Party! Party! Party! - Dieses, mein liebstes Hobby, habe ich ja schon oft genug exzessiv und ausführlich beschrieben. Und es gibt auch keine neuen Orgien, von denen berichtet werden müsste (auch wenn der Titel anderes vermuten lässt). Niemand, der sich im Schlamm eines Bauernhofs gewendet zu McDonalds geschleppt hat, keiner, der auf Fernbedienungen erbrochen hat, und ganz besonders kein Mensch, der in einer Unnaer Kneipe seinen Lehrer ansprach mit den Worten: „Herr Gockel , Sie verdammter Bastard, trinken Sie einen Absinth mit mir.“
Vorweg, ich habe die letzte Nacht nicht geschlafen. Die Gründe werden jetzt erläutert: Ich war auf einer Party mit Waldorfschülern. Nichts gegen Waldorfschüler. Die meisten von ihnen sind wirklich normale, korrekte Leute. Insbesondere die beiden tollen Menschen, die mich zu dieser Feier eingeladen haben und mit denen ich in einer Theatergruppe spielen darf.
Neben mir waren noch Richard und Hausi (beide Tachelesmitglieder und GSGler) als nicht „Waldis“ dabei. Gefeiert wurde in einer alten Hütte, draußen im Sauerland. Fern ab von jeder Zivilisation. Grillen war toll, Bier war en masse vorhanden und wir haben Stunden mit dem rezitieren von Emo-Witzen verbracht - es hätte ein gelungener Abend werden können. Doch übergewichtiger Junge wurde mit steigendem Alkoholpegel (er hatte schon vor der Party angekündigt, sich abzuschießen), der ebenso nervig wie anhänglich war und vor dem wir uns ständig gegenseitig retten mussten, machten die chillige Atmo zusehends zu Nichte.Es kam, wies kommen musste, Ricky, wie wir diesen Jungen mal nennen, saute das Bad ein, erbrach sich und lag nur noch in der Ecke. Ich weiß nicht, wie es manche Leute in dem Gestank, der in der Hütte herrschte, aushalten und sogar da schlafen konnten, Richard und ich beschlossen jedenfalls kurzer Hand, uns mit einigen „Waldis“ ums Feuer zu setzen und auf Schlaf zu verzichten, Hausi legte sich eine Isomatte auf die Wiese.
Wer hätte ahnen können, dass zur Gruppe, die hier um das Feuer saß, auch zwei Wahnsinnige gehörten? (Nein, ich meine nicht Richard und mich.) Es begann mit dem ständigen Grölen eines grandiosen Songs mit dem Titel „Reicht die Muschi rum“. (Text: „Reicht die Muschi rum, reicht die Muschi rum! Teilen macht Spaß!“)
Weitere Ausprägung im Charakter dieser Leute: Tierischer Hass auf alles, was aus Soest kommt. Warum und wieso man Soester hassen sollte, weiß keiner, meiner Meinung nach ist Soest die langweiligste Stadt der Umgebung. Jedenfalls wurde ein Auto, von Soestern kurzerhand besudelt, die Menschen, die darin schlafen wollten, ständig geweckt. Alle in der Runde sahen sich ständig (aufgrund gestiegenen Alkoholpegels waren die Beiden nicht in der Lage, sich die Antwort länger zu merken, als 2 Minuten) mit der Frage konfrontiert, ob sie nicht aus Soest stammen. (HEEREN! EIN FÜR ALLE MAL!) Ein bedauernswerter Mensch hat mindestens zehn Mal erklärt, er käme aus Iserlohn, Antwort: „Ist das gleiche - du Hur‘n!“ Womit wir beim nächsten Punkt wären: Diese Soesthasser benutzten in jedem Satz mindestens zweimal das Wort „Hur‘n“ oder die lange Variante „Hurensohn“. Mit fortschreitendem Morgengrauen wurde daraus auch gerne „Du Hund!“ Es war für den Betrachter einfach verdammt witzig.
Als einer aus der Gruppe leise die Hoffnung äußerte, ein soeben als „Hur‘n“ titulierter würde dem Obersoesthasser endlich aufs Maul geben, hob der wutentbrannt seine Bierflasche, mit den Worten :„Du Hur‘n, ich schlag die das über den Schädel und fick deine Mutter auf deinem Grab!“ Das Witzige dabei: Die Flasche war voll und er verpasste sich selbst, ohne es zu merken, eine anständige Bierdusche, was die gesamte Runde in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.
Nachdem einige Bierflaschen mehr oder weniger absichtlich zerstört worden waren, der Obersoesthasser unserem Hausi, der wieder aufgestanden war, weil er bei dem ständigen „Gebt die Muschi rum“-Gegröle nicht schlafen konnte, seinen Respekt bezeugte. Hausi hatte als Erstes nach einem neuen Bier gegriffen. Zum Abschluss erhielten wir noch einen kleinen soziologischen Exkurs folgenden Inhalts: Frauen sind Gegenstände, man muss sie als Besitz behandeln. Und weil man sozial ist, leiht man seinen Besitz auch manchmal aus. Wer seine Frau nicht teilt, ist ein Hur‘n, ihr Hur‘n!
Nachdem diese Leute endlich (um halb 6) den Heimweg angetreten hatten, begannen Hausi, Richard und ich aus reiner Langeweile, die Terrasse aufzuräumen. Auf der Heimfahrt musste ich neben Ricky sitzen, dem dicken Kotzjungen. (Während der Nacht hatte Richard einmal treffend formuliert: „Ricky ist im Eimer“).
haut rein,
euer traumatisierter dave