durch einen Brand vernichtet wurden.
Seit dem Jahre 1988 arbeitet man übrigens an einer Wiedererrichtung der legendären Bibliothek. Die, wie man sagt, "
Mutter aller Bibliotheken", soll, dem Architekten Mohsen Zahran zufolge, von neuem der Ort des Gedächtnisses für die Weltkultur werden.

Vom 4. Jahrhundert v. Chr. an tritt an die Stelle von Papyrus das Pergament. Als Pergament bezeichnet man eine mit Kalk präparierte, dünn geschabte tierische Haut. Das Wort leitet sich vom antiken Pergamon in Kleinasien ab. Im 2. Jahrhundert v. Chr. kam das Pergament nach Rom und verbreitete sich neben Papyrus als Beschreibstoff. Vom 4. Jahrhundert an begann Pergament den Papyrus zu verdrängen, bis es gegen Ende des 14. Jahrhunderts selbst wiederum weitgehend vom Papier verdrängt wurde. Danach beschränkt sich seine Verwendung auf Urkunden, wichtige Verträge, Bucheinbände u.ä.

"Der erste Bericht von brauchbarem Papier findet sich in einem chinesischen Geschichtswerk ... Danach teilte der Staatsbeamte Ts`ai Lun im Jahre 105 unserer Zeitrechnung dem Kaiser mit, dass es ihm gelungen sei, aus Baumrinde, Hanf, alten Lumpen und Fischnetzen Papier herzustellen.
Die Kenntnis der Papierherstellung war im frühen 7. Jahrhundert von China nach Korea und Japan gelangt.
Im 8. Jahrhundert erlernten die Araber von den Chinesen, die sie 751 bei einer kriegerischen Auseinandersetzung ... gefangen genommen hatten, die Herstellung von Papier. ... Mit den Kriegszügen der Araber kam das Papier in den Westen, zu Anfang des 10. Jahrhunderts nach Ägypten und Syrien, etwas später nach Nordafrika und Spanien. ... 1256 ist in Italien die erste Papiermühle urkundlich belegt. Im 13. und 14. Jahrhundert deckte die italienische zusammen mit der spanischen Produktion weitgehend den Papierbedarf der anderen europäischen Länder. In Deutschland wurde 1390 die "Gleismühl" ... vor den Toren Nürnbergs in Betrieb genommen [1]."
Wie man sich die ursprünglich chinesische, später europäische Kulturtechnik des Papiermachens vorzustellen hat, davon können wir uns im Deutschen Museum in München einen hervorragenden sinnlichen Eindruck verschaffen. Jürgen Praulich aus der Klasse 11422 hat im Schuljahr 1999/2000
eine Reportage über den Museumsbesuch verfasst, Wolf Lumb lieferte die digitalen Bilder dazu, so dass insbesondere die Stoffbütte der Papierabteilung sowie die Tätigkeit des Ablösens des Papiers vom Sieb, das sog. Abgautschen ganz gut nachvollziehbar wird. Auf einer der Hinweistafeln in der Papierabteilung liest man im Zusammenhang mit der chemisch hochkomplexen Blattbildung einen witzigen Satz: "Papierfasern verwirren sich, weil das Sieb bewegt wird." Ich assoziiere bei Blattbildung den Begriff Paarbildung und denke, auch darauf bezogen stimmt der Satz von der Verwirrung ...

Die Produktion von Druckwerken war bis auf die Mitte des 15. Jahrhunderts durchaus noch auf Pergament angewiesen. Den Wandel hinsichtlich der Beschreibstoffe zeigen die beiden folgenden Daten:

  • Von den 180 Exemplaren der berühmten Gutenberg-Bibel des Jahres 1455 waren noch 30 auf Pergament gedruckt.
  • Die 1. Auflage des Neuen Testaments von Martin Luther mit ihren 4.000 Exemplaren hingegen war bereits auf Papier gedruckt [2].

 

Heute gibt es weltweit übrigens nur noch vier vollständig erhaltene Gutenberg-Bibeln auf Pergament. Eine davon ist nun sensationellerweise im Internet zu bewundern. Dazu musste das Werk vorher natürlich digitalisiert werden. Die 1282 Seiten im Original verlangten nach 710 CD-ROM-Scheiben. (SZ vom 17. Juli 2000)

Der italienischen Papierherstellung verdanken wir in den letzten Jahrhunderten eine Vielzahl von Neuerungen, die hier kurz angesprochen werden:
1. Die Erfindung der
Wasserzeichen.
2. Die Neuerung der Glättung des Papiers durch Marmorsteine. Wer etwa den Film "Der Name der Rose" nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Eco aufmerksam gesehen hat, erinnert sich vielleicht, auf den Schreibtischen der Mönche Steine gesehen zu haben ("per rendere liscia la pergamena" - um das Papier glatt zu bekommen, Il Nome della Rosa, Milano 1987, p. 80). Eco zufolge ist sein Roman Ende des Jahres 1327 angesiedelt. Das Museum von Fabriano (für unsere italienisch kundigen Sprachlerner) verweist auf das Ende des 13. Jahrhunderts.
3. Die Einführung der Leimung, die des Weiteren ebenfalls im Museum von
Fabriano beschrieben wird.

Zu Beginn des Jahres 2002 hatte die SZ AM WOCHENENDE einen grossen und wichtigen Artikel zur Geschichte der Beschreibstoffe von Katharina Kramer im Blatt. Titel: Ein wahrhaft revolutionärer Stoff; Untertitel: Von Mumien, Kälberhäuten,Wespennestern – und Papier: Geschichte eines immer noch unentbehrlichen Kulturträgers

 

 

2. a) Die Rohstoffe und Hilfsstoffe des Papiers

Neufassung des 2. Kapitels Roh- und Hilfsstoffe im Jahre 2008

Die chinesische Papierherstellung revolutionierte die Herstelltechnik insofern, dass nicht länger mehr oder weniger fertige Beschreibstoffe wie Steine, Felsen, Bambusblätter oder Tierhäute präpariert und beschrieben wurden, sondern dass ein Faserbrei mit ca. 99% Wasser und einem Prozent Hadern (Lumpen, Spinnereiabfälle) aufgerührt wurde. Die Erfindung der Druckkunst durch Gutenberg führte allmählich zur Knappheit der Hadern. "Daher stellte man bereits im 18. Jahrhundert Versuche an, Papier aus anderen Materialien als Lumpen herzustellen und Altpapier als Rohstoff zu verwenden [3]."
Zur Erprobung kamen Pappelwolle, Hopfenranke, Moos, Brennessel, Tannenzapfen, Kartoffelkraut und alte Dachschindeln als Faserstoffe. Auch Versuche mit Stroh wurden durchgeführt und im Jahre 1800 erwarb der Engländer M. Koops ein Patent, das die Wiederverwendung von Altpapier und die Entfernung der Druckschwärze zum Inhalt hat.
1843 schließlich gelingt dem Mechaniker
Friedrich Gottlob Keller in Sachsen eine bahnbrechende Erfindung, Er "zerfaserte Holz unter Zugabe von Wasser an einem Schleifstein, um aus der Fasersuspension [4] Papier herzustellen [5]."

So wurde seit dem 19. Jahrhundert Holz zum wichtigsten Faserrohstoff. Die Faserstoffe stellen dabei etwa 70% des Anteils an der Papiermasse. Sie bestimmen im wesentlichen die Qualität des Papiers. Wegen der langen Fasern wird Nadelholz bevorzugt. Im Allgemeinen sind die Fasern zwischen 2,3 und 3,7 mm lang. Der Rohstoff (Halbstoff) ist die Grundsubstanz des Papiers.

Hinsichtlich der Art der Zerfaserung unterscheidet man zwischen Holzschliff und Zellstoff.

Holzschliff entsteht durch die mechanische Zerfaserung des Holzes unter Wasserzugabe und enthält neben Zellulose [6] auch Lignin, Harze und andere Holzstoffe. Die Vorteile der Holzschliffverwendung liegen in der nahezu 100%igen Rohstoffausbeute und der relativen Undurchsichtigkeit des Papiers. Holzschliffhaltiges Papier hat allerdings eine geringere Festigkeit, weil die Fasern nur bedingt ausfransen und damit verfilzen können. Durch das vorhandene Lignin vergilbt holzschliffhaltiges Papier in relativ kurzer Zeit und ist daher für Dokumente unbrauchbar.

Definitionen aus dem Handbuch "Papier in unserer Welt" von Lothar Göttsching:
"Holzstoff: H. ist der Oberbegriff für einen mit mechanischen Mitteln zerfaserten Faserstoff aus Holz (vor allem Nadelholz wie Fichte). Der klassische H., mit Hilfe von Steinschleifern erzeugt, wird Holzschliff genannt. Der überragende Vorteil von H. ist die hohe Ausbeute zwischen 90 und 98 %, bezogen auf das eingesetzte Holz. Man erhält also aus 100 kg trockener Holzsubstanz 90 bis 98 kg Holzstoff [7]".
"Lignin: L. ist eine Gerüstsubstanz, in Pflanzen vornehmlich zwischen den Einzelfasern sitzend und die sogenannte Mittellamelle bildend, die neben der Cellulose und weiteren Bestandteilen im Holz enthalten ist. L. bewirkt dort die zusätzliche Versteifung von Fasern. Bei der Zellstoffgewinnung wird Lignin chemisch weitgehend von der Cellulose getrennt bzw. durch die Kochflüssigkeit in Lösung gebracht [8]."

Der Holzschliffgehalt liegt je nach Papiersorte zwischen 0% und 75%, bei Zeitungspapieren auch bis zu 90% (daher die starke Vergilbung). Papier mit einem Holzschliffgehalt bis zu 5% gilt als holzfrei. Bei einem Besuch der MD-Papierwerke im Januar 2003 informierte man uns darüber, dass es gelungen sei, den Zellstoffanteil bei hochwerten gestrichenen Papieren von 51 % auf 37 % zu reduzieren. Die meisten Tiefdruckpapiere (hauptsächlich für Kataloge) sind aber holzhaltig. Das Wochenblatt für Papierfabrikation berichtet in der März 2000 Ausgabe sowohl von einem „Durchbruch beim Verhindern des Vergilbens von Holzschliff“ als auch darüber, dass „damit die vielleicht letzte Grenze für den Einsatz von Holzstoff in hochwertigen Produkten beseitigt (wurde), und erste Anwendungen sich wahrscheinlich auf die Einsparungen konzentrieren (werden), die durch den Ersatz von gebleichten Kraftzellstoff erzielt werden“. Der Bericht schliesst hoffnungsfroh: „Voraussichtlich kommt es zur Entwicklung neuer Papiersorten." (S.369)

Thermomechanischer Holzstoff (TMP) wird nicht durch Schleifen, sondern durch Mahlung von erhitzten, d.h. gedämpften Holzschnitzeln im sog. Refiner gewonnen, wobei die Ausbeute etwas höher ist als beim Holzschliff. Dieses Verfahren eignet sich besonders für die Verwertung von Restholz.

Neben der mechanischen Aufbereitung des Holzes gibt es noch die chemische Zerfaserung. Hierbei entsteht Zellstoff. Er enthält ebenfalls Zellulose und andere Holzstoffe, jedoch kein oder nur wenig Lignin. Zellstoff wird gewonnen, indem kleingehackte Holzschnitzel in lauge- oder säurehaltiger Flüssigkeit gekocht werden, wodurch sich die unzerstörten Fasern von den nicht faserhaltigen Bestandteilen des Holzes (Lignin, Harze, Mineralien, etc.) lösen. Die Rohstoffausbeute ist dabei allerdings im Vergleich zum Holzschliff entschieden geringer (ca. 50% !), so dass holzfreies Papier teurer ist. Es ist aber haltbarer, weißer und kaum vergilbungsanfällig. Die Fasern sind von relativ gleichmäßiger Länge und verfilzen leichter, so dass die Reißfestigkeit höher ist. Man unterscheidet Sulfitzellstoff und den Sulfatzellstoff mit besonders hoher Festigkeit. Sulfatzellstoff wird weitgehend importiert. Neu in Deutschland: Seit 1999 wird in Thüringen wieder Zellulose produziert - bei MD in Dachau ist Rosenthal/Stark ein wichtiger Lieferant. Wenn Sie mehr über die Zelluloseproduktion erfahren (inclusiv Glossar) wollen, aktivieren Sie diesen Link!

Der gewonnene Zellstoff wird in Wasser aufgelöst und gemahlen, wobei der Mahlgrad die spätere Papierqualität beeinflusst. „Unter Bleichen ist die Erhöhung des Weißgrades eines Faserstoffes zur Herstellung von Papier zu verstehen. Der Bleichprozeß ist eine Weiterführung des chemischen Aufschlusses, bei der die Abtrennung der Zellulosebegleitstoffe vollendet wird. Denn der Zellstoff hat nach dem chemischen Aufschluß eine gelbliche bis braune Färbung. Das Bleichen erfolgt heute mehr und mehr ohne Chlor oder Chlorverbindungen. Der Nachteil des Verfahrens ist aber, dass die Abwässer aus der Chlorbleiche leider nur unzureichend gereinigt werden können und daher die Gewässer belasten. Weltweit werden aber aus diesem Grunde bereits chlorfreie alternative Bleichverfahren praktiziert, die keine Umweltbelastung darstellen.“ Zitiert aus dem Lexikon der Schneidersöhne-Unternehmung.

Der Rohstoff kann auch aus Hadern (z.B. für Banknoten) oder Einjahrespflanzen hergestellt werden.

Zum ganz wesentlichen Rohstoff hat sich Altpapier entwickelt. Fast die Hälfte des deutschen Stoffbedarfs wird dadurch gedeckt. Der Großhandel unterscheidet über ein Dutzend Altpapierqualitäten (von 'Altpapier sortiert' bis zur Haushaltssammelware). Altpapier ist weniger reißfest und besitzt keine gute Weiße; zudem ist das Entfernen der Druckfarbe (sog. De-Inking) hinsichtlich
Umweltaspekten nicht unproblematisch. (Siehe unten unter 2. b) Altpapier wird im großen Stil zur Produktion von Zeitungspapier (mit 70-100% Altpapieranteil am Faserstoffeinsatz), Karton und Pappe (bis 100% Altpapieranteil) verwendet.

In geringem Maße werden auch Kunststoffe als Halbstoffe verwendet, z.B. Polyethylen für besonders robuste und wasserfeste Dokumente und Landkarten. Der hohe Preis lässt eine weitere Verbreitung nicht zu.

Neben den erwähnten Halbstoffen (Holzschliff, Zellstoff, Altpapier, Kunststoffe) benötigt man noch Hilfsstoffe, um zum Ganzstoff zu kommen. Hierzu zählen Füllstoffe, optische Aufheller, Bleichmittel, Leime sowie Farben.

Füllstoffe wie Kaolin (Calciumcarbonat), Kreide, Kalkstein, Marmor und Magnesiumsilikat (allgemein spricht man auch von Pigmenten) füllen bei der Papierherstellung die Faserzwischenräume aus und führen zu einer glatteren Oberfläche des Papiers und somit zu einer verbesserten Bedruckbarkeit. Sie dringen auch in die Papiersubstanz ein und bedecken nicht nur die Oberfläche wie der Strich bei gestrichenem Papier. Außerdem verleihen Füllstoffe dem Papier eine höhere Undurchsichtigkeit, die als Opazität bezeichnet wird. Die Opazität ist dabei ein Fachbegriff für die "Deckfähigkeit von Papier, gemessen wird mit dem Opazimeter und bestimmt nach dem Verhältnis des eintretenden zum durchgehenden Licht [9]." In diesem Zusammenhang vielleicht eine kleine Lernhilfe: der Gegenbegriff zur Opazität ist Tranzparenz. Apropos Tranzparenz: auch hier sollte man sich vergegenwärtigen, dass Papierfragen häufig Marketingentscheidungen sind. So wirbt ein bedeutender Hersteller: "Transparentpapiere machen Drucksachen spannend. Weil sie mehr zeigen als andere Papiere, aber dennoch nicht völlig preisgeben, was unter ihnen liegt. Sie erweitern den krativen Freiraum." (PAGE; Juli 2000, S.19ff.)
Die PAPERnews (ein Magazin von STERN, DER SPIEGEL, HÖRZU, TV HÖREN UND SEHEN, FÜR SIE, FOCUS und DIE ZEIT) behaupten in ihrer Ausgabe 2002 sogar, die Füllstoffe könnten "bei modernen Papieren bis zu 55 % des Papiers ausmachen. »Dann halten Sie möglichweise ein Stück aus den Steinbrüchen von Carrara in den Händen« sagt Fachautor W. Tegethaff, Geschäftsführer der Kölner Firma Omya, welt- weit führender Hersteller von Mineralstoffen. ... In Deutschland kommen jährlich rund 3,5 Millionen Tonnen der Insgesamt 18 Millionen Tonnen Papier und Pappe aus den Bergwerken." (PAPERnews, Nachrichten und Meinungen zum Thema Papier, Ausgabe 2002)

Optische Aufheller wandeln ultraviolettes Licht in sichtbares Licht um und erhöhen dadurch optisch den Weißgehalt des Papiers. Der hier angezeigte Link führt Sie unter der Überschrift: "Online-Experiment: Optische Aufheller entdecken!" in die Papierabteilung des Deutschen Museums, in der man diesen Effekt sehr schön darstellt und beschreibt. Eine weitere Möglichkeit des Weißmachens neben dem Streichen besteht in der Behandlung mit Bleichmitteln, was aber die Haltbarkeit des Papiers deutlich verringert. Das besonders wirksame Chlor wird dabei aus Gründen des Umweltschutzes mehr und mehr durch andere Verfahren (z.B. mit Sauerstoff) ersetzt.

Auch Leime werden mit der Faser-Wasser-Suspension vermischt, weshalb man von geleimtem Papier spricht. Natürliche und synthetische Leime vermindern die Zwischenräume zwischen den Fasern, die Flüssigkeiten aufsaugen. Dem Papier wird dadurch die Saugfähigkeit genommen, es verzieht sich also nicht bei Feuchtigkeitseinwirkung, was besonders bei Offsetpapieren wichtig ist. Auch ist das Leimen Voraussetzung für die Beschreibbarkeit mit Tinte.

Farben werden verwendet, um eine Tönung zu erreichen.

 

2. b) Umweltaspekte

Insgesamt haben wir es mit drei großen und weitgehend ungelösten Problemen zu tun:

I. Der Rohstoff Holz ist knapp

II. Wohin mit dem Deinkingschlamm und wohin mit den unbrauchbaren Fasern?

III. 1/3 der Farbe im Altpapier ist nicht herauslösbar

"Zu fällen einen schönen Baum, braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert." (Eugen Roth)
Dieses schöne Zitat ist einer Verlagskooperation mit einem Gymnasium entnommen: versäumen Sie es nicht, diese Homepage aufzurufen!

Nachdem die Süddeutsche Zeitung Ende des Jahres 1998 in einer Verlagsbeilage 'SZ intern 1998' eine zwar sprachlich sehr nette, inhaltlich aber irreführende Darstellung der heilen Recycling-Welt gegeben hat, habe ich mich bei dem in Europa technologisch führenden Hersteller UPM in Schongau über die Zusammenhänge informieren lassen. Bevor ich das Resultat aus Schongau referiere, möchte ich Ihnen aus dem von mir oben so abgekanzelten Artikel von Axel Hacke: 'Warum Bäume so gerne Zeitungen werden' zitieren. Der Autor stellt zwei Bäume im Wald vor, einen kleinen und einen alten weisen und stellt die Beziehung zur SZ wie folgt dar: "Mit dem Papier war es ja früher so: Wenn es Abend wurde im Wald, beugte sich oft ein großer Baum zu einem kleinen Baum herunter und fragte: 'Na kleiner Baum, was willst du mal werden?' Der kleine Baum antwortete: 'Ein großer Baum, wie Du!' - 'Ja', sagte der große Baum, 'aber mit dem Großer-Baum-Sein ist es irgendwann vorbei. Dann kommen die Holzhackerbuam, und es tut ein bisschen weh und wir werden Einbauküchen ... oder Zeitungspapier ..." Und diese Zeitungsperspektive für den Baum wird recht euphorisch so ausgemalt: " ... das Papier, das wir für die Zeitung nehmen, besteht seit längerem zu 80 % aus Altpapier, was nichts anderes heißt, als dass manche Bäume für die Ewigkeit ins Zeitungswesen eingehen, wieder und wieder Zeitung werden und Zeitung bleiben."

Hätte der ansonsten lustige Axel Hacke recht, dann hätten wir weltweit nicht das entsetzliche Problem der ständigen Vernichtung von Waldbeständen ungelöst vor uns: die zerstörten Wälder entsprechen jährlich einer Fläche, die vier Mal so gross wie die Schweiz ist. (Corriere della Sera, 9. August 2002) . Damit Sie sich von diesen Grössenproportionen visuell eine Vorstellung machen können, betrachten Sie die hier verlinkten Landkarte:

http://www.railpass.com/map.htm

Man kann nur hoffen, dass die Autor(innen) der SZ im Blatt besser recherchieren als in der Verlagsbeilage: die Ewigkeit dauert nämlich lumpige 6 bis 7 Recyclingzyklen, dann werden die Fasern brüchig, so dass "etwa 15-20 % unbrauchbare Fasern bei der Aufbereitung ausgeschwemmt werden". (Zitat aus dem Fax eines Papier-Ingenieurs vom 14. Januar 1999 an den Autor). Inzwischen (2007) liegt der Recyclinganteil bei Zeitungspapier bei nahezu 100 %.

Das RAL Umweltschutzzeichen für graphisches Recyclingpapier RAL-UZ 14 "100% Altpapier" wird bei 100% Altpapier am Faserstoffeinsatz vergeben. (Zur Reportage Besuch der Haindl`schen Papierfabrik in Schongau)

II. Wohin mit dem Deinkingschlamm und wohin mit den unbrauchbaren Fasern?

Es ist mit der Papierumweltthematik ähnlich wie in vielen anderen Umweltfragen: letzten Endes wissen wir nicht genau Bescheid. Dies liegt nicht daran, dass die Probleme zu komplex sind, sondern daran, dass unsere Gesellschaft zur Zeit nicht daran interessiert ist. Dies bringt es mit sich, dass auch keine systematische Datensammlung vorhanden ist. Das Institut für Papierfabrikation an der Technischen Hochschule in Darmstadt behauptet, dass ausgehend von einer Basiszahl für das Jahr 2000 mit 700 000 Tonnen Deinkingschlämmen mit weiteren Erhöhungen zu rechnen ist. In den Statistiken des Bundesumweltamtes finden sich als Grenzüberschreitende Abfallverbringung für das Jahr 2001 über 100 000 Tonnen Deinkingschlämme, Faser- und Papierschlämme sowie Druckfarbenschlämme dokumentiert, wieviel Tonnen Problemmüll aber im Inland verarbeitet oder gelagert wurde, ist nicht zu ermitteln. Bei der UPM-Kymmene, (früher Papier-Haindl AG), erklärte man uns bei einer Betriebsbesichtigung im Frühjahr 2003, dass der gesamte Altfaseranteil, die gesamte Farb- und Deinkingchemie im hauseigenen Elektrizitätswerk »weitgehend emmissionsfrei« zu Energie rückverwandelt wird. Natürlich ist in dem hohen Kamin eine Filteranlage eingebaut - aber über den Verbleib dieser Filter konnte ich nur ansatzweise Werte ermitteln. In der bereits zitierten Statistik über die grenz-überschreitende Abfallverbringung ist die Verbringung von 452 Tonnen dieser Filter ins Ausland festgehalten. Apropos weitgehend emmissionsfrei: entweder ist UPM in Schongau ein Sonderfall oder das dortige Management stellt die Lage doch gar zu rosig dar. Wie liesse sich sonst erklären, dass der Präsident des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP) "betont, dass die Branche besonders in Fragen der Klima- und Energiepolitik gefordert sei. Vor allem der sich abzeichnende Handel mit Emissionszertifikaten ... werde die Papierindustrie mittelfristig finanziell belasten. (BDZV Intern vom 19. Dezember 2003, S. 2) Einerseits sagt man uns, es entstünden kaum Emmissionen, andererseits klagt der Papierverbandspräsident, es müssten sogar zusätzliche Emmissionszertifikate gekauft werden ... wie reimt sich das zusammen? Vielleicht so: die eine Meinung ist fürs breite Publikum und für die zukünftige Kundschaft, die andere aber wird im Verbandsorgan BDZV Intern vertreten.

Für den Fall, dass die Deinkingabfälle weder exportiert noch verbrannt werden, ist anzunehmen, dass sie auf den Müllhalden unseres Landes deponiert werden. (Vgl. einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung über die größte Deponie der Republik, hinsichtlich der Inhaltstoffe war dabei auch von "wässrigen Schlämmen, die Druckfarben enthalten" die Rede (SZ vom 25-02-2003). Bei einem Papierverbrauch von mehr als 18 Mio. Tonnen jährlich, kann auch dies keine auf Dauer praktikable Lösung sein. Verstehen Sie mich nicht falsch: natürlich ist der Altpapiereinsatz positiv zu bewerten - nur darf man nicht annehmen, dass damit die ökologischen Probleme gelöst seien. Wenn Sie Details über das Verhältnis Zellstoff-, Holzschliffverbrauch einerseits und Altpapiereinsatz andererseits wissen wollen, öffnen Sie die Statistiken des Verbands der deutschen Papierindustrie! (Im Jahre 2001 hatten wir eine Altpapiereinsatzquote in Höhe von ca. 65 %.)

 

 III. 1/3 der Farbe im Altpapier ist nicht herauslösbar

Auf ein weiteres Problem macht die Redaktion von Wissenschaft und Technik bei ntv (Frühjahr 2001) in einer sehenswerten Reportage über die Kulturtechnik des Papiermachens aufmerksam. Dort wird das Deinking gezeigt und dabei wird berichtet, dass 1/3 der Farbe im Papier gar nicht herauslösbar sei - daher also der starke Grauwert unseres Recyclingpapiers. Das allein wäre nicht weiter bedenklich, nur machen die Forscher darauf aufmerksam, dass wir nicht wissen, welche Folgen es für die Atemluft habe, wenn diese chemische Zusammensetzung (Fasern + Restfarbe) beim Kopieren stark erhitzt wird, es ist aber zu vermuten, dass giftige Emissionen freigesetzt werden und die Atemwege des Fotokopierpersonals (Azubis (!), Lehrer, Sekretärinnen usw. usw.) beschädigen. Es ist wie so oft hinsichtlich der fehlenden Ökobilanzen: wir wissen es nicht und im Grunde interessiert es uns auch nicht besonders - was immer die Folgen sind: wir bezahlen den Preis.

Wenn Sie Umweltaspekte besonders interessieren - halten Sie sich auf den beiden folgenden Websites auf dem Laufenden:

http://www.umweltministerium.bayern.de/service/lexikon/

http://www.umweltbundesamt.de/

Zum Gesamtherstelleiter Wolfgang Michael Hanke von Random House Deutschland (Börsenblatt Heft 27, Sommer 2007)

 

3. Die Oberflächenbearbeitung von Papier

An dieser Stelle möchte ich Ihnen nocheinmal aus der im Skriptkopf bereits zitierten PAGE Ausgabe (Juli 2000) »Papier im Griff: Kreation und Technik« einen wichtigen Satz vorlegen; anlässlich der riesigen Menge unterschiedlicher Papierarten liest man:

"Die Sehnsucht nach dem Haptischen scheint ungebrochen."

(Die Haptik ist die Lehre vom Tastsinn). Jetzt, Ende 2001, stehen wir verstimmt vor den Ergebnissen der Pisastudie, die uns insbesondere hinsichtlich der Kategorie "Leselust" auf Rang 14 nach Tschechien (Rang 2 !), Neuseeland (Rang 5) und (ausgerechnet) Österreich (Rang 13) plazierte. Der Zusammenhang zur Haptik (?): "Das Wort 'erfassen' fällt in diesem Zusammenhang nicht von ungefähr. Die Lesestudie der Stiftung Lesen ergab, wie wichtig haptische Erfahrungen, das Anfassen und Begreifen eines Buches, für die Befindlichkeit des Lesers sein können." (Susanne Gaschke in der ZEIT vom 13. Dezember 2001)

Je nach der Oberflächenbeschaffenheit unterscheidet man:

a) maschinenglattes Papier
b) satiniertes Papier
c) gestrichenes Papier
d) Kunstdruckpapiere
e) metallhaltiges Papier (Chromopapier)
f) genarbtes bzw. geprägtes Papier
g) Papier, das durch Wasserzeichen in der Durchsicht auffällt

 

a) Maschinenglattes Papier, im Buchbereich auch Werkdruck-Papier genannt

Papier, wie es die Langsiebmaschine verlässt, bezeichnet man als maschinenglatt. Bei Produktion auf Einsiebmaschinen besitzt es eine glatte und eine weniger glatte Seite, welche vom Fachmann als Siebseite bezeichnet wird; bei Doppelsiebmaschinen sind beide Seiten von gleicher Beschaffenheit. Sie zeigt die Struktur des Endlossiebes, das am Anfang einer Papiermaschine den zufließenden Papierbrei aufnimmt. Maschinenglattes Papier ist von der Oberflächenbeschaffenheit das qualitativ Minderwertigste und wird hauptsächlich beim Zeitungsdruck und für die Buchherstellung (Ausnahme: hochwertige Bildbände) verwendet. Die meisten Langsiebmaschinen haben allerdings am Ende der Trockenpartie 1-2 Glättwerke installiert, von daher erklärt sich der Begriff maschinenglatt.
Definition und Besonderheiten der Werkdruckpapiere:
fsc_papier_&_werkdurckpapier.htm

 

b) Satiniertes Papier

Das Papier kann nachträglich geglättet werden, indem man die Papierbahn durch ein umfangreiches Walzensystem, einen sog. Kalander, laufen lässt. Man spricht dann von einem satinierten oder auch kalandrierten Papier. Dieses glänzende, satinierte Papier nennt man auch Naturdruck. Durch die Satinage (frz. "Seide") verringert sich allerdings die Reißfestigkeit und das Durchscheinen nimmt zu, d.h. also die Opazität (Undurchsichtigkeit bzw. Deckungsfähigkeit) nimmt ab. Anwendungsgebiete sind vorwiegend Illustrierte wie z.B. Goldenes Blatt, Neue Revue und die sonstigen Regenbogen-Presseerzeugnisse.

Satiniertes Papier von ca. 70-100 g wird auch als Illustrationsdruckpapier bezeichnet. Es eignet sich gut zur Wiedergabe von auch fein gerasterten Bildvorlagen und findet u.a. Verwendung für im Tiefdruck hergestellte Zeitschriften [10].

 

c) Gestrichenes Papier

Durch nachträgliches Auftragen einer Streichmasse (Kaolin, Kreide, Leim, Titandioxyd, Kunststoffe) mit sog. Streichmaschine auf beiden Seiten der Papierbahn kann die porige Oberfläche geschlossen werden. Die Papierflächen sind dann gleichmäßig glatt. Damit ist der höchste Grad der Opazität erreicht. Für den Vorgang des "Streichens" gibt es verschiedenartige Streichanlagen. "Gestrichene" Druckerzeugnisse sind z.B. Der Spiegel (ganz leichter Strich), Stereo, Madame. Auf dem Markt für Zeitschriften und Werbemittel spielen leichte, gestrichene Papiere, die sog. LWC- Papiere (LWC=light weight coated) eine entscheidende Rolle.Für die Zeitung gab es jahrzehntelang eine rühmenswerte Ausnahmeerscheinung: die Wochenend-Beilage «Bilder und Zeiten» der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Zum 1. Januar 2002 soll sie nun bedauerlicherweise eingesestellt werden. Lesen Sie einen anrührend verfassten Nachruf, in dem der Aspekt der Sinnlichkeit eine große Bedeutung spielt: "Der Wirkung echter Druckerschwärze begegnet man fast nirgendwo mehr. Aber die Beilage troff geradezu von Druckerschwärze. Man meinte die Farbpaste ertasten zu können. Ungeschwächt stand das Schwarz auf dem Papier und verschaffte dem Betrachter das mit sinnlicher Lust erfüllte Erlebnis eines ehrwürdigen Materials. „Das vom Schwarz fette Blatt“ hätte man in Anlehnung an Andreas Gryphius die Tiefdruckbeilage nennen können." (Martin Mosebach in der SZ vom 14. November 2001)

 

d) Kunstdruckpapier

Kunstdruckpapiere nennt man besonders hochwertiges gestrichenes Papier, d.h. die Oberfläche wird durch einen Aufstrich von Kreidemasse oder der Porzellanerde Kaolin völlig geschlossen. Durch zusätzliche starke Satinage erhält es eine hohe Oberflächenglätte. Kunstdruckpapier wird hauptsächlich zur feinen Bildwiedergabe mit hohen Rasterzahlen (60 - 120) verwendet. Gestrichene Papiere können einen lästigen Spiegelungseffekt haben, der das Lesen und Betrachten von Bildern vor allem bei Kunstlicht erschwert. Daher wird auch Kunstdruckpapier matt angeboten. Hinsichtlich der Grammatur sprach man früher ab 20 g/m² Aufstrichsubstanz von Kunstdruckpapier. Bei einem geringen Strichauftrag (5-20 g/m²) spricht man von maschinengestrichenem Papier.

 

e) Metallhaltiges Papier (Chromopapier)

Chromopapier: Zitat aus einem Werbeprospekt: "Seit 15 Jahren zündender, strahlender, sprühender, funkelnder, feuriger und festlicher..." Und: "Metallhaltiges Chromolux: " Papier in höchster Vollendung. Macht Gutes besser." "Chromopapier ist nur einseitig gestrichen [11]."

 

f) Genarbtes bzw. geprägtes Papier

Genarbtes, granuliertes oder gehämmertes und geprägtes Papier mit geriffelter Oberfläche, das erstens für Akzidenzdrucksachen wie z.B. Visitenkarten und Briefpapier verwendet wird. Zweitens spielt ein derart haptisch auffälliges Papier häufig bei der Buchherstellung eine Rolle und zwar beim sogenannten Vorsatzpapier. Das Vor- und Nachsatzpapier erfüllt die technische Funktion Buchdeckel und Buchblock zusammenzuhalten, mindestens genaus wichtig ist aber seine ästhetische Funktion - es ist ja immerhin der erste sinnliche Eindruck nach dem Buchumschlag selbst, den ein Leser (und potentieller Käufer im Buchladen) mit dem Werk erfährt. Von daher mögen hier auch Marketingaspekte von Bedeutung sein.

 

g) Papier, das durch Wasserzeichen in der Durchsicht auffällt

Historisch funkioniert die Durchsicht dadurch, dass auf dem Schöpfsieb ein oft künstlerisch sehr originelles Drahtgeflecht mit Wappen oder Namenszeichen aufgebracht wurde. Im Deutschen Musem München sind davon etliche zu bewundern.

In der industriellen Papierproduktion arbeitet man mit sogenannten Egoutteuren, die den Stoffauflauf an den dafür vorgesehenen Positionen verdünnen. Sofern Sie an unserer Medienberufsschule unseren Produktionsunterricht besuchen, hören Sie dazu einen Beitrag aus dem Format »Forschung aktuell« aus dem Deutschlandfunk vom 3. August 2004, in dem sowohl die Egoutteur-Technik als auch eine moderne Variante durch nachträglichen Druck beschrieben wird.

Dies alles ist natürlich nicht mit dem neu erfundenen "digitalen Wasserzeichen" zu verwechseln, die das Frauenhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssystems (IPSI) gemeinsam mit dem Diderot-Verlag entwickelt hat. Wenn Sie die Thematik interessiert, informieren Sie sich näher auf dem neuen Watermarking-Portal des Instituts. Der Sinn des digitalen Wasserzeichens besteht in der Möglichkeit, Urheberrechtsverstöße im Rahmen digitaler Publikationen zurückzuverfolgen, ohne dass ein Schwarzhörer etwas davon bemerken würde. (Börsenblatt 24/2005, Innovation ist Trumpf, S. 42f.)

 

Die Neueinteilung der Papiere:
In Papierfabriken setzt sich zunehmend eine neue Einteilung (in aufsteigender Qualitätsreihenfolge und Weiße) durch:

  • Zeitungspapier
  • aufgebesserte Zeitungspapiere
  • ULWC (ultralight weight coated): ultraleichtes, gestrichenes Papier
  • LWC (light weight coated): leichtgewichtiges, gestrichenes Papier
  • HWC (heavy weight coated): schwergewichtiges, gestrichenes Papier
  • WFC (...): holzfrei gestrichenes Papier

 In dieser Reihenfolge ist ein zunehmender Weißegrad und steigende Wiedergabequalität und Reißfestigkeit gegeben.

 Über die verschiedenen Rasterbegriffe folgen Sie bitte diesem Link ins Typografieskript. Hier soll nur die Grundregel notiert werden: Je größer die Rasteranzahl, desto feiner die Abbildungsqualität. "In allen Druckverfahren muss der Raster auf das Papier abgestimmt werden, und je nach Verwendungszweck sind die Rasterweiten zu bestimmen. Von den technisch möglichen Tonwertabstufungen kann je nach Papierqualität nur ein Teil wiedergegeben werden. Bewährt haben sich folgende Kombinationen: 60er- und 70er-Raster für Kunstdruckpapiere, 48- und 54er-Raster für maschinengestrichene Papiere, 40er-Raster für satinierte Papiere, 30er-Raster für Zeitungspapiere." (http://www.feller.de/glossar.htm#R)

 

 

4. Die Maschinen zur Papierherstellung


a) Vom Holländer zum Refiner und Stetigschleifer

Um die früheren Papierrohstoffe Hadern und Textilabfälle für die Papierherstellung verwenden zu können, mussten diese zerkleinert werden. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus der sog. Holländer, der im Gegensatz zum Lumpenstampfwerk die Hadern mit einer "Messerwalze" mahlte. Die Beschaffenheit der Messer bestimmte den Grad der Mahlung und somit die Qualität des Papiers.
Die gesteigerten Ansprüche an Papierqualität und -menge erforderten eine technische Verbesserung in der Herstellung. Im 20. Jahrhundert traten schließlich der Refiner und der Stetigholzschleifer an die Stelle des Holländers. Der dabei mechanisch unter großem Energieeinsatz entstandene Holzschliff ist ein Halbstoff bei der Papierherstellung (s.o.). Gleichzeitig zugeführtes Wasser leitet die Wärme ab und verhindert eine Schädigung der Faser.

b) Die Papierlangsiebmaschine

Seit der Erfindung der Papiermaschine gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist es möglich, endlose Papierbahnen herzustellen. Trotz vieler Modernisierungen funktioniert dieses System der Papierherstellung heute noch in der gleichen Weise wie vor 200 Jahren. Der hier angebrachte Link führt Sie nach Augsburg, zur Haindl-AG: "Mit der neuen PM 3 Aufbruch in das Jahr 2000". Der Funktionsmechanismus der Langsiebmaschinen allgemein:

Die Papiersuspension, bestehend aus Halbstoff, Füllstoff, evtl. optischen Aufhellern, Bleichmitteln oder Leimen sowie 98 bis 99% Wasser, wird innerhalb der Papierlangsiebmaschine auf ein endloses feines Sieb gespritzt und gleichmäßig darauf verteilt. (Beispiel für einen Rohstoff-Mix aus Augsburg, siehe oben: je 25 % Altpapier, Holzstoff, Zellstoff und Pigmente.) Die Verfilzung der einzelnen Fasern erreicht man durch Schütteln des Siebes. Während das Wasser abfließt, entsteht eine siebbreite Papierbahn. Sie durchläuft die Maschine mit einer Geschwindigkeit von ca. 60 bis 120 km/h. Diese Geschwindigkeit bewirkt, dass sich die Fasern in der Maschinenlaufrichtung ausrichten; so erhält das Papier seine Laufrichtung. Im Anschluss wird der Papierbahn durch Saug- und Presswalzen Wasser entzogen (bis zu einem Trockengehalt von ca. 38%). Die Papierbahn durchläuft weitere Presssysteme und beheizte Zylinder in der Trockenpartie, bis ein Trockenheitsgrad von nahezu 96% erreicht ist. Das Ergebnis ist das sog. maschinenglatte Papier, das hinsichtlich seiner Oberflächenbeschaffenheit weiter bearbeitet werden kann.

 

 

5. Die Stoffklassen

Je nach Zusammensetzung der Rohstoffe sowie Art und Herstellung werden die Papiere in folgende Stoffklassen eingeteilt:

 

Stoffklasse

Zusammensetzung

Beispiele

1 superfein

100% Hadern

Banknoten
Wertzeichen
Wertschriften
Landkarten

2 fein (hadernhaltig)

mindestens 20% Hadern

Wertpapier
Akten
Schreibpapier
Buchungspapier

3 mittelfein (holzfrei)

höchstens 5% verholzte Fasern, jedoch ohne Eintrag von Holzschliff

Druckpapier
Briefpapier
Schreibpapier
Aktenpapier
Buchungspapier

4 belordinär
(schwach holzhaltig)

mindestens 20% Holzschliff

Druckpapier
Briefpapier
Schreibpapier
Aktenpapier
Buchungspapier

5 konzept (holzhaltig)

mindestens 40% Holzschliff

Druckpapier
Briefpapier
Schreibpapier
Aktenpapier
Buchungspapier

6 ordinär (stark holzhaltig)

mindestens 55% Holzschliff

Druckpapier
Druckkarton
Tiefdruckpapier
für Zeitungen und Zeitschriften

7 Zeitungsdruck

ca. 80% ungebleichter Holzschliff

Zeitungspapier

8-12

ungebleichte Stoffe

Pack- und Einwickelpapier

 Darüberhinaus haben wir die Einteilung in holzhaltiges und holzfreies Papier.

"Holzfreie Papiere sind Papiere, die nur aus Zellstoff (Zellulose) (s.a. Papierherstellung) und Hadern (s.a.) bestehen, diese haben eine höhere Qualität als holzhaltige Papiere (s.a.). Nach DIN 6730 gelten als holzfrei solche Papiere, die weniger als 5% verholzte Fasern enthalten. Beispiele für holzfreie Papiere: Kunstdruck Papier, Zeichenpapier usw.." (Quelle: http://www.lindner-druck.de/Lexikon/G_H.html)

Ein entscheidendes Argument für die höhere Qualität des holzfreien Papiers nennt uns bei einer Betriebsbesichtigung Ende Mai 2004 der Papierfachmann Herr Wanka in der MD Papierfabrik Dachau, einem Unternehmen der Myllykoski Company: Der Zellstoff verfügt über eine Zugfestigkeit (eine Reisslänge) von 70 kg.

Weitere Papierlexika in diesem Zusammenhang:

http://www.producerworld.de/content/papier/papierlexikon/papierlexikons.shtml

http://www.igepa.de/papierlexikon/papier-lexikon_h.html

http://agentur-brennecke.de/papier-glossar/

Lesen Sie zur Reisslänge aus der Agentur Brennecke:

"Je größer diese in Meßgeräten prüfbare Reisslänge ist, desto größer ist die Papierfestigkeit. Die theoretische Länge eines gleichbleibend breiten Papierstreifens, der durch sein Eigengewicht am Aufhängeendpunkt reißen würde. Z.B. ein 5cm breiter Streifen mit 2,2kg Gewicht reißt bei 4.500m Länge."

 

 

6. Technische Begriffe im Zusammenhang mit Papier

Im herstellerischen Sprachgebrauch bezeichnet man die Richtung, in der Zellulosemoleküle im Papier ausgerichtet sind, als Laufrichtung. Diese Ausrichtung entsteht durch die Geschwindigkeit, mit der der nasse Papierbrei auf das Langsieb aufgedüst wird. Es ist ebenso die Richtung, in welcher das Papier durch die Maschine läuft. Da Zellulosemoleküle weniger dehnbar und flexibel sind als die zwischen ihnen bestehenden Wasserstoffbrückenbindung, entsteht entgegen der Laufrichtung eine höhere Elastizität.

In Laufrichtung ist das Papier zug-, falz- und dehnfest, in der Dehnrichtung ist es dagegen weniger zugfest. Die Laufrichtung des Papiers kann daher wie folgt bestimmt werden:

  • durch die Nagelprobe, indem man mit den Fingernägeln an beiden Kanten des Papiers entlang fährt. Die glatt gebliebene Kante zeigt die Laufrichtung des Bogens an.
  • durch die Biegeprobe, indem man zwei gleich große Streifen aus der Längs- und Breitseite des Bogens ausschneidet und aufeinander legt. Die Fasern bei dem Streifen mit geringerem Neigungswinkel verlaufen dann in Laufrichtung. (Evtl. übereinander gelegte Streifen wenden.)
  • durch die Reißprobe: hier ergibt sich quer zur Faserlaufrichtung ein größerer Widerstand und infolgedessen eine gezackte Struktur des Risses.
  • durch die Feuchtigkeitsprobe, indem man das Papier anfeuchtet und trocknen lässt. In Dehnrichtung kann man dann eine Wellung beobachten, die in der Laufrichtung fehlt.

Für den Zuschnitt des Papiers in Bogen ist die Bahnbreite zu berücksichtigen. In Verbindung mit Bogenpapier spricht man von Schmal- und Breitbahn. Bei Breitbahn liegt der Faserlauf längs der schmalen Bogenkante, bei Schmalbahn geht er parallel zur langen Seite des Bogens. Die Laufrichtung soll parallel zum Buchrücken liegen, da sich unter Einfluss von Feuchtigkeit beim Einbinden die Papierfasern überwiegend in Querrichtung ausdehnen können. Bei falscher Laufrichtung würden sich die Papierblätter wellen und dem Buch ein unschönes Aussehen geben. Bei Klebebindung kann die falsche Laufrichtung bei Feuchtigkeitseinfluss die Bindung sprengen. Außerdem ist beim Offsetdruck die Laufrichtung parallel zur Druckwalze auszurichten. Angabe der Schmal- und Breitbahn in der Praxis: Bei einem DIN A4 Blatt z.B. wird bei der Angabe des Formats die kleinere Größenangabe unterstrichen (210 mm x 297 mm), bei Breitbahn die größere Maßangabe (210 mm x 297 mm). Das Papiergewicht ist für die Produktplanung eines Verlages von großer Bedeutung; ist es doch vor allem mit den damit verbundenen Qualitätsmerkmalen ein wesentlicher Kalkulationsfaktor. Für die Herstellung von Büchern und Zeitschriften werden in der Regel Papiere verwendet, die zwischen 60 und 100 g/m² liegen, um die erforderliche Opazität und Griffigkeit einerseits zu gewährleisten und zum anderen nicht zu sehr "aufzutragen". Der Begriff "Auftragen" bezieht sich auf das Papiervolumen. Das Volumen kann z.B. durch künstliches Anreichern mit Luft erhöht werden oder durch starkes Glätten auf das Volumen 1,0 oder darunter gebracht werden. Die Formel zur Berechnung des Volumens lautet wie folgt:

 

Papiervolumen=Papierdicke in mm x 1000 : Gewicht in g/m²

Im Fachjargon spricht man von einfachem Volumen, wenn die Bogendicke in mm ein Tausendstel des Quadratmetergewichts ausmacht. Zweifaches Volumen ist somit zwei Tausendstel des Papiergewichts. Hierzu ein Rechenbeispiel:

Bei einem Bogen Offsetpapier mit einem Quadratmetergewicht von 90 g und 1,25fachem Volumen ergibt sich eine Papierdicke vom 0,1125 mm. Das Flächengewicht und die Dicke des Papiers können außerdem mit einer Papierwaage bzw. Dickenmesser bestimmt werden.

Der Papierpreis wird entweder 100 kg-weise oder zu 1000 Bogen angegeben. Bei der abgenommenen Papiermenge muss ein "Übergewicht" (das gelieferte Papier wiegt etwas mehr als bestellt) nicht zusätzlich bezahlt werden, bei einem "Untergewicht" (das gelieferte Papier weist ein geringeres Gewicht auf) wird nur für das tatsächliche Gewicht des gelieferten Papiers bezahlt. Ein Beispiel zur Umrechnung des 100 kg- in den 1000-Bogenpreis:

Es kosten 100 kg einer DIN A4-Papiersorte mit einem Flächengewicht von 90 g/m² 170 €. Ein 70 x 100 cm großer Bogen wiegt 0,700 x 1,00 m² x 90 g/m²=63 g. 1000 Bogen würden demnach 63 kg wiegen. Bei einem Kilogrammpreis von 1,70 € ergibt sich als 1000-Bogenpreis dann 63 x 1,70 €=107,10 €.

Beim Einkauf von Papier unterscheidet man zwischen dem Strecken- und dem Lagergeschäft. Während beim Streckengeschäft das Papier direkt von der Papierfabrik an die Druckerei geliefert wird, erhält man beim Lagergeschäft das Papier vom Lager des Papiergroßhändlers.

Im folgenden eine Auswahl an Circa-Gewichten handelsüblicher Papiersorten:

Leichte Sorten:

 

Papiersorte

Circa-Quadratmetergewicht

Seidenpapier

> 17 g/m²

Postpapier

25 g/m²

Maschinenglattes Dünndruckpapier (z.B. Telefonbuch)

> 30 g/m²

ULWC-Papier

> 35 g/m²

Pergamentpapier

40 g/m²

Maschinenglattes Druckpapier in Bogen

48 g/m²

LWC-Papier (z.B. Illustrierte, Kataloge)

50-70 g/m²

Mittelschwere und schwere Sorten:

 

Papiersorte

Circa-Quadratmetergewicht

Zeitungsdruckpapier

40-48 g/m²

Briefpapier

70-80 g/m²

Packpapier

80-120 g/m²

Kunstdruckpapier (z.B. Bildband)

80-120 g/m²

Karton

> 200 g/m²

Pappe

> 500 g/m²

Die Formate von Bogenpapier sind nach einem vom Deutschen Institut für Normung herausgegebenen Blatt genormt (DIN-Norm). Bogen-Formate sind in der Reihe DIN A festgelegt. DIN A 0 entspricht dabei einer Größe von 841 mm x 1189 mm (=1,0 m²). Das nächst kleinere Format, also DIN A 1, erhält man durch einmaliges Falzen der längeren Seite das DIN A 0 Bogens, das DIN A 4 Format dann durch viermaliges Falzen (210 mm x 297 mm). Die Zusatzreihe DIN C gilt für sog. abhängige Papiergrößen (Briefhüllen, Mappen), DIN C 6 ist das Standardbriefhüllenformat.Die Zusatzreihe DIN B ist für den Versand von Schriftstücken usw. in Briefhüllen gedacht: So passt eine Mappe DIN C 4 in eine Versandhülle DIN B 4. Die DIN Normen sind weit verbreitet (einschl. China). Jedoch sind in englischsprachigen Ländern andere Maße üblich, z. B. das Format legal (8,5 x 14 inches). Auch in Deutschland weichen die Formate vieler Presseerzeugnisse von den DIN-Normen ab.

 

7. Papiergewichtsberechnungen

1. Eine Zeitschrift hat eine Auflage von 110000 Exemplaren. Das Seitenformat ist 210 mal 297 mm, es wird auf 76-Gramm-Papier gedruckt. Wie viel Seiten darf die Zeitschrift haben, wenn das Gewicht eines Exemplares 280 Gramm nicht überschreiten soll?

2. Fortsetzung der obigen Aufgabe: Es wird letztlich eine Seitenzahl von 84 festgelegt, die gesamte Auflage wird als Frachtgut verschickt. Preis je kg=0,36 € (auf ganze kg aufrunden!). Welchen Betrag berechnet die Post?

3. Ein Prospekt im Format DIN A 4 hat einschließlich des Umschlags 12 Seiten. Für die Umschlagseiten wurde Papier im Gewicht von 110 g/qm, für die Innenseiten Papier im Gewicht von 70 g/qm verwendet. Wie viel Gramm wiegt ein Prospekt?

4. Eine Fachzeitschrift soll gedruckt werden. Das Format ist DIN A 4 der Heftumfang beträgt 64 Seiten. Für den vierseitigen Umschlag wird 170 g/m2 Kunstdruckpapier verwendet, für den Innenteil 80 g/m2 maschinengestrichenes Papier. Legen Sie Ihrer Berechnung 0,0625 m2 für das Format DIN A 4 zugrunde. Wie hoch ist die Druckauflage in Tausend Stück, wenn alle Exemplare zusammen 2,192 Tonnen wiegen?

5. Fortsetzung der obigen Aufgabe: Wie viel Seiten darf diese Zeitung haben, wenn sie im Format 315 mm * 470 mm gedruckt wird und das Papier 52 g/m2 wiegt? (Das Umschlagsgewicht und das Gesamtgewicht bleiben wie in Aufgabe 4 genannt).

 

6. Eine Zeitschrift im Format 315 * 470 mm wird im Rotationsdruckverfahren hergestellt, wobei Papier von 52 g verwendet wird. Wie viel Papier in kg brauchen wir für eine Ausgabe, wenn 29000 Exemplare gedruckt werden? Seitenzahl je Ex=52.

 

 

8. Nutzen und Nutzenberechnungen

Der Begriff "Nutzen" ist mehrdeutig, und zwar weil man sowohl von einem Drucknutzen als auch von einem Papiernutzen spricht.
a) bei unbedrucktem Papier bedeutet er, wie viele Blätter aus einem Bogen gewonnen werden.
b) bei bedruckten Bogen unterscheiden wir zwei verschiedene Möglichkeiten: "Nehmen wir an, es sollen DIN A 4 Blätter mit einem Briefkopf einseitig bedruckt werden . Wenn die Druckauflage hoch ist, kann man z.B. einen DIN A 3 Bogen bedrucken, und zwar mit zwei gleichen Druckträgern für die zwei Briefköpfe. Dies nennt man zweifachen Drucknutzen, weil der Druck mit zwei gleichen Druckträgern erfolgt. Die Druckbogen werden nach dem Druck in zwei gleiche Papierteile geteilt, auf denen jeweils das gleiche gedruckt ist. Man spricht deshalb auch von zwei Papiernutzen." [14]. (Stiehl, S.184)
Anschliessend bespricht Stiehl die Produktion eines beidseitig bedruckten Werbeblattes (DIN A 4). "Dann könnte man z.B. in zwei Drucknutzen und zwei Papiernutzen drucken, wobei man zunächst die 1. Bogenseite des DIN A 3-Bogens mit zwei Druckträgern für sie Seite 1 (Schöndruck) und danach im zweiten Druckgang für die 2. Bogenseite mit zwei Druckträgern für die Seite 2 (Widerdruck) hergestellt."

  

 

S. 1


Vorderseite


 

S. 1


Vorderseite

 

 

S. 2

Rückseite

 

S. 2

Rückseite

Dieses Verfahren beschreibt Stiehl aber als "unökonomisch, weil genauso viel Drucknutzen wie Papiernutzen hergestellt werden müssen. Die doppelte Anfertigung von Druckträgern kann man sich bei zweifachem Papiernutzen sparen, wenn der Druckträger für die Seite 1 und der Druckträger für die Seite 2 in einer Druckform enthalten sind." Dann hätten wir also 1 Drucknutzen und einen Papiernutzen. Im Bild sieht dies dann so aus:

  

 

S. 1


Vorderseite


 

S. 2


Vorderseite

 

 

S. 1


Rückseite

 

S. 2


Rückseite

Diese Methode funktioniert durch sogenanntes Umschlagen: "Zunächst wird die Vorderseite des Bogens mit den Druckträgern für die Seite 1 und 2 bedruckt. Dann wird der Bogen von links nach rechts parallel zur Anlage gewendet ... und nochmals mit der gleichen Druckform bedruckt." (Stiehl, S.185 f)
Zu Ihrer Prüfungsberuhigung: Die IHK hat bislang nur den Papiernutzen geprüft.

Aufgaben hierzu:
1. Aus einem Rohbogen DIN A 1 (61 cm * 86 cm) soll Briefpapier im Format DIN A 4 geschnitten werden. Wie viel Blätter erhält man oder wie hoch ist der Nutzen?

2. Wie oft kann man ein Format DIN A 5 (14,8 cm * 21,0 cm) aus dem Planobogen 61 cm * 86 cm schneiden, wenn die Laufrichtung unberücksichtigt bleibt?

3. Das Format 12,5 cm * 17,6 cm soll als Querformat auf einen Bogen 70 cm * 100 cm gedruckt werden. Welchen Nutzen ergibt das?

4. Wie viel Bogen 86 cm * 122 cm benötigt man für 4500 Karteikarten im Format 10 cm * 15 cm?

5. Kann beim Druck die Laufrichtung unberücksichtigt bleiben, ergibt sich häufig die Möglichkeit, Rest- oder Randstreifen des Planobogens noch ausnutzen zu können. Wie viel Nutzen können aus einem Bogen 86 * 122 mit dem Nutzenformat
18 * 25 gezogen werden?

6. Wie viel Etiketten im Format 9 * 9 cm können aus einem Bogen DIN A 0 (86 cm * 122 cm) geschnitten werden?

7. Wie viel Bogen im Format 43 cm * 61 cm sind nötig, um 10000 Blätter DIN A 6 (10,5 cm * 14,8 cm) zu bekommen?

8. Prospekte im Format DIN A 4 werden auf Bogen 610 mm * 860 mm gedruckt. Wie viel Prozent beträgt der Verschnitt - bei maximalem Nutzen freilich?

 

 

9. Aktuelle Daten und Berichte

  • Hier kann man nun am besten die Unterschiede zwischen der Vor-Netzzeit und der heutigen Netzzeit beobachten. Während man früher mühsam einzelne Berichte recherchierte und zusammentrug, können wir heute durch den obigen Link auf den Bundesverband der deutschen Papierhersteller aktuelle statistische Daten anbieten, und zwar egal, ob es sich um das Jahr 1999 oder um das Jahr 2006 handelt. An dieser Stelle darf natürlich ein Verweis auf GREENPEACE nicht fehlen. Auf der Site der Umweltorganisation können sie etwa zum Thema Papier eine überaus ergiebige Datenbanksuche starten.
  • Hier habe ich eine Bibliografie für Sie verlinkt, in der Sie Literatur zur Wasserzeichen- und Papiermustersammlungen finden.
  • August 2000: Das Umweltbundesamt versucht eine Ökobilanz für grafische Papiere. Resultat: die Umweltbelastung sei "insgesamt hoch" Das Amt empfiehlt infolgedessen, "dass der Papierverbrauch insgesamt reduziert werden sollte." Der Verbrauch ist nach wie vor gestiegen, von 203,75 kg im Jahre 1994 auf 220 kg im Jahre 1999.
    (17,6*1000*1000000/80000000=220 verbraucht wurden 17,6 t umgerechnet auf ca. 80 Mio. Bundesbürger)
  • Einige Daten aus einem ZEIT Dossier aus dem Jahre 1990 für etwaige historische Vergleiche:
    Im Jahre 1990/91 verzeichnet Deutschland ein Maschinen-Output in Höhe von 12 Millionen Tonnen; der pro Kopfverbrauch liegt bei 200 kg jährlich, währenddessen er hingegen weltweit nur 44 kg beträgt. Ganz vorne liegen wie so oft die USA mit 311 kg. Deutschland hat eine Import-Quote von 80 %.
    In der Reihe Planet Wissen aus dem Frühjahr 2004, gesendet im Fernsehsender Bayern Alpha wird der jährliche pro Kopf Verbruach mit 233 kg angegeben!
  • Die Augsburger Allgemeine berichtet unter Berufung auf ap: der Jahresverbrauch sei nach einigen Jahren der Stagnation in Deutschland gestiegen, und zwar auf 16,3 Mio. Tonnen. Der Umsatz der deutschen Papierindustrie liege bei einem Plus von 11 % bei 16,9 Milliarden DM. Der Einsatz von Altpapier konnte 1994 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf insgesamt acht Millionen Tonnen gesteigert werden. (Augsburger Allgemeine, 15. II. 1995) 16,3*1000*1 000 000/80 000 000=203,75 kg/Kopf bei 80 Mio Bevölkerung in Deutschland.
  • Besuch bei Haindl am 30.01.1995:
    Referent und Führer: Herr Dipl.-Ing. Blüml, überaus kompetent und freundlich. Er ist Leiter der kaufmännischen Verwaltung und vor allem zuständig für den Rohstoff-Einkauf, die kaufmännische Verwaltung und die Kostenrechnung. Verhältnis Personalkosten : Kapitalkosten 1/8 : 7/8. Es gehörte zum Job der letzten Jahre des Herrn B., das Lager EDV-mäßig in den Griff zu bekommen. Langsieb-Investitionskosten 60 000 €, das Sieb hält ca. 5-6- Wochen. Die letzte Maschine zog ein Investitions-Volumen von ca. 1/4 Milliarde € nach sich. Eine Besonderheit aller Papier-Langsiebmaschinen heute ist, dass der Stoff nicht mehr horizontal aufs Sieb gelangt, sondern auf zwei Siebe vertikal, zwischen den Sieben entsteht ein Druck-Vakuum; dadurch werde verhindert, dass sich auf dem Sieb eine Schön- und eine Siebseite bildet. Haindl hat ca 70 Kostenstellen. Rohstoffpreise schwanken für Altpapier zwischen 180 und 220 DM. Zur Zeit exportieren die Altpapierhändler mächtig viel, um den Rohstoff im Inland knapp und teuer zu halten. Importquote für Zeitungsdruckpapier ca 60 %. Importeure sind vor allem die nordischen Länder. Heute wird kein Holzschliff mehr selbst produziert, sondern man kauft Sägewerksabfälle und gibt sie dem Altpapier dazu. In Schongau wird keine Zellulose eingesetzt. Verkaufspreis pro Tonne derzeit 1000 DM; Schwankungen auch wie beim Altpapier. Seit drei, vier Jahren zahlt H. keine Gewerbesteuer mehr, weil nur noch Verluste geschrieben werden. Mit Mühe kalkuliere man noch den kalkulatorischen Unternehmerlohn, überhaupt kalkulatorische Kosten. Haindl-Schongau ist eine GmbH, der Konzern eine KG auf Aktien. Blüml sprach von einer Reißfestigkeitsmessung, die beim Holzschliff ansetzt und diesen 100 setzt, demnach habe Zellulose 300 und Hanf z.B. wäre hier ganz ungenügend.
  • Papiererzeugung in der Bundesrepublik 1993: Ca. 14 Mio t, Import ca. 2 ½ Mio t.
  •  MD-Papier 1996 an finnische Gruppe verkauft, da den bisherigen Eigentümern der Kapitalbedarf zu hoch ist .
  •  Die Versuche, Holz als Papierrohstoff durch Hanf, Stroh, usw. zu ersetzen, sind fehlgeschlagen, soweit es um großtechnische Massenproduktion geht.

 

 

10. Weitere Links

http://www.wissen-m.de/fernsehen/tm/tm9608/tm96081.htm

http://www.net-lexikon.de/

http://www.vdp-online.de/Netscape/indexdeutsch.html 

http://www.paperonline.org/  

http://www.papier-live.de/home.html

 http://www.papier-live.de/lexikon.php4?lex=S

http://www.greenpeace.de/GP_SYSTEM/HOME_30.HTM

http://www.informatik.uni-hamburg.de/Info/Umwelt/themen/papier/papier.htm

http://www.infodrom.north.de/~muh/Dokumente/Umwelt/papier.html

http://privat.schlund.de/s/swienty/hanf.htm

http://www.neusiedler.at/Phil/hanf.htm

http://www.umwelt.org/robin-wood/

http://www.avantart.com/ripfiles/archiv/hanf/papier.htm

http://www.umweltbundesamt.de/

http://www.mdpapier.de/deutsch/html/d_papierwissen/d_00_frm_papierwissen.htm