Angefangen hat alles mit dem Kauf eines klitzekleinen Häuschens im Sommer 2004 und meiner Spinnenphobie. Das Haus steht in einem Wochenendgebiet voller Bäume dicht am Wald. Ergo ist das Haus innen und außen voller Spinnen. Um meine Phobie davor zu überwinden, beließ ich als erste Maßnahme Spinnen, die sich in die Badewanne verirrt hatten, einige Zeit in derselben, um sie so gefahrlos zu betrachten. Die üblichen Hausspinnen haben nämlich keine Haftpolster an den Füßen und fallen daher oft in Badewannen (insbesondere Männchen auf Weibersuche), aber kommen nicht mehr heraus. So gewöhnte ich mich an den Anblick, es war aber noch keine Zuneigung vorhanden.
Die Wende brachte eine Sendung über Vogelspinnen im Fernsehen. Der Film war so interessant und faszinierend, daß ich mich weiter informierte und ein paar schöne Bildbände über Spinnen kaufte. Irgendwann schaffte ich es auch, eine der in der Badewanne mit einem Glas aufgelesenen Spinnen beim Aussetzen über die Hand laufen zu lassen.
Der Wunsch nach einer Vogelspinne kam auf. Da ich mir aber nicht sicher war, ob ich lebende Tiere, auch wenn es nur Insekten sind, verfüttern kann, wurde eine Hausspinne der Gattung Tegenaria, wahrscheinlich eine Tegenaria Atrica, mein erster Untermieter.
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Die Tegenaria Isolde wohnte seit dem 3.10.06 (1. Photo) ca. 1 Jahr bei mir in einer mittelgroßen Faunabox, eingerichtet mit Baumrindenstücken. Ich habe sie hauptsächlich mit lebend gefangenen Fliegen ernährt, die ich die Faunabox geworfen habe, nachdem ich sie im Kühlschrank auf ein handhabbares Temperament hinuntergeküht hatte. Gelegentlich habe ich ihr Gespinst mit der Blumenspritze übersprüht. Im Januar 2007 hat sie einen Eikokon gebaut (2. Photo), diesen habe ich nach einigen Wochen (es soll laut Internet ca. 63 Tage bis zum Schlüpfen dauern) in eine Heimchenbox getan, und dort sind die Jungen zur Welt gekommen. Da ich kein so winziges Futter hatte, habe ich sie dann unter dem Dach ausgesetzt. Wie man auf dem 3. Photo sieht, wird eine Tegenaria auch mit einem ausgewachsenen Heimchen fertig. Im Herbst 2007 habe ich Isolde dann ausgesetzt, damit sie sich noch für das nächste Jahr paaren konnte.
Wie man sieht, bietet also auch eine gewöhnliche Hausspinne viel Interessantes, trotzdem wollte ich jetzt eine Vogelspinne haben, weil man sie aufgrund der Größe doch sehr viel besser beobachten kann. Nach reiflicher Überlegung wollte ich mir dann eine Avicularia, am besten versicolor, zulegen (leider habe ich in meinem winzigen Häuschen keinen Platz für eine Spinnensammlung). Am 14.4.07 fuhr ich zur Spinnenbörse nach Springe, dort fand ich leider keine passende versicolor, jedoch eine wunderschöne, jungerwachsene Avicularia Sp. Isla Margarita aus Nachzucht von 2003. Sie gleicht der Avicularia velutina, ich weiß aber nicht, ob sie wirklich identisch oder nur eine ähnliche Art ist.
Zu Hause hatte ich ihr schon ein Terrarium mit den Maßen B 50 cm, H 40 cm, T 30 cm mit einer lebenden Bromelie und einem Ficus pumila eingerichtet.
14.4.07: Spinne gekauft und ins Terrarium gesetzt. Sie wandert gleich an die Stelle, wo jetzt ihre Wohnröhre ist (roter Kreis).
15.-20.4.07: Gleich am 2. Tag ein Heimchen gefressen. Sie fängt an, sich auf der Korkröhre was zu spinnen. Bin sehr begeistert.
25.4.-3.5.07: Die Spinne (inzwischen heißt sie Esmeralda) unternimmt eine erste Klettertour, frißt wieder und hat dann zur Abwechslung keinen Hunger mehr (das Heimchen sitzt auf dem 3. Photo unangetastet unter ihr). Wie das bei Spinnen so ist, ist sie natürlich fast nur nach dem Ausschalten des Lichtes aktiv. Die Fotos sind mit Blitz gemacht. Zur Beobachtung habe ich eine rote Energiesparlampe installiert.
29.5.-12.8.07: Esmeralda baut eifrig weiter an der Wohnröhre und futtert so etwa alle 2 Wochen ein ausgewachsenes Heimchen. Nach dem 12.8.07 stellt sie bis zum 30.11.07 das Fressen ein. Ich versuche es ca. alle 2 Wochen mit einem Heimchen, aber vergebens. Zum Glück weiß ich aus meiner Lektüre über Vogelspinnen, daß das kein Grund zur Unruhe ist.
23.8.-18.9.07: Die Spinne spinnt weiter, wie auf dem 1. Photo zu sehen. Kein Interesse an lecker Heimchen.
7.10.-5.11.07: Esmeralda ist recht aktiv, frißt aber immer noch nichts. Dafür wandert sie fleißig umher, ich kann sie zum ersten Mal von unten sehen (ja, sie ist wirklich ein Weibchen), außerdem benutzt sie mehrfach den Trinknapf.
14.11.-1.12.07: Am 14.11.07 spinnt Esmeralda den Eingang zur Wohnröhre zu. Ich bin aufgeregt, denn das ist oft ein Zeichen, daß sich die Spinne häuten will. Aber leider kommt sie nach 2 Tagen wieder unverändert raus. Und am 1.12.07 beendet sie ihre Fastenzeit mit einem Heimchen.
August 2008: Am 1.8.08 ist mal wieder der Eingang des Gespinstes ein wenig zugesponnen. Wird es jetzt endlich was mit der Häutung? Immerhin habe ich Esmeralda nun schon fast 1,5 Jahre, so allmählich müßte sie sich ja mal häuten. Am 10.8.08 ist dann das Gespinst ganz verschlossen. Die Spannung steigt. Am 3.9.08 macht Esmeralda dann noch mal die Tür auf, wandert umher und trinkt.
September 2008: Am 9.9.08 (1. Foto) ist es endlich soweit: Spinni häutet sich! Juchhuh! Da ihr Gespinst das obere Terrarienglas als Decke hat, ist ein gewisser Einblick möglich. Links sieht man die Haut, rechts die Spinne. Am 12.9.08 (2. Foto) sitzt sie immer noch drin und härtet wohl noch aus. Ihre Haut hat sie leider eingesponnen, so daß ich sie nicht herausnehmen kann, ohne ihr Nest total kaputtzumachen. Also ist sie heute noch drin eingesponnen. Auf dem 3. Foto linst sie am 16.9.08 das erste Mal wieder heraus. Man sieht auch, daß ihr Hinterleib ziemlich dünn geworden ist. Kurz danach frißt sie auch wieder. Das vierte Foto ist am 27.9.08 gemacht, sie erstrahlt in voller Pracht.
Hier ist noch ein besonderes Schmankerl. Im Januar 2009 habe ich eine neue Kamera gekauft, die auch Intervallaufnahmen kann. Daher kann ich Esmeralda jetzt die ganze Nacht hinterherspionieren. Der folgende Quicktime-Film ist 1,6 MB groß, es dauert also ein bißchen, ihn zu öffnen. Die Kamera hat alle 8 min ein Foto gemacht, jedes Foto dauert im Film 1 sec, es sind ca. 10 Stunden auf 1:20 min zusammengefaßt. Es war ein Heimchen im Terri, das schnappt sie sich in Sek. 14, dann dreht sie sich mit der Beute und frißt 4 Stunden bis Sek. 46.
Achtung: 1,6 MB!!!!!
30. März 2010: Leider weilt Esmeralda nicht mehr unter den Lebenden. Als ich nach Hause kam, saß Magrat in Esmeraldas Terrarium und mampfte zufrieden vor sich hin. Jetzt weiß ich, was passiert, wenn 2 Vogelspinnen in einem Terrarium sind: nach kurzer Zeit hat man nur noch eine, die dafür sehr fett ist. Wie konnte das passieren? Ich hatte ja Magrats Terrarium mit Plexiglas abgeteilt und ein Loch für den Ast gelassen, weil der so schick aussah. Ich hätte nie gedacht, daß Magrat durch den schmalen Schlitz neben dem Ast durchpaßt, und ein Jahr ging es ja auch gut. Vielleicht ist der Ast auch getrocknet und geschrumpft und dadurch verrutscht, er kam mir jetzt jedenfalls deutlich lockerer vor als vor einem Jahr. Na ja, es ist jedenfalls passiert, jetzt habe ich den Ast rausgenommen und das Loch zugemacht. Von Esmeralda sind nur sehr klägliche Überreste geblieben, erstaunlich, daß Spinnen ihre Beute so komplett vertilgen können.
Sicherlich fragt sich mancher, was ich bei einer so sparsamen Spinne mit den Heimchen mache. Ich kaufe sie nicht gar so groß und halte sie dann in einer Faunabox. Sie haben dort ein Stück Eierpappe, Blumenerde und einen winzigen Wassernapf (Deckel einer Medikamentendose in einem kleinen Blumenuntersetzer). Ich füttere sie mit Semmelbrösel, Brotstückchen, Gemüseresten, Löwenzahnblättern und was mir sonst noch einfällt. Solange noch ganz kleine dabei sind, mache ich lieber ein Stück Gaze in den Deckel. Zur Zeit (Februar 2008) habe die 3. Charge Heimchen seit letztem Jahr. Sie vermehren sich aber nicht, wahrscheinlich werden die Eier und / oder Jungtiere wieder verspeist. Die Heimchen leben in der Box, bis sie an der Spinne oder an Altersschwäche (ca. 3 Monate nach Erwachsensein) sterben.
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