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heißt, einen Ausdruck wiederholen, den ein anderer geprägt hat.
Ein Sprichwort bezeichnen wir heute als geflügeltes
Wort; als Sprichwort gilt uns nur ein Ausspruch, der eine
Lebenserfahrung enthält. So kann man 'Geflügelte
Worte' als solche Worte nennen, welche, von nachweisbaren
Verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden sind und allgemein
wie Sprichwörter angewendet werden. Soviel dazu und jetzt ran an die
Wörter...

Auch die Ewigkeit besteht aus Augenblicken.

Thohuwabohu,
hebräischer Ausdruck für 'wüst und wirr', aus 1.Mose
1,2
Hiobsbotschaft
nennen wir eine Unglücksbotschaft nach Hiob 1,14-18
Non plus ultra
kommt von dem Ausspruch: 'Bis hierher und nicht
weiter!' Nach Hiob 38,11 richtete Gott bei der Schöpfung an das
Meer die Worte: 'Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter!' Das
'und hier und nicht weiter' ist in Frankreich und England in der
lateinischen Form 'nec plus ultra' gebräuchlich. Wir setzen dafür 'Non
plus ultra'.
Alter Schwede
als Anrede bei einer scherzhaften Verwarnung muss auf
die Zeit zurückgehen, als die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges
überwunden, aber noch in guter Erinnerung waren. Treitschke erinnert
in einem Vortrag über Geschichte des preußischen Staates
(1879), dass der Große Kurfürst (1640-1688) schwedische Soldaten als
Rekrutenausbilder in seine Dienste nahm; sie wurden 'die alten
Schweden' genannt.
Ein Buch mit sieben Siegeln
ist ein schwer verständliches Buch und etwas
Unverständliches überhaupt, nach Offenbarung 5,1: 'ein Buch,
beschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit Sieben Siegeln'.
Made in Germany,
'hergestellt in Deutschland' verdankt seinen Ursprung
dem englischen Gesetz The Merchandise Marks Act von 1887, nach
dem alle in England eingeführten Waren eine deutliche Bezeichnung des
Herstellerlandes tragen mussten.
Das A und O,
die Hauptsache, das Wesentliche. 'Ich bin das A und O,
der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte' Offenbarung
22.13; A(lpha) und O(mega) sind der erste und der letzte Buchstabe
des griechischen Alphabets.
Ins Gras beißen
für 'im Kampf fallen' und dann auch für 'sterben'
überhaupt wird mit der Beobachtung erklärt, dass der sterbende Krieger
in die Erde beißt, um 'die Schmerzen zu verbeißen'. Übrigens hat das
Französische fast die gleiche Redensart: 'mordre la poussière - den
Staub beißen'.
Sisyphusarbeit
nennen wir wie schon Properz (3,8) eine
mühevolle und doch ergebnislose Arbeit. In den griechischen Sagen wird
die Strafe des Sisyphos in der Unterwelt geschildert: Sisyphos muß
ewig einen Felsblock bergauf wälzen, der jedes mal kurz vor der Höhe
wieder hinabrollt.
Sphinx,
ein Wesen, das uns zu raten gibt, in der griechischen
Sage ein geflügelter Löwe mit dem Oberkörper einer Frau. Die Sphinx
hauste auf einem Felsen vor Theben und stellte jedem Vorübergehendem
die Rätselfrage: 'Wer ist morgens vierbeinig, mittags zweibeinig,
abends dreibeinig?' Keiner konnte das Rätsel lösen, und die Sphinx
tötete alle, bis Ödipus die Antwort fand: 'Der Mensch' (in der
Kindheit, als Erwachsener, als Greis). Daraufhin stürzte sich die
Sphinx vom Felsen.
Sich in die Höhle des Löwen wagen.
In Äsopos Fabel vom Fuchs und dem kranken Löwen
fragt der krank in seiner Höhle liegende Löwe den Fuchs, warum er
nicht hereinkomme. Der Fuchs antwortet: 'Weil ich viele Spuren
hineinführen, aber wenige herauskommen sehe.'
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
In Äsopos Fabel vom verschwenderischen Jüngling
und der Schwalbe lesen wir von einem Jüngling, der seinen Mantel
verkaufte, als er die erste Schwalbe heimkehren sah, aber enttäuscht
wurde, als es dann doch noch Frost gab.
Panischer Schrecken,
ein grundloses, plötzliches Erschrecken, geht auf den
griechischen Gott Pan zurück, einem Gott der Hirten und Herden, der
aber auch nach mehreren antiken Zeugnissen als Urheber des Schreckens
galt, der die Heere grundlos zu ergreifen pflegte.
Platonische Liebe
geht auf Platons Gastmahl zurück, wo Platon das
Wesen der Liebe ausführlich erörtern lässt: Er definiert sie
schließlich als ein Streben nach Vollkommenheit. Heute versteht man
unter platonischer Liebe etwas anderes: die Liebe unter Personen
verschiedenen Geschlechts ohne sinnliches Begehren, ja sogar eine mehr
oberflächliche Neigung überhaupt zu irgend etwas, auf dessen Besitz
man verzichtet oder verzichten muss.
Der springende Punkt,
punctum saliens, geht auf Aristoteles zurück,
der in seiner Tierkunde davon spricht, dass sich im Weißen des
Eies das Herz des werdenden Vogels 'als ein Blutfleck' anzeige,
'welcher Punkt wie ein Lebewesen hüpft und springt'. Schiller spricht
in seinem Gedicht 'Der Genius' von dem großen Gesetz, das 'verborgen
im Ei reget den hüpfenden Punkt'. Der springende Punkt ist also der
Lebenspunkt, der Punkt, auf den alles ankommt.
Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Das Sprichwort geht auf eine Anektode zurück, die von
Valerius Maximus (8,12) erzählt wird. Nach ihm pflegte Apelles
(365-308 v.Chr.), der berühmteste Maler des Altertums, hinter seinen
Bildern versteckt auf die Urteile der Beschauer zu hören. Einmal
tadelte ein Schuster, dass gemalte Schuhe eine Öse zu wenig hätten.
Apelles korrigierte sein Bild; aber als der Schuster nun auch an den
Schenkeln etwas auszusetzen hatte, rief ihm der Künstler zu: 'Was über
dem Schuh ist, kann der Schuster nicht beurteilen.'
Aufgeblasener Frosch
sagt man nach der Fabel des Phädrus (1,24), in
der ein Frosch, neidisch auf die Größe des Ochsen, so lang Luft
holt, bis er platz.
Die sieben Weltwunder
waren im Altertum: die ägyptischen Pyramiden, die
hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, der Tempel der Artemis in
Ephesus, die Statue des Zeus von Phidias in Athen, das Mausoleum zu
Halikarnassos, der Koloss von Rhodos und der Leuchtturm auf der Insel
Pharos.
Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul
geht auf ein lateinisches Sprichwort zurück, das der
Kirchenvater Hieronymus (um 347-420) im Vorwort seines Kommentars
zum Epheserbrief anführt: 'Schau dir nicht die Zähne eines
geschenkten Pferdes an.'
Unter aller Kanone,
d.h. 'unter aller Kritik' ist eine wahrscheinlich von
Schülern vorgenommene, nicht vor dem 19. Jahrhundert nachweisbare
scherzhafte Verdeutschung des lateinischen 'sub omni canone - unter
jedem Kanon'; 'Kanon' bedeutet hier den 'Maßstab', den der Lehrer an
die Schülerarbeiten anlegte.
Après nous le déluge - Nach uns die Sintflut (Sündflut)!
soll die Marquise von Pompadour (1720-64) gesagt haben,
nachdem die französische Armee 1757 von Friedrich d. Großen bei
Roßbach geschlagen war. Der Gedanke ist schon im Altertum geäußert
worden; ein Wort eines unbekannten griechischen Dichters, 'Nach meinem
Tode geh die Welt in Flammen auf!' ist mehrfach (z.B. von Cicero in
der Schrift Über das höchste Gut und Übel 3,19,64) überliefert.
Das Gras wachsen hören.
In der jüngeren Edda (1,27 Simrock) wird von dem
Wächter der Götter, Heimdall, erzählt: 'Er bedarf weniger Schlaf als
ein Vogel und sieht sowohl bei Nacht, als bei Tag hundert Rasten weit;
er hört auch das Gras in der Erde und die Wolle auf den Schafen
wachsen.' In diesem Sinn kennzeichnen wir noch heute damit ein
ungewöhnliches Gespür, jedoch meist in ironischem Sinne.
(Das macht) nach Adam Riese
erinnert an den Verfasser vielbenutzter Lehrbücher des
praktischen Rechnens, geboren etwa 1492, gestorben in Annaberg im
Erzgebirge 1559.
Das ist für die Katz
d.h. 'das ist wertlos, zwecklos'. Burkard Waldis
(1490-1556) erzählt in seiner Fabelsammlung Eposus (1548) von
einem Schmied, der die Entlohnung für seine Arbeit den Kunden anheim
stellte. Er hatte in seiner Werkstatt eine fette Katze angebunden und
sagte jedes Mal, wenn ihn die Kunden mit bloßen Dankesworten
verließen: 'Katz, das geb' ich dir!' Nachdem die Katze verhungert war,
beschloss der Schmied, den Lohn selbst zu bestimmen wie die anderen
Handwerker auch. Eine ähnliche Geschichte erzählt der Prediger Abraham
a Sancta Clara: Einer, der von einem Fürsten nur immer Versprechungen
hört, sperrt seine Katze ein und gibt ihr nichts zu fressen, bis sie
verhungert ist. Als ihn der Fürst wieder einmal seiner Gnade
versichert, sagt er, seine Katze sein daran gestorben.
08/15
als Typenbezeichnung eines Maschinengewehrs im
deutschen Heer wurde im 2.Weltkrieg zu einem Schlagwort für
schematische Vorgänge oder in eintöniger Menge vorhandene
Massenprodukte. Hans Hellmut Kirsts Romantrilogie 08/15 aus den
Jahren 1954/55, die auch verfilmt wurde, machte den Ausdruck vollends
geläufig.
Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.
Der evangelische Theologe Karl Manfred v. Hase erzählt
in seinen Erinnerungen (Unsere Hauschronik, 1898), im Jahre
1855 habe ein Student, der einen anderen im Duell erschossen hatte,
sich in Heidelberg von Hases Bruder Victor die Legitimationskarte
geliehen, um damit über die Grenze zu entkommen. Als die Flucht
geglückt war, warf der Student die Karte fort; sie wurde als
verdächtig an das Heidelberger Universitätsgericht gesandt. In der
folgenden Untersuchung äußerte der junge Jurist Victor v. Hase: 'Mein
Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen, ich weiß von nichts.'
Diese Formel verbreitete sich zunächst unter den Studenten und wurde
dann allgemein beliebt.
Lynchjustitz, jemanden lynchen,
'Volksjustiz', eine Rechtsprechung ohne gesetzliche
Grundlage. Das Wort geht auf den Namen des Richters William Lynch in
Virginien zurück, der um 1780 eine eigenmächtige Rechtsprechung
ausübte.
Bis in die Puppen,
eine ursprüngliche Berliner Redensart für 'wer weiß wie
weit', dann auch zeitlich: 'wer weiß wie lang'. Der Baumeister
Friedrichs d. Großen, Knobelsdorff, stelle 1741 und in den folgenden
Jahren am Großen Stern im Berliner Tiergarten Statuen aus der antiken
Mythologie auf. Die Berliner nannten sie 'Puppen' und den Großen Stern
'Puppenplatz'. Bis zu ihm war es für die Bewohner der Stadt damals ein
ziemlich weiter Weg.

Das soll jetzt erst mal reichen. Hoffe ihr könnt etwas
damit anfangen...
Falls ihr noch einige kennt und auch wisst, woher diese
'Geflügelten Worte', Sprichwörter oder Redensarten kommen, dann mailt
mir diese mit einer Beschreibung einfach zu und sie erscheinen hier in
dieser Rubrik!
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